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Uglo der Steinzeitjunge
Teil 17 - Nacht der Hoffnung
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Informationen
- Story: Uglo der Steinzeitjunge
- Autor: Mischa Bär
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Fantasy und Mystery, Krimi, Historisch
Überrascht, erschrocken und sprachlos starrten ihn Toms Eltern an. Der Vater holte tief Luft. Stockend begann er:
„Uglo, nein, aber du musst doch auch sagen, dass… dass…“ Er brach ab und suchte ratsuchend den Blick seiner Frau. Toms Mutter stand auf, ging langsam auf Uglo zu und streckte ihm die Arme entgegen.
„Uglo, aber nein, mein Großer, wir…“
Ein lautes, ungeduldiges Klopfen auf das Zeltdach unterbrach sie. Gleich darauf wurde der Stoff am Eingang zur Seite geschoben und ein großgewachsener Mann in schwarzer Kleidung trat ein. Verwundert wandten sich Toms Eltern dem Mann zu. Uglo hingegen erstarrte – der Mann war einer der Krieger des fremden Stammes, die auf dem großen Platz angekommen waren! Das schwarze glänzende Gewand, das blitzende Amulett auf der Brust. Auch an seiner schwarzen Kappe auf seinem Kopf blitzte ein goldfarbenes Zeichen auf, ein Diener der Götter? Am Gürtel baumelte ein langer dunkler Stab und in der Hand hielt er einen weiteren großen Stab, mit dem er herumfuchtelte. Uglo hatte sich hastig wieder in den hinteren Teil des Zeltes verzogen und schaute ängstlich auf den schwarzen Mann.
„Guten Abend, die Herrschaften, ich bin der Ermittlungsführer bei der Suche nach Ihrem Sohn. Bitte geben Sie mir nochmals alle vorhandenen Informationen zu Ihrem Kind und zu den Umständen, unter denen es verschwunden ist.“
Toms Mutter begann: „Also, unser Sohn Tom ist 13 Jahre alt, wirkt aber durchaus jünger. Er hat eine schlanke Gestalt, kurze blonde Haare und viele Sommersprossen. Zuletzt hatte er“, sie begann zu schluchzen, „also er war bekleidet mit einer roten Badeshorts und einem weißen T-Shirt. Er trägt immer eine kleine goldene Kette mit zwei kleinen herzförmigen Anhängern… Er hatte einen dunkelblauen Rucksack, sein Handy bei sich und die Smartwatch dabei.“ Sie zeigte dem Mann ein Foto von Tom. Uglo sah, dass der Mann eifrig mit einem kleinen Stab, den er in der Hand hielt, auf etwas kritzelte, das von weitem aussah, wie ein Stück Birkenrinde. Toms Vater sprach nun weiter und berichtete, wann und wo Tom das letzte Mal gesehen wurde und welche Spuren sie gefunden hatten. „Wo hat Ihr Sohn sich zuletzt aufgehalten und wer hat ihn zuletzt gesehen?“ „So viel wir wissen war Tom mit, also mit einem Freund zuletzt am Fluss gegenüber vom Wasserfall. Sie haben gebadet und etwas gegessen. Dann haben sie, na ja... sie haben sich getrennt und unser Sohn ist dann gegangen und seitdem… Ich war bis vor kurzem schon auf der Suche nach ihm, dabei habe ich“, er holte die Kette hervor und zeigte sie dem Mann. Jetzt versagte auch ihm die Stimme. „Ich habe seine Kette gefunden, auf dem Pfad, der…“Er beschrieb die Fundstelle, dann konnte er nicht mehr weitersprechen. Toms Mutter schluchzte laut auf, „Bitte finden Sie unseren Tom, bitte.“ Sie flüsterte nur noch. Der Mann räusperte sich und meinte nur nun, „wir tun unser Möglichstes.“
Er sah skeptisch auf und schaute die Eltern fragend an. „Und Sie sind sich sicher, dass die Jungen nicht irgendwelchen Unsinn gemacht hatten, Feuer gemacht, Alkohol getrunken oder so. Vielleicht haben sie sich gestritten?“. Toms Vater zuckte mit den Schultern, „das kann ich nicht sagen, aber auf unseren Sohn ist bisher immer in jeder Beziehung Verlass gewesen - nein, das schließen wir aus. Denn unmittelbar nachdem sich die Jungen getrennt hatten, hat unser Sohn mich noch mal angerufen und mir gesagt, dass alles in Ordnung ist und er sich auf den Rückweg macht. Das war, warten Sie, ich schau nochmal… ja, hier ist der Anruf, das war um 19.30 Uhr.“
„Haben Sie dann später nochmal versucht, Ihren Sohn anzurufen?“ „Ja, Moment, hier – das war gegen 20.15 Uhr, hier steht es.“ Er hielt dem Mann das leuchtende Ding entgegen. „Und?“ Der Vater schüttelte nur den Kopf, „er ist nicht rangegangen und später war es ausgeschaltet.“ „Hm, danke und wer ist der Freund, kann ich den befragen?“
Toms Vater drehte sich um und winkte Uglo zu, „komm Uglo, es passiert dir nichts, wir sind ja bei dir.“
Der Fremde blickte überrascht auf den halbnackten Jungen, der sich hastig hinter Toms Mutter zu verstecken suchte. Er zeigte mit dem Leuchtstab auf Uglo. Fragende Blicke trafen Toms Vater. Uglo begann zu zittern. Schreckliche Gedanken rasten ihm durch den Kopf:
„Sucht der Diener des Schamanen nach mir? Ist er gekommen, um mich zu holen? Weiß er von mir und Tom? Hat er uns gesehen – will er sich rächen?“
Der schwarze Mann wandte sich nun an Toms Mutter. Verwundert fragte er:
„Der Junge hinter Ihnen – ist nicht Ihr Sohn, oder? Wer ist das?“ „Ja, nein… das ist nicht unser Sohn Tom, aber… Das ist nicht so schnell erklärt, wir wissen es auch…“ Sie zögerte einen Moment, sah ihren Mann hilfesuchend an. „Aber eigentlich schon. Das ist Uglo, ein Freund von Tom – fast wie unser eigener Sohn. Doch Tom ist noch verschwunden.“
Der Mann trat näher, betrachtete Uglo forschend. Sein Blick glitt prüfend von oben bis unten über den Jungen. Kurz verharrte sein Blick verwundert auf der hellen Unterhose.
„Was denn nun, ja, nein… Und warum ist er so… seltsam behaart? Und warum trägt er nur eine Unterhose, ist halbnackt? Was geht hier vor?“ Toms Vater stellte sich entschlossen vor Uglo.
„Herr Wachtmeister, was geht Sie das überhaupt an? Das ist unsere Familienangelegenheit. Sie befinden sich in unserem Zelt – also auf unserem Boden. Ihr Auftrag ist es, unseren Sohn Tom zu finden. Sie haben ein Foto von ihm. Tun Sie bitte Ihre Pflicht!“
Der schwarze Mann verzog das Gesicht, seine Stimme klang gereizt:
„Sie werden mir nicht vorschreiben, wie ich meine Arbeit zu tun habe. Wenn es Fragen gibt, werde ich sie stellen.“ Er wandte sich direkt an Uglo, musterte ihn nochmals aufmerksam von oben bis unten.
„Nun, junger Mann – wie heißt du, wo wohnst du und was machst du hier?“ Wieder begann Uglo zu zittern, er hatte nicht begriffen, was der Mann ihn gefragt hatte.
„Bitte verlassen Sie unser Zelt!“, Toms Mutter mischte sich nun energisch ein. Uglo verstand kaum, was vor sich ging. Er begriff aber, dass Gefahr drohte – für ihn und für Toms Eltern. Ehe der Mann reagieren konnte, stieß Uglo ihn mit unerwarteter Kraft zur Seite und war im nächsten Moment schon aus dem Zelt verschwunden.
„Uglo, nicht! Komm zurück – Uglooo!“
Der Ruf von Toms Vater verhallte ungehört in der Nacht.
Uglo lief nicht weit, kurz hinter den Zelten wusste er den schmalen Durchgang zwischen den Felsen, der auf den Berg hinaufführte. Eilig schlüpfte er hindurch und versteckte er sich abseits des Pfades, er suchte Schutz im Gebüsch hinter den Felsen.
Von hier aus beobachtete er, wie der Diener des Schamanen aus dem Zelt gestürzt kam, sich suchend umschaute. Im Lichtschein, der noch aus dem Zelt drang, sah Uglo, dass er einen kleinen schwarzen Kasten mit einem länglichen Stab darauf aus seinem Gewand zog. Er tippte ein paar Mal darauf er, unmittelbar darauf leuchteten farbige Punkte darauf auf. Eine knarrende Stimme sagte etwas, das Uglo nicht verstand. Der Knecht des Zauberers hob das Ding vor seinen Mund und sprach hinein.
Uglo zuckte zusammen, denn fast im selben Augenblick öffneten die mächtigen dunkeln Schatten auf der großen Wiese ihre Augen! Er starrte darauf und sah grelles, gleißendes Licht, heller als jedes Feuer, das er je gesehen hat. Die Strahlen durchschnitten die Nacht wie Sonnen, sie bewegten sich wie die Beine einer großen Spinne. Uglo schrie leise auf, hielt sich die Hände vor den Mund und drückte sich noch tiefer zu Boden.
Er presste das Gesicht in das feuchte Moos, sein Herz hämmerte. Das Licht wanderte über die Felsen, über die Baumwipfel, als ob es nach ihm suchen würde. Für einen Moment verharrte es an dem Felsspalt, ihm schien es, als ob das Licht ihn direkt traf, heiß und blendend. Es fühlte sich an, als würde der Schamane selbst ihn anstarren. „Die Diener des Zauberers suchen mich“, dachte Uglo. Vielleicht haben sie mich laufen gesehen, vielleicht will er mich zurückholen, sich rächen. Aber der Schamane ist doch tot… Oder? Der Fluch!
Wird er sich an meiner Familie rächen? Seine Familie, Ango, Großmutter Kuchola - hat er sie alle so schnell vergessen? Muss er zurück?
Aber da ist doch auch noch - Tom!! Ein Stich fuhr ihm ins Herz, er begann zu frieren, seine Zähne klapperten, obwohl es gar nicht kalt war…
Er kroch weiter in das Gebüsch hinein, in die Dunkelheit. Er fand Schutz hinter einem alten Baum. Das Licht zog weiter, verschwand immer weitersuchend zur gegenüberliegenden Seite der freien Fläche. Das Dröhnen in Uglos Ohren verebbte nur langsam. Lange wagt er es nicht, sich zu rühren. Sein Blick wanderte zum Nachthimmel, zitternd und ehrfürchtig. In seinem Herzen stritten viele Gefühle – Staunen, Furcht, Sehnsucht und Trauer zugleich. Leise sprach er ein Gebet.
„Lieber, lieber Federgeist, Hüter der Wege und der leisen Zeichen,
ich rufe dich in dieser Stunde meines Zweifelns.
Mein Herz ist geteilt in dem, was ich fühle. Hilf mir, den Weg zu finden, der mich dorthin führt, wo Verstand und Liebe sich begegnen und vereinen.
Zeige mir den Pfad, die Vergangenheit zu wahren ohne das, was mir lieb geworden ist, zu verlieren. Lass mich die leise Weisheit deiner Federn spüren…“
Etwas später stand Uglo vorsichtig auf, er versuchte möglichst kein Geräusch zu machen. Leise schlich er ein paar Schritte vorwärts, als unvermittelt ein scharfer Lichtstrahl zwischen die beiden Felsen stach. Ein dunkler Schatten wurde am Durchgang sichtbar- der schwarze Mann! Er kam näher auf den Felsspalt zu und ließ sein Licht in der Dunkelheit suchen. Der Junge ließ sich wieder flach auf den Boden zwischen die dichten Zweige und Blätter fallen, er wagte nicht zu atmen, hielt die Luft an, als der Zauberdiener den Lichtdrachen direkt über ihm ins Gebüsch fliegen ließ. Vor lauter Angst und Aufregung konnte er sich nicht beherrschen, er pinkelte unwillkürlich in die Boxer, rührte sich aber nicht. Endlich wanderte das Licht weiter…
Uglo musste warten, bis der Diener des Zauberers sich wieder entfernt hatte. Vorsichtig schlich er aus seinem Versteck, am Durchgang zwischen den Felsen blieb er wieder stehen und versicherte sich, dass keine weitere Gefahr bestand. Rasch zog er sich die unangenehm nasse Unterhose aus, er ließ sie dort fallen… Er überlegte. „Uglo, du und ich… alte Zauberwelt“, hatte Tom vorhin geflüstert, auch der Schamane hatte immer von „meine alte Welt“ gesprochen, was hatte er damit...?
Schlagartig kam ihm der Gedanke, „alte Welt“, ja na klar, wo war er der Schamane in seiner alten Welt und wo war Uglo vorher nie gewesen? Im Zelt des Schamanen! Die alte Welt! Aber das Zelt, es war nicht da…? Nein, nur zwei kleine unscheinbare Zelte standen an der Stelle, wo eigentlich die Mitte seiner alten Welt war, am Zelt des Schamanen. Er schlug sich an den Kopf, „ich bin ein Krag-Dumm“ (dummer Fels). Sollten die beiden Zelte, sollte Tom dort…?
Eng an die Felswand gepresst, kroch er auf allen Vieren Stück für Stück in Richtung der beiden einzelnen kleinen Zelte, die dort aufgebaut waren, wo bisher immer das magische Zelt des Schamanen stand. Noch immer kreisten die beiden großen Lichtaugen der Monster suchend über den weiten Platz. Das eine leuchtete das Flussufer und den Wasserfall an, das andere richtete sich gerade weit nach oben und beleuchtete den unteren Rand des Plateaus. Mit einem Mal sauste dieses Lichtauge nach unten und tastete den Boden an den Höhlen ab, gerade noch rechtzeitig hatte sich Uglo auf den Bauch fallen lassen. Hastig glitt er wie eine Schlange in eine der Höhlen hinein und blieb auf den Boden gepresst liegen. Es war die Höhle seiner Familie.
Als ob der Lichtstrahl seine Bewegung entdeckt hätte, blieb er auf den Eingang der Höhle gerichtet stehen. Ängstlich hielt Uglo die Luft an, als er bemerkte, dass einer dieser schwarz gekleideten Krieger langsam auf den Höhleneingang zukam. Vor dem Hintergrund des gleißenden Lichtes erschien der Umriss des Mannes wie der eines Riesen. Ein kleinerer dunkler Schatten lief neben ihm her.
„Ruhig Rex, ruhig, wir finden ihn.“ Uglo erschrak, der schwarze Mann führte einen… einen Wolf mit sich. In der anderen trug er ein kleines Stück hellen Stoff. Mit Schrecken erkannte Uglo die Unterhose, die er von Toms Mutter bekommen hatte und die er vorhin am Ausgang ausgezogen hatte. Der schwarze Mann hielt sie dem Wolf immer wieder vor die Nase und flüsterte, „such Rex, such mein Guter…such.“ Der Hund zog rasch vorwärts auf die Höhle zu… Ohne zu zögern, glitt Uglo angstvoll noch tiefer in die Höhle hinein. Er kannte sich gut aus und wusste, im hinteren Teil befand sich eine ganz enge Nische, in der er sich als kleiner Junge immer mal vor seiner kleinen Schwester versteckt hatte, ob er noch hineinpasste? Dass der Hund ihn trotzdem finden würde, ahnte er nicht… Flink wie ein Wiesel huschte er in die Dunkelheit der Höhle und zwängte sich in die schmale Felsspalte. Er musste den Atem anhalten, um in den Spalt zu gleiten. Der kratzige Fels rieb an Brustkorb und Rücken, schabte ihm die Haut auf. Die enge, raue Wand riss ihm Wunden in seinen muskulösen Hintern und seinen Zauberstab. Die Enge der Spalte presste ihm seine prallen Kugeln, die empfindlichste Stelle eines Jungen, so heftig auf seinen muskulösen Oberschenkeln zusammen, dass ihm Tränen in die Augen stiegen. Kein Fingerbreit Platz blieb mehr zwischen ihm und dem Stein. Doch das spielte jetzt keine Rolle – der schwarze Diener hatte den Höhleneingang bereits erreicht.
Wieder hörte Uglo die Worte des Häschers, „such Rex, suuuuch…“ Der scharfe Lichtstrahl schnitt in die Dunkelheit, tastete jeden Winkel, jede Ritze ab. Mehrmals glitt er über die schmale Fuge hinweg, in der Uglo sich verbarg… bis das Licht plötzlich innehielt – genau auf seine Versteckstelle zeigte. Uglo spannte jeden Muskel an. Sein Herz hämmerte gegen den Felsen, als die Schritte des Mannes näherkamen. Wenn er ihn entdeckte, hätte er keine Chance… Schon hörte er das Hecheln des Hundes näherkommen, ein eiskalter Schauer sauste ihm über den Körper. Aus den Augenwinkeln sah er jetzt den Hund, der sich, ohne einen Laut von sich zu geben, direkt neben ihm, vor die Spalte gesetzt hatte und ihn anschaute.
Im nächsten Moment durchbrach ein eindringliches Piepen die Stille – kurz, hell, fast wie der Ruf eines Erdhörnchens. Der Mann blieb stehen, sprach dann in scharfen, fremden Lauten. Er lauschte. Ein kratzendes Geräusch war wieder zu hören – dieselbe schnarrende Stimme, die er zuvor im Zelt gehört hatte, als der Mann in dieses flache, leuchtende Ding gesprochen hatte.
Der Fremde antwortete kurz, drehte sich um und verschwand hastig aus der Höhle. „Komm Rex, sie haben was gefunden…“ Die Unterhose ließ er achtlos fallen, Uglo hatte keine Erklärung dafür...
Noch einen Herzschlag lang blieb er reglos, dann wagte er zu atmen. Der Schmerz in seinem Schritt pochte heftig; ein kleiner scharfer Felsvorsprung riss ihm zusätzlich eine Wunde in die Haut unter dem Bauchnabel. Mit einem gequälten Laut kroch er hervor. Er bückte sich nach der noch feuchten weggeworfenen Unterhose, roch kurz daran und warf sie in eine Ecke der Höhle.
Am Eingang der Höhle verharrte er kurz, bevor er sich wieder in den Schatten der Felsen schmiegte und langsam, Schritt für Schritt weiter zum Platz schlich, wo eigentlich das Schamanenzelt stand. Schon von hier aus konnte er den schwachen Lichtschein in den beiden kleinen Zelte sehen, die schon seit dem Abend scheinbar verlassen dort standen.
Immer wieder musste er sich schnell hinlegen, die Augen der beiden großen Monster, suchten scheinbar immer noch nach ihm. Mit einem Mal standen beide Strahlen still, wanderten dann zur Mitte der großen Wiese. Dort trafen sie sich und verharrten reglos. Uglo konnte aus der großen Entfernung nichts Genaues erkennen, nur, dass sich jetzt eine große Gruppe der schwarzen Diener der fremden Sippe zusammenfanden, sich in einem großen Ring aufstellten und alle in die Mitte des Kreises schauten. Sie rückten eng zusammen.
Er nutzte den Moment, um sich im Schutz der Felsen bis zu den beiden kleinen Zelten vorzuarbeiten. Endlich war er in der alten Welt des Schamanen angekommen.
Am Rand der Felswand ertastete er einen größeren Stein, den er fest mit einer Faust umschloss. Einige Minuten verharrte er reglos und beobachtete aufmerksam die Umgebung. Nichts rührte sich, kein Laut war zu hören.
Die letzte Strecke kroch er auf allen Vieren, ließ sich schließlich ganz auf die Erde sinken und glitt lautlos, wie ein Krieger, bis an das erste Zelt heran. Im Inneren schimmerte ein schwaches Licht. Er lauschte – Stille. Schlangengleich glitt er zum Eingang, schob die Plane nur einen schmalen Spalt zur Seite. Das Zelt war leer. Ein widerlicher, unbekannter Geruch schlug ihm entgegen. Er hielt die Luft an, Tränen stiegen ihm in die Augen. Im schummrigen Schein eines flackernden Lichts sah er sie wieder – zwei dieser dunklen Röhren mit den bunten Zeichen darauf und dem Loch an einem Ende. Aus einer der Röhren war eine seltsame goldfarbene Brühe gelaufen, die schäumte wie faulendes stinkendes Wasser. Daneben lagen auch die kleinen weißen Stäbchen, die so glatt waren wie Knochen. In einer Ecke glitzerten bunte Fetzen. Aus einem waren kleine runde Dinger gefallen – süß riechend, wie gebrannte Wurzeln oder gebackene Honigfladen. Alles hatte den Anschein, als ob noch eben jemand im Zelt gewesen wäre, als hätte bis vor kurzem noch jemand hier gesessen, gegessen, vielleicht geschlafen. Er konnte die Ausdünstung der fremden Körper noch riechen. Dann aber hatten das sie Zelt scheinbar plötzlich und fluchtartig verlassen, waren sie vor etwas geflohen…?
Etwas erleichtert, doch unschlüssig, setzte er sich auf. Was hatte er eigentlich erwartet? Er wusste es selbst nicht. Aber er war sicher: Dies war doch der Ort – der Platz der alten Welt, dort, wo das Zelt des Zauberers immer stand. Hatte er Tom falsch verstanden oder hatte der Schamane ihn in die Irre geführt?
Sein Blick wanderte zum zweiten, kleineren Zelt. Auch dort regte sich nichts. Vorsichtig verharrte er, horchte noch einmal, bevor er den Eingang ein Stück öffnete. Wieder Leere. Rasch schlüpfte er hinein und sah sich um. Außer einer alten, verschmutzten Decke, einigen hellen Krümeln und einem durchsichtigen, länglichen Rohr, in dem ein paar Wassertropfen glitzerten, war es leer. Zögernd hob Uglo die Decke an seine Nase und roch daran. Fassungslos ließ er den Stoff sinken – Toms Geruch, eindeutig. Er stolperte hinaus… er spürte sein Herz wieder bis zum Hals hinauf schlagen. Tom war hier gewesen!
Suchend schaute er sich um, war er wieder zu spät?
Die Muskeln schmerzten, die Augen brannten, sein Atem ging schwer. Langsam verblasste der Mond und wollte dem Morgen weichen. Uglo begann zu zittern, die Nacht, die letzte Nacht neigte sich dem Morgen zu.
Erschöpft und müde von der langen Suche der Nacht lehnte er sich gegen ein Bündel toter Stämme, das an der steinernen Felswand lehnte. Sein Blick wanderte ins Nichts… alles umsonst. Das Herz wurde ihm schwer. Er fühlte sich verloren in einer fremden Welt…
Traurig über sein Versagen rutschte er langsam an den Hölzern hinab, landete mit dem nackten Hintern auf dem kalten Boden. Er wehrte sich nicht mehr gegen den Ruf der Geister der Nacht, sie forderten ihr Recht. Er schlummerte ein…
Als plötzlich…
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