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Angel of Darkness

Tyr Dieanell - The last royal Beast

Chapter 8

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Callan saß in seinem Bett, noch immer vollständig bekleidet.

Sein Handy neben ihm vibrierte in regelmäßigen Abständen aufgrund der unzähligen Nachrichten, die er bekam. Alle von ein und demselben, doch nicht von dem Mann von dem er irgendwie gern ein Lebenszeichen wollte. Obwohl er ihn nie wieder zu sehen wünschte bekam er ihn einfach nicht aus dem Schädel.

Der geheimnisvolle Braunhaarige, namens Tyr, ließ ihn einfach nicht los. Tagelang hatte er nichts von ihm gehört oder gesehen und dann stand er auf einmal vor ihm. Aufgetaucht aus dem Nichts zu einem absolut schlechten Zeitpunkt. Dabei hatte sich Callan so sehr nach ihm verzehrt vor Sehnsucht. Er wollte ihm nahe sein, ihn besser kennenlernen und ihn verflucht auch mal endlich fühlen. Er war doch auch nur ein Mann und sein Fleisch so schwach. Lechzend nach den Berührungen, die ihm der Unbekannte versprechen konnte. Doch all das waren Illusionen gewesen und woher sollte er auch wissen, wann seine geheimsten Wünsche Realität würden. Genau deshalb war er ausgegangen, aber bestimmt nicht zum ersten Mal.

Nur dieses Mal war es anders. Diesmal ging er, weil er Tyr endlich aus seinen Gedanken drängen wollte und sei es nur für lächerliche fünf Minuten. Zum ersten Mal hatte er daher eine Alternative gesucht. Wenn der Grund für seine Gelüste eben nicht greifbar, gar auffindbar war, musste eben jemand anderer her und wo ging das besser als in der Szene.

Eine gutaussehende und vielversprechende Abwechslung ließ auch nicht lang auf sich warten und sie war wahrlich vielversprechend. Immerhin konnte man sich mit Rene sogar super unterhalten. Nichts war Callan lästiger als ein unpersönliche Toilettenfick mit irgendwelchen sturzbetrunkenen Typen. Natürlich nahm er was er kriegen konnte im Notfall, doch um Tyr wenigstens eine Nacht zu vergessen musste schon was Gutes her. Umso grausamer meinte es wohl der Zufall mit ihm, als auf dem Weg zurück – von Renes WG in ein Cafe zum Frühstücken – sie Tyr in die Arme fielen. Callan fühlte sich nicht nur ertappt, sondern sein schlechtes Gewissen regte sich auch sofort in ihm. Egal wie unsinnig das war, da sie objektiv gesehen nichts oder sagen wir noch nichts verband.

Trotzdem ging es ihm durch Mark und Bein als er dessen Eifersucht bemerkte. Allerdings artete das unheimlich aus und bald war nur noch der Ausdruck einer blutrünstigen Bestie vorhanden gewesen. Alles in ihm schrie voller Panik auf, während sein Herz vehement nach einer plausiblen Erklärung suchte. Doch sein Körper reagierte auf seine niedersten Instinkte und die hießen Rückzug und Flucht. So dass er nur Bruchstücke vom Rest mitbekam.

Schemenhaft kam ihm ein weiterer Mann in den Sinn, eine absolute Schönheit, sofern dieser Teil nicht reine Fantasie war. Dieser beruhigte ihn sogar und hielt Tyr zurück. Er wusste sogar instinktiv, dass er diesem Fremden verdankte irgendwie sicher nach Hause gekommen zu sein. Wobei er nicht wirklich zusammensetzten konnte, wie. Einerseits glaubte er wirklich, in einem Taxi gesessen zu haben. Aber er hatte keines bezahlt und seit wann gab es gratis Fahrten? Das konnte es also nicht gewesen sein.

Dazu kam, dass er auch jetzt noch nicht Herr seiner Sinne war. Was war wirklich passiert und was reimte sich sein verschreckter Kopf so zusammen? Das er Rene kennengelernt hatte und bei ihm in der WG mit diesem geschlafen hatte, war ziemlich real, denn daran erinnerte er sich zu genau. Praktischer wäre es daher schon, wenn auch das wie in Trance in seinem Geist umherirrte, dann könnte er immerhin behaupten nur geträumt zu haben. Aber diese Ausrede kaufte er sich nicht einmal selbst ab und irgendwie wollte er es auch gar nicht. Rene war nämlich wirklich ein lieber Kerl, auch wenn dieser ihm nicht bis tief unter die Haut ging.

Callan glaubte sogar Tyr tatsächlich über den Weg gelaufen zu sein auf unerklärliche Weise, denn die Erinnerungen dazu waren wirklich verdammt schwammig. Und könnten auch in die Kategorie Traum und Wahnvorstellung fallen. Doch irgendwas sagte ihm, dass auch das passiert war.

Allerdings war der ganze Rest irgendwie sehr, sehr weit weg, noch viel weiter im Nebel versteckt als schon das Zusammentreffen mit Tyr. Trotzdem fühlte er ziemlich klar eine tiefsitzende Abscheu gegenüber jenen Mannes. Es war ein schwer zu beschreibendes Gefühl, welches schon die Gedanken an ein Wiedersehen ihn scheuen und erzittern ließ. Und so genau wie er wusste, dass er mit Rene geschlafen hatte, so felsenfest war die Überzeugung in ihm gereift sich von dem geheimnisvollen Tyr fernzuhalten. Er wollte nie wieder irgendetwas mit ihm zu tun haben, ganz gleich wie sehr er sich nach dessen Berührungen sehnte und doch jede Sekunde mit ihm verbringen wollte.

Völlig irrational dieses Hin und Her in ihm. Aber das würde schon vorbei gehen. Irgendwann! Oder? Sicher war nur, dass irgendwas passiert sein muss, was ihn so dermaßen verschreckt hatte, dass Tyr als potentieller Gefährte verprellt war. Jedenfalls wenn er seinem Gespür in sich glauben schenken konnte. Wobei das Problem dabei war, dass es ihn sein ganzes Leben noch nie getrogen hatte. Wenn es ihn warnte, dann war es stets richtig gewesen. War es daher besser Tyr zu vergessen?

Nie würde er seine zwei wichtigsten Erlebnisse vergessen, als er seine inneren Alarmglocken ignoriert hatte. Nur mit viel Glück und einem fleißigen Schutzengel hatte er wohl überlebt. Beim ersten Mal tauchte aus unerklärlichen Gründen seine Mutter plötzlich auf und half ihm gegen seine Angreifer, die so ziemlich unmenschlich wirkten.

Beim zweiten Mal war er in Begleitung seines Vaters. Callan wollte unbedingt zu einem Fußballspiel gehen und seine Eltern waren dagegen. Da er jedoch beim rausschleichen ertappt wurde, entschieden seine Eltern sich, dass er nur in Begleitung gehen dürfe. Eigentlich war es ein wirklich toller Nachmittag gewesen, doch wenn er versuchte seine Erinnerung abzurufen, was danach auf dem Heimweg passierte, versagte sein Gedächtnis. Er wusste nur noch, dass sein Vater ihn wie ein Löwe beschützt hatte und doch verhielt sich sein Dad so, als ob diese Ereignisse nie vorgefallen waren..


Erst weit nach Mitternacht, kurz vor der nächsten Morgendämmerung, glitt Tyr zum letzten Mal aus dem Körper seines Freundes und hatte sich einfach auf ihn sinken lassen. Nur schwach spürte er das zärtliche Streicheln seines Rückens, das durchfahren seiner Haare und hörte das sich immer mehr entspannende Atmen von Milan unter sich. Sie beide waren pitschnass und bewegungsunfähig.

Katzen in ihrer Hitze waren nichts gegen das was sie miteinander wortwörtlich getrieben hatten. Ausgehungert wie Wölfe hatten sie keinerlei Rücksicht aufeinander genommen, bis dieses Feuer soweit gestillt wurde, dass sie sich wie zwei vernünftige Partner lieben konnten und zu Positionen wechselten, in denen sie sich zeitgleich beglücken konnten.

Tyr war absolut befriedigt, körperlich. Denn irgendwas fehlte ihm. Er konnte es im Augenblick nicht greifen dafür war er zu erschöpft und er wollte auch nicht unbedingt weiter darüber nachdenken. Das Ganze war irgendwie nicht richtig gewesen. Natürlich war er seiner Lust erlegen gewesen und es war nichts Schlechtes daran. Ein Dämon, der von so vielen Hormonen eingehüllt war, konnte gar nicht mehr rational handeln. Doch er hatte seinen Freund hinterhältig missbraucht. Er kannte nun plötzlich die Gefühle, dank Callan, die Milan ihm entgegenbrachte. Immer noch nach über fünfhundert Jahren waren sie nicht erloschen und doch hatte er die Chance genutzt ihn für seine Zwecke zu benutzen.

Es war nicht in Ordnung gewesen, ihm das anzutun. Aber was hätte er anderes tun können? Er wollte Callan endlich haben und doch auch wieder nicht. Dieser machte ihn schwach und konnte ihn bis ins unendliche quälen. Tyr hasste ihn und auch sich dafür, dass ein einfacher Mensch dazu fähig war. Es war alles soviel einfacher, als er nur das kaltherzige und unberechenbare Monster war. Kein liebeskranker Idiot, der seinen Kumpel ins Bett holte und ihn dann in seiner Fantasie umformte.

„Hast du etwa so etwas wie Gewissensbisse?“, fragte Milan ihn plötzlich unheimlich sanft und schreckte ihn damit auf. Entsetzt blickte er in unglaublich mitfühlende Augen und die Vergebung in Ihnen tat richtig weh.

Erschrocken sprang er daher auf, als ob er sich verbrannt hätte und hetzte wie ein eingesperrtes Wildtier von einer Ecke zur anderen. Was geschah hier nur mit ihm? Er war ein starker und machtvoller Dämon. Der Dämon! Und auf einmal benahm er sich wie ein lächerlicher Mensch. 'Hölle brenne mich nieder!“, fluchte er verzweifelt, bevor ihn jede weitere Kraft kopfschüttelnd in die Knie sinken ließ.

Milan zuckte wie geschlagen zusammen, zweimal. Das erste Mal, als ihn Tyrs entsetzter Ausdruck traf und er dazu noch aufsprang und nun, als er einfach wie ein kleines Kind in sich zusammensackte. 'Oh bei allen vier Mächtigen, was habe ich ihm nur angetan. Das wollte ich nicht.'

Er stieg, nein sprang, ebenso aus dem Bett, schwer koordinierend und nicht besonders standfest und ließ sich vor ihm ebenfalls niedersinken. Zunächst strich er sanft an dessen Schultern die Oberarme hinab und wieder hinauf. Bis er ihn langsam an seine Schulter bettete und ihm sanft übers Haar strich und sich mit ihm hin und her wiegte.

Es war unglaublich intim und zugleich unaussprechlich schmerzend. Der größte und furchterregendste Mann der gesamten Erde saß wie ein Häufchen Elend auf dem Boden und sah gebrochen aus.

Es konnte sich nur um einen Fluch handeln. Ein solch machtvolles Wesen in die Knie zu zwingen sprach nur für einen machtvollen Bann. Ein bösartiger Fluch. Wie konnten Menschen nur damit leben? Er selbst war diesem Fluch als Mensch glücklicherweise nicht erlegen und war froh darüber, wenn er sah, was er aus Tyr machte. Seine eigene Besessenheit für den Dämon war ja schon geradezu lächerlich naiv gewesen, wenn er diese Qualen miterlebte.

Natürlich hatte auch Milan mehr als einmal in Verzweiflung im Bett gesessen und nicht gewusst, was er tun sollte, doch er konnte sich nicht daran erinnern so extrem gelitten zu haben. Nicht einmal heute, als er die Gewissheit bekam, dass seine Gefühle nie an Tyr heranreichen würden. Obgleich er nun so was wie ein Freund mit Extras war, wie er den einen oder anderen Menschen über solche Verbindungen unterhalten hörte. Ging es über etwas Freundschaftliches nicht hinaus.

Warum aber quälte man Tyr so sehr? Er war kein schlechtes Wesen. Ja er war hart, aber durchaus gerecht. Seine Handlungen und Befehle wurden oft missverstanden, doch waren sie für ihrer aller Sicherheit notwendig. Und nun wurde er von irgendwas gestraft. Weil er möglicherweise einfach nur konsequent war?! Milan verstand es selbst nicht. Er verstand nichts von dem was passiert war. Nicht einmal, wieso der Sterbliche ihm eine Brandblase verpassen konnte. Dieser war doch nur ein Mensch?

„Tyr. Sag was weißt du alles von diesem Callan? Was hast du gesehen, was gelesen?“ Sanft nahm er dessen Gesicht in seine Hände und zog es zu sich. Er blickte in verlorene, schwarze Tiefen und um seine Brust zog sich ein enges, luftraubendes Band, was sich immer weiter zusammenzog. „Tyr bitte komm wieder zu dir. Was hat er dir nur angetan?“, hauchte Milan entsetzt und verteilte zaghafte Küsse auf Nase und Stirn bevor er unruhig flehte. „Bitte Großer, komm zurück. Hier zu uns. Wir brauchen dich doch. Tyyyr, bitte!“. Schreiend und hilflos schüttelte er ihn dann. „Und verflucht wir sind dämonisch, wir sollten keine Angst haben. Und ich hab verdammt nochmal welche um dich. Also komm schon wieder zu dir!“. Doch erst eine Ohrfeige half, dass aus dem Schwarz wieder ein schönes Dunkelbraun wurde.

„Nichts, Milan. Einfach nichts.“, hauchte Tyr beinahe stimmlos und brachte Fragezeichen in die Augen seines Freundes. Milan brauchte einige Minuten, um einen Zusammenhang herstellen zu können und schnappte dann aufgeregt nach Luft.

„Bitte? Wiederhole das für mich? Du konntest ihn nicht lesen? Das ist nicht dein Ernst. Das ist unmöglich. Wenn nicht du, wer...?"

„Sei bitte still.“, bat er ihn leise und begann zu erklären. „Ich verstehe es selber nicht. Doch ich konnte ihn nicht lesen. Ich hatte nicht einmal den Hauch einer Möglichkeit in seinen Geist einzudringen. Und auch sein Blut ließ mich nichts sehen. Es ist beinahe so, als ob sich seine Zellen stets ganz neu produzieren. Er besitzt entweder keinen Erinnerungsspeicher, was absolut unmöglich ist, oder ich habe keinen Zugriff.“

Fasziniert, wenn nicht weniger entsetzt ließ er sich die Worte auf der Zunge zergehen und in seinem Verstand nachhallen. Dass dieser Callan außergewöhnlich war, hatte auch er erlebt. Er konnte es noch immer auf seiner Hand spüren. Irgendwas in ihm war in der Lage einen Vampie so zu verletzten, dass dessen Heilungskräfte nicht anschlugen. Dank des Blutes, das er während der Vereinigungen mit Tyr geteilt hatte, war die Wunde auf dem Weg der Heilung. Dennoch würde es noch eine ganze Zeit dauern. Zwei Tage bestimmt und das bedeutete, dass dieser Mensch in der Lage war einem Dämon zu schaden.

Das war genau betrachtet nicht gut. Alles andere als gut und in den falschen Händen eine absolut tödliche Waffe. Sie sollten vielleicht schnell in Erfahrung bringen, was der Junge genau war und vor allem welchen Schwachpunkt dieser hatte. Die Vier Mächtigen behüte, war er womöglich nicht einmal so verletzlich wie ein Mensch.


Es klingelte und Callan erhob sich mühsam aus der Badewanne. Er hatte keinen Schlaf finden können und war in die Wanne geklettert, dort war er dann eingeschlummert, nachdem er Rene endlich geantwortet hatte. Vielleicht war er das an der Tür, jedenfalls fiel Callan niemand sonst ein, der bei ihm vorbei kommen sollte.

Doch er konnte sich nicht wirklich daran erinnern, ihm die Adresse genannt zu haben, denn irgendeinen Grund gab es, warum er nämlich mit zu ihm in die WG gegangen war. Obwohl er nicht sonderlich auf spitze Ohren stand, die man irgendwie unweigerlich in einer Sammelgemeinschaft hatte. Gerade dann, wenn die Mehrzahl aus pubertierenden Mädels bestand, die scheinbar nichts interessanter fanden, als zwei Typen beim ficken zu lauschen.

Egal, gleich würde er es ja wissen und tappte immer noch mit ordentlichen Wahrnehmungsschwierigkeiten, bedingt durch den Schlafmangel, durch seine Wohnung und öffnete die Tür ohne das Guckloch zur Rate zu ziehen. Im selben Atemzug bereute er jedoch seine Nachlässigkeit. Er sollte sich endlich angewöhnen – auch zum Eigenschutz – diesen kleinen Spion zu nutzen. Denn dann hätte er ziemlich sicher nicht geöffnet. Seine Gänsehaut sprach für sich. Nutzte aber nichts, da die Tür mit Leichtigkeit aufgedrückt wurde und seine Gäste sich ungefragt in die Wohnung drängten.

„Wir müssen reden und unbedingt einiges klären.“, war der erste Satz der fiel, doch komischerweise kam dieser nicht aus Tyrs Mund. Callans vermeintliche Illusion war keine, da vor ihm tatsächlich eine außergewöhnliche Schönheit stand. Unglaublich aber unheimlich anbetungswürdig, so dass er diesen Mann einfach nur anstarren konnte. Im wahrsten Sinne sprachlos, ließ er sich also rückwärts weiter ins Wohnzimmer manövrieren bis seine Knie aufgrund des Widerstands nachgaben und er auf seinen Hintern in die weichen Sofakissen fiel. Mit einem „Uff“ kam er nur allmählich wieder zur Besinnung und schluckte seinen kurz aufwallenden Zorn hinunter. Aufgrund des dreisten Einfalls.

Jedoch hatte er dadurch auch augenblicklich seine ganzen verschwommenen Erinnerungen zurück. Sein vibrierendes Etwas war nun irgendwie ein in Flammen hüpfender Ball und das machte ihm im übertragendem Sinne unerträgliche Bauchschmerzen. Denn sofort war ihm auch das gestrige Erlebnis sehr präsent im Körper, da sich dieselbe Hitze erneut durch seinen gesamten Körper zog und er die Bedrohung nun noch viel deutlicher wahr nahm. Wo kam das nur her? Vielleicht war das Gespräch gut und er würde auch ein paar Dinge erfahren. Vielleicht sogar über sich selbst.

Daraufhin entspannte Callan sich sofort und dieser flammende Ball, der bisher nur hüpfte, wandelte sich plötzlich in einen sanften Wirbelsturm. Wobei sanft und Wirbelsturm nicht zusammenpassten. Aber so war es. Der Sturm wirbelte sanft in seinem Körper. Zwar noch immer mit demselben gefährlichen Potential, aber noch ruhig. Obwohl diese Veränderung schon merkwürdig war. Wieso wurde dieses eigenartige Gefühl in ihm bedrohlicher, wenn er sich entspannte und ruhiger, wenn er angespannt blieb? Das machte doch mal absolut gar keinen Sinn.

„Okay.“, lenkte er sich selbst ab, bevor sein Unwohlsein noch greifbarer wurde. „Wir müssen also sprechen? Dann zuerst, wer bist du?“ Cal konzentrierte sich vollständig auf seine Gäste. Was blieb ihm auch anderes übrig? Er würde sowieso nicht wirklich was gegen Tyr ausrichten können, wenn der ihn nicht gehen lassen wollte. Das hatte er ja gestern hautnah erleben können. Zudem lichteten sich allmählich weitere Nebelschwaden, die ihm ungefragt Bilder von Treffen und Gesprächen mit Tyr übermittelten von denen er gar nicht wusste, dass sie stattfanden. Was geschah hier nur? Hier waren ganz sicher keine irdischen Kräfte am Werk, das war Callan langsam bereit zu glauben. Ganz gleich was er immer dachte zu wissen. Ihm fiel nur leider keine wissenschaftliche Erklärung für das Spektakel ein.

„Ich bin Milan“, antwortete dieser nüchtern, holte sich die Aufmerksamkeit des Wohnungsinhabers zurück und setzte selbst zum Verhör an. „Und nun zu uns. Was bist du?“

Callan zuckte kurz zusammen, bedingt durch die nun deutlich heiß aufwallende Vibration in ihm und irgendwie war diese ihm viel vertrauter, als ihm bewusst war. Er konnte sich zwar nicht erinnern, dass er das schon einmal gefühlt hatte. Doch im selben Moment wie er sich darauf konzentrieren wollte, verschwand sie und ließ diesen kleinen Wirbelsturm zurück. Zeit sich also wieder dem Gespräch zu widmen. Callan lüftete daher kurz eine Augenbraue und sah dann diesen Milan eindringlicher an. Die Frage war merkwürdig. Nicht wer, sondern was er war? Ein Mensch, war doch wohl offensichtlich oder nicht?! Die Frage könnte er eigentlich auch gleich wieder zurückgeben, wobei der wahrscheinlich auch ein Vampir war. 'Vampie' wurde er von sich selbst berichtigt ohne das näher zu beachten. „Ehm.“, räusperte sich Cal etwas unsicher. „Sie wollten sicher wissen, wer und nicht was ich bin. Oder?“, fragte er vorsorglich, bevor er weiter darüber nachdenken wollte, ob die Möglichkeit vorhanden war, dass er doch nicht so viel Mensch war, wie bislang angenommen.

„Ich weiß wer du bist, besser gesagt wie du heißt.“, erwidere Milan kühl und abweisend. „Doch was du genau bist weiß ich nicht. Angeblich ein Mensch, doch wenn du mich fragst....“

„Angeblich!“, schnaufte Cal, unterbrach Milan, fügte in Gedanken dazu 'Das schlägt ja dem Fass den Boden aus' und sprang sogleich auf. „Hör mal, was soll denn der Schwachsinn. Ich bin ein Mensch.“

„Ganz sicher.“, spottete Milan „Und ich bin Donald Duck.“ Callan ging sofort zwei Schritte auf ihn zu und polterte laut los.

„Was zum Henker fällt dir ein.“ Aus irgendeinem nicht kennenden Grund hatte er den Typen gefressen. „Ich bin zu hundertprozent ein Mensch und nicht solche Freaks wie ihr. Klar.“

„Schluss jetzt ihr zwei!“, erhob Tyr die Stimme und Cal sah ihn stumm an. Setzte sich dann aber ohne einen weiteren Ton, ließ es sich aber nicht nehmen diesen Milan kurz böse an zu funkeln.

„Callan. Ich kann verstehen, dass das eine komische Frage ist. Aber ich bitte dich gründlich nachzudenken.“, gab Tyr mit einer so sanften Stimme wieder, dass sein Herz augenblicklich höher schlug und er fast davon schwamm auf den anschwellenden Gefühlen für diesen mysteriösen Mann. Doch ein kurzer, abfälliger Laut von dem Anderen ließ ihn wieder zur Vernunft kommen und fast schon zu hart antworten.

„Da gibt es nichts nach zu denken. Wie kommt ihr nur auf solch einen idiotischen Gedanken?“

„Das ist doch ganz einfach.“, mischte sich Milan ein, zog seinen Handschuh aus, während er Callans Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte mit diesen Worten. Der zischte ausweichend auf, als er diese ekelhafte Wunde sah und zog seinen Körper automatisch zurück.

'Verdammt sieht das schmerzhaft aus.' fuhr es in seinen Kopf, doch erklären tat dies überhaupt nichts. „Und was soll das bitte bedeuten?“, blickte er erwartungsvoll zu Milan.

„Das hast du mir gestern verpasst.“, kam die ganz nüchterne Antwort. “Als ich in deine Gedanken eindringen wollte um den gestrigen Vorfall zu löschen.“ Callan sah mit zusammengekniffenen Augen nun abwechselnd zu Tyr, Milan und wieder zurück. Sich innerlich durchaus fragend wer von Beiden der Durchgeknalltere war. Hatte er sich Tatsache in einen Typen verguckt, der einen am Lattenzaun hatte? Vielleicht sollte er doch zusehen, wie er die wieder los wurde. Und das am Besten bevor sie ihn mit deren Wahnsinn anstecken konnten und er die Gummizelle neben seinem Onkel bekam.

„Du glaubst mir nicht. Richtig?“

„Nein, alles easy Kumpel.“, konterte Cal voller triefender Ironie. „Ich glaub dir alles was du sagst. Wirklich. Musst dir keine Sorgen machen. Also kein Grund später durchzudrehen und Amok zu laufen. Okay. Einfach ganz geschmeidig bleiben, dann wird alles wieder gut.“

Milan dreht sich nun zu Tyr ohne ihn weiter zu beachten. „Er glaubt mir nicht, wie ichs dir gesagt habe.“

„Ja ich sehe es. Ich bin nicht blind. Woher sollte ich seine Reaktion kennen. Ich dachte es wäre die einfachste Möglichkeit. Immerhin muss er doch wissen, wie er dich verletzt hat oder nicht?“

„Nicht zwangsläufig. Es gibt ja auch Vampies die nicht wissen was sie sind.“

„Ja, schon. Aber er ist kein Vampie.“, betonte Tyr das Wort und zeigte auf Callan ohne ihn dabei anzusehen. Der wiederum fühlte sich mittlerweile im völlig verkehrten Film. Hier saßen zwei Typen und unterhielten sich über ihn, als ob er taub oder sogar nicht erst anwesend wäre.

„Das habe ich auch schon gemerkt, doch was ist er dann? Das ist doch die Preisfrage. Ein Mensch auf keinen Fall, vielleicht eine menschliche Hülle, doch du willst mir nicht ernsthaft einreden, dass ein einfacher Sterblicher uns oder mich so verletzten kann und ich erst das Blut eines Reinblütigen brauche, um die Heilung zu aktivieren.“

„Vielleicht brauchtest du einfach nur so Blut.“, mutmaßte Tyr. „ So viele Reinblütler gibt es nämlich gar nicht.“

„Klar, davon hatte ich ja auch so wenig gestern gehabt oder? Es hätte mir schon aus den Ohren quellen müssen, soviel hatte ich intus. Normales Blut reichte nicht, da bin ich verdammt sicher.“

„Gut vielleicht kein rein menschliches Blut, aber auch kein reinblütig Dämonisches. Das wäre nämlich...“

„Hallooo?“, wedelte Cal mit seiner Hand, „Ich bin zufälligerweise auch noch da und ich kann euch gut hören.“

„...tödlich!“, beendete Milan den Satz und beide sahen zurück zur Couch auf dem ein junger Mann mit großen Augen und einem komisch falschen Lachen ohne Lachen saß.

„Entschuldige“, antwortete Tyr sofort und sah ihn liebevoll an, so dass Cals Herz wieder höher schlug.

„Schon gut.“, winkte dieser mit einer leichten Röte im Gesicht ab. Tyr hatte nach wie vor verheerende Auswirkungen auf seinen Körper. „Vielleicht möchtet ihr eure Unterhaltung lieber außerhalb meiner Wohnung weiterführen, käme mir sehr gelegen. Denn ich will eigentlich noch weg. 'Hoffentlich fallen sie auf diesen Trick rein' dachte er sogleich.

„Wo willst du denn um die Uhrzeit noch hin.“, sprang Tyr sofort alarmiert auf die Finte an und sah schon wieder diesen komischen Jungen von heute Früh neben Callan mit unzähligen Fantasien, die ihm gar nicht zusagten. In ihm rüttelte bereits sein Tier an den Ketten.

„Das geht dich wohl kaum was an. Wir sind kein Paar.“

„Du willst nicht etwa zu dem Typ von gestern oder doch?“, knurrte Tyr nun eifersüchtig, da ihm die Antwort von Callan absolut nicht zusagte. Natürlich waren Sie kein Paar, aber dennoch gehörten sie zusammen, wie ein Naturgesetz.

„Und selbst wenn! Es geht dich absolut nichts an. Ich bin...“

Weiter kam er nicht, denn Tyr sprang sogleich auf, presste ihn in den Sessel und antwortete grollend: „Und ob mich das was angeht. Du bist mein. MEIN ALLEIN!!!“

Cal keuchte auf und Angst stieg wieder in ihm auf. Schon wieder sah er in diese Augen. Sogar sein Vibrieren spürte er nun wieder deutlicher, zuvor hatte er es glatt vergessen, doch es reagierte komischerweise nicht auf Tyr, sondern auf Milan. Der sich zu ihm gebeugt hatte und ihm eigentlich zur Hilfe kam und Tyr von ihm wegzog. Das war irgendwie fast noch gruseliger.

„Beruhige dich wieder Tyr.“, sprach dessen Kumpel sanftmütig wie mit einem wilden Tier. „Natürlich gehört er zu dir, doch lass ihm Zeit das auch selbst zu erkennen. Es bringt dir nichts irgendetwas zu erzwingen.“

„Von wegen ich gehöre ihm. Habt ihr einen an der Klatsche? Ich gehöre niemanden.“, regte sich Cal auf, der den Inhalt einfach nur vollkommen falsch verstehen konnte. Woher sollte er es auch besser wissen. „Und verdammt nimm deine widerliche Hand vor meinem Gesicht weg, die sieht einfach nur eklig aus.“

„Und ob du mir gehörst.“ fauchte nun Tyr, der sich zum einen nicht beruhigen lassen wollte und sich zum anderen nur mühsam zurückhalten konnte Callan nicht Vernunft in seinen Schädel ein zu schütteln.

Milan selbst ließ Tyr los und sah kurz auf seine eigene Hand bevor er konterte: „Ja. Da gebe ich dir Recht. Sieht ekelhaft aus. Aber das hier.“, dabei führt Milan seine Hand nochmal näher und Cal wich erneut zurück. „Verdanke ich dir. Und zwar nur dir!“

„Das ist unmöglich.“, erwiderte Callan und sofort war ihm so, als ob er genau wusste, dass er es war und biss sich kurz auf die Lippen. Verstehen tat er es zwar nicht, aber trotzig hob er nach. „Selbst wenn! Du bist doch auch so ein komischer Freak, wie der, den er da“ dabei zeigte er auf Tyr. „geköpft hat. Also müsste das doch sicher heilen.“

„Geköpft?“, wendete sich Milan sofort überrascht an Tyr. Das war ja eine ganz neue Wende. Wen hatte Tyr den enthauptet? Davon hatte er ihm gar nichts erzählt, dabei hatten sie gestern doch genug Zeit gehabt und auch über vieles gesprochen. Aber ein geköpfter Vampie kam beim besten Willen nicht vor.

„Erzähl ich dir ein anderes Mal.“, überging Tyr den Einwand und war froh, dass Milan das scheinbar akzeptierte. Da er die Schultern kurz anhob und sich wieder Callan zu drehte. „Nun wieder zu dir. Ich bin kein Freak. Ich bin immer noch zum größten Teil menschlich.“

Tyr war einfach nur froh jetzt nicht auch noch den Fall mit in dem ganzen Durcheinander mit hinein bringen zu müssen. Beide Geschichten getrennt betrachtet waren schon chaotisch genug, doch zusammen wollte er sich das Desaster gar nicht vorstellen. Callan jedoch war nicht so einfach mundtod zu stellen. „Dennoch bist du so was wie ein Untoter oder nen Blutsauger. Richtig?“

„Ein Vampie.“, antwortete Milan wahrheitsgemäß. „Ein menschlicher Halbdämon, der seine Sterblichkeit mit Hilfe von Blut hinauszögern kann.“, klugscheißerte er weiter mit der offiziellen Rassenbezeichnung, die Vampies klassifizierten.

„Na also doch Blutsauger.“, pampte Callan zurück. „Müsste es dann nicht heilen, wie in jedem dieser bescheuerten Filme?“

„Ja eigentlich müsste es, doch es tut es aus irgendeinem Grund nicht. Und das hat es noch nie. Uns ist auch nicht geläufig, dass das möglich ist und das liegt an dir.“ Milan wurde nun allmählich ungeduldig mit diesem Jungen und fuhr daher langsam aus der Haut. „Deshalb entschuldige, wenn ich deshalb wissen will, was du zur Ausgeburt der Hölle verdammt nochmal bist. Klar?“

Tyr griff augenblicklich in die Schulter seines Freundes um ihn wieder auf den Teppich zu holen. Er konnte ihn zwar verstehen, aber aufregen brachte sie nicht weiter. Daher versuchter er ihn auch zu beruhigen in dem er so sanft wie möglich auf ihn einging. „Beruhige dich Milan. Er hat das ganze nicht mit Absicht gemacht. Er war gestern genauso aufgewühlt wie ich.“

„Super, dass du natürlich auf seiner Seite stehst.“, schmollte Milan nun und setzte sich. „Ohne dein Blut...“

„Das wissen wir noch gar nicht wirklich.“, unterbrach Tyr ihn. Da er wirklich nicht glaubte, dass nur sein oder ausgerechnet sein Blut für die Wundheilung sorgte.

„...würde das hier nicht langsam heilen,“ ließ sich Milan nicht beirren und sprach weiter, „sondern sich wie eine Seuche ausbreiten. Während wir uns in den Laken gewälzt haben, hatte sich das nämlich schon bis zum Handgelenk ausgebreitet.

„Das ist interessant.“ meldete sich nun Callan, der nur eines aus dem Ganzen heraushörte. „Du und er habt miteinander geschlafen und du hast allen Ernstes ein Problem damit, wenn ich was mit Rene...“

„Ja verdammt!“, zischte Tyr sofort, so dass Callan bedingt durch dessen emotionalen Ausbruch kurz zusammenzuckte. „Weil du schon hattest. Und fang nicht an es zu leugnen. Jede Pore von ihm roch nach dir und ich rate dir, beginne nicht mir irgendwelche Lügen aufzutischen wie der Geruch von Sex sonst auf euch beide gekommen war.“

„Ach so ist das.“, begann der Blonde kurzerhand das Gesagte zusammenzufassen. „Dann war das also so eine Art Revanche oder wie?“

„Quatsch, wieso sollte ich so etwas primitives tun wollen?“, wehrte sich Tyr ab und brauste noch stärker auf, als er verstand, dass er sich versuchte zu erklären. „Und verflucht wieso soll ich mich rechtfertigen? Du gehörst mir, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

„Oh! Ich gehöre dir.“ echote Callan zurück. „Das sehe ich aber anders Mister was auch immer. Ganz anders. Mir doch egal ob du ein hochrangiger Dämon bist und sonst machen kannst was du willst.“, begehrte Callan auf „Mit mir jedenfalls nicht.“, und tippte ihm mit dem Zeigefinger auf die Brust, dabei sah er ihn herausfordernd an.

Milan musste sich ein Grinsen verkneifen. Der kleine Mensch gefiel ihm durchaus. Es war echt amüsant die Beiden miteinander zu erleben und noch dazu, dass tatsächlich ein kleiner Sterblicher so mit Tyr sprach. Es war einfach herrlich. Doch Moment, woher wusste der von dessen Rang. Fragend sah er zu Tyr und blickte direkt in seine Augen. Der sah nicht minder überrascht aus und so konnte Milan seine brennende Frage auf der Zunge nicht zurückhalten.

„Woher weißt du, dass er ein hochrangiger Dämon ist.“

„Genau das habe ich dir nie gesagt.“, schlug nun auch Tyr ins Fahrwasser ein.

„Dämon? Seit ihr bescheuert. So etwas gibt es doch gar nicht. Warum sollte ich sowas also sagen?“, echauffierte sich nun Callan, der langsam echt davon überzeugt war, dass die beiden bekloppt waren.

Tyr und Milan sahen sich daraufhin wieder an, erhoben sich sogar, traten zwei Schritte zurück und musterten ihn von oben bis unten. Dann sah Milan nochmal zu Tyr und setzte sich gleichzeitig mit ihm wieder hin, bevor eine neue Diskussion vom Zaun brach.

„Okay, das ist wirklich interessant. Als ob er zwei verschiedene Persönlichkeiten hätte und die ohne Anzeichen einfach wechseln würden. Ist das vielleicht unterbewusst?“

„Warum fragst du mich das? Ich bin genauso überrascht. Erst spricht er so selbstverständlich von Dingen, die er unmöglich wissen kann und dann ist er plötzlich wieder so unbedarft.“

„Jedenfalls wäre damit geklärt, dass er definitiv nicht nur einfach ein Mensch ist, oder?“

„Sagen wir so...“ begann Tyr in einem hoffnungsvollen Ton. „...wenn diese Brandwunde wirklich von ihm ist, dann weiß jedenfalls der Callan den ich kenne nichts davon.“

„Komplizierte Sache.“

„Wem sagst du das?“, seufzte Tyr.

„Wie kriegen wir das nun am Besten raus?“, wollte Milan nun wissen. „Schließlich gibt es kein Wesen-was-bist-du-enttarne-dich-Zauber.“

„Haaallllooo.“, verschaffte sich ein wutschäumender Callan die Aufmerksamkeit seiner zwei Gäste. „Erde an zwei Vollidioten, ich bin im selben Raum wie ihr. Und ich habe garantiert keine gespaltene Persönlichkeit. Hört auf über solch einen Mist zu sprechen.“ Ihm war das eindeutig zu bunt. Er kam sich vor wie in einer Realityshow für geistesgestörte Psychos.

„Aber wenn du Dinge sagst, von denen du nicht einmal weißt, dass du sie sagst., dann...“ setzte Milan an und wurde harsch unterbrochen. „Quatsch mit Soße. Natürlich weiß ich was ich sage. Aber Dämonen gibt es nun mal nicht. Fertig!“

Doch innerlich war es wie vorhin, dass Callan sehr genau wusste, dass es Dämonen doch gab. Warum also zweifelte er daran, wenn seine Gedanken so überzeugt davon waren. Das war schon merkwürdig. Genauso wie dieses warme Vibrieren in seinem Bauch. Es kam ihm bekannt und vertraut vor. Er wusste auch sofort dass es eine nicht menschliche Kraft war und doch war er sich bis jetzt absolut sicher gewesen ein hundertprozentiger Mensch zu sein.

Schlummerte tatsächlich eine zweite Persönlichkeit, gar Präsenz in ihm und er wusste es nur nicht. Wusste man das eigentlich überhaupt, wenn man mehr als eine Person war? Das könnte auch seine komischen Aussetzer in den letzten Wochen erklären, bevor er Tyr zum ersten Mal wirklich in seiner Wohnung gesehen hatte. Wobei er ihm ja gestanden hatte, dass er daran schuld war. War er es aber auch wirklich. Konnte er ihm und seinem eigenen Geisteszustand überhaupt noch glauben schenken? Oder würde er nach und nach verlieren und ersetzt werden? Irgendwie hatte er Angst und begann leicht zu zittern. Er wollte nicht verschwinden. Er war doch Callan. Oder nicht?

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