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Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7

Teil 29

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Drei Tage später – Quartier der Enterprise

Elbrun lag auf der Couch im Wohnbereich ihres Quartiers, den Oberkörper leicht aufgerichtet, ein Kissen im Rücken, eine Decke lag über den Beinen und den Bauch. Er sah noch etwas blass aus, die Bewegungen waren langsamer als sonst, aber er war eindeutig auf dem Weg der Besserung. Die Gehirnerschütterung und der hohe Blutverlust hatten ihn länger ans Bett gefesselt als ihm lieb war. Nach einer weiteren Nacht zur Beobachtung auf der Krankenstation hatte man ihn endlich nach Hause entlassen.

Aljoscha kümmerte sich mit einer fast schon rührenden Fürsorge um ihn. Er brachte gerade ein Tablett mit leichtem Essen und einem großen Glas Saft. „Hier, du musst etwas essen“, sagte er sanft und setzte sich auf die Kante der Couch. „Suvak hat gesagt, du brauchst viel Flüssigkeit und Eiweiß, damit dein Körper sich richtig regeneriert.“

Elbrun lächelte müde, aber dankbar. Er nahm das Glas entgegen und trank einen Schluck. „Du verwöhnst mich“, murmelte er. „Ich komme mir schon fast wie ein Invalide vor.“

Aljoscha strich ihm liebevoll eine Haarsträhne aus der Stirn und schaute ihn mit einer Mischung aus Sorge und tiefer Zuneigung an. „Du wärst fast verblutet, Elbrun. Da darfst dich ruhig ein paar Tage verwöhnen lassen. Ich hab dich fast verloren…, lass mich das jetzt einfach machen.“

Elbrun stellte das Glas beiseite und griff nach Aljoschas Hand. Er drückte sie leicht und zog ihn näher zu sich. „Es tut mir leid, dass du das durchmachen musstest“, sagte er leise. „Ich weiß, wie sehr dich das mitgenommen hat.“

Aljoscha schüttelte den Kopf und kuschelte sich vorsichtig an Elbruns Seite, den Kopf auf dessen Brust gelegt. „Ich bin einfach nur froh, dass du hier bist. Dass du atmest. Dass ich dich anfassen kann.“ Er schloss kurz die Augen. „Die ersten Stunden danach. Ich hatte solche Angst und dachte wirklich, ich verliere dich.“

Elbrun strich ihm zärtlich durch die Haare und küsste ihn auf den Scheitel. „Ich bin noch da. Und ich habe nicht vor, irgendwohin zu gehen.“ Er machte eine kleine Pause und fügte mit einem schwachen Grinsen hinzu: „Auch wenn mein persönlicher Krankenpfleger mich gerade wie ein rohes Ei behandelt.“

Aljoscha lachte leise und drückte sich enger an ihn. „Du bist mein rohes Ei. Und ich werde dich so lange verhätscheln, bis du wieder der nervige, selbstbewusste Admiral bist, der mich in Saunen und Duschen in Verlegenheit bringt.“

Elbrun lachte leise, zuckte aber leicht zusammen, weil seine Rippen noch schmerzten. „Deal“, flüsterte er und hielt Aljoscha fest. Die beiden blieben lange so liegen, eng aneinander gekuschelt, in stiller Dankbarkeit, dass sie einander hatten. Aljoscha streichelte sanft mit den Fingerspitzen über Elbruns Brust und Bauch, genoss die Wärme seiner Haut und das ruhige Heben und Senken seines Atems. Seine Hand glitt tiefer, über die Hüfte, und plötzlich hielt er inne.

Er hob den Kopf und schaute Elbrun überrascht an. „Warum bist du nackt?“ Elbrun lachte leise, ein tiefes, amüsiertes Lachen, das in seiner Brust vibrierte. „Warum nicht?“, antwortete er mit einem frechen Grinsen.

Aljoscha blinzelte. Es war ihm vorher gar nicht so bewusst aufgefallen. Elbrun war oberkörperfrei gewesen, das war klar. Die Verletzungen mussten atmen. Auch Socken hatte er keine an. Aber dass er gar nichts unter der Decke trug, merkte er erst jetzt, als seine Hand tiefer geglitten war. Das brachte ihn leicht aus dem Konzept. „Du… du liegst hier komplett nackt unter der Decke?“, fragte er mit einem verlegenen Lächeln, während seine Wangen sich leicht röteten.

Elbrun grinste breiter und zog ihn wieder enger an sich. „Die Ärzte haben gesagt, ich soll es bequem haben. Und nichts ist bequemer als nichts. Außerdem…“, er strich Aljoscha mit dem Daumen über die Unterlippe, „…gefällt es mir, wenn du mich so ansiehst.“

Aljoscha lachte leise und schüttelte den Kopf, aber er konnte nicht verbergen, dass ihm der Anblick gefiel. Seine Hand blieb auf Elbruns nackter Hüfte liegen, die Finger strichen sanft über die warme Haut. „Du bist unmöglich“, murmelte er, aber seine Stimme war warm und liebevoll.

Elbrun zog ihn höher und küsste ihn langsam. „Und du liebst es“, flüsterte er gegen seine Lippen.

Aljoscha lächelte in den Kuss hinein und streichelte weiter zärtlich über Elbruns nackten Körper, genoss die Nähe und die Vertrautheit. „Du…“, begann Aljoscha vorsichtig, während seine Finger sanft über Elbruns nackte Hüfte strichen. „Magst du mir vielleicht erzählen, was passiert war?“ Seine Stimme war leise und behutsam, als hätte er Angst, eine frische Wunde zu berühren. Aljoscha blieb eng an Elbrun gekuschelt, den Kopf auf dessen Brust, und hörte aufmerksam zu.

Elbrun atmete tief durch, bevor er leise begann. Seine Stimme war ruhig, aber man hörte die Anspannung darin: „Es ging alles so schnell… Ich war auf dem Rückweg zur Luftschleuse. Hatte gerade den kleinen Anhänger für dich gekauft. Plötzlich kamen zwei Männer aus einem Seitengang. Einer hat mir sofort eine Injektion in den Hals gerammt. Es brannte wie Feuer. Innerhalb von Sekunden wurde mir schwindelig, meine Beine wurden schwer. Ich habe noch versucht, mich zu wehren und habe einem von ihnen den Ellbogen ins Gesicht gerammt. Doch dann war da schon der zweite Schlag gegen meinen Kopf.“ Er machte eine kurze Pause, seine Hand strich weiter über Aljoschas Rücken.

„Ich bin in einem engen Wartungstunnel wieder zu mir gekommen. Meine Hände waren über dem Kopf an einer Stahlstange festgebunden, die Füße zusammengebunden. Ich konnte kaum stehen. Dann haben sie angefangen zu fragen. Immer wieder dieselben Dinge: Was ich im Spiegeluniversum gesehen habe. Welche Informationen ich mitgebracht habe. Ob ich Kontakt zu jemandem hatte. Sie waren panisch. Hektisch. Keine Profis. Das hat mir Hoffnung gegeben.“

Elbrun schluckte, seine Stimme wurde etwas rauer. „Als ich nichts gesagt habe, wurden sie wütend. Der Jüngere hat zuerst zugestochen. Immer wieder. Kurze, schnelle Stiche in die Seiten, in die Schultern, in die Brust. Es hat höllisch gebrannt. Jeder Stich fühlte sich an, als würde Feuer durch meinen Körper schießen. Ich habe versucht, nicht zu schreien, aber irgendwann…, irgendwann konnte ich es nicht mehr zurückhalten.“

Aljoscha drückte sich enger an ihn, seine Hand lag schützend auf Elbruns Brust.

„Ich hatte Angst“, gab Elbrun leise zu. „Nicht nur um mein Leben. Sondern darum, dass ich dich nie wiedersehen würde. Dass ich dich allein zurücklasse. Dieser Gedanke hat mehr wehgetan als die Messer.“ Er küsste Aljoscha auf den Scheitel und fuhr fort: „Dann haben sie angefangen zu streiten. Der Jüngere wollte mich töten. Der Ältere war unsicher. In diesem Moment habe ich die rostige Verankerung der Stange bemerkt. Ich habe all meine Kraft zusammengenommen und mich mit vollem Gewicht dagegen geworfen. Die Stange ist gebrochen. Ich bin auf sie draufgefallen. Danach… war es ein Kampf. Ich habe dem Jüngeren das Knie zertrümmert. Dem anderen habe ich das Messer abgenommen und ihn bewusstlos geschlagen. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich es geschafft habe. Alles war voller Blut. Mein Blut.“

Elbrun machte eine längere Pause. Seine Stimme wurde leiser, fast zerbrechlich: „Als ich im Turbolift stand und ‚Promenade‘ gesagt habe…, da dachte ich wirklich, ich schaffe es nicht mehr. Meine Sicht wurde immer schummriger. Ich hatte solche Schmerzen…, und die ganze Zeit habe ich nur an dich gedacht. Dass ich dich noch einmal sehen muss. Dass ich dir sagen muss, dass ich dich liebe.“

Aljoscha hatte Tränen in den Augen. Er drückte Elbrun fester an sich und küsste seine Brust. „Ich bin so froh, dass du es geschafft hast“, flüsterte er mit erstickter Stimme. „Ich hatte solche Angst…, ich dachte wirklich, ich sehe dich nie wieder.“

Elbrun hielt ihn fest und strich ihm beruhigend über den Rücken. „Ich bin hier. Und ich gehe nicht weg. Versprochen.“

„Wie geht es dir jetzt?“, fragte Aljoscha leise und strich ihm sanft über die Brust. „Ich meine nicht körperlich, sondern psychisch. Du musstest in letzter Zeit so viel durchmachen.“

Elbrun schwieg einen Moment, schaute an die Decke und atmete tief durch. „Mir geht es gut. Wirklich“, antwortete er schließlich. „Sie haben mich nur körperlich verletzt. Ich habe schon weitaus Schlimmeres durchgemacht und gesehen. Die Gefangenschaft bei den Devore…, meine Begegnungen mit dem terranischen Elbrun…, die Reise ins Spiegeluniversum. Das war mental viel belastender. Als Telepath habe ich damals die Emotionen der anderen aufgenommen. Die Angst der Mitgefangenen, die mentalen Bilder, die mir der terranische Elbrun unkontrolliert gesendet hat, die pure Furcht in den Augen der Terraner, als sie dachten, ich sei ihr Elbrun.“

Er machte eine kurze Pause, seine Stimme wurde etwas leiser. „Diesmal war es… persönlicher. Nur die Entführer und ich. Das war körperlich schlimmer, aber mental geht es mir gut. Zumindest jetzt. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Aber ich sage dir gleich: Ich werde darüber auch mit Counselor Miwal sprechen. Vorsorglich.“

Aljoscha nickte langsam. „Ja, ich glaube, ich verstehe es.“

Elbrun drehte den Kopf zu ihm und schaute Aljoscha direkt in die Augen. Seine Stimme wurde sanfter, fast zärtlich. „Aber wie geht es dir? Du musstest genauso viel mitmachen. Du hattest immer die Sorge um mich. Kommst du klar?“ Er pausierte kurz, bevor er weitersprach: „Ich könnte natürlich deine Gedanken lesen. Oberflächlich nehme ich zumindest wahr, dass bei dir auch alles in Ordnung ist…, aber vielleicht hast du im Laufe der Jahre auch gelernt, dieses Oberflächliche unbewusst zu manipulieren.“

Aljoscha schwieg einen Moment. Er senkte den Blick und spielte gedankenverloren mit Elbruns Fingern, als müsste er die Worte erst sammeln. „Ich…, ich weiß nicht genau“, gab er schließlich leise zu. Seine Stimme klang brüchig. „Körperlich geht es mir gut. Aber psychisch… Es war die Hölle, Elbrun. Die Stunden, in denen ich nicht wusste, wo du bist, ob du noch lebst, das hat mich fast kaputt gemacht.“ Er atmete tief durch, seine Stimme zitterte leicht. „Als Nechayev mir gesagt hat, dass sie Blut gefunden haben, da bin ich innerlich zusammengebrochen. Ich habe mir die schlimmsten Dinge ausgemalt. Dass sie dich foltern. Dass sie dich umbringen. Dass ich dich nie wiedersehe. Ich habe mich so hilflos gefühlt. So nutzlos.“

Aljoscha schaute wieder auf, seine Augen schimmerten feucht im gedämpften Licht der Kabine. „Ich habe Wut. So viel Wut auf die, die dir das angetan haben. Aber auch auf mich selbst. Weil ich nicht bei dir war. “ Er machte eine kurze Pause, seine Finger krallten sich fester in Elbruns Hand. „Und dann…, als du aus dem Turbolift gekommen bist, blutüberströmt und zusammengebrochen…, da dachte ich wirklich, mein Herz bleibt stehen. Ich habe noch nie solche Angst gehabt.“ Aljoscha lächelte schwach, doch das Lächeln erreichte seine Augen nicht. „Ich versuche, stark zu sein. Für dich. Aber innerlich…. da fühlt es sich an, als würde ich noch immer auf den nächsten Schlag warten. Als könnte jeden Moment wieder etwas passieren.“ Er kuschelte sich enger an Elbrun, fast schon verzweifelt, und flüsterte gegen seine Halsbeuge: „Ich liebe dich so sehr. Und genau das macht mir Angst. Weil ich nicht weiß, wie ich weitermachen soll, wenn dir etwas passiert.“

Elbrun antwortete nicht sofort. Stattdessen zog er Aljoscha mit beiden Armen fest an sich, bis ihre Körper vollständig aneinander lagen. Er schlang ein Bein um Aljoschas Hüfte, als wollte er ihn nie wieder loslassen, und vergrub sein Gesicht in dessen Halsbeuge. Seine Hand glitt langsam, fast ehrfürchtig, über Aljoschas Rücken, spürte jeden Wirbel, jede Anspannung in den Muskeln.

„Hey…“, flüsterte er dicht an Aljoschas Ohr, die Stimme tief und rau vor Emotion. „Hör mir zu. Richtig zu.“ Er küsste ihn sanft auf die Schläfe, dann auf die Wange, schließlich auf den Mundwinkel, langsame, zärtliche Küsse, die Trost spenden sollten. Seine Finger strichen durch Aljoschas Haare, massierten leicht die Kopfhaut. „Ich spüre deine Angst. Ich spüre sie so deutlich, dass es fast wehtut. Und ich liebe dich dafür, dass du sie mir zeigst. Dass du nicht versuchst, sie vor mir zu verstecken.“ Elbrun drückte ihn noch enger an sich, Brust an Brust, sodass ihre Herzen fast im gleichen Takt schlugen. Seine Hand wanderte tiefer, legte sich warm und beruhigend auf Aljoschas Kreuz, während er mit den Lippen über dessen Hals strich. „Du darfst Angst haben. Du darfst zusammenbrechen. Du darfst wütend sein. Bei mir musst du nicht stark sein, Aljoscha. Nicht auf diesem Sofa. Nicht wenn wir allein sind.“ Seine Stimme wurde noch leiser, fast nur noch ein Hauchen. „Ich bin hier. Ich atme. Ich halte dich. Und ich werde nicht zulassen, dass uns so etwas noch einmal so nah kommt.“

Er drehte sich leicht, sodass Aljoscha halb auf ihm lag, und zog die Decke höher über ihre verschlungenen Körper. Eine Hand ruhte auf Aljoschas Hinterkopf, die andere strich in langsamen, kreisenden Bewegungen über seinen Rücken. „Du bist mein Anker. Du bist der starke, wunderschöne Mann, den ich so sehr liebe. Und wenn du jetzt Angst hast, dann halte ich dich so lange, bis diese Angst kleiner wird.“ Elbrun küsste ihn diesmal richtig. Tief, langsam und voller Zärtlichkeit, als wollte er ihm die Worte direkt in die Seele hauchen. Als er sich löste, ruhten seine Stirn und Aljoschas aneinander. „Ich bin hier“, flüsterte er ein letztes Mal. „Und ich passe auf uns beide auf. Gemeinsam schaffen wir das.“

Den Rest des Tages verbrachten Elbrun und Aljoscha genau so, wie sie es brauchten: eng aneinander gekuschelt auf dem Sofa, leise redend, zwischendurch etwas Leichtes essend und dann wieder kuschelnd. Manchmal sprachen sie über die Entführung, über die Angst, die sie beide gehabt hatten, und über ihre Erleichterung, dass es vorbei war. Dann wieder schwiegen sie einfach, genossen die Wärme des anderen und das Gefühl, endlich sicher und zusammen zu sein. Elbrun streichelte immer wieder gedankenverloren über Aljoschas Rücken, während dieser mit dem Kopf auf seiner Brust lag und dem ruhigen Herzschlag seines Mannes lauschte.

Gegen Abend aßen sie noch eine Kleinigkeit, duschten ein zweites Mal und gingen früh ins Bett. Dort kuschelten sie sich erneut eng aneinander – nackt, Haut an Haut – und schliefen schnell ein, erschöpft von den Emotionen und der körperlichen Anstrengung des Tages.

Am nächsten Morgen standen beide relativ früh auf. Die Nacht war ruhig und erholsam gewesen, doch trotz der innigen Nähe spürten sie beide eine unterschwellige Anspannung. Die Ereignisse der letzten Tage hingen noch immer wie ein Schatten über ihnen.

Während sie sich anzogen, warf Elbrun Aljoscha einen langen Blick zu. „Bereit für die Admirale?“

Aljoscha schloss seine Uniformjacke und nickte entschlossen. „So bereit, wie man sein kann. Ich will endlich klare Antworten. Wer auch immer dir das angetan hat. Ich will, dass diese Leute zur Rechenschaft gezogen werden.“

Sie verließen die Enterprise durch die Luftschleuse und gingen hinüber zur Sternenbasis. Die Gänge waren noch relativ leer zu dieser frühen Stunde. Von dort aus begaben sie sich in den Transporterraum. Der Chief nickte ihnen respektvoll zu und aktivierte den Transporter. Mit dem vertrauten Summen wurden Elbrun und Aljoscha direkt ins Sternenflottenkommando in San Francisco gebeamt. Die kühle, klare Luft der Stadt schlug ihnen entgegen, als sie materialisierten.

Admiral Nechayev und Admiral Sendak erwarteten sie bereits in einem abgeschirmten, fensterlosen Besprechungsraum. Die Atmosphäre war ernst und geschäftsmäßig. Nechayev nickte ihnen beiden respektvoll zu, als sie Platz nahmen.

„Admiral Tiran, Captain Cornellus – schön, Sie Beide wohlauf zu sehen.“ Ihr Blick blieb besonders lange auf Elbrun haften. „Wie Sie ja bereits wissen, hat Flottenadmiral Gromek nach Ihrer Entführung sofort alle anstehenden Missionen der Enterprise ausgesetzt. Die vollständige Aufklärung des Vorfalls und aller damit zusammenhängenden Hintergründe hat nun absolute Priorität. Andere Schiffe sind bereits damit beauftragt, Ihre ursprünglichen Missionen zu übernehmen. Die Enterprise bleibt vorerst im Dock. Wir wollen kein weiteres Risiko eingehen, solange wir nicht genau wissen, wer hinter der Entführung steckte und ob es weitere Bedrohungen für Sie oder das Schiff gibt.“

Elbrun lehnte sich leicht vor, seine Miene ernst und konzentriert. „Ja, das ist mir bekannt. Ich habe mit Admiral Gromek bereits gesprochen und mich darüber unterrichtet. Leider kollidiert unser Treffen mit einem anderen wichtigen Termin von ihr, sonst hätte sie sich uns angeschlossen. Sie möchte aber vollständig von mir unterrichtet werden.“

Nechayev nickte verständnisvoll, dann wurde ihr Ton etwas weicher. „Bevor wir richtig anfangen, Elbrun – wie geht es Ihnen wirklich?“ Elbrun antwortete ruhig und gefasst: „Es geht mir gut, wirklich. Die Verletzungen sind vollständig geheilt, und auch seelisch geht es mir gut. Ich schlafe gut, habe keine Albträume oder dergleichen. Ich bin einsatzbereit.“

Admiral Sendak beugte sich nun vor, seine vulkanischen Züge blieben wie immer kontrolliert, doch in seiner Stimme lag eine deutliche Schärfe. „Wir haben Ihre Entführer in einer Hochsicherheits-Arrestzelle. Wir haben sie bereits mehrfach befragt, doch sie sind äußerst stur und wenig hilfsbereit. Bisher konnten wir nur wenige brauchbare Informationen aus ihnen herausbekommen.“

„Was wissen wir denn bisher?“, fragte Aljoscha, der bisher ruhig neben Elbrun gesessen hatte, nun aber mit klarer, drängender Stimme.

Elbrun antwortete sofort, seine Stimme ruhig, aber bestimmt: „Es sind Terraner. Das steht fest.“

Nechayev hob überrascht eine Augenbraue. „Wie kommen Sie darauf, Elbrun?“

Elbrun lehnte sich etwas weiter vor. „Zum einen ist es logisch. Zum anderen sprachen sie davon. Sie sagten, ich sei genau so zäh und stur wie ihr Elbrun.“

Admiral Sendak nickte langsam, seine vulkanische Miene blieb unbewegt. „Den Verdacht hatten wir auch bereits.“

Elbrun fuhr fort, sein Blick wanderte zwischen den beiden Admirälen hin und her. „Sie wollten wissen, welches Wissen ich aus dem Spiegeluniversum mitgebracht habe. Das war alles, worauf sie wirklich aus waren. Sie haben mich nicht nach militärischen Geheimnissen gefragt, nicht nach aktuellen Flottenbewegungen, nur nach dem Spiegeluniversum. Wahrscheinlich wurden sie vom terranischen Elbrun damit beauftragt.“ Im Raum wurde es einen Moment still.

Nechayev tauschte einen kurzen Blick mit Sendak aus. „Das würde Sinn ergeben“, sagte sie schließlich nachdenklich. „Der terranische Elbrun hat bereits mehrfach bewiesen, dass er extrem rachsüchtig und besessen von Ihnen ist. Wenn er herausgefunden hat, dass Sie dort drüben waren und Wissen mitgebracht haben, das ihm gefährlich werden könnte. Dann wäre das ein starkes Motiv.“

Sendak verschränkte die Hände auf dem Tisch. „Die Entführer selbst schweigen jedoch weiterhin eisern. Sie nennen keinen Auftraggeber und keine weiteren Mitwisser. Entweder sind sie extrem gut ausgebildet, oder sie haben panische Angst vor dem, der sie geschickt hat.“

Elbrun nickte grimmig, seine Augen verengten sich. „Dann müssen wir sie eben anders knacken. Ich bin bereit, sie selbst zu verhören, wenn es sein muss. Als Telepath könnte ich…“.

Nechayev hob sofort die Hand und unterbrach ihn energisch. „Langsam, Admiral. Wir wissen alle, wie persönlich das für Sie ist. Aber genau deshalb sollten Sie nicht direkt involviert sein. Nicht in diesem Stadium.“

Aljoscha legte unter dem Tisch unauffällig eine Hand auf Elbruns Knie. Eine stille, beruhigende Geste der Unterstützung und gleichzeitig eine Mahnung zur Vorsicht.

„Ich bin auch ein Telepath, Elbrun“, meldete sich nun Admiral Sendak zu Wort, seine Stimme ruhig und sachlich. „Als Vulkanier könnte ich eine Gedankenverschmelzung durchführen.“

„Ja, aber das ist gefährlich“, erwiderte Elbrun sofort, deutlich besorgt. „Besonders bei so sturem und möglicherweise mental konditioniertem Widerstand.“

„Dessen bin ich mir bewusst“, antwortete Sendak gelassen. „Dennoch wäre es eine effiziente Möglichkeit.“

Nechayev lehnte sich zurück und musterte die beiden Männer nachdenklich. „Brauchen wir wirklich noch weitere Informationen von den beiden? Es sind doch nur Handlanger. Ich bin dafür, dass wir sie vor ein Militärgericht stellen und sie in ein Arbeitslager schicken. Fertig.“

„Ich finde die Idee gut“, stimmte Aljoscha sofort zu, seine Stimme hatte einen harten Unterton. Dann fügte er mit kalter Wut hinzu: „Oder noch besser, wir erschießen sie.“

„Aljoscha!“, sagte Elbrun dann streng und schaute ihn mit einem deutlichen Warnblick an.

Im Raum wurde es einen Moment still. Nechayev hob eine Augenbraue, während Sendak keine sichtbare Reaktion zeigte.

Aljoscha presste die Lippen zusammen, seine Hand auf Elbruns Knie spannte sich leicht an. Er war sichtlich noch immer von tiefer Wut erfüllt, wenn es um die Entführer seines Mannes ging.

Admiral Nechayev seufzte leise und schaute Aljoscha mit einer Mischung aus Verständnis und Strenge an. „Auch wenn ich Ihre Wut verstehen kann…, wir sollten uns an die Vorschriften halten.“

In diesem Moment piepte das Kommunikationssystem des Raumes scharf auf.

„Sicherheit an Admiral Sendak.“

Sendak tippte sofort auf seinen Kommunikator. „Sendak hier.“

„Sir, die Gefangenen sind weg!“ Die Stimme des Sicherheits-Offiziers klang alarmiert. „Die Arrestzellen sind leer!“

Für einen Sekundenbruchteil herrschte absolute Stille im Raum.

„Was heißt weg?“, fragte Sendak scharf.

Doch statt einer Antwort hörte man nur hastige Schritte und weitere Stimmen im Hintergrund. Sendak und Nechayev sprangen beinahe gleichzeitig auf. Ohne ein weiteres Wort verließen beide Admiräle eilig den Besprechungsraum, die Tür schloss sich zischend hinter ihnen.

Elbrun und Aljoscha blieben allein zurück und schauten sich verwundert an.

„Was zur Hölle…“, murmelte Aljoscha leise, die Augenbrauen tief zusammengezogen.

Elbrun schüttelte langsam den Kopf, seine Miene war angespannt. „Das kann kein Zufall sein.“

Sie warteten schweigend. Die Minuten zogen sich quälend in die Länge.

Nach etwa fünf Minuten öffnete sich die Tür erneut. Flottenadmiral Gohra betrat den Raum mit energischen Schritten.

„Sir!“, grüßte Elbrun sofort und wollte aufstehen.

Gohra machte eine lockere Handbewegung und lachte leise. „Rühren Sie sich.“ Dann wandte er sich an Aljoscha. „Captain Cornellus, dürfte ich mit Ihrem Mann fünf Minuten alleine sprechen?“ Aljoscha zögerte einen kurzen Moment, nickte dann aber. „Natürlich.“ Er warf Elbrun noch einen kurzen, besorgten Blick zu, bevor er den Raum verließ. Die Tür schloss sich leise hinter ihm. Nun waren nur noch Elbrun und Flottenadmiral Gohra im Besprechungsraum. Es freute Gohra sichtlich, Elbrun gegenüberzusitzen. Er musterte ihn einen Moment, bevor er sprach.

„Es freut mich zu sehen, dass Sie wohlauf sind.“

„Das bin ich“, antwortete Elbrun ruhig. „Was kann ich für Sie tun?“

Gohra lehnte sich zurück, seine Miene wurde ernst und geschäftsmäßig. „Also…, um die Gefangenen habe ich mich gekümmert.“

„Inwiefern?“, fragte Elbrun, dessen Augen sich leicht verengten.

„Wir haben sie nach Hause geschickt.“

„Wir?“ Elbrun stutzte, dann traf ihn die Erkenntnis wie ein Schlag. Seine Stimme wurde leiser, aber scharf. „Sie gehören zu Sektion 31.“

Gohra lächelte dünn, fast anerkennend. „Ich sehe, es wird nicht übertrieben, wie scharfsinnig Sie sind.“

„Ich bin überrascht“, gab Elbrun zu. „Ich nehme Sie normalerweise telepathisch wahr…, ich sehe keine Täuschung oder ähnliches.“

„Weil ich Sie nie getäuscht habe“, erwiderte Gohra ruhig. „Ich war von Anfang an ehrlich zu Ihnen.“

Elbrun atmete tief durch und fixierte den Flottenadmiral. „Warum wurden meine Entführer nach Hause geschickt?“

„Sie waren wertlos für uns. Eine Verschwendung von Ressourcen. Und zu Hause erwartet sie die Bestrafung vom terranischen Elbrun.“ Gohra machte eine kurze Pause, ein kaltes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Wobei…, wir haben ja Agenten mitgeschickt. Die ihm eine, sagen wir mal, klare Ansage machen sollten. Er will unsere Hilfe bei der Bekämpfung der Borg-Allianz. Also muss er sich uns beugen. Anderenfalls können wir sehr ungemütlich werden.“

Gohra beugte sich leicht vor, seine Stimme wurde leiser und gefährlicher. „Wir haben dem Spiegeluniversum eine Sache voraus: Wir können Schiffe in ihr Universum schicken. Sie haben diese Technologie noch nicht. Was wäre, wenn das Terranische Imperium plötzlich sowohl gegen die Borg als auch gegen die Föderation kämpfen müsste. Das würde dem Imperator bestimmt nicht gefallen. Und Ihr Gegenstück ist nicht dumm. Er weiß, dass sein Kopf als Erstes rollen würde. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Elbrun sah wenig überrascht aus. Er musterte Gohra lange, fast schon nachdenklich, bevor er schließlich antwortete. „Die Flotte würde ich dann gerne persönlich anführen“, sagte Elbrun mit ruhiger, aber entschlossener Stimme.

Gohra lachte leise, ein tiefes, fast amüsiertes Lachen. „Ich sehe, wir verstehen uns.“

Elbrun lehnte sich zurück und musterte den Flottenadmiral scharf. „Warum erzählen Sie mir das alles? Warum diese Offenheit?“

Gohra wurde wieder ernst. Er faltete die Hände auf dem Tisch und schaute Elbrun direkt in die Augen. „Also, wenn ich ehrlich bin…, Sektion 31 ist schon lange an Ihnen interessiert, Elbrun. Eigentlich schon seit Sie Kadett waren. Am liebsten würden wir Sie rekrutieren. Aber Sie sind so, wie Sie sind, für die Sternenflotte und für die Föderation viel wichtiger. Sie sind zu ehrlich. Zu loyal.“

Elbrun lachte leise und schüttelte den Kopf. „Ja, das stimmt wohl.“ Er machte eine kurze Pause, dann fügte er mit einem schiefen Lächeln hinzu: „Aber falls Sie mal Hilfe brauchen…“.

„Wir werden bestimmt auf Sie zukommen“, erwiderte Gohra mit einem wissenden Nicken. „Aber Ihr Schutz hat für uns eine sehr hohe Priorität.“

„Warum?“, fragte Elbrun stirnrunzelnd.

„Befehl vom Präsidenten persönlich.“

Elbrun hob überrascht die Augenbrauen. „Präsident Okeg?“

„Ja, genau“, bestätigte Gohra. „Als Sie ihn zur Konferenz nach Ferenginar brachten, haben Sie ihn offenbar tief beeindruckt. Seine Beraterin Felira Dexal haben Sie sehr schnell als Mitglied von Sektion 31 enttarnt. Sie waren so sehr um seinen Schutz besorgt, dass Sie sogar seine eigenen Leute durchleuchtet haben. Der Präsident hat Felira Dexal daraufhin beauftragt, dass Ihr Schutz genauso wichtig ist wie seiner. Diesen Befehl hat er auf Dauer gesetzt.“

Elbrun saß einen Moment lang schweigend da und verarbeitete die Informationen. Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Überraschung und Nachdenklichkeit.

Gohra beobachtete ihn genau und fuhr dann mit ruhiger, aber gewichtiger Stimme fort: „Der Präsident vergisst nicht, wem er sein Leben und seine Position verdankt. Und er hat sehr deutlich gemacht, dass Sie für die Stabilität der Föderation wichtiger sind, als die meisten ahnen. Deshalb genießen Sie nicht nur den üblichen Flottenschutz. Sie stehen unter dem direkten Schutz von Sektion 31. Das bedeutet: Wer auch immer versucht, Ihnen noch einmal zu schaden, wird nicht nur mit der Sternenflotte, sondern mit uns zu tun bekommen.“ Gohra machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach, diesmal etwas leiser und eindringlicher: „Der terranische Elbrun ist eine variable Größe. Er ist gefährlich, besessen und unberechenbar. Aber er ist auch pragmatisch. Wir haben ihm gerade sehr klar gemacht, dass wir ihn erreichen können und dass wir ihn vernichten können, wenn er nicht kooperiert. Die Entführer zurückzuschicken war eine Botschaft. Nicht nur an ihn, sondern auch an alle anderen Kräfte im Spiegeluniversum, die glauben, sie könnten hier herüberspielen.“

Er lehnte sich etwas zurück und musterte Elbrun aufmerksam. „Sie fragen sich wahrscheinlich, warum ich Ihnen das alles erzähle. Die Antwort ist einfach: Weil Sie kein Bauer auf dem Schachbrett sind, Elbrun. Sie sind eine der wenigen Figuren, die wir nicht opfern wollen. Und weil wir wissen, dass Sie früher oder später selbst darauf kommen würden. Es ist besser, wenn Sie es von uns hören.“

Gohra lächelte leicht, doch seine Augen blieben ernst. „Außerdem…, sollten Sie jemals in eine Situation geraten, in der die offiziellen Kanäle der Sternenflotte nicht ausreichen, dann wissen Sie jetzt, dass es noch eine andere Option gibt. Eine, die nicht immer sauber ist. Aber eine, die Ergebnisse liefert.“

Er faltete die Hände auf dem Tisch. „Haben Sie noch Fragen dazu, bevor Captain Cornellus wieder hereinkommt?“

Elbrun schwieg einen langen Moment. Er wirkte sichtlich überrumpelt von dem, was er gerade erfahren hatte. Langsam lehnte er sich zurück und fuhr sich mit einer Hand über das Kinn.

„…Ich muss zugeben, das kommt ziemlich überraschend“, sagte er schließlich leise. „Ich wusste, dass der Präsident mir dankbar war, aber dass mein Schutz auf diese Ebene gestellt wurde und dass Sektion 31 schon so lange ein Auge auf mich hat, das war mir nicht bewusst.“

Er schaute Gohra an, ein leichtes, fast ungläubiges Lächeln huschte über sein Gesicht. „Sie sind mir sympathisch, Gohra. Und ich schätze diese Offenheit sehr. Es ist erfrischend, wenn jemand aus Ihrer Abteilung nicht nur in Schatten spricht.“

Elbrun machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach: „Ich werde das alles erst einmal sacken lassen. Aber falls Sie mich wirklich einmal brauchen sollten, dann kontaktieren Sie mich. Diskret, aber direkt. Ich werde zumindest zuhören.“

Gohra nickte zufrieden, ein kleines, ehrliches Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Ich hatte gehofft, dass Sie so reagieren würden“, sagte er ruhig. „Kein falscher Heldenmut, auch wenn Sie da manchmal anderer Meinung sind, keine übertriebene Empörung. Einfach nur ehrliche Überraschung. Das gefällt mir.“

Er lehnte sich etwas zurück und nickte anerkennend. „Sie sind ein guter Mann, Elbrun. Und genau deshalb werden wir Sie auch nicht drängen. Der Ball liegt bei Ihnen. Sollten wir Ihre Hilfe brauchen, werde ich mich persönlich und diskret bei Ihnen melden. Keine Spielchen, keine versteckten Befehle. Das verspreche ich Ihnen.“

Gohra machte eine kurze Pause, dann fügte er mit leiserer Stimme hinzu: „Und was Ihren Schutz betrifft…, betrachten Sie ihn als gegeben. Niemand wird noch einmal so leicht an Sie herankommen. Weder aus diesem Universum noch aus dem Spiegeluniversum. Dafür sorgen wir.“

Er stand langsam auf und strich seine Uniform glatt. „Ich denke, wir sind für heute fertig. Captain Cornellus wird sicher schon ungeduldig draußen warten.“ Gohra lächelte wissend. „Und richten Sie ihm aus, dass seine Wut auf die Entführer durchaus verständlich ist…, aber er sollte sie besser in konstruktive Bahnen lenken.“ Gohra nickte Elbrun noch einmal respektvoll zu. „Bis zum nächsten Mal, Admiral Tiran.“

„Eine Frage habe ich noch, Sir“, meldete sich Elbrun, kurz bevor Gohra die Tür erreichte. „Ja bitte?“ „Was soll ich den anderen sagen?“ Gohra blieb stehen und drehte sich noch einmal um. Er schaute Elbrun einen Moment lang nachdenklich an, bevor er antwortete:

„Am besten gar nichts. Admiral Sendak hat eine Nachricht auf seinem Terminal bekommen, in der alles erklärt ist. Dies wird er Ihnen allen dann mitteilen. Tun Sie am besten so, als seien Sie überrascht. Ich bin auch Admiral Sendaks Verbindungs-Offizier zu Sektion 31, er weiß also von mir Bescheid.“

Elbrun nickte langsam, die neue Information sackte sichtlich ein. Er wirkte noch immer etwas überrumpelt von der ganzen Situation.

Gohra lächelte ein letztes Mal, warm und beinahe väterlich. „Sie machen das schon richtig, Elbrun. Bis bald.“ Mit diesen Worten verließ Flottenadmiral Gohra den Raum. Die Tür schloss sich leise hinter ihm.

Kurz darauf öffnete sie sich erneut und Aljoscha trat ein. Er schaute Elbrun sofort fragend und besorgt an. „Und? Was wollte er von dir?“ Elbrun stammelte sich etwas zurecht, noch leicht überrumpelt von dem Gespräch mit Gohra. Er öffnete gerade den Mund, um Aljoscha zumindest eine halbwegs plausible Erklärung zu geben, als sich die Tür erneut zischend öffnete.

Admiral Sendak und Admiral Nechayev kamen zurück in den Besprechungsraum. Nechayev war sichtlich wütend und frustrier. Ihre Schritte waren energisch, ihr Gesicht gerötet, und ihre Hände waren zu Fäusten geballt. Sendak hingegen wirkte wie immer beherrscht, doch auch bei ihm lag eine deutliche Anspannung in der Haltung. Nechayev blieb abrupt stehen und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Das darf doch alles nicht wahr sein!“, stieß sie hervor. „Die Arrestzellen waren leer. Keine Spur von gewaltsamem Eindringen, keine ausgelösten Alarme, nichts! Die Überwachungskameras haben in genau dem kritischen Zeitfenster eine Störung gehabt. Das stinkt zum Himmel!“

Sie drehte sich zu Elbrun und Aljoscha um, ihr Blick bohrte sich förmlich in sie hinein. „Haben Sie eine Ahnung, wer so etwas hinbekommt? Ohne Spuren zu hinterlassen?“

Elbrun warf Aljoscha einen kurzen Blick zu, bevor er ruhig antwortete: „Jemand mit sehr guten Verbindungen…, und sehr hoher Sicherheitsfreigabe.“

Nechayev schnaubte frustriert und fuhr sich durch die Haare. „Genau das befürchte ich auch. Das war kein normaler Ausbruch. Das war eine professionelle Extraktion.“ Sendak sprach nun mit ruhiger, aber ernster Stimme: „Wir haben bereits eine interne Untersuchung eingeleitet. Aber ich fürchte, wir werden nicht viel finden.“

Aljoscha, der neben Elbrun stand, ballte ebenfalls die Hände. Man sah ihm deutlich an, dass die Wut von vorhin noch nicht verraucht war. Elbrun blieb äußerlich ruhig, doch in seinem Kopf rasten die Gedanken. Gohras Worte hallten noch nach. Er wusste mehr als die anderen hie. Und genau das machte die Situation jetzt besonders heikel.

Nechayev war noch mitten in einer wütenden Tirade, lief vor dem Tisch auf und ab und gestikulierte energisch. „… Und wenn das jemand aus unseren eigenen Reihen war, dann Gnade ihm Gott! Ich werde persönlich dafür sorgen, dass dieser Verräter…“.

Elbrun saß still da und dachte nur: Na los, schau auf dein Terminal, Sendak. Als hätte er den Gedanken gehört, hielt Sendak plötzlich inne. Er tippte wortlos auf sein PADD und warf einen Blick auf das Terminal. Seine vulkanischen Augenbrauen hoben sich kaum merklich. Das einzige Zeichen von Überraschung, das er sich erlaubte. „Admiral Nechayev“, sagte er ruhig, aber bestimmt. „Sie sollten das hier lesen.“ Er drehte das Terminal so, dass auch sie es sehen konnte. Nechayev verstummte mitten im Satz, beugte sich vor und las. Ihre Wut verwandelte sich schlagartig in pure Verblüffung. „Was…?“, murmelte sie fassungslos. „Eine offizielle Nachricht von höchster Ebene? Die Gefangenen wurden extrahiert? Mit Genehmigung?“

Aljoscha starrte ebenfalls auf das Display, seine Augen weiteten sich. „Das kann doch nicht sein… wer zum Teufel hat die Befugnis dafür?“

Elbrun versuchte, überrascht auszusehen. Er riss die Augen auf und brachte ein etwas zu lautes „Oh nein…, wie furchtbar…“ heraus. Es klang so hölzern und unecht, dass es fast schon peinlich war. Selbst ein schlechter Schauspieler hätte es besser hinbekommen.

Aljoscha drehte langsam den Kopf zu ihm und schaute ihn mit einem langen, skeptischen Blick an. Seine Augen verengten sich leicht. Er kannte Elbrun viel zu gut. Der Versuch, Überraschung zu mimen, war kläglich gescheitert. „Elbrun…“, sagte Aljoscha leise, fast warnend, während Nechayev noch immer stirnrunzelnd die Nachricht las.

Sendak hingegen warf Elbrun nur einen kurzen, wissenden Blick zu. Er sagte nichts, aber in seinen Augen lag die klare Botschaft, dass er genau wusste, dass Elbrun nicht wirklich überrascht war.

Die Stimmung im Raum hatte sich schlagartig verändert. Von offener Wut zu verwirrter Anspannung. Nechayev starrte noch immer ungläubig auf das Terminal. Ihre Wut war einer fassungslosen Verärgerung gewichen. „Das…, das kann doch nicht wahr sein“, murmelte sie. „Eine offizielle Extraktion mit höchster Freigabe? Ohne uns vorher zu informieren? Das ist eine absolute Respektlosigkeit gegenüber der Admiralität und der Ermittlungen!“ Sie richtete sich auf und schaute in die Runde, das Gesicht immer noch gerötet.

Sendak blieb wie gewohnt ruhig. „Die Nachricht ist eindeutig. Die Gefangenen wurden auf Anweisung einer höheren Instanz entfernt. Sie wurden ins Spiegeluniversum zurückgeschickt, und es soll wohl eine sehr deutliche Botschaft an den terranischen Elbrun gegeben haben. Leider sind weitere Details klassifiziert.“

Aljoscha verschränkte die Arme vor der Brust, sein Blick wanderte immer wieder skeptisch zu Elbrun. Er sagte nichts, aber man sah ihm deutlich an, dass er alles andere als zufrieden war. Elbrun räusperte sich und versuchte, die Situation zu retten. „Dann…, scheint die Sache damit wohl erledigt zu sein?“

Nechayev schnaubte laut. „Erledigt? Kaum. Wir werden natürlich eine offizielle Beschwerde einlegen. So etwas darf nicht zur Gewohnheit werden.“ Los Sendak, hilf mir doch, dachte Elbrun inständig. Als hätte er den stummen Hilferuf gehört, ergriff Sendak wieder das Wort, seine Stimme ruhig und sachlich: „Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass die internen Ermittlungen fortgesetzt werden, soweit das unter diesen Umständen möglich ist. Allerdings sollten wir in Betracht ziehen, dass es besser wäre, die Sache ruhen zu lassen und dass wir uns wieder auf die Bedrohung durch die Borg-Multiversums-Allianz konzentrieren.“

Nechayev drehte sich abrupt zu ihm um, als wollte sie widersprechen, doch Sendak fuhr unbeirrt fort: „Die Ressourcen der Flotte sind begrenzt. Und der terranische Elbrun hat durch diese Aktion gerade eine sehr klare Warnung erhalten. Für den Moment sollten wir das ausnutzen und unsere Kräfte dort bündeln, wo die größte Gefahr droht.“

Im Raum herrschte einen Moment lang angespannte Stille. „Ich stimme dem zu“, sagte Elbrun etwas zu schnell und nickte nachdrücklich. Die Worte kamen ihm eine Spur zu eifrig über die Lippen. Es war nicht dramatisch, aber deutlich genug, dass es auffiel. Aljoscha schaute ihn direkt wieder skeptisch an. Diesmal länger, mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen. Der Blick sagte mehr als Worte: Du verheimlichst mir etwas. Er kannte Elbrun viel zu gut, um diesen unnatürlichen Eifer nicht zu bemerken.

Nechayev schien es nicht zu registrieren, sie war noch zu sehr mit ihrer eigenen Frustration beschäftigt. Sie seufzte schwer und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Na schön…, wenn selbst Sie der Meinung sind, dass wir die Sache vorerst ruhen lassen sollten, dann werde ich mich dem nicht länger widersetzen. Aber ich bin damit nicht glücklich. Ganz und gar nicht.“

Sendak nickte nur knapp. „Dann wäre das für heute alles. Ich werde die notwendigen Berichte verfassen.“ Nechayev stand auf, nickte den beiden noch einmal zu und verließ zusammen mit Sendak den Raum. Die Tür schloss sich hinter ihnen.

Kaum waren sie allein, drehte sich Aljoscha zu Elbrun um. Sein Blick war durchdringend und misstrauisch. „Elbrun.“ Er sprach den Namen langsam und betont aus. „Was war das gerade? Du stimmst viel zu schnell zu. Und dieses furchtbare ‚Oh nein, wie furchtbar‘, vorhin das war unterirdisch schlecht geschauspielert.“ Aljoscha verschränkte die Arme und wartete. „Was verschweigst du mir?“

Elbrun errötete leicht. Er schaute kurz zur Tür, als wollte er sich vergewissern, dass sie wirklich allein waren, bevor er leise antwortete: „Nicht hier…, gleich in unserem Quartier.“ Aljoscha zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts mehr. Die Anspannung zwischen ihnen war deutlich spürbar. Sie verließen den Besprechungsraum schweigend und beamten zurück auf die Enterprise.

Kaum hatten sich die Türen ihres gemeinsamen Quartiers hinter ihnen geschlossen, drehte sich Aljoscha zu ihm um und verschränkte erneut die Arme. „Jetzt sind wir allein. Also rede. Und ich will die ganze Wahrheit, Elbrun. Keine Ausflüchte.“ Elbrun fuhr sich mit der Hand durch die Haare und seufzte. Er wirkte etwas verlegen, aber auch ein wenig schuldbewusst. „Gohra…, er hat mit mir gesprochen. Unter vier Augen. Und das, was er mir erzählt hat, das ist größer, als ich dachte.“

Er machte eine kurze Pause, schaute Aljoscha direkt in die Augen. „Das, was ich dir jetzt erzähle, erzähle ich dir als dein Ehemann, nicht als dein Kommandierender Offizier.“ Elbrun holte tief Luft. „Sektion 31 steckt dahinter. Sie haben die Entführer ins Spiegeluniversum zurückgeschickt. Und, Gohra…, er gehört dazu.“

Aljoscha starrte ihn einen langen Moment lang an. Seine Arme sanken langsam herunter, die Skepsis in seinem Gesicht wich echter Überraschung. „Sektion 31?“, wiederholte er leise, fast ungläubig. „Gohra ist…, einer von denen?“ Er trat einen Schritt näher, seine Stimme wurde leiser, aber eindringlicher. „Erzähl mir alles, Elbrun. Von Anfang an. Was genau hat er gesagt?“

Elbrun nickte langsam und setzte sich auf die Kante des Sofas. Er wirkte erleichtert, dass er es endlich loswerden konnte. „Er hat mir erklärt, dass Sektion 31 schon sehr lange ein Auge auf mich hat…, schon seit meiner Kadettenzeit. Sie wollten mich eigentlich rekrutieren, haben aber festgestellt, dass ich für sie nützlicher bin, wenn ich genau das bleibe, was ich bin, loyal zur Sternenflotte.“

Er machte eine kurze Pause und schaute Aljoscha ernst an. „Der Schutz, den ich jetzt genieße, kommt direkt vom Präsidenten persönlich. Okeg hat angeordnet, dass mein Schutz dieselbe Priorität hat wie sein eigener. Deshalb haben sie die Entführer einfach entsorgt. Sie haben sie zurückgeschickt mit einer klaren Botschaft an den terranischen Elbrun: Entweder er kooperiert bei der Borg-Allianz, oder sie machen ihm das Leben zur Hölle.“

Elbrun lächelte schwach und etwas hilflos. „Und Gohra…, der war überraschend offen. Er sagte, ich sei keine Figur, die sie opfern wollen. Und falls ich jemals Hilfe brauche, außerhalb der offiziellen Kanäle…, dann würde er sich melden.“

Aljoscha starrte Elbrun mehrere Sekunden lang an, als hätte er gerade etwas vollkommen Absurdes gesagt. Dann explodierte er förmlich. „Sektion 31?!“, fuhr er auf, seine Stimme laut und voller Wut. „Verdammt nochmal, Elbrun! Du sitzt da und erzählst mir ganz ruhig, dass ausgerechnet Sektion 31 hinter der Extraktion steckt und Gohra einer von denen ist?!“

Er begann, im Quartier auf und ab zu laufen, die Hände zu Fäusten geballt. „Ich fasse es nicht! Diese verdammten Schattenleute, die immer alles manipulieren, die Leute verschwinden lassen, die sich einen Dreck um Gesetze scheren. Und du erzählst mir das so nebenbei?!“ Aljoscha blieb abrupt stehen und drehte sich zu Elbrun um. In seinen Augen mischten sich pure Wut, tiefe Sorge und Misstrauen. Aljoscha trat noch näher, seine Stimme zitterte vor Wut, Sorge und Liebe zugleich.

„Und der Präsident persönlich hat angeordnet, dass dein Schutz oberste Priorität hat? Seit wann bist du so wichtig, dass Sektion 31 und der Präsident dich wie ein verdammtes Staatsgeheimnis behandeln? Warum hast du mir das nicht sofort gesagt? Warum hast du im Besprechungsraum so miserabel geschauspielert und mich im Dunkeln tappen lassen?“

Seine Stimme wurde etwas leiser, aber dafür umso eindringlicher und besorgt: „Ich bin dein Ehemann, Elbrun. Nicht irgendein Untergebener. Ich habe mir fast in die Hose gemacht vor Angst, als du entführt wurdest. Und jetzt erfahre ich, dass du mit Sektion 31 Deals machst? Dass du ihnen sogar angeboten hast, ihnen zu helfen, falls sie mal etwas brauchen? Da hast du dich ja hervorragend einlullen lassen!“

Aljoscha trat noch näher, seine Augen glänzten vor Aufregung. „Ich traue denen nicht. Kein bisschen. Die benutzen dich, Elbrun. Heute schützen sie dich, morgen verlangen sie einen Gefallen und der wird dich irgendwann in etwas hineinziehen, aus dem du nicht mehr rauskommst. Und ich…, ich will nicht eines Tages zusehen müssen, wie Sektion 31 dich zerstört.“ Er atmete schwer und schaute Elbrun mit einer Mischung aus Wut und tiefer Liebe an. „Sag mir die ganze Wahrheit. Jetzt. Was genau hat Gohra noch gesagt?“

Elbrun hielt seinem Blick stand, auch wenn er deutlich sah, wie aufgewühlt Aljoscha war. Er stand langsam auf, trat dicht an ihn heran und legte beide Hände sanft, aber bestimmt auf Aljoschas Hüften. „Ich weiß“, sagte er leise und reumütig. „Ich hätte es dir sofort sagen sollen. Es tut mir leid, Imzadi. Ich war selbst noch völlig überrumpelt und wollte erst einmal alles sortieren, bevor ich es dir erzähle.“ Er holte tief Luft und sprach dann ruhig und offen weiter: „Gohra hat gesagt, dass Sektion 31 schon seit meiner Kadettenzeit ein Auge auf mich hat. Sie wollten mich rekrutieren, haben es aber nicht getan, weil ich ihnen als loyaler, ehrlicher Admiral der Sternenflotte nützlicher bin. Der Präsident hat meinen Schutz tatsächlich auf höchste Stufe gesetzt. Nach der Sache auf Ferenginar. Er hat Felira Dexal persönlich angewiesen, dass mein Leben genauso wichtig ist wie seines.“

Elbrun strich mit den Daumen beruhigend über Aljoschas Seiten. „Er hat auch klargemacht, dass sie dem terranischen Elbrun eine sehr deutliche Warnung geschickt haben. Sie drohen damit, Schiffe ins Spiegeluniversum zu schicken, falls er nicht kooperiert. Und Gohra hat mir angeboten, dass ich mich melden kann, wenn ich jemals Hilfe brauche, die die offiziellen Wege nicht leisten können.“

Elbrun schaute Aljoscha tief in die Augen, seine Stimme wurde sanfter. „Ich habe ihm nicht zugesagt, bei ihnen mitzumachen. Ich habe nur gesagt, dass ich zuhören würde, falls es wirklich nötig ist. Aber ich habe auch klargemacht, dass ich keine Schachfigur bin und dass du und die Enterprise absolut tabu für sie sind.“ Er legte eine Hand an Aljoschas Wange. „Ich schwöre dir, ich lasse mich nicht von denen einlullen. Aber ich kann nicht leugnen, dass ihr Schutz uns im Moment wahrscheinlich das Leben retten wird. Ich bin vorsichtig, Aljoscha. Das verspreche ich dir.“

Elbrun strich weiter sanft mit dem Daumen über Aljoschas Wange und fuhr leise fort: „Aber eines darfst du nicht vergessen. Ich dürfte dir das alles eigentlich gar nicht erzählen. Aber ich erzähle es dir, weil ich dir natürlich absolut vertraue. Ich erzähle das als dein Ehemann, nicht als dein Kommandierender Offizier.“

Er machte eine kleine Pause, seine Stimme wurde noch etwas sanfter. „Aber Freunde innerhalb von Sektion 31 zu haben, kann nicht schaden. Vielleicht brauchen wir sie ja einmal.“

Aljoscha schwieg einen langen Moment. Die harte Wut in seinem Gesicht löste sich langsam auf. Er atmete tief aus, die Anspannung wich merklich aus seinen Schultern. Stattdessen trat eine erschöpfte, aber tiefe Besorgnis in seinen Blick. Er trat noch näher, legte beide Hände an Elbruns Hüften und lehnte seine Stirn gegen dessen. „Du bist unmöglich…“, murmelte er, die Stimme nun deutlich weicher, fast schon resigniert. „Du weißt genau, wie du mich beruhigen kannst, oder?“ Er schloss kurz die Augen und seufzte schwer. „Ich hasse es immer noch. Ich hasse Sektion 31 und alles, wofür sie stehen. Aber ich verstehe dich. Und ich bin froh, dass du es mir erzählt hast, statt es vor mir geheim zu halten.“

Aljoscha zog den Kopf ein Stück zurück und schaute Elbrun direkt in die Augen. Seine Hände glitten höher, legten sich warm auf Elbruns Brust. „Versprich mir trotzdem, dass du vorsichtig bleibst. Dass du nicht zu vertrauensselig wirst, nur weil Gohra dir sympathisch ist. Diese Leute sind Meister darin, einen langsam in ihr Netz zu ziehen.“ Er strich mit dem Daumen über Elbruns Unterlippe, seine Stimme wurde noch leiser und zärtlicher: „Ich will dich nicht verlieren, Elbrun. Nicht an die Entführer, nicht an das Spiegeluniversum, nicht an die Borg, und schon gar nicht an Sektion 31.“

Aljoscha lehnte sich vor und küsste ihn sanft, fast schon vorsichtig, als wollte er sich selbst versichern, dass Elbrun wirklich hier bei ihm war.

„Und jetzt halte mich einfach eine Weile fest…, bevor ich noch verrückt werde vor Sorge.“

„Ich halte dich solange fest, wie du willst“, flüsterte Elbrun leise und zog ihn sofort noch enger in seine Arme. Seine Stimme war rau vor Emotion. „Die ganze Nacht, wenn es sein muss.“

Sie schwiegen eine lange Weile. Nur ihr Atem und das leise Schlagen ihrer Herzen waren zu hören. Elbrun strich mit langsamen, beruhigenden Bewegungen über Aljoschas Rücken, während dieser das Gesicht an seiner Halsbeuge vergraben hatte. Nach einiger Zeit murmelte Elbrun leise, fast nachdenklich: „Wir beide mögen die Praktiken von Sektion 31 ablehnen. Aber wir wissen beide, dass sie wichtig für die Föderation sind. Ich habe es lieber, sie bleiben mir wohlgesonnen, als dass sie mir feindlich gegenüberstehen.“

Aljoscha seufzte tief, ohne den Kopf zu heben. Seine Arme schlossen sich fester um Elbruns Taille. „Ich hasse es, dass du recht hast“, flüsterte Aljoscha schließlich. „Und ich hasse noch mehr, dass ich es verstehe. Aber das ändert nichts an meiner Angst. Diese Leute, sie zerstören alles, was sie berühren. Auch wenn sie es ‚zum Schutz der Föderation‘ tun.“ Elbrun küsste ihn auf die Schläfe und hielt ihn weiter fest. „Ich weiß. Und ich verspreche dir, dass ich nicht blind in ihre Richtung laufe. Aber ich will auch nicht so naiv sein, so zu tun, als würden sie nicht existieren. Nicht nach allem, was passiert ist.“

Aljoscha nickte langsam, blieb aber weiter an ihn gekuschelt. „Dann halt mich einfach noch ein bisschen fester…, und versprich mir, dass du immer zuerst zu mir kommst. Bevor du irgendwelche Entscheidungen mit ihnen triffst.“

„Ich verspreche es“, antwortete Elbrun leise und ehrlich.

Den Rest des Tages verbrachten Elbrun und Aljoscha ruhig und eng beieinander. Sie sichteten gemeinsam einige Berichte, die sich in den letzten Tagen angesammelt hatten, aßen zusammen eine einfache Mahlzeit und kuschelten lange auf dem Sofa. Dann gingen sie früh ins Bett, eng aneinander gekuschelt.

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