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Uglo der Steinzeitjunge
Teil 19 - Es brennt wie Feuer
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Informationen
- Story: Uglo der Steinzeitjunge
- Autor: Mischa Bär
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Fantasy und Mystery, Krimi, Historisch
Tom drosselte sein Tempo, bis er schließlich stehen blieb und sich unter einem Felsvorsprung in ein dichtes Gebüsch kauerte. Er war noch ein gutes Stück von der kleinen Höhle entfernt. Aus der Ferne erkannte er, dass die beiden Zelte verschwunden waren – abgebaut, als hätten sie nie existiert. Der Platz vor dem Höhleneingang wirkte verlassen, wie ausgestorben. Nichts rührte sich. Kein Laut, kein Schatten.
Unwillkürlich umschloss seine Hand den Griff seines Fahrtenmessers fester, als wollte er sich Mut holen. Vorsichtig schlich er weiter, Schritt für Schritt. Kurz vor dem Zugang zum Felsen, an einer kleinen Felsnase, duckte er sich erneut zu Boden. Sein Herz pochte laut in seinen Ohren.
Leise rief er: „Uglo… ich bin wieder da. Alles okay bei dir?“
Nur Stille. Etwas eindringlicher und lauter: „Uglo? Was ist? Bist du da? Komm schon!“
Wieder keine Antwort. Nur das Rascheln des Windes.
„Mann, ist der etwa eingeschlafen?“, murmelte er ungläubig. Tom merkte, wie seine Stimme leicht bebte. Irgendetwas stimmte hier nicht. Ein ungutes Gefühl kroch langsam, aber unaufhaltsam in seinen Bauch.
Er richtete sich auf – mit einer Ahnung, irgendwo zwischen Sorge und Ungeduld, schlich er in die Höhle hinein. „Uglo?“
Seine eigene Stimme hallte dünn zurück, verlor sich in den Wänden. Keine Bewegung. Kein Uglo antwortete, die Höhle schien leer. War er zu spät gekommen?
Suchend sah er sich um. Dort drüben – genau da hatten sie gesessen. Die Reste des Fesselstricks lagen noch auf dem Boden und auch der große, scharfkantige Feuerstein, mit dem Uglo ihn befreit hatte, lag an derselben Stelle - die Badehose… sie war weg. Ein Zeichen dafür, dass Uglo entdeckt worden war? Tom atmete tief ein. Nein, bestimmt hatte er sie mitgenommen, absichtlich und er war fortgegangen. Aber warum? Sie hatten doch vereinbart…
Ratlos trat er wieder aus der Höhle ins Freie. Der große Platz davor hatte sich fast völlig geleert. Nur ein paar Menschen liefen verstreut noch herum. Er erkannte den Polizisten, der ihn im Zelt seiner Eltern befragt hatte; er stieg gerade in einen Streifenwagen, der kurz darauf vom Platz rollte. Nichts deutete darauf hin, dass irgendetwas Besonderes passiert war. Also hatten sie Uglo wohl doch nicht erwischt. Ein kleiner Funken Erleichterung breitete sich in ihm aus – gemischt mit wachsender Unruhe.
Tom biss sich auf die Lippe. Wo könnte Uglo sich verstecken? Sein Blick wanderte über den Platz, seine Augen tasteten suchend die Umgebung ab. Er ließ seinen Blick weiter schweifen. Suchte verzweifelt irgendein Zeichen. In der Ferne schoben sich ein paar unscheinbare Wölkchen über den Himmel und vom Fluss her wehte ein leichter Wind herauf, kühl und vertraut beinahe wie ein Ruf…
Der Fluss. Natürlich, der Fluss war Uglo vertraut. Dort hatte er Uglo zum ersten Mal gesehen – oder besser: Dort hatte Uglo ihn gesehen, im letzten Moment, als das Wasser ihn mitgerissen hatte. Ein Schauer jagte ihm den Rücken hinunter, als die Erinnerung wieder aufflammte: das panische Keuchen, das Brennen in der Brust, das Gefühl, dass alles zu Ende ging…
Und dann, als er neben diesem wilden fremden Burschen aufwachte, der sich über ihn beugte, mit diesen erschreckend sanften, strahlenden, blitzenden Augen. Er hatte seine vorsichtigen Berührungen schon gespürt, noch bevor er die Augen geöffnet hatte… Jetzt musste er unwillkürlich lächeln. Ein kleines, scheues Lächeln, das ihn selbst überraschte.
Er vermisste ihn! Jetzt schon! Und mehr, als er sich eingestehen wollte! War Uglo wirklich am Fluss? Wartete er… vielleicht sogar auf ihn? Unsicher machte Tom sich auf den Weg zum Fluss…
Uglo hatte sich ans Flussufer gesetzt, genau an der Stelle, an der er vor zwei Tagen Tom im Fluss entdeckt hatte, als der erschöpft um sein Leben kämpfte. Versonnen blickte er auf das tosende Wasser in der Flussmitte. In seinen Händen drehte er Toms zerrissene Badehose. Immer wieder hob er sie vor seine Nase, er bekam nicht genug von Toms Duft. Ein bisschen schämte er sich dafür, aber er konnte nicht anders, er war vernarrt in den Kleinen. Immer wieder ging sein Blick suchend zu den großen Felsen zurück, war er hier sicher?
Etwas berührte ihn sanft und zärtlich am Rücken. Erschrocken fuhr Uglo herum, er hatte Tom nicht kommen gehört. Mit einem übermütigen Kampfschrei warf Tom sich auf Uglo, der überrumpelt von dem Angriff nach vorn stürzte und langgestreckt auf dem Bauch landete. Tom nutzte die Überraschung des Großen, sprang auf Uglos Rücken, presste seine Knie in Uglos Rippen und begann ihn ausführlich zu kitzeln. Der begann zu lachen und tat so, als wollte er sich befreien. Was ihm bestimmt auch mühelos gelungen wäre, aber er genoss den körperlichen Kontakt. Als er aber vor lauter Lachen und Kitzeln fast keine Luft mehr bekam, drehte er sich mit einem Ruck unter Tom, warf den Kleinen um, so dass er nun mit dem Hintern auf Toms Bauch saß und sofort seine Knie sanft auf Toms Oberarme presste. Der hatte sich aber nicht ernsthaft dagegen gewehrt und lag ganz still unter Uglo. Aufmerksam schauten sich die beiden gegenseitig in die Augen. Toms Augen verrieten, was er sich von seinem großen Freund wünschte, mutig beugte sich Uglo vor…
Sanft, so zärtlich wie der wilde Bursche es konnte, stupsten seine Lippen auf den Mund von Tom, einmal, zweimal um sich dann ganz lange darauf zu pressen. Tom hatte die Augen geschlossen. Als Uglo seine Lippen von Toms Lippen löste, öffnete der die Augen, er strahlte, seine Augen blitzten. Uglo Blick wanderte etwas verstört zu seinem eigenen Zauberstab, der sich inzwischen auf Toms Bauch lang nach vorn gestreckt hatte. Toms Augen folgte dem Blick von Uglo und wurden unruhig, er hielt die Luft an. „Uglo, du das ist, ein…“ Er atmete hörbar laut aus. Uglo löste seine Knie von Toms Armen und richtete sich auf, als Tom aufstöhnte, „Uglo, nicht mein au…“ Uglo drehte sich leicht und sah jetzt auf Toms wunderschönen Stachel, der eine Größe erreicht hatte, die ihn überraschte. Rasch rutschte er von Tom herunter, dabei berührten sich kurz ihre prachtvollen Wunderstäbe. Uglo legte sich einfach neben Tom und kuschelte sich an ihn an. „Wollte dir nicht wehtun.“ Eine ganze Weile lagen sie einfach so nebeneinander, ohne zu reden.
„Uglo, schläfst du?“ „Hm, nein, warum?“ „Wollen wir baden gehen? Ich fühl mich schmutzig. Und du passt doch auf mich auf, oder?“ „Oh ja, das ist gut, los komm.“ Die Jungs sprangen auf und rannten um die Wette zum Wasser und warfen sich übermutig in die Fluten. Uglo achtete darauf, dass Tom nicht zu weit in die Strömung schwamm und zweimal musste er ihn auch wieder zurück ins gemäßigte Wasser ziehen, was Tom aber genoss, indem er sich ganz eng an Uglo ankuschelte. Langsam wateten sie wieder ans Ufer, viele große und kleine Fische tummelten sich im Wasser um sie herum. Uglo griff blitzschnell ein- oder zweimal ins Wasser, ein zappelnder großer Lachs wand sich zwischen seinen Finger. Rasch strebte Uglo dem Ufer zu, wo er den Fisch mit einem kurzen schnellen Schlag tötete.
Tom stieg langsam aus dem Wasser, staunend schaute er Uglo dabei zu, wie der mit flinken Händen mit einem Holzstab ein kleines Lagerfeuer entzündete und gekonnt aus Weidenzweigen zwei kleine Spieße fertigte. „Was machst du?“ „Ich habe Hunger, du nicht? Ich mach uns ein Feuer, über dem wir den Fisch braten und dann können wir uns am Feuer wärmen.“ „Willst du den Fisch vorher ausnehmen?“ Tom reicht Uglo sein Fahrtenmesser. Staunend betrachtete Uglo das glänzende Material der Klinge, prüfend fuhr mit dem Daumen darüber. „Oh, die ist aber scharf, viel schärfer als mein altes Steinmesser, was ist das?“ Tom war erstaunt über die Frage „na ich glaub Edelstahl, jedenfalls kann es nicht rosten.“ Uglo hielt das Messer in den Schein des Feuers und staunte über das Funkeln der Klinge. „Was ist Edelstahl und was heißt rosten?“ Tom versuchte ihm zu erklären, dass man aus Eisenerz, also aus Steinen mit Erz, erst Eisen und daraus den Stahl herstellen konnte und dann… Der Naturbursche hörte ihm staunend zu, er verstand kein Wort. Geschickt nutzte er das scharfe Werkzeug, zuerst um die Fischspieße zu spitzen und dann, um den Fisch auszunehmen. Schon nach kurzer Zeit zog ein verführerischer Duft vom Ufer über das Wasser…
Die Jungs saßen am Ufer und ließen sich den gebratenen Fisch schmecken. Während anschließend Uglo noch rasch ein paar trocken Zweige aus dem Gebüsch holte, nahm Tom die Überreste der Mahlzeit und trug sie zum Fluss. Uglo hatte ihn gebeten, die Reste im Fluss zu entsorgen, zum einen, um nicht irgendwelche Tiere anzulocken und dann hatte er gemeint, als Dank an den Fluss, die anderen Fische und den Federgeist, der sie mit Nahrung versorgt hatten. Tom fand das zwar ein wenig übertrieben, watete dann ein Stück ins Wasser, so dass die Strömung die Abfälle rasch mitnehmen konnte. Auf dem Weg zurück, im hüfttiefen Wasser, schrie Tom auf laut einmal auf. Ein großer Fisch knabberte an seinen Beinen und schnappte nach einem vermeintlichen Wurm, der im Wasser baumelte. Er schlug wild mit den Händen auf das Wasser und verhinderte damit, dass der Jäger Erfolg hatte. Uglo kam aus dem Gebüsch gerannt, blieb lachend am Ufer stehen, er lachte laut und herzlich. „Tom, hab keine Angst, der hätte bald gemerkt, dass dein Wurm zu klein ist.“ Tom rannte aus dem Wasser und warf sich auf Uglo, der den Kampf gerne annahm. Dieses Mal aber wehrte er sich nur mit halber Kraft und gab sich ganz schnell geschlagen. Kurz danach saß Tom auf Uglos Brust und presste die Knie auf die Arme von Uglo, der nun seinerseits ganz still lag. Fasziniert schaute Tom bewundernd auf Uglos starken Körper. Unter seinem Hintern fühlte er die starken Bauchmuskeln. In seinem Bauch begann es zu kribbeln, in seinen kleinen Kugeln spürte er ein aufsteigendes Summen und ein seltsam wohliges Gefühl, das immer intensiver wurde, als würden sie sich zusammenziehen, auf einen unbestimmten Höhepunkt hin…
Erschrocken rutschte er hastig von Uglo herunter und kauerte sich neben ihn. Er zog die Beine an, schlang die Arme darum und legte das Kinn auf seine Knie. Sein Blick verlor sich in der Ferne, als würde er etwas sehen, das nur für ihn existierte.
>Ich kann es ihm nicht sagen. Ich weiß nicht, wie. Warum tut es so weh, obwohl es so schön ist?<
Uglo setzte sich wortlos neben ihn und musterte ihn aus den Augenwinkeln. „Tom… war ich zu grob?“, fragte er schließlich unsicher aus Angst, hatte er etwas falsch gemacht? Tom schüttelte den Kopf, die Lippen fest aufeinandergepresst. Tränen glänzten in seinen Augen. Wieder schüttelte er nur den Kopf. „Tom?“
Uglo rückte dichter an ihn heran, legte ihm vorsichtig den Arm um die Schultern.
„Was ist los, Tom, mein… mein Lieber? Sag es mir.“ Da brach es aus Tom heraus. Er schluchzte, drehte langsam sein Gesicht zu Uglo und schaute ihm in die Augen.
>Wenn ich es jetzt sage, mache ich alles kaputt. Aber wenn ich’s nicht sage, dann… bin ich unehrlich.<
„Was wird aus uns? Ich meine… was können wir denn machen?“
„Wie meinst du das?“ Uglo sah ihn verständnislos an. „Wir sind zusammen. Und wenn du willst, für immer.“
Doch Tom schüttelte wieder den Kopf „Das ist es ja. Ich weiß es nicht, Uglo. Du bist so anders als ich… und ich bin so anders als du. Und doch fühle ich…“
Die Worte trafen Uglo wie ein Schlag. Er senkte den Blick.
>Bin ich ihm zu fremd? Habe ich ihn verletzt? Warum tut sein Schweigen mehr weh als jede Wunde?<
„Ist es, weil ich stärker bin? Bin ich zu alt? Ich kann… Weil ich mehr behaart bin als du, vieles von euch nicht kenne? Weil ich lieber nackt bin? Du denkst, ich bin dumm?“
Seine Stimme zitterte. „Du bist so klug, Tom. Ich möchte so viel von dir lernen – über die Polizei, euer Leben all das. Aber…“ Er verstummte. „Magst du mich denn gar nicht?“ Spielerisch drehte er das Fahrtenmesser von Tom in den Händen.
Tom weinte leise.
„Doch. Sehr sogar. Wie einen Bruder… oder vielleicht, nein… noch mehr. Ich möchte dich. Aber...“, er rang nach Luft. „Du bist nicht dumm, vielleicht kommst du aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt, aber nein, du bist nicht dumm. Aber morgen sind die Ferien vorbei. Wir fahren wieder nach Hause, in die Stadt. Am Montag muss ich wieder in die Schule. Mama und Papa gehen zur Arbeit. Das ist alles so kompliziert. Das hier… mit dir… ist wunderschön, aber du kannst nicht einfach… Wir leben in einer anderen Welt.“
Er brach in heftiges Weinen aus.
Uglo sah völlig fassungslos zu ihm.
„Ich verstehe das alles nicht, was du da sagst. Wir sind doch hier. Du und ich. Deine Mama, dein Papa… ich glaube, sie mögen mich. Und ich mag euch auch. Und was ist Schule? Was ist Arbeit? Was sind Ferien? Warum musst du all das tun? Ich will doch nur bei dir bleiben. Bei euch. Tom, bitte. Kannst du das nicht verstehen?“
Tom sah ihn an, die Stimme kaum hörbar:
„Uglo, doch … aber …“ Er nestelte an der Kette um seinen Hals herum, löste sie mit zittrigen Fingern. Mit roten, tränennassen Augen legte er sie Uglo um den Hals „Nimm sie als Erinnerung an mich, als deinen Glücksbringer - vergiss mich nicht, ja?“
Er sprang auf und rannte kopflos einfach weg, den Fluss entlang davon. Uglo saß einen Augenblick sprachlos und überwältigt da, mit den Fingern betastete er das wertvolle Geschenk, das Tom ihm gerade gemacht hatte. Er besann sich und rannte Tom hinterher, schon nach kurzem Weg hatte er Tom eingeholt, der sich weinend und schluchzend an ihn lehnte. Uglo hielt ihn fest umschlungen „Warum ist das alles nur so schwer?“ Ohne eine Antwort nahm Uglo den Kleinen auf den Arm und trug ihn zurück zum Platz im Schilf... Behutsam setzte er ihn ab und strich ihm durchs Haar. „Lass und etwas ausruhen, vielleicht haben wir zusammen noch einen guten Gedanken…
Tom nickte und hauchte „ja, vielleicht…“ Sein Blick fiel auf das Messer, das immer noch hier lag. „Gib mir das Messer“, vorsichtig nahm er es ihm ab und schaute konzentriert auf die blanke Klinge. Uglo folgte dem Blick und wurde unsicher, „Tom, was ist, was hast du vor? Nein, nicht…“
Der Kleine schüttelte den Kopf, „nein, nicht was du denkst. Weißt du, was Blutsbrüder sind?“ Uglo zog das Wort in die Länge; „Bluts- brüder…?“ Er schüttelte den Kopf. „Was soll das sein?“
„Ich weiß es auch nicht genau, aber ich hab gelesen, das ist ein Bund, bei dem zwei Männer ihre Blutstropfen vermischen. Dadurch werden sie zu Brüdern, die ein Leben lang zusammenhalten, mit einem Schwur versprechen sie sich, füreinander zu kämpfen und zu sterben.“ Uglo hatte genau zugehört. „Tom, was ist Lesen, was ist ein Schwur?
Tom winkte ab, „Lesen, dadurch kann man ganz viel lernen, zum Beispiel in der Schule, ach Uglo... Na und, ein Schwur, man sagt auch Eid dazu, also das ist“, er überlegte, „das ist ein Versprechen. Du hast doch auch einen Eid abgelegt, als du das Mannbarkeitsritual…“ Er verstummte...
Uglo sah ihn mit großen Augen an, „und wenn unsere Blutstropfen sich vermischen, dann werden wir Brüder, für immer?“ Tom nickte, „aber ich bin ja noch kein Mann.“
„Doch du warst so tapfer wie ich, hast dich gewehrt und... du bist schon ein kleiner Mann, ich möchte dein Bruder werden, Tom bitte!“
„Aber“, jetzt wurde Tom unsicher, „da...“, er schluckte, „da müssen wir aber unser Blut…“ „Ja, das machen wir, wie geht das?“
Tom dachte kurz nach. „Im Film, äh und im Buch machen sie das immer mit, mit na mit dem Messer...“ Uglo bemerkte, dass Tom etwas blasser wurde. „Was ist schon wieder Film und Buch - sag mir lieber, wie sie ihr Blut mischen.“ „Na, mit dem Messer ritzen sie sich die Haut auf, so das Blut kommt und dann legen sie ihre Wunden aneinander. Das Blut von einem fließt in die Adern vom anderen. Aber, ich weiß nicht, ob…“ Uglo wurde ganz still, er schaute Tom fragend in die Augen, sein Adamsapfel zuckte auf und ab, ganz leise flüsternd fragte er, „Tom, möchtest du mein Bruder sein?“
Tom nickte ganz sachte, dann ganz entschlossen, hielt er Uglo das Messer hin und streckte ihm einen Arm entgegen. Uglo holte tief Luft, das Messer in der einen Hand, mit der anderen hielt er Toms Handgelenk ganz fest. Vorsichtig, mit viel Gefühl setzte er die Messerspitze auf den Unterarm von Tom. Fragend schaute er nochmal in Toms Gesicht, der jetzt entschlossen nickte und die Augen schloss. Er hielt die Luft an. Mit sanfter Kraft zog Uglo das Messer ein kleines Stück über Toms Haut, sofort trat ein kleiner roter Tropfen heraus, der sich langsam vergrößerte. Tom verzog schmerzerfüllt kurz das Gesicht, zischend atmete er aus. Aber kein Laut kam über seine Lippen. Uglo schaute vom Messer auf und in Toms Augen. Der hatte seinen Blick starr auf die kleine Wunde geheftet. Er strahlte Uglo an, „okay, jetzt ich bei dir.“
Rasch streckte Uglo ihm seinen Arm entgegen, genauso vorsichtig und behutsam setzte Tom den Schnitt. Auch bei Uglo erschien gleich darauf ein dicker Blutstropfen, der rasch größer wurde. Das Messer fiel zu Boden. Einen Moment lang schauten sich die Jungen fest in die Augen, ehe sie ihre leicht blutenden Schnittwunden aneinanderpressten. Beide fühlten in diesem Moment, dass sie eins waren.
Das Blut trocknete langsam, als die Beiden voneinander lösten. Liebevoll nahm Uglo den Kleinen in die Arme, „ich würde so gern mit dir in deine Welt kommen, ganz viel lernen, was Schule ist, Lesen und all das andere. Ich würde mich für dich sogar an eure komischen Lendenschurze gewöhnen, auch wenn die mich immer wieder an bestimmten Stellen verrückt machen…“ Tom musste kurz überlegen, dann lachte er laut los. „So so, meine Boxershorts machen dich also scharf… na dann erst recht.“ Uglo verstand wieder nur die Hälfte, aber er lachte laut und befreit mit.
Die Sonne war inzwischen schon hoch über die Gipfel an der großen Wiese geklettert. Etwas später lagen die beiden Brüder eng nebeneinander im Schilfversteck. Uglo blinzelte in den Himmel und entdeckte, dass die Sonne kurz davor war, in das große runde Loch hoch oben am Felsen zu wandern. Er spürte einen kleinen Stich im Herz, so etwas wie Heimweh überkam ihn einen Moment lang. Was hatte er mit Ango alles erlebt, oft hatten sie an gleicher Stelle im Schilf gelegen, miteinander gerungen, getobt und gebadet. Er riss sich von dem Bild los, kuschelte sich eng an Tom an. Der schaute ihn ein wenig überrascht und fragend an. „Was?“ Uglo fuhr Tom durch die kurzen blonden Haare, „Ich hab einen hübschen kleinen Bruder, darf ich dir nochmal, wie hieß das gleich?“ Tom stellte sich unwissend, „was meinst du? Mach einfach.“ Uglo schob Tom auf den Rücken und beugte sich über ihn. Er flüsterte „Kuss?“ Toms Gesicht glühte vor Erwartung, er nickte und schloss die Augen. Fest presste Uglo seine Lippen auf Toms Mund, der seine Arme um Uglos Nacken schlang und ihn ganz auf sich zog. In einer kleinen Pause, in der beide Luft holen mussten, flüsterte Tom, „du hast gut aufgepasst, lernst aber schnell, ein richtiger Musterschüler… “ Auf die fragenden Augen von Uglo reagierte er, indem er ihn wieder fest an sich zog und weiter küsste. So nah, Haut an Haut, Körper an Körper spürten sie beide rasch die wachsende Enge zwischen sich. Sie genossen es, ohne sich zu bewegen. „Uglo“, flüsterte Tom, „du bist ganz schön stark, aber auch ganz schön schwer, können wir…“ Er hatte noch gar nicht fertig geredet, da hatte Uglo sich mit einem kurzen Ruck so gedreht, dass Tom nun auf ihm lag. Tom richtete sich überrascht auf, aufmerksam sah er Uglo in die Augen. Vorsichtig strich er über die goldene Kette um Uglos Hals, „sie sieht gut aus bei dir, so auf deiner braunen Haut.“ Uglo lächelte dankbar und streichelte mit den Händen sanft die Oberschenkel von Tom. Erst kurz bevor seine Hände Toms kleine Bälle berührten, stoppte er. Tom wurde unruhig, er lehnte sich etwas zurück und schnaufte, „du bist verrückt Uglo.“ „Was hast du gesagt, na warte, sag das nochmal und ich…“ Er sprach gar nicht weiter, sprang vom Boden auf, schnappte sich den Nackten und trug ihn zum Ufer. Tom wehrte sich laut lachend nach Kräften, aber… Mit einem kraftvollen Schwung flog er in hohem Bogen ins Wasser, Uglo hechtete sich hinterher und tauchte unter Tom hindurch, tauchte mit dem Kopf zwischen Toms Schenkeln auf und hob ihn auf seinen Schultern aus dem Wasser. Tom kreischte vor Wonne auf, Uglos wilde Mähne kitzelte ihn an seinen Schätzen… Er wand sich wie ein Aal, Uglo konnte den nassen Körper nicht halten, Tom flutschte ihm aus den Händen und rutschte vor ihm ins Wasser. Sofort umschlang Uglo ihn von hinten mit beiden Armen und presste seinen Körper an Tom heran. Der die Aufregung seines Freunds hinter sich spürte und sich gekonnt mit einer flinken Bewegung wieder umdrehte und seine Hüfte eng an Uglo anpresste… Uglo hielt ganz still, er spürte die Aufregung des Kleinen zwischen seinen Schenkeln, seine Kugeln zogen sich zusammen, Toms kleiner fester Stachel drängte sich aufreizend dagegen. Er hielt den Atem an, als Tom seine Hüfte noch weiter vorschob….
… und dann erstarrte. Toms Körper versteifte sich, er atmete tief ein und hielt jetzt die Luft an. Brust an Brust spürte Uglo Toms Herz immer stärker klopfen. Toms Wangen färbten sich rot. Bewegungslos, seine Augen starr auf Uglo gerichtet, stammelte er, „Uglo, ich, ich…“ Sein schlanker Körper bäumte sich auf. Ein langes, unterdrücktes Stöhnen entfuhr ihm. Einen kurzen Moment schien er die Beherrschung zu verlieren… Ein erlöstes Lächeln kam in sein Gesicht. Glücklich lehnte er seinen Kopf an Uglos Halsbeuge an. Uglo hielt ihn fest umschlungen, er hatte verstanden.
„Komm Kleiner, es wird kalt hier im Wasser, lass uns wieder in die Sonne gehen.“ Tom zögerte, „aber ich… und du?“ Uglo legte ihm einen Arm um die Schultern, „ach komm, wir wärmen uns erstmal auf.“
Unsicher stimmte Tom zu. Eng aneinander gelehnt saßen sie schweigend in ihrem Schilfversteck. Uglo hielt die zerrissene Badehose in den Händen. Tom schaute den Großen unsicher an, „bist du böse auf mich, ich mein, na weil ich…?“, er schluckte, „ich hatte, ich wollte, ach… Mensch Uglo.“
Uglo schüttelte den Kopf, seine Augen waren wie abwesend starr auf den Fluss gerichtet. Er meinte im Rauschen des wilden Wassers, als Tom diesen glücklichen Moment hatte, einen Ruf gehört zu haben, jemand hatte seinen Namen gerufen. Hatte er sich das nur eingebildet? Irgendetwas hatte sich verändert. „Uglo, bitte, was, ich… weinst du?“ Uglo wischte sich über die Augen, „nein, ich hab wohl geträumt.“ „Was meinst du?“
Uglo winkte ab, er richtete seinen Blick zum Himmel. „Die Sonne hat ihren hohen Stand erreicht, siehst du es? Sie steht jetzt genau in dem Ring dort im großen Felsen. Ich hab Hunger, wollen wir noch ein paar Fische fangen?“ Tom hatte eine andere Idee, „komm, wir gehen zu meinen Eltern, ich bin da heute früh einfach“, er unterbrach sich, „na also ich bin einfach abgehauen, wollte dich doch warnen, weil zwei Polizisten auf dem Weg zur kleinen Höhle waren, damit sie dich nicht entdecken. Und meine Mama und mein Papa wissen doch gar nicht wo ich, also wo wir sind. Komm, da gibt’s bestimmt auch was zu essen.“ „Ist da auch bestimmt keiner von dem schwarzen Dienern mehr?“ Tom musste kurz nachdenken, schwarze Diener, „ach du meinst die Polizei? Nee, die sind alle mit dem Streifenwagen weggefahren.“ „Was ist Streifenwagen, was heißt fahren?“ Tom lächelte nicht als er meinte, „egal, sie sind alle weg, los komm.“
Unsicher folgte Uglo Tom zu den Zelten. Toms Eltern waren sichtlich erleichtert, die beiden Jungs wohlauf zu sehen. Tom erzählte ihnen kurz, was seit dem Morgen alles geschehen war, das mit der Höhle, mit den Polizisten und dass sie sich eine Zeit am Fluss aufgehalten hatten. „Aber jetzt haben wir einen Riesenhunger.“ Toms Mutter umarmte ihren Sohn, sein Vater strich ihm einfach durch die Haare und drückte ihn an sich. Uglo stand etwas abseits am Zelteingang, die Mutter ging einfach auf ihn zu, umarmte ihn ebenfalls herzlich. „Uglo, komm, du gehörst doch zu uns.“ Schüchtern schaute der wilde Bursche auf den Mann, der ihm freundlich zunickte, „los komm her Großer.“ Er nahm ihn in den Arm, „danke, dass du unserem Tom das Leben gerettet hast, ihn aus dem Fluss…“ Er dachte einen Moment nach „und entschuldige bitte, dass ich dir heute Nacht etwas misstraut habe, ja?“ Uglo nickte und atmete erleichtert auf, er lächelte zurück.
Auf einmal war es ihm aber unangenehm, so nackt und bloß hier herumzustehen, die ganze Zeit mit Tom zusammen, spielte das keine Rolle. Aber jetzt hier und vor den Erwachsenen… was Toms Mutter auch bemerkte. „Jungs, bitte zieht euch bitte erstmal was an. Tom holst du bitte zwei Turnhosen aus deinem Zelt? Tom verschwand in sein Zelt. Kurz darauf erschien er wieder, „Mama, ich hab nur noch eine… außerdem“, jetzt grinste er Uglo an, „außerdem sind meine Boxer für Uglo zu eng, da bekommt er immer, also na ja, sie sind ihm zu klein…“ Toms Mutter nickte verstehend, verschwand kurz im hinteren Teil des großen Zeltes und kam dann mit einer blauen Turnhose zurück. „Hier Uglo, die ist von Lars, also von Toms Papa. Die sollte nicht so eng sein, wie die von Tom.“ Ein wenig beschämt drehte Uglo sich von den anderen weg, als er sich die Hose überstreifte, aber tatsächlich, sie saß bequem. Er musste nur aufpassen, dass sein großer lockerer Wunderstab nicht unten… „Jungs, ihr müsst doch Riesenhunger haben, ihr habt den ganzen Tag noch nichts gegessen?“ Beide schüttelten gleichzeitig die Köpfe. Tom ergänzte, „nee nur einen gebratenen Lachs, den hat Uglo mit bloßen Händen gefangen und dann am kleinen Feuer gebraten. Er kann richtig Feuer machen und… er verstummte und schaute Uglo begeistert an. Der winkte ab, „das können bei uns viele Knaben, am besten aber ist darin Ango, also mein…“ Er verstummte und schaute Tom unsicher an. Der Vater, der Uglos Zögern mitbekam, machte schnell den Vorschlag, „los Jungs, essen!“
Das ließen sie sich nicht zweimal sagen, setzten sich an den großen Campingtisch und futterten los. Uglo schaute zunächst skeptisch auf all die Speisen, die Bratwürste kannte er schon, der Käse und das Gemüse kostete er vorsichtig, um dann richtig zuzulangen. Satt und zufrieden lehnten sie sich zurück. Toms Mutter räumte den Tisch ab und die Eltern setzten sich zu den Jungs.
Toms Mama legte Uglo eine Hand auf den Arm und sah ihm liebevoll ins Gesicht. Überrascht von der Vertrautheit sah Uglo auf. Tom hatte das mitbekommen und schaute seine Mama fragend an. Mit der freien Hand strich sie ihm über den Kopf und bedeutete ihm mit den Augen abzuwarten. Toms Vater räusperte sich, „Uglo, wie geht es dir? Wir haben dich gern in unserer Mitte, aber du verstehst bestimmt, dass wir gern etwas mehr über ich erfahren möchten. Also… über dich, deine Eltern, wo du wohnst, na ja so was eben. Magst du uns ein wenig über dich erzählen?“ Uglo schaute ihm entsetzt ins Gesicht, er hatte es geahnt, er war für sie fremd, anderseben ein Wilder… Tom erkannte die Unsicherheit von Uglo und rutschte ganz dicht an ihn heran, legte ihm einen Arm um die Schultern. „Bitte Uglo, hab Vertrauen zu uns, ich habe die beste Mama und den besten Papa der Welt und ich hab dich sehr gern, das weißt du doch - oder?“ Uglo nickte nur. Eine Weile dachte er nach, dann begann er mit brüchiger Stimme ganz leise zu erzählen.
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