zur Desktop-Ansicht wechseln. zur mobilen Ansicht wechseln.

Quartett

Teil 2

Lesemodus deaktivieren (?)

Informationen

Inhaltsverzeichnis

3. Das Studium

Vorlesung, Essen, lernen, schlafen, wiederholen. Aus viel mehr bestand das Semester nicht. Der Stoff hatte es definitiv in sich und so erging es dem gesamten Jahrgang. Daher war es kein Wunder, dass gegen Ende des Semesters die Nerven blank lagen.

Mit seinem fotografischen Gedächtnis hatte FX zwar den Vorteil, dass er den Stoff der Vorlesung vor seinem inneren Auge immer präsent hatte. Das war jedoch nicht gleichzusetzen mit Verstehen! Da wiederum war Michel der Dreh- und Angelpunkt. Während FX die Tafelbilder der Vorlesung exakt reproduzierte, sorgte Michel für deren verständliche Erklärung. Hinterher schrieb FX deren erarbeitete Version leserlich für alle auf.

„Sach ma, hast Du nur grüne Stifte?”, wollte Ben von FX irgendwann wissen.

„Nein. Ich habe auch rot, blau und schwarz. Aber ich kann nur mit dieser Marke schreiben. Und grün mag ich einfach am liebsten. Blau geht auch noch. Schwarz finde ich so trist. Und rot nehme ich nur für Korrekturen oder wenn etwas wichtig ist.”

„Ich finde die Farbe nicht so wichtig”, wand daraufhin Henne ein und strich sich ironischerweise geistesabwesend über den Iro. „Mich würde vielmehr interessieren, woher Du diese Handschrift hast. Wobei man bei Dir ja gar nicht von Handschrift sprechen kann! Du machst ja jedem Drucker Konkurrenz. Übrigens auch in punkto Geschwindigkeit. Allein sich die Zeit für Serifen und Ligaturen zu nehmen ist schon abgefahren.”

„Ich finde, mit Serifen sieht es einfach schicker aus”, entgegnete FX.

„Keine Frage! Aber warum? Warum schreibst Du wie gedruckt?”

„Seit ich 15 bin schreibe ich mit links und …”

Drei überraschte Gesichter mit halb offenen Mündern schauten FX an.

„... und wieso sollte ich langsam schreiben, wenn es auch schnell geht? Frag mal Henne, warum er 100 Liegestütze in 100 Sekunden macht. Ich glaube das ist einfach nur eine Frage der Übung.”

Mit dieser wenig zufriedenstellenden Antwort war diese Diskussion beendet, wobei die Drei im geheimen weiter über das Thema grübelten. Besonders Michel beobachtete FX sehr eingehend, sobald dieser mit seiner unglaublichen Geschwindigkeit anfing, mit Links zu schreiben.


Es war wieder einer dieser verhassten Montage mit dem unglaublich schwierigen Stoff in der Vorlesung. Das Semester näherte sich dem Ende und die Nerven lagen blank. Glücklicherweise war endlich Mittagspause und der Jahrgang strömte in den Südflügel zur Mensa. Wie üblich teilte sich die kleine Gruppe vor der Essensausgabe auf, um sich dann hinterher wieder unter einem der kleinen rund geschnittenen Benjamin-Bäumchen zu treffen.

Es hatte sich im Laufe des Semesters so herauskristallisiert, dass jede Gruppe immer ihren Stammplatz im Speisesaal hatte. Michel und seine Freunde saßen dabei im hinteren Drittel des Saals, also eher auf Höhe der Tablettrückgabe zur Linken. Allerdings saßen sie auch deutlich weiter an der Fensterfront und damit wieder schön weit weg von der lauten und klappernden Rückgabe. Vielleicht würden sie ja eines Tages eine dieser begehrten Sitzgruppen im Fenster selber bekommen. Andererseits war die Wahrscheinlichkeit gering, dass ihnen als zur Unterschicht gehörenden Gruppe der Stipendiaten diese Ehre zuteilwerden würde.

Jedenfalls hatten sie es mit ihrem Ficus ganz gut getroffen und waren zufrieden. Andere Ersis waren da deutlich schlechter dran. Wie zum Beispiel der wandelnde Muskelberg, der sich nun FX näherte, der noch alleine am Tisch saß. Die anderen Jungs hatten sich für das Kotelett entschieden und dort war, im Gegensatz zum vegetarischen Strudel, deutlich mehr los.

„Steh auf und verzieh Dich!”

FX war bereits am Kauen und nahm den Strudelteig auseinander um die undefinierbaren Gemüsesorten zu identifizieren. Bemerkt hatte er den Unsympathen zwar, jedoch beschloss er, ihn zu ignorieren. Das jedoch trieb diesen innerhalb von Sekunden zur Weißglut.

„Du sollst Dich verziehen, hab’ ich gesagt!”

„Hallo”, entgegnete FX nun freundlich lächelnd und blickte auf. „Da, wo ich herkomme, fängt man ein Gespräch in der Regel mit diesem Wort an.”

„Verzieh Dich Du Krüppel, das ist mein Tisch!”

Im Sitzen war FX fast so groß, wie der Typ. Allerdings auch nur halb so breit und halb so stark. Im Augenwinkel sah er schon den genauso freundlichen Rest der Muskel-Meute ankommen, wohingegen seine Freunde noch in der Schlange waren.

Mist, dachte FX und antwortete stattdessen: „Setzt Euch doch einfach dorthin, wo ihr sonst immer sitzt und lass mich in Ruhe mein Essen genießen”, wohl wissend, dass die Muskel-Meute am ersten Tag den Fehler gemacht hat, sich an einen Tisch gleich hinter der Essensausgabe zu setzen. Einen unruhigeren Platz gab es kaum, da dort viele einfach warteten, bis ihre Freunde aus der Schlange kommen. Und wenn man wartet, starrt man den anderen schön auf den Teller.

Die anderen Freunde des Kraftsports waren mittlerweile fast da, so dass der Typ genug Rückhalt zu haben glaubte, wohingegen Michel, der am weitesten fortgeschrittene, immer noch zu weit weg war, die Situation aber bereits beobachtete.

Der Typ wollte handgreiflich werden und FX am T-Shirt hochziehen. Er stand rechts neben ihm und wollte gerade zugreifen, als FX ihm mit einer schnellen Bewegung mit dem Ellenbogen die Hand weg schlug. Da er rechts den harten Gips trug, war es für den Muskelprotz umso schmerzhafter.

„Hey Du Arschloch!” sagte er überrascht und trat näher an FX heran, so dass die beiden nur noch wenige Zentimeter trennten.

Mit seiner linken Hand piekste FX derweil ein Stück Tomate auf und schob es in den Mund. Kurz bevor die Gabel seinen Mund erreichte, wurde er von einer Hand im Nacken gepackt, die auch eine Schraubzwinge hätte sein können.

Erneut zuckte FX nur einmal kurz mit dem rechten Arm und sein Ellenbogen landete im Magen des Typen.

Wie langweilig, dachte er, so viele Muskeln und dann doch alles weich wie Pudding.

Wie ein Kartenhaus klappte der so Überraschte zusammen, gab nur ein undefiniertes Stöhnen von sich und wurde im letzten Moment von zwei seiner Freunde aufgefangen. Diese hatten im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, um sowohl ihren Freund, als auch ihre Tabletts zu halten und den Rückzug zu ihrem Tisch anzutreten.

Der Vierte aus deren Bunde stand links von FX und zischte ihm im Vorbeigehen ein „Na warte, das wirst Du büßen” zu. Als dieser fast rechts hinter FX vorbei war, streckte er sein Bein etwas nach hinten aus, was Dank seiner Körpergröße spielend bis hinter den Stuhl und zwischen die Beine des anderen ragte.

Es folgte ein lautes Scheppern als erst das Tablett und danach der Typ den Boden berührten.

„Hej, brauchst Du Hilfe?”, fragte Michel, der gerade ankam, über den Typen grazil hinwegsprang und sich in einer geschmeidigen Bewegung aus dem Schwung auf den Stuhl gleiten ließ.

„Ob sich diese Warterei jetzt gelohnt hat”, orakelte FX.

„Sag ich Dir hinterher. Aber wie ich gesehen habe, hast Du die Wartezeit gut überbrückt.”

„Mahlzeit, Junx”, kam es synchron von Henne und Ben, die nun ebenfalls ankamen.


Endspurt im Semester. Die Professoren sorgten ein letztes Mal für eine Druckbetankung der Gehirne und entließen ihre Studenten schließlich nicht in die Ferien, sondern in die vorlesungsfreie Zeit.

Das bedeutete unterm Strich, dass im Semester Gelernte durch Üben für die Klausuren zu vertiefen und verinnerlichen. Die Vier waren gut, gehörten sogar zum oberen Viertel des Jahrgangs, wie sich am Ende der Klausurenzeit ergab. Alle hatten alles bestanden, doch viel Verschnaufpause gab es nicht, denn das neue, zweite Semester war schon in Sicht!

Jedoch gab es vorher noch einen kleinen Höhepunkt: Die Semester-Ende-Party! Es schien so Brauch, dass in den verworrenen Kerkern der Burg drei Tage nach der letzten Klausur eine große Party gefeiert wurde. Bereits beim Verlassen der letzten Klausur gab es kein anderes Thema mehr. Wer zieht was an? Wer reißt welches Girl auf? Wer verträgt am meisten Alkohol?

Für die Vier war zumindest die Frage nach der Damenwahl klar. Was die männlichen Kommilitonen im Jahrgang und vielleicht den Jahrgang darüber anbelangte, so gab es eigentlich niemand anderen Erwähnenswertes. Die Frage nach der Damen- beziehungsweise besser gesagt Herrenwahl war somit entschieden, wenn auch nicht zum Positiven.

„Es kann doch nicht sein, dass wir Vier hier die einzig attraktiven Kerle sind, oder?” beschwerte sich Ben auch kürzlich.

„Ich nehme das mal als Kompliment”, meinte daraufhin Henne, der mit seinem Punk und Iro-Stil mit Sicherheit der Gewöhnungsbedürftigste war.

„Es kann ja nicht jeder so knusprig aussehen wie Du, Michel!”, kam es von FX.

„Dann müssen wir halt einen flotten Vierer starten!” Platzte Michel heraus.

Schweigen.

In der Tat war nach dem Wegfall des Lerndrucks die Zeit auf dem Kuschel-Sofa deutlich gestiegen, dennoch hatte niemand aus der Gruppe es im Hinterkopf, mehr aus der Situation zu entwickeln. Aber vielleicht lag das auch nur an der post-intellektuellen Phase.

Es sollte ohnehin noch spannend werden mit der Party. Keiner der Vier ging mit deren Homosexualität hausieren, jedoch kam es sowohl beim Lernen, aber noch mehr jetzt in den leichten Tagen vor, dass jemand mehr oder weniger überraschend in deren Gemeinschaftsraum platzte. Es war üblich, dass man vor dem Eintreten kurz anklopfte, jedoch war es genauso üblich, weder auf ein 'Herein’ zu warten, noch dieses auszusprechen. Und so kam es, dass man oft zwei oder drei oder gar alle unüblich nahe beieinander sah.

„Du musst Michel ja auch nicht zwingend hinterm Ohr kraulen, wenn Du ihm dieses Integral erklärst“, warf FX Henne vor, nachdem Sarah, eine sympathische Kommilitonin aus dem Südost-Turm verstörter wieder gegangen als sie gekommen war.

Henne versuchte, sich halbherzig zu verteidigen: „Hej, ihre Frage war quasi identisch mit der von Michel. Und da liegt es ja wohl auf der Hand, dass ich lieber seine kraulen als ihre! Die sind ja auch voll süß!” Sprach's und knabberte etwas an Michels linkem Ohr.

Um ihn zu ärgern, steckte Henne Michel dann auch noch seine Zunge ins Ohr, worauf Michel sich zunächst erschreckte, sich ruckartig herum und auf Henne drauf warf und seine beiden Arme mit einer Hand über Hennes Kopf festhielt.

Mit seinem Gesicht beugte er sich dicht über Hennes, so dass sich ihre Nasen fast berührten. Mit einer maximalen Anstrengung der Zurückhaltung flüsterte Michel zu Henne: „Tu das nie wieder!”

„Aber Du bist doch so süß!”, grinste Henne zurück. Denn er hatte gesehen, wie sich FX von der Seite näherte. Dadurch, dass er so lang war, kam er besonders dicht an Michel heran und berührte nun seinerseits ganz vorsichtig mit seiner Zunge Michels rechtes Ohr.

„Was zum …” weiter kam er nicht, denn als Michel sein Ohr von FX weg und sein Gesicht zu ihm hingedreht hatte, war nun sein linkes Ohr in Hennes Reichweite, der auch prompt aktiv wurde.

Ben, der als Einziger unbeteiligt war, genoss diesen aussichtslosen freundschaftlichen Kampf, lag neben der Szenerie und lachte laut auf, als Michel in die Zwickmühle geraten war. Dieser Lachanfall jedoch zog Michels Aufmerksamkeit auf ihn, so dass sich Michel der Klemme entziehen und seinem Ärger Ben gegenüber Luft machen konnte.

In kürzester Zeit war aus den vier jungen Männern ein undefinierbares Knäuel aus Armen und Beinen geworden, welches auf den Sofas tobte.

Just in diesem Augenblick kam Sarah herein. Ihr Klopfen hatte natürlich niemand gehört. Wie angewurzelt stand sie und hinter ihr zwei weitere Kommilitonen aus dem südlichen Nachbar-Turm und starrten das Gerangel an bis Henne aufschrie: „Jemand blutet und ich bin es nicht!”

Alle verharrten kurz in ihrer Position als hätte jemand beim Film die Pause-Taste gedrückt. Auch die drei Damen in der Tür bewegten sich nicht, sondern hielten den Atem an.

FX war der erste, der geistesgegenwärtig aufsprang, mit 3 Schritten den großen Wohnraum durchquerte und binnen Bruchteilen einer Sekunde mit einem nassen kalten Handtuch wieder auf dem Sofa war.

„Tut mir leid, Ben“, flüsterte er leise, fast traurig, als er ihm gekonnt das Gesicht reinigte. Ben versuchte, ihm das Handtuch weg zu nehmen, doch FX verneinte: „Bitte lass mich. Ich weiß, was ich tue. Vertrau mir bitte.”

Bestätigend schloss Ben die Augen und entspannte sich. Halb unbeholfen, halb routiniert drückte FX mit der rechten Hand einen Teil des Handtuchs auf Bens Nasenwurzel, während er das andere Ende in seinem Nacken hielt und ihm gleichzeitig damit den Kopf stützte.

„Wann kommt dieses blöde Ding eigentlich ab?”, kommentierte jemand FX’ umständliches Hantieren mit seinem Gipsarm. Es war nicht Sarah, sondern jemand dahinter, den keiner so Recht erkennen konnte.

Halblaut, so dass man es an der Tür kaum, auf dem Sofa aber sehr wohl verstehen konnte, flüsterte FX: „Sobald ich zu ende gesprochen habe, nehme ich das Tuch weg. Dann blutet es auch nicht mehr. Du darfst Deine Nase aber nicht anfassen, sonst fängt es wieder an. Vertrau mir bitte. Wenn Du das verstanden hast, schließ einmal kurz die Augen”.

Ben blinzelte einmal kurz und ruckartig setzte FX den zuvor halb auf seinem Schoß liegenden Ben in die Senkrechte und nahm gleichzeitig das nasse Handtuch aus Gesicht und Nacken. Die gesamte Behandlung hatte weniger als eine Minute gedauert, war aber von Erfolg gekrönt, denn das Nasenbluten war gestoppt.

Reflexartig wollte sich Ben an die Nase greifen, doch genau so reflexartig hob FX seinen rechten Zeigefinger, was Ben sofort zum Abbruch seines Tuns zwang. Stattdessen wanden sich, fast wie abgesprochen, alle vier Köpfe der Tür zu und sahen die drei Damen fragend an.

„Oh. Tschuldigung. Wir wollten nicht stören, sondern nur etwas Geld für die Getränke morgen sammeln.”

Der Obolus war schnell eingesammelt und die Mädels zogen weiter.

Selbstverständlich war es Michel, dem etwas aufgefallen war: „Das ist Dir nicht zum ersten Mal passiert, oder?”

„Nein”, kam es kleinlaut von FX zurück.

„So schnell hab’ ich Nasenbluten noch nie stoppen gesehen …” grübelte Michel weiter.

4. Die Party

Und dann war der lang ersehnte Tag da. Die meisten verbrachten ihre Zeit schon seit dem Nachmittag im Bad vor dem Spiegel. Durchaus knifflig, wenn man nur ein Gemeinschaftsbad hat. Ben und Michel konkurrierten um die Zeit vor dem Spiegel, während FX und Henne auf dem Sofa halb auf- halb nebeneinander dösten.

„Willst Du denn für heute keine neue Farbe auflegen?”

„Nö”, antwortete Henne. „Welche denn? Schwarz vielleicht, weil bald das neue Semester los geht?”

„Blödmann. Keine Ahnung. Du bist doch sonst nicht zurückhaltend, wenn es um deinen bunten Iro geht. Wenn ich Dich dran erinnern darf, gab es Zeiten in dem glücklicherweise abgeschlossen Semester, an dem Du drei Mal am Tag die Farbe geändert hast.”

„Keine Ahnung. Mir fällt nix ein.”

Mit einem Ruck setzte sich FX auf und schaute mit seinen tiefblauen Augen direkt in die von Henne und sprach ganz langsam und akzentuiert: „Was … ist … los???”

Verlegen schaute der so angesprochene zu Boden und schwieg.

FX streichelte ihn zärtlich mit einer Hand über die glatt rasierten Seiten seines Iros. Genau wie Ben rasierte sich auch FX jeden Morgen die Haare unter der Dusche. Das ging einfach am schnellsten, einmal mit dem Nassrasierer über die Seiten und schon war alles blitzblank. Bei FX sah die Frisur ähnlich aus, nur dass er sich ebenfalls noch den Hinterkopf nass rasierte, so dass nur noch oben das Deckhaar stehen blieb; in Form von Dread Locks. Die einzige Herausforderung war, keine Ecken in den bestehenden Haaransatz zu fräsen. Wobei FX dabei den Vorteil der dicht gewebten Dreads hatte, dafür aber das einseitige Handicap. Sie einigten sich damals auf Gleichstand.

„Also, was ist los?”, wurde Henne erneut gefragt, wobei FX vorsichtig seinen Kopf hochdrehte, so dass sich beide in die Augen sehen konnten.

Nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit kam stockend und brüchig die Antwort von Henne: „Ich gehe heute Abend nicht mit.”

„Doch.”

„Bitte. Nein.”

„Nenn mir einen plausiblen Grund, warum Du heute hierbleiben solltest. Nenn mir einen plausiblen Grund, warum wir heute Abend nicht zusammen die Sau rauslassen sollten. Nenn mir einen plausiblen Grund, warum wir uns nach Monaten der Schufterei nicht belohnen sollten!”

„Ich war noch nie bei so einer Party. Viel zu Mainstream. Das geht ja wohl gar nicht. Und außerdem hatte ich bisher nie solche Freunde.” Während er anfangs noch Feuer in den Augen hatte, wie er es immer hatte, wenn er über die spießigen Typen sprach, so flüsterte er den letzten Satz nur noch.

„Herzchen, wenn Du nicht auf spießig machen willst, dann musst Du Dein Stipendium zurückgeben! Und ich muss Dich gleich nochmals enttäuschen, denn jetzt hast Du solche Freunde!” Ein strahlen erschien auf seinem Gesicht. Zumindest solange, bis FX nachsetzte: „Und nenn mich nie wieder spießig, klar?”

In dem Moment knallte die Badezimmertür auf und laut „Tataaa” rufend, sprangen zwei durchgestylte Typen im Wohnraum herum.

Ben hatte vermutlich seine breitesten Skaterschuhe angezogen, die er finden konnte: leuchtend blaue Osiris D3. Dazu eine schwarz glänzende Illmatic Baggy, die noch tiefer zu hinten schien, als sonst. Wo hält die nur, überlegte FX krampfhaft, es kann ja nur vorne sein. Ich sollte mal bei Gelegenheit seine Männlichkeit überprüfen. Oben herum trug er, wie fast immer, einen flauschigen blauen Pullover, natürlich passend zu den Sneakern und ebenfalls von Osiris. Wie üblich trug er nie etwas unter dem Pullover drunter. Nie. Seine Haare sahen aus, als sei er gerade dem Bett entstiegen. Aber auf dem zweiten Blick erkannte man, dass jeder verrückte Wirbel genau dort saß, wo er sollte und auch genau dort festgeklebt war. Das nächste Mysterium war sein blaues NY Cap. Auch dieses sah aus, als wenn es wie das Krönchen der Queen nur aufgehaucht sei, hielt aber bombenfest jedem Tanzstil stand.

Michel war das genaue Gegenteil. Was bei Ben zu weit war, war bei ihm zu eng. Es fing an mit komplett schwarzen und brandneuen Shox. Danach kam zunächst nichts. Nichts als nackte braune Haut seiner schlanken Knöchel. Seine Hose war eine schwarze Jeans; natürlich stretch und hauteng, damit seine schlanken, aber dennoch wohlgeformten Beine gut zur Geltung kamen. Ein dezenter Gürtel mit einer schlichten matt silbernen Schnalle trennte Unter- von Oberkörper. Die enge Hose ließ im Schritt und beim Reißverschluss nicht erahnen, was sich darunter verbarg. Es zeichnete sich nichts ab, weder Boxer-Shorts noch die Silhouette von seinem besten Stück. Darüber ging es natürlich hauteng weiter. Allerdings in Weiß. Sowohl Michels Sixpack als auch seine exakt definierten Brustmuskeln kamen dadurch hervorragend zur Geltung. Die Ärmel seines T-Shirts endeten exakt in der Mitte seines ausgeprägten Bi- und Trizepses. Der leichte V-Ausschnitt des Oberteils unterstrich einerseits die Brustmuskulatur von Michel, schuf aber auch einen Präsentierteller für die eng anliegende Halskette aus feinen Edelstahl-Kettengliedern. Im Gegensatz zu Ben, sahen Michels Haare akkurat frisiert aus und waren zu einem exakten Seitenscheitel gegelt und gelegt. Bei Schuhen, Hose und Shirt hatte Michel sehr viel Wert daraufgelegt, dass es zwar hochwertige Markenware war, jedoch dass dessen Logo, wenn überhaupt, nur sehr dezent und erst auf dem zweiten Blick hin sichtbar war.

„WOW”, kam es von FX, „ich sehe ja aus wie das Aschenputtel!”

„Junx, entschuldigt bitte, ich muss jetzt ins Bad. Ich muss noch etwas Farbe auftragen”, sprachs und schon war Henne im Bad verschwunden und die Tür geschlossen.

„Und ich dachte schon, Henne will sich nie fertig machen”, meinte Michel erleichtert.

„Wollte er eigentlich auch nicht”, klärte FX die beiden auf. „Aber … Ich will es mal so sagen: Ich hab’ ihn dann doch überreden, nein, überzeugen können.”

„Wieso? Was war los?”

FX gab einen kurzen Abriss der vergangenen halben Stunde in der die anderen beiden Schönlinge das Bad okkupiert hatten und schloss mit den Worten: „… und wenn Ihr nicht reingeplatzt wärt, dann hätte ich auch noch etwas tiefer nachbohren können.”

„’tschuldigung ...”

„Entspann Dich, alles gut! Ich denke, wir Drei als Team haben in dieser Sache ganz gut zusammengearbeitet, auch wenn es Euch gar nicht so bewusst war. Ich hab’ seine Lunte etwas gezündet und Ihr habt mit Eurem Auftritt dann das Pulverfass gesprengt!”

„Sag mal, wann willst Du Dich denn eigentlich fertig machen?”

„Wieso”, kam es von FX fragend zurück.

„Willst Du etwa so gehen”, fragte Ben verwundert und musterte FX sehr offensichtlich von oben bis unten. Seine Schuhe waren Torsion Sneaker in klassischem Blau. Nicht etwa die nachgemachten Retro-Schuhe, sondern noch die der ersten Generation. Kaum verblasst und auch von der Sohle her gut in Schuss, aber eben uralt. Immerhin dazu passende weiße Socken, ebenfalls von Adidas. Dann seine obligatorisch zu kurze 501, ebenfalls alles andere als brandneu. Und schließlich ein ganz normales jedoch leicht verwaschenes dunkelblaues und markenloses T-Shirt. Sowohl Hose als auch das Shirt waren allerdings deutlich zu kurz, was bei der Körpergröße von FX ja auch kein Wunder war. Seine Dreads trug er an diesem Abend offen; vielleicht standen sie sogar etwas mehr ab als üblich. Zumindest sah es aus wie ein Krake, der in alle Richtungen seine Tentakeln ausstreckte und sie wippten lustig bei jeder Bewegung.

„Hej, wieso nicht? Alles akkurat sauber. Hab’ ich vor einer halben Stunde frisch angezogen. Oder vermisst Du Bügelfalten? Nein, jetzt weiß ich: Es ist Dir nicht schick genug. Du vermisst irgendwelche Markenklamotten.” Ging FX ein Licht auf.

„Ich mein ja nur …” kam es kleinlaut zurück.

„Ben, sowohl Du als auch Michel, Ihr seht beide rattenscharf aus. Ehrlich! Absolut cremig! Aber guck mal, das bin ich nicht. Ich hab’ sowas noch nie getragen und ich fühle mich darin einfach nicht wohl. Ich brauch nicht ständig neue Klamotten. Abgesehen davon ist Shopping mit mir als Hauptperson bei meinen Ausmaßen ohnehin ein Albtraum! Nein, ich bleibe bei meinen drei Hosen und drei Dutzend Shirts. Und wenn sie nicht kaputt gehen, gibts auch nichts Neues.”

„Das nenne ich mal ehrlich! Keine Verkleidung. Einfach nur Du selbst. Respekt Digga, ich mag Dich!!!”, entgegnete Ben aus vollem Herzen.

„Können wir jetzt endlich los???” Henne stand auf einmal zwischen allen und tippelte nervös mit seinen ausgelatschten und wie immer halb offenen Springerstiefeln auf dem Fußboden herum. Alle drehten sich zu ihm um und staunten. Er hatte eine karierte Punk-Hose an. Zumindest eine halbe. Das zweite Hosenbein war nämlich unifarben schwarz. Es geht definitiv immer auffälliger als normal, wobei bei Henne ‘normal’ auch anders definiert werden muss. Oben herum trug er ein schwarzes T-Shirt einer Rock-Band, die man bestimmt kennen müsste. Darüber dann eine gut eingetragene Lederjacke mit unzähligen Nieten, Ketten und Buttons dran. Die Krönung, im wahrsten Sinne des Wortes, waren schlussendlich seine Haare: Der Irokese war regenbogenfarben, woraufhin Ben auch nur kommentierte: „Endlich mal einer, der Farbe bekennt!”


Als es endlich Abend wurde, machten sich alle Wohngemeinschaften langsam auf den Weg in die Party-Gruft. Wie so oft bei Partys galt es die Frage zu klären: Wann geht man hin? Der Neugierde halber und da deren Kontakt zu anderen ohnehin nicht besonders tiefgründig war, entschied man sich für frühzeitiges Erscheinen und Beobachten der danach Ankommenden.

Nur war das Auffinden der Örtlichkeit schwerer als gedacht. Ihnen fiel auf, dass sie sich während des gesamten Semesters ausschließlich zwischen Hörsälen, Mensa und Wohnung bewegt hatten.

Die Universität oder besser gesagt die Burg hatte einen rechteckigen Grundriss und ziemlich genau in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Sie lag auf einer Anhöhe etwa 200 Metern über der restlichen Umgebung. Um die Burg herum war ein 20 Meter tiefer Graben in den Felsen getrieben worden, der seinerseits eine Breite von etwa 10 Metern hatte. Lediglich an der Südseite konnte man die Burg über eine noch funktionierende Zugbrücke, durch ein Tor und unter einem Fallgitter hindurch betreten.

Wer auch immer sie vor Jahrhunderten bauen ließ, hatte ein Faible für die Zahl Vier!

In allen vier Ecken der Burg stand jeweils ein identischer Wach- und Wehrturm, so dass es grob unterteilt neun Bereiche gab: Den Innenhof, den vier Flügel im Norden, Osten, Süden und Westen und den vier Türmen in den Ecken. Letztere bezeichnete man gemeinhin als Nord-Ost bis Süd-West. Da alleine der Innenhof schon die Größe eines Fußballfeldes hatte, waren die Außenabmessungen deutlich größer. Blickte man von einem Turm zum anderen, konnte man nur noch mit Mühe und zusammengekniffenen Augen die Fenster erkennen. Der Turmdurchmesser war so groß, dass man sich es erst wieder in Erinnerung rufen, dass man sich in einem runden Turm befand: Die Wände waren von innen nahezu gerade.

Im Innenhof erkannte man an der Fassade, dass jeder Flügel aus vier Stockwerken bestand. Im untersten Stockwerk waren die Fenster so groß, dass man Fensterläden so groß wie Scheunentore verwendete. Je höher das Stockwerk, desto kleiner wurden die Fenster und erreichten im Vierten schließlich eine mehr oder weniger normale Größe. Das ließ vermuten, dass auch die Deckenhöhe mit höher werdendem Stockwerk abnahm. Durch diesen Effekt der sich verringernden Geschosshöhe wirkte die Burg noch höher, als sie wirklich war.

Das Sockel- oder Erdgeschoss war etwas Besonderes: Man konnte nämlich ohne Türen und Wände einmal komplett durch das Erdgeschoss hindurch um den Innenhof herumlaufen. Quasi die 400 Meter Bahn eines Sportplatzes. Und tatsächlich wurde genau dort auch das Wintersportfest durchgeführt. Im Sommer hingegen müsste man die doppelte Distanz außen um den Burggraben herumlaufen. Davon abgesehen wurde das Sockelgeschoss für alles und nichts verwendet. So gab es Sitzecken, Diskussionsrunden mit digitalen Tafeln oder auch ein paar Mini-Kinos inklusive Popcorn-Maschine und Nachos.

Wer die Burg von Ferne sah oder sie gar über die Zugbrücke betrat, brauchte nur wenig Fantasie, um sich mittelalterliche Ritterspiele, Turniere zu Pferd oder aber wilde Kämpfe zur Eroberung der Burg vorzustellen. Auch war es naheliegend, dass in dem weiten Innenhof sehr viel mehr los war als heutzutage, wenn der tägliche Markt des Mittelalters dort eröffnet wurde und um Waren und Produkte gefeilscht wurde. Das Wiehern der Pferde und Klappern der Hufe auf dem Boden klang mit etwas Einbildungskraft in den Ohren. Auch rauschende Ballnächte in den riesig großen Sälen waren sehr naheliegend. Man konnte fast schon das Wimmeln eines königlichen Staates hören und wie pompös gekleidete Menschen durch die Gänge wandelten.

Von innen waren die Räume je nach damaliger Funktion der Flügel schlicht aus Stein und Balken oder aber mit Gips verputzt, vergoldet und mit Fresken versehen. Selbstverständlich war der Ostflügel, wo die Professoren und die Verwaltung residierten, der am reichsten verzierte. Im Süden befand sich die schon bekannte Mensa. Der Bereich Bildung mit den Vorlesungssälen war im Westen untergebracht. Die Bibliothek belegte gleich drei oberirdische Etagen im Nordflügel plus drei weitere in den Verliesen. Die letzte Etage im Norden war für Sport und Freizeit reserviert. Neben einem hervorragend ausgestatteten Fitnessstudio gab es auch eine ausgedehnte Saunalandschaft mit vier verschiedenen Trocken- und vier weiteren Dampfsaunen, wie zum Beispiel einer Bio-Sauna mit trockenen 40 Grad, einer Finnischen mit 100 Grad oder einer Dampfsauna mit 100 Prozent Luftfeuchtigkeit und einem Laconium mit 30 Prozent und einer angenehmen Strahlungswärme.

Jeder der vier Türme war in vier Doppelgeschosse aufgeteilt. Quasi wie bei einer zweigeschossigen Maisonette gab auf einer Ebene einen Eingang und auf die Ebene darüber kam man nur von innen.

Auch hier pflanzte sich fort, was auch bei den Flügeln zu erkennen war: Die Höhe der einzelnen Geschosse nahm von unten nach oben hin ab. Dennoch war die kleinste Höhe im obersten Stockwerk immer noch höher als die Altbau WG, in der FX zuvor gewohnt hatte. Jedes Doppelgeschoss war seinerseits in vier Quadranten aufgeteilt, worin jeweils vier Studenten wohnten. Im untersten Geschoss wohnte der erste Jahrgang, im obersten der vierte und damit der letzte Studienjahrgang. Die Vier Doppelgeschosse entsprachen der vier Jahre Studiendauer, man arbeitet sich also alle zwei Semester um ein Doppelgeschoss nach oben, bis man zum Ende des Studiums schließlich ganz oben angekommen ist. Das ergab in der Summe also 16 Studenten pro Turm und Jahrgang oder insgesamt 64 Studenten pro Jahrgang.

Die vier Freunde waren im Turm Südwest untergebracht und als Erstsemester dort natürlich im ersten Stock. Ihr Quadrant war ebenfalls Südwest, zeigte also nach außen. Obwohl sie nicht sonderlich hoch, sondern quasi auf Bodenhöhe des Hügels waren, hatten sie eine herrliche Aussicht auf die Ebene, den Wald und den Sonnenuntergang. Wenn, ja wenn die Fenster nicht ehemals Schießscharten gewesen wären. So war der Blick im wahrsten Sinne des Wortes etwas beschränkt.

Jeder Quadrant, also jede Studenten-Maisonette bestand also aus zwei Ebenen. Die untere mit dem Eingang sowie dem Bereich zum Wohnen und Lernen sowie einer kleinen Kochecke. Letztere wurde natürlich wegen der Mensa selten benötigt, aber manchmal überfällt einen ja der Heißhunger. In der oberen Ebene des Doppelgeschosses war der Bereich zum Schlafen untergebracht: zwei Doppelzimmer und dazwischen das Bad.

Und dann war da noch das Untergeschoss oder besser gesagt die Verliese. Selbstverständlich auch auf vier Ebenen verteilt und analog zu dem Überirdischen Teil ebenfalls mit vier Flügeln und vier Türmen. Letztere waren als solche allerdings nur bedingt erkennbar, da sich das ganze ja unterirdisch befand. Neben den Flügeln und Türmen gab es unterirdisch auch noch die Mitte, also den Bereich unterhalb des Sportplatzes, der natürlich auch benutzbar war.

Generell ergab sich damit eine eindeutige Zuordnung oder Nummerierung aus Himmelsrichtung eines Turms beziehungsweise Flügels und der Ebene von -4 über 0 bis +4. Beispielsweise war Süd-Ost 3 der südöstliche Turm und dort die Ebene 3. Demzufolge war Nord -2 die zweite Verlies-Ebene im Nordflügel.

Im ersten Verlies, also auf -1, war in der Mitte der Parkplatz mit der automatischen Hebebühne für die Autos. Aber selbstverständlich konnte man diese Ebene auch zu Fuß erreichen. Die beiden darauffolgenden Verliese waren mehr oder weniger geheim oder zumindest verschlossen. Vermutlich lagerte hier Material für die Vorlesungen. Ausgenommen der Nordflügel. Hier erstreckte sich die Bibliothek von der dritten Katakomben-Ebene bis ins dritte Obergeschoss, also insgesamt sechs Etagen mit der Unterbrechung des weitgehend offenen Sockelgeschosses. Das unterste Kellergewölbe mit der Nummer Vier war wieder weitestgehend zugänglich und in studentischer Verwaltung. Ironischerweise war der Partykeller in Ost -4, also im Verlies Vier genau im Ostflügel eingerichtet worden, sprich genau unter den Profen und der Verwaltung!

Und genau diesen Ort versuchten die vier Freunde nun zu erreichen. Dies gestaltete sich als knifflig, da man aus dem Südwesten in den Osten, beziehungsweise zum Eingang in den Nordosten musste und gleichzeitig noch fünf Ebenen weiter runter.

„Hat jemand einen Schimmer, wo wir lang müssen?”

„Keine Ahnung. Ich war noch nie in den Verliesen.”

„Ich war nur ein Mal auf der ersten Ebene, um meine Klamotten aus dem Wagen zu holen”, meinte FX.

Daraufhin wurde Michel ganz hellhörig: „Wie, Du hast ein eigenes Auto? Wie kannst Du Dir das denn leisten?”

„Entspann Dich, es nichts Aufregendes, nur ein Golf I.”

„Lieber schlecht gefahren, als gut gelaufen”, kam es von Henne.

„So schlecht fährt es sich in dem kleinen Karton gar nicht. Sollten wir irgendwann einmal so etwas wie Freizeit haben, dann fahren wir damit weg. Versprochen!”

„Danke Digga, aber bis es soweit ist, sollten wir uns mit den kleinen Freizeiten des Lebens zufriedengeben und diese verflixte Party finden!”, meinte Ben.

„Hat schonmal jemand im anderen Quadranten oder gar oben gefragt?”

„Im Leben nicht! Dann sehen wir ja aus, wie die letzten Vollidioten. So schwierig kann das ja nicht sein. Das Schloss ist endlich und quellenfrei, wie wir im letzten Semester gelernt haben.”

„Dann runter ins Sockelgeschoss und quer über den Fußballplatz ...” schlug Henne vor und wurde prompt von Michel unterbrochen: „Klar, damit uns jeder selbst bei dieser Dämmerung sofort sieht! Nichts da, wir gehen durch die Minus Eins außen rum um das Parkdeck.”

Gesagt, getan. Es sollte sich auch herausstellen, dass das einer der schnellsten Wege war, denn unterwegs im Nordflügel auf der -1 trafen sie tatsächlich ein kleines gemischtes Grüppchen aus dem nächsten Jahrgang.

„Ach guck, dann ist an den Gerüchten also etwas dran”, sagte eine junges Mädel aus der Gruppe, die sich dezent aufgehübscht hatte.

„Jetzt bin ich ja mal gespannt, was das für Gerüchte über uns sind! Gute oder schlechte?”, fragte Michel und machte der Dame mit drei gekonnten Wimpernschlägen hübsche Augen. Frech, diese unendlich langen Wimpern, dachte FX und sah schmachtend zu und wünschte sich, er würde mal so einen Blick abbekommen.

„Ach, es heißt nur, dass Ihr Eurer Zeit etwas voraus seid. Also das war auf den Stoff bezogen und sollte wohl die höfliche Umschreibung von Strebern sein. Aber wie es scheint, seid Ihr auch sonst früh dran. Ich bin übrigens Michaela aus Nordwest +2”

„Michel, sehr angenehm”, er machte den Ansatz einer Verbeugung und tat so, als küsste er ihre virtuelle Hand. „Ich denke, die Gerüchteküche hat auch unseren Wohnort verraten.”

„Nicht nur den …”, tat Michaela geheimnisvoll, zwinkerte Michel einmal verführerisch zu und wandte sich ab zum Gehen.

„Nun, vielleicht verrätst Du mir ja später, was man noch so alles über uns erzählt”, säuselte Michel, hakte sich bei ihr ein und ging mit ihr und der Gruppe weiter. „Und bis dahin reicht es schon einmal aus, wenn Du uns Newbies den Weg zur sündigen Meile verrätst”, zwinkerte er zurück.

Die verbleibenden Drei blieben kurz verdattert stehen und folgten der anderen Gruppe dann in kurzem Abstand. FX meinte ganz aufgeregt: „Was ist denn in den gefahren! So kenne ich ihn ja gar nicht. So einer Tussi schöne Augen machen passt ja gar nicht zu ihm.”

„Keine Ahnung”, seufzte Henne. „Ich glaube, er hat schon heimlich vorgeglüht. Zumindest als ich mir einen Gin-Tonic machen wollte, fehlte schon deutlich was in der Flasche.”

„Vorglühen? Gin-Tonic?”, fragte FX irritiert.

„Ich hab’ mir nur einen ordentlichen Bacardi-Cola gegönnt”, verriet Ben.

„Schöne Freunde seid Ihr! Irgendwie ist da was an mir vorbei gegangen. Mag ja sein, dass ich nicht auf den neuesten Klamotten-Trend abfahre, aber einem leckeren alkoholischen Kaltgetränk war ich noch nie abgeneigt!”.

„‘tschuldige Digga, Dein erster Drink geht auf mich.”

„Wir haben schon bezahlt.”

„Oh.”


Die Vier mit der Truppe aus dem zweiten Semester erreichten schließlich den Party-Keller. Und wieder einmal gab es ordentlich was zum Staunen. An die lichte Deckenhöhe wird man sich in dem Schloss vermutlich nie so richtig gewöhnen, und es war auch vollkommen unnötig zu erwähnen, dass auch in dem allerletzten Kellergeschoss die Räume oder Säle unglaublich hoch waren. Das sorgte immerhin für eine gescheite Akustik! Der Party-Keller erstreckte sich entlang des gesamten Ostflügels mit seinen 60 Metern! Das war definitiv eine amtliche Veranstaltungshalle. Die Tanzfläche war genau in der Mitte und maß etwa 25 Meter im Quadrat. Sie war, wie der gesamte Fußboden im Verlies, aus Stein. Allerdings im Gegensatz zum Rest relativ glattpoliert und die Fugen zwischen den Steinblöcken waren nicht mehr erkennbar. Es schien, als tanzte man auf einer komplett ebenen Fläche aus einem einzigen Stein. In allen vier Ecken hingen unter der Decke große Boxen und eine ganze Batterie an Scheinwerfern, die die Tanzfläche in die passende Atmosphäre tauchten.

Aufgrund der Säulen und Bögen in diesem Verlies, war die Tanzfläche etwas abgegrenzt, denn kurz davor und dahinter gab es solch einen gemauerten Stützbogen. An dieser Stelle war die Halle geringfügig enger, als davor und dahinter. Aber diese leichte Verengung schien auszureichen, um einen Großteil der Musik zu dämpfen und geschickt wieder Richtung Tanzfläche zu reflektieren. Das hatte den Vorteil, dass es im Bereich vor und hinter der Tanzfläche deutlich leiser war und man sich dort problemlos unterhalten konnte.

Auch das Licht war deutlich anders. Im vorderen Bereich, wo man die Halle betrat, war es gedämpft hell. Zum Lesen natürlich zu dunkel, aber man konnte problemlos die Menschen erkennen, auch über größere Entfernungen hinweg. Dort war auch die Bar untergebracht und es gab ein paar Ecken zum Stehen und Sitzen, wo man sich aufhalten und quatschen konnte.

Der Bereich hinter der Tanzfläche war deutlich dunkler. Nur noch Schummerlicht war eingeschaltet, es erklang leise Musik und dieser Teil war geschickt eingerichtet, indem man unzählige Kuschelecken geschaffen hatte mit Sitzsäcken, Kissen, Decken und bodenlangen schweren Vorhängen. Hier war dann also eher die romantische Ecke.

Ben meinte mit einer Mischung aus trocken, neidisch und angesäuert, nachdem sie ihren Rundgang abgeschlossen hatten: „Nun, dann kann sich Michel hier ja austoben heute Abend mit seiner neuen Flamme.”

„Hey, Ben, höre ich da etwas Neid aus Dir heraus?”, meinte FX und pikste ihn freundschaftlich mit seinem rechten Gipsarm in die Seite.

„Quatsch, soll er doch machen, worauf er Bock hat!” Das klang nun sogar eingeschnappt.

„Ach komm, nun aber nicht beleidigt sein. Wir sind ja hier, um Spaß zu haben!”, versuchte FX ihn aufzumuntern und gab ihm einen freundschaftlichen Knutscher auf die Wange.

„Das nächste Trostpflaster hätte ich gern woanders hin”, grinste Ben ihn daraufhin an.

„Gern!”

Henne kam mit drei Flaschen Bier zurück vom Tresen und verteilte sie. „Weiß jemand, wo Michel steckt?”

„Frag mal Ben”, antwortete FX grinsend.

Der angesprochene zog wieder eine Schnute und tat diesmal nur so, als sei er beleidigt.

„Ah, da will jemand also noch ein Trostpflaster? Meine Güte, ich wusste gar nicht, dass Du so billig bist!”, parierte FX mit einem ironischen Unterton.

„Na, wenn ich betteln muss für einen Kuss ...”, zwinkerte Ben zu FX hinauf und rollte mit seinem Skateboard etwas auf ihn zu und bei FX zwischen die Beine.

Spontan aber sehr vorsichtig legte FX seinen rechten Arm mit dem Gips um die Schulter von Ben, seine linke Hand auf die Hüfte und dann legte er sanft und vorsichtig seine Lippen auf die von Ben und küsste ihn sinnlich mit geschlossenen Augen und voller Leidenschaft! Vorsichtig knibbelte er mit seinen Lippen an denen von Ben herum, schob seine Zunge ganz vorsichtig und behutsam vorwärts und strich damit über die Lippen seines kleinen Gegenübers. Vorsichtig tastete er sich weiter vorwärts und strich mit seiner Zunge über die Zähne von Ben und zuckte kurz etwas überrascht zurück, als er auf dessen Zahnspange stieß.

Ben wusste gar nicht, wie ihm geschah. Er war so erschrocken und überrumpelt, dass er vor Überraschung ganz stocksteif dastand und fast von seinem Skateboard gefallen wäre. Das war ihm noch nie passiert. Beides nicht: dass er spontan geküsst wurde und auch dass er vom Skateboard gefallen wäre. Nach ein paar Sekunden hatte er die Situation realisiert, entspannte sich, öffnete seinen Mund leicht und ließ die Zunge von FX hinein, die gefühlt schon eine Ewigkeit am Zahnspangen-Zaun um Einlass bat. Die beiden Zungen spielten ein paar Runden miteinander und ein paar Augenblicke später schob FX Ben mit seinem Skateboard leicht nach hinten und grinste ihn nur frech von oben herab an.

„Diggi, Du bist so ein Arsch!”, kam es nur von Ben während er wieder vorwärts rollte, worauf FX nur noch breiter grinste.

„Prost”, grinste FX immer noch, hob seine Flasche und trank sie auf ex aus, „ich hab’ Nachholbedarf!” Weg war er zum Tresen.

„Und was war das jetzt alles? Hab’ ich was verpasst? Ich war doch nur kurz Bier holen …”. Henne war vollkommen verdattert von der Aktion der beiden anderen.

Die Halle füllte sich langsam aber unaufhaltsam und man konnte jetzt genau das machen, weswegen die vier so früh gekommen waren: Leute gucken! Sie standen derzeit immer noch zu dritt im Tresenbereich an einem der uralten großen Holzfässer, die als Stehtische dienten und schauten, wer alles so kam. Da waren die Kommilitonen aus ihrem Semester. Man kannte sich, man grüßte, man quatschte kurz miteinander. Endlich mal ein paar private Gespräche zum Thema Sport, Hobbys und Herkunft. Für so etwas war im vergangenen Semester absolut keine Zeit gewesen, so dass an diesem Abend jeder die Chance ergriff, die anderen etwas näher zu beschnuppern und vielleicht neue Bekanntschaften zu schließen. So etwas hat ja noch nie geschadet.

Je später der Abend, desto mehr kamen aus den höheren Jahrgängen. Irgendwie hat es sich so ergeben, dass die ersten beiden Jahrgänge deutlich vor den anderen beiden im Keller erschienen waren. Es schien so, als sei jetzt die Zeit für Jahrgang drei und vier gekommen, denn immer mehr Ältere strömten in kleinen Grüppchen in die Halle. Die jüngeren machten zumeist ängstlich Platz und zogen sich zurück, sobald jemand von den Älteren auch nur den Anschein machte, an eines der Fässer oder auf ein Sofa zu wollen. Was ist das nur für ein komisches Gehabe, da sollte mal einer zu mir kommen, schoss es FX durch den Kopf. Es kam aber keiner, zumindest bis jetzt nicht. In dem Augenblick steuerten auch schon zwei Typen aus dem vierten Semester in die Richtung von FX, Ben und Henne an deren Fass.

Da keiner der Freunde Anstalten machte, seinen Platz aufzugeben, räusperte sich einer der beiden kurz.

Keine Reaktion.

„Verschwindet von unserem Fass!”

Ben wollte gerade Luft holen um den Typen irgendeine schnippische Antwort zu geben, als er in die Augen von FX blickte und sofort verstummte. Er schaute kurz irritiert ins Leere. Es war ihm so, als wenn ihm die Stimme von FX etwas ins Ohr flüsterte. Das konnte aber gar nicht sein. Der stand nicht neben ihm, sondern gegenüber! Die Stimme war aber da. Ganz klar! Aber die Lippen von FX bewegten sich nicht einmal.

Ben sprach aus, was ihm vielleicht gerade ins Ohr geflüstert wurde: „Euer Fass? Ich glaube nicht. Steht ja gar nicht Euer Name drauf.”

„Dann guck mal genauer hin, Du Blödmann. Die Klamotten vom großen Bruder tragen und nicht einmal lesen können. Was willst Du hier eigentlich?”, meinte der Typ nur grob und zeigte mit dem Finger auf die Mitte des Fasses.

Henne und Ben schauten auf die Holzplatte. Auch FX, der den beiden Typen den Rücken zugekehrt hatte, blickte nach unten, ohne den Kopf zu bewegen und zog vor erstaunen kurz die Stirn kraus. In der Mitte des Fasses war tatsächlich eine blank polierte Messingplatte eingelassen, worauf in altdeutschen Buchstaben groß und deutlich lesbar „Jahrgang IV” eingraviert stand.

Langsam senkte FX seine Hand und verdeckte mit seinem riesigen Handteller die gesamte Messingplatte, die eigentlich unübersehbar in der Mitte im alten Holz eingelassen war.

„Oh, entschuldigt, selbstverständlich ist das Euer Tisch! Ich hätte vorher drauf schauen müssen. Es war mein Fehler. Steht ja ganz deutlich drauf, dass das für Euch ist.” Der Ton von FX Stimme klang extrem unterwürfig. So hatten Ben und Henne ihn noch nie gehört. FX drehte sich um, zog seine Hand weg von der Platte und ging vom Fass weg. Ben folgte ihm sofort. Henne hingegen nahm seine Flasche vom Fass, warf noch einen Blick auf die Metallplatte und hätte vor Schreck fast die Flasche fallen gelassen: „RESERVIERT FÜR ARSCHLÖCHER” stand auf einmal in großen Schreibmaschinenbuchstaben auf der Platte!

Henne sah sich um. Wo waren die anderen Beiden hin? Er musste sofort FX fragen, was das gerade für eine Aktion war. Wie konnte es sein, dass die Schrift auf der Platte plötzlich eine andere war. Er hatte doch genau gesehen, dass vorher in diesen historischen Buchstaben dort stand, dass es für den vierten Jahrgang reserviert war. Das passte auch viel besser. Zumindest die Schrift passte viel besser zum Fass. Das sah sehr, sehr edel aus. Der Text, der plötzlich dastand, als FX seine Hand weggenommen hatte, passte hingegen viel besser zu den Typen, die nun an dem Tisch standen und laut lachten.

Henne war verwirrt. Und dann sah er FX auf der Tanzfläche. Dank seiner überragenden Größe war FX immer sehr schnell zu finden. Und Ben? Der stand am Rande der Tanzfläche an einer der vier Säulen gelehnt und beobachtete die zum Takt der Musik pulsierende Menschenmenge. Sein Skateboard lehnte gegen sein Standbein. Das andere hatte er gegen die Säule gestützt.

„Ben!”, schrie Henne Ben ins Ohr. Der sah ihn mit einem müden Lächeln an. Ben war frustriert. Seine Partylaune im Eimer. Diese Aktion gerade mit den Älteren hatte ihm sehr zugesetzt. Dann war da noch das mit dem Flüstern. Das hatte ihn verwirrt. Er musste nachdenken. Er hatte keine Lust mehr auf Feiern. Blöde Party!

„Ben!”, kam es durch die laute Musik und das Geplärre in der Luft erneut von Henne. „Ich muss mit Dir reden!”

Ben rollte zwei Mal mit den Augen und stieß sich von der Säule ab. Im selben Moment fiel sein Skateboard um, was vorher an seinem Bein gelehnt hatte. Mit einem Fuß fing er das fallende Board auf, drehte es gleichzeitig im Fallen um die eigene Achse und stand im selben Augenblick auf schon drauf. Normalerweise wäre er jetzt aus eigener Kraft durch die Halle gerollt, aber er hatte einfach keine Lust mehr, also legte er nur seine Hand auf Hennes Schulter und überließ es ihm, das Ziel auszusuchen.

Hennes Weg führte am Tresen vorbei, er schnappte sich im Vorbeigehen zwei Flaschen Bier aus der Region und steuerte eine ruhige Ecke im vorderen Teil der Halle an.

„Ben, was stand auf der Metallplatte?”

„Alter, Du weißt genau was draufstand. Dieses geile Fass ist nix für Ersis, sondern nur für die Elite aus dem Vierten!”

„Was genau auf der Platte stand, will ich wissen!”, Henne war ganz aufgeregt und ungeduldig.

„Jahrgang IV. In dieser gotischen Schrift. Die Platte ist uralt gewesen und bestimmt schon immer in dem Holz eingelassen. Geniale Arbeit. Eigentlich.”

„Ja, genau! Jahrgang VI. Aber mit deutschen Buchstaben. Keine gotischen!”

„Diggi, das is doch total egal! Das ist Scheiße!”

„Und was ist dann passiert? Sag mir genau, was passiert ist, nachdem Du und ich und FX das gelesen haben. ”

„Hej, Digga, Du willst mich aber echt leiden sehen, was? Ja, komm, hol das Salzfässchen raus, tauch den Finger rein und reib ihn noch in meiner Wunde!!!”

„Ihr steht auf SM???” Michel war plötzlich wieder da!

„Michel, sag mal, wo warst Du? Hattest Du hinten Spaß mit der Kleinen?” Bens Laune hob sich für einen kurzen Moment.

„Ben, bleib bei der Sache”, ermahnte ihn Henne. „Erzähl bitte, was passiert ist. Von kurz vorher bis zum Ende. Dann kann Michel sich das auch genau anhören. Bitte. Es ist wichtig!”

Ben erzählte in kurzen Sätzen für Michel und um Henne den Gefallen zu tun, was geschehen war bis zu dem Zeitpunkt, wo alle voller Entsetzen das Schild gesehen und gelesen hatten. Ben beendete seine Erzählung mit den Worten: „Und dann ist FX vor Schreck die Hand runtergefallen, mit der er vorher gelangweilt seinen Kopf gehalten hatte und die ist voll auf die Metallplatte geknallt. Und dann hat er sich wie ein kleiner Arschkriecher entschuldigt und ist abgehauen zum Tanzen!”

„Ben, den Arschkriecher hättest Du Dir sparen können! Michel, magst Du uns einen Gefallen tun?”

„Jeden!”, kam es ohne nachzudenken wie aus der Pistole geschossen.

„Versuch doch mal kurz rüber zu dem Fass da hinten zu gehen, wo die mittlerweile drei Typen stehen und schau Dir mal die Metallplatte an, okay? Und frag bitte nicht warum.”

Michel war zwar erstaunt ob der Frage, überlegte kurz und ließ dann sein strahlend weißes Zahnpastalächeln erscheinen. Er drehte sich um und ging direkt auf die Combo zu.

„Was’n das für ‘ne blöde Nummer?” Ben war immer noch nicht der Alte.

„Abwarten!”

Von Ferne konnten die Beiden nicht hören, was Michel mit den Dreien besprach, aber es sah nicht so aus, als wenn er bei den Typen in Ungnade gefallen wäre. Nein, sie schienen sich wirklich angeregt zu unterhalten. Mal lachte der eine, mal Michel, mal der andere. Ein paar Mal schien Michel zu überlegen, machte eine entsprechende Geste und hielt eine Hand am Kinn, schaute nach unten auf die Platte. Dann wieder etwas Gespräch etwas Gedanken und so weiter. Nach etwa zehn Minuten kam er mit einem Grinsen zurück, welches noch breiter war, als das auf dem Hinweg!

„Ich glaube nicht, dass ich das richtige Fass erwischt habe, aber die Messingplatte ist echt cool!”

„Einen Dreck ist die!”

„Ben!”

„Also, was steht drauf?”, fragte Henne neugierig.

„RESERVIERT FÜR ARSCHLÖCHER”

Lesemodus deaktivieren (?)