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Höhen und Herzen
Zwischen Kletterwand, Kamera und der Suche nach sich selbst
Teil 16 - Höhenzug: Zwischen Griffkraft und Gefühl
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Informationen
- Story: Höhen und Herzen
- Autor: TrioXander
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Coming Out, Abenteuer, Diverses
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Zwischen Unsicherheit und Sehnsucht
- Abendessen im Familienkreis
- Zeit für Ehrlichkeit und neue Herausforderungen
- Näher als jemals zuvor
- Ein neuer Morgen, ein neuer Anfang
- Training mit Energie und Überraschungen
- Nach dem Training
- Entspannung und Beobachtung
Vorwort
Zwei junge Männer zwischen sportlichem Ehrgeiz, innerer Heilung und zärtlich wachsender Liebe – eine Geschichte über das Ankommen, das Vertrauen und die Kraft, sich selbst zu zeigen.
Zwischen Unsicherheit und Sehnsucht
Leo parkt den Roller auf dem kleinen Abstellplatz vor dem Haus, stellt den Motor ab und zieht den Helm ab. Ich tue es ihm nach und hänge den Helm vorsichtig am Lenker ein. Mein Herz pocht noch immer vom Fahrtwind und von dem Gefühl, mich die ganze Fahrt über an ihn geschmiegt zu haben. Ich bin aufgedreht, aber auch ein bisschen nervös.
„Also...“, beginnt Leo und sieht mich mit einem leichten Grinsen an.
„Also...“, wiederhole ich, etwas unsicher, weil die Situation plötzlich so still ist. Kein Fahrwind mehr, keine Motorgeräusche. Nur wir zwei. Und sein Haus.
Leo schiebt seine Hand in meine, zieht mich sanft mit zur Haustür. „Thomas und Sabine sind noch unterwegs. Also... nur wir.“
Mein Bauch kribbelt. Ein wohliges, warmes Kribbeln. Trotzdem bin ich irgendwie schüchtern. Die Vorstellung, ganz allein bei ihm zu sein, lässt mein Herz schneller schlagen.
Wir gehen rein, und es ist ruhig im Haus. Kein Laut, außer unseren Schritten auf dem Holzboden. Leo zieht seine Jacke aus, hängt sie an die Garderobe und wirft mir einen auffordernden Blick zu. Ich tue es ihm nach. Er nimmt meine Hand wieder und führt mich die Treppe hinauf in sein Zimmer.
Oben angekommen bleibe ich kurz in der Tür stehen, sehe mich um. Es ist nicht das erste Mal, dass ich hier bin – aber irgendwie fühlt es sich heute anders an. Vielleicht, weil es nur wir zwei sind. Weil keine Erwachsenen da sind. Weil alles irgendwie möglich wäre.
Leo lehnt sich gegen die Wand, die Hände in den Taschen, und beobachtet mich. Sein Blick ist intensiver als sonst, fast durchdringend. Ich spüre, wie meine Haut leicht prickelt, als seine Augen über mich wandern. „Alles okay?“
Ich nicke, wippe leicht auf den Fußballen. „Ja... ich... ähm... weiß nur nicht, was wir jetzt... machen sollen.“
Er schmunzelt, tritt einen Schritt näher. „Das ist irgendwie süß, weißt du?“
Ich ziehe eine Augenbraue hoch, versuche, cool zu wirken. „Was?“
„Dass du gerade so... unsicher bist. Dabei bist du sonst immer so mutig.“
„Mutig?“ Ich lache leise, aber es klingt eher nervös. „Du hast wohl eine verzerrte Wahrnehmung von mir.“
Leo grinst und legt seine Hand an meine Wange, ganz sanft. Sein Daumen streicht über meine Haut, und ich kann nicht anders, als mich leicht in die Berührung zu lehnen. Mein Magen macht einen kleinen Hüpfer. Es ist, als ob die Luft im Raum plötzlich dicker geworden ist, schwerer, voller Erwartungen.
Er sieht mir direkt in die Augen, und ich spüre, wie meine Knie leicht weich werden. „Ach was. Du bist mutig. Aber...“ Er senkt die Stimme ein wenig, fast ein Flüstern. „Auch süß, wenn du so unsicher bist.“
Ein Teil von mir will einfach die Distanz überbrücken, mich an ihn lehnen, ihn küssen – aber irgendwas hält mich zurück. Vielleicht, weil es neu ist. Weil es nicht nur ein schneller Kuss ist, sondern mehr. Tiefer. Bedeutender.
Meine Gedanken wandern zurück zu heute Nachmittag. An die Umkleide, die Dusche, die Berührung seiner Finger auf meiner Haut. Wie seine Hände mich gehalten haben, fest, aber gleichzeitig so zärtlich. Die Nähe, die uns beide fast überwältigt hat. Ich spüre noch immer die Hitze, die durch meinen Körper geschossen ist. Und jetzt, hier in seinem Zimmer, ohne Zeitdruck und ohne störende Geräusche... Ist das der Moment?
Ich sehe ihn an, und meine Unsicherheit mischt sich mit Verlangen. Will ich das? Will ich mehr? Mein Herz sagt Ja, mein Kopf ist sich nicht sicher. Ich beiße mir leicht auf die Lippe, als seine Hand von meiner Wange langsam meinen Hals hinuntergleitet, seine Finger meine Haut leicht streicheln. Ich will mehr, aber gleichzeitig kämpft die Nervosität mit dem Drang, ihm einfach näher zu sein.
Leo scheint das zu merken. Er zieht seine Hand nicht zurück, sondern bleibt so nah, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüre. „Hey...“, murmle ich, um die Spannung zu brechen, auch wenn ich es gar nicht will. „Du könntest mir eigentlich helfen... mein Insta-Profil zu füllen.“
Ein Funkeln in seinen Augen, und sein Daumen wandert langsam von meiner Wange über meine Lippen. „Gute Idee“, sagt er leise. „Aber... danach?“
Ich zucke leicht mit den Schultern, ein schüchternes Lächeln. „Weiß nicht... vielleicht einfach... wir zwei? Zusammensein?“
„Klingt perfekt“, sagt er, und sein Lächeln ist jetzt weicher, irgendwie liebevoller. Ich atme tief durch, während die Wärme seiner Hand auf meiner Wange bleibt. Es ist, als ob dieser Moment nie enden sollte – einfach wir zwei, in diesem Raum, ohne die Welt draußen.
Meine Gedanken rasen, und ich frage mich, ob er genauso nervös ist wie ich. Ob er auch diesen Drang spürt, noch näher zu sein – und gleichzeitig diese Unsicherheit, ob das jetzt zu viel ist, zu schnell.
Leo zieht mich schließlich sanft mit zum Bett, setzt sich auf die Kante und zieht mich einfach neben sich. Seine Hand bleibt auf meiner, unsere Finger verschlungen. Ich sehe ihn von der Seite an, und er lächelt leicht. Es ist, als ob wir beide gerade einen inneren Kampf austragen – zwischen dem, was wir fühlen, und dem, was wir uns trauen.
„Ich bin froh, dass du hier bist“, sagt er leise.
Ich spüre, wie meine Brust sich warm anfühlt. „Ich auch.“
Unsere Hände ruhen auf meinen Oberschenkeln, und Leos Daumen fährt sanft darüber, fast unbewusst. Es sind kleine Berührungen, aber sie reichen aus, um mein Herz schneller schlagen zu lassen.
„Weißt du...“, beginne ich vorsichtig. „Manchmal denke ich, dass ich noch viel mehr will. Und dann... werde ich nervös. Ich will nichts falsch machen.“
Leo drückt leicht meine Hand. „Du machst nichts falsch. Und du musst auch nichts überstürzen. Echt nicht.“
Ein wenig Erleichterung breitet sich in mir aus. Ich drehe mich zu ihm und lege meinen Kopf auf seine Schulter, schließe kurz die Augen. Einfach nur da sein. Ganz nah.
Leo beugt sich vor und drückt einen Kuss auf mein Haar. „Wir haben Zeit, Justin. Alles ist gut.“
Ich lächle gegen seinen Pullover, und für einen Moment fühlt sich die Welt perfekt an. Nur wir zwei. Keine Eile. Kein Druck. Nur... Nähe.
Leo schaltet seinen Laptop ein, und wir loggen uns in den VERTIX-Server ein. Die Bilder und Clips vom Training erscheinen. Leo klickt sich routiniert durch die Vorschau, und ich merke, wie die Erinnerungen an die einzelnen Momente zurückkommen.
Ich beobachte ihn dabei und kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. So flink, wie er sich zu den Bildern durchgeklickt hat, muss er das schon öfter gemacht haben. Ich kneife ihm leicht in die Seite. „Sag mal... du hast dir die Fotos schon vorher angeschaut, oder?“
Leo hält inne und versucht, nicht zu grinsen. „Vielleicht...“
„Du stalkst mich auf dem Server?“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch.
„Stalken würde ich das nicht nennen“, sagt er mit gespielter Unschuldsmiene. „Ich... wollte nur sicherstellen, dass die Bilder gut geworden sind.“
Ich kichere. „Klar. Rein professionell also?“
„Genau“, sagt er und kann sein Lächeln nicht mehr verbergen. „Außerdem... ich wollte sehen, wie du dich gemacht hast. Du weißt schon... als Athlet.“
Ich rolle mit den Augen, aber ich finde es irgendwie süß, dass er sich die Bilder extra angeschaut hat. Und ein bisschen stolz bin ich auch.
„Guck mal hier“, sagt Leo und zeigt auf ein Bild von mir, wie ich am Seil hänge, die Arme angespannt, das Gesicht konzentriert. „Das ist echt gut. Dynamisch und trotzdem irgendwie... echt.“
Ich nicke. „Ja... das sieht besser aus, als ich mich gefühlt habe.“
Wir klicken weiter durch die Bilder und stoßen auf eine Reihe von Fotos aus den letzten Tagen: Bouldern, die dynamischen Züge, wie ich die Wand hochziehe – schweißnass, das Shirt an die Haut geklebt, die Muskeln deutlich sichtbar. Einige Aufnahmen sind weniger vorteilhaft – mein Gesicht verzerrt vom Anstrengungs-Schrei, die Haare wild, ein bisschen zerzaust.
„Die sind echt intensiv“, murmle ich und bleibe an einem Bild hängen, auf dem man meine Hände in Nahaufnahme sieht – raue, leicht aufgeplatzte Haut, Spuren von Chalk und Schweiß. Leo sieht mich an und nickt. „Das ist deine Realität. Das zeigt, wie hart du dafür arbeitest.“
„Nicht ganz das Bild, was die Kampagne will“, murmele ich.
„Aber genau das macht dich authentisch. Schau mal, die Leute wollen nicht den perfekten Athleten. Die wollen den echten Justin. Und genau das zeigen diese Bilder. Die Mischung aus kraftvoll und verletzlich.“
Ich lächle vorsichtig. „Vielleicht hast du recht...“
Leo zieht mich ein Stück näher. „Ich hab immer recht.“
Ich ziehe eine Grimasse, aber irgendwie hat er mich überzeugt. Zusammen wählen wir ein paar Bilder aus, die gut wirken und gleichzeitig natürlich sind. Leo hilft mir beim Text: ehrlich, locker, ohne große Sprüche. Einfach ich.
„Wie wäre es mit sowas wie: ‚Nicht immer perfekt, aber immer echt. Klettern bedeutet auch mal kämpfen – und ich liebe es.‘“
Ich nicke langsam. „Ja... das klingt nach mir.“
Wir überlegen weiter und finden noch einen Clip von mir und Liam während des Trainings. Es ist nicht die professionelle Aufnahme, sondern ein Making-of-Schnipsel. Liam erklärt mir etwas, ich höre konzentriert zu, dann lachen wir beide über einen verpatzten Versuch. Leo grinst. „Der zeigt, dass du dich nicht immer ernst nimmst. Mag ich.“
Ich beiße mir auf die Lippe. „Aber... sollte ich unsere Sachen auch posten? Ich meine, die Bilder von uns beiden...“
Leo überlegt kurz. „Vielleicht nicht gleich die ganz privaten Sachen. Aber ein paar Schnappschüsse von dir und mir hinter den Kulissen? Das wäre authentisch. Und nicht so direkt. Außerdem... Thomas wird nichts dagegen haben. Er weiß doch eh Bescheid.“
Ich nicke, immer noch etwas unsicher. „Ich will halt nichts kaputt machen. Die Kampagne soll nicht darunter leiden.“
Leo streicht mir beruhigend über die Schulter. „Glaub mir, es wird gut ankommen. Es geht darum, dass die Leute dich kennenlernen – und die, die es verstehen, werden das richtig einordnen.“
Ich überlege noch einen Moment, dann tippe ich den ersten Text: „Training mit Freunden ist das Beste. Manchmal klappt’s – manchmal nicht. Aber immer zusammen. #ClimbingLife #VERTIX #Team“
Leo grinst. „Perfekt. Einfach du.“
Als die ersten Posts online sind, lehne ich mich zurück und atme tief durch. Meine Hände zittern ein bisschen – nicht vor Angst, sondern vor Aufregung. Was, wenn es den Leuten nicht gefällt? Was, wenn...?
Leo legt seinen Arm um meine Schulter und zieht mich zu sich. „Du hast das gut gemacht. Vertrau mir.“
Ich schließe die Augen und lasse die Worte auf mich wirken. Langsam beruhigt sich mein Herzschlag. Und irgendwie... fühle ich mich stolz. Weil ich mich zeige – so, wie ich bin.
Leo lässt mich langsam rückwärts auf sein Bett sinken, die Matratze gibt unter mir nach, und mein Atem geht schneller. Er beugt sich über mich, die Hände rechts und links von meinem Kopf abgestützt, und sein Gesicht ist ganz nah an meinem. Ich sehe die einzelnen Wimpern, die leichte Röte auf seinen Wangen, spüre seinen Atem auf meiner Haut.
Mein Herz rast. Es ist, als ob die ganze Welt plötzlich leiser wird, als ob nur noch wir zwei zählen. Sein Blick hält meinen fest, und es fühlt sich an, als würde die Zeit langsamer werden. Dann berühren sich unsere Lippen – vorsichtig, fast tastend, aber mit dieser Dringlichkeit, die mir den Atem raubt. Ich schlinge meine Arme um seinen Nacken, ziehe ihn näher, will ihn ganz bei mir haben.
Seine Hände wandern unter mein Shirt, streichen sanft über meine Seiten. Die Berührung ist warm, elektrisierend, und ich kann ein leises Zittern nicht unterdrücken. Mein Kopf ist ein Wirrwarr aus Gefühlen: Verlangen, Unsicherheit, Freude – alles auf einmal.
Leo hebt sich kurz ab, sieht mich an. Sein Blick fragt, auch ohne Worte. Willst du das? Ich nicke kaum merklich, ziehe ihn wieder zu mir. Er schiebt das Shirt weiter hoch, und als es über meinen Kopf rutscht, bleibe ich still liegen, die Arme über mir, das Shirt um meine Handgelenke gewickelt. Leo lässt es dort, zieht es nicht ganz aus. Es fühlt sich seltsam und aufregend an – so halb gefangen, aber in einer sicheren, vertrauten Art.
Seine Finger gleiten über meine Brust, erkunden vorsichtig meine Haut, und ich schließe die Augen, genieße jede kleine Berührung. Es kribbelt überall, und ich spüre, wie meine Atmung tiefer wird. Leos Lippen berühren meinen Hals, wandern langsam nach unten, und ich halte den Atem an. Es ist überwältigend – nicht nur die Berührungen, sondern auch die Nähe, die Zärtlichkeit, die hinter jeder Bewegung steckt.
Plötzlich hält er inne, legt sich halb neben mich und streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sein Blick ist weich, fast unsicher. „Geht’s dir gut?“ fragt er leise.
Ich öffne die Augen, sehe ihn an und lächle leicht. „Ja... ich... ich bin nur... irgendwie überfordert. Aber im positiven Sinn.“
Er beugt sich vor und küsst mich sanft auf die Stirn. „Wir müssen nichts überstürzen.“
Ein Teil von mir ist erleichtert, aber ein anderer will ihn einfach weiter spüren, ohne an Morgen zu denken. Trotzdem bin ich dankbar, dass er so achtsam ist. Ich drehe mich ein wenig zur Seite, ziehe ihn mit mir, bis wir nebeneinander auf dem Bett liegen, eng aneinander gekuschelt. Seine Arme halten mich fest, und ich lege meinen Kopf an seine Brust, höre seinen Herzschlag – beruhigend, gleichmäßig.
„Weißt du...“, beginne ich vorsichtig, „manchmal habe ich Angst, dass ich das hier nicht richtig mache. Dass ich... irgendwie nicht genug bin.“
Leo drückt mich noch fester an sich. „Quatsch. Du bist perfekt so, wie du bist. Und wenn irgendwas zu viel wird, dann sag es mir, okay? Es geht um uns beide. Und das Tempo bestimmen wir – zusammen.“
Seine Worte lassen die Anspannung in mir nachlassen. Ich seufze leise und entspanne mich in seinen Armen. Es ist nicht der körperliche Moment allein, der zählt – es ist die Sicherheit, die er mir gibt. Das Wissen, dass ich so sein darf, wie ich bin.
„Danke“, flüstere ich. Leo legt seinen Kopf auf meinen und küsst mich sanft in die Haare. Wir bleiben so liegen, einfach nah beieinander, und ich spüre, wie die Unruhe langsam verschwindet. Alles ist gut. So, wie es jetzt ist.
Ich hebe langsam die Hand und streiche vorsichtig über Leos Brust, spüre die Wärme durch den Stoff seines Shirts. Er sieht mich an, sein Blick weich, fast fragend, und ich merke, wie mein Mut wächst. Langsam greife ich den Saum seines Shirts, halte kurz inne und sehe ihm in die Augen.
Leo lächelt leicht, fast ermutigend, und ich ziehe das Shirt nach oben. Er hebt die Arme, hilft mir, und das Shirt gleitet über seinen Kopf. Er liegt halb aufgestützt neben mir, die Haut leicht schimmernd vom Licht, das durch das Fenster fällt.
Mein Blick bleibt an seiner Brust hängen – die feinen Konturen der Muskeln, die sich unter der Haut abzeichnen, die leichte Röte an seinem Hals. Leo beobachtet mich, und ich weiß, dass er merkt, wie fasziniert ich bin. Seine Hand streicht über meine Wange, sein Daumen ganz sanft, und ich schließe die Augen für einen Moment, lasse mich einfach fallen.
Dann beugt er sich vor, legt seine Stirn an meine, und ich spüre seinen Atem an meinen Lippen. „Du bist wunderschön“, flüstert er leise.
Ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht steigt, aber es ist keine unangenehme Wärme – es ist ein wohliges Gefühl, das sich in meiner Brust ausbreitet. Meine Finger wandern über seine nackten Schultern, entlang der Linie seines Schlüsselbeins. Seine Haut fühlt sich warm und weich an, und ich kann nicht anders, als ihn erneut zu küssen. Diesmal tiefer, intensiver, meine Hände gleiten über seine Arme, fühlen jeden Muskel, jede Bewegung.
Leo legt sich neben mich, zieht mich an sich, und ich bin halb über ihm, mein Oberkörper auf seinem. Sein nackter Oberkörper fühlt sich warm unter meinen Fingern an, die langsam über die Konturen seiner Muskeln gleiten. Ich kann seinen Herzschlag spüren – schnell, aufgeregt, aber ruhig genug, um mir das Gefühl von Sicherheit zu geben. Es ist seltsam, wie ich mich gleichzeitig mutig und verletzlich fühle.
Leo sieht mir in die Augen, ein sanftes Lächeln auf den Lippen, und seine Hände ruhen an meiner Taille, fahren langsam über meinen Rücken. Es ist, als würde jede Berührung kleine Funken auf meiner Haut hinterlassen.
„Du bist echt mutiger, als du glaubst“, sagt Leo leise, seine Stimme rau und sanft zugleich.
„Bin ich das?“ murmele ich gegen seine Lippen, bevor ich ihn wieder küsse, tiefer diesmal, ohne Scheu. Ich taste mich langsam voran, meine Hände wandern über seine Schultern, entlang seiner Seiten. Ich will ihn spüren, will, dass er mich spürt – ohne Angst, ohne Zurückhaltung.
Seine Hände wandern ein kleines Stück unter den Saum meiner Hose, berühren meinen unteren Rücken, und ich spüre ein leichtes Zittern in mir. Es ist kein unangenehmes Gefühl – eher wie eine Mischung aus Aufregung und Verlangen. Ich lasse mich ganz auf ihn ein, spüre seinen Herzschlag unter meiner Hand, die ich auf seine Brust gelegt habe.
In mir tobt ein kleiner Sturm aus Gedanken und Gefühlen. Was, wenn ich etwas falsch mache? Was, wenn ich nicht genug bin? Aber Leo... er gibt mir keinen Grund, daran zu zweifeln. Er lässt mir Raum, gibt mir Zeit. Sein Blick bleibt sanft, verständnisvoll, und ich fühle mich sicher.
Plötzlich zieht er mich enger an sich, seine Lippen wandern über meine Wange, entlang meines Halses, und ich kann nicht anders, als leise aufzuatmen. Es ist wie ein Tanz aus Berührungen und leisen Gesten, kein Wort zu viel, nur das Kribbeln zwischen uns.
Ich hebe vorsichtig seine Hand und lege sie auf meine Brust, fühle die Wärme seiner Finger direkt auf meiner Haut. Leo sieht mich an, prüfend, und ich nicke leicht. Er streichelt sanft über meine Haut, fast ehrfürchtig, und ich merke, wie ich mich ganz in diesem Moment verliere. Sein Daumen fährt langsam über meine Rippen, zeichnet die Linien nach, und ich schließe die Augen, lasse mich einfach fallen.
„Bist du sicher?“ fragt er, seine Stimme fast ein Flüstern.
„Ja...“, antworte ich kaum hörbar. „Ich... will dich spüren.“
Er zieht mich noch näher, seine Hände gleiten über meine Seiten, und ich verliere mich in dem Gefühl seiner Haut auf meiner. Wir küssen uns wieder, langsamer, tiefer, und ich weiß, dass ich gerade genau da bin, wo ich sein will – in seinen Armen, ohne Zweifel, ohne Angst.
Die Welt draußen existiert nicht mehr – nur Leo und ich, in diesem Raum, in diesem Moment.
Seine Finger wandern weiter, erkunden meine Haut, und ich kann die Wärme spüren, die von jeder Berührung ausgeht. Mein Körper reagiert fast automatisch, meine Hände wandern über seinen Rücken, über die muskulösen Konturen, und ich ziehe ihn noch näher. Sein Atem geht etwas schneller, und ich spüre seinen Herzschlag unter meinen Lippen, als ich sanft über seine Brust küsse.
Leo vergräbt seine Hände in meinen Haaren, zieht mich leicht zu sich, und ich lasse es zu, genieße es sogar, wie er die Kontrolle übernimmt, aber nicht drängend – einfach nur führend, mit diesem sanften, fast zaghaften Selbstbewusstsein, das ihn ausmacht.
„Justin...“, murmelt er leise, sein Atem streicht über mein Ohr, und eine kleine Gänsehaut breitet sich über meine Arme aus. Ich spüre seine Finger an meiner Taille, wie sie sanft kreisen, mich festhalten, ohne einzuengen.
In diesem Moment fühle ich mich nicht nur geliebt – ich fühle mich begehrt. Es ist ein neues Gefühl, eins, das mich fast überwältigt, aber auch neugierig macht. Mein Verlangen nach mehr wird stärker, aber gleichzeitig schwebt diese Unsicherheit über uns – nicht aus Angst, sondern aus der Vorsicht, nichts zu überstürzen.
Ich bin nackt bis auf die Hose. Ich spüre seinen Blick auf mir, intensiv und warm, als würde er jedes Detail von mir in sich aufnehmen.
„Du bist so...“, setzt er an, aber die Worte bleiben in der Luft hängen. Stattdessen zieht er mich in einen tiefen Kuss, seine Hände gleiten über meine nackten Schultern, mein Rücken wölbt sich ihm entgegen, und ich kann nicht anders, als mich an ihn zu pressen.
„Ich wollte das schon die ganze Zeit“, flüstert er zwischen den Küssen.
Ich schmunzele leicht und erwidere: „Warum hast du dann so lange gewartet?“
„Weil du es wert bist, dass man wartet“, sagt er ehrlich, und ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt.
Es ist dieser Satz, der alles in mir löst – die letzte Unsicherheit, die letzten Zweifel. Ich weiß, dass er es ernst meint, dass er mich nicht unter Druck setzt. Und das gibt mir die Freiheit, ihn zu küssen, ohne zurückzuhalten, meine Finger durch seine Haare gleiten zu lassen und einfach... loszulassen.
Die Intensität zwischen uns steigt, aber die Zärtlichkeit bleibt. Wir entdecken uns gegenseitig, ohne Eile, ohne Zwang. Nur wir zwei, eingehüllt in diese vertraute, liebevolle Nähe. Und in dem Moment weiß ich, dass ich nichts lieber hätte, als genau hier bei ihm zu sein – so nah, so ehrlich, so verletzlich.
Ich weiß nicht, was morgen ist. Aber jetzt, in seinen Armen, bin ich genau da, wo ich sein will.
Leo und ich liegen nebeneinander, unsere Körper so nah, dass ich die Wärme seiner Haut spüren kann. Ich habe das Gefühl, als hätte ich mich gerade komplett geöffnet, alles zugelassen, was ich sonst immer zurückgehalten habe. Sein Atem streift meine Wange, und meine Finger spielen unbewusst mit den feinen Haaren in seinem Nacken.
Ich weiß nicht, wie lange wir uns einfach nur anschauen, die Zeit scheint sich in diesem Raum aufzulösen. Leos Augen sind weich, fragend, aber auch voller Verlangen. Es ist, als ob wir beide versuchen, die Sprache des anderen ohne Worte zu verstehen. Sein Daumen zeichnet sanft Kreise auf meine Seite, und ich lasse ein leises, zufriedenes Seufzen hören.
„Leo...“, flüstere ich, ohne wirklich zu wissen, was ich sagen will. Es ist mehr ein Bedürfnis, seinen Namen auszusprechen, ihn damit noch näher an mich zu ziehen.
„Ja?“, fragt er leise zurück, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt.
„Ich... will dich einfach nur spüren. Mehr nicht. Kein Denken. Nur... wir.“
Er lächelt, und ich kann das leichte Zittern in seiner Stimme hören, als er antwortet: „Genau das will ich auch.“
Er beugt sich vor, küsst mich, zuerst sanft, dann intensiver. Unsere Hände erkunden die Haut des anderen, tastend und suchend, und ich fühle, wie mein Körper auf jede Berührung reagiert – eine Mischung aus Neugier, Aufregung und diesem tiefen, warmen Verlangen, das alles andere überlagert.
Langsam schiebe ich meine Hände unter seinen Rücken, ziehe ihn näher, und er legt seine Lippen auf meinen Hals, lässt die Küsse sanft über meine Haut gleiten. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, und ich merke, dass mein Atem schneller geht. Es ist, als ob ich mich immer tiefer in ihm verliere, ohne zu wissen, wo ich aufhöre und er anfängt.
Meine Finger wandern zu seiner Taille, und ich ziehe ihn noch ein Stück näher, bis unsere Körper fast verschmelzen. Leo stützt sich mit einem Arm neben meinem Kopf ab und betrachtet mich für einen Moment, als wolle er sicherstellen, dass ich wirklich okay bin. Ich schenke ihm ein kleines, beruhigendes Lächeln und schiebe meine Hand unter den Bund seiner Hose, streiche sanft über seinen Rücken.
„Du machst mich verrückt“, murmelt er, und ich spüre, wie seine Lippen sich wieder auf meine legen, diesmal drängender, hungriger.
Meine Hände gleiten weiter, und ich wage es, seine Hose ein Stück hinabzuschieben, nur so viel, dass ich seinen Hüftknochen unter meinen Fingern fühlen kann. Er zuckt leicht, überrascht, aber nicht zurückweichend. Stattdessen drückt er mich noch fester an sich, als wollte er sicherstellen, dass ich nicht mehr loslasse.
In dem Moment bin ich sicher: Ich will das. Ich will ihn.
Doch plötzlich hören wir eine Stimme von unten, laut genug, um durch die geschlossene Tür zu dringen: „Jungs? Abendessen ist fertig!“
Die Realität reißt uns aus unserer Blase, und für einen Moment starren wir uns einfach nur an, beide mit einem Ausdruck aus Überraschung und leichter Panik. Dann brechen wir gleichzeitig in ein kurzes Lachen aus, noch völlig überwältigt von dem, was gerade zwischen uns passiert ist.
Leo vergräbt sein Gesicht in meiner Halsbeuge, versucht, das Lachen zu unterdrücken. „Verdammt“, murmelt er, „Timing war noch nie unsere Stärke.“
Ich ziehe ihn noch einmal kurz an mich, bevor ich ihn loslasse. „Wir... sollten wohl besser runtergehen“, sage ich, obwohl ich spüre, wie mein Herz noch immer rast.
Er sieht mich an, seine Wangen gerötet, aber seine Augen strahlen. „Ja... wahrscheinlich besser.“
Ich greife nach meinem Shirt, ziehe es über den Kopf und merke erst jetzt, wie warm mir eigentlich ist. Leo macht sich ebenfalls wieder zurecht, wirft mir dabei immer wieder einen schelmischen Blick zu. Bevor wir zur Tür gehen, hält er mich noch einmal zurück, küsst mich sanft und flüstert: „Das war... schön.“
Ich lächle und spüre, wie mein Herz ein wenig langsamer schlägt, beruhigt von seiner Nähe. „Ja... war es.“
Zusammen gehen wir die Treppe hinunter, immer noch mit diesem Lächeln, das wir nicht loswerden können. Es fühlt sich an, als hätten wir gerade einen großen Schritt gemacht – nicht nur körperlich, sondern auch irgendwie emotional.
Und auch wenn die Welt jetzt wieder um uns herum existiert – in meinem Kopf schwebt noch immer dieses warme, schwebende Gefühl von vorher.
Abendessen im Familienkreis
Als wir die Treppe hinuntergehen, merke ich, wie die warme, schwebende Blase um uns herum langsam platzt. Das leise Kichern und die verschämten Blicke zwischen Leo und mir lassen mein Herz immer noch ein bisschen schneller schlagen. Ich versuche, meine Haare irgendwie zu richten, streiche mir noch einmal unauffällig übers Shirt. Leo tut es mir nach, zieht sein eigenes Shirt glatt und schenkt mir ein ermutigendes Lächeln.
Als wir die Tür zum Esszimmer öffnen, prallt die Realität wie eine Welle auf uns. Thomas und Sabine sitzen schon am Tisch und werfen uns einen Blick zu, der zwischen neugierig und belustigt schwankt.
„Na, Jungs“, begrüßt uns Thomas mit einem Grinsen. „Schön, dass ihr auch noch Zeit gefunden habt, runterzukommen.“
Sabine schmunzelt und hebt eine Augenbraue. „Ihr seht aus, als wärt ihr gerade aus einer anderen Welt zurückgekehrt.“
Ich spüre, wie die Röte mir ins Gesicht steigt. Leo versucht, cool zu bleiben, aber ich sehe das leichte Zucken in seinen Mundwinkeln. Er kratzt sich verlegen am Hinterkopf und murmelt: „Äh... ja, wir... haben uns ein bisschen verquatscht.“
Thomas schnaubt leise und stellt einen Teller voller Brot in die Mitte des Tisches. „Na klar. Verquatscht. Das kenne ich auch noch von früher.“
Sabine wirft ihm einen vielsagenden Blick zu. „Lass die Jungs doch. Ist doch schön, wenn sie Zeit für sich haben.“
Leo zieht mich zum Tisch und wir setzen uns nebeneinander, vielleicht ein bisschen näher als nötig. Ich kann die Wärme seiner Schulter neben meiner spüren und das beruhigt mich irgendwie. Sabine füllt die Suppenschalen mit einer duftenden Gemüsesuppe und reicht uns je eine.
„Ich muss sagen, Leo“, beginnt Thomas, als er sich setzt, „dich habe ich schon lange nicht mehr so... entspannt gesehen.“
Leo zuckt mit den Schultern, schielt kurz zu mir rüber und murmelt leise: „Ja, liegt wohl an Justin.“
Ich halte kurz inne und fühle, wie mein Herz einen kleinen Satz macht. Thomas hebt leicht die Brauen und sein Grinsen wird breiter. „Na, das ist doch mal ein Kompliment.“
Sabine lächelt mich warm an und fragt sanft: „Und, Justin, wie geht’s dir jetzt? Wie war der Rest der Woche?“
Ich überlege kurz, wie ich die letzten Tage in Worte fassen soll. „Ja... irgendwie schon. Schule war... naja, anders. Irgendwie hab ich ständig das Gefühl, nicht richtig da zu sein. So, als wäre mein Kopf... woanders.“
„Das nennt sich Verliebtheit“, wirft Thomas trocken ein und zwinkert mir zu. Ich stammele ein unsicheres „Vielleicht“, und Leo lacht leise neben mir.
Sabine nimmt einen Schluck von ihrer Suppe und nickt verständnisvoll. „Es ist auch viel passiert in letzter Zeit. Schule, Training, die Kampagne... und dann auch noch deine eigene Entwicklung. Das ist ziemlich viel auf einmal.“
Ich sehe zu Leo, suche Bestätigung, und er legt beruhigend seine Hand auf mein Knie unter dem Tisch. „Ja, irgendwie... fühlt sich alles neu an. Schön, aber... auch irgendwie ungewohnt.“
Thomas lehnt sich zurück, die Arme vor der Brust verschränkt. „Weißt du, Justin, es ist völlig normal, sich so zu fühlen. Du gehst gerade durch eine Menge Veränderungen. Aber du machst das gut.“
Sabine lächelt liebevoll. „Und wenn es mal zu viel wird, dann redest du einfach mit uns. Oder mit Leo. Ihr seid hier willkommen, so wie ihr seid.“
Ich spüre einen kleinen Kloß im Hals vor Dankbarkeit. Es ist nicht selbstverständlich, so offen empfangen zu werden. Leo drückt kurz meine Hand und ich merke, wie meine Anspannung weiter nachlässt.
Thomas schmunzelt plötzlich wieder und meint: „Aber eine Sache müsst ihr noch lernen: Wenn ihr runterkommt zum Essen, vielleicht vorher mal in den Spiegel schauen.“
Leo verzieht das Gesicht. „Wieso?“
Sabine kann sich ein leises Lachen nicht verkneifen. „Na ja, ihr seht beide ziemlich zerzaust aus. Und ich meine nicht nur die Haare.“
Ich werde knallrot und schiele zu Leo, der sich die Stirn reibt. „Ups“, murmelt er.
„Keine Sorge“, sagt Sabine beruhigend. „Ich finde es nur schön, Leo so glücklich zu sehen. Und dich auch, Justin. Ihr beide... passt einfach zusammen.“
Thomas nickt zustimmend. „Aber nur, weil Sabine nicht aufhört, mich zu erinnern, dass es wichtig ist, Raum für sowas zu lassen.“
Leo sieht mich an, seine Augen leuchten warm und voller Zuneigung. „Na ja... ich bin froh, dass wir diesen Raum haben.“
Sabine reicht uns die Schale mit Brot und fügt hinzu: „Nehmt euch, bevor Thomas alles wegschnappt. Und erzählt mal: Was habt ihr heute so gemacht? War das Training anstrengend?“
Ich erzähle ein bisschen von Liam, vom Klettertraining und wie herausfordernd es war, aber auch wie motiviert ich bin, weiterzumachen. Thomas lauscht aufmerksam und stellt zwischendurch Fragen, während Sabine sich erkundigt, wie es mir mit dem neuen Stundenplan geht.
Leo grinst und ergänzt: „Er hat heute auch sein Insta-Profil ein bisschen aufgepeppt. Hab ihm geholfen.“
„Na endlich!“, ruft Thomas und klatscht in die Hände. „Wurde auch Zeit, dass du dich zeigst.“
Ich werde ein bisschen rot, aber Leo stupst mich leicht mit der Schulter an. „Ich hab ihm ein paar coole Bilder rausgesucht. Und Justin hat den Text selbst gemacht. Ganz authentisch.“
Sabine strahlt. „Ich bin stolz auf dich. Es ist wichtig, dass du dich nicht versteckst. Gerade jetzt, wo so viel passiert.“
Wir essen weiter, und die Atmosphäre bleibt entspannt. Trotz der anfänglichen Verlegenheit fühle ich mich immer wohler. Leo und ich tauschen zwischendurch Blicke, die mehr sagen als Worte. Es ist, als wäre das hier gerade ein kleiner Ankerpunkt in dem Wirbel aus Training, Schule und all den Gefühlen.
Ich weiß nicht, wie die nächsten Tage werden, aber jetzt, hier am Tisch mit Leo und seiner Familie, fühlt sich alles richtig an.
Das Abendessen verläuft lockerer, als ich erwartet hätte. Thomas und Sabine schaffen es immer wieder, die Gespräche auf eine humorvolle Art zu lenken, sodass die anfängliche Verlegenheit fast vergessen ist. Leo und ich haben uns mittlerweile etwas beruhigt – zumindest äußerlich. Innerlich schwirrt noch immer dieses warme Gefühl durch mich, jedes Mal, wenn unsere Blicke sich treffen oder seine Hand zufällig meine unter dem Tisch streift.
Gerade erzählt Thomas von einem Meeting, das heute im VERTIX-Hauptquartier stattgefunden hat. Er spricht über Marketingstrategien, Zielgruppenansprache und wie die Kampagne langsam richtig an Fahrt aufnimmt. Ich höre halb zu, schiebe eine Brotkruste auf meinem Teller hin und her und versuche, die Worte zu sortieren.
„Eigentlich“, sagt Thomas plötzlich und sieht mich an, „ging es heute hauptsächlich um dich.“
Ich sehe überrascht auf. „Um... mich?“
Leo legt beruhigend seine Hand auf meinen Oberschenkel und nickt. „Ja... das ganze Team war zusammen. Sabine, Thomas, Kai, Erik, Finn, Clara und Sophie. Sie haben sich zusammengesetzt, um zu besprechen, wie wir dich am besten unterstützen können.“
„Warte mal...“, ich runzle die Stirn, „das klingt irgendwie... heftig. Ist denn was nicht in Ordnung?“
Sabine legt die Gabel beiseite und sieht mich ernst, aber liebevoll an. „Justin, du hast diese Woche eine Menge durchgemacht. Nicht nur körperlich. Auch emotional. Die Umstellung mit dem neuen Stundenplan, die Trainingsbelastung, der öffentliche Druck durch die Kampagne... und dann noch die privaten Veränderungen. Das ist eine ganze Menge auf einmal.“
Ich schlucke. „Aber... es geht mir doch gut. Ich meine, klar, manchmal ist es viel, aber ich kriege das hin. Wirklich.“
Thomas wirft Sabine einen Blick zu und nickt dann. „Das bezweifelt auch niemand, Justin. Aber genau das ist der Punkt. Du bist unglaublich stark und hältst so viel durch, dass wir fast vergessen haben, dass du eben doch erst 16 bist.“
„Und wir sind uns einig“, ergänzt Sabine sanft, „dass wir als Team mehr darauf achten müssen, dass du nicht unter die Räder kommst. Dein Engagement und deine Leidenschaft sind beeindruckend – aber es ist auch unsere Verantwortung, dich zu schützen.“
Ich merke, wie mein Blick zu Boden wandert. Irgendwie ist mir die ganze Aufmerksamkeit gerade unangenehm. „Ich... ich dachte, ich hätte euch schon genug Arbeit gemacht. Aber eigentlich wollte ich... nicht noch mehr Umstände.“
Leo zieht mich leicht näher zu sich. „Hey, es geht nicht darum, dass du Umstände machst. Es geht darum, dass du dich wohlfühlst. Dass du dich entwickeln kannst, ohne dass du dich selbst dabei verlierst.“
„Leo hat uns viele wertvolle Einblicke gegeben“, erklärt Thomas. „Er dokumentiert die Trainingsfortschritte, aber eben auch deine Stimmung, deine Belastung. Und er war der Erste, der angemerkt hat, dass wir aufpassen müssen. Dass wir dir Raum geben, dich anzupassen.“
Ich sehe Leo überrascht an. „Hast du das... wirklich gesagt?“
Er nickt ernst und lächelt leicht. „Ja. Ich hab gemerkt, dass du manchmal überfordert bist, auch wenn du es nicht sagst. Ich will nicht, dass du dich unter Druck gesetzt fühlst. Egal, ob in der Schule, beim Training oder bei uns. Es ist okay, Pausen zu brauchen.“
Thomas nickt zustimmend. „Leo hat recht. Und wir alle sind uns einig, dass wir noch einiges lernen müssen, wenn es darum geht, mit Jugendlichen im Profibereich zu arbeiten. Es ist eine ganz andere Dynamik. Erwachsene Profis sind oft fokussierter und haben eine gewisse Lebenserfahrung. Bei dir ist es anders. Du entwickelst dich gerade – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.“
Sabine greift das Thema auf. „Deshalb werde ich das Team noch intensiver begleiten. Nicht nur im sportpsychologischen Bereich, sondern auch, um sicherzustellen, dass die Balance zwischen Training, Schule und Freizeit stimmt. Es darf nicht passieren, dass du dich selbst verlierst.“
Ich will gerade etwas sagen, um die Situation zu entschärfen, doch Leo ist schneller. „Ich finde das gut. Wir müssen alle darauf achten. Justin ist ehrgeizig, und das ist super. Aber manchmal braucht er jemanden, der ihn ein bisschen bremst.“
„Genau“, ergänzt Thomas. „Und es ist unsere Verantwortung, nicht deine. Du sollst dich hier gut aufgehoben fühlen. Und wenn du mal Luft brauchst oder was ändern willst – sag es uns.“
Ich beiße mir auf die Lippe, spüre, wie die Unsicherheit in mir aufsteigt. „Ich dachte... ich müsste das alles schaffen. Schule, Training, Kampagne. Ich wollte niemanden enttäuschen.“
Sabine legt ihre Hand auf meine. „Du enttäuschst niemanden. Im Gegenteil – du machst das großartig. Aber genau weil du so viel auf dich nimmst, müssen wir dafür sorgen, dass du nicht zu viel trägst.“
Leo drückt meine Hand unter dem Tisch und flüstert: „Du bist nicht allein. Du hast uns alle.“
Die Wärme seiner Worte sickert langsam in mein Herz, und ich kann nicht anders, als zu lächeln. Es ist irgendwie ein komisches Gefühl – zu wissen, dass so viele Menschen hinter mir stehen und auf mich aufpassen wollen. Aber es ist auch beruhigend.
Thomas hebt sein Glas und lächelt uns an. „Auf das Team. Und darauf, dass wir gemeinsam die Balance finden.“
Ich erhebe schüchtern mein Glas, und Leo folgt meinem Blick. Wir stoßen an, und ich spüre, wie die Anspannung in mir nachlässt. Es ist gut zu wissen, dass ich mich nicht alleine durchkämpfen muss.
Sabine nimmt das Gespräch wieder auf. „Ab nächster Woche werden wir den Plan ein bisschen anpassen. Mehr Pausen, weniger Druck. Und ich werde Leo noch ein bisschen unterstützen – gerade bei der Planung und der Dokumentation. Es ist wichtig, dass wir nicht nur die körperliche Entwicklung im Blick haben, sondern auch deine mentale Stärke.“
Leo zwinkert mir zu. „Heißt das, ich kriege eine Assistentin?“
Thomas lacht. „Quasi. Aber eigentlich ist es eine Win-Win-Situation für uns alle.“
Ich nicke, fühle mich erleichtert. Der Gedanke, dass Leo und Sabine zusammenarbeiten, um mir den Druck zu nehmen, macht die ganze Situation plötzlich viel greifbarer. Es ist, als hätte jemand eine schwere Last von meinen Schultern genommen.
„Danke“, murmle ich leise. Leo schaut mich an und lächelt. „Wir kriegen das hin. Gemeinsam.“
Und zum ersten Mal seit Tagen fühle ich mich wirklich sicher.
Sabine schiebt ihren Teller ein Stück zur Seite und sieht mich mit einem offenen Lächeln an. „Justin, ich habe mal eine Frage.“
Ich blinzle und sehe sie erwartungsvoll an. „Ja?“
„Du hast jetzt ein paar ziemlich turbulente Wochen hinter dir – mit vielen neuen Eindrücken, Veränderungen und Anforderungen. Mich würde interessieren: Was gefällt dir hier bei VERTIX besonders? Und was wünschst du dir vielleicht noch? Gibt es etwas, das du vermisst?“
Ich überlege einen Moment, während Leo mich neugierig von der Seite ansieht. „Also...“, beginne ich langsam, „was mir besonders gefällt, ist die Herausforderung. Das Training ist intensiv, aber irgendwie macht es mich stärker. Körperlich und... auch im Kopf. Ich liebe es, wenn ich merke, dass ich besser werde. Und die Kampagne – klar, die ist aufregend. Irgendwie surreal, aber auch cool.“
Thomas nickt zufrieden. „Das merkt man auch. Dein Ehrgeiz ist beeindruckend.“
„Und natürlich...“, ich zögere kurz, dann lächele ich Leo an, „natürlich Leo. Dass er da ist. Dass ich nicht alleine dastehe. Er gibt mir Halt. Und ich weiß nicht, ob ich das ohne ihn so schaffen würde.“
Leo zieht mich leicht zu sich, und ich sehe, wie Thomas kurz zu Sabine schmunzelt. „Ich kann verstehen, warum du dich hier wohlfühlst“, sagt Sabine mit einem freundlichen Nicken. „Aber... gibt es auch etwas, das dir fehlt?“
Ich denke einen Moment nach und merke, wie mein Blick etwas in die Ferne wandert. „Ja... ich glaube schon. Ich meine, ich vermisse Bobby. Er hat in den letzten Tagen irgendwie angespannt gewirkt. Wir haben nicht wirklich Zeit miteinander verbracht, weil ich ständig unterwegs war – Training, Schule, Shooting...“
Sabine legt den Kopf leicht schräg. „Hast du mit ihm darüber gesprochen?“
„Nicht wirklich. Aber er hat sich gewünscht, dass wir am Sonntag zusammen was unternehmen. Es gibt ein Akrobatik-Event hier in der Nähe, und er will, dass wir da gemeinsam hingehen. Eigentlich freue ich mich drauf... aber gleichzeitig mache ich mir Sorgen, weil er so gestresst wirkt.“
Thomas nickt verständnisvoll. „Das klingt gut – Sonntag ist also Bobby-Tag. Das passt auch, denn wir hatten im Teammeeting schon besprochen, dass wir dir bewusst Zeit für Familie einräumen wollen. Morgen machen wir nochmal eine Ausdauereinheit, aber Sonntag ist frei. Kein Training, keine Kampagne.“
Erleichtert atme ich aus. „Danke.“
„Gibt es noch was, das du vermisst?“ fragt Sabine vorsichtig.
Ich überlege kurz, während ich mit meinem Besteck spiele. „Ja... meine queere Jugendgruppe. Irgendwie habe ich das Gefühl, mich ein bisschen von denen entfernt zu haben. Vor allem Sebbi... er hat immer ein offenes Ohr für mich gehabt. Und jetzt... ich war einfach nicht mehr da.“
Leo sieht mich überrascht an. „Warum hast du das nicht gesagt?“
„Ich hab irgendwie gedacht, ich müsste mich jetzt voll auf die Kampagne und das Training konzentrieren. Und... naja, es war einfach so viel los.“
Sabine nickt verständnisvoll. „Das klingt nach einem wichtigen Anker für dich. Vielleicht sollten wir das auch wieder mehr berücksichtigen. Wie wäre es, wenn du am Montag nach dem Training die Gruppe besuchst?“
Ich strahle. „Das wäre echt cool. Danke.“
Leo lächelt leicht. „Vielleicht... könnte ich mitkommen?“
Überrascht sehe ich ihn an. „Wirklich?“
Er zuckt die Schultern, wirkt aber auch etwas unsicher. „Ich weiß nicht... ob das so passt. Ich will nicht... stören oder so.“
„Quatsch!“, sage ich schnell. „Die sind total entspannt. Und ich würde mich echt freuen, wenn du dabei bist. Es wäre... irgendwie besonders.“
Leo sieht mich nachdenklich an, und ich spüre, dass er noch etwas zweifelt. „Ich überlege es mir“, murmelt er, aber ich merke, dass die Idee in ihm arbeitet.
Sabine schmunzelt. „Du wirst sehen, Leo – manchmal tut es gut, sich auf etwas einzulassen, was nicht mit Training oder Management zu tun hat.“
„Und dann...“, setze ich vorsichtig an, „wäre da noch mein Kletterverein. Ich habe die Leute da echt lange nicht gesehen. Es ist komisch, weil ich eigentlich dachte, ich hätte jetzt so viele neue Aufgaben, dass ich keine Zeit mehr dafür habe... aber ich vermisse die Freunde dort.“
Thomas lehnt sich zurück und denkt nach. „Kai und ich hatten ja schon mal überlegt, ob man das vielleicht verbinden könnte. Eine Trainingseinheit mit Kai direkt im Verein. Das wäre nicht nur gut fürs Training, sondern auch für den Austausch mit den anderen Kletterern dort. Wir klären das mal, aber es klingt nach einer guten Idee.“
„Wirklich?“ frage ich hoffnungsvoll.
„Ja“, bestätigt Thomas. „Es geht darum, dich als Person zu unterstützen – und dazu gehört eben auch, dass du deine Wurzeln nicht verlierst.“
Ich spüre, wie ein warmes Gefühl in mir aufsteigt. Dass alle hier so bemüht sind, dass ich nicht auf der Strecke bleibe... das ist fast überwältigend.
„Danke“, sage ich leise. „Ich hätte nicht gedacht, dass... ihr alle so auf mich achtet.“
Sabine lächelt. „Du bist uns wichtig. Und manchmal braucht es eben ein Team, um sicherzustellen, dass man den Boden nicht unter den Füßen verliert.“
Thomas hebt sein Glas erneut. „Auf die Balance zwischen Training, Kampagne und deinem Leben. Das eine darf das andere nicht erdrücken.“
Leo nimmt meine Hand unter dem Tisch und drückt sie leicht. „Du musst dich nicht entscheiden zwischen Leistung und deinem Leben. Du kannst beides haben. Und ich bin da, um dir zu helfen.“
Ich lächle ihn dankbar an und spüre, wie die letzten Zweifel von mir abfallen. Ich bin nicht allein. Und ich muss nicht perfekt sein, um hier willkommen zu sein.
Zeit für Ehrlichkeit und neue Herausforderungen
Sabine lächelt zufrieden, als sie merkt, dass ich mich etwas entspanne. Thomas schaut noch einmal kurz auf sein Handy und steckt es dann in die Tasche zurück. „Weißt du, Justin“, beginnt er und lehnt sich nachdenklich zurück, „es ist schön, dass du hier bei VERTIX so gut angekommen bist. Aber es gibt noch etwas, worüber wir reden müssen.“
Ich schaue ihn fragend an, und Leo scheint auch ein wenig neugierig zu werden.
„Du hast einen Profivertrag unterschrieben“, fährt Thomas fort. „Und das bedeutet nicht nur Kampagnen und Fotos. Es geht auch um deinen sportlichen Werdegang. VERTIX unterstützt dich nicht nur als Gesicht der Marke, sondern auch als Athlet. Unser Ziel ist es, dich langfristig zu fördern und deine Kletterkarriere professionell aufzubauen.“
Ich nicke langsam. „Ja... ich weiß. Aber was bedeutet das konkret?“
Thomas lächelt leicht. „Nun, bisher hast du an Wettkämpfen teilgenommen, die vor allem auf Vereinsebene stattfanden. Lokale Events, manchmal regional, aber nichts, was dich wirklich als Profi etabliert. VERTIX hat jedoch die Möglichkeit, dich in eine ganz andere Liga zu bringen.“
Ich schlucke. „Eine... andere Liga?“
„Genau“, sagt Thomas ruhig. „In einer Woche findet ein Kletterwettkampf in München statt. Der ‚ClimbX Open‘ – ein großer Wettkampf mit internationalem Teilnehmerfeld. Athleten aus ganz Europa reisen dafür an. Es ist kein Weltcup, aber eine prestigeträchtige Veranstaltung, die oft als Sprungbrett für die internationale Szene genutzt wird.“
Meine Augen weiten sich, und ich spüre, wie mein Magen sich zusammenzieht. „International? Aber... da machen doch die richtig guten Leute mit, oder?“
Thomas nickt. „Ja. Es ist ein offener Wettkampf, das heißt, auch junge Talente können sich beweisen. Es gibt eine eigene Jugendkategorie, aber die Konkurrenz ist trotzdem stark. Einige der besten Nachwuchs-Kletterer Europas werden dort sein.“
Ich blicke kurz zu Leo, der mich ermutigend anlächelt, und dann wieder zurück zu Thomas. „Bin ich... bereit dafür?“
Thomas legt die Stirn in Falten. „Das ist die Frage, die wir uns im Team gestellt haben. Wir haben diese Woche viel über dich gesprochen. Deine Entwicklung ist beeindruckend – körperlich und mental. Aber ein Wettkampf auf diesem Niveau ist eine andere Herausforderung. Es geht nicht nur um deine Technik, sondern auch um deine mentale Stärke.“
Ich atme tief durch. „Ich... ich weiß nicht. Ich meine, ich liebe Klettern, und ich will besser werden. Aber gegen die Besten Europas? Was, wenn ich versage?“
Thomas schaut mich ernst an. „Niemand erwartet von dir, dass du gleich gewinnst. Es geht darum, Erfahrung zu sammeln. Zu sehen, wo du stehst. Dich selbst zu testen und aus den Begegnungen zu lernen. Wenn du dabei Spaß hast und dein Bestes gibst, ist das schon ein Erfolg.“
Sabine nickt zustimmend. „Genau das ist wichtig, Justin. Du musst dich nicht mit den anderen messen, sondern mit dir selbst. Und jeder Wettkampf, egal wie er ausgeht, bringt dich weiter.“
Leo drückt meine Hand unter dem Tisch. „Ich weiß, dass es beängstigend klingt. Aber ich bin bei dir. Wir alle sind es. Und du hast diese Woche schon so viel gezeigt. Du schaffst das.“
Ich beiße mir auf die Lippe. „Ich... ich will nicht enttäuschen. Weder euch noch mich selbst.“
Thomas legt seine Hand auf den Tisch. „Das wirst du nicht. Solange du ehrlich zu dir selbst bleibst und deine Grenzen kennst, ist das der richtige Weg. Und keiner wird dich verurteilen, wenn es nicht perfekt läuft. Es geht um die Erfahrung.“
Ein Teil von mir will es unbedingt versuchen. Der andere Teil ist voller Zweifel. Was, wenn ich in der ersten Runde rausfliege? Was, wenn die anderen so viel besser sind?
„Ich habe bisher nur für meinen Verein geklettert“, sage ich schließlich. „Da ging es um Spaß und Ehrgeiz. Aber jetzt... jetzt fühlt es sich so... ernst an.“
Thomas lächelt verständnisvoll. „Ich verstehe das. Aber genau deswegen haben wir VERTIX. Wir geben dir die Unterstützung, die du brauchst. Nicht nur im Training, sondern auch mental. Clara wird gezielt mit dir arbeiten, Kai wird die Technik nochmal durchgehen, und Erik wird sichergehen, dass du körperlich topfit bist. Es geht nicht darum, dich ins kalte Wasser zu werfen, sondern dich langsam an diese neue Ebene heranzuführen.“
Leo legt seinen Arm um meine Schulter. „Hey. Du hast in den letzten Tagen so viel geleistet. Wenn einer das schaffen kann, dann du.“
„Ich... ich will es versuchen“, sage ich schließlich leise. „Auch wenn ich nicht weiß, wie gut ich bin... ich will es wenigstens versuchen.“
Thomas nickt zufrieden. „Das ist die Einstellung, die wir brauchen. Niemand erwartet Perfektion. Es geht darum, dich zu zeigen. Und glaub mir, viele dieser Profis haben auch mal klein angefangen. Du wirst nicht alleine sein.“
Ich atme tief durch und versuche, den Knoten in meinem Bauch zu lösen. „Okay... dann trainiere ich weiter. Und gebe mein Bestes.“
Leo drückt meine Hand. „Das klingt nach dem Justin, den ich kenne.“
Sabine lächelt mich aufmunternd an. „Wir alle glauben an dich. Und wir werden dich so vorbereiten, dass du mit einem guten Gefühl dort antrittst.“
Ich lasse die Worte sacken und spüre, wie die Angst langsam der Motivation Platz macht. Vielleicht... vielleicht kann ich es wirklich schaffen. Und wenn nicht – dann habe ich es zumindest versucht.
Ich sehe Leo an und lächele vorsichtig. „Danke, dass du bei mir bist.“
„Immer“, antwortet er leise, und ich weiß, dass er es ernst meint.
Thomas hebt sein Glas. „Auf Mut, auf Leidenschaft und auf den Willen, es zu versuchen.“
Wir stoßen an, und ich spüre ein kleines Flattern in meinem Bauch. Ein Teil von mir ist immer noch unsicher, aber die Unterstützung der anderen macht es leichter.
Ich weiß nicht, wie der Wettkampf ausgehen wird, aber ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Und das macht mich irgendwie stark.
Nach dem Gespräch mit Thomas und Sabine hängt meine Gedankenwelt noch immer an der Sache mit dem Wettkampf fest. Ich kann es nicht richtig einordnen. Einerseits bin ich aufgeregt – die Chance, mich mit den Besten Europas zu messen, ist riesig. Andererseits... kann ich das überhaupt schaffen? Bin ich wirklich bereit dafür?
Mein Kopf ist ein Durcheinander aus Gedanken und Gefühlen. Was, wenn ich versage? Wenn ich einfach nicht gut genug bin? Aber gleichzeitig pocht in mir auch die Neugier. Was, wenn ich es schaffe? Was, wenn ich mich da wirklich durchbeiße und etwas beweisen kann – mir selbst, Leo, dem Team?
Ich merke erst gar nicht, dass ich den Anfang des Gesprächs zwischen Sabine und Leo nicht richtig mitbekomme. Nur am Rande nehme ich wahr, dass Leos Stimme angespannter klingt als sonst.
„Leo, du weißt genau, dass du das nicht einfach ignorieren kannst“, sagt Sabine eindringlich, aber ruhig.
„Es geht schon“, murmelt Leo, klingt aber nicht wirklich überzeugend.
Ich blinzele, komme langsam aus meinen Gedanken zurück und sehe, wie Leo ein wenig abwehrend die Schultern anspannt.
„Was ist los?“ frage ich leise, aber keiner von beiden scheint es zu hören.
„Du hast die Ersatzprothese gerade nicht da, oder?“ hakt Sabine nach.
Leo kneift die Lippen zusammen und nickt widerwillig. „Nein. Ist immer noch im Institut, weil sie die Software neu aufspielen.“
Sabine seufzt und legt ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Leo, du weißt, wie wichtig die Pflege ist. Du kannst die Prothese nicht ewig tragen. Die Haut muss regenerieren, und dein Unterarm braucht eine Pause.“
Ich merke, wie Leo kurz die Zähne zusammenbeißt, fast so, als wolle er sich die Schwäche nicht eingestehen. „Heute ist aber...“
„Heute ist heute“, unterbricht ihn Sabine sanft. „Du weißt genau, dass die künstliche Haut regelmäßig eingelegt werden muss, damit sie sich regeneriert. Und der Akku braucht die Ladezeit. Wenn du es noch länger hinauszögerst, riskierst du eine Reizung des Unterarms – und das wäre fatal. Du könntest tagelang ohne Prothese auskommen müssen.“
„Aber...“, Leo sieht kurz zu mir, fast verlegen. „Justin ist hier. Und ich will... wir wollten den Abend zusammen verbringen.“
Ich spüre, wie es in mir arbeitet. Worum geht es hier? Ich weiß, dass Leo eine Prothese hat. Aber es ist irgendwie so selbstverständlich geworden, dass ich gar nicht mehr daran denke. Die Prothese sieht täuschend echt aus, mit der künstlichen Haut, die so natürlich wirkt. Und Leo geht immer so souverän damit um. Es fühlt sich komisch an, ihn jetzt so unsicher zu sehen.
„Leo“, setzt Sabine sanft nach, „es ist kein Zeichen von Schwäche, auch mal auf dich selbst zu achten. Justin wird das verstehen.“
Leo sieht sie trotzig an. „Es ist mir unangenehm, okay? Ich will... nicht, dass er mich so sieht.“
Da wird mir plötzlich klar, worum es wirklich geht. Nicht um die Prothese an sich – sondern um Leos Angst, dass ich ihn ohne sie anders sehen könnte.
„Hey“, sage ich leise und lege meine Hand auf seinen Rücken. „Ich... wusste gar nicht, dass das so kompliziert ist. Warum hast du nichts gesagt?“
Er sieht mich kurz an, und ich sehe, wie schwer es ihm fällt, ehrlich zu sein. „Ich will nicht, dass du... ich weiß nicht. Ich will nicht, dass du mich anders siehst.“
Ich atme tief durch und trete näher an ihn heran. „Leo, ich sehe dich doch nicht anders. Du bist immer noch du. Das gehört zu dir – und ich will nicht, dass du dich deshalb schlecht fühlst. Ehrlich.“
Er zögert und lässt den Kopf hängen. Sabine nickt mir ermutigend zu.
„Es ist kein Drama, Leo“, sage ich sanft. „Aber wenn du dich überforderst, nur um... stark zu wirken, dann ist das nicht nötig. Nicht vor mir.“
Leo beißt sich auf die Lippe und seufzt dann tief. „Es ist nur... du hast mich immer als den gesehen, der stark ist. Der alles im Griff hat. Und wenn ich die Prothese abnehme, bin ich... nicht mehr so.“
Ich schüttele den Kopf und nehme sein Gesicht in meine Hände, zwinge ihn, mich anzusehen. „Weißt du was? Du bist stark. Nicht, weil du immer perfekt bist, sondern weil du ehrlich bist. Und weil du dich auch mal verletzlich zeigst. Das macht dich echt.“
Seine Augen suchen meinen Blick, als würde er nach Bestätigung suchen. Schließlich nickt er leicht, und ich sehe, wie ein wenig Anspannung von ihm abfällt.
„Okay“, sagt er schließlich leise. „Ich werde die Prothese ablegen. Aber... wenn du damit nicht klarkommst...“
„Ich will dich“, unterbreche ich ihn bestimmt. „So wie du bist. Ganz ehrlich.“
Sabine legt ihm noch einmal die Hand auf die Schulter. „Gut. Dann mache es heute Abend, bevor du schlafen gehst. Dein Unterarm braucht die Pause, Leo.“
Er nickt, wenn auch widerwillig. „Ja... ich werde mich darum kümmern.“
Ich drücke seine Hand, und er erwidert den Druck. Es fühlt sich seltsam an, jetzt derjenige zu sein, der ihn stärkt. Aber irgendwie... fühlt es sich auch richtig an. Wir verabschieden uns von Sabine und Thomas, die uns beide mit einem sanften Lächeln betrachten.
„Ihr schafft das schon“, sagt Thomas ermutigend.
Als wir die Treppe zu Leos Zimmer hochgehen, merke ich, wie er meine Hand immer noch festhält. Er wirkt ruhiger, aber ich sehe, dass ihn die Sache beschäftigt. Oben angekommen bleibt er kurz stehen, sieht mich an, als wollte er noch etwas sagen, aber dann lächelt er nur schwach.
„Danke“, flüstert er schließlich.
„Dafür musst du dich nicht bedanken“, antworte ich leise.
Er zieht mich in eine Umarmung, fest und vertraut, und ich spüre, wie viel ihm dieser Moment bedeutet. Wir bleiben so stehen, bis sich die Spannung in uns beiden löst. Und plötzlich merke ich, dass es nicht immer um Stärke geht. Manchmal ist es das Zulassen von Schwäche, das einen wirklich stark macht.
Näher als jemals zuvor
Als wir endlich oben in Leos Zimmer angekommen sind, wirkt die Atmosphäre irgendwie leichter – aber nur für einen Moment. Leo schüttelt sich kurz, als wollte er die Schwere des Gesprächs mit Sabine abschütteln. Dann grinst er plötzlich schelmisch und hebt eine Augenbraue.
„Soll ich das Gästebett aufstellen? Oder...?“ Er lässt den Satz bewusst in der Luft hängen, als wolle er mich herausfordern.
Ich tue entrüstet und verschränke die Arme vor der Brust. „Also bitte! Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich mich mit einem Gästebett zufriedengebe, oder?“
Er lacht leise, ein wenig erleichtert, und ich kann nicht anders, als zu grinsen. Sein Bett ist breit genug, und die Vorstellung, die Nacht allein darin zu verbringen, wäre sowieso absurd. Ich will bei ihm sein – ohne Frage.
„Dachte ich mir“, sagt er schließlich und schiebt mich spielerisch Richtung Bad. „Komm, machen wir uns bettfertig.“
Leos Zimmer hat ein eigenes kleines Bad – nicht groß, aber funktional und irgendwie gemütlich, genau wie der Rest seines Zimmers. Wir stehen nebeneinander am Waschbecken, putzen uns die Zähne, und ich beobachte Leo aus dem Augenwinkel. Er wirkt angespannt, ein wenig in Gedanken, und ich erinnere mich daran, was Sabine vorhin gesagt hat.
Ich lege meine Zahnbürste weg und drehe mich zu ihm. „Hey... kannst du mir mehr über deine Hand erzählen?“
Er sieht mich kurz im Spiegel an, hält inne und überlegt. „Willst du das wirklich wissen?“
„Ja“, sage ich fest. „Ich will alles über dich wissen. Auch das.“
Leo legt die Zahnbürste ab, stützt sich mit der rechten Hand auf dem Waschbecken ab und sieht auf seinen linken Unterarm hinunter. Ich bemerke, wie seine Sportuhr die Stelle kaschiert, an der die Prothese auf den Arm trifft. Es wirkt fast wie ein normales Handgelenk – täuschend echt.
„Es ist... kompliziert“, murmelt er. „Die Prothese sieht echt aus, oder? Aber darunter... ist es nicht so einfach.“
„Erklär’s mir“, bitte ich leise.
Er atmet tief durch, dreht sich zu mir und nimmt vorsichtig die Sportuhr ab. Darunter erkenne ich die Verbindung zwischen Armstumpf und Prothese – eine glatte, fast organisch wirkende Stelle, die trotzdem ein wenig unnatürlich aussieht.
„Diese Prothese ist anders als die meisten“, beginnt Leo. „Normalerweise werden Prothesen nur auf die Hautoberfläche gesetzt, wie eine Art Saugnapf. Aber das Problem ist, dass die Verbindung instabil ist und man nicht richtig greifen kann. Außerdem scheuert die Haut ständig, entzündet sich...“
Er schüttelt den Kopf, als wollte er die Erinnerung an die Schmerzen loswerden.
„Bei mir haben sie was Neues versucht“, fährt er fort. „Sie haben einen künstlichen Knochen in den Stumpf eingesetzt – ein organischer, fast echter Knochenersatz, der fest mit meinem Unterarmknochen verbunden ist. Das bedeutet, dass die Prothese mechanisch stabil an diesem Knochen befestigt werden kann. Keine Oberfläche, die ständig reibt. Es ist... fester.“
Ich berühre vorsichtig seinen Unterarm, meine Finger gleiten über die Stelle, an der die Prothese ansetzt. Es fühlt sich fast natürlich an, aber ich spüre die Übergänge, die feinen Unebenheiten.
„Und die Haut?“ frage ich leise.
Leo seufzt. „Das war das Schlimmste. Der künstliche Knochen muss durch die Haut nach außen ragen, damit die Prothese befestigt werden kann. Das Problem ist, dass die Haut daran anwachsen musste – das hat ewig gedauert und immer wieder zu Entzündungen geführt. War ziemlich schmerzhaft. Aber jetzt... funktioniert es meistens.“
Ich streiche weiter über die Verbindungsstelle, nehme mir Zeit, die Struktur zu begreifen. „Das ist unglaublich“, murmele ich bewundernd.
„Es ist noch nicht perfekt“, gibt Leo zu. „Aber ich kann die Hand richtig belasten, fast wie eine echte. Irgendwann soll ich sogar mein Körpergewicht damit halten können. Noch nicht ganz, aber... das ist das Ziel.“
Ich schaue ihn an, sehe den Stolz in seinen Augen, aber auch die leise Unsicherheit. „Und die Bewegungen?“
„Die Prothese ist mit Sensoren verbunden, die auf die Nervenstränge reagieren. Manche Finger kann ich gezielt bewegen, bei anderen... fühlt es sich eher wie eine Rückkopplung an. Manchmal spüre ich Druck an den Fingerspitzen, aber es ist nicht immer zuverlässig. Die KI unterstützt die Feinmotorik – sie lernt quasi mit mir, wie ich die Hand einsetzen will.“
Ich staune. „Das klingt nach... ziemlich viel Training.“
Leo lächelt schwach. „Ist es auch. Und manchmal geht’s schief. Aber... ich hab mich dran gewöhnt.“
Ich nehme vorsichtig seinen linken Arm– oder das, was davon übrig ist – in meine Hände und betrachte sie genau. Es sind Narben zu sehen, Stellen, wo die Haut nicht ganz perfekt angewachsen ist. Aber es stört mich nicht. Es ist ein Teil von ihm.
„Das bist du“, sage ich leise. „Alles davon. Und ich find’s unglaublich, was du geschafft hast.“
Leo wirkt gerührt, schaut mich fast unsicher an. „Es ist seltsam, das so zu hören. Die meisten... die meisten sehen das nicht so.“
„Ich schon“, flüstere ich und ziehe ihn an mich. „Weil du damit so stark umgehst. Und weil du es mir gezeigt hast.“
Leo seufzt leise und drückt meinen Hinterkopf an seine Schulter. „Danke, dass du da bist“, murmelt er.
„Immer“, antworte ich.
Wir stehen noch einen Moment so da, bis Leo sich schließlich langsam löst. „Ich sollte die Prothese abnehmen und in die Regenerationseinheit legen. Die künstliche Haut muss sich über Nacht erholen und die Hand aufladen.“
„Ich will sehen, wie das geht“, sage ich neugierig.
Leo sieht mich kurz überrascht an, dann nickt er. „Okay. Lass mich das kurz vorbereiten.“
Ich bleibe an der Tür stehen und beobachte, wie er die Verbindung zur KI-Steuerung deaktiviert. Langsam löst er die Prothese von dem mechanischen Endstück, das fest mit dem Knochen verbunden ist. Er legt die Hand vorsichtig in eine Art Halterung, die wie eine Ladestation aussieht. Es ist ein merkwürdiges Bild – die Hand allein in der Apparatur, während Leo nun mit dem verkürzten Arm vor mir steht.
„Sieht komisch aus, oder?“ fragt er unsicher.
„Nein“, sage ich sanft und trete näher. „Es sieht nach dir aus.“
Er lächelt zaghaft, und ich lege meine Hand auf seine Schulter, ziehe ihn einfach in eine Umarmung. Es fühlt sich plötzlich noch intensiver an – als ob er mir einen Teil von sich gezeigt hat, den sonst niemand sehen darf. Und ich weiß, dass es für ihn Mut gekostet hat.
In diesem Moment ist mir klar: Leo ist stärker, als ich jemals gedacht hätte. Nicht trotz seiner Verletzung – sondern genau deswegen.
Ich halte Leo noch einen Moment fest, die Arme fest um seinen Oberkörper geschlungen, mein Gesicht an seiner Schulter vergraben. Ich spüre seinen Atem an meinem Hals, warm und beruhigend, und in mir breitet sich ein tiefer Stolz aus. Er hat mir gerade einen Teil von sich gezeigt, den sonst niemand kennt – einen verletzlichen, realen Teil, den er normalerweise hinter seiner selbstbewussten Art verbirgt.
„Du bist unglaublich stark“, murmle ich leise und halte ihn noch fester.
Ich spüre, wie seine Anspannung ein wenig nachlässt, wie er leise seufzt und sich gegen mich lehnt. Seine Hand – die echte, warme – streicht sacht über meinen Rücken. „Danke“, flüstert er kaum hörbar. „Manchmal... vergesse ich das.“
„Ich nicht“, sage ich bestimmt und ziehe mich ein Stück zurück, um ihm ins Gesicht zu sehen. Unsere Blicke treffen sich, und ich kann die leise Erleichterung in seinen Augen sehen. Ein Hauch von Unsicherheit liegt noch immer auf seinen Zügen, aber gleichzeitig ist da diese Zuneigung, die mir Mut macht.
Wir gehen langsam zurück in sein Zimmer, ein bisschen zögerlich, fast so, als hätten wir Angst, den Moment zu zerbrechen. Leo bleibt stehen, streicht sich verlegen durchs Haar und sieht mich an, als wüsste er nicht so recht, was er als nächstes tun soll.
Ich hebe die Schultern und lächle leicht. „Irgendwie... komisch, oder?“
Leo grinst, ein bisschen schief, aber seine Augen funkeln. „Ja. Ich dachte, das wird... einfacher.“
„Vielleicht, weil es uns wichtig ist“, sage ich leise und trete einen Schritt näher.
„Vielleicht“, murmelt er und legt die Hand an meine Wange, streicht mit dem Daumen sanft über meine Haut. „Aber ich mag es trotzdem, dass wir uns beide so fühlen. Es zeigt, dass es echt ist.“
Ich nicke stumm, unfähig, die Wärme in meinem Brustkorb in Worte zu fassen. Dann schmunzelt Leo plötzlich. „Also... wollen wir uns bettfertig machen?“
„Klingt nach einem Plan“, antworte ich, und ich spüre ein leichtes Kribbeln der Vorfreude.
Leo zieht langsam sein Shirt aus, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich fast ein bisschen neidisch macht. Er wirkt so ruhig, so sicher in seiner Bewegung, selbst mit der Einschränkung ohne seine Prothese. Ich beobachte ihn und kann nicht anders, als die leichten Konturen seiner Brust und die feinen Linien seiner Muskeln zu bewundern.
Ich folge seinem Beispiel, ziehe mir ebenfalls das Shirt über den Kopf, und plötzlich spüre ich seinen Blick auf mir ruhen. Es ist nicht unangenehm – eher neugierig, fasziniert. Ich kämpfe gegen die aufkommende Verlegenheit an und konzentriere mich darauf, einfach ich selbst zu sein.
Unsere Blicke treffen sich wieder, und Leo hebt die Augenbraue. „Du siehst echt gut aus“, sagt er leise, und ich fühle, wie meine Wangen warm werden.
„Du auch“, murmele ich zurück, ein bisschen verlegen.
Langsam ziehen wir uns weiter aus, bis wir beide nur noch in Shorts dastehen. Es ist seltsam und wunderschön zugleich, wie wir uns gegenseitig beobachten, als wäre jeder Moment etwas Besonderes. Leo hebt leicht die Decke an und wir schlüpfen zusammen darunter, unsere Beine berühren sich, und ich spüre die Hitze, die von seiner Haut ausgeht.
Wir liegen auf der Seite, uns zugewandt, und für einen Moment sehen wir uns nur an. Unsere Gesichter sind so nah, dass ich seinen Atem an meiner Wange spüren kann. Ich hebe die Hand und streiche über seine nackte Schulter, spüre die Wärme, die Weichheit seiner Haut.
„Ich... bin froh, dass du hier bist“, sagt Leo leise und rückt noch ein Stück näher.
„Ich auch“, antworte ich und verliere mich in seinen Augen.
Langsam, fast zögerlich, legt er seine Hand auf meine Hüfte und zieht mich ein kleines Stück näher. Der Raum um uns herum scheint zu verschwimmen, und ich vergesse alles, was heute war – die Unsicherheiten, die Zweifel. Jetzt zählt nur noch dieser Moment, in dem wir uns endlich so nah sind, wie ich es mir gewünscht habe.
Dann beugt er sich vor und küsst mich, erst sanft, dann fordernder. Ich schlinge meine Arme um seinen Nacken, ziehe ihn dichter an mich, und unsere Körper schmiegen sich eng aneinander. Ich kann sein Herz spüren, das gegen meine Brust schlägt, und ein wohliges Kribbeln breitet sich in mir aus.
Seine Finger streichen über meinen Rücken, langsam, sanft, und ich kann nicht anders, als mich ihm völlig hinzugeben. Unsere Küsse werden intensiver, die Sehnsucht greifbarer, und ich verliere mich in dem Gefühl, ihn so nah bei mir zu haben.
Leos Hand gleitet zu meinem Gesicht, hält mich sanft, und er zieht sich kurz zurück, nur um mich anzusehen. „Alles okay?“, fragt er leise.
Ich nicke, meine Stimme fast nur ein Flüstern. „Ja... besser als okay.“
Ein zufriedenes Lächeln huscht über sein Gesicht, und dann küsst er mich wieder, tiefer, inniger, als wollte er mich nicht mehr loslassen. Seine Finger fahren durch mein Haar, und ich lasse meine Hände über seinen Rücken gleiten, fühle die feine Struktur seiner Muskeln, die Bewegungen seiner Schultern.
Wir liegen eng umschlungen, und ich spüre, wie mein Atem schneller geht, wie die Hitze sich immer weiter ausbreitet. Ich lege meine Stirn an seine und schließe die Augen, genieße den Moment der puren Nähe, der Geborgenheit und der wachsenden Leidenschaft.
Leo drückt mich sanft an sich, und ich spüre, wie seine Lippen meinen Hals streifen, ein sanfter Kuss, der mir eine Gänsehaut beschert. Unsere Bewegungen werden fließender, natürlicher, als hätten wir endlich die Unsicherheit abgeschüttelt. Wir lassen uns einfach fallen, in die Nähe, in das Verlangen, und ich fühle mich so lebendig wie nie zuvor.
Es ist, als würde die Welt draußen aufhören zu existieren – nur noch wir zwei, in seinem Bett, in dieser Nacht, mit dem leisen Versprechen von mehr.
Unsere Küsse werden langsamer, tiefer, als wollten wir jeden Moment festhalten, jede Berührung auskosten. Leos Hand wandert weiter sanft über meinen Rücken, seine Finger streichen die Linie meiner Wirbelsäule entlang, und ich kann das sanfte Kribbeln auf meiner Haut spüren. Sein Atem ist warm an meinem Hals, während seine Lippen kleine, federleichte Küsse hinterlassen, die ein angenehmes Brennen zurücklassen.
Ich drücke mich dichter an ihn, unsere Körper schmiegen sich aneinander, und ich spüre die Wärme und Erregtheit, die sich zwischen uns ausbreitet. Meine Hände gleiten über seine Schultern, fühlen die feinen Konturen seiner Muskeln, und ich bin fasziniert von der Stärke und Zärtlichkeit, die in ihm steckt.
„Du fühlst dich gut an“, flüstere ich leise, fast ein wenig schüchtern.
Leo hebt seinen Kopf, sieht mich an und lächelt leicht. „Du auch“, murmelt er und streicht mir eine Haarsträhne aus der Stirn. „Und du bist so wunderschön.“
Seine Worte lassen mein Herz schneller schlagen, und ich spüre, wie sich meine Brust hebt und senkt, meine Atmung unregelmäßig und voller Aufregung. Ich lege meine Hand an seine Wange, streiche mit dem Daumen sanft über seine Lippen, und er schließt für einen Moment die Augen, als würde er die Berührung einsaugen.
Dann beugt er sich wieder vor und küsst mich, erst sanft, dann drängender, seine Lippen formen sich perfekt zu meinen, und ich spüre, wie er mich dichter an sich zieht. Meine Hände wandern auch über seinen Rücken, fühlen die Bewegungen seiner Muskeln unter der warmen Haut. Ich will ihn spüren, ohne Barriere, ohne Abstand.
Langsam lege ich meine Beine um seine Hüften, und er reagiert darauf mit einem leisen Seufzen, zieht mich enger an sich, als würde er mich nicht mehr loslassen wollen. Seine Hand wandert zu meiner Taille, hält mich fest, und ich kann spüren, wie sich sein Puls beschleunigt.
„Justin“, flüstert er gegen meine Lippen, als hätte er Angst, mich aus einem Traum zu wecken.
„Ja?“, frage ich leise zurück, meine Finger in seinem Haar vergraben.
„Sag mir, wenn es zu viel wird...“
Ich schüttle leicht den Kopf, sehe ihm in die Augen und versinke in dem weichen Braun, das mich immer so fasziniert. „Ich will das“, sage ich ehrlich und ziehe ihn wieder zu mir. „Mit dir... fühl ich mich sicher.“
Seine Lippen wandern über meinen Hals, küssen die empfindliche Stelle unter meinem Ohr, und ich kann nicht verhindern, dass ein leises Stöhnen aus meiner Kehle dringt. Leo hält kurz inne, ein kleines Lächeln auf seinen Lippen, bevor er weitermacht, seine Finger erkunden meinen Oberkörper, während ich mich ihm voll und ganz hingebe.
Ich spüre seine Hand an meinem Nacken, wie er mich leicht zu sich zieht, und dann liegt er halb auf mir, sein Gewicht beruhigend und angenehm. Unsere Beine sind ineinander verschlungen, und ich fühle seine Wärme überall an mir. Es ist, als würden wir immer dichter ineinander verschmelzen, und ich verliere mich in dem Gefühl, in seinen Armen zu sein.
Meine Hände wandern über seine Seiten, über seinen Rücken, und ich ertappe mich dabei, wie ich ihn noch näher bei mir haben will. Leo hebt seinen Kopf, sieht mich mit diesem Blick an, der so voller Zärtlichkeit ist, dass mir fast die Worte fehlen.
„Ich vermisse dich jedes mal wenn du nicht bei mir bist“, murmelt er, als würde er sich selbst damit beruhigen.
„Ich bin hier“, flüstere ich zurück und lege meine Stirn an seine. „Und ich geh nicht weg.“
Seine Hand gleitet sanft über meine Brust, und ich spüre die leichte Anspannung in seinen Fingern – fast so, als würde er sich zurückhalten, als hätte er Angst, zu viel zu wollen. Ich lege meine Hand auf seine, halte ihn fest und drücke mich leicht gegen seine Berührung.
„Du kannst“, sage ich leise und sehe ihm fest in die Augen. „Ich vertraue dir.“
Ein kleiner Seufzer entweicht ihm, und er lässt sich tiefer in die Umarmung fallen, seine Küsse wandern meinen Hals hinunter, und ich spüre, wie sich die Anspannung in mir immer weiter löst. Mein Atem geht schneller, aber ich fühle mich nicht mehr nervös – eher aufgeregt, neugierig, bereit, ihm genauso viel zu geben wie er mir.
Unsere Bewegungen werden langsamer, tiefer, und ich spüre, wie sich mein Körper immer mehr nach ihm sehnt. Ich spüre seine Härte, die sich gegen die meine presst. Leo hält inne, sieht mich an, und in seinen Augen liegt eine Mischung aus Zuneigung und Verlangen.
„Ich liebe es, dich so zu sehen“, sagt er leise, seine Stimme rau und sanft zugleich.
„Wie denn?“, frage ich schüchtern, mein Gesicht leicht gerötet.
„So... entspannt. So glücklich. So... echt.“
Ich kann nicht anders, als zu lächeln, und ich ziehe ihn wieder zu mir, küsse ihn, lange und innig, und lasse mich in seine Wärme fallen. Leo streicht mir sanft über die Wange, und ich merke, dass die Unsicherheit langsam verschwindet – weil ich weiß, dass er mich hält, egal was passiert.
Ich lege mich neben ihn, ziehe ihn mit mir unter die Decke, und er kuschelt sich an mich, unsere Beine verwoben, unsere Hände verschränkt. Die Stille zwischen uns ist wohltuend, ein angenehmes Summen liegt in der Luft, und ich weiß, dass diese Nacht etwas Besonderes ist – weil wir beide einfach wir selbst sein können, ohne Angst, ohne Druck.
Leo streicht mir sanft über den Rücken hinab, und ich spüre, wie sich meine Atmung weiter beruhigt. Die Wärme seines Körpers lullt mich ein, und ich schließe die Augen, lasse die Welt draußen. Es gibt nur uns beide, in diesem Raum, in diesem Bett – und ich weiß, dass ich genau da bin, wo ich sein will.
Wir liegen eng aneinander, die Wärme seiner Haut verschmilzt mit meiner, und ich spüre seinen Herzschlag, der im gleichen Takt wie meiner zu schlagen scheint. Es ist ein seltsames Gefühl – einerseits diese unglaubliche Nähe, die Vertrautheit und das Verlangen, das in mir wächst. Andererseits auch diese Unsicherheit, die mich immer wieder innehalten lässt.
Leos Finger gleiten sanft über meine Flanken, fast so, als wollte er jede Linie meiner Rippen auswendig lernen. Seine Berührungen sind ruhig, zärtlich, aber in der Art, wie er mich ansieht, liegt ein stilles Versprechen. Ein Kuss folgt dem nächsten, unsere Lippen finden sich immer wieder, mal sanft und vorsichtig, mal fordernder, intensiver.
Zwischen den Küssen murmelt Leo leise meinen Namen, als müsste er sich vergewissern, dass ich wirklich hier bin. Ich spüre, wie seine Hände sachte über meine Seiten wandern, mein Atem wird schneller, und mein Kopf ist ein einziges Chaos aus Gedanken und Gefühlen.
„Ich will dich... einfach nur bei mir haben“, flüstert er leise, und seine Worte lassen ein warmes Kribbeln durch meinen ganzen Körper laufen.
„Ich bin hier“, antworte ich fast atemlos, ziehe ihn noch dichter an mich.
In dem Moment ist es nicht nur die körperliche Nähe, die mich so erfüllt – es ist die Art, wie Leo mich ansieht, wie er mich hält. Ich fühle mich sicher, geborgen und doch auf eine Weise aufgeregt, die ich kaum in Worte fassen kann.
Seine Stirn liegt an meiner, unsere Nasen berühren sich leicht, und ich sehe die Zärtlichkeit in seinen Augen. Ich schließe kurz die Augen, versuche mich zu beruhigen, aber es fällt mir schwer. Dieses Kribbeln unter meiner Haut, das Verlangen, ihn noch näher bei mir zu spüren, lässt mich fast unruhig werden.
„Hey“, murmelt Leo, seine Stimme ist weich, fast beruhigend. „Wir müssen nichts überstürzen. Es reicht... so.“
Ich nicke, ein bisschen erleichtert, aber gleichzeitig wünschte ich mir, mutiger zu sein. Mein Herz pocht so laut, dass ich sicher bin, er kann es spüren. Leo streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, seine Finger gleiten sachte über meine Wange.
„Ich mag dich“, sagt er leise und schmunzelt dabei, als wäre ihm die Schlichtheit dieser Worte fast unangenehm.
Ich lächle zurück. „Ich mag dich noch viel mehr.“
Wir bleiben so liegen, ineinander verschlungen, unsere Hände ineinander verflochten. Es ist nicht die Dringlichkeit, die zählt – es ist die Nähe. Das Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, bei dem ich mich fallen lassen kann. Der mich hält, wenn die Welt sich zu schnell dreht.
Und während ich meinen Kopf an seine Brust lege, die Ruhe seines Herzschlags lausche, spüre ich, dass es nicht nur darum geht, was wir tun oder wie weit wir gehen. Es geht darum, dass wir uns haben – in diesem Moment, in dieser stillen, fast magischen Nacht.
Ich ziehe die Decke ein Stück höher, lege meine Hand auf seine Brust und schließe die Augen. Leo legt seinen Arm um mich, zieht mich noch ein kleines Stück näher, und ich weiß, dass ich hier bleiben will. So, wie wir sind – ohne Druck, ohne Angst. Nur wir.
Ich liege dicht an Leo gekuschelt, sein Arm hält mich sanft, und mein Kopf ruht auf seiner Brust. Die Müdigkeit hat sich langsam über mich gelegt, und während ich immer tiefer in den Schlaf gleite, bleibt dieses warme, beruhigende Gefühl. Leos Finger fahren sanft durch mein Haar, und ich höre sein leises Atmen, das mir das Gefühl gibt, genau da zu sein, wo ich hingehöre.
Der Duft von ihm erfüllt meine Sinne – diese Mischung aus Frische und etwas Einzigartigem, das ich sofort als „Leo“ erkenne. Ich vergrabe mein Gesicht an seinem Hals, atme tief ein, und ein leises Lächeln legt sich auf meine Lippen. Es ist, als könnte ich diesen Moment einfrieren, ihn für immer in mir bewahren.
Langsam entspannt sich mein Körper, die Müdigkeit nimmt mir die letzten wachen Gedanken. Ich lasse mich fallen, sicher in seinen Armen, und während die Dunkelheit des Schlafes mich umhüllt, bleibt das Gefühl von Geborgenheit, von diesem unglaublichen Glück, ihn zu haben.
Am nächsten Morgen bin ich noch halb in meiner Traumwelt gefangen. Ein sanfter Luftzug streift meine nackte Schulter, und ich spüre eine Berührung – vorsichtig, streichelnd, fast wie ein sanfter Hauch. Ich seufze leise, noch halb schlafend, und lehne mich der Hand entgegen, die sanft über meinen Arm fährt.
„Guten Morgen“, höre ich eine vertraute, warme Stimme flüstern.
Ich blinzle langsam, die Augenlider schwer, und sehe Leo über mir. Er liegt auf der Seite, den Kopf auf seinen Arm gestützt, und sieht mich mit diesem leisen Lächeln an, das mir sofort das Herz schneller schlagen lässt.
„Hey...“, murmele ich noch etwas verschlafen und strecke mich leicht.
Leo grinst. „Du siehst süß aus, wenn du schläfst.“
Ich ziehe die Decke ein bisschen höher, ein bisschen verlegen, aber auch glücklich. „Warst du die ganze Zeit wach?“
„Nicht die ganze Zeit“, gibt er zu. „Aber ich wollte dich nicht wecken. Du hast so friedlich ausgesehen.“
Ich fühle, wie meine Wangen warm werden. Seine Hand wandert langsam über meine Seite, seine Finger zeichnen sanft die Konturen meiner Taille nach. Es ist so zärtlich, dass ich mich ihm fast automatisch entgegenlehne.
„Ich könnte mich daran gewöhnen, so aufzuwachen“, flüstert er und zieht mich ein Stück näher.
„Ich auch“, gebe ich zu und lege meine Hand auf seine Brust, spüre die Ruhe seines Herzschlags.
Er beugt sich leicht vor, seine Lippen streifen meine Stirn, dann meine Wange. Seine Küsse sind sanft, fast träumerisch, und ich verliere mich in der Behutsamkeit, mit der er mich berührt. Ich schlinge meine Arme um seinen Nacken, ziehe ihn noch näher zu mir, und unsere Lippen finden sich in einem langsamen, verschlafenen Kuss, der sich allmählich intensiviert.
Leos Hand wandert unter die Decke, seine Finger gleiten über meine Seite, und ich kann nicht anders, als leise aufzuseufzen. Es fühlt sich so gut an – so vertraut und doch aufregend, ihn so nah bei mir zu haben.
„Du bist warm“, murmelt er gegen meine Lippen, und ich lächle leicht.
„Liegt an dir“, gebe ich zurück, und er schmunzelt, zieht mich noch dichter an sich.
Unsere Beine verflechten sich unter der Decke, und ich lasse meine Hand über seinen Rücken gleiten, fühle die sanfte Spannung seiner Muskeln unter meinen Fingern. Es ist ein vorsichtiges Erkunden, sanft und zärtlich, und trotzdem spüre ich die Leidenschaft, die uns beide durchdringt.
Ich lehne meinen Kopf gegen seine Schulter, atme tief ein und lasse die Müdigkeit endgültig von mir abfallen. Die Morgensonne scheint durch das Fenster und taucht das Zimmer in ein sanftes Licht. Ich hebe den Kopf, sehe Leo an, und unsere Blicke treffen sich – voller Wärme und diesem unausgesprochenen Verlangen.
„Ich liebe es, dich so zu sehen“, flüstert er. „Ganz entspannt, ganz du selbst.“
„Bei dir... kann ich das“, antworte ich leise.
Er drückt mich sanft zurück auf die Matratze, legt sich halb über mich und küsst mich erneut, tiefer diesmal, mit dieser Intensität, die mich fast den Atem anhalten lässt. Meine Finger gleiten durch sein Haar, und ich ziehe ihn näher, spüre seinen Körper auf meinem, die Nähe, die so unglaublich gut tut.
Leo sieht mich an, ein Funkeln in seinen Augen. „Guten Morgen, Justin“, sagt er noch einmal, und ich kann nur lächeln.
„Guten Morgen, Leo.“
Die Welt draußen hat keine Bedeutung mehr – es gibt nur uns, eingehüllt in diese ruhige, sanfte Zweisamkeit, die ich für immer festhalten möchte.
Ein neuer Morgen, ein neuer Anfang
Langsam lasse ich die Müdigkeit von mir abfallen und strecke mich genüsslich unter der Bettdecke. Leo liegt neben mir, und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Die Erinnerungen an die vergangene Nacht fluten über mich hinweg – die Nähe, die Zärtlichkeit, die Vertrautheit. Es fühlt sich so intensiv an, als hätte ich in dieser Nacht nicht nur ihn, sondern auch ein Stück von mir selbst besser kennengelernt.
Leo dreht sich leicht zu mir, ein verschlafenes Lächeln auf den Lippen. „Gut geschlafen?“ fragt er leise und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht.
„Definitiv“, murmele ich und ziehe ihn noch einmal in eine kurze, sanfte Umarmung. „Bei dir... fühlt sich alles so leicht an.“
„Na dann, komm“, sagt Leo schließlich und zwinkert mir zu. „Bevor Sabine uns hochscheucht, sollten wir besser aufstehen.“
Ich grinse. „Klingt vernünftig.“
Wir stehen auf und ich kann nicht anders, als Leo beim Anziehen seiner Shorts heimlich zu beobachten. Es fühlt sich so normal und gleichzeitig so besonders an, ihn einfach so zu sehen – entspannt, verschlafen und doch voller Energie.
Zusammen gehen wir ins Bad, und ich beobachte neugierig, wie Leo die Prothese vorbereitet. Er holt die Apparatur aus dem Schrank, eine flache Ladestation, in der die Prothese über Nacht gelegen hat. Vorsichtig nimmt er sie heraus, kontrolliert die Verbindung und die künstliche Haut, die sich leicht aufgewärmt anfühlt.
„Ist es kompliziert?“ frage ich leise, während er die Hand vorsichtig an seinen Unterarm setzt.
Leo schüttelt den Kopf. „Nicht mehr. Am Anfang war es hart – ständig Schmerzen, Entzündungen, und ich dachte echt, ich pack das nicht. Aber jetzt... ich hab mich dran gewöhnt.“
Ich sehe, wie er die Halteklammer vorsichtig befestigt, die Mechanik überprüft und dann die Prothese mit einem leichten Klicken einrastet. Langsam bewegt er die Finger, prüft die Flexibilität.
„Es sieht so... echt aus“, murmele ich.
Leo lächelt leicht. „Das war die Idee. Die künstliche Haut muss regelmäßig gepflegt werden – deshalb war Sabine gestern so hartnäckig. Die Prothese braucht Pausen, genauso wie ich.“
Ich lege eine Hand auf seinen Arm und drücke sanft. „Ich finde es stark, wie du damit umgehst. Ehrlich.“
Leo sieht mich einen Moment lang an, und ich erkenne in seinem Blick diese Mischung aus Dankbarkeit und Stolz. „Mit dir... ist es einfacher. Du machst das irgendwie leichter.“
Ich grinse. „Dann ist das wohl mein Job.“
Nachdem Leo die Prothese richtig eingestellt hat, gehen wir runter in die Küche. Der Duft von Kaffee strömt uns entgegen, und ich höre Sabine und Thomas leise plaudern. Als wir ins Esszimmer treten, blicken beide gleichzeitig auf – und ich sehe dieses wissende Lächeln in ihren Gesichtern.
„Guten Morgen, Jungs“, sagt Sabine mit einem Zwinkern.
„Morgen“, murmele ich und setze mich an den Tisch. Leo stellt sich hinter mich, legt mir kurz die Hände auf die Schultern, bevor er sich neben mich setzt.
„Na, habt ihr gut geschlafen?“ fragt Thomas und versucht, das Lachen zu unterdrücken.
Leo grinst nur. „Wie ein Stein.“
Sabine mustert uns und kann sich ein Kichern nicht verkneifen. „Ihr strahlt irgendwie. Ist schön zu sehen.“
„Ach, halt doch die Klappe“, murrt Leo scherzhaft, aber ich sehe, wie seine Ohren leicht rot werden.
Ich schnappe mir eine Scheibe Brot und schmiere Butter darauf, während ich Thomas einen neugierigen Blick zuwerfe. „Und was steht heute an?“
„Nun“, sagt Thomas, und ich erkenne diesen geschäftsmäßigen Tonfall, den er manchmal hat. „Heute ist vor allem Ausdauertraining angesagt. Kai erwartet euch beide gegen Mittag im Trainingszentrum. Danach ein bisschen Regeneration und Mentaltraining mit Clara.“
„Und morgen?“, frage ich, während ich in mein Brötchen beiße.
Sabine schmunzelt. „Morgen ist frei. Und das bleibt auch so. Bobby hat ja was mit dir geplant, oder?“
Ich nicke erleichtert. „Ja, er hat sich gewünscht, dass wir zum Akrobatik-Event gehen. Ich glaube, das tut uns beiden gut.“
Thomas nickt. „Perfekt. Zeit für Familie ist wichtig. Und Montag werden wir das Training so gestalten, dass du danach noch zu deiner Jugendgruppe kannst. Das haben wir im Team schon besprochen.“
Ich sehe Leo an und lächle. „Du kommst mit?“
Er zögert leicht. „Weiß nicht... Ich meine, das ist deine Gruppe. Vielleicht ist das komisch.“
„Ach was“, sage ich bestimmt. „Die sind locker drauf. Außerdem will ich, dass du sie kennenlernst. Du gehörst doch zu mir.“
Ein Hauch von Verlegenheit huscht über Leos Gesicht, aber ich sehe auch, dass er sich freut. Thomas erhebt seine Kaffeetasse. „Also, auf einen entspannten Tag. Und Jungs – schön, dass ihr euch habt.“
Ich hebe meine eigene Tasse und schmunzle. Sabine lächelt uns liebevoll an. Es fühlt sich gut an, so akzeptiert zu werden – nicht nur als Sportler, sondern einfach als ich. Und mit Leo an meiner Seite wird selbst ein gewöhnlicher Morgen zu etwas Besonderem.
Während wir beim Frühstück sitzen, schnappe ich mir mein Handy und öffne Instagram. Leo lehnt sich neugierig über meine Schulter, und ich sehe, wie sich ein Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitet.
„Guck mal, Maik hat kommentiert“, sage ich und lese laut vor: „‚Justin, du zeigst ja plötzlich Seiten von dir – Respekt! Und hey, der Typ neben dir sieht aus wie ein Model. 😉‘“
Leo lacht leise. „Ich wusste, dass er mich mag.“
„Ja, aber ich glaube, er findet dich auch ein bisschen einschüchternd“, murmele ich und scrolle weiter. „Johannes hat geschrieben: ‚Endlich mal was Echtes. Proud of you, Bro!‘“
Thomas lehnt sich über den Tisch und schaut neugierig auf mein Handy. „Na, scheint ja gut anzukommen.“
„Ich war echt unsicher“, gebe ich zu. „Aber die Reaktionen... sind echt cool.“
Sabine grinst. „Ich hab’s dir doch gesagt. Authentizität kommt an. Und außerdem...“, sie wirft uns einen liebevollen Blick zu, „...ihr seid ein gutes Team.“
Leo schaut mich an, und ich sehe in seinen Augen dieses stolze Funkeln. Er zieht sein Handy hervor und zeigt mir, dass er meine Posts geteilt hat – mit einem schlichten Kommentar: „Stolz auf ihn.“
„Leo...“, flüstere ich und spüre, wie mir das Herz ein bisschen schneller schlägt.
Er zuckt nur lässig mit den Schultern. „Ist die Wahrheit.“
Nachdem wir gefrühstückt haben, räumen wir gemeinsam ab und gehen dann wieder hoch in Leos Zimmer. Als die Tür hinter uns ins Schloss fällt, atme ich tief durch und lasse mich aufs Bett fallen.
Leo setzt sich neben mich und stützt sich mit einer Hand auf. „Schön, wie die Leute reagieren, oder?“
Ich nicke. „Ja. Ich hab irgendwie Angst gehabt, dass es zu persönlich ist. Aber... es ist einfach gut, sich zu zeigen. So, wie ich bin.“
Leo zieht mich sanft an sich und legt einen Arm um meine Schulter. „Du solltest immer so sein, wie du bist. Genau das macht dich aus.“
Ich lehne mich gegen ihn und überlege kurz. „Weißt du... manchmal denke ich, dass ich ohne Bobby gar nicht hier wäre. Nach dem Tod meiner Eltern... er war der Einzige, der mich gehalten hat. Ich war noch so jung und hab nichts verstanden. Aber Bobby... er hat nie aufgegeben. Hat für uns beide gekämpft. Er war mein Anker.“
Leo streicht mir über den Rücken und hört einfach zu. „Ich wusste nicht, dass du das alles so intensiv durchgemacht hast...“
„Manchmal vergesse ich es selbst. Aber Bobby erinnert mich daran – dass wir beide stark sein mussten. Er hat so viel geopfert. Deshalb will ich ihm jetzt auch zeigen, dass ich das schätze. Ich will Zeit mit ihm verbringen. Morgen beim Akrobatik-Event... einfach nur wir zwei.“
Leo nickt verstehend. „Das ist gut. Familie ist wichtig.“
Ich sehe ihn an. „Und du? Hast du dich mittlerweile an die Prothese gewöhnt?“
Leo zögert kurz. „Manchmal schon. Aber dann gibt’s Tage... da hasse ich sie. Oder mich. Weil ich mich frage, warum ich sie überhaupt brauche. Warum ich nicht einfach... komplett sein kann.“
„Aber du bist komplett“, sage ich leise und lege meine Hand auf seinen Oberarm. „Die Prothese ist ein Teil von dir – aber sie definiert dich nicht.“
Leo lächelt sanft. „Danke. Weißt du, manchmal vergesse ich, dass du auch mal schwere Zeiten hattest. Du wirkst so... unbeschwert.“
„Das liegt an dir“, sage ich ehrlich. „Mit dir... ist alles leichter.“
Ein sanftes Knistern liegt in der Luft, als Leo mich näher an sich zieht. „Ich will dich nicht verlieren. Nicht jetzt, wo ich mich endlich wieder traue zu fühlen.“
Ich lege meinen Kopf auf seine Schulter und lächle. „Keine Sorge. Ich bin hier. Und ich gehe nicht weg.“
Wir reden weiter über Hobbys, alte Geschichten, und Leo erzählt mir von seinen ersten Skaterversuchen, die ziemlich katastrophal waren. Ich lache, und es fühlt sich gut an, ihn so offen reden zu hören.
Plötzlich klingelt Leos Handy – eine Erinnerung für das Training. „Zeit aufzubrechen“, sagt er mit einem kleinen Seufzer.
„Lass uns fahren“, sage ich und grinse. „Ich liebe es, mit dir auf dem Roller zu sitzen.“
Leo schnappt sich die Schlüssel, und kurz darauf sitzen wir wieder auf seinem Roller. Der Fahrtwind weht uns entgegen, und ich halte mich fest an ihm. Es ist dieses Gefühl von Freiheit – und gleichzeitig die Gewissheit, dass ich bei ihm sicher bin.
Ich lege meinen Kopf kurz an seinen Rücken, atme seinen Duft ein und spüre die Wärme seines Körpers durch seine Jacke. Wenn ich ihn so halte, fühlt es sich an, als könnte nichts uns trennen. Leo lenkt den Roller mit einer Leichtigkeit, die mich immer wieder beeindruckt. Ich genieße es, die Straßen hinter uns zu lassen, die Welt ein wenig auszublenden und einfach im Moment zu leben.
Als wir die Einfahrt zur VERTIX-Firma nehmen, fühle ich mich erfüllt von Glück und Vorfreude. Ich schlinge die Arme noch ein bisschen fester um seine Taille, und Leo lacht leise, dreht kurz den Kopf zu mir.
„Fest genug?“ fragt er neckend.
„Kann nie fest genug sein“, antworte ich und drücke ihn noch etwas enger an mich.
Wir parken und steigen ab, und ich kann nicht anders, als ihn kurz zu umarmen, bevor wir die Firma betreten. Es ist, als hätten wir in den letzten Stunden eine neue Verbindung gefunden – intensiver, echter, und irgendwie... perfekt.
Der Tag kann kommen. Mit ihm an meiner Seite fühle ich mich bereit für alles.
Training mit Energie und Überraschungen
Leo und ich kommen im Foyer von VERTIX an, und sofort zückt er sein Tablet. Er scrollt durch den Tagesplan und ein schelmisches Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus.
„Was?“, frage ich neugierig und versuche, über seine Schulter zu spähen.
„Nichts“, sagt er lässig und klappt das Tablet zu. „Wird dir gefallen. Und wenn’s geht, mache ich heute mit.“
„Komm schon, Leo! Sag’s mir!“
Er grinst und zwinkert mir zu. „Geduld, Sunshine. Lass dich überraschen.“
Ich rolle mit den Augen, aber das Kribbeln der Neugierde breitet sich in mir aus. Leo verschwindet kurz im Materialraum, während ich noch in den Umkleiden verschwinde, um mich schnell zu duschen. Das Wasser ist erfrischend, und die Gedanken an die letzte Nacht bringen mich erneut zum Lächeln.
Als ich zurückkomme, liegt bereits ein Outfit auf der Bank. Sportlich, stylisch, aber mit einem kleinen Twist – die Funktionsshorts sind dunkelgrau mit einem dezenten roten Streifen an der Seite, und das ärmellose Shirt hat einen leuchtenden Akzent in Petrol. Es sieht leicht und gleichzeitig robust aus, genau richtig für ein Ausdauertraining.
Ich ziehe die Klamotten an und fühle mich sofort wohl. Der Stoff liegt angenehm auf der Haut, elastisch genug, um jede Bewegung mitzumachen, und trotzdem luftig. Als ich mich im Spiegel betrachte, fällt mir auf, dass die Kombination von Farben und Schnitt irgendwie... dynamisch wirkt.
Gerade als ich die Schnürsenkel festziehe, höre ich Mias Stimme hinter mir.
„Na, Sunshine! So viel Energie an einem Samstag?“, fragt sie grinsend und klopft mir auf die Schulter.
„Mia! Du bist heute auch da?“
„Klar, Leo hat mich eingeweiht. Wenn du hier bist, braucht er schließlich Unterstützung beim Styling.“ Sie wirft mir einen aufmerksamen Blick zu und lächelt wissend. „Und heute... du strahlst noch mehr als sonst. Will ich die Details wissen?“
Ich werde rot und zucke mit den Schultern. „Äh... keine Ahnung. Ist einfach ein guter Tag.“
„Sicher“, sagt sie mit diesem typischen Mia-Grinsen und zupft an meinem Shirt. „Aber ich mag, was ich sehe. Du wirkst... irgendwie erwachsener.“
„Liegt bestimmt an der Trainingskleidung“, sage ich und versuche, cool zu bleiben.
„Oder an dem, was du gestern Abend erlebt hast“, flüstert sie mir zu und zwinkert.
„Mia!“ Ich kichere und schüttle den Kopf.
„Nur Spaß“, sagt sie lachend und sprüht ein bisschen erfrischendes Spray in mein Haar, richtet ein paar Strähnen zurecht und nickt zufrieden. „Perfekt. Leo wird Augen machen.“
„Danke, Mia.“
„Kein Ding. Ach, und übrigens...“ Sie beugt sich leicht vor und flüstert: „Ich hab euch zwei vorhin gesehen. Ihr seid süß zusammen.“
Ich spüre, wie meine Wangen heiß werden, und Mia lacht nur.
Als ich in die Trainingshalle komme, steht Leo bereits mit Kai zusammen. Leo hat sich ebenfalls umgezogen – locker sitzende Funktionsshorts und ein Tanktop, das seine muskulösen Schultern betont. Er sieht... naja, heiß aus. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, und er zwinkert mir zu.
„Bist du bereit?“ fragt Kai und wirft mir einen prüfenden Blick zu. „Heute wird’s intensiv.“
„Ich glaube schon“, sage ich und sehe kurz zu Leo.
Kai deutet auf die aufgebauten Geräte und Matten. „Ausdauertraining. Heute machen wir einen Kombi-Parcours. Es geht um Schnelligkeit, Koordination und Durchhaltevermögen. Und weil du die Woche schon so viel Krafttraining hattest, liegt der Fokus heute auf Dynamik und Gleichmäßigkeit.“
„Hört sich gut an“, sage ich entschlossen.
„Und, Leo?“, fragt Kai. „Machst du mit?“
Leo nickt, dieses schiefe Grinsen im Gesicht, das immer ein bisschen nach Ärger aussieht.
„Wenn Justin mich schlagen kann“, sagt er locker, „kriegt er eine Belohnung.“
Mein Herz macht einen kleinen Satz. Ehrgeiz. Wärme. Dieses Gefühl, gesehen zu werden.
„Herausforderung angenommen“, sage ich, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann.
Kai lacht leise. „Gut. Dann stellt euch nebeneinander auf. Erster Teil: Seilspringen. Doppelschläge. Zehn Minuten. Kein Rhythmusverlust. Wer pausiert, verliert.“
Ich greife nach dem Seil, lasse es kurz durch die Finger gleiten. Vertrautes Gewicht. Vertrauter Griff. Als Kai das Signal gibt, bin ich sofort im Rhythmus. Der erste Sprung sitzt. Der zweite. Dann läuft es.
Meine Füße berühren den Boden kaum hörbar, die Bewegung kommt aus den Sprunggelenken, die Arme bleiben dicht am Körper. Ich atme ruhig, gleichmäßig. Nicht tief — effizient.
Aus dem Augenwinkel sehe ich Leo. Seine Technik ist sauber, sein Timing gut. Er wirkt locker, fast spielerisch. Aber ich merke auch: Er springt höher. Nutzt mehr Kraft, wo ich fließen lasse.
Nach ein paar Minuten setzt das Brennen ein — nicht unangenehm, eher vertraut. Mein Körper kennt diesen Zustand. Ich lasse ihn zu, ohne ihn größer zu machen. Leo wirft mir einen kurzen Blick zu, grinst, hebt minimal die Augenbrauen. Okay, denke ich. Er ist voll drin.
Nach Minute sechs verändert sich etwas. Nicht abrupt. Nur kleine Dinge. Seine Landungen werden hörbarer. Das Seil streift einmal den Boden zu früh. Dann noch einmal.
Ich bleibe im Takt. Schweiß läuft mir über die Schläfen, aber mein Atem bleibt ruhig. Ich merke, wie Leo neben mir stärker arbeitet — mehr Spannung in den Schultern, mehr Bewegung im Oberkörper. Er zieht durch. Aber es kostet ihn sichtbar mehr.
Als Kai die Zeit stoppt, lasse ich das Seil kontrolliert auslaufen. Leo braucht einen halben Moment länger, beugt sich leicht nach vorne, stützt die Hände kurz auf den Oberschenkeln.
„Nicht schlecht“, sagt Kai anerkennend. Sein Blick bleibt einen Moment länger auf Leo. „Sehr sauber angefangen.“
Leo richtet sich auf, klopft mir leicht gegen den Arm. „Du bist verdammt konstant“, sagt er leise. Kein Neid. Nur Respekt.
Ich lächle. „Kommt vom Dauertraining.“
Kai verschwendet keine Zeit. „Nächste Übung. Kraft-Ausdauer. Hantelkreise. Zwölf Kilo pro Seite. Zehn Runden. Gleichmäßig. Kontrolle vor Tempo.“
Ich nehme die Hanteln. Das Gewicht liegt vertraut in den Händen. Mein Körper schaltet um — Fokus nach innen. Leo greift ebenfalls zu, prüft kurz den Stand, die Balance.
Wir starten. Die ersten Runden laufen ruhig. Ich finde schnell meinen Rhythmus, lasse die Bewegung aus der Schulter führen, halte die Spannung im Core konstant. Leo arbeitet sauber, stark — aber ich sehe, wie er mehr Kraft investiert, wo ich die Bewegung laufen lasse.
Ab Runde fünf beginnt es bei ihm zu ziehen. Minimal. Nur ein Hauch von Verzögerung zwischen den Wiederholungen. Ich bin noch stabil. Die Atmung bleibt tief, kontrolliert.
„Sauber bleiben“, erinnert Kai. „Nicht gegen das Gewicht kämpfen.“
Leo atmet hörbar aus, sammelt sich. Er zieht weiter durch. Ich bewundere das. Wirklich.
Aber ich merke auch: Er arbeitet an seiner Grenze. Ich noch nicht. Als wir absetzen, zittern seine Unterarme leicht. Meine brennen — aber gleichmäßig. Berechenbar.
„Respekt“, sagt Kai und nickt Leo zu. „Gutes Durchziehen.“
Leo grinst schief. „Justin hat eindeutig mehr Puffer.“
Ich sehe ihn an. „Aber du gibst nicht auf.“
„War nie mein Ding“, murmelt er.
Die Koordinationsleiter liegt schon bereit.
„Jetzt wird’s technisch“, sagt Kai. „Schnelle Füße. Präzision. Zehn Durchgänge.“
Ich stelle mich neben Leo. Sehe, wie er kurz die linke Schulter lockert. Ein kleines Detail. Aber ich kenne es inzwischen.
Wir starten. Meine Füße finden sofort den Takt. Seitwärts, Knie hoch, Richtungswechsel. Mein Körper kennt diese Muster. Leo ist schnell. Wirklich schnell. Aber ich sehe, wie er mehr denkt, mehr kontrolliert. Die Koordination fordert ihn stärker.
In den Pausen atmet er tiefer als ich. Nicht panisch — konzentriert. Ich klopfe ihm kurz gegen den Arm. „Ziehst stark mit.“
Er lacht kurz. „Sag das meinen Waden.“
Im letzten Durchgang ist der Unterschied spürbar. Ich bleibe sauber. Er wird minimal ungenauer. Ein Fehltritt — kaum sichtbar, aber Kai sieht ihn.
„Nicht schlimm“, sagt Kai ruhig. „Aber da merkt man den Trainingsunterschied.“
Leo nickt. Kein Widerwort.
Bei den Plank Walks wird es stiller zwischen uns. Jeder bei sich. Ich halte die Spannung, bewege mich kontrolliert. Leo kämpft. Bleibt dran. Kompensiert sauber — aber sichtbar.
Als wir am Ende erschöpft auf der Matte liegen, starrt er kurz zur Decke. Dann zu mir.
„Okay“, sagt er heiser. „Du bist fitter.“
Ich grinse müde. „Ist mein Job.“
Er lacht. Ehrlich. Warm. „Und trotzdem… ich mag, dass ich mithalten kann.“
Ich reiche ihm die Wasserflasche. „Mehr als das.“
Kai tritt neben uns. „Genau darum geht’s. Unterschiedliches Level. Gleiche Haltung.“
Ich sehe Leo an, wie er trinkt, wie sich sein Atem langsam beruhigt — und spüre diese tiefe, leise Bewunderung. Nicht, weil er der Beste ist. Sondern weil er bleibt. Mitzieht. Sich zeigt.
Und genau das macht ihn stark.
„Du bist ganz schön ehrgeizig heute“, sagt er und zwinkert.
„Wenn du mitmachst, kann ich nicht anders“, gebe ich zurück und lehne mich an die Hallenwand, um kurz durchzuatmen.
Kai lässt uns kurz verschnaufen, dann erklärt er die nächste Übung: „Boulder-Kombinationen. Ihr nehmt die niedrige Wand. Schnelle Aufstiege mit wechselnden Griffen. Dynamische Bewegungen, Oberkörperkraft und Fußtechnik. Keine langen Pausen – die Idee ist, die Ausdauer beim Klettern zu verbessern.“
Leo und ich gehen zur Boulderwand, und ich sehe die Vorfreude in seinen Augen – doch plötzlich sehe ich, wie er kurz innehält. Mir wird klar: Bouldern mit der Prothese – das geht nicht. Ich sehe, wie er unsicher wirkt, aber Kai scheint das schon bemerkt zu haben. Er wirft Leo einen kurzen Blick zu und nickt ihm zu.
„Ich springe hier ein“, sagt Kai ohne große Erklärungen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Leo sieht ihn an und lächelt dankbar. Er bleibt an der Wand stehen, nimmt eine Beobachterrolle ein, während Kai sich direkt neben mir an die Startgriffe stellt.
„Okay, Justin, jetzt zeigen wir, wie man dynamisch klettert. Schnelle Züge, kein Zögern. Du folgst mir“, sagt Kai und grinst.
Ich atme tief durch, froh, dass die Situation so gelöst wurde, und konzentriere mich auf die Aufgabe. Kai startet vor, seine Bewegungen sind fließend, präzise. Ich versuche, seinen Rhythmus zu übernehmen, aber er ist verdammt schnell. Die Muskeln in seinen Armen und Schultern arbeiten perfekt zusammen, und ich merke, wie sehr er das drauf hat.
Leo ruft mir aufmunternd zu: „Mach die Bewegungen kleiner, aber effizienter!“
Ich korrigiere meine Technik, versuche, nicht zu weit auszuholen, sondern die Energie zu sparen. Es klappt besser, und ich spüre den Stolz in mir aufsteigen, als ich die Sequenz fehlerfrei abschließe.
Kai nickt anerkennend. „Gut so! Du entwickelst ein Gefühl für die Dynamik. Noch zwei Runden, dann Cooldown.“
Ich schaue kurz zu Leo, der mir ein aufmunterndes Lächeln schenkt. Er scheint kein Problem damit zu haben, dass Kai eingesprungen ist – im Gegenteil, er wirkt erleichtert. Ich weiß, dass es ihm wichtig war, trotzdem dabei zu sein, und ich bin froh, dass er nicht krampfhaft versucht hat, mitzuhalten.
Die letzten Runden ziehen sich. Kai gibt alles, und ich spüre die Erschöpfung in den Armen. Aber ich halte durch, treibe mich selbst an, noch einen Zug, noch eine Bewegung – bis wir schließlich unten ankommen und uns keuchend abstützen.
Kai klopft mir auf die Schulter. „Gutes Teamwork, Justin. Stark durchgezogen.“
Leo tritt näher, reicht mir die Wasserflasche und grinst. „Du warst echt stark.“
Ich schüttle den Kopf.
„Und du hast mich echt überrascht, Sunshine. Du hast nicht aufgegeben. Genau das liebe ich an dir.“
Ich grinse, mein Herzschlag beruhigt sich langsam. „Mit dir an meiner Seite – da kann ich einfach nicht aufhören.“
Kai lächelt uns zu. „Gutes Teamwork, Jungs. So kann das Wochenende weitergehen.“
Nach dem intensiven Training lässt Kai uns noch nicht durchatmen. Stattdessen klatscht er in die Hände und ruft:
„Okay, jetzt Dehnen! Wir müssen die Beweglichkeit verbessern, besonders deine Spannweite, Justin. Du bist nicht der Größte – also müssen wir aus dem, was wir haben, das Maximum rausholen.“
Ich nicke und atme tief durch, während Kai uns die nächste Übung zeigt. „Setz dich auf die Matte, Beine weit auseinander. Leo, du hilfst ihm. Wir arbeiten an der Hüftöffnung und den seitlichen Dehnungen.“
Ich nehme die Position ein, die Beine gespreizt, und spüre sofort die Spannung in den Oberschenkeln. Leo kniet sich hinter mich und legt seine Hände auf meine Hüften, um mich leicht nach vorne zu drücken.
„Langsam, nicht reißen“, mahnt Kai. „Justin, versuch, die Hände so weit wie möglich nach vorne zu schieben. Und wenn du nicht mehr kannst, halt kurz, dann weiter atmen.“
Ich konzentriere mich auf meine Atmung, spüre, wie Leo sanft den Druck erhöht. Es tut ein bisschen weh, aber gleichzeitig ist es angenehm – wie ein Ziehen, das mich weiterbringt.
Leo murmelt leise: „Du machst das gut. Versuch, die Spannung rauszunehmen.“
Ich presse die Zähne zusammen und nicke. „Ja... ist nur... ungewohnt.“
„Das wird besser“, meint Kai. „Dehnung ist nichts, was über Nacht passiert. Aber je mehr du daran arbeitest, desto leichter wird es. Du brauchst die volle Beweglichkeit, um dich bei dynamischen Moves zu strecken. Spannweite ist beim Klettern ein echter Vorteil – und das holen wir raus.“
Leo lässt mich kurz los, und ich schüttele die Beine aus. Die Muskeln zittern leicht, aber es fühlt sich gut an. Wir wechseln die Dehnung, diesmal die Beine geschlossen, den Oberkörper nach vorne gebeugt. Leo legt eine Hand zwischen meine Schulterblätter und drückt sanft nach.
„Ist das okay?“, fragt er vorsichtig.
Ich nicke, auch wenn ich das Ziehen deutlich spüre. „Geht schon. Ist halt echt... intensiv.“
Kai lacht leise. „Du willst auf Wettkämpfen mit den Großen mithalten? Dann brauchst du diese Mobilität. Später wirst du dankbar sein.“
Nachdem wir die Dehnübungen beendet haben und ich mich endlich aufrecht hinsetzen darf, wische ich mir den Schweiß von der Stirn. Meine Muskeln fühlen sich gedehnt, irgendwie leicht, aber auch ein bisschen müde.
Leo setzt sich neben mich und reicht mir die Trinkflasche. „Echt gut gemacht. Du bist besser geworden.“
Ich schnaube leicht und lehne mich gegen ihn. „Dank dir. Du hast mich echt weiter gedrückt, als ich allein geschafft hätte.“
„Und das ist genau die richtige Einstellung“, sagt Kai zufrieden. „Jetzt noch ein bisschen runterkommen, dann sprechen wir über den Wettkampf nächste Woche.“
Nachdem wir die Matten zusammengeräumt haben, setzt sich Kai zu uns und holt sein Tablet hervor. Er tippt kurz etwas ein, bevor er aufblickt.
„Also, nächste Woche Samstag geht’s los – der Wettkampf in München. Offiziell heißt es die Munich Climbing Challenge. Eine internationale renommierte Veranstaltung. Viele Profis nutzen sie als Testlauf für die internationale Saison. Es sind auch einige Top-Kletterer dabei – unter anderem Liam.“
Mein Herzschlag beschleunigt sich. „Liam auch?“
Kai nickt. „Ja, er ist da – und noch andere aus dem VERTIX-Team. Du bist der Jüngste, mit 16 gerade so teilnahmeberechtigt. Normalerweise machen hier eher die über 18-Jährigen mit, aber du hast dir die Chance erarbeitet. Das Team sieht das als Test. Es geht nicht um Platzierungen oder Medaillen – es geht um Erfahrung. Versteh das als Lehrgang. Keiner erwartet, dass du da abräumst.“
Ich lasse die Worte sacken. Einerseits bin ich aufgeregt, andererseits drängt sich ein Gedanke in den Vordergrund: „Aber... was, wenn ich richtig schlecht bin? Vor den anderen? Vor Liam?“
Leo legt eine Hand auf meine Schulter. „Du wirst nicht schlecht sein. Du hast die letzten Wochen so hart gearbeitet. Es geht nicht ums Gewinnen – es geht darum, zu sehen, wo du stehst.“
Kai nickt zustimmend. „Genau. Du wirst sehen, was es heißt, auf einem professionellen Level anzutreten. Du sollst die Atmosphäre erleben, die Konkurrenz spüren und für dich selbst ein Gefühl dafür bekommen, wie weit du bist. Keiner setzt dich unter Druck – weder Thomas, noch Erik, noch ich.“
Ich atme langsam aus und versuche, die Aufregung in mir zu beruhigen. „Okay... ich verstehe. Es ist nur... ich hab Angst, zu versagen.“
Kai lächelt. „Jeder Athlet kennt das Gefühl. Aber solange du dein Bestes gibst und dabei Spaß hast, ist es kein Versagen. Mach dir keine Gedanken. Wir begleiten dich die ganze Woche und bereiten dich gezielt vor. Du wirst nicht allein dort stehen.“
Leo zieht mich ein Stück näher. „Und ich bin auch da. Egal was passiert.“
Ich lächle vorsichtig und fühle mich ein wenig erleichtert. „Okay... dann will ich das versuchen.“
Kai klopft mir auf die Schulter. „So muss das sein. Es ist ein wichtiger Schritt – aber keiner, bei dem es um alles oder nichts geht. Es ist eine Möglichkeit, zu wachsen.“
Ich nehme einen tiefen Schluck Wasser und lasse die Worte in mir nachklingen. Ein Wettkampf – mein erster auf diesem Level. Angst und Aufregung mischen sich, aber mit Leo und dem Team an meiner Seite habe ich das Gefühl, es schaffen zu können – oder es zumindest zu versuchen.
Als Kai uns noch ein paar technische Details erklärt, schweifen meine Gedanken ab. Ich stelle mir die große Kletterwand in München vor, die Zuschauer, die anderen Kletterer. Und Liam – wie er mühelos die Griffe erreicht, während ich mir die Finger lang ziehen muss. Kann ich da wirklich mithalten?
Ich spüre, wie Leos Hand auf meinem Knie ruht, leicht streichelnd. Er gibt mir Sicherheit, ohne etwas zu sagen. Und plötzlich denke ich: Es geht nicht um den Sieg. Es geht darum, dort anzukommen, die Atmosphäre aufzusaugen und zu sehen, was möglich ist. Vielleicht werde ich nicht ganz vorne landen. Vielleicht sogar im Mittelfeld. Aber ich werde da sein, kämpfen und lernen.
Ich schaue Leo an, der mir ein aufmunterndes Lächeln schenkt. „Wird gut werden. Vertrau dir selbst“, sagt er leise.
Ich nicke. „Ja... ich will es versuchen. Ich will wissen, wo ich stehe.“
Kai steht auf und streckt sich. „Gut, dann haben wir das geklärt. Montag beginnen wir mit dem gezielten Training für die Munich Climbing Challenge. Und jetzt – Abkühlen und regenerieren.“
Als ich aufstehe, merke ich, wie die Aufregung langsam einer Vorfreude Platz macht. Ein echter Wettkampf. Nicht mehr nur Training oder Show – sondern die Realität, ein Teil von etwas Größerem zu sein. Und ich will sehen, was in mir steckt.
Nach dem Training
Kai verabschiedet sich mit einem zufriedenen Nicken und wünscht uns ein erholsames Wochenende. Ich bedanke mich für das Training, versichere ihm, dass ich mich auf Montag freue, und schaue ihm nach, wie er aus der Halle verschwindet.
Neben mir steht Leo, und ich spüre noch immer die Anspannung in meinen Muskeln. Mein Shirt klebt an meiner Haut, der Schweiß glänzt auf meinen Armen. Leo meint: „Komm, bevor wir hier noch festkleben. Ab unter die Dusche.“
Ich nicke, mein Herz schlägt schneller, aber nicht nur wegen des Trainings. Wir gehen zusammen in die Umkleide und ich merke, dass die Luft sich verändert. Es ist dieses unterschwellige Prickeln, das sich ausbreitet.
Wir beginnen uns auszuziehen, und es fühlt sich nach der letzten Nacht ganz anders an. Irgendwie... natürlicher. Ich ziehe mein Shirt über den Kopf und werfe es in den Wäschekorb. Leo tut es mir gleich, und obwohl wir uns beide schon einige Male nach dem Training umgezogen haben, fühlt es sich jetzt irgendwie intensiver an. Meine Hände wandern zu meiner Shorts, und aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Leo sich ebenfalls an den Bund seiner Hose greift.
Unsere Blicke treffen sich kurz im Spiegel. Ich merke, wie meine Wangen leicht rot werden, aber diesmal bin ich nicht verlegen – eher gespannt. Als ich die Trainingshose nach unten streife und in meiner Boxershorts dastehe, sehe ich, wie Leo mich kurz mustert, bevor er seinerseits seine Hose auszieht.
„Du siehst ziemlich fertig aus“, sagt Leo grinsend.
Ich hebe die Augenbraue. „Na, danke. Du siehst auch nicht gerade frisch aus.“
Er lacht leise. „War ein hartes Training. Aber du hast durchgehalten. Ich bin stolz auf dich.“
Ein warmes Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. „Danke...“
Dann steht er nur noch in seiner Boxershorts da, und wir bleiben einen Moment stehen, beobachten uns im Spiegel. Irgendwie ist es spannend, so nebeneinander zu stehen, halb nackt, die Haut glänzend vom Schweiß. Ich kann nicht anders, als seinen Oberkörper zu bewundern – die geschmeidigen Bewegungen, die Muskeln, die sich unter der Haut abzeichnen.
Leo schnappt sich sein Duschgel und geht voraus in den Duschraum. Dort zieht er seine Boxershorts mit dem Rücken zu mir schnell aus. Ich folge ihm, und als wir um die Ecke biegen, suche ich mir eine Dusche aus – direkt gegenüber von ihm. War das Zufall? Oder Absicht? Ich bin mir nicht sicher.
Leo stellt das Wasser an, und ich mache es ihm nach. Der warme Strahl prasselt auf meinen Körper, und ich schließe die Augen, lasse die Wärme die Anstrengung aus den Muskeln spülen. Als ich die Augen öffne, sehe ich, dass Leo mir direkt gegenüber steht, ebenfalls unter dem Wasser, die Hände in den Haaren, wie er sich den Schweiß aus dem Gesicht wäscht.
Mein Blick bleibt an seinem Körper hängen – die Wassertropfen laufen seine Brust hinab, zeichnen glitzernde Spuren auf seiner Haut. Ich merke, dass ich ihn intensiver betrachte als sonst, aber irgendwie fühlt es sich richtig an. Leo bemerkt meinen Blick und hebt grinsend die Augenbrauen.
„Na? Gefällt dir die Aussicht?“
Ich schnaube, versuche meine Verlegenheit zu überspielen. „Vielleicht...“
Er lacht, schüttelt den Kopf und dreht sich leicht zur Seite, um sich den Nacken abzubrausen. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, wie das Wasser seinen Rücken hinunterläuft, die Muskeln sich unter der glatten Haut bewegen. Irgendwie zieht mich dieser Anblick magisch an.
„Du guckst schon wieder“, neckt Leo, ohne sich umzudrehen.
Ich zucke mit den Schultern, versuche locker zu bleiben. „Kann ich ja nichts für. Du bist halt... sehenswert.“
Leo dreht sich zu mir um, und ich sehe das leichte Funkeln in seinen Augen. „Na, dann schau ruhig weiter.“
Mein Herz klopft schneller, und ich versuche mich zu konzentrieren, das Shampoo aus meinen Haaren zu waschen. Aber ich merke, wie meine Augen immer wieder zu ihm wandern – wie er die Seife über seinen Körper verteilt, wie die Muskeln sich bei jeder Bewegung anspannen und entspannen.
Das Wasser prasselt weiter auf seinen Körper nieder, das warme Wasser lässt die Tropfen in kleinen Bächen über seine Haut rinnen. Leo steht unter dem Wasserstrahl, den Kopf leicht nach hinten geneigt, die Augen geschlossen, während er sich mit den Händen durch die nassen Haare fährt. Die dunklen Strähnen liegen schwer und glänzend an seinem Kopf an, Wassertropfen sammeln sich an den Spitzen, bevor sie in kleinen Perlen über seinen Nacken laufen.
Seine Schultern sind breit und muskulös, die Haut leicht gerötet von der Hitze des Wassers. Muskelstränge zeichnen sich unter der nassen Oberfläche ab, und ich kann beobachten, wie sich seine Oberarme bewegen, als er sich die Haare wäscht. Das Duschgel schäumt leicht auf, bildet dünne weiße Linien, die sich mit den Wasserstrahlen vermischen und langsam seinen Rücken hinabrinnen.
Ich folge dem Weg des Schaums über seinen Brustkorb, wo die klar definierten Linien seiner Brustmuskeln sichtbar sind. Der Schaum legt sich kurz in den Vertiefungen zwischen den Muskeln ab, bevor das Wasser ihn wegspült, und ich sehe, wie Leo die Seife mit kreisenden Bewegungen über seinen Oberkörper verteilt. Seine Brust hebt und senkt sich gleichmäßig, während er tief durchatmet, die Bewegungen fließend und kontrolliert.
Der Schaum gleitet weiter über seine Bauchmuskeln, die durch die Anspannung noch deutlicher hervortreten. Die sanften Wellen seiner Bauchmuskulatur sind mit kleinen Wasserperlen übersät, die im warmen Licht der Dusche schimmern. Leo fährt mit einer Hand über seinen Bauch, wischt die letzten Seifenreste weg und lässt die Finger kurz am Rand seiner Hüftknochen verharren.
Als er sich zur Seite dreht, wandert mein Blick weiter abwärts. Die schmalen Hüften führen zu seinen kräftigen Oberschenkeln, die sich unter dem Druck des Wassers leicht anspannen. Die feinen Härchen an seinen Beinen sind durch das Wasser glatt an die Haut gedrückt, und ich sehe, wie das Duschgel auch an seinen Beinen langsam nach unten rinnt, bis es die Fliesen erreicht.
Leo beugt sich leicht vor, um die Seife von seinen Beinen abzuwaschen, und ich kann die geschmeidige Bewegung seiner Rückenmuskeln beobachten. Seine Schulterblätter treten deutlich hervor, und die Linie seiner Wirbelsäule ist unter der glatten Haut erkennbar.
Er richtet sich wieder auf, legt den Kopf leicht zur Seite und massiert sich den Nacken. Das Wasser läuft weiter über seine Seiten, schmiegt sich an die Kurven seiner Taille und rinnt über die schmalen Hüftknochen. Sein Atem geht ruhig, aber seine Bewegungen sind voller Energie, die Muskeln straffen sich unter den fließenden Tropfen, als er die letzten Seifenreste wegwäscht.
Kurz darauf öffnet er die Augen und bemerkt, dass ich ihn immer noch beobachte. Ein schiefes Lächeln huscht über seine Lippen, und er wirft mir einen kurzen Blick zu, der zwischen neckisch und selbstbewusst schwankt. Ich spüre, wie mein Puls schneller wird, als er mir einen Moment länger in die Augen sieht, bevor er sich mit der Hand über den Nacken fährt und die restlichen Wassertropfen abschüttelt.
Seine Bewegungen sind ruhig, fast hypnotisierend. Der Dampf der warmen Dusche legt sich wie ein Schleier um uns, und ich kann nicht anders, als jeden Moment, jede Bewegung einzufangen – wie das Wasser an seiner Haut haftet, die feine Gänsehaut, die sich bildet, wenn die Dusche für einen Moment kühler wird.
Es ist, als würde ich ihn zum ersten Mal so sehen – ungefiltert, in seiner ganzen Natürlichkeit, stark und verletzlich zugleich. Der Anblick lässt mich nicht los, und ich weiß, dass dieser Moment sich tief in mein Gedächtnis einprägen wird.
Plötzlich spritzt er mir eine Ladung Wasser entgegen, und ich zucke überrascht zurück. „Hey!“
„Du warst zu still“, sagt er grinsend. „Ich dachte, du träumst schon wieder.“
„Ich hab nur nachgedacht“, verteidige ich mich.
„Über was?“, fragt er unschuldig.
Ich ziehe eine Grimasse. „Über dich.“
Leo schmunzelt. „Dann war’s wohl ein guter Gedanke.“
Ich schüttle den Kopf, aber ich kann nicht verhindern, dass ich grinse. Irgendwie ist es gerade so leicht zwischen uns, obwohl die Spannung fast greifbar in der Luft liegt. Ich seife mich ein und spüre dabei immer wieder seine Blicke. Als ich die Augen öffne, sehe ich, wie er mich beobachtet, sein Gesicht halb unter dem Wasserstrahl verborgen.
„Du bist echt schön, weißt du das?“, sagt er leise.
Ich schlucke. „Du auch.“
Für einen Moment stehen wir einfach da, die warmen Duschen über uns, die Blicke ineinander verhakt. Ich merke, wie mein Puls steigt, und am liebsten würde ich einfach die Distanz zwischen uns überbrücken. Aber irgendetwas hält mich zurück – nicht aus Angst, sondern weil der Moment so besonders ist, so zerbrechlich.
Leo scheint meine Gedanken zu erraten. Er lächelt, dreht sich wieder unter die Dusche. „Komm, sonst stehen wir hier noch ewig.“
Ich atme tief durch und zwinge mich, meinen Blick abzuwenden. Doch das Bild von ihm – nass, entspannt, selbstbewusst – brennt sich in meinen Kopf.
Als wir schließlich beide sauber sind und das Wasser abdrehen, reiche ich ihm wortlos ein Handtuch. Unsere Hände berühren sich, und ich spüre das vertraute Kribbeln. Er grinst, als er das Handtuch entgegennimmt, und seine Finger streifen meine.
„Könnte mich dran gewöhnen“, murmelt er.
„An was?“, frage ich leise.
„Mit dir zu duschen“, sagt er ehrlich und wickelt das Handtuch um seine Hüften.
Ich spüre, wie mein Gesicht warm wird, aber ich lächle. „Ich auch.“
Wir trotten zurück in die Umkleide, entspannt und irgendwie aufgewühlt zugleich. Es fühlt sich gut an – einfach wir zwei, so normal und doch so besonders.
Entspannung und Beobachtung
Wir schlendern entspannt durch die Flure, immer noch leicht elektrisiert von der Dusche. Ich werfe Leo einen kurzen Seitenblick zu und merke, dass sein Atem immer noch etwas schneller geht. Die Stimmung zwischen uns ist schwer zu greifen – ein Mix aus Entspannung, Spannung und unausgesprochenem Verlangen.
Als wir in den Physio-Raum kommen, ist Sophie schon da und richtet gerade die Liege ein. Sie dreht sich zu uns um und lächelt. „Na, ihr zwei. Wer will zuerst?“
Ich öffne gerade den Mund, als Leo mich mit einem Seitenblick ansieht. Bevor ich etwas sagen kann, hebt Sophie die Hand. „Moment. Leo, du zuerst.“
Er hebt überrascht die Augenbrauen. „Ich? Warum das denn?“
Sophie grinst nur. „Weil du genauso hart trainiert hast. Und außerdem – wenn du schon Teil des Erfolgstrainings bist, dann gehörst du auch hierher.“
Leo schüttelt leicht den Kopf und sieht mich an. „War das etwa deine Idee?“
Ich lache. „Nein, aber ich finde es gut. Du hast es verdient.“
Zögernd zieht Leo sein Shirt aus, und ich kann nicht anders, als ihn dabei genau zu beobachten. Seine Haut ist immer noch leicht gerötet von der Dusche, und die Muskeln seiner Schultern bewegen sich geschmeidig, als er sich über die Liege beugt und sich bäuchlings hinlegt. Sophie deckt seinen unteren Rücken mit einem Handtuch ab und legt ihre Hände auf seine Schultern.
„Du bist ganz schön verspannt“, stellt sie fest und beginnt mit sanftem Druck die Muskeln entlang der Schulterblätter zu lockern. Leo atmet tief durch, und ich sehe, wie sich sein Rücken langsam entspannt.
Ich lehne mich an die Wand, verschränke die Arme und lasse meinen Blick über ihn wandern. Von hier aus habe ich die perfekte Aussicht auf seinen Rücken – die geschmeidige Linie seiner Wirbelsäule, die kräftigen Muskeln, die sich unter seiner Haut abzeichnen, und die kleine Delle zwischen seinen Schulterblättern. Sophie arbeitet konzentriert, massiert die verknoteten Stellen, und Leo stöhnt leise auf, als sie besonders tief in die Muskulatur geht.
„Alles gut?“ fragt sie.
Leo nickt nur und lässt sich weiter durchkneten. Ich kann nicht anders, als mich zu fragen, wie es wäre, ihm selbst so die Verspannungen wegzumassieren. Ich stelle mir vor, wie sich seine Muskeln unter meinen Händen anfühlen würden, und mein Blick bleibt an seinem Nacken hängen, wo eine feuchte Haarsträhne klebt.
„Man könnte denken, du bist heute eher Zuschauer als Teilnehmer“, sagt Sophie plötzlich grinsend zu mir.
Ich zucke zusammen und lache verlegen. „Ja... irgendwie... ist es gerade spannend.“
Leo dreht leicht den Kopf, ein Lächeln in den Mundwinkeln. „Ach ja?“
„Du bist sonst immer der, der mich beobachtet“, kontere ich und strecke ihm die Zunge raus.
Sophie klopft Leo leicht auf den Rücken. „So, der Herr. Fertig. Zieh dich in Ruhe an.“
Leo richtet sich langsam auf, greift nach seinem Shirt und zieht es über. Ich kann nicht anders, als ihn dabei zu beobachten – die Muskeln, die sich anspannen, die leichte Röte, die von der Massage auf seiner Haut geblieben ist. Er zieht das Shirt runter und sieht mich dabei direkt an.
„Deine Runde“, sagt er leise, und ich weiß, dass er genau merkt, wie aufmerksam ich ihn eben betrachtet habe.
Ich lege mich auf die Liege, und bevor ich meinen Kopf in die Öffnung lege, sehe ich noch, wie Leo sich seitlich auf einen Hocker setzt. Seine Augen folgen mir, und ich kann nicht anders, als mir vorzustellen, wie er mich jetzt wohl sieht – wie meine Schultern und mein Rücken sich entspannen, während Sophie meine Muskeln bearbeitet.
„Du bist auch ganz schön verspannt“, stellt Sophie fest und drückt mit ihren Daumen entlang meiner Schulterblätter.
„War... ein intensives Training“, murmele ich, doch in Wahrheit sind es viel mehr die Anspannung und die Gefühle, die ich noch immer in mir trage.
Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf Sophies Hände, die sich in die Muskeln graben, die Verknotungen lösen. Immer wieder huschen meine Gedanken zu Leo, der mich beobachtet. Ich kann seinen Blick fast auf meiner Haut spüren, als würde er selbst die Berührungen nachzeichnen. Es ist ein aufregendes Gefühl – fast wie eine Mischung aus Erleichterung und Kribbeln.
„Alles gut bei dir?“ fragt Sophie, und ich brumme nur eine Zustimmung. Ihre Hände gleiten tiefer, kneten meinen unteren Rücken, und ich lasse mich ganz in die Massage fallen. Das warme Öl fühlt sich angenehm auf der Haut an, und ich merke, wie die Spannung von meinen Schultern abfällt.
Ich blinzle kurz zu Leo rüber, der mir ein aufmunterndes Lächeln schenkt. Es fühlt sich gut an, beobachtet zu werden – nicht unangenehm, sondern irgendwie... beschützt. Als Sophie schließlich meine Nackenmuskulatur lockert, bekomme ich eine Gänsehaut, nicht wegen der Kälte, sondern weil es sich so intensiv und gleichzeitig gut anfühlt. Ich spüre Leos Blick weiterhin auf mir und kann mir vorstellen, dass er sich vielleicht fragt, was ich gerade fühle.
Als Sophie fertig ist, setze ich mich auf und strecke die Arme. Ich fühle mich locker und gleichzeitig ein bisschen elektrisiert, als hätte die Massage nicht nur die Muskeln, sondern auch meine Gedanken sortiert.
„Danke, Sophie“, sage ich und lächle.
„Kein Problem. Ihr zwei seid echt ein gutes Team“, sagt sie augenzwinkernd.
Leo steht auf und reicht mir die Hand, hilft mir von der Liege. „Fühlst du dich besser?“
Ich nicke, spüre die Wärme seiner Finger in meiner Hand. „Ja, total.“
Sophie zwinkert uns noch mal zu. „Passt auf euch auf. Und wenn ihr wieder solche Powertrainings habt, dann kommt ruhig öfter vorbei.“
Wir bedanken uns beide und gehen zurück in die Umkleide, um unsere restlichen Sachen zu holen. Leo zieht mich kurz zu sich, küsst mich sanft auf die Stirn und flüstert: „Hat dir gefallen, mir zuzusehen?“
Ich grinse. „Vielleicht.“
Er lacht leise. „Nächstes Mal bist du dran. Dann massiere ich dich.“
Mein Herz klopft schneller bei der Vorstellung. „Deal.“
Wir werfen uns gegenseitig einen Blick zu, voller Vertrautheit und dieser leichten Anspannung, die noch immer zwischen uns schwebt. Und ich weiß, dass ich mich schon jetzt darauf freue – darauf, ihn so nah bei mir zu haben, ihn zu spüren und einfach... uns zu sein.
Ich sehe Leo an und frage grinsend: „Fährst du mich nach Hause oder soll ich den Bus nehmen?“
Leo sieht mich überrascht an und hebt eine Augenbraue. „Bus? Echt jetzt?“
Ich zucke mit den Schultern und versuche, meinen Blick ernst zu halten, aber ein Grinsen schleicht sich doch auf meine Lippen. „Naja, du hast ja schon einiges mit mir durchgemacht heute...“
Er schüttelt leicht den Kopf, zieht mich näher zu sich und legt die Arme um meine Taille. „Spinnst du? Natürlich fahre ich dich nach Hause. Als ob ich dich alleine mit dem Bus losziehen lasse.“
Ich schmunzele. „Ich wollte nur sicher gehen.“
Leo drückt mir einen Kuss auf die Stirn. „Manchmal frage ich mich echt, wie du überhaupt auf so eine Idee kommst.“
„Weiß nicht“, murmle ich. „Ich will dich ja auch nicht ständig einspannen.“
Er legt seine Stirn gegen meine und sieht mich direkt an. „Glaub mir, du bist kein Aufwand. Ganz im Gegenteil. Ich genieße es, mit dir unterwegs zu sein.“
Mein Herz klopft ein bisschen schneller, und ich spüre die Verlegenheit in mir aufsteigen. „Dann... lass uns los.“
„Einverstanden“, sagt Leo mit einem breiten Grinsen und nimmt meine Hand. „Roller oder ich trage dich? Was ist dir lieber?“
Ich lache. „Roller. Tragen kannst du mich später, wenn ich einschlafe.“
„Deal“, sagt er und zwinkert mir zu.
Zusammen machen wir uns auf den Weg zur Tiefgarage, und ich merke, wie diese Leichtigkeit zwischen uns bleibt. Leo schwingt sich auf den Roller, ich setze den Helm auf und klettere hinter ihn. Kaum habe ich mich an ihn geschmiegt, dreht er sich leicht zu mir um.
„Bereit?“
„Immer“, flüstere ich.
Er startet den Motor, und ich spüre, wie die Vibrationen durch den Roller gehen, bis in meinen Körper. Leo legt seine Hand kurz auf meine, die sich um seine Taille klammert, und dann rollen wir los. Der Fahrtwind zerrt an meiner Jacke, aber es ist mir egal – ich halte mich fest an ihm, drücke mich enger an seinen Rücken und genieße das Gefühl von Freiheit und Nähe.
Ich schließe kurz die Augen, lasse den Fahrtwind über mein Gesicht streichen und atme tief ein. Es fühlt sich gut an – dieses Gefühl, bei ihm zu sein. Auch wenn die Straßen um uns herum rauschen, ist mein Kopf ruhig. Kein Zweifel, keine Unsicherheit. Nur Leo und ich.
Als wir an einer Ampel anhalten, dreht er sich kurz zu mir um. „Alles gut da hinten?“
„Perfekt“, rufe ich gegen den Wind.
Er lacht leise, und ich spüre, wie mein Herz ein bisschen schneller schlägt. Die Fahrt ist wie immer viel zu kurz, und als wir bei mir ankommen, will ich fast nicht absteigen.
Leo parkt den Roller, nimmt den Helm ab und streicht mir mit den Fingern durch die Haare, die ein bisschen zerzaust sind. „Geschafft. Zuhause abgeliefert.“
Ich ziehe ihn noch einmal zu mir und küsse ihn leicht. „Danke fürs Bringen.“
„Jederzeit“, sagt er leise, und ich sehe die Wärme in seinen Augen.
„Kommst du noch kurz mit hoch?“ frage ich und hoffe, dass die Einladung nicht zu fordernd klingt.
Leo zögert einen Moment, dann nickt er. „Ja, klar.“
Zusammen gehen wir die Treppen hoch, und ich spüre, wie diese angenehme Ruhe in mir bleibt. Leo ist da, und alles fühlt sich richtig an.
Bobby öffnet die Tür, und ich sehe, wie sich seine Augenbrauen kurz heben, als er Leo neben mir bemerkt. Sein überraschter Gesichtsausdruck weicht aber schnell einem freundlichen Grinsen.
„Hey, ihr zwei“, sagt er locker. „Hab nicht damit gerechnet, dass du Besuch mitbringst.“
Ich zucke leicht mit den Schultern. „Leo hat mich gefahren.“
„Und das werde ich wohl auch weiterhin tun“, fügt Leo mit einem leichten Zwinkern hinzu.
Bobby lacht und lehnt sich gegen den Türrahmen. „Wollt ihr noch was trinken? Ich kann euch was machen.“
Leo schüttelt den Kopf. „Danke, aber ich muss gleich wieder los. Ich wollte Justin nur schnell nach Hause bringen.“
Bobby mustert ihn mit einem durchdringenden Blick, als würde er nach etwas suchen, das ihm entgangen ist, und dann zwinkert er uns zu. „Kein Problem. Nehmt euch ruhig Zeit beim Verabschieden.“
Ich spüre, wie meine Wangen warm werden, und Leo kann sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen.
„Danke, Bobby“, sagt er.
Ich ziehe Leo sanft in mein Zimmer, und sobald die Tür hinter uns ins Schloss fällt, stehe ich unsicher in der Mitte des Raumes. Wir sehen uns an, und plötzlich wirkt der Abschied schwerer, als ich gedacht hätte.
Leo schiebt die Hände in die Taschen, als wüsste er nicht genau, was er tun soll. „Ich... wollte eigentlich noch länger bleiben“, sagt er leise.
„Ich weiß“, murmle ich und trete einen Schritt näher. „Ich wollte auch nicht, dass du schon gehst.“
Er sieht mich an, seine Augen glitzern leicht im schummrigen Licht meines Zimmers. „Es war ein echt guter Tag“, sagt er. „Ich hab’s genossen... mit dir. Auch das Training. Und... na ja, alles andere.“
Ich schmunzle und schiebe meine Hände unter sein Shirt, lege sie an seine Taille. „Ja, war echt schön... besonders die Nacht.“
Er zieht mich dichter an sich, legt seine Stirn gegen meine und seufzt leise. „Ich werde es vermissen... bei dir einzuschlafen.“
„Ich auch“, flüstere ich und spüre, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildet.
Seine Arme schließen sich um mich, halten mich fest, und ich lehne meinen Kopf an seine Schulter. Es ist wie ein bittersüßes Gefühl – ihn so nah zu haben und gleichzeitig zu wissen, dass er gleich gehen muss.
„Weißt du“, sagt Leo leise, „es fühlt sich irgendwie komisch an... nach heute Nacht wieder alleine zu schlafen.“
„Geht mir genauso“, gebe ich zu und spüre, wie sein Atem meine Haare streift.
Er hebt mein Kinn an und sieht mich an, seine Augen sind weich und voller Zuneigung. „Ich hätte nie gedacht, dass du mir so sehr fehlst, wenn ich nicht bei dir bin.“
Ich lache leise. „Ich glaub, wir haben uns ziemlich erwischt, oder?“
Leo nickt und küsst mich, sanft zuerst, dann intensiver, als würde er den Abschied in diesem Kuss festhalten wollen. Meine Hände gleiten über seinen Rücken, spüren die vertraute Wärme und die Anspannung, die sich langsam in ein sehnsüchtiges Kribbeln verwandelt.
„Ich vermisse dich jetzt schon“, flüstere ich gegen seine Lippen, und er zieht mich noch fester an sich. „Ich auch“, murmelt er und seine Finger wandern in mein Haar, halten mich fest, als würde er mich nicht loslassen wollen.
Unsere Küsse werden tiefer, fordernder, und ich spüre seine Hände an meiner Taille, wie er mich dichter an sich zieht. Für einen Moment vergesse ich, dass er gleich gehen muss – es ist nur dieser Moment, nur wir zwei. Mein Herz klopft schneller, als er mit seinen Lippen über meinen Hals streift, und ich halte den Atem an.
„Ich wünschte... ich könnte bleiben“, flüstert er rau.
„Ich auch...“, antworte ich, meine Stimme kaum hörbar.
Plötzlich hebt er den Kopf und sieht mich an, seine Augen glitzern leicht. „Wir sehen uns am Montag, okay? Du kannst mich nicht lange loswerden.“
Ich lächle schwach und streiche ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. „Ich würde dich auch nicht loswerden wollen.“
Ein letztes Mal küsst er mich, tief und voller Gefühl, als wollte er all die Worte darin verpacken, die er nicht mehr sagen kann. Dann löst er sich langsam von mir, und ich begleite ihn zur Tür.
„Pass auf dich auf, ja?“ sagt er leise, bevor er durch die Tür schlüpft.
„Du auch“, murmele ich und sehe ihm nach, bis er die Treppe hinuntergegangen ist.
Als die Haustür ins Schloss fällt, bleibt ich noch einen Moment stehen, die Hand an die Brust gelegt, wo mein Herz schneller schlägt als normal. Ich gehe zum Fenster, sehe, wie Leo draußen auf seinen Roller steigt und sich noch einmal kurz umsieht. Unsere Blicke treffen sich, und er hebt die Hand zum Abschied.
Ich winke zurück, und als er losfährt, spüre ich diese merkwürdige Leere – als hätte ich etwas Kostbares kurz gehalten und müsste es jetzt wieder loslassen.
„Bis Montag“, flüstere ich ins Dunkel hinaus und lasse die letzten Sekunden des Abschieds in mir nachklingen.
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