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Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7
Teil 28
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Informationen
- Story: Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7
- Autor: KAY
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Science Fiction
Am nächsten Morgen war Elbrun schon ein bisschen länger wach. Er lag auf der Seite und schaute Aljoscha beim Schlafen zu. Sein Gesicht wirkte so entspannt und friedlich, dass Elbrun einfach nur dalag und ihn betrachtete. Irgendwann öffnete Aljoscha langsam die Augen. Elbrun schaute ihm direkt in die Augen, lächelte sanft und sagte leise: „Guten Morgen, Champ.“
Sofort schoss Aljoscha die Röte ins Gesicht. Er vergrub sein Gesicht hastig im Kissen, doch seine Augen schauten weiter zu Elbrun hoch, ein wirklich süßer, verlegener Anblick, wie Elbrun fand. „Du liebst es, mich zu ärgern, oder?“, murmelte Aljoscha gedämpft ins Kissen.
Elbrun lachte leise und strich ihm zärtlich über den Rücken. „Ich liebe dich“, antwortete er sanft. „Aber ich glaube, ich habe einen neuen Kosenamen für dich…, ob du jetzt jedes Mal rot wirst, wenn ich ihn benutze?“
Aljoscha stöhnte auf und drückte sein Gesicht noch tiefer ins Kissen. „Ich sehe es schon kommen…, du sagst ‚Champ‘, wenn wir bei meinem Vater sind. Oder noch schlimmer, bei deinen Eltern. Ich werde knallrot und muss sofort an gestern denken. Und deine Eltern können Gedanken lesen!“
Elbrun grinste breit und frech. „Ja und?“ Aljoscha hob den Kopf leicht und schaute ihn mit großen, entsetzten Augen an. „Elbrun!“ Elbrun lachte leise, zog ihn zu sich und küsste ihn auf die Nasenspitze. „Keine Sorge. Ich werde mich benehmen…, meistens.“ Sie lagen noch eine ganze Weile eng umschlungen im Bett. Elbruns Hand strich langsam und beruhigend über Aljoschas Rücken, während dieser mit den Fingern gedankenverloren über Elbruns Brust fuhr. „Weißt du…“, begann Aljoscha leise, „manchmal frage ich mich, wie wir hier gelandet sind.“ Elbrun hob eine Augenbraue und schaute ihn an. „Wie meinst du das?“ Aljoscha zögerte kurz, dann sprach er weiter: „Ich meine, wir sind so unterschiedlich. Du bist selbstbewusst, dominant, flirtest gerne und liebst es, im Mittelpunkt zu stehen. Und ich…, ich bin eher der Typ, der sich am liebsten in einer Ecke verstecken würde, wenn zu viele Leute zuschauen.“ Er lächelte schüchtern. „Und trotzdem funktionieren wir. Sogar richtig gut.“ Elbrun lächelte warm und zog ihn noch etwas enger an sich. „Weil wir uns ergänzen“, antwortete er sanft. „Du gibst mir Ruhe und Bodenhaftung. Du erinnerst mich daran, dass nicht alles ein Spiel oder eine Herausforderung sein muss. Und ich…“, er strich Aljoscha eine Haarsträhne aus dem Gesicht, „…ich gebe dir den Mut, Dinge auszuprobieren, die du dir sonst nie trauen würdest. Wie gestern.“ Aljoscha nickte langsam. „Genau das meine ich. Gestern hätte ich das alleine nie gemacht. Nicht in hundert Jahren. Aber mit dir…, da fühlt es sich sicher an. Auch wenn ich mich zwischendurch zu Tode geschämt habe.“
Elbrun küsste ihn zärtlich auf die Stirn. „Ich werde dich nie zu etwas drängen, das du nicht wirklich willst. Aber ich liebe es, dich so zu sehen, wenn du dich traust, wenn du über deine Grenzen gehst, und wenn du danach so süß verlegen bist.“ Aljoscha lachte leise und vergrub sein Gesicht kurz an Elbruns Hals. „Du genießt das viel zu sehr.“ „Ein bisschen schon“, gab Elbrun zu und grinste. Dann wurde seine Stimme wieder ernster. „Aber am allermeisten liebe ich, dass wir uns so vertrauen. Dass du mir vertraust, auch wenn es unangenehm oder peinlich wird. Das ist für mich das Wertvollste an unserer Beziehung.“
Aljoscha hob den Kopf und schaute ihm direkt in die Augen. „Ich vertraue dir mehr als irgendwem sonst“, sagte er leise. „Und ich bin froh, dass wir das haben. Dieses… Uns. Auch wenn es manchmal verrückt ist.“ Elbrun lächelte und küsste ihn langsam und liebevoll. „Ich auch, Imzadi. Ich auch.“ Sie kuschelten sich wieder eng aneinander, die Beine verschlungen. Eine Weile war es still, nur ihr ruhiger Atem war zu hören. Dann sprach Aljoscha leise weiter, fast zögerlich: „Darf ich dich etwas fragen?“ „Natürlich.“ Aljoscha strich mit den Fingern über Elbruns Brust, als müsste er sich sammeln. „Dein Flirten…, ich bewundere das manchmal ein bisschen. Wie leicht dir das fällt. Wie du jemanden mit einem Blick oder einem Satz aus dem Konzept bringen kannst. Es wirkt bei dir so natürlich, fast als würdest du es gar nicht richtig merken.“ Er hob den Kopf ein wenig und schaute Elbrun an. „Aber…, macht dir das eigentlich Spaß? Oder ist das einfach nur ein Teil von dir, den du nicht abstellen kannst?“ Elbrun dachte einen Moment nach, seine Hand strich weiter ruhig über Aljoschas Rücken. „Beides, glaube ich“, antwortete er ehrlich. „Ich merke es wirklich oft nicht einmal. Es passiert einfach. Ein Lächeln hier, ein kleiner Kommentar da, und plötzlich hat die andere Person diesen bestimmten Blick.“ Er lächelte schief. „Es gibt mir ein gutes Gefühl. Ein bisschen wie Adrenalin. Es bestätigt mir, dass ich noch anziehend bin, dass ich wirke.“ Aljoscha lächelte leicht, wirkte aber noch nachdenklich. „Manchmal beneide ich dich ein bisschen darum. Dass dir das so leicht fällt. Ich brauche dafür immer ewig, und selbst dann werde ich meistens nur rot und stottere.“ Elbrun lachte leise und küsste ihn auf die Stirn. „Und genau das liebe ich an dir. Du bist echt. Du musst nicht spielen oder performen. Wenn du jemanden anlächelst, dann meinst du es auch. Das ist viel wertvoller als alles, was ich mit einem charmanten Spruch erreichen kann.“ Aljoscha wurde wieder ein bisschen rot und vergrub sein Gesicht an Elbruns Hals. „Trotzdem, manchmal macht es mich unsicher. Wenn du so leicht andere um den Finger wickelst. Dann frage ich mich, warum du ausgerechnet bei mir bleibst.“ Elbrun hob sanft Aljoschas Kinn an, damit er ihm in die Augen schauen musste. „Weil du der einzige bist, bei dem ich nicht performen muss. Bei dem ich einfach ich sein kann. Mit all meinen Fehlern. Und weil du der einzige bist, bei dem mein Herz wirklich ruhig wird, wenn ich nach Hause komme.“ Er küsste ihn zärtlich. „Du bist mein Anker, Aljoscha. Das Flirten ist nur oberflächlich. Das hier…, das ist echt.“ Aljoscha lächelte endlich richtig und nickte. „Okay…, das tut gut zu hören.“ Er dachte noch einen Moment nach, bevor er leise weitersprach: „Du bist charmant. Charismatisch. Hast ein Wesen, bei dem man sich direkt wohlfühlt. Das ist so natürlich bei dir, auch wenn du sagst, dass es manchmal nur aufgesetzt ist.“ Aljoscha machte eine kurze Pause und sprach dann weiter, seine Stimme etwas leiser: „Hinzu kommt ja noch, dass du so wahnsinnig attraktiv bist. Und dass du dich dafür eigentlich gar nicht interessierst. Aber trotzdem hat das eine starke Wirkung auf andere, das weißt du auch. Und wenn du dann noch flirtest oder dieses leichte spitzbübische Lächeln aufsetzt, wie ich das anziehend finde.“ Elbrun lachte leise, ein warmes, amüsiertes Geräusch. „Du findest mein spitzbübisches Lächeln anziehend? Das ist gut zu wissen. Dann werde ich es in Zukunft öfter einsetzen, nur bei dir natürlich.“ Aljoscha boxte ihn spielerisch gegen die Brust. „Du weißt genau, was ich meine. Du läufst durch die Gegend wie ein verdammter Magnet und merkst es nicht mal. Und wenn du dann noch diesen einen Blick drauf hast… dann schmelzen die Leute regelrecht dahin. Besonders wenn du noch ein bisschen flirtest.“ Elbrun drehte sich etwas, sodass er Aljoscha besser ansehen konnte. Seine Hand ruhte auf dessen Hüfte. „Und das macht dich unsicher?“, fragte er sanft. Aljoscha zuckte leicht mit den Schultern. „Manchmal. Nicht weil ich dir nicht vertraue. Sondern weil ich mich frage, warum du ausgerechnet bei mir bleibst, wenn du so mühelos jeden haben könntest.“ „Weil ich niemanden sonst will. Weil keiner sonst mich so ansieht wie du. Weil keiner sonst mich so beruhigt und gleichzeitig so verrückt macht wie du.“ Er strich mit dem Daumen über Aljoschas Unterlippe. „Und weil dieses spitzbübische Lächeln, das du so sehr magst, das bekommst nur du, wenn ich dich ansehe.“ Aljoscha wurde wieder ein bisschen rot, lächelte aber. „Du bist wirklich gut darin, die richtigen Dinge zu sagen.“ Elbrun grinste leicht. „Nur bei dir. Bei allen anderen ist es nur Flirten. Bei dir ist es die Wahrheit.“ Sie kuschelten noch eine Weile eng aneinander, die Beine verschlungen, die Körper warm und entspannt. Elbruns Hand streichelte träge über Aljoschas Rücken.
Am Vormittag auf der Enterprise:
Aljoscha saß am Schreibtisch in ihrem Quartier und ging verschiedene Berichte durch. Besonders intensiv studierte er die aktuelle Sicherheitsanalyse des Angriffs auf ihr Shuttle. Elbruns eigene Aussage stand darin klar formuliert:
„Ich bin der festen Überzeugung, dass der Angriff gezielt mir galt. Die Täter waren mit hoher Wahrscheinlichkeit Terraner aus dem Spiegeluniversum. Sie müssen herausgefunden haben, dass ich dort war. Vermutlich wollen sie wissen, welche Daten und Informationen ich mitgebracht habe. Der Zeitpunkt war kein Zufall. Sie haben uns auf dem Rückweg von Utopia Planitia abgefangen.“
Aljoscha machte sich Notizen, markierte mehrere Stellen und runzelte die Stirn. Bisher gab es keine eindeutigen Beweise, aber die Richtung war klar: Der Angriff schien gezielt auf Elbrun gerichtet gewesen zu sein. Er lehnte sich zurück und seufzte leise. „Wenn die wirklich hinter dir her sind, dann hören sie nicht einfach auf“, murmelte er vor sich hin.
Danach öffnete er einen weiteren Bericht über verdächtige Aktivitäten im Sektor nahe Utopia Planitia. Auch hier gab es ungewöhnliche Sensordaten, die nicht erklärt werden konnten. Mögliche getarnte Schiffe oder Transporter-Signaturen, die nicht zur normalen Sternenflottenaktivität passten.
Aljoscha notierte sich alles und speicherte die Datei ab. Er war tief in Gedanken versunken, als er plötzlich Elbruns Stimme im Hinterkopf hörte, nicht telepathisch, sondern einfach die Erinnerung an ihn. „Hoffentlich findet ihr etwas Brauchbares auf der Lexington…“, flüsterte er leise.
Auf der USS Lexington:
Elbrun stand mit ernster Miene in dem großen, hell erleuchteten Frachtraum und beobachtete die forensische Untersuchung des Runaboat-Wracks der „Zambesi“. Petty Officer Jong Dae Park, sein frisch beförderter Adjutant, stand neben ihm und protokollierte alles gewissenhaft.
Lieutenant Commander T’Vrell, die leitende Forensikerin, gab gerade ihren aktuellen Bericht ab: „Die Quantensignatur zeigt deutliche Anomalien, die auf Spiegeluniversum-Technologie hindeuten. Die Modifikationen an den Waffensystemen und dem Tarnfeld sind hochentwickelt und passen zu terranischen Bauweisen aus dem Spiegeluniversum.“
Elbrun nickte langsam, die Arme vor der Brust verschränkt. „Weitermachen. Ich will jede noch so kleine Spur. Wenn das wirklich Terraner aus dem Spiegeluniversum waren, müssen wir herausfinden, wie sie es geschafft haben, unbemerkt in unser Universum zu kommen.“
Petty Officer Park schaute kurz zu ihm auf und fügte leise hinzu: „Admiral, die Selbstzerstörungssequenz wurde manuell ausgelöst. Der Pilot wollte verhindern, dass wir brauchbare Daten bergen.“ Elbrun atmete tief durch. „Genau das befürchte ich.“
Das Forensik-Team arbeitete weiter hochkonzentriert an dem stark beschädigten Wrack des Runaboats „Zambesi“. Die Trümmer lagen ausgebreitet auf mehreren Anti-Grav-Paletten, beleuchtet von hellen Arbeitslampen.
Lieutenant Commander T’Vrell trat zu Elbrun und Petty Officer Jong Dae Park. Ihre Miene war sachlich wie immer. „Wir haben den Runaboat weiter untersucht“, begann sie. „Leider fanden wir nicht viel Verwertbares. Die Selbstzerstörungssequenz hat den Großteil der internen Systeme zerstört.“ Sie aktivierte ein Holodisplay und zeigte einige Analysen. „Allerdings konnten wir Rückstände von Phaserfeuer isolieren. Die Signatur passt eindeutig zu den Phaserbänken Ihres Shuttles, Admiral Tiran. Das bestätigt, dass Sie den Runaboat getroffen haben.“
Elbrun nickte ernst. „Und sonst? Irgendwelche Hinweise auf die Besatzung?“
T’Vrell zögerte kurz. „Wir haben Spuren von genetischem Material gefunden. Hautzellen und Blutreste, vermutlich vom Piloten. Aber die Proben sind durch die Explosion und die anschließende Hitze stark beschädigt. Eine vollständige DNA-Analyse ist derzeit nicht möglich. Wir versuchen, zumindest partielle Sequenzen zu rekonstruieren, aber das kann Tage dauern.“
Petty Officer Jong Dae Park notierte alles fleißig auf seinem PADD und schaute dann zu Elbrun auf. „Soll ich die vorläufigen Ergebnisse direkt an Admiral Nechayev weiterleiten, Sir?“ Elbrun dachte einen Moment nach, dann nickte er. „Ja. Aber markieren Sie es als ‚vorläufig‘. Ich will keine voreiligen Schlüsse.“ Er schaute wieder auf das Wrack und murmelte leise: „Sie haben alles zerstört, bevor wir es richtig untersuchen konnten. Das war kein Zufall.“
Im Quartier der Enterprise:
Aljoscha saß konzentriert am Schreibtisch und ging die Berichte durch. Die meisten waren Routine, doch dann stieß er auf einen besonders markierten Anhang in der Sicherheitsanalyse des Angriffs. Er öffnete die Datei und las aufmerksam. Plötzlich hielt er inne. „Warte, das kann nicht sein“, murmelte er leise. In dem Bericht stand eine vorläufige Auswertung der Flugbahn des angreifenden Runaboats „Zambesi“. Die Analysten hatten eine mögliche Startposition rekonstruiert. Demnach war das Runaboat nicht direkt aus dem Spiegeluniversum gekommen, sondern hatte sich offenbar schon mehrere Stunden, wenn nicht sogar Tage, in diesem Universum aufgehalten.
Noch interessanter war eine kleine Notiz am Rand: „Mögliche Übereinstimmung der Triebwerkssignatur mit einem Runaboat der Danube-Klasse, der vor 9 Tagen als vermisst gemeldet wurde (Registry NCC-71982, ‚Rio Grande‘). Die Signatur des Triebwerks und die spezifische Emissionsfrequenz sind zu 87 % identisch.“
Aljoscha lehnte sich zurück und fuhr sich durch die Haare. „Sie haben also ein Runaboat aus unserer Flotte gestohlen oder gekapert, und es dann modifiziert“, murmelte er. „Das bedeutet, sie sind schon länger hier. Und sie operieren nicht nur aus dem Spiegeluniversum heraus.“ Er markierte die Stelle rot und schrieb eine Notiz dazu: Wichtiger Hinweis: Möglicherweise ein gekaperter Runaboat. Interne Sicherheitsüberprüfung aller Danube-Klasse Schiffe der letzten 30 Tage empfohlen. Wer hatte Zugang?
Aljoscha speicherte alles ab und lehnte sich nachdenklich zurück. Die Sache war größer, als sie bisher angenommen hatten. Aljoscha markierte die relevanten Stellen und schickte die Daten sofort per verschlüsselter Prioritätsübertragung an Elbrun.
Auf der USS Lexington:
Elbrun öffnete die Nachricht und las sie aufmerksam. Dann reichte er das Padd wortlos an Lieutenant Commander T’Vrell weiter. „Was sagen Sie dazu?“ T’Vrell nahm das Padd entgegen, ging die Daten durch und verglich sie mit ihren eigenen Analysen. Sie schaute sich das Wrack noch einmal genau an, ließ mehrere Scans laufen und suchte nach Übereinstimmungen in den Triebwerkssignaturen und Emissionsmustern. Nach ein paar Minuten nickte sie langsam. „Die Übereinstimmung ist hoch. 89,7 %. Es handelt sich tatsächlich um ein Runaboat der Föderation. Die ‚Rio Grande‘, die vor neun Tagen als vermisst gemeldet wurde.“ Sie schaute Elbrun direkt an. „Die Terraner haben offenbar eines unserer eigenen Schiffe gestohlen und modifiziert. Die Tarn- und Waffensysteme wurden nachträglich angepasst.“ Elbrun verschränkte die Arme vor der Brust, seine Miene wurde hart. „Das bestätigt meinen Verdacht. Die Terraner haben Agenten oder zumindest Helfer in diesem Universum. Sie operieren nicht nur von der anderen Seite aus. Sie sind schon länger hier.“ Petty Officer Jong Dae Park schaute von seinem Padd auf. „Soll ich die Information an Admiral Nechayev weiterleiten, Sir?“ Elbrun nickte. „Ja. Und markieren Sie es als ‚dringend‘. Wir müssen herausfinden, wer ihnen geholfen hat, das Runaboat zu stehlen und zu verstecken.“ T’Vrell fügte hinzu: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Maulwurf innerhalb der Sternenflotte gibt, steigt damit deutlich.“ Elbrun starrte auf das Wrack und murmelte leise: „Sie sind bereits unter uns…, und wir haben es nicht gemerkt.“
Die Arbeiten gingen konzentriert weiter. Gegen Abend verließen Elbrun und sein Adjutant Petty Officer Jong Dae Park die USS Lexington. Sie gingen durch die belebten Korridore der Sternenbasis 1 in Richtung der Luftschleuse der Enterprise. „Sir, darf ich Sie etwas fragen?“, begann Jong Dae vorsichtig. „Natürlich. Was wollen Sie wissen?“ Jong Dae zögerte einen Moment, dann fragte er leise: „Haben Sie Angst?“ Elbrun lachte leise und schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe keine Angst. Besonders jetzt nicht. Hier auf der Sternenbasis sind wir sicher, und auf der Enterprise ebenfalls.“ Jong Dae nickte, wirkte aber nicht ganz überzeugt. „Ja, aber…, Sie sind überzeugt davon, dass es einen Spion oder Agenten hier geben muss. Vielleicht sind sie viel näher, als wir denken.“ „Das ist möglich“, antwortete Elbrun ruhig. „Aber ich glaube nicht, dass jemand etwas tun wird, das seine Tarnung auffliegen lassen könnte. Das wäre zu riskant.“ Sie erreichten die Luftschleuse der Enterprise. „Gehen Sie schon mal an Bord“, sagte Elbrun. „Ich möchte noch etwas besorgen.“
Jong Dae nickte gehorsam und trat durch die Schleuse. Elbrun drehte sich um und ging in Richtung der Promenadenbereiche der Sternenbasis. Ihm war eine Idee gekommen, er wollte Aljoscha eine kleine Aufmerksamkeit mitbringen, etwas Persönliches, nach dem anstrengenden Tag. Elbrun schlenderte entspannt durch die belebte Promenade der Sternenbasis 1. Die großen Fenster zeigten die Erde in all ihrer Schönheit, während bunte Lichter und das leise Stimmengewirr der Besucher die Atmosphäre lebendig machten. Verschiedene Stände boten Waren von Dutzenden Welten an: andorianische Kristalle, vulkanische Kunstobjekte, klingonische Schmiedearbeiten und kleine, exotische Delikatessen. Er hatte kein konkretes Ziel, doch der Gedanke, Aljoscha etwas mitzubringen, gefiel ihm. Nichts Großes, einfach eine kleine Geste, weil ihm danach war. An einem Stand mit handgefertigten Gegenständen aus verschiedenen Kulturen blieb er stehen. Eine ältere Betazoidin lächelte ihm freundlich zu. Elbrun ließ seinen Blick über die Auslagen schweifen. Sein Auge fiel auf ein kleines, schlichtes Objekt: Ein filigraner, silberner Anhänger in Form einer stilisierten Welle, eingefasst in einem zarten, fast durchsichtigen Kristall von Risa. Darin schimmerte ein winziger, blauer Stein, der bei Bewegung sanft leuchtete, wie das Meer bei Sonnenuntergang. Er nahm ihn in die Hand. Es war schlicht, elegant und hatte etwas Beruhigendes. Genau das Richtige für Aljoscha, der nach den letzten Tagen etwas Ruhe und Schönheit gebrauchen konnte. „Der passt zu ihm“, murmelte Elbrun leise und lächelte. Die Betazoidin nickte wissend. „Ein Stück Frieden in unruhigen Zeiten“, sagte sie sanft. „Soll ich ihn einpacken?“ „Ja, bitte.“
Während sie den Anhänger sorgfältig in eine kleine, elegante Schachtel legte, dachte Elbrun daran, wie Aljoscha wahrscheinlich wieder leicht rot werden würde, und wie sehr er genau das liebte. Mit der kleinen Schachtel in der Tasche machte er sich auf den Rückweg zur Enterprise, ein zufriedenes, warmes Gefühl in der Brust.
Aljoscha wartete derweil im Quartier darauf, dass Elbrun nach Hause kam. Zuerst war es noch entspannt. Er saß auf der Couch, trank einen Tee und schaute durch das große Fenster auf die Erde. Doch die Minuten vergingen, und Elbrun kam nicht. „Wo bleibt er nur?“, murmelte er vor sich hin. „Naja, vielleicht dauert die Untersuchung ja doch länger“, dachte er und versuchte, sich keine Sorgen zu machen. Doch nach einer weiteren Stunde wurde er langsam unruhig. Er aktivierte seinen Kommunikator. „Cornellus an Tiran. Wo steckst du?“ Keine Antwort. Er versuchte es erneut. „Elbrun?“ Stille. Noch einmal. „Elbrun, bitte melde dich.“ Nichts. Der Kanal blieb stumm.
„Das kann nicht wahr sein…“, flüsterte Aljoscha. Sein Herz schlug schneller. Er stand auf und ging unruhig im Quartier auf und ab. „Computer, Admiral Elbrun Tiran lokalisieren.“ „Admiral Tiran befindet sich nicht an Bord der Enterprise.“ Aljoscha wurde blass. Er schluckte hart und aktivierte erneut seinen Kommunikator. „Captain Cornellus an Petty Officer Park.“ „Park hier, Sir. Was gibt es?“ „Jong Dae, haben Sie meinen Mann gesehen?“ „Ja, wir waren zusammen auf dem Weg zum Schiff. Vor der Luftschleuse meinte er, ich solle schon an Bord gehen. Er wollte noch etwas besorgen. Ist er noch nicht zurück?“ „Nein!“, antwortete Aljoscha, die Stimme jetzt deutlich angespannt. „Er ist immer noch nicht hier.“
Am anderen Ende war einen Moment Stille. „Das ist komisch…“, sagte Park schließlich. „Ich bin schon seit fast zwei Stunden wieder an Bord.“ Aljoscha fuhr sich mit der Hand durch die Haare, seine Unruhe verwandelte sich langsam in echte Sorge. „Ich werde mal schauen, ob ich ihn finde“, meinte Aljoscha zu Petty Officer Park. „Falls Sie wollen, helfe ich suchen“, bot dieser sofort an. „Danke für das Angebot. Ich gehe erstmal selbst schauen, vielleicht finde ich ihn schnell. Wenn nicht, melde ich mich.“ „Verstanden, Sir.“
Aljoscha verließ das Quartier und ging mit schnellen Schritten in Richtung der Luftschleuse. Kaum hatte er den Korridor betreten, kam ihm Flottenadmiral Alynna Nechayev entgegen, in ihrem Schlepptau zwei Sicherheitsoffiziere mit ernsten Mienen. „Captain Cornellus“, grüßte sie ihn knapp. „Admiral?“ Aljoscha blieb stehen. Er schaute ihr direkt in die Augen und sah etwas, das ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Eine Mischung aus Sorge und blankem Entsetzen. „Was machen Sie hier?“ „Kommen Sie mit“, sagte Nechayev nur. „Ich wollte gerade meinen Mann suchen“, erwiderte Aljoscha, dessen Unruhe nun deutlich spürbar wurde. „Ich weiß“, antwortete sie leise. „Kommen Sie bitte.“ Aljoscha folgte ihr, doch mit jedem Schritt wurde er unruhiger.
„Admiral, würden Sie mir bitte sagen, was hier vor sich geht?“, fragte er ungeduldig, die Stimme voller Sorge. Nechayev schwieg. Sie sah nicht aus, als wollte sie nicht antworten. Eeher, als wüsste sie nicht, wie sie es sagen sollte. Dann bemerkte Aljoscha es: Gelber Alarm war auf der gesamten Sternenbasis ausgelöst worden. Warnlichter blinkten in den Korridoren, und die Besatzung bewegte sich nun deutlich schneller und angespannter. „Was geht hier vor?“, dachte er, während sein Herz immer schneller schlug.
Aljoscha folgte Admiral Nechayev durch die Korridore der Sternenbasis. Die beiden Sicherheitsoffiziere gingen schweigend hinter ihnen, die Hände nahe an ihren Phasern. Das gelbe Alarmlicht tauchte die Gänge in ein unheilvolles, flackerndes Licht. „Admiral“, setzte Aljoscha erneut an, diesmal drängender, „bitte sagen Sie mir, was los ist. Wo ist Elbrun?“ Nechayev blieb nicht stehen. Ihre Schritte waren schnell und zielstrebig, ihr Gesicht wie versteinert. Sie antwortete nicht sofort. Stattdessen sah Aljoscha, wie sie kurz die Zähne zusammenbiss. Eine seltene Geste der Anspannung bei ihr. Um sie herum wurde die Atmosphäre immer bedrohlicher. Mehr Sicherheitskräfte eilten durch die Gänge, einige mit gezogenen Phasern. Türen wurden verriegelt, und eine angespannte Stille lag über der Station, die nur vom Heulen des Alarms unterbrochen wurde. Aljoschas Herz schlug schneller. Ein ungutes Gefühl kroch ihm den Nacken hinauf. „Admiral Nechayev!“, sagte er schärfer. „Ich verlange eine Antwort. Was ist mit meinem Mann passiert?“ Nechayev blieb stehen und drehte sich zu ihm um. Ihr Gesicht war blass, die sonst so kontrollierte Miene zeigte tiefe Sorge.
„Captain…“, begann sie leise, fast vorsichtig, „wir haben vor etwa 47 Minuten den Kontakt zu Elbrun verloren. Er hat die Luftschleuse der Enterprise nie betreten. Seine Lebenszeichen sind… verschwunden.“ Aljoscha spürte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. „Verschwunden?“, wiederholte er tonlos. „Was soll das heißen, verschwunden?“ Nechayev schaute ihn direkt an. Ihre Stimme war leise, aber die Worte trafen wie ein Schlag. „Wir haben eine Blutspur gefunden. Nicht viel. Aber sie gehört ihm. Und wir haben einen Zeugen, der gesehen hat, wie zwei unbekannte Personen ihn in einen Wartungsschacht gezogen haben. Kurz darauf wurde die Überwachung in diesem Sektor manipuliert.“ Sie machte eine kurze Pause, bevor sie den Satz beendete, der Aljoschas Welt zum Einsturz brachte: „Es sieht nach einer gezielten Entführung aus.“
Aljoscha stand wie erstarrt da. Das gelbe Alarmlicht flackerte über sein bleiches Gesicht. Seine Hände begannen zu zittern. „Nein…“, flüsterte er. „Das…, das kann nicht sein…“. Nechayev legte ihm eine Hand auf die Schulter, eine seltene Geste der Nähe. „Wir suchen mit allem, was wir haben. Aber bisher… haben wir keine Spur.“ Die Station um sie herum schien plötzlich dunkler, bedrohlicher. Irgendwo in den Tiefen der Sternenbasis 1 war Elbrun verschwunden. und niemand wusste, ob er noch lebte.
„Captain, die Sternenbasis ist vollständig abgeriegelt“, sagte Nechayev mit fester, aber angespannter Stimme. „Alle angedockten Schiffe werden durchsucht, auch die Enterprise. Der gesamte Sektor ist auf Alarmstufe Gelb. Kein Schiff kommt rein oder raus, ohne dass wir es wissen.“ Aljoscha stand wie erstarrt da. Die Worte trafen ihn mit voller Wucht. Seine Hände begannen heftig zu zittern, sein Atem wurde flach und schnell. „Nein…“, flüsterte er zuerst nur, dann lauter: „Nein! Das kann nicht sein! Er wollte doch nur etwas besorgen! Er war doch nur…, nur kurz weg!“ Seine Stimme brach. Tränen schossen ihm in die Augen. Er drehte sich abrupt um, fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare und ging unruhig ein paar Schritte hin und her. „Elbrun… wo bist du?!“, stieß er verzweifelt hervor. „Das darf nicht wahr sein. Nnicht er…, nicht schon wieder…“. Seine Beine wurden weich. Er lehnte sich schwer gegen die Wand, atmete stoßweise, die Augen weit aufgerissen vor Panik und Angst. Die Tränen liefen ihm ungehindert über die Wangen. „Ich kann ihn nicht verlieren…, ich kann ihn nicht verlieren…“, wiederholte er immer wieder leise, fast wie ein Mantra, die Stimme zitternd und gebrochen. Nechayev trat näher, ihre eigene Miene war ernst und mitfühlend. Sie legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter. „Aljoscha…, ich weiß, wie sich das anfühlt. Aber hören Sie mir zu.“
Sie wartete, bis er sie anschaute, dann sprach sie leise, aber mit klarer Dringlichkeit: „Es gibt eine Theorie, die im Moment am wahrscheinlichsten ist. Die Terraner aus dem Spiegeluniversum haben nicht nur das Runaboat gestohlen. Sie haben Helfer hier. Einen oder mehrere Agenten in unseren Reihen. Jemand hat Elbrun beobachtet. Jemand hat genau gewusst, wann er allein ist. Der Anschlag auf ihr Shuttle war nur der erste Versuch. Jetzt haben sie ihn sich geholt, lebend. Weil sie Antworten wollen. Weil sie wissen wollen, was er im Spiegeluniversum gesehen hat, welche Informationen er mitgebracht hat und ob er ihre Pläne gefährden könnte.“ Aljoscha starrte sie an, das Gesicht bleich, die Augen voller Tränen und blanker Angst. „Dann finden Sie ihn…, bitte…, finden Sie ihn…“, flüsterte er mit erstickter Stimme. „Ich kann ihn nicht verlieren. Nicht so…, nicht Elbrun.“
„Das werden wir“, sagte Nechayev mit fester, entschlossener Stimme. Aljoscha atmete tief durch. Er ballte die Fäuste, schloss kurz die Augen und sprach leise zu sich selbst: „Okay…, reiß dich zusammen. Wir werden ihn finden. Behalte einen klaren Kopf.“ Dann schaute er Nechayev direkt an, seine Stimme jetzt fester und entschlossener: „Gehen wir ihn suchen?“ „Deswegen habe ich Sie geholt“, antwortete Nechayev. „Und wir werden ihn auch suchen!“, rief eine Stimme von hinten. Aljoscha drehte sich überrascht um. Dort stand Petty Officer Jong Dae Park, und hinter ihm fast die gesamte Führungscrew der Enterprise. Commander Mamaav fehlte, er hielt die Stellung auf dem Schiff und koordinierte von dort aus.
Aljoscha war sichtlich bewegt. Lieutenant Commander Shras trat einen Schritt vor und sagte ruhig: „Petty Officer Park hat uns erzählt, dass der Admiral vermisst wird. Da haben wir beschlossen, Ihnen bei der Suche zu helfen.“ Aljoscha nickte, die Augen noch etwas feucht, aber seine Stimme war nun klar und entschlossen. „Danke…, danke ihnen allen.“
Nechayev schaute in die Runde und nickte knapp. „Dann los. Wir teilen uns auf. Jede Sektion, jeder Wartungsschacht, jede ungenutzte Frachtbucht wird durchsucht. Captain Cornellus, Sie kommen mit mir.“ Aljoscha straffte die Schultern, die Angst saß ihm zwar noch tief in den Knochen, aber der Wille, Elbrun zu finden, war stärker. Die Gruppe setzte sich in Bewegung. Die gelben Alarmleuchten flackerten über ihre Gesichter, während sie durch die Korridore der Sternenbasis eilten, auf der Suche nach dem Mann, der ihnen allen wichtig war.
Die Gruppe bewegte sich schnell, aber vorsichtig durch die Korridore. Aljoscha ging neben Nechayev, seine Schritte waren angespannt, die Hände zu Fäusten geballt. Plötzlich blieb einer der Sicherheitsoffiziere stehen und hob die Hand. „Hier!“, rief er.
Sie hatten den Bereich erreicht, an dem Elbrun zuletzt gesehen worden war. Die Blutspur war klein, aber deutlich sichtbar, dunkle Flecken auf dem Boden und an der Wand. Aljoscha starrte darauf, sein Gesicht wurde aschfahl. Nechayev kniete sich hin und untersuchte die Stelle. „Frisches Blut. Noch keine zwei Stunden alt. Es gibt Schleifspuren hier. Sie haben ihn weggezogen.“
Shras scannte die Umgebung mit seinem Tricorder. „Ich habe eine schwache biometrische Spur. Sie führt in diesen Wartungsschacht. Jemand hat die internen Sensoren für exakt 92 Sekunden gestört. Sehr präzise. Professionell.“
Aljoscha trat näher. Seine Stimme war rau vor Angst und Wut. „Wie viele waren es?“ „Mindestens zwei“, antwortete der Sicherheitsoffizier. „Schuhabdrücke deuten auf Standard-Stiefel der Wartungscrew hin. Aber die Größe passt nicht zu unseren Leuten.“
Nechayev stand auf und schaute Aljoscha ernst an. „Sie haben ihn nicht getötet. Sie haben ihn betäubt und mitgenommen. Das bedeutet, sie wollen ihn lebend. Wahrscheinlich für eine Befragung…, oder Schlimmeres.“ Aljoscha schluckte hart. Seine Hände zitterten. „Dann finden wir ihn. Jetzt.“ In diesem Moment piepte Shras’ Tricorder erneut. „Admiral…, ich habe etwas.“ Er hielt das Gerät hoch. Auf dem Display war ein schwaches, aber klares Signal zu sehen. „Ein einzelner Quantenmarker. Sehr schwach. Er wurde wahrscheinlich unter Admiral Tirans Haut injiziert, ein Notfall-Tracker, den nur hochrangige Offiziere haben. Er sendet noch. Aber das Signal ist extrem gedämpft. Sie müssen ihn in eine der unteren Wartungsebenen gebracht haben.“ Aljoscha atmete scharf ein. „Dann los. Wir folgen dem Signal.“ Nechayev nickte. „Seien Sie vorsichtig. Wer auch immer das war, sie sind organisiert und haben Zugang zu unseren Systemen. Das war kein Zufall.“
Die Gruppe setzte sich in Bewegung, tiefer in die Eingeweide der Sternenbasis hinein. Die gelben Alarmleuchten flackerten über ihre angespannten Gesichter. Jeder Schritt führte sie weiter weg vom Licht — und näher zu dem, was mit Elbrun geschehen war.
Zur selben Zeit – irgendwo in den unteren Wartungsebenen der Sternenbasis 1
Elbrun hing mit den Händen über dem Kopf an einer rostigen Stahlstange, die fest an der Decke verschraubt war. Seine Handgelenke waren mit schweren Kabelbindern brutal festgezurrt. Auch seine Füße waren eng zusammengebunden, sodass er kaum stehen konnte. Sein Körper schwankte leicht. Er war verletzt. Mehrere Schläge hatten sein Gesicht gezeichnet. Ein aufgeplatzter Mundwinkel, ein geschwollenes Auge. Auf seiner Brust und an den Seiten waren mehrere Stichwunden, nicht besonders tief, aber sie bluteten stark. Dunkles Blut lief ihm über den Oberkörper und tropfte auf den schmutzigen Boden. Es sah nicht nach einer professionellen Entführung aus. Eher nach etwas Hektischem, Panischem, Verzweifeltem.
Zwei Männer standen vor ihm und stritten lautstark. „So eine Scheiße!“, brüllte der eine, ein drahtiger Mensch mit nervösem Blick. „Er redet nicht! Und die ganze Sternenbasis ist inzwischen abgeriegelt! Wir kommen hier nie wieder raus!“ Der zweite Mann, breiter und etwas älter, fuhr sich gestresst durch die Haare. „Beruhig dich verdammt nochmal! Wir müssen nachdenken!“ „Nachdenken?!“, schrie der Erste zurück. „Wir haben komplett versagt! Entweder werden wir hier festgenommen…, oder sie bringen uns zuhause um, wenn wir ohne Ergebnisse zurückkommen!“ Der Ältere zeigte wütend auf Elbrun. „Das war allein deine Schuld! Du hast in Panik gehandelt! Es war deine Idee, ihn einfach so zu entführen! Und wofür? Für nichts! Dieser Elbrun ist genauso stur und zäh wie unserer, wenn nicht sogar schlimmer!“
Elbrun hob langsam den Kopf. Blut lief ihm aus dem Mundwinkel. Trotz seiner Schmerzen und der offensichtlichen Erschöpfung lag ein trotziger, kalter Ausdruck in seinen Augen. Er spuckte etwas Blut auf den Boden und sagte mit rauer, aber fester Stimme: „Ihr habt keine Ahnung, worauf ihr euch eingelassen habt…“. Die beiden Entführer drehten sich zu ihm um. Der Jüngere sah aus, als würde er gleich durchdrehen. „Halt’s Maul!“, zischte er und trat einen Schritt näher.
Elbrun lächelte schwach, blutverschmiert und erschöpft, aber immer noch herausfordernd. „Ihr seid schon tot. Ihr wisst es nur noch nicht.“ Die beiden Entführer wurden zunehmend panischer. Der Jüngere lief nervös auf und ab, die Hände in den Haaren vergraben, während der Ältere immer wieder zur Tür schaute, als würde jeden Moment ein Sicherheitsteam hereinstürmen. „Wir müssen hier weg!“, zischte der Jüngere. „Die ganze Station sucht ihn! Die haben schon Gelben Alarm ausgelöst!“
Der Ältere fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, dann starrte er Elbrun hasserfüllt an. „Du redest jetzt besser, du Mistkerl…“. Er zog ein kleines Messer mit kurzer, scharfer Klinge hervor. Nicht lang genug, um lebenswichtige Organe zu treffen, aber mehr als ausreichend, um Schmerzen zu bereiten. Ohne Vorwarnung stach er zu.
Die Klinge drang in Elbruns Seite ein, knapp unter den Rippen. Elbrun biss die Zähne zusammen und stöhnte gepresst auf. Der Schmerz war scharf und brennend. Der Mann zog das Messer heraus und stach erneut zu. Diesmal in die andere Seite, dann in die Schulter, dann wieder in den Oberarm. Jeder Stich war kontrolliert, aber voller Wut. Blut lief warm über Elbruns Körper, tropfte auf den Boden. „Rede endlich!“, schrie der Jüngere und trat näher. „Was hast du im Spiegeluniversum gemacht?! Was weißt du?!“
Elbrun keuchte schwer, Schweiß und Blut liefen ihm übers Gesicht. Der Schmerz war intensiv, aber er blieb bei Bewusstsein. Sein Verstand arbeitete fieberhaft. Überlebensinstinkt. Er analysierte die Situation: Die Fesseln waren straff, aber die Stahlstange an der Decke hatte leichte Roststellen. Seine Füße waren zusammengebunden, aber nicht am Boden fixiert. Die beiden Männer waren nervös, unkoordiniert, panisch, keine Profis.
„Töten wir ihn!“, stieß der Jüngere plötzlich hervor, die Stimme überschlagend. „Wir töten ihn und verschwinden! Wenn sie ihn lebend finden, sind wir sowieso tot!“ Der Ältere zögerte, das blutige Messer noch in der Hand. Elbrun atmete schwer, hob den Kopf und schaute die beiden mit blutunterlaufenen, aber klaren Augen an. Trotz der Schmerzen arbeitete sein Verstand auf Hochtouren. Die Stange…, wenn ich genug Schwung bekomme, könnte ich sie lockern. Die Klinge ist kurz — sie müssen nah rangehen. Wenn einer von ihnen nah genug kommt…
Er spannte unauffällig die Muskeln in seinen Armen und Schultern an, ignorierte den brennenden Schmerz der Stichwunden und wartete auf den richtigen Moment. „Worauf wartest du noch?!“, schrie der Jüngere seinen Komplizen an. „Mach ihn fertig!“
Zur selben Zeit – Suchteams auf Sternenbasis 1
Aljoscha ging mit schnellen, angespannten Schritten neben Admiral Nechayev durch die unteren Wartungsebenen. Das gelbe Alarmlicht flackerte über ihre Gesichter und warf harte Schatten. Hinter ihnen folgten mehrere Sicherheitsoffiziere und Führungsoffiziere der Enterprise, darunter Lieutenant Commander Shras und Petty Officer Jong Dae Park.
„Der Quantenmarker wird stärker“, sagte Nechayev, während sie auf ihr Padd schaute. „Sektion 47-B, die alten Wartungstunnel. Die Sensoren dort sind seit Jahren lückenhaft.“ Aljoscha nickte nur. Sein Gesicht war blass, die Kiefer fest zusammengepresst. Die Angst um Elbrun saß ihm wie ein eisiger Klumpen im Magen, aber er versuchte krampfhaft, einen klaren Kopf zu bewahren. Plötzlich blieb Shras stehen und hob die Hand.
„Blutspuren“, sagte er leise. „Frisch. Und es sind mehrere. Jemand wurde hier verletzt…. und weitergeschleppt.“ Aljoscha erstarrte. Er trat näher und starrte auf die dunklen Flecken am Boden und an der Wand. Seine Hände begannen zu zittern. „Das ist sein Blut…“, flüsterte er mit brüchiger Stimme. „Ich weiß es.“ Nechayev legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter. Eine seltene Geste der Nähe. „Wir sind nah dran. Aber seien Sie vorsichtig. Wer auch immer ihn hat, ist vermutlich in Panik. Und panische Leute sind unberechenbar.“
Die Gruppe bewegte sich nun noch schneller, die Phaser gezogen. Die Luft in den engen, schlecht beleuchteten Tunneln war stickig und roch nach altem Metall und Schmiermittel. Jeder Schritt hallte dumpf wider. Aljoscha ging vorne mit, die Augen wachsam, das Herz hämmerte ihm bis zum Hals. „Elbrun…, halte durch“, flüsterte er kaum hörbar. „Wir kommen, bitte halte durch.“ Nechayev schaute ihn von der Seite an. Ihre Stimme war leise, aber bestimmt: „Wir finden ihn. Lebend.“
Zur selben Zeit – irgendwo in den unteren Wartungsebenen der Sternenbasis 1
Elbrun hing schwer atmend an der rostigen Stahlstange, das Blut lief ihm in Strömen über Brust und Bauch. Die Schmerzen von den wiederholten Stichen waren höllisch, aber sein Verstand arbeitete klar und kalt. Jetzt oder nie. Die beiden Entführer stritten immer lauter, der Jüngere war kurz davor durchzudrehen. „Töten wir ihn endlich!“, schrie er und zog seine eigene Klinge. In diesem Moment spannte Elbrun alle Muskeln an. Mit einem plötzlichen, kraftvollen Ruck warf er seinen Körper nach vorne und wieder zurück, nutzte sein ganzes Gewicht, um die bereits rostige Stange zu belasten. Ein leises Knirschen war zu hören.
Der Ältere bemerkte es zu spät. Elbrun schwang sich ein zweites Mal mit voller Kraft. Die rostige Verankerung gab mit einem lauten Knacken nach. Die Stange brach aus der Decke. Elbrun fiel schwer zu Boden, die Hände noch immer gefesselt, aber jetzt frei beweglich. Sofort rollte er sich zur Seite, ignorierte den stechenden Schmerz in seinen Wunden und trat mit beiden zusammengebundenen Beinen dem Jüngeren hart gegen das Knie. Ein hässliches Knacken ertönte, der Mann schrie auf und ging zu Boden.
Der Ältere reagierte und stach mit dem Messer nach ihm. Elbrun wich aus, das Messer verfehlte ihn nur knapp. Mit einer schnellen Drehung schlang er die Kabelbinder zwischen seinen Handgelenken um den Arm des Mannes und zog mit aller Kraft. Der Entführer verlor das Gleichgewicht.
Elbrun rammte ihm den Ellbogen ins Gesicht, einmal, zweimal. Blut spritzte. „Du verdammter…!“, keuchte der Mann. Elbrun nutzte den Moment, rollte sich über ihn und drückte ihm mit den gefesselten Händen die Kehle zu. Der Mann wehrte sich verzweifelt, schlug um sich, traf Elbrun mehrmals in die bereits offenen Wunden. Der Schmerz war mörderisch. Elbrun biss die Zähne zusammen, drückte fester zu, bis der Mann endlich erschlaffte.
Schwer atmend und blutüberströmt drehte er sich zum Jüngeren um, der gerade versuchte, sich aufzurappeln. Elbrun kroch auf ihn zu, die Zähne blutig gebleckt, die Augen voller kalter Wut. „Komm schon…“, knurrte er leise. „Versuch’s.“
Elbrun hing schwer atmend an der Stahlstange, das Blut lief ihm in Strömen über den Körper. Die Schmerzen der zahlreichen Stichwunden brannten wie Feuer. Sein Blick wurde bereits schummrig, die Kräfte schwanden rapide.
Ich muss hier weg… Turbolift… Promenade…
Mit letzter Kraft griff er nach dem Messer des bewusstlosen Entführers, der neben ihm lag. Seine Hände zitterten stark, als er sich die Kabelbinder an den Füßen durchschnitt. Jede Bewegung schickte neue Wellen aus Schmerz durch seinen Körper.
Der jüngere Entführer versuchte verzweifelt, sich aufzurappeln. Elbruns harter Tritt hatte ihm offenbar die Kniescheibe zertrümmert. Der Mann schrie vor Schmerz, kam aber nicht richtig hoch, er kroch nur hilflos über den Boden.
„Das ist meine Chance…“, dachte Elbrun. Mit zusammengebissenen Zähnen schnitt er sich endgültig frei. Er taumelte hoch, schwankte stark und stützte sich an der Wand ab. Blut tropfte bei jedem Schritt auf den Boden. Mit letzter Willenskraft schleppte er sich durch den engen Wartungsgang zum nächsten Turbolift. Er stolperte in die Kabine und lehnte sich schwer gegen die Wand. „Promenade…“, krächzte er mit schwacher Stimme. Der Turbolift setzte sich in Bewegung.
Zur selben Zeit bei Aljoscha:
„Einer der Turbolifte hat sich in Bewegung gesetzt!“, rief Commander Zohla plötzlich. „Welcher?“, fragte Nechayev sofort. „B24 Alpha.“ Nechayev schaute Aljoscha an. „Suchen Sie weiter!“, befahl sie dem Rest des Teams. Dann wandte sie sich an Aljoscha: „Wir beide gehen zum Turbolift.“ Sie eilten durch die Korridore. Aljoschas Herz hämmerte wie wild. Die Angst um Elbrun schnürte ihm fast die Kehle zu. Sie waren noch etwa zehn Meter entfernt, als sich der Turbolift öffnete. Aljoscha erstarrte. Elbrun taumelte heraus, blutüberströmt, das Gesicht geschwollen, die Uniform zerrissen und dunkelrot getränkt. Er machte zwei unsichere Schritte, dann sackten ihm die Beine weg. „ELBRUN!“, schrie Aljoscha verzweifelt und stürmte los. Aljoscha fing Elbrun auf, als dessen Beine endgültig nachgaben. Das volle Gewicht des bewusstlosen, blutüberströmten Körpers sackte schwer in seine Arme. „Elbrun…! Nein… nein, nein, nein!“, schrie Aljoscha mit brechender Stimme.
Elbruns Kopf fiel kraftlos zur Seite, Blut lief ihm aus dem Mundwinkel und tropfte warm auf Aljoschas Uniform. Seine Augen waren halb geöffnet, aber leer und glasig. Sein Atem war flach, unregelmäßig und rasselnd, jeder Zug ein Kampf.
„Elbrun…, bleib bei mir…, bitte bleib bei mir!“, flehte Aljoscha verzweifelt. Tränen strömten ihm über das Gesicht, während er Elbrun fest an sich drückte, eine Hand hinter dessen blutigem Kopf, die andere um seinen Rücken geschlungen, als könnte er ihn mit purer Willenskraft festhalten.
Elbruns Körper zuckte einmal schwach, als würde er versuchen, bei Bewusstsein zu bleiben. Ein kaum hörbares, gebrochenes Flüstern kam über seine blutigen Lippen: „Al… joscha…“ Dann erschlaffte er vollständig. Sein Kopf fiel schwer zur Seite, die Augen schlossen sich. Das Atmen wurde noch flacher, fast nicht mehr spürbar.
„NEIN! Elbrun! Bleib wach! Hörst du mich?! Bleib bei mir!“, schrie Aljoscha mit überschlagender Stimme. Pure Panik und blanke, tief sitzende Angst lagen darin. Er wiegte Elbrun sanft hin und her, als könnte er ihn so am Leben halten.
„Bitte…, bitte nicht…, ich kann dich nicht verlieren. Nicht jetzt und nicht so…“, schluchzte er laut, das Gesicht in Elbruns blutigen Haaren vergraben. „Ich liebe dich… ,bitte…, komm zurück zu mir. Lass mich nicht allein, ich brauche dich…“. Seine Stimme brach endgültig. Tränen und Blut vermischten sich auf seinem Gesicht, während er Elbruns leblosen Körper fest umklammerte. Die Verzweiflung war überwältigend.
Nechayev kniete sich sofort neben ihn, ihre sonst so kontrollierte Miene zeigte echte Betroffenheit. „Medizinischer Notfall! Code Schwarz! Wir brauchen ein Notfallteam hier, sofort!“, rief sie in ihren Kommunikator. Aljoscha hielt Elbrun weiter fest, als wollte er ihn mit seiner eigenen Wärme und Liebe zurückholen. „Halte durch…, bitte halte durch…, ich bin hier. Ich bin bei dir, lass mich nicht allein…“, flüsterte er immer wieder mit tränenerstickter Stimme, während sein ganzer Körper vor Angst und Schmerz zitterte.
Die gelben Alarmleuchten flackerten über die Szene und tauchten alles in ein unheilvolles Licht.
Innerhalb von Sekunden kamen zwei medizinische Notfallteams um die Ecke gerannt. Ein Arzt und mehrere Sanitäter mit Notfallkoffern knieten sich sofort neben Elbrun. Aus dem Weg, Sir!“, sagte der leitende Arzt bestimmt, aber respektvoll. Aljoscha ließ nur widerwillig los, hielt aber weiter Elbruns schlaffe, blutige Hand fest umklammert. Seine eigenen Hände zitterten stark. „Er… er hat viel Blut verloren, bitte helfen Sie ihm, er darf nicht sterben…“, flehte er mit erstickter Stimme.
Die Sanitäter arbeiteten schnell und professionell. Sie schnitten die blutgetränkte Uniform auf, legten Druckverbände auf die zahlreichen Stichwunden und setzten ihm einen Hypospray an den Hals. „Multiple Stichverletzungen, starke Blutung, hypovolämischer Schock“, meldete der Arzt. „Blutdruck kritisch niedrig. Plasma und Stabilisator, sofort! Wir müssen ihn stabilisieren!“
Aljoscha kniete neben der Trage, Tränen liefen ihm ununterbrochen über das Gesicht. Er hielt Elbruns Hand fest, als könnte er ihn so am Leben halten. „Elbrun…, bitte…, bleib bei mir“, flüsterte er immer wieder mit gebrochener Stimme. „Ich kann das nicht ohne dich. Bitte kämpfe, ich liebe dich. Komm zurück zu mir…“. Seine Stimme brach endgültig. Er schluchzte leise, während er Elbruns bleiches, blutverschmiertes Gesicht betrachtete. Der Anblick seines sonst so starken Mannes, der nun hilflos und bewusstlos dalag, zerriss ihm das Herz.
Der Arzt schaute kurz zu ihm auf. „Wir bringen ihn sofort auf die Krankenstation. Er ist kritisch, aber wir haben ihn noch. Kommen Sie mit?“ Aljoscha nickte nur, die Tränen liefen weiter. „Ich lasse ihn nicht allein. Niemals.“
Die Sanitäter hoben Elbrun vorsichtig auf eine Anti-Grav-Trage. Aljoscha ging direkt daneben her, hielt weiter seine Hand und lief mit, während sie schnell durch die Korridore zur medizinischen Notfallstation eilten. Nechayev folgte ihnen mit ernster Miene. „Halten Sie durch, Elbrun…“, murmelte sie leise. Aljoscha starrte nur auf Elbruns Gesicht, die Lippen zitternd. „Bitte, lass mich nicht allein. Elbrun…, bitte.“
Sie eilten so schnell es ging durch die Korridore der Sternenbasis zur nächsten Krankenstation. Commander Suvak und Lieutenant Commander Tikkem, die beiden leitenden Ärzte der Enterprise, stießen unterwegs zu ihnen und liefen mit. Kaum hatten sie die Notaufnahme erreicht, wurde Elbrun vorsichtig auf eines der Biobetten gelegt. Suvak übernahm sofort die Behandlung persönlich. Seine Hände arbeiteten schnell und präzise, während er die ersten Scans durchführte.
Aljoscha und Admiral Nechayev mussten draußen im Wartebereich bleiben. Durch die große transparente Scheibe konnten sie jedoch alles mitverfolgen. Suvak untersuchte Elbrun gründlich. Sein Gesicht wurde zunehmend ernst. „Neunundzwanzig Stichverletzungen“, zählte er laut. „Die meisten oberflächlich, aber mehrere haben Muskelgewebe durchdrungen. Eine gebrochene Rippe links, starke Prellungen am Oberkörper und im Gesicht. Blaues Auge, zahlreiche Kratzer und Hämatome. Leichte Gehirnerschütterung.“
Er machte eine kurze Pause, während die Scanner weiter liefen. „Keine inneren Blutungen. Das Blut, das aus dem Mund kam, stammt von mehreren Schlägen ins Gesicht. Er hat sich selbst auf die Zunge und die Innenseite der Wange gebissen. Ein Teil des Blutes ist in die Luftröhre gelangt, deshalb die flache, rasselnde Atmung.“
Tikkem, die neben ihm stand, schaute kurz durch die Scheibe zu Aljoscha und versuchte, ihn zu beruhigen: „Es sieht schlimmer aus, als es ist, Captain. Die Wunden sind schmerzhaft, aber nicht lebensbedrohlich. Er hat allerdings sehr viel Blut verloren. Wir stabilisieren ihn jetzt.“ Aljoscha stand wie erstarrt vor der Scheibe, die Hände gegen das Glas gedrückt. Tränen liefen ihm über die Wangen, während er Elbruns blutigen, bewusstlosen Körper auf dem Biobett sah. Sein Atem ging stoßweise.
„Er sieht so zerbrochen aus“, flüsterte er mit erstickter Stimme.
Im Behandlungsraum injizierte Suvak mehrere Medikamente und legte einen intravenösen Zugang. Elbruns Körper zuckte leicht, als das regenerative Plasma in seine Adern floss. Aljoscha presste die Stirn gegen das Glas, die Tränen flossen unaufhörlich. „Bitte wach wieder auf, ich brauche dich…, komm zurück zu mir, Imzadi…, ich kann das nicht ohne dich…“. Seine Stimme brach endgültig. Er schluchzte leise, während er hilflos zusah, wie die Ärzte um das Leben seines Mannes kämpften.
Aljoscha stand vor der großen Scheibe, die Hände fest gegen das Glas gepresst. Sein Atem ging stoßweise. Die Mischung aus hilfloser Wut, tiefer Trauer und lähmender Angst kochte in ihm hoch.
Tränen schossen ihm in die Augen und liefen ungehindert über sein Gesicht. Er schlug mit der flachen Hand hart gegen die Scheibe. „Ich bringe sie um! Wer auch immer das war , ich bringe diese Bastarde um!“, brüllte er mit verzerrtem Gesicht. Die Wut, die Sorge und die pure Verzweiflung brachen gleichzeitig aus ihm heraus. Sein ganzer Körper zitterte. Nechayev bemerkte sofort, dass er kurz davor war, vollkommen die Kontrolle zu verlieren. Sie trat neben ihn, nahm ihn sanft, aber bestimmt am Arm und zog ihn ein Stück von der Scheibe weg.
„Kommen Sie, Captain. Wir können hier eh nichts machen. Gehen wir kurz vor die Tür.“ Aljoscha ließ sich widerwillig mitziehen. Kaum waren sie draußen im Korridor, ließ Nechayev seinen Arm los. „Lassen Sie es raus“, sagte sie ruhig, aber eindringlich. „Lassen Sie jetzt alles raus.“ Das war der Dammbruch. Aljoscha schrie. Ein lauter, tiefer, gequälter Schrei voller Schmerz, Wut und purer Verzweiflung hallte durch den Gang. Er schrie, bis seine Stimme brach. Dann holte er aus und schlug mit voller Wucht mit der rechten Faust gegen die Tür der Krankenstation.
BUMM
„Aua…, verdammt!“, zischte er sofort danach, schüttelte die schmerzende Hand aus. Die Knöchel waren aufgeschlagen und bluteten, aber er schien den Schmerz kaum zu spüren.
Aljoscha lehnte mit der Stirn gegen die Tür der Krankenstation, die Fäuste geballt, der ganze Körper angespannt bis zum Zerreißen. Die Tränen liefen ihm weiter über das Gesicht, aber es waren nicht nur Tränen der Trauer — es war eine explosive Mischung aus purer Wut, hilfloser Angst und ohnmächtiger Verzweiflung, die ihn innerlich auffraß.
„Ich weiß, dass er nicht stirbt…“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich weiß es. Suvak ist gut, er schafft das, aber verdammt…“ Seine Stimme wurde lauter, brach fast vor unterdrückter Wut. „Aber das frisst mich auf! Diese verdammte Hilflosigkeit! Dass ich hier draußen stehen muss, während er da drin liegt und verletzt ist! Dass irgendwelche feigen Bastarde ihn einfach so mitnehmen und foltern konnten!“ Er schlug mit der flachen Hand hart gegen die Tür, dann noch einmal mit der Faust. „Warum immer er?! Warum muss es immer wieder ihn treffen?! Er hat schon so viel durchgemacht. Das Spiegeluniversum, die ganzen Kämpfe, die Verantwortung, und jetzt das?! Es reicht! Es reicht verdammt nochmal!“
Seine Schultern bebten. Die Anspannung fraß ihn auf. Er drehte sich um, lehnte sich schwer mit dem Rücken gegen die Wand und rutschte langsam daran herunter, bis er auf dem Boden saß. Die Beine angezogen, die Arme auf die Knie gestützt, das Gesicht in den Händen vergraben.
„Ich hasse das…“, flüsterte er mit erstickter, wütender Stimme. „Ich hasse es, so machtlos zu sein. Ich hasse es, dass ich ihn nicht beschützen konnte…, dass ich nicht bei ihm war… und dass diese Schweine ihn einfach so…“. Seine Fäuste ballten sich so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Die Wut und die Sorge fraßen ihn regelrecht auf. Er atmete schwer, fast schon keuchend, als müsste er sich mit aller Kraft davon abhalten, etwas zu zertrümmern.
Nechayev stand schweigend neben ihm. Sie sagte nichts. Sie wusste, dass es in diesem Moment keine richtigen Worte gab. Sie ließ ihm den Raum, den er brauchte, um die Emotionen rauszulassen. Aljoscha drückte die Handballen gegen seine Augen, die Stimme zitternd vor unterdrückter Verzweiflung: „Ich will ihn zurück! Heil und ganz, nicht so…, nicht so kaputt und blutig. Ich brauche ihn, ich liebe ihn, ich kann das nicht ohne ihn…“.
Die Anspannung blieb. Sie fraß ihn weiter auf. Er saß da, zitternd vor Wut, Trauer und Sorge, und wartete darauf, dass die Tür sich endlich öffnete und ihm jemand sagte, dass Elbrun durchkommen würde.
Aljoscha atmete tief durch. Er versuchte, sich langsam wieder zu beruhigen, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und straffte die Schultern. „Lassen Sie uns wieder reingehen“, sagte er mit etwas festerer Stimme zu Nechayev. Die Stunden zogen sich quälend langsam hin. Aljoscha saß die meiste Zeit schweigend da, den Blick starr auf die Scheibe gerichtet, während die Ärzte arbeiteten. Die Anspannung fraß weiter an ihm. Endlich kam Lieutenant Commander Tikkem aus dem Behandlungsraum. Sie lächelte müde, aber erleichtert. „Wir haben ihn zusammengeflickt. Er ist so gut wie neu.“
Aljoscha und Nechayev atmeten gleichzeitig hörbar auf. Die Erleichterung war fast greifbar. „Kann ich zu ihm?“, fragte Aljoscha sofort, die Stimme noch etwas rau. „Ja, natürlich. Aber er schläft noch. Die Sedierung war stark.“
Aljoscha eilte sofort hinein. Elbrun lag friedlich auf dem Biobett. Das blaue Auge war verschwunden, die Kratzer und Stichwunden waren dank der Dermalregeneratoren fast vollständig verheilt. Er sah aus, als wäre nichts passiert, nur sein Gesicht war noch etwas blass, und sein Körper wirkte geschwächt durch den hohen Blutverlust, der künstlich ersetzt werden musste. Die Gehirnerschütterung würde von allein ausheilen müssen.
Aljoscha setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und nahm Elbruns Hand. Er sah so friedlich aus, als würde er einfach nur schlafen. Die Uniform war entsorgt worden, nur die Rangabzeichen, der Kommunikator und eine kleine, elegante Schatulle lagen auf dem Nachttisch.
Draußen vor dem Zimmer:
Nechayev sprach leise mit Commander Suvak und Lieutenant Commander Tikkem. „Wie ernst war es wirklich?“, fragte sie. Suvak antwortete ernst: „Es war knapp. Verdammt knapp.“ antwortete Tikkem: „Er hatte sehr viel Blut verloren. Zehn Minuten später wäre er verblutet.“ erklärte Suvak. Tikkem nickte bestätigend. „Die Stichwunden waren nicht tief genug für Organe, aber die Blutung war massiv. Ohne schnelle Hilfe hätten wir ihn nicht mehr zurückholen können.“
Nechayev schaute durch die Scheibe zu Aljoscha, der bei Elbrun saß. „Und die Entführer?“, fragte Tikkem. „Die haben wir in einer Arrestzelle“, antwortete Nechayev. „Das Suchteam hat den Turbolift zurückverfolgt. Die beiden Männer lagen bewusstlos in einem Wartungstunnel. Einer hat eine zertrümmerte Kniescheibe, der andere schwere Prellungen am Hals. Elbrun hat sich offenbar heftig gewehrt.“
Im Krankenzimmer:
Aljoscha saß auf der Kante des Biobetts und hielt Elbruns Hand fest in seiner. Er betrachtete das friedliche Gesicht seines Mannes, der jetzt tief und gleichmäßig atmete. Er strich sanft mit dem Daumen über Elbruns Handrücken und flüsterte leise: „Du hast mir einen riesigen Schrecken eingejagt… weißt du das? Ich dachte wirklich… ich dachte, ich verliere dich.“Seine Stimme brach leicht. Er beugte sich vor und küsste Elbrun zärtlich auf die Stirn. „Aber du hast gekämpft. Wie immer. Du bist der stärkste Mann, den ich kenne.“
Aljoscha schaute auf den Nachttisch, wo die kleine Schatulle lag. Er nahm sie in die Hand, öffnete sie und betrachtete den silbernen Anhänger mit dem schimmernden blauen Stein. „Du Idiot…“, flüsterte er liebevoll und lächelte unter Tränen. „Selbst in so einer Situation denkst du noch an mich.“ Er schloss die Schatulle wieder und legte sie vorsichtig zurück. Dann beugte er sich vor, legte seine Stirn sanft gegen Elbruns und schloss die Augen. „Ich warte auf dich. Ich bin hier. Und ich gehe nirgendwo hin.“
Er blieb so sitzen, hielt Elbruns Hand fest und wartete geduldig. Die Monitore piepten leise und gleichmäßig. Aljoscha streichelte mit dem Daumen über Elbruns Handrücken, als wollte er ihm durch die Berührung Kraft geben.
Nach einer Weile flüsterte er leise weiter: „Ich liebe dich. Mehr als alles andere. Und ich bin so verdammt stolz auf dich… dass du dich gewehrt hast. Dass du gekämpft hast. Du bist mein Held, Elbrun. Immer.“ Er blieb lange so sitzen, den Kopf an Elbruns Schulter gelehnt, und wartete einfach nur darauf, dass sein Mann wieder die Augen öffnete.
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