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Regenbogenfamilie

Teil 35 - Daniels Onkel Richard

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Informationen

 

Da es heute Morgen genauso ablief wie gestern oder den Tag davor, kann ich mir die Schilderung der Ereignisse rund ums Frühstück ersparen, nur dass es heute Morgen keine Diskussion gab oder Fragen zur gleichzeitigen Badbenutzung gestellt wurden.

Nachdem Thomas und Daniel aus dem Haus waren, unterhielt ich mich wieder mit Manuel, was er sich so erwarte von seinem Zusammentreffen mit seinem Onkel. Manuel überlegte lange, bevor er antwortete: „Wenn ich ehrlich sein soll, ich habe keinerlei Erwartungen an dieses Treffen, mir reicht es schon, endlich den Onkel kennen­zulernen, den mir mein Vater jahrelang vorenthalten hat und den meine Tanten ebenfalls nie erwähnt hatten. Alles andere wird sich beim Gespräch mit Onkel Richard ergeben.“

Wir unterhielten uns noch längere Zeit, auch darüber, was ich von ihm in den nächsten Jahren erwarte, vor allem in Bezug auf den neu geschaffenen Teilbereich der Gutsverwaltung, Gemüse und Kräuter anzubauen, wobei wir derzeit noch mit einer Unbekannten zu kämpfen hätten, mit oder ohne den Gartenbaubetrieb seines Vaters.

Er erklärte mir, im Grunde sei es egal, ohne den Betrieb fallen hohe Aufwendungen für Neubauten an, im anderen Fall würden zwar Neubauten entfallen, aber Renovierungs- und Sanierungsarbeiten und der Kaufpreis anfallen. Da wir in der Landwirtschaft bereits technisch gut ausgerüstet seien, würden geringe Kosten für die Aufwertung der Maschinen anfallen.

Kurz nach acht Uhr klingelte das Telefon. Daniel blickte auf das Display und meinte, der Anruf käme aus der Gärtnerei. Ich nahm das Gespräch entgegen und meldete mich. Am anderen Ende der Leitung war tatsächlich Manuels Vater. Er wollte von mir wissen, ob mein Angebot von gestern noch gültig sei, die komplette Übernahme des Gartenbaubetriebes. Dies bestätigte ich ihm sofort.

Danach erzählte er mir, dass er gestern Abend noch ein längeres Gespräch mit seiner Frau geführt hätte und er ihr mein Angebot ausführlich erläutert hat. Da er sowieso in wenigen Wochen bereits sechsundsechzig würde, sei er bereit, mir den Betrieb zu den abgesprochenen Konditionen zu überlassen. Die Firma habe einen Wert von etwa einer halben Million Euro, was mir Daniel mit einem Nicken bestätigte.

Er hätte gerne die Hälfte sofort nach Verkauf und den Rest in monatlichen Raten von zweitausend Euro. Zusätzlich will er für das Wohnhaus ein lebenslanges Wohnrecht. Ich fragte sicherheitshalber noch einmal nach, ob ich ihn da richtig verstanden hätte, dass er die monatlichen Zahlungen nur für etwa zehn Jahre will und nicht bis zu seinem Tod.

Er bestätigte noch einmal, dass er sich das so gedacht hätte. Ich rechnet kurz, zu der halben Million würde noch der Eigenkapitalanteil der Gesellschaft hinzukommen, aber das waren nur fünfundzwanzigtausend Euro. Ich erklärte ihm, dass ich mit seinen Vorstellungen einverstanden bin und bat ihn für nächste Woche, am besten Dienstag oder Mittwoch, einen Termin bei einem Notar seiner freien Wahl für die Beurkundung des Geschäfts zu vereinbaren. Er versprach mir, sich sofort darum zu kümmern, dann könnte ich den Gartenbaubetrieb bereits zum ersten Juli übernehmen, worüber ich im ersten Moment doch etwas verwundert war.

Zuletzt fragte ich ihn, ob es bei unserer Abmachung bleibe, dass Manuel in meinem Auftrag ab diesem Zeitpunkt die vorläufige technische Verantwortung für den Betrieb übernimmt. Er meinte, wie gestern besprochen, solange er sich nicht im Wohnhaus blicken lasse, könne er damit leben, er würde ja nicht rund um die Uhr vor Ort sein. Ich bedankte mich für sein Vertrauen und verabschiedete mich von ihm.

Manuel lachte mich an und meinte, jetzt versteht er wenigstens, warum mich Thomas' Mutter gestern Abend als Schlitzohr bezeichnet hat, hart im Verhandeln, immer seine eigenen Ziele verfolgen und die Gegenüber im Glauben lassen, dass sie die Angelegenheit in der Hand haben, obwohl ihnen längst die Zügel aus der Hand genommen wurden.

„Der Preis, den er dir genannt hat, ist mehr als nur gut ausgefallen, er hätte eigentlich höher pokern können. Bis sechs­hun­dert­tausend wärst du noch auf der sicheren Seite gewesen, darüber hätte ich dir abgeraten. Ich verstehe nicht, warum er dir die Firma so günstig überlässt.“

Ich antwortete ihm: „Das kann verschiedene Gründe haben, einer könnte sein, dass er bereits im Rentenalter ist und du als sein Nachfolger von ihm rausgeworfen wurdest. Wenn er jetzt lange einen suchen muss, der die Firma übernehmen will, könnte es unter Umständen ungünstiger für ihn laufen und er findet nicht so schnell einen Käufer, dann kann er die Firma nur schließen und es gibt kein Geld. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, warum er sich so und nicht anders entschieden hat.“

Ich hörte von oben Gelächter und Lärm, der Rest der Mitbewohner schien inzwischen wach zu sein und würde in Kürze zum Frühstück erscheinen. Bevor die Jungs hier waren, bat ich Manuel, bis heute Nachmittag nach dem Gespräch mit seinem Onkel keinen Ton über den erfolgreichen Kauf des Gartenbaubetriebes zu verlieren und mir die komplette Gesprächs­führung zu überlassen, wenn sein Onkel mit seinem Lebensgefährten und Thomas‘ Mutter hier sind.

Er versprach mir, sich aus allem herauszuhalten, da er mir in solchen Dingen nicht ebenbürtig sei und einen Kampf zu führen, den er nicht gewinnen kann, wolle er auf keinen Fall anzetteln.

Vier Jungs stürmten das Esszimmer und Philipp beschwerte sich gleich, warum für sie nicht aufgedeckt sei. Ich grinste ihn an und erklärte: „Es gibt Wichtigeres im Leben, als für eine jugendliche hungrige Meute den Frühstückstisch zu decken. Falls ihr dazu nicht selbst in der Lage seid, nehme ich es billigend in Kauf, dass ihr vor vollem Kühlschrank verhungert.

Ansonsten weißt du genau, wo alles zu finden ist. Ich kann mich schwach daran erinnern, dass, solange ich regelmäßig morgens mit Thomas aus dem Haus bin, ihr euer Frühstück auch jeden Tag selbst zubereitet habt, oder habe ich das immer nur geträumt?“

Da Manuel bei meinen Ausführungen grinste, schnauzte ihn Philipp an: „Du brauchst nicht so blöd zu grinsen, dein Früh­stück musstest du nicht selbst herrichten, du konntest dich an den gedeckten Tisch setzten.“ Manuel erwidert: „Ich habe nicht deswegen gegrinst, sondern wegen der Art, wie dein Vater das von sich gegeben hat. Bei meinem Vater hieß es immer nur: Du machst das so, wie ich das will; dein Vater verwendet subtilere Methoden, um dir das Gleiche mitzuteilen und ohne befehlerisch zu wirken.“

Marcus merkte sofort, dass Philipp diese Schlacht wieder einmal haushoch verloren hatte, und zog ihn hinter sich her in die Küche. Ich stand auf und meinte zu Manuel, er solle mir doch ins Wohnzimmer folgen, wir würden dort weiterreden. Wir setzten uns auf die Couch und ich fragte ihn: „Warum hat dein Vater den ersten Juli als Übergabetermin gewählt?“

Er antwortete mir: „Eigentlich ganz einfach, ab Mitte Juli kommen die ersten Abnehmer und verhandeln die neuen Verträge für das kommende Jahr. Liefermengen, Durchschnitts­preise und die Produkte, die sie dir abnehmen wollen. Wenn möglich, wäre ich bei diesen Besprechungen gerne dabei, denn davon ist auch die Planung für das kommende Jahr abhängig. Falls er drauf hofft, dass du dazu nicht allein in der Lage bist, müssen wir ihm auf alle Fälle das Gegenteil beweisen. Wichtig ist, dass wir nicht zu einseitig anbauen, die Vielfalt in der richtigen Mischung ist normalerweise ein Garant für den Erfolg, das wird dir sicher Onkel Richard bestä­tigen können.“

„Dann sollten wir vielleicht Onkel Richard als dritten Mann zu den Verhandlungen mitnehmen, wenn er denn will“, meinte ich zu Manuel.

„Ich denke, es reicht aus, wenn wir beide diese Termine wahrnehmen. Solange Vater in den nächsten Wochen in gleich­bleibend guter Quali­tät wie bisher liefert, sehe ich da keinen Bedarf“, erklärte mir Manuel. Manuel meinte, da zumindest klar sei, dass wir den Garten­baubetrieb übernehmen, würde er gerne mit den Überlegungen und Planungen für die Sanierungsmaßnahmen beginnen, damit wir möglichst bald mehr über die anfallenden Kosten wüssten. Er ziehe sich dafür ins Esszimmer zurück, weil die Jungs sicher gleich mit dem Frühstück fertig sein werden.

Nach dem Frühstück kamen die vier Jungs, Marcus, Philipp, Tim und Jonas, und setzten sich zu mir ins Wohnzimmer. Marcus meinte, wir hätten einiges zu besprechen, auch was Jonas und Tim betrifft: „Haben wir das richtig verstanden, dass beide je ein Notebook erhalten und wenn ja, warum?“

„Ganz einfach, im Herbst, mit Beginn des Studiums, brauchen die beiden sowieso einen Laptop, wenn ich ihnen jetzt nur einen gebe, spätestens im Oktober kommt der zweite dazu. Ich gehe davon aus, dass du für beide eine Mail-Adresse angelegt hast, willst du verschiedene Mailprofile auf einem Rechner anlegen, oder landet sämtlich Post für beide in einem Postfach?“

Marcus meinte dazu: „Jetzt habe ich verstanden, deshalb von vorneherein zwei. Philipp kann die beiden Rechner für die zwei fertig machen und die beiden einweisen, wie sie auf dem Firmenspeicher Daten ablegen können.“ Philipp meinte, er hole die beiden Rechner, Tim und Jonas könnten sich schon einmal ins Esszimmer bewegen, bis er mit den beiden Geräten hier ist.

Marcus meinte: „Du kannst dir ruhig Zeit lassen, ich brauche die beiden noch hier für die Softwarefragen, die mit Peter zu klären sind.“ Bevor wir jetzt zu den Softwarefragen kommen, fragte ich Marcus: „Muss ich jetzt immer damit rechnen, dass meine Anweisungen hinterfragt werden, sofern einer es nicht versteht oder anderer Meinung ist? Normalerweise treffe ich Entscheidungen erst dann, wenn ich mir vorher überlegt habe, ob und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Bei irrsinnigen Anweisungen ist Nachfragen grundsätzlich gestattet und wird auch erwartet, aber diese Entscheidung hinsichtlich der zwei Notebooks gehört mit Sicherheit nicht in diese Kategorie.“

Marcus grinste und meinte: „Okay, meine Frage war dumm gestellt, ich wollte mich eigentlich nur versichern, dass es wirklich zwei Notebooks sein sollen, da Philipp und ich uns nicht ganz einig darüber waren. Ich sollte mir meine Fragen zukünftig besser überlegen oder gezielter formulieren.“

Ich erklärte Marcus meinen aktuellen Wissenstand in Sachen Software: „Wir brauchen ein breites Spektrum an Software für diverse Anwendungsbereiche, unter anderem für die Land­wirtschaft, für den Gartenbau, für die Gastronomie im Restaurant und im Hofcafé, für den Hofladen, für den Beherbergungsbetrieb wegen der Zimmerauslastung und -belegung, für Rechnungen im Zusammen­hang mit dem Verkauf unserer Produkte an Großabnehmer, Steuerung der gewonnenen Energie und am Ende soll alles in einer Buchhaltung münden.

Dazu gehören diverse Artikelverwaltungen, wobei teilweise unterschiedliche Preise je nach Abnehmer zu berücksichtigen sind. Wie du schon sagtest, wird das nicht so ganz einfach sein. Ein größeres Problem sehe ich noch bei den internen Warenverkäufen, zum Beispiel das Gemüse vom Gartenbau ans Restaurant, betriebswirtschaftlich betrachtet sind das einzelne Geschäfts­zweige, die jeder für sich betrachtet profitabel sein sollten. Die Gehaltsbuchhaltung sollte zentral geführt werden, die Kosten sind jedoch den einzelnen Teilbereichen zuzuordnen. Was habt ihr bisher herausgefunden, ob das alles machbar ist?“

Während ich meine große Erklärung abgab, schauten mich die drei mit fragendem Blick an, vermutlich hatte ich sie zumindest teilweise mit meinen Ausführungen überfordert. Ich bat Marcus, mein Notebook an unser TV-Gerät anzuschließen, um einen größeren Monitor für meine Darstellung zu haben.

Ich öffnete ein Programm, mit dem ich ein Bild zeichnen konnte. In die Mitte setzte ich ein Viereck und beschriftete es mit Buchhaltung, darüber ein weiteres Viereck mit dem Inhalt Personalverwaltung. Als nächstes folgte eine Verbindung zwischen den beiden Vierecken. Für die Geschäftsbereiche wählte ich ein Quadrat und legte im ersten Schritt drei an, die ich mit Gartenbau, Restaurant und Hofladen beschriftete. Ich fragte die Jungs: „Welche Verbindungen, außer der bereits eingetragenen Verbindung zwischen der Buchhaltung und Personalver­waltung, gibt es jetzt noch?“

Ich schaute sie fragend an und wartete auf ihre Vorschläge. Nach minutenlangem Schweigen meinte ich, es gibt grundsätzlich eine Verbindung von der Personalverwaltung zu allen Geschäfts­bereichen, die ich Marcus gleich eintragen ließ. Ich erklärte noch, dass jeder weitere Geschäftsbereich ebenfalls eine Verbindung zur Personalverwaltung erhalte, da alle Teilbereiche nicht ohne Personal arbeiten können.

Tim meinte, vom Gartenbau gibt es weitere Verbindungen zur Gastronomie und zum Hofladen. Die durfte Marcus ebenfalls sofort hinzufügen. Ich meinte, dass das noch nicht alles gewesen sei, es gibt noch mindestens eine Verbindung von jedem Geschäftsbereich zur Buchhaltung. Beim Hofladen und in der Gastronomie gibt es je eine Kasse, die eine Verbindung zur Buchhaltung braucht.

Im Gemüseanbau gibt es mehrere Verbindungen zur Buchhaltung, einmal eine Kasse für den Direktverkauf, ein Forderungs- und Verbindlichkeiten-Manage­ment. „Am besten, ihr speichert den Entwurf direkt zentral ab und überlegt mit allen anderen Betroffenen gemeinsam die vollständigen Strukturen. Dabei solltet ihr mit allen einen weiteren Punkt besprechen, zentraler Einkauf oder jeder Teilbereich für sich selbst. Es gibt aus meiner Sicht eine Menge Gründe, die für eine zentrale Einkaufsabteilung sprechen würden.“

Marcus schaute mich an und wollte von mir wissen: „Sehe ich das jetzt richtig, wir sollen uns über solche Dinge Gedanken machen, wo du eh der Überzeugung bist, zentraler Einkauf wäre besser!“

„Nein“, widersprach ich ihm, „ich wollte damit nur andeuten, dass ihr über gemeinsames Handeln nachdenken sollt und wie diese Dinge geregelt werden können, denn ich sehe viel mehr als nur einen gemeinsamen Einkauf. Ihr habt jetzt viel Zeit, darüber nachzudenken, funktionieren muss alles erst im nächsten Jahr, den Gartenbaubetrieb lassen wir für dieses halbe Jahr außen vor, der arbeitet bis dahin wie bisher.“

„Was wir dringend brauchen, ist eine Buchhaltung und eine Personalverwaltung, die sollte bis zum ersten Juli funktio­nie­ren“, erklärte ich ihnen noch. Damit stand ich auf und ging zu Manuel ins Esszimmer, um mich nach seinen Fortschritten zu erkundigen.

Manuel meinte, er hätte bereits die vorhandenen Lieferverpflichtungen für das laufende Jahr zusammengestellt, die von ihm und seinem Vater im vergangenen Jahr eingegangen wurden und die noch bis zum Jahresende gültig sind und wie ihre Planungen für das laufende Jahr aussehen, wann und wo noch gepflanzt werden soll. Ich wollte wissen, wer derzeit die Buchhaltung für den Betrieb erledigt und wer seiner Meinung nach ab Betriebsüber­nahme diese Aufgabe übernehmen soll.

Die Buchhaltung mache derzeit ihr Steuerberater, die Aufbereitung der Unterlagen habe bisher seine Mutter übernommen. Wer das übernehmen soll, darüber hatte er bisher nicht nachgedacht. Ich meinte zu ihm, dass wir schnellstens einen Termin mit dem Steuerberater vereinbaren sollten, um mit ihm eine Lösung zu finden. Er versprach mir, sich darum zu kümmern und mit mir den Termin abzustimmen.

Da es bereits kurz vor Mittag war, ging ich nach oben ins Bad und erledigte das, wozu ich seit heute Morgen nicht gekommen war, ich duschte ausgiebig und rasierte mich. Anschließend wechselte ich vom Jogginganzug in straßentaugliche Bekleidung und verließ kurzerhand das Haus, um beim Bäcker einzu­kaufen.

Als ich wieder zurückkam, war es fast dreizehn Uhr, ich ging in die Küche, legte die beim Bäcker erworbenen Gebäckstücke auf eine Tortenplatte und stellte sie im Esszimmer auf den Esstisch. Manuel meinte, er hätte mit dem Steuerberater bereits gesprochen und ihm erzählt, dass sein Vater die Firma verkaufen will und dass ich als neuer Eigentümer gerne mit ihm ein Gespräch führen will. Er meinte, nächste Woche sei nicht schlecht, der Termin sollte aber erst stattfinden, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Manuel versprach ihm, sich sofort zu melden, wenn der Termin feststeht.

Ich bat Manuel den Kaffeetisch zu decken, für neun Personen, ich würde in der Zwischenzeit den Kaffee kochen und er könne sich noch umziehen, wenn er will. Der Kaffee war kaum fertig und ich hatte die Thermoskannen kaum auf den Esstisch gestellt, als es klingelte. Ich ging in den Flur und öffnete.

Draußen stand Elisabeth mit den beiden angekündigten Besuchern. Ich begrüßte sie herzlich, bat sie ins Haus und führte sie direkt ins Ess­zimmer. Sie setzten sich und Richard Winter fragte verwundert, ob da noch mehr Gäste kommen würden.

Ich verneinte und meinte nur, im Haus sind noch Marcus, Philipp, Manuel, Jonas und Tim, die vermutlich gleich zum Kaffee erscheinen würden. Erklärend ergänzte ich, Philipp sei mein Sohn und Jonas mein Neffe, die anderen Jungs sind ihre Freunde. Ich bot den beiden das Du an und stellte mich als Peter vor. Elisabeth meinte, meinen Namen kennen ja beide Seiten, und die beiden netten Herrn in ihrer Begleitung wären Richard Winter und Hans Oberndorfer. Richard war für mich eindeutig zu identifizieren, eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Bruder Fritz war nicht zu übersehen.

Wie bereits vermutet, stürmten in diesem Augenblick die fünf Jungs das Esszimmer, zuerst stellte ich ihnen unseren Besuch vor, zuerst Elisabeth als Thomas' Mutter und danach Richard und Hans. Als Nächstes waren die Jungs an der Reihe, die ich einzeln kurz vorstellte, wobei bei Manuel die Vorstellung etwas magerer ausfiel als bei den anderen Jungs.

Sie setzten sich zu uns an den Tisch und nach anfänglicher allgemeiner Unterhaltung verlagerten ich das Thema so langsam in die gewünschte Richtung. Ich erzählte kurz, dass mein Vater vor Kurzem verstorben sei und ich als neues Familienoberhaupt nun die Aufgabe übernommen habe, ab Januar nächsten Jahres mit der Jugend den Gutshof Sonneneck zu bewirtschaften, da der bisherige Pächter seinen auslaufenden Vertrag aus Altersgründen nicht mehr verlängern wollte.

Tim und Jonas, die ab Herbst in Weihenstephan studieren, seien auf die Idee gekommen, Gemüsebau mit aufzunehmen. Es gibt noch weitere Ideen, aber die hätten nichts mit Gartenbau oder Landwirtschaft zu tun.

Richard stellte die Frage, ob wir dazu jetzt seine Meinung und seine Ratschläge hören wollen, was ich erst einmal grundsätzlich bejahte. Er erklärte mir, dass neben dem Gutshof bereits ein Gemüsebaube­trieb existieren würde, der derzeit noch seinem Bruder gehört, den dieser aber sicher in nächster Zeit aus Altersgründen an seinen Sohn weitergeben werde.

Wenn ich jetzt weiterspreche, musste ich aufpassen, was ich sage. Ich erklärte ihm, dass mir das bekannt sei. Aus einem Gespräch mit einem zukünftigen Mitarbeiter des Gutshofes wüsste ich jedoch, dass es da gewisse Schwierigkeiten geben könnte mit der Weitergabe an seinen Sohn. Mein Mitarbeiter hat sich mir gegenüber geoutet und erzählt, dass er in den Sohn von Fritz Winter verknallt sei.

Richard schaute mich an und meinte tiefsinnig: „Dann kann ich mir vorstellen, dass mein homophober Bruder ein Problem hat, seinem Sohn den Betrieb zu übergeben. Entweder er macht es dann so wie mein Vater, er verdonnert eines seiner anderen Kinder den Betrieb zu führen, oder er wird den Betrieb einfach verkaufen.“

Nach einer kurzen Pause sprach ich weiter: „Genau dieser Fall ist jetzt eingetreten, ich habe Manuel, seinem Sohn, auf Fürsprache seines Freundes Daniel angeboten, bei uns auf dem Gutshof anzufangen und sich dort vornehmlich um den Gemüsebau zu kümmern.“

Richard schaute mich an, dann Manuel und wieder zu mir zurück. Er meinte: „Ihr wollt jetzt meinem Bruder Konkurrenz machen und ihm beweisen, dass Schwule ebenso fähig sind eine Firma zu führen.“ Er drehte sich zu Manuel und meinte: „Sehe ich das richtig, dass du Manuel, mein Neffe, bist.“

Es blieb erst einmal ruhig, keiner sagte etwas, bis Manuel schließ­lich sagte: „Ja, ich bin dein Neffe, aber bis gestern Abend wusste ich noch nicht einmal, dass ich einen schwulen Onkel habe, im Hause Fritz Winter durfte über dich nicht gesprochen werden, wie mir scheint.“

Richard stand auf, ging zu Manuel, der ebenfalls aufstand und seinen Onkel an sich drückte. Währenddessen erzählte ich weiter, dass ich gestern Vormittag ein langes Gespräch mit seinem Bruder hatte und ihm angeboten habe den Gartenbaubetrieb zu übernehmen, wobei ich ihm offen sagte, dass Manuel als technischer Mitarbeiter eine führende Position übernehmen wird.

„Manuels Mutter hat mir dann erzählt, dass Fritz gegen seinen Willen den Betrieb fortführen musste, nachdem sein älterer Bruder von seinem Vater rausgeworfen wurde und er für die Familie unauffindbar sei, obwohl er angeblich nach ihm gesucht hätte, da ihre Mutter ihren Sohn vor ihrem Tod noch einmal sehen wollte.“ Richard grinste und erklärte: „Stimmt, Fritz hat nie erfahren, wo ich abgeblieben bin, meine beiden Schwestern wussten jedoch immer, wie und wo ich zu erreichen war.“

„Das war gestern auch unsere Hoffnung, als Manuel Tante Veronika anrief und sie nach deinem Verbleib fragte. Als sie erzählte, dass du in der Stadt wohnst und sie uns deine Anschrift nannte, wussten wir sofort, dass nur du dieser Onkel sein konntest. Du wohntest dummer­weise im gleichen Haus wie meine Schwiegermutter Elisabeth.“

Richard fragte: „Hat vielleicht der Anruf von Veronika, den wir heute Vormittag verpasst haben, etwas damit zu tun?“ Ich bestätigte ihm, dass sie ihn anrufen wollte und ihn über die aktuelle Entwicklung unterrichten sollte und fragen, ob er seinen Neffen treffen will. Parallel hätten wir mit Elisabeth gesprochen und versucht, über sie ein Treffen zu arrangieren, für den Fall, dass es über Veronika nicht zu einem Termin gekommen wäre.

„Dass das schneller funktioniert hat, als wir uns das dachten, hast du dir selbst zuzuschreiben.“ Richard lachte und meinte: „Hätten wir nicht vergessen Zucker einzukaufen, dann wüsste ich zumindest bis jetzt noch nicht, dass ich einen schwulen Neffen habe, mit Veronika wollte ich erst heute Abend sprechen.“

Hans meldete sich und sagte zu Richard: „Sei doch ehrlich, du wolltest dich doch ursprünglich nicht mit dem befreundeten Gutsbesitzer von Elisabeths Sohn treffen wegen eines Gesprächs über Gemüseanbau. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die beiden nicht nur befreundet, sondern sie sind ein Paar wie wir beide.

Wobei, wenn ich mir die restlichen vier Jungs hier anschaue, dann tippe ich darauf, dass hier zwei weitere Pärchen am Tisch sitzen“. Die vier Jungs küssten demonstrativ ihren Partner, um Hans' Vermutung zu untermauern.

Richard grinste und jammerte: „Wo sind wir da nur hineingeraten, so viele Schwule auf einem Haufen trifft man nicht unbedingt an jeder Straßenecke und dann wollen die auch noch gemeinsam einen großen Familienbetrieb führen.“ An Manuel gewandt fragte er: „Wann stellst du uns deinen Freund vor?“

Bevor Manuel etwas sagen konnte, erklärte ich, dass das davon abhängt, wieviel Zeit sie noch bleiben würden, spätestens so gegen siebzehn Uhr würde Daniel hier aufschlagen. Nachdem sich Richard und Hans durch Blickkontakt verständigt hatten, meinte Richard, dass sie für heute nichts geplant hatten.

Ich meinte, dass die Zeit unheimlich schnell vergehen werde, wenn wir ihnen erzählen, was wir alles geplant haben. Bevor ich die Jungs auffordern wollte, den beiden alles zu erzählen, musste ich noch etwas Wichtiges loswerden.

Ich bat kurz um Aufmerksamkeit, weil da noch etwas wäre, was erst heute Vormittag eingetreten ist, selbst vier der Jungs wussten das noch nicht: „Ich habe heute Vormittag einen Anruf von Fritz Winter bekommen und wir haben uns auf den Verkauf des Gartenbaubetriebes an den Gutshof Sonneneck geeinigt. Nächste Woche werden die Verträge unterschrieben und ab dem ersten Juli geht der Betrieb in unsere Hände über. Manuels Eltern ziehen sich aus der Firma zurück und erhalten ein lebenslanges Wohnrecht im Wohngebäude. Der einzige Wermutstropfen dabei ist, dass Manuel sein Elternhaus weiterhin nicht betreten darf, auf dem restlichen Gelände kann er sich jedoch frei bewegen.“

Richard schaute mich an und meinte: „Das glaub ich jetzt nicht, was hast du mit meinem Bruder angestellt.“ Wahrheitsgemäß antwortete ich ihm: „Im Grunde genommen nichts, bei unserem gestrigen langen Gespräch habe ich ihm nur klargemacht, dass es Schwule schon immer gegeben hat und selbst im Tierreich gelegentlich schwule Pärchen beobachtet werden.

Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass der Geburtenüberschuss des männlichen Teils der Bevölkerung seit Jahrhunderten, sofern er nicht durch Kriege dezimiert wurde, immer dazu geführt hätte, dass sich gleichgeschlechtliche Paare gefunden hätten. Die Kirche, die immer auf ihren Fortbestand geachtet hätte, nur einem der Fortpflanzung des Menschen dienendem Bündnis die Zustimmung gegeben hätte. Zum Schluss habe ich nur die Frage in den Raum gestellt, was die jungen Männer tun sollen, die in der heutigen Zeit keine Frau abbekommen.“

Hans meinte: „Und diese Geschichte hat er dir abgenommen“ - „Ich weiß es nicht“, antwortete ich ihm, „aber zumindest scheint es ihn zum Nachdenken gebracht zu haben, denn sonst hätte er wahrscheinlich nicht so reagiert. Zweifelst du etwa daran, dass an meiner Geschichte auch nur ein Fünkchen Wahrheit steckt? Homosexualität im Tierreich gibt es nachweislich und ist von einigen Wissenschaftlern dokumentiert. Dass bei den Geburten nachweislich jährlich mehr Jungs auf die Welt kommen, ist unbestritten.“

Hans meint: „Die Fakten zweifle ich ja nicht einmal an, wobei, bei einigen Argumenten bin ich mir nicht so sicher. Aber dass mit dieser Argumentation eine Änderung seiner Meinung möglich ist, kann ich einfach nicht glauben. Aber wir sollten nicht spekulieren, wir haben sicher noch mehr Themen, über die wir uns unterhalten können.“

Ich meinte: „Ihr könnt den beiden von euren Ideen zur Zukunft von Gut Sonneneck erzählen. Ich werde kurz verschwinden und telefonieren, ich werde das mit dem Abendessen regeln.“ Ich ging ins Wohnzimmer und rief zuerst bei Sebastian an. Klar wollte er wissen, was mich zu ihm führt, so erklärte ich ihm, dass wir heute Abend wieder eine größere Gesellschaft sind, die hungrig sein dürfte.

„Meine Überlegungen kämpfen mit Essen bei deinem Vater im Lokal oder ich brauche dich hier, damit wir die Leute satt bekommen.“ Sebastian antwortete mir: „Das mit Vater kannst du vergessen, der hat abends eine geschlossene Gesellschaft, da gibt’s keinen Platz für dich, bleibt nur noch, dass ich koche. Stört es, wenn ich Alexandra mitbringe?“

„Kein Problem“, meinte ich, „kannst du alles besorgen, was du zum Kochen brauchst, außer du weißt, dass es bei uns zu Hause vorhanden ist?“ – „Ich komme so gegen achtzehn Uhr und dann kochen wir“, meinte er. „Ach, für wie viele Personen sollen wir für heute kochen?“ Ich rechnete kurz und meinte: „Wen ich mich nicht verrechnet habe, sind es mit euch beiden dreizehn hungrige Mäuler.“ Ich verabschiedete mich bis später und dankte für seine spontane Bereit­schaft, uns schon wieder mit leckerem Essen zu versorgen.

Nach dem Gespräch mit Sebastian telefonierte ich noch kurz mit Thomas, auch um ihn vorzuwarnen, dass wir abends wieder volles Haus haben werden. Ich sagte ihm, dass unter anderem seine Mutter da sei und dass Sebastian und Alexandra zum Kochen kommen. Er wolle noch wissen, ob er einkaufen müsse, was ich verneinte. Er drohte noch damit, eher nach Hause zu kommen, wenn seine Mutter schon einmal im Haus sei.

Da ich meine geplanten Telefonate hinter mich gebracht hatte, kehrt ich ins Esszimmer zurück und hörte, wie Philipp seine Idee mit dem kostenlosen oder vergünstigten Ferienaufenthalt für benachteiligte Jugendliche oder Familien mit Kindern vorstellte. Außerhalb der Ferienzeiten sollte es für Seminare oder ähnliches genutzt werden.

Richard fragte ihn: „Könnten die Räumlichkeiten auch ohne Übernachtung für monatliche oder wöchentliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel ein Seniorentreffpunkt oder eine Anlaufstelle für schwule und lesbische Jugendliche, genutzt werden?“ Er lachte und ergänzte: „Schwule Kompetenz ist zumindest reichlich vorhanden, wenn ich mir euch so anschaue.

Wobei, beim Thema Minderheiten gibt es sicher noch mehr Gruppen, die gerne eine Treffmöglichkeit hätten und denen vom Landkreis oder den Gemeinden bisher nicht geholfen werden kann.“

Ich meinte zu Philipp, dass er sich diese Idee einfach notieren soll, wir könnten später prüfen, ob wir diese Ideen verwirklichen können. Manuel meinte dazu: „Wenn es so etwas bereits geben würde, ich wäre bestimmt dort hingegangen, zumindest bevor ich meinen Daniel gefunden habe, vor allem, um gleichgesinnte Jungs zu treffen und kennen zu lernen. Vielleicht hätte ich meinen Daniel dann früher wiedergefunden.“

Ich fragte allgemein in die Runde, inwieweit sie Richard und Hans bereits von unseren Plänen erzählt hätten. Jonas meinte dazu: „Soweit ich das im Kopf habe, sind von uns fast alle Neuerungen bereits angesprochen worden. Inzwischen ist die Palette der Ideen und Pläne so groß, dass man leicht den Überblick dabei verlieren kann.“

So erklärte ich: „Ich werde mich in den nächsten Tagen einmal hinsetzen und alle Ideen, die wir bisher gesammelt haben, sortieren und sie unseren Projekten zuordnen. Parallel dazu werde ich auch die Projektgruppen vermutlich neu überdenken, denn einige Ideen sind vermutlich sogar projektüber­greifend einzustufen.

Ein Projekt ist auf alle Fälle so ausgerichtet, dass alle anderen davon betroffen sind. Das ist der Bereich von Philipp und Marcus, Informations- und Kommunikationstechnologie benötigen wir in allen Bereichen, selbst in unseren privaten Wohnbereichen sind wir davon betroffen.“

Es klingelte wieder einmal an der Haustür, von der Zeit her konnte es nur Daniel sein, der nach getaner Arbeit bei uns aufschlug. Manuel stürmte los, um seinen Schatz hereinzulassen und vermutlich, um ihn auf unsere weiteren Gäste vorzubereiten. Er hatte bisher weder Thomas' Mutter kennengelernt noch Manuels Onkel Richard und seinen Lebensgefährten Hans gesehen.

Währenddessen bat ich den Rest ins Wohnzimmer umzuziehen, da die Kaffeetafel noch geleert werden musste, bevor sie für unser Abendessen neu hergerichtet werden konnte. Tim und Jonas kämen nach, meinte Philipp, sobald sie das Esszimmer aufgeräumt haben und die Küche für unseren Koch vorbereitet sei. Wir anderen hatten uns gerade hingesetzt, als Manuel und Daniel ins Wohnzimmer traten.

Manuel übernahm es, Daniel unseren Gästen vorzustellen und gleichzeitig Elisabeth, Richard und Hans seinem Daniel vorzustellen. Elisabeth reagierte als Erste und sagte zu Daniel: „Freut mich, dich kennenzulernen, mit Manuel hatte ich nachmittags schon das Vergnügen. Ihr zwei seid ein hübsches Paar, so wie die anderen Jungs auch. Dass ihr beide im Projekt Gutshof Sonneneck mitmachen wollt, finde ich eine gute Idee. Manuel hat schon so viel von den Plänen für den Gemüseanbau erzählt. Du arbeitest bereits auf dem Gutshof in der Landwirtschaft und willst eine weitere Ausbildung zum Gemüseanbaufachmann machen, um dann mit deinem Manuel zusammen­zuarbeiten.“

Der nächste war Hans, der Daniel ansprach: „Stimmt, Elisabeth liegt völlig richtig, dass ihr ein hübsches Paar seid. Dass ihr in der heutigen Zeit mit Manuels Eltern Schwierigkeiten habt, zeigt uns, dass die alten verbohrten Sturköpfe noch immer existieren, obwohl Homosexualität schon seit so vielen Jahren straf­frei ist und Schwule vor dem Standesamt heiraten können. Zumindest außerhalb Bayerns ist das bereits möglich, der bayerische Sonderweg heißt ja Verpartnerung.“

Inzwischen war Thomas eingetroffen und im Wohnzimmer begrüßte er zuerst seine Mutter und anschließend Richard und Hans. Die beiden freuten sich, endlich meinen Partner kennenzulernen, die Jungs hatten während meiner Telefonate scheinbar einiges über ihn erzählt. Während sich die vier, Elisabeth, Richard, Hans und Thomas, lebhaft unterhielten, ging ich zu Philipp und fragte, ob er für Daniel auch ein Notebook fertig machen könne.

Er schaute mich fragend an, so dass ich ihm erklärte, ähnlich wie bei Tim werde Daniel zum ersten September seine Ausbildung im Gemüseanbau antreten und mit der heutigen Entscheidung, dass die Firma Anfang Juli Bestandteil des Gutshofes ist, braucht auch er spätestens zu diesem Zeitpunkt seine Arbeitsmittel. Philipp meinte: „Jetzt verstehe ich, warum du gleich mehr Rechner geordert hast.“

Danach erklärte mir Philipp: „Zur Internetanbindung des Gutshofes habe ich nicht so positive Zwischen­informationen, eine An­bindung ist derzeit nur mit maximal 16 Mbit/s möglich, eine breitere Anbindung ist derzeit auch noch nicht in der Planung. Dein Einverständnis vorausgesetzt, habe ich einen Anschluss bestellt, der vermutlich innerhalb einer Woche geschaltet wird. Wir sollten uns trotzdem mit der Geschäftskundenabteilung in Verbindung setzen, da wir langfristig eine größere Telefonanlage einsetzen wollen und definitiv eine breitere Internet-Anbindung benötigen. Kurzfristig benötigen wir einen Router, den wir wieder bei unserem Computer-Spezialisten kaufen sollten und für die restlichen Büros ein vernünftiges WLAN, damit wir keine zusätzlichen Kabel verlegen müssen.“

Ich fragte Philipp: „Bedeutet das, dass wir unsere Büros im Gutshof erst in Betrieb nehmen können, wenn der neue Anschluss vor­handen ist? Du weißt, am Wochenende kommen Alejandro und Jorge mit dem kompletten Büro, einschließlich der Einrichtung, von Mallorca mit einem Lieferwagen. Ich würde das, wenn möglich, sofort alles aufbauen und in Betrieb nehmen, so könnten wir nächste Woche mit der Digitalisierung der Unterlagen weitermachen.“

Dazu erläutert mir mein Sohn: „Wir können den Router sofort in Betrieb nehmen und das WLAN nutzen, ohne eine Verbindung ins Internet. Auch der Drucker würde sofort nutzbar sein für alle und auf einer zusätzlich angeschlossenen Festplatte können Daten gespeichert werden und von den Geräten im WLAN genutzt werden.

Nur die Verbindung zu uns nach Hause läuft in den ersten Tagen nicht. Selbst eine interne Telefonverbindung sollte möglich sein, sofern die Mobilteile mit dem Router verbunden sind. Wir können eventuell probieren, ob wir Mutters vorhandenen Telefonanschluss integrieren können.“

Wieder klingelte es an der Haustür, diesmal stand ich auf, um für Alexandra und Sebastian zu öffnen. Die beiden schauten zwar etwas verdutzt, als sie mich erblickten, begrüßten mich dann doch herzlich. Ich ging mit beiden in die Küche, wo sie erst einmal ihre Taschen abstellten. Sebastian fragte mich, ob ich ihnen helfen könne, dann ginge es etwas schneller mit dem Abendessen-Zubereiten.

Da ich im Wohnzimmer zurzeit vermutlich nicht vermisst wurde, erklärte ich, dass ich ihnen gerne helfen werde, soweit ich dazu in der Lage bin. Er meinte: „Du könntest den Spargel schälen, dann können Alexandra und ich uns mit dem Rest beschäftigen.“ Spargel hatten wir in diesem Jahr bisher noch nicht gekocht, aber die Spargelsaison war gerade erst richtig angelaufen.

Ich suchte in unseren Küchenutensilien nach dem Spargel­schäler und fragte, ob sie auch einen Kartoffelschäler benötigen. Alexandra sagte nur: „Klar brauchen wir den auch, wie soll ich denn sonst die Kartoffeln vorbereiten.“

Ich stellte mich zusammen mit dem Spargel etwas abseits in die Küche und begann ihn zu schälen. Spargel für dreizehn Personen zu schälen ist schön zeitaufwendig, das könnt ihr mir glauben, und ich befürchtete fast schon, dass ich nie damit fertig werde. Nach gut einer halben Stunde hatte ich es geschafft, der Berg Spargel lag endlich geschält vor mir.

Jetzt verstand ich auch, warum Spargel im Restaurant immer so teuer war, alles reine Handarbeit. Sebastian schaute sich meine Arbeit an, grinste und erklärte mir: „Du bist eingestellt als Spargelschäler für unser Gutshof-Restaurant, du hast ordentliche Arbeit abgeliefert, da dürfte kein Gast etwas zu meckern haben.“

Fast wäre meine Schlagfertigkeit auf der Strecke geblieben, aber ich konterte noch rechtzeitig: „Danke für das Angebot, aber auf Dauer wäre das kein Job für mich. Ich könnte mir eher vorstellen, dass ich meinen Küchenchef für diese Arbeit abstelle und seinen Job übernehme. Mitarbeiter zu kommandieren lag mir schon immer mehr als praktisches handwerkliches Arbeiten.“

Sebastian schaute mich ungläubig an und antwortete mir: „So stellst du dir das also vor, ich glaube, ich muss meine Zusage gleich wieder widerrufen, wenn du der Meinung bist, ich wäre besser zum Spargelschälen geeignet.“ Dabei lächelte er süffisant, was mir wiederum sagte, dass das nicht ganz so ernst gemeint war.

Ich verzog mich schnellstens aus der Küche und ging ins Esszimmer, um den Tisch für dreizehn Personen einzudecken. Alexandra kam zu mir ins Esszimmer und brachte noch verschiedene Deko-Elemente mit, um den Esstisch entsprechend dem Motto zu gestalten. Währenddessen ging ich wieder in die Küche und fragte Sebastian, welche Getränke ich bereitstellen soll. Er antwortete mir, den passenden Weißwein habe er mitgebracht und im Kühlschrank kaltgestellt, damit er die richtige Temperatur hat.

Ich sah, dass er bei den Vor­bereitungen schon weit vorangekommen war und wollte von ihm wissen, wie lange es noch dauern würde, bis ich den Rest ins Esszimmer scheuchen kann. „In etwa zehn Minuten ist hier alles fertig; wenn Alexandra mit der Deko fertig ist und Weißweingläser am Tisch stehen, kannst du alle zu Tisch bitten.“ Vorsichtshalber holte ich aus dem Keller noch ein paar Flaschen Wasser, die ich gleich ins Esszimmer brachte. Alexandra hatte den Tisch liebevoll dekoriert und war zu Sebastian in die Küche gegangen.

Ich ging ins Wohnzimmer und bat alle, ins Esszimmer zu kommen, Sebastian sei gleich mit dem Kochen fertig und wir könnten essen. Kaum hatten sich die ersten gesetzt, erschien Alexandra und wollte wissen, wer einen Weißwein haben will. Da alle sich für den Weißwein entschieden, füllte sie die Gläser und holte gleich noch die zweite Flasche, eine Flasche reichte nicht annähernd, nachdem alle Weißwein wollten.

Elisabeth wollte wissen, wer den Tisch so dekoriert habe und ob das bereits ein Hinweis darauf sein soll, was wir gleich vorgesetzt bekommen. Alexandra hatte alle Teller eingesammelt und in die Küche gebracht, was wohl bedeutet, dass Sebastian alle Portionen fertig auf dem Teller servieren wollte. Ich ging deshalb zu ihm in die Küche und beobachtete ihn, wie er die Teller befüllte und dekorierte. Er meinte zu mir: „Die ersten Teller kannst du bereits mitnehmen und servieren, Alexandra hilft mir dann mit den restlichen Tellern“. Ich schnappte mir drei der vorbereiteten Mahlzeiten und brachte sie ins Esszimmer, wo ich zuerst Elisabeth sowie Richard und Hans je eine Portion auf den Tisch stellte. Während ich wieder in die Küche zurückging, kam mir Alexandra bereits mit drei weiteren Portionen entgegen. Wieder mit drei Tellern beladen ging es zurück ins Esszimmer; nach meiner Rechnung brauchte ich nicht mehr zurück in die Küche, so setzte ich mich ebenfalls, nachdem ich meine Teller bei Marcus, Philipp und Tim losgeworden war.

Alexandra und Sebastian kamen mit den letzten vier Portionen und setzten sich zu uns an den Tisch, nachdem sie ihre Teller verteilt hatten. Sebastian wünschte allen einen guten Appetit und danach waren alle erst einmal mit Essen beschäftigt. Als die ersten fast fertig waren, meinte Sebastian: „Wer noch nicht ganz satt ist, der kann noch etwas Nachschub haben, in der Küche ist noch etwas Spargel und Schinken. Bei den Kartoffeln schaut es nicht so gut aus.“ Philipp, der bereits fertig gegessen hatte, stand auf, ging in die Küche und brachte den restlichen Spargel, einige Schinkenröllchen und den kläglichen Rest an Kartoffeln.

Ich wartete erst einmal ab, ob die Jungs alle noch einen Nachschlag nehmen wollten, ich wollte mir dann noch vom Spargel etwas auf meinen Teller legen. Philipp holte sich etwas Spargel und ein Schin­kenröllchen, Thomas legte sich eine Spargelstange auf seinen Teller, der Rest schien satt zu sein oder trauten sich einfach nicht. So konnte ich mir ebenfalls einen Spargel für mich holen.

Elisabeth lobte Sebastians Kochkünste und meinte, sie hätte schon lange kein so gutes Spargelgericht gegessen. Aber auch Richard und Hans waren voll des Lobes für dieses vorzügliche Gericht, wobei Richard schelmisch erklärte, dass er eigentlich eher mit Hausmannskost gerechnet habe und nicht mit dieser Köstlichkeit.

Sebastian meinte bescheiden: „Wenn ich von Peter so nett eingeladen werde, für dreizehn Personen ein Abendessen zu zaubern, dann wollte ich mich von meiner besten Seite zeigen.“ Auch Alexandras Dekoration des Tisches wurde von allen gelobt, diese hätte hervorragend zum servierten Essen gepasst.

Wir saßen noch eine Zeitlang am Esstisch, bis Manuel und Daniel erklärten, dass sie jetzt aufbrechen würden, um zu Daniels Eltern nach Hause zu fahren: „Wenn wir jetzt nicht weiterkommen, dann funktioniert das heute wieder nicht mit dem Über­nachten in seinen eigenen vier Wänden.“ Die beiden verabschiedeten sich von allen Anwesenden und Manuel drohte, dass er morgen früh wieder hier aufschlagen würde, wenn Daniel zur Arbeit fährt.

Nach den beiden meinten dann auch Sebastian und Alexandra, dass es für sie auch langsam an der Zeit sei, wieder zu verschwinden. Sie verabschiedeten sich ebenfalls, ich erinnerte sie daran, nicht zu vergessen, dass am Samstagnachmittag das große Familientreffen angesagt sei und sie doch bitte pünktlich da sein möchten.

Während wir Älteren es uns im Wohnzimmer wieder gemütlich machten, räumten Marcus, Philipp, Jonas und Tim in der Essecke und in der Küche auf. Richard erzählte uns, dass sie ursprünglich nicht so lange bleiben wollten, da sie nicht wussten, was sie erwartet bei dem Besuch. Dass es jetzt doch so spät geworden sei, ist zum einem dem freundlichen Empfang, aber auch unserer offenen Art, mit ihnen umzugehen und ihnen alles von unseren Plänen erzählen, zu verdanken.

Er und Hans seien sich einig, wenn sie noch einige Jährchen jünger wären, hätten sie sich vorstellen können, in unser Projekt mit einzusteigen. Ich erklärte ihm, dass wir ebenso wenig vermuten konnten, wie sie beide sich verhalten würden. Immerhin sei es inzwischen doch so, dass wir sein ursprüngliches Erbe übernehmen würden, und da könnte man auch Ablehnung erwarten.

Hans meinte: „Über diesen Punkt ist Richard längst hinweg, wir beide haben uns und sind seit Jahrzehnten glücklich miteinander; wer weiß, ob es so gekommen wäre, wenn Richard damals die Nachfolge seines Vaters angetreten hätte.

Inzwischen hätte er auch einen Nachfolger innerhalb der Familie suchen müssen oder hätte den Betrieb verkauft, heiraten und Kinder haben sind für ihn nie in Frage gekommen. Ob es Manuel gegeben hätte, wenn sein Bruder sein Leben anders gestalten hätte können, ist auch nicht so sicher."

Elisabeth sagte zu den beiden: „Dass ihr nicht gerade mit großer Begeisterung mit mir zu meinem Schwiegersohn mitge­kommen seid, habe ich schon bei der Fahrt hierher bemerkt. Ihr habt mich dann doch überrascht, als eure anfängliche Skepsis verflogen ist und ihr bei den Gesprächen am Nachmittag langsam aufgetaut seid. Ich durfte euch nicht verraten, dass euch heute Nachmittag der Neffe von Richard erwarten wird, sonst wäret ihr viel­leicht gar nicht mitgekommen.“

Richard lachte und antwortete ihr: „Nur gut, dass du uns über den wahren Grund unseres Besuches bei deinem Schwiegersohn im Unklaren gelassen hast. Peter, ich danke dir noch einmal dafür, dass du mit dieser Hinterlistigkeit ein Zusammentreffen mit meinem Neffen und seinem Freund arrangiert hast.

Ich glaube, in deinen Händen ist mein Neffe Manuel bestens aufgehoben, auch wenn er den elterlichen Betrieb nicht als Erbe von seinem Vater übernehmen kann, die Lösung, ihn trotzdem in das Ganze einzubinden, finde ich genial. Anfangs hatte ich schon befürchtet, dass ihr hier ein schwules Unternehmen plant, aber da auch deine Tochter sowie Sebastian und Alexandra mit im Boot sitzen, konnten diese Bedenken zwischenzeitlich zerstreut werden.“

Elisabeth meinte dann, dass es auch für sie, Richard und Hans langsam an der Zeit sei, nach Hause zu fahren. Ich bat sie, die beiden doch gelegentlich einmal auf den Gutshof zu lotsen und sich dort mit meiner Mutter zu treffen. Sie würde sich sicher darüber freuen; falls es nicht vor ihrem Flug nach Mallorca funktio­nieren sollte, nach ihrer Rückkehr bliebe sie für immer in Deutschland.

Die Jungs tauchten allesamt rechtzeitig auf, um sich ebenso von unseren Gästen zu verabschieden, wobei Elisabeth von Marcus und Philipp ein Küsschen erhielt.

Thomas und ich beschlossen, den Tag ebenso zu beenden und zu Bett zu gehen. Thomas grinste mich dabei schon fast verführerisch an, an ein sofortiges Einschlafen war wohl nicht zu denken. Wir gingen nach oben und nach einem kurzen Besuch im Bad lagen wir in unserem Bett.

Wie ich schon vermutet hatte, dauerte es eine Ewigkeit, bis wir schliefen, unser Matratzensport verhinderte dies. Nur so viel will ich euch verraten, heute durfte Thomas den aktiveren Part übernehmen und ich ließ mich von ihm verwöhnen, was ich auch reichlich genoss. Für eine zweite Runde unter geändertem Vorzeichen reichte es zeitlich doch nicht mehr, sonst wären wir am Morgen sicher nicht pünktlich aus unseren Betten gekommen.

Kurz bevor ich einschlief, hörte ich noch, dass die Jungs nach oben gingen und alle vier gleichzeitig im Bad verschwanden.

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