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Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7

Teil 25

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Informationen

 

Am nächsten Morgen, nach einem kleinen, ruhigen Frühstück – bestehend aus frischem Obst, Toast und starkem Kaffee – machten sich Elbrun und Aljoscha fertig. Beide trugen ihre Uniformen. Elbrun freute sich sichtlich darauf, seine Tante zu treffen. Cordelia war Captain und leitete einen der größten Konstruktionskomplexe bei Utopia Planitia. Ihr Verantwortungsbereich umfasste die Entwicklung und den Bau verschiedenster Raumschiffsklassen.

Sie verließen ihr Quartier und gingen gemeinsam zur Shuttlerampe 3. Das helle Licht der Hangarbeleuchtung empfing sie, als sie die große Halle betraten. Ein Typ-9-Shuttle stand bereits startbereit.

Aljoscha, der eine vollständige Piloten-Ausbildung absolviert hatte, setzte sich selbstverständlich auf den Pilotensitz. Elbrun nahm den Platz des Co-Piloten ein und begann routiniert, die sekundären Systeme und Navigationskontrollen zu überprüfen. „Shuttle Cochrane an Brücke“, sprach Aljoscha in den Komm-Kanal. „Erbitte Startfreigabe.“ „Shuttle Cochrane – Starterlaubnis erteilt. Guten Flug“, antwortete Commander Mamaav, der aktuell das Kommando auf der Brücke hatte. Das Hangartor öffnete sich. Aljoscha steuerte das Shuttle sanft aus der Rampe heraus. Mit einem leisen Summen der Impulstriebwerke glitten sie durch das riesige Raumdock, in dem die Enterprise noch immer vor Anker lag. Die gewaltige Yamato-Klasse wirkte selbst von außen majestätisch. Sobald sie das Dock verlassen hatten und sich in sicherer Entfernung befanden, beschleunigte Aljoscha das Shuttle und setzte Kurs auf den Mars.

Elbrun lehnte sich im Co-Pilotensitz zurück und schaute durch das Frontfenster. Der rote Planet wurde langsam größer. Aljoscha lächelte und nickte, während er die Flugbahn stabil hielt. Besonders wenn man gerade erst von Bord gegangen ist. Fühlst du dich besser als gestern?“ Elbrun drehte den Kopf zu ihm und lächelte aufrichtig. „Deutlich besser. Das Eis, das Kuscheln… und du. Das hat geholfen.“ Er streckte die Hand aus und legte sie auf Aljoschas Oberschenkel. „Und jetzt freue ich mich wirklich darauf, Tante Cordelia zu sehen. Es ist schon viel zu lange her.“ Aljoscha legte seine Hand auf Elbruns und drückte sie kurz. Ich freue mich auch. Und ich bin gespannt, was sie zu deinen Verbesserungsvorschlägen sagt.“ Das Shuttle beschleunigte weiter und flog mit Impulsgeschwindigkeit durch das Sonnensystem. „Wir werden in 22 Minuten unser Ziel erreichen“, meinte Aljoscha. Elbrun grinste seinen Mann ein bisschen dreckig an. Das Grinsen war unverkennbar – dunkel, spielerisch und voller Vorfreude. „22 Minuten…“, wiederholte er langsam, während seine Hand auf Aljoschas Oberschenkel langsam höher wanderte. „Das ist eine ziemlich lange Zeit, wenn man mit seinem verdammt attraktiven Ehemann allein in einem Shuttle sitzt…“ Aljoscha musste sich konzentrieren, um den Kurs stabil zu halten. Er spürte die Wärme von Elbruns Hand durch den Stoff der Uniformhose und wie die Finger immer weiter nach innen wanderten. „Elbrun… ich fliege gerade“, sagte er mit einem leisen Lachen, das jedoch etwas atemlos klang. „Genau“, murmelte Elbrun und lehnte sich weiter zu ihm hinüber. Seine Lippen streiften Aljoschas Hals, während seine Hand nun ganz offen über die Innenseite des Oberschenkels strich. „Du fliegst. Und ich darf nur zuschauen…, und ein bisschen fühlen.“ Er küsste Aljoscha seitlich auf den Hals, langsam und feucht, und biss dann ganz sanft zu. „Du hast keine Ahnung, wie sehr ich dich gerade will“, raunte er ihm ins Ohr. „In dieser Uniform…, mit den Händen am Steuer…, so konzentriert. Das macht mich verrückt.“ Aljoscha atmete hörbar schneller. „Du bist unmöglich“, murmelte er, doch seine Stimme verriet deutlich, dass ihm die Aufmerksamkeit gefiel. Elbrun lachte leise und dunkel. „22 Minuten, Imzadi. Das reicht für einiges…, wenn du dich traust.“ Er küsste Aljoschas Hals erneut, diesmal länger, und flüsterte heiß gegen seine Haut: „Oder willst du lieber brav bleiben, bis wir bei Tante Cordelia sind?“

Ein paar Minuten später. „Ich weiß gar nicht, wie ich deiner Tante gleich in die Augen schauen soll…“, murmelte er leise, fast schon verzweifelt. „Das war… viel zu heiß.“ Elbrun, der gerade den letzten Rest mit dem Lappen wegwischte, zuckte nur lässig mit den Schultern und grinste breit. „Am besten wie immer“, sagte er entspannt, während er den Lappen wegpackte und sich wieder in den Co-Pilotensitz fallen ließ. „Ganz normal. Freundlich. Als wäre nichts gewesen.“ Aljoscha warf ihm einen ungläubigen Seitenblick zu. „Und versuch nicht daran zu denken“, fügte Elbrun noch hinzu, jetzt mit einem kleinen, teuflischen Lächeln. „Vergiss nicht, auch sie kann Gedanken lesen. Genau wie ich.“ Aljoscha stöhnte gequält auf und vergrub kurz das Gesicht in einer Hand. „Das ist ja das Schlimme…“, murmelte er. „Sie wird sofort wissen, was wir gerade gemacht haben. Und dann dieses wissende Lächeln…, ich sterbe.“ Eine Sekunde später: „Warum habe ich auch einen Betazoiden geheiratet…, eine Familie voller Telepathen.“ Elbrun lachte leise, warm und tief, lehnte sich zu ihm rüber und strich ihm beruhigend über den Oberschenkel. „Ist doch nichts dabei“, sagte er lässig, aber mit einem liebevollen Unterton. „Tante Cordelia hat schon viel schlimmere Dinge gesehen. Und sie mag dich. Sehr sogar.“

Aljoscha warf ihm einen verzweifelten Blick zu. „Genau das macht es ja noch peinlicher! Sie mag mich, und dann sieht sie in meinen Gedanken, wie ich gerade ihrem Neffen im Shuttle den Schwanz gelutscht habe, während ich eigentlich fliegen sollte.“ Elbrun grinste breit, fast schon stolz. „Na und? Dann weiß sie wenigstens, dass ich gut versorgt bin.“ Er drückte Aljoschas Oberschenkel etwas fester. „Außerdem…, du warst unglaublich. Ich würde es sofort wieder machen.“ Aljoscha wurde noch röter und schlug ihm spielerisch gegen den Arm. „Du bist unmöglich. Ich versuche hier, nicht vor Scham zu sterben, und du machst Witze.“ Elbrun lachte leise, beugte sich noch weiter zu ihm und küsste ihn sanft auf die Wange. „Hey…, entspann dich. Cordelia wird nichts sagen. Und selbst wenn sie etwas mitbekommt – sie ist Familie. Sie weiß, wie sehr ich dich liebe. Und wie sehr du mich liebst.“ Aljoscha seufzte tief, lehnte sich kurz gegen Elbruns Schulter und murmelte: „Ich hasse dich manchmal ein bisschen.“ Elbrun grinste nur und küsste ihn noch einmal, diesmal auf den Mundwinkel. „Und ich liebe dich dafür umso mehr.“

Für eine Minute saßen sie beide ruhig da, nur das leise Summen der Triebwerke und das sanfte Leuchten der Instrumente im Cockpit. Aljoscha starrte auf den immer größer werdenden roten Planeten, während Elbrun noch immer entspannt neben ihm saß, die Hand locker auf seinem Oberschenkel. „Aber im Ernst“, sagte Elbrun schließlich sanft und drehte den Kopf zu ihm, „du machst dir zu viele Gedanken. Vergiss nicht: Sie müsste dafür aktiv deine Gedanken lesen. Solange du ihr die Gedanken nicht entgegenschreist, wie du es bei mir manchmal machst, ist doch alles gut.“ Aljoscha schnaubte leise, ein halb verzweifeltes, halb amüsiertes Geräusch.

Wenige Minuten vor der Ankunft auf Utopia Planitia stand Elbrun auf, streckte sich kurz und ging zum kleinen Replikator im hinteren Teil des Shuttles. Er bestellte ein kühles Glas Fruchtsaft – genau die Sorte, die Aljoscha am liebsten mochte – und kehrte damit zurück zum Pilotensitz. Aljoscha saß noch immer leicht angespannt da, die Wangen immer noch ein wenig gerötet von dem, was gerade passiert war. Er warf Elbrun einen kurzen, fragenden Blick zu. Elbrun reichte ihm das Glas mit einem sanften, aber bestimmten Lächeln. „Trink das“, sagte er leise, fast schon fürsorglich. „Du hast viel… geschluckt. Und ich will nicht, dass du dehydriert bei meiner Tante ankommst.“ Aljoscha nahm das Glas, seine Finger berührten kurz Elbruns. Er wurde noch eine Spur röter, murmelte aber ein leises „Danke“ und nahm einen großen Schluck. Der kühle, süße Saft tat gut nach der Anstrengung. Elbrun blieb neben ihm stehen, eine Hand leicht auf Aljoschas Schulter gelegt, und schaute ihn mit einem warmen, zufriedenen Blick an. „Besser?“, fragte er sanft. Aljoscha nickte, trank noch einmal und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. „Du bist unmöglich… und gleichzeitig viel zu lieb“, murmelte er. „Erst bringst du mich völlig aus der Fassung, und dann kümmerst du dich um mich.“ Elbrun grinste leicht, beugte sich herunter und küsste ihn zärtlich auf die Schläfe. „Genau so mag ich es. Dich ein bisschen verrückt zu machen…, und dann wieder auffangen.“ Er strich Aljoscha noch einmal liebevoll über den Nacken, bevor er sich wieder in den Co-Pilotensitz setzte.

Fünf Minuten später erreichte das Shuttle die äußeren Grenzen von Utopia Planitia. Die gewaltige Schiffswerft-Anlage breitete sich unter ihnen aus wie eine pulsierende, lebendige Metropole im All. Rund 380 separate Werftkomplexe schwebten in geordneter Formation um den Mars, ein atemberaubendes Netzwerk aus Licht, Stahl und Energie. In manchen Werften waren nur die Grundgerüste zu sehen, riesige Skelette neuer Schiffe, die langsam Gestalt annahmen. In anderen waren die Hüllen bereits geschlossen, Phaserbänke und Warpgondeln wurden montiert. Wieder andere Schiffe standen kurz vor der Fertigstellung, glänzend und imposant.

Aljoscha flog einen sanften, weiten Schlenker durch die äußeren Ringe der Werften. Beide Männer schauten fasziniert aus dem Cockpit. „Sieh dir das an…“, murmelte Aljoscha beeindruckt. „Es hört nie auf, oder? Jedes Mal, wenn man herkommt, ist wieder etwas Neues im Bau.“ Elbrun nickte, die Augen auf die leuchtenden Strukturen gerichtet.380 Werften. Und jede einzelne arbeitet auf Hochtouren. Das ist nicht nur eine Werft…, das ist das Herz der Föderation.“ Während sie langsam vorbeiflogen, fiel beiden fast gleichzeitig ein ganz bestimmtes Schiff ins Auge.

Die USS Noble, NX-101302. Ein mächtiger Prototyp, der die nächste Evolutionsstufe der Sovereign-Klasse darstellen sollte. Die Linien waren eleganter, die Warpgondeln etwas länger und schlanker, die Hüllenstruktur verstärkt und mit neuen Sensor- und Waffensystemen bestückt. Das Schiff war noch nicht ganz fertig – Teile der Außenhülle fehlten noch, und mehrere Arbeitsdrohnen und Ingenieurteams waren an der Außenseite zugange – aber selbst im unvollendeten Zustand strahlte es eine beeindruckende Präsenz aus. „Wow…“, sagte Aljoscha leise, fast ehrfürchtig. „Die sieht aus, als könnte sie einen Borg-Kubus allein in die Flucht schlagen.“

Elbrun lächelte stolz. „Tante Cordelia hat an diesem Projekt mitgearbeitet. Sie hat mir vor ein paar Monaten schon ein paar Skizzen gezeigt, aber das hier…, das ist etwas ganz anderes. Die Noble soll die neue Speerspitze werden.“ Aljoscha nickte langsam, während er das Schiff noch einen Moment länger betrachtete, bevor er den Kurs wieder auf die zentrale Kommandostation ausrichtete. „Dann bin ich mal gespannt, was sie uns gleich alles erzählt.“

Elbrun lehnte sich zurück, ein kleines, zufriedenes Lächeln auf den Lippen. „Und ich bin gespannt, ob sie merkt, was wir kurz vorher im Shuttle gemacht haben.“ Aljoscha warf ihm einen entsetzten Seitenblick zu. „Elbrun!“ Elbrun lachte nur leise und unschuldig. „War nur ein Scherz.“

Elbrun aktivierte über seine Konsole die Kommunikation und sprach gelassen: „Shuttle Cochrane an Utopia Station One. Wir bitten um Andockerlaubnis.“ Einen Moment später kam die Antwort einer ruhigen, weiblichen Offiziersstimme: „Shuttle Cochrane, Sie haben Andockerlaubnis für Port 47. Willkommen bei Utopia Planitia, Admiral.“ Elbrun lächelte leicht und bestätigte: „Verstanden. Danke.“

Aljoscha nickte nur und korrigierte den Kurs sanft. Das Shuttle glitt nun ruhig auf die riesige zentrale Kommandostation zu, ein gewaltiges, radförmiges Gebilde, das wie ein leuchtendes Rad im Orbit des Mars schwebte. Um sie herum erstreckten sich die unzähligen Werftkomplexe wie ein schimmerndes Netz aus Licht und Metall. „Port 47“, murmelte Aljoscha, während er das Shuttle präzise ausrichtete. „Das ist einer der oberen Andockarme. Gute Sicht auf die Noble.“ Elbrun lehnte sich zurück und warf ihm einen kurzen, amüsierten Blick zu. „Du klingst fast schon wie ein Tourist.“ Aljoscha schnaubte leise, konnte sich aber ein kleines Grinsen nicht verkneifen. „Na ja, wenn man schon mal hier ist. Und nach dem, was wir gerade gemacht haben, brauche ich jetzt etwas Normalität.“

Elbrun lachte leise und legte seine Hand noch einmal kurz auf Aljoschas Oberschenkel. „Keine Sorge. Ich benehme mich. Meistens.“ Das Shuttle näherte sich elegant dem Andockport. Die großen Greifarme der Station leuchteten auf, als sie das kleine Schiff erfassten und sanft in die Andockbucht zogen. Mit einem leisen, vertrauten Ruck rastete es ein. Die Andockbestätigung leuchtete auf. Aljoscha schaltete die Triebwerke ab und atmete einmal tief durch. „Da wären wir.“

Elbrun stand auf, streckte sich kurz und schaute seinen Mann mit einem warmen, aufmunternden Lächeln an. „Bereit für Tante Cordelia?“

Aljoscha erhob sich ebenfalls, richtete seine Uniform und nickte tapfer, auch wenn seine Wangen noch einen leichten Rosaton hatten. „Ja…, bin ich…, glaube ich.“ Elbrun grinste nur, drückte kurz seine Hand und ging dann voran zur Ausstiegsluke. Sie verließen das Shuttle und betraten die helle, geschäftige Andockbucht von Port 47. Ein junger Offizier erwartete sie bereits und salutierte. „Bitten um Erlaubnis an Bord zu kommen“, sprach Elbrun formell. „Erlaubnis erteilt, Sir“, antwortete der Offizier respektvoll. Elbrun lächelte freundlich und wollte gerade weitergehen, als plötzlich schnelle Schritte zu hören waren. „ELBRUN! Mein Lieblingsneffe!“

Cordelia stürmte förmlich auf ihn zu, genauso temperamentvoll und energisch wie seine Mutter es immer war. Bevor Elbrun etwas sagen konnte, zog sie ihn in eine kräftige Umarmung, die ihm fast die Luft aus den Lungen drückte. „Cordelia, ich bin dein einziger Neffe“, presste Elbrun hervor, halb lachend, halb erstickt. Sie ließ ihn los, grinste breit und tätschelte seine Wange. „Trotzdem bist du mein Lieblingsneffe.“

Dann wandte sie sich Aljoscha zu und zog ihn genauso fest in die Arme. „Und wie geht es dir, Schwiegerneffe?“, fragte sie herzlich, während sie ihn fast zerquetschte. Elbrun lachte leise. „Schwiegerneffe? Ist das überhaupt ein Wort?“ Aljoscha, der ebenfalls etwas atemlos aus der Umarmung kam, lächelte tapfer. „Es geht mir gut, danke, Cordelia.“ Cordelia musterte beide mit einem wissenden Blick. „Wirklich? Ist Elbrun auch immer gut zu dir? Oder ärgert er dich?“ Elbrun hob empört die Hände. „Wieso fragt mich eigentlich nie einer, ob Aljoscha gut zu mir ist?“

Cordelia lachte hell auf. „Weil ich weiß, wie dein Vater ist. Und da ihr euch so verdammt ähnlich seid, ist die Frage berechtigt. Meine Schwester hat er auch immer mal geärgert.“ Aljoscha wurde für einen kurzen Moment knallrot, als ihm blitzartig die Szene im Shuttle durch den Kopf schoss. Elbrun bemerkte den Gedanken sofort und warf ihm einen tadelnden, aber auch amüsierten Seitenblick zu. Aljoscha räusperte sich schnell und antwortete mit einem schiefen Lächeln: „Ja, er ist immer gut zu mir…. aber er ärgert mich auch gerne.“

Cordelia lachte wieder und hakte sich bei beiden unter. „Genau wie sein Vater. Kommt, ihr Zwei. Ich habe schon einen Tisch im Offiziersclub reserviert. Und ihr erzählt mir, was ihr wirklich hier macht. Außer rot zu werden.“ Elbrun seufzte gespielt leidend, während Aljoscha nur noch röter wurde. Die drei verließen die Andockbucht und gingen gemeinsam durch die breiten, hell erleuchteten Korridore der Utopia Station One. Cordelia hakte sich links bei Elbrun und rechts bei Aljoscha unter, als würde sie ihre beiden Lieblingsmenschen nie wieder loslassen wollen. „Also, erzählt mal“, begann sie sofort mit ihrer energischen, warmen Stimme. „Wie läuft es auf der Enterprise? Ich höre immer nur, dass ihr Beiden wieder irgendwelche verrückten Sachen macht. Stimmt es, dass ihr letztens an der lyranisch-hydranischen Grenze wart?“

Elbrun lachte leise. „Nachrichten reisen schnell. Ja, wir waren dort. War… interessant. Die Lyraner haben sich mal wieder nicht zurückgehalten.“ Cordelia schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Diese Katzenwesen. Immer aggressiv, nie genug Grips im Kopf. Und ihr zwei mittendrin, wie immer. Habt ihr wenigstens ein paar von denen ordentlich den Hintern versohlt?“ Aljoscha lächelte schief. „Elbrun hat das meiste gemacht. Und uns erfolgreich durch die Gefechte geführt.“ Cordelia drückte Aljoschas Arm etwas fester und lachte. „Das klingt nach meinem Neffen. Immer der Erste, der sich in den Kampf stürzt.“ Sie bogen in einen breiteren Gang ein, der direkt zum Offiziersclub führte. Cordelia musterte beide von der Seite.

„Und wie geht es euch beiden sonst? Aljoscha, du siehst ein bisschen erhitzt aus. War der Flug hierher so anstrengend?“ Aljoscha wurde sofort wieder rot und schaute stur geradeaus. Die Erinnerung an das, was im Shuttle passiert war, schoss ihm ungewollt durch den Kopf. Elbrun hingegen grinste nur unschuldig. „Der Flug war… angenehm. Sehr angenehm sogar.“

Cordelia hob eine Augenbraue, sagte aber nichts weiter dazu. Stattdessen tätschelte sie Aljoschas Hand. „Du bist immer noch so süß, wenn du rot wirst. Kein Wunder, dass Elbrun dich nicht mehr hergibt. Ich hab ihm schon vor Jahren gesagt, dass er dich nie wieder loslassen soll.“

Aljoscha lachte verlegen. „Danke, Cordelia. Ich versuche ja auch, ihn einigermaßen im Zaum zu halten.“ „Viel Erfolg dabei“, antwortete sie trocken. „Der Junge ist stur wie sein Vater. Und mindestens genauso charmant.“ Aljoscha lachte verlegen und schüttelte leicht den Kopf. „Ja, charmant kann er sein…, aber auch ein Monster. Ein charmantes Monster.“

Cordelia lachte hell auf, ein warmes, herzliches Lachen, das durch den Korridor hallte. „Ein charmantes Monster! Das trifft es perfekt. Genau wie sein Vater. Der kann auch so süß lächeln und im nächsten Moment die ganze Brücke in Aufruhr versetzen.“ Elbrun schnaubte gespielt empört, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. „Ihr zwei seid wirklich unfair. Ich stehe hier und werde verunglimpft.“

Cordelia tätschelte seinen Arm. „Ach komm schon, Liebling. Du weißt, dass wir dich lieben. Auch wenn du ein Monster bist.“ Aljoscha grinste nun etwas mutiger und warf Elbrun einen Seitenblick zu. „Genau. Ein sehr liebenswertes, aber dennoch gefährliches Monster.“ Elbrun seufzte theatralisch und drückte Aljoschas Hand, die immer noch unter Cordelias Arm eingehakt war. „Eines Tages werde ich mich rächen. Dann erzähle ich Cordelia, was du wirklich im Shuttle gemacht hast.“ Aljoscha wurde sofort wieder knallrot und stieß ihm den Ellbogen in die Seite. „Wag es ja nicht.“

Cordelia hob interessiert eine Augenbraue, sagte aber nichts. Stattdessen lächelte sie nur wissend und führte die Beiden weiter. „Ihr seid wirklich niedlich zusammen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe, wie gut ihr euch ergänzt. Auch wenn einer von euch ein charmantes Monster ist.“

Sie bogen um die letzte Ecke. Vor ihnen lag der Eingang zum Offiziersclub, ein großes, einladendes Tor mit dem Emblem von Utopia Planitia. Cordelia blieb kurz stehen und schaute beide noch einmal an, diesmal etwas ernster. „Bevor wir reingehen…, alles in Ordnung bei euch? Ihr wirkt beide ein bisschen angespannt. Nicht nur wegen des Fluges.“

Elbrun und Aljoscha warfen sich einen kurzen Blick zu. Elbrun lächelte beruhigend. „Alles gut, Tante. Es war nur eine anstrengende Zeit, die wir hatten.“

Cordelia musterte beide noch einen Moment lang mit diesem scharfen, aber liebevollen Blick, den nur Familienmitglieder draufhaben. Dann nickte sie langsam „Na schön. Dann lasst uns reingehen. Ich habe Hunger und bin neugierig, was ihr mir wirklich erzählen wollt.“ Sie schob die beiden sanft, aber bestimmt durch die breite Tür in den Offiziersclub. Der Raum war angenehm beleuchtet, mit großen Panoramafenstern, die einen atemberaubenden Blick auf die Werftkomplexe und den roten Mars im Hintergrund boten. Leise Gespräche und das Klirren von Gläsern erfüllten die Luft. Cordelia führte sie zu einem ruhigen Ecktisch mit drei Plätzen, der bereits reserviert war. Kaum saßen sie, winkte sie einen Kellner heran und bestellte ohne Umschweife. „Drei große Portionen des heutigen Eintopfs, frisches Brot und eine Karaffe Rotwein. Und für meinen Neffen einen kalten Kakao.“

Elbrun lachte leise. „Man merkt, dass du mich kennst.“ Der Kellner kam schon nach wenigen Minuten mit dem Bestellten. Dampfende Schüsseln mit würzigem Eintopf, knuspriges Brot und die Karaffe Wein wurden serviert. Elbruns Kakao stand in einem großen, kühlen Glas mit einem Hauch Sahne obendrauf. Die drei begannen zu essen. Nach den ersten Bissen lehnte sich Cordelia zurück und schaute Elbrun direkt an. „Hast du dir die Daten angesehen, die ich dir geschickt habe?“, fragte Elbrun zwischen zwei Löffeln.

„Ja, habe ich“, antwortete Cordelia sofort. Ihre Stimme wurde ernster und geschäftsmäßiger. „Das war eine enorme Erkenntnis. Wir haben das gleich auf der Noble als Test umgesetzt. Die Verbesserungen an den Schildemittern und die optimierte Energieverteilung der Phaser…, das sieht wirklich vielversprechend aus. Besonders die Idee mit der adaptiven Frequenzanpassung. Wenn das im Ernstfall hält, was es auf dem Papier verspricht, könnten wir die Überlebenschancen gegen die Borg deutlich steigern.“ Elbrun nickte zufrieden, auch wenn ein leichter Schatten über sein Gesicht huschte. „Genau das war der Gedanke. Die Daten aus der anderen Quelle haben gezeigt, wo unsere Schwachstellen wirklich liegen. Ich hoffe, dass wir das flottenweit umsetzen können.“

Cordelia nahm einen Schluck Wein und musterte ihn aufmerksam. „Du sagst ‚andere Quelle‘, begann sie, dann beugte sie sich plötzlich vor und flüsterte verschwörerisch: „Ich weiß von deinem Ausflug ins Spiegeluniversum.“ Elbruns Augen wurden groß. Für einen kurzen Moment war er tatsächlich sprachlos. „Woher?“, fragte er leise, fast schon alarmiert. „Das war eine streng geheime Mission. Nur Sendak, Nechayev und eine Handvoll Leute wussten davon.“

Cordelia lehnte sich zurück und lachte leise, ein warmes, aber wissendes Lachen. „Auch ich habe meine Quellen, Liebling. Ich bin vielleicht nur Ingenieurin, aber ich arbeite seit dreißig Jahren in den wichtigsten Werften der Föderation. Da hört man so einiges. Besonders, wenn plötzlich hochbrisante Daten aus dem Nichts auftauchen und mein Lieblingsneffe persönlich damit zu tun hat.“ Sie zwinkerte ihm zu, dann wurde ihr Blick etwas ernster. „Keine Sorge. Ich werde es niemandem erzählen. Aber ich kenne dich gut genug, um zu wissen, dass du so etwas nicht ohne Grund tust. Und dass es dich nicht kaltgelassen hat.“

Aljoscha, der bisher still zugehört hatte, rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er warf Elbrun einen kurzen, besorgten Blick zu. Elbrun atmete tief durch und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Es war… nötig“, sagte er schließlich leise. „Aber sicher, es war schwerer, als ich erwartet hatte.“

Cordelia nickte verständnisvoll und legte kurz ihre Hand auf seine. „Dann lass uns später darüber reden. Nicht hier, wo zu viele Ohren sind.“ Sie lächelte wieder, diesmal sanfter. „Aber eins kann ich dir sagen: Die Daten, die du mir geschickt hast, sind Gold wert.“

Elbrun nickte langsam, noch etwas angespannt, aber sichtlich erleichtert, dass sie das Thema vorerst ruhen ließ. Aljoscha entspannte sich ein wenig und nahm einen Schluck Wein. Cordelia hob ihr Glas und prostete beiden zu. „Auf die Familie. Und darauf, dass ihr Zwei weiterhin verrückte, aber wichtige Dinge tut, ohne dabei draufzugehen.“

Elbrun stieß mit ihr an und lächelte schief. „Darauf trinken wir.“ Die drei aßen und tranken gemütlich weiter. Der Eintopf war kräftig und würzig, das Brot frisch und knusprig. Die Atmosphäre am Tisch war entspannt, fast schon häuslich. Cordelia erzählte zwischendurch ein paar harmlose Anekdoten aus den Werften, Elbrun und Aljoscha lachten an den richtigen Stellen, und für eine Weile schien die schwere Last der letzten Tage etwas in den Hintergrund zu treten.

Nachdem die Teller leer waren und der Kellner abgeräumt hatte, lehnte sich Cordelia zurück und wurde ernst. Sie zog das PADD hervor, das Elbrun ihr gegeben hatte, und aktivierte es. „Also gut. Kommen wir zum eigentlichen Grund, warum ihr hier seid.“ Sie tippte auf das Display und rief die technischen Daten auf. Ein holografisches Modell USS Noble erschien über dem Tisch.

„Die Daten, die du mir geschickt hast, sind beeindruckend, Elbrun. Besonders die Schildmodifikationen. Die adaptive Energieverteilung und die verstärkten Phasen-Kopplungen…, wir haben das sofort auf der Noble getestet. Die Schilde halten jetzt bis zu 28 % länger gegen konzentriertes Borg-Feuer. Das ist kein kleiner Sprung.“ Elbrun nickte aufmerksam. „Und die Phaser?“

„Noch besser“, antwortete Cordelia. „Die Frequenz-Rotationsmatrix, die du vorgeschlagen hast, funktioniert hervorragend. Die Borg brauchen deutlich länger, um sich anzupassen. Wir haben die Reaktionszeit um fast 40 % erhöht. Wenn wir das flottenweit umsetzen, könnte das den Unterschied zwischen Überleben und Verlust machen.“

Sie zoomte auf die USS Noble. „Bei der Noble haben wir die Änderungen bereits eingebaut. Sie ist der erste Prototyp, der mit dem neuen Schild- und Waffensystem ausgerüstet ist. Die Ingenieure sind begeistert. Einige sagen, sie sei jetzt fast eine eigene Klasse. Stärker gepanzert, schneller in der Reaktion, und die Feuerkraft, nun ja, sie ist beeindruckend.“

Aljoscha schaute fasziniert auf das Hologramm. „Sie sieht wirklich beeindruckend aus. Fast schon einschüchternd.“

Cordelia lächelte stolz. „Sie soll es auch sein. Wir brauchen Schiffe, die nicht nur überleben, sondern auch zurückschlagen können. Deine Ideen haben uns da einen großen Schritt weitergebracht, Elbrun.“

Elbrun nahm einen Schluck Kakao und lächelte leicht, auch wenn ein nachdenklicher Schatten über seinem Gesicht lag. „Gut. Das war der Sinn dahinter. Ich hoffe nur, dass es reicht.“

Cordelia musterte ihn einen Moment, dann nickte sie verständnisvoll. „Es ist ein Anfang. Ein wichtiger Anfang.“ Sie prostete den beiden noch einmal zu, diesmal etwas ernster. „Und jetzt trinken wir darauf, dass ihr Beiden weiterhin heil nach Hause kommt. Egal, was da draußen noch auf euch wartet.“ „Das werden wir“, antwortete Elbrun leise.

Nachdem sie ausgetrunken hatten, schlug Cordelia vor, in ihr Quartier zu gehen. Sie führte die beiden durch die Station zu ihrer privaten Unterkunft, einem geräumigen, aber gemütlichen Apartment mit Blick auf die Werften. Dort replizierte sie eine Kanne dampfenden Tee und setzte sich mit ihnen an den kleinen Esstisch.

Eine Weile herrschte ein angenehmes Schweigen, während sie tranken. Dann schaute Cordelia Elbrun direkt an. „Magst du mir von der Mission erzählen?“ Elbrun wollte etwas sagen, doch Cordelia hob sanft die Hand. „Ich dränge dich nicht. Aber ich sehe, dass dich etwas beschäftigt. Du hast diesen Blick, den gleichen, den dein Vater hatte, wenn er etwas Schlimmes erlebt hatte und es nicht zugeben wollte.“

Sie wandte sich an Aljoscha, ihre Stimme wurde noch weicher. „Und du, Aljoscha…, du siehst aus, als würdest du dir große Sorgen machen. Nicht nur wegen des Fluges.“ Sie lächelte leicht. „Ich bin froh, dass ihr euch habt. Aber manchmal brauchst auch du jemanden, bei dem du sagen kannst, wie schwer es wirklich ist, oder?“

Aljoscha lächelte verlegen und nickte leicht. „Es war nicht leicht für ihn. Für uns beide nicht. Aber er hält sich tapfer.“

Cordelia nickte verständnisvoll und legte ihre Hand kurz auf Elbruns Unterarm. „Du musst nicht immer der Starke sein, mein Junge. Nicht bei mir. Und schon gar nicht bei deinem Mann. Ich weiß, wie sehr du alles in dich reinfrisst. Deine Mutter hat das auch immer getan.“

Elbrun seufzte leise und schaute seine Tante offen an. „Es war wirklich schwer. Das Spiegeluniversum, es hat Spuren hinterlassen. Aber ich arbeite dran. Und ich habe sogar Therapiesitzungen bei Counselor Miwal gemacht.“

Cordelia hob überrascht die Augenbrauen, dann lächelte sie warm und stolz. „Du bist freiwillig zu Counselor Miwal gegangen? Das ist neu. Und ein sehr gutes Zeichen.“ Sie drückte seinen Arm. „Ich bin froh, dass du nicht versuchst, alles allein zu stemmen. Das hast du früher viel zu oft gemacht.“

„Ich weiß, es hilft mir ja auch“, murmelte Elbrun. „Aber das Reden, es ist so schwer manchmal. Weil die Worte, ich finde nicht die richtigen Worte, um die Gefühle auszudrücken.“

„Dann zeig sie mir“, meinte Cordelia ruhig und hielt ihm ihre Hände hin, die Handflächen nach oben.

„NEIN!“, antwortete Elbrun entschieden und wich ein Stück zurück. „Das werde ich dir nicht antun.“

„Komm schon, Elbrun. Vielleicht kann ich dir so helfen?“, drängte Cordelia sanft.

„Vielleicht, vielleicht schade ich dir aber auch damit.“

„Das glaube ich nicht“, erwiderte Cordelia fest und hielt ihre Hände weiter ausgestreckt. Ihr Blick war ruhig, aber entschlossen. „Ich bin stärker, als du denkst. Und ich bin deine Tante. Lass mich dir helfen.“ Cordelia hielt ihre Hände Elbrun hin, die Handflächen nach oben, eine stille, einladende Geste. Ihre Augen waren ruhig, aber voller Wärme und Entschlossenheit.

Elbrun starrte auf ihre Hände. Sein Kiefer spannte sich an, die Schultern wurden hart. Für einen langen Moment sagte er nichts. Man sah ihm den inneren Kampf deutlich an, der starke Wunsch, sie zu schützen rang mit dem verzweifelten Bedürfnis, endlich nicht mehr alles allein zu tragen.

Aljoscha saß still daneben, eine Hand beruhigend auf Elbruns Rücken gelegt. Er sagte kein Wort, aber seine Anwesenheit war spürbar, wie ein Anker.

„Ich will dir das nicht antun“, flüsterte Elbrun schließlich, die Stimme rau und brüchig. „Die Bilder, die Dinge, die ich gesehen habe, das ist kein normales Trauma. Es ist böse. Absolut böse.“

Cordelia lächelte sanft, aber traurig. „Ich bin keine zerbrechliche Blume, Elbrun. Ich bin die Schwester deiner Mutter. Ich habe schon viel gesehen. Und ich sehe, wie sehr es dich zerfrisst. Lass mich dir helfen. Wenigstens ein Stück weit.“

Elbrun zögerte noch einen langen Augenblick. Seine Hände hoben sich zitternd, zogen sich wieder zurück, nur um sich dann doch langsam vorzubewegen. Sie zitterten stark, als er sie schließlich in Cordelias Hände legte. Er schloss die Augen. Im selben Moment floss der Kontakt.

Cordelia schloss die Augen. Ihre Finger schlossen sich fester um seine. Für mehrere Sekunden war es vollkommen still am Tisch. Nur das leise Summen der Station war zu hören.

Dann zuckte Cordelia leicht zusammen. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, ihr Atem wurde schneller. Sie sah die Bilder. Dunkle, brutale Bilder. Den terranischen Elbrun, wie er folterte. Den Andorianer in der Zelle, der beim bloßen Anblick von Elbrun zusammenbrach. Die nackte Angst in den Augen der Crewmitglieder. Die kalte, sadistische Freude des Spiegel-Elbrun. Die Schreie. Die Gewalt. Die absolute Skrupellosigkeit. Cordelia atmete scharf ein. Ihre Hände zitterten leicht in Elbruns Griff. „Bei den Vorfahren…“, flüsterte sie kaum hörbar. Elbrun wollte die Hände zurückziehen, doch Cordelia hielt sie fest. „Nicht“, sagte sie leise, aber bestimmt. „Ich sehe es. Ich sehe, wie viel du in dir trägst.“ Tränen glänzten in ihren Augenwinkeln, doch sie blinzelte sie weg. Sie drückte seine Hände fester, als wollte sie ihm Kraft geben. „Du hast das alles allein getragen, diese Dunkelheit, diese Grausamkeit, und du hast trotzdem weitergemacht. Für die Föderation. Für Aljoscha. Für uns alle.“

Elbrun schluckte schwer, seine eigene Stimme war brüchig. „Ich musste es tun.“

Dann kamen weitere Bilder – klarer, schmerzhafter. Die Simulationen von Wolf 359. Zwanzig Mal hatte er sie laufen lassen. Zwanzig Mal hatte er die Schreie gehört, die explodierenden Schiffe gesehen, die Kinder in den Rettungskapseln, die vergebliche Hoffnung. Immer wieder, weil er von der Borg-Multiversumsallianz wusste. Weil er wusste, dass es wieder passieren könnte.

Cordelia zuckte zusammen, ihr Atem stockte. Sie drückte seine Hände noch fester, fast schon schmerzhaft.

„Zwanzig Mal…“, flüsterte sie erschüttert. „Du hast dich selbst zwanzig Mal in diese Hölle geschickt…“

Elbrun nickte nur stumm, die Augen noch immer geschlossen. Eine einzelne Träne lief über seine Wange.

Cordelia atmete tief durch, sammelte sich und drückte seine Hände ein letztes Mal, bevor sie sie langsam losließ. Sie wischte sich die eigenen Tränen aus den Augenwinkeln und schaute ihn mit einer Mischung aus Stolz, Schmerz und tiefer Liebe an. „Du bist stärker, als irgendjemand von uns je sein sollte“, sagte sie leise. „Aber du musst das nicht mehr allein tragen. Nicht mehr.“

Für einen Moment herrschte Stille im Quartier. Nur das leise Summen der Station und ihr Atem waren zu hören.

Cordelia wandte sich schließlich an Aljoscha, ihre Stimme sanft und vorsichtig. „Wie geht es dir damit, Aljoscha? Elbrun so zu sehen, und dass er mir das alles gezeigt hat?“

Aljoscha saß einen Augenblick lang still da, die Hand noch immer auf Elbruns Rücken. Er suchte nach den richtigen Worten, sein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her. „Es tut weh, ihn so leiden zu sehen“, antwortete er schließlich leise. „Jedes Mal, wenn ich diese Dunkelheit in ihm spüre, fühlt es sich an, als würde etwas in mir zerreißen.“ Er schluckte schwer und schaute kurz zu Boden. „Aber es tut auch weh, dass er es mit dir geteilt hat. Nicht mit mir. Zumindest nicht so vollständig.“ Seine Stimme wurde leiser, fast verlegen. „Ich bin darauf eifersüchtig. Und ich weiß, dass das egoistisch ist, aber ich bin sein Mann. Ich sollte derjenige sein, dem er sich am meisten öffnet. Der, der diese Last mit ihm trägt.“

Elbrun drehte den Kopf zu ihm, sichtbar getroffen. „Aljoscha…“, flüsterte er. Aljoscha schüttelte leicht den Kopf, die Augen glänzten erneut. „Ich bin froh, dass du es ihr gezeigt hast. Wirklich. Aber es fühlt sich trotzdem so an, als wäre ich nicht genug. Als würde ein Teil von dir denken, ich könnte das nicht verkraften.“

Cordelia hörte aufmerksam zu, ohne ihn zu unterbrechen. Ihr Blick war verständnisvoll.

Aljoscha atmete zitternd aus und schaute Elbrun direkt an. „Ich liebe dich. Und ich will alles von dir. Auch die hässlichen, dunklen Teile. Besonders die. Also hör auf, mich zu schonen. Bitte.“

Elbrun zog ihn sanft, aber fest in seine Arme und drückte ihn an sich. „Ich wollte dich nie verletzen“, murmelte er in Aljoschas Haare. „Ich dachte, ich schütze dich damit. Aber ich sehe jetzt, dass ich dich damit nur noch mehr verletzt habe.“

Cordelia lächelte leicht traurig und legte eine Hand auf beide.

„Ihr zwei habt noch viel zu lernen. Aber das Wichtigste habt ihr schon: Ihr liebt euch genug, um daran zu arbeiten.“ Sie ließ den beiden einen Moment, bevor sie leise hinzufügte:

„Und Aljoscha, Eifersucht in so einer Situation ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen, wie sehr du ihn liebst.“

„Imzadi…, es tut mir leid“, meinte Elbrun wirklich aufrichtig, seine Stimme leise und rau. Er hielt Aljoschas Gesicht sanft mit beiden Händen und sah ihm direkt in die Augen. „Manchmal ist es leichter, sich jemandem zu öffnen, der einem nicht ganz so nah steht wie du mir. Du bist mein Ein und Alles. Wenn ich dir alles zeige, habe ich immer Angst, dich zu verletzen oder zu zerbrechen. Aber ich verspreche dir, ich werde daran arbeiten. Ich will dich nicht mehr ausschließen, wenn es mir wirklich schlecht geht.“

Aljoscha nickte langsam, seine Augen noch immer feucht.

Cordelia hatte die beiden die ganze Zeit beobachtet und lächelte nun sanft.

„Imzadi?“, fragte sie neugierig. „Habt ihr wirklich diese Verbindung?“

Aljoscha nickte leicht. „Er nennt mich schon lange so.“

Cordelia lächelte breiter, fast ein wenig wehmütig. Hat Elbrun dir mal genau erklärt, was es damit auf sich hat?“

„Ja, das hat er.“

„Dann weißt du auch, wie besonders das ist. besonders weil du kein Betazoid bist.“ Sie schaute Aljoscha mit warmem Blick an. „Er vertraut dir mehr als allem anderen, was er kennt. Und er liebt dich mehr als alles andere. Das gleiche gilt umgekehrt. Du bist alles für ihn und er ist alles für dich.“

„Ja, das stimmt“, flüsterte Aljoscha und drückte Elbruns Hand.

Cordelia lehnte sich etwas vor. „Hat Elbrun schon mal seinen Geist mit dir geteilt?“

Aljoscha zögerte kurz, dann nickte er. „Ja, zwei Mal. Einmal war es gewollt, das andere Mal aus Versehen. Das zweite Mal tat mir nicht gut. Das war nach seiner Gefangenschaft bei den Devore. Danach musste ich kotzen.“

Cordelia verzog mitfühlend das Gesicht. „Und beim ersten Mal?“

Aljoscha wurde ein wenig rot, ein scheues Lächeln huschte über seine Lippen. „Das war… schön. Ich fühlte mich geborgen. Es war warm und anregend.“ Er wurde noch röter und schob leise hinterher: „sogar erregend.“

Elbrun grinste trotz der ernsten Stimmung leicht und strich mit dem Daumen über Aljoschas Handrücken.

Cordelia lachte leise und warm. „Ah, daher weht der Wind. Typisch Betazoide. Wir können einfach nicht anders, wenn wir jemanden wirklich lieben.“ Sie zwinkerte Aljoscha zu. „Und du hast es genossen, oder?“

Aljoscha nickte, das Gesicht noch immer leicht gerötet. „Sehr sogar. Es war, als würde ich ihn komplett spüren. Nicht nur seinen Körper, sondern alles, was er ist. Seine Liebe. Seine Leidenschaft. Seine Dunkelheit. In diesem Moment gab es keine Grenzen mehr zwischen uns.“ Er schaute Elbrun tief in die Augen. „Genau deswegen tut es weh, wenn du dich vor mir verschließt. Weil ich schon einmal gespürt habe, wie vollkommen es sein kann, wenn du dich ganz öffnest.“

Elbrun schluckte sichtlich bewegt und lehnte seine Stirn gegen Aljoschas. „Ich weiß…“, flüsterte er. „Und ich verspreche dir, ich werde mutiger werden. Für dich.“

Cordelia beobachtete die beiden mit einem sanften, zufriedenen Lächeln und ließ ihnen den intimen Moment.

„Zeig ihm die Bilder“, sagte Cordelia leise, aber bestimmt. „Zeig ihm, was du mir gezeigt hast.“

Elbrun zögerte deutlich. Sein Blick wanderte unsicher zwischen seiner Tante und Aljoscha hin und her.

„Vertrau mir“, fügte Cordelia sanft hinzu. „Ich kann eingreifen, falls etwas schiefgeht.“

Elbrun atmete tief ein. Man sah ihm an, wie sehr er mit sich rang. Schließlich nickte er langsam. Er wandte sich ganz Aljoscha zu und fragte leise, fast flehend: „Bist du dir absolut sicher, dass du das willst?“

Aljoscha schaute ihm fest in die Augen, obwohl sein Herz heftig schlug. „Ja. Ich bin mir sicher.“

Elbrun nahm vorsichtig Aljoschas Hände in seine. Beide schlossen die Augen. Da Aljoscha kein Betazoide war, dauerte es länger, bis die Verbindung zustande kam. Elbrun musste sich deutlich mehr konzentrieren, seine Stirn legte sich in Falten, sein Atem wurde tiefer und langsamer.

Dann floss es. Zuerst war es nur Wärme. Elbruns Liebe, seine tiefe Zuneigung. Doch dann kamen die Bilder. Gezielt. Kontrolliert. Aber schonungslos. Aljoscha sah den terranischen Elbrun. Sah die kalte Grausamkeit in dessen Augen. Sah Folter. Sah Schreie. Sah, wie dieser andere Elbrun Menschen zerbrach, nur zum Vergnügen. Er spürte Elbruns Ekel, seine Scham, seine tiefe innere Zerrissenheit. Er spürte die Angst, dass ein Teil von ihm selbst vielleicht auch dazu fähig wäre. Er spürte die pure Verzweiflung, die Elbrun empfunden hatte, als er realisierte, wozu sein Spiegel-Ich fähig war. In Aljoscha zog sich alles zusammen. Ein Gefühl, das er nicht in Worte fassen konnte. Eine Mischung aus Übelkeit, tiefem Mitgefühl, Entsetzen und einer Liebe, die fast wehtat. Er sah, was der terranische Elbrun seinem Mann angetan hatte. Nicht körperlich. Sondern vor allem seelisch. Die Wunden, die bis heute nicht verheilt waren. Die Verbindung endete langsam. Beide öffneten die Augen fast gleichzeitig.

Aljoscha atmete schwer, seine Hände zitterten in Elbruns Griff. Tränen liefen ihm still über die Wangen. Er verstand jetzt. Er verstand wirklich, warum Elbrun ihn so lange hatte schützen wollen. Er zog Elbrun in eine feste Umarmung, vergrub sein Gesicht an dessen Hals und hielt ihn, als wollte er ihn nie wieder loslassen. Seine Finger gruben sich in den Rücken seines Mannes, während er versuchte, die Bilder zu verarbeiten, die gerade durch seinen Kopf geflutet waren. Sein Atem ging stoßweise.

„Elbrun…“, flüsterte er mit zitternder Stimme. „Das…, das hast du alles allein getragen? Das war… so viel schlimmer, als ich es mir vorgestellt habe. Dieser andere Elbrun…, diese Kälte in seinen Augen. Wie er Menschen gebrochen hat. Wie er dich gebrochen hat.“ Er löste sich ein Stück, nahm Elbruns Gesicht in beide Hände und schaute ihn mit tränennassen Augen an. „Ich habe es gespürt. Deinen Ekel. Deine Angst, dass ein Teil von ihm auch in dir steckt. Und deine verdammte Einsamkeit, wie du das alles monatelang mit dir herumgetragen hast.“ Seine Stimme brach. „Ich verstehe dich jetzt besser“, murmelte er gegen Elbruns Haut. „Ich verstehe, warum du mich nicht damit belasten wolltest. Aber bitte tu das nie wieder. Ich will das alles mit dir tragen. Auch wenn es wehtut. Gerade, weil es wehtut.“

Elbrun schluckte schwer, seine eigenen Augen waren gerötet. Er legte seine Stirn gegen Aljoschas und flüsterte rau: „Ich weiß. Es tut mir leid, Imzadi. Ich hatte solche Angst, dass du mich danach anders siehst. Dass du diesen terranischen Elbrun in mir erkennen würdest. Dass du dich fragen würdest, ob ich tief drinnen auch so sein könnte.“ Er strich mit dem Daumen zärtlich über Aljoschas Wange. „Aber du hast recht. Ich darf dich nicht mehr ausschließen. Nicht vor meiner Dunkelheit. Ich verspreche es dir, beim nächsten Mal, wenn es zu schwer wird, komme ich zuerst zu dir. Nicht zu Miwal. Nicht zu Cordelia. Zu dir.“

Cordelia, die die beiden die ganze Zeit still beobachtet hatte, räusperte sich leise. „Ihr brecht mir gerade das Herz, auf die beste und schlimmste Art zugleich.“ Sie lächelte sanft, auch wenn ihre Augen noch feucht waren. „Aljoscha, du bist wirklich ein sehr starker Mann. Die meisten Nicht-Betazoiden wären nach so einer tiefen Verbindung zusammengebrochen. Und du…, du hältst ihn einfach fest.“ Sie stand auf, trat hinter die beiden und legte je eine Hand auf ihre Schultern.

„Elbrun, du hast einen wunderbaren Mann. Einen, der bereit ist, deine Dunkelheit mit dir zu tragen. Hör auf, ihn zu unterschätzen. Und du, Aljoscha, sei geduldig mit ihm. Er hat sein ganzes Leben lang gelernt, alles allein zu stemmen. Das ändert man nicht über Nacht.“ Sie drückte beide Schultern leicht. „Aber ihr seid auf einem guten Weg. Das sehe ich. Und jetzt lasst uns erstmal etwas trinken. Kein Tee mehr. Etwas Stärkeres. Ihr habt beide etwas Besseres verdient als diesen emotionalen Sturm.“

Cordelia ging zum Replikator und bestellte drei Gläser eines kräftigen, bernsteinfarbenen Getränks.

Aljoscha lehnte seine Stirn erneut gegen Elbruns und flüsterte nur für ihn: „Ich liebe dich. Mit allem, was du bist. Auch mit dem, was du mir gerade gezeigt hast.“

Cordelia kam mit drei Gläsern eines kräftigen, bernsteinfarbenen Getränks zurück. Einem alten betazoidischen Brandy, der sanft in der Kehle brannte und die Nerven beruhigte. Sie reichte jedem ein Glas, setzte sich wieder und hob ihres leicht. „Auf die Familie“, sagte sie leise. „Und darauf, dass man die Dunkelheit nicht allein tragen muss.“

Die drei stießen an und tranken. Der Brandy war stark, aber angenehm. Für einen Moment saßen sie einfach nur da, ließen die Wärme des Alkohols wirken und die schwere Stimmung etwas abklingen.

Cordelia lehnte sich zurück, ein weiches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Wisst ihr…, wenn ich euch Zwei so sehe, muss ich an eine Geschichte denken. Elbrun war damals acht Jahre alt. Wir waren als große Familie auf Betazed im Urlaub, in diesem alten Landhaus am See von T’Riss.“

Elbrun stöhnte leise und vergrub das Gesicht halb in einer Hand, aber ein kleines, verlegenes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Oh nein…, nicht diese Geschichte.“

Cordelia grinste nur und fuhr fort: „Der kleine Elbrun war schon damals stur wie ein vulkanischer Berg. Er hatte beschlossen, dass er unbedingt den riesigen Regenbogenfisch im See fangen wollte — mit bloßen Händen. Kein Netz, kein Angelzeug, nur er und seine ‘überlegene Betazoid-Intuition’. Er ist stundenlang im See herumgewatet, bis er knietief im Schlamm steckte.“

Aljoscha lachte leise, die erste echte Erleichterung seit langer Zeit. „Und? Hat er ihn gefangen?“

„Natürlich nicht“, antwortete Cordelia lachend. „Stattdessen hat er einen ganzen Schwarm aufgeschreckt. Die Fische sind in Panik geraten und haben ihn umzingelt. Er ist gestolpert, mit dem Gesicht voran in den Schlamm gefallen und kam nur noch als braunes Schlammmonster wieder raus. Nur seine Augen und sein empörter Gesichtsausdruck waren noch zu sehen.“ Sie machte Elbruns damaligen Gesichtsausdruck nach, und Aljoscha lachte nun richtig. „Seine Mutter war außer sich. Aber sein Vater hat nur dagestanden, die Arme verschränkt und gesagt: ‚Junge, wenn du schon die Natur besiegen willst, dann wenigstens mit Würde.‘ Daraufhin ist Elbrun noch tiefer in den Schlamm gesunken, weil er vor lauter Trotz nicht mehr rauskommen wollte.“

Elbrun schüttelte grinsend den Kopf und trank einen großen Schluck. „Ich war acht. Und ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich telepathisch mit den Fischen kommunizieren könnte.“

Cordelia schaute Aljoscha mit warmem Blick an. „Er war schon immer so. Stur. Mutig. Und absolut unfähig, etwas halbherzig zu tun. Aber genau das liebe ich an ihm. Und genau das liebst du wahrscheinlich auch an ihm.“

Aljoscha nickte und schaute Elbrun zärtlich an. Er legte seine Hand auf dessen Oberschenkel. „Ja…, das tue ich. Auch wenn dieser Sturkopf mich manchmal in den Wahnsinn treibt.“

Elbrun drückte seine Hand und lächelte müde, aber echt. „Danke, Tante Cordelia. Dass du immer die peinlichsten Geschichten rauskramst, wenn ich emotional am Boden liege.“

„Gern geschehen“, antwortete sie fröhlich und hob ihr Glas. „Das ist meine Spezialität.“

Die Stimmung im Raum war nun deutlich leichter. Der Brandy, die Geschichte und die Nähe der drei taten ihre Wirkung. Ein paar Minuten später stand Elbrun auf und streckte sich leicht.

„Ich muss mal kurz austreten“, murmelte er und verschwand durch die Tür ins Badezimmer des Quartiers. Aljoscha schaute ihm hinterher, sein Blick blieb etwas länger an Elbruns breiterem Rücken und den deutlich definierten Schultern hängen. Cordelia bemerkte es und musste leicht schmunzeln.

„Kann es sein, dass Elbrun ein bisschen an Muskeln zugelegt hat?“, fragte sie mit unschuldigem Ton, konnte das Grinsen aber nicht ganz unterdrücken.

Aljoscha lachte leise und nickte. „Ja, er trainiert in letzter Zeit etwas mehr. Für den Energieausgleich, sagt er. Außerdem hat ihn das Training mit dem Hazard-Team ganz schön gefordert.“

„Er war schon immer ein Energiebündel“, meinte Cordelia nostalgisch.

„Ich muss ehrlich sagen…, ich bin auf seinen Körper schon ein bisschen neidisch“, gab Aljoscha zu und lachte dabei selbst über sich. „Elbrun braucht nur eine Hantel anzuschauen und die Muskeln wachsen. Ich schaue Schokolade nur an und werde sofort fett.“

„Ach komm, hör auf“, winkte Cordelia ab. „Du bist doch genau so fit.“

„Naja, ab und zu gehe ich mit ihm trainieren. Ich habe auch ein bisschen was aufbauen können.“ Aljoscha verstummte kurz, als ihm ein sehr lebendiges Bild durch den Kopf schoss: Elbrun beim Training, nackter Oberkörper, schweißglänzende Haut, die Muskeln angespannt, wie er sich nach einem Satz Klimmzüge schwer atmend umdrehte und ihn mit diesem bestimmten Blick ansah…

Cordelia lachte plötzlich laut auf. „Soso, aber er lenkt dich dabei auch ziemlich ab, oder?“

Aljoscha wurde schlagartig rot. „Du hast meine Gedanken gelesen!“

„Sorry, Sweety“, grinste Cordelia und hob entschuldigend die Hände. „Aber du hast diesen Gedanken förmlich herausgeschrien. Das Bild war extrem deutlich.“

„Das sagt Elbrun auch immer“, murmelte Aljoscha leicht eingeschnappt, musste aber selbst lachen. Er fuhr sich verlegen durch die Haare. „Ich kann einfach nichts dagegen machen. Wenn er trainiert und so verschwitzt ist…, dann bin ich meistens mit ganz anderen Dingen beschäftigt als mit meinen eigenen Übungen.“

Cordelia lachte herzlich und prostete ihm mit ihrem Glas zu.

Elbrun blieb mitten im Raum stehen und schaute die beiden misstrauisch an. „Warum lacht ihr so? Und warum ist Aljoscha schon wieder rot?“

Cordelia und Aljoscha warfen sich einen kurzen Blick zu und brachen erneut in Gelächter aus. „Ach nichts, Schatz“, meinte Cordelia unschuldig und nahm einen Schluck.

Aljoscha grinste breit und konnte es sich nicht verkneifen: „Cordelia meinte eben auch zu mir, ich würde meine Gedanken rausschreien.“

Elbrun hob eine Augenbraue. „Ja siehst du, das sag ich doch die ganze Zeit.“

Doch dann realisierte er langsam, worum es eigentlich ging. Die Gedanken, die Aljoscha gerade so laut „rausgeschrien“ hatte, drehten sich mit ziemlicher Sicherheit um ihn. Elbrun blinzelte. „Oh.“

Cordelia grinste noch breiter. „Ach Elbrun, komm schon. Du hast schon als Teenager anderen den Kopf verdreht, Mädchen und Jungen gleichermaßen. Du bist genau wie dein Vater, der konnte das auch immer sehr gut.“

Elbrun fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und stöhnte leise. „Muss das wirklich sein? Erst erzählt ihr euch, wie ablenkend ich beim Training bin, und jetzt ziehst du auch noch meinen Vater mit rein?“

Aljoscha lachte leise und zog Elbrun wieder zu sich auf den Sitz, legte eine Hand auf dessen Oberschenkel. „Zu deiner Verteidigung: Du bist wirklich sehr ablenkend. Besonders wenn du diese engen schwarzen Trainingshosen trägst…“

„Aljoscha!“, unterbrach Elbrun ihn mit einem halb verzweifelten, halb amüsierten Lachen und hielt ihm den Mund zu. „Nicht vor meiner Tante!“

Cordelia prostete den beiden erneut zu, sichtlich amüsiert. „Zu spät..“ Sie zwinkerte Aljoscha zu. „Dein Mann hat wirklich eine sehr gute Vorstellungskraft.“

Elbrun ließ den Kopf gegen Aljoschas Schulter sinken und murmelte: „Ich war nur zwei Minuten weg…, und ihr habt mich schon zum Gesprächsthema Nummer eins gemacht.“

Aljoscha küsste ihn grinsend auf die Schläfe. „Kannst du es uns verdenken? Du bist einfach sehr… sehenswert.“

Cordelia lachte leise in ihr Glas hinein. „Ihr seid wirklich niedlich. Und ein bisschen unanständig. Genau wie Elbruns Eltern früher.“

Elbrun wurde sofort rot und hob abwehrend die Hände. „Cordelia bitte“, meinte er gequält.

„Schon gut, schon gut“, lachte Cordelia und hob beschwichtigend die Hände. „Ich sag ja nichts mehr. Ich will ja nicht, dass mein Lieblingsneffe vor Scham stirbt.“ Sie grinste jedoch immer noch breit und nahm einen genüsslichen Schluck von ihrem Brandy.

Elbrun murmelte etwas Unverständliches und lehnte sich demonstrativ gegen Aljoscha, als wollte er sich vor seiner Tante verstecken. Aljoscha schlang einen Arm um ihn und streichelte beruhigend über seinen Rücken, konnte sich das Schmunzeln aber nicht verkneifen.

„Armer Elbrun“, flüsterte er amüsiert. „Wirst du gerade von deiner eigenen Tante geärgert.“

„Verräter“, brummte Elbrun, drückte aber sein Gesicht trotzdem enger an Aljoschas Hals. „Ihr zwei habt euch gegen mich verschworen.“

Cordelia beobachtete die beiden mit einem warmen, zufriedenen Lächeln. Die lockere Stimmung tat sichtlich gut nach dem schweren Gespräch von vorhin. „Ihr seid wirklich süß zusammen“, sagte sie leise. „Es freut mich, dass ihr euch trotz allem so haben könnt. Das ist kostbar.“ Sie stellte ihr Glas ab und lehnte sich zurück. „Und jetzt lasst uns das Thema wechseln, bevor Elbrun endgültig im Boden versinkt“, sagte Cordelia amüsiert. „Wollt ihr noch etwas essen? Ich kann uns was Gutes replizieren. Oder sollen wir einfach nur hier sitzen und die Aussicht genießen?“

Elbrun hob den Kopf leicht von Aljoschas Schulter und schaute seinen Mann fragend an. Die Röte in seinem Gesicht war noch immer deutlich zu sehen.

Aljoscha lächelte breit und strich ihm liebevoll über den Oberschenkel. „Dass Elbrun rot wird, sehe ich auch nicht alle Tage“, neckte er sanft. Dann fügte er hinzu: „Ja, nochmal was zu essen klingt gut. Die Aussicht aus deinem Quartier ist super. Man kann von hier aus wunderbar die Schiffswerften sehen.“

Cordelia nickte zufrieden und stand auf. „Gute Wahl. Dann machen wir es uns gemütlich.“

Sie ging zum Replikator und bestellte eine Auswahl: frisches, warmes saurianisches Brot, eine große Schale mit gemischtem Salat aus dem hydroponischen Garten der Station, scharf gewürzten andorianischen Eintopf und eine Platte mit verschiedenen Käsesorten und Obst.

Während das Essen materialisierte, trat Aljoscha ans große Panoramafenster und schaute hinaus. Die unzähligen Werftkomplexe leuchteten in der Dunkelheit des Alls, dazwischen schwebten halbfertige Raumschiffe in verschiedenen Bauphasen. Die USS Noble war von hier aus besonders gut zu erkennen. Ein imposantes, fast majestätisches Schiff. „Beeindruckend“, murmelte Aljoscha. „Von hier sieht man erst richtig, wie gewaltig das alles ist.“

Elbrun trat hinter ihn, legte die Arme von hinten um Aljoschas Taille und stützte sein Kinn auf dessen Schulter. Die Röte war fast verschwunden. „Und irgendwo da draußen wird gerade die Zukunft der Föderation gebaut“, sagte er leise. „Hoffentlich eine, in der wir beide noch lange zusammen sitzen und uns von meiner Tante peinliche Geschichten anhören können.“

Cordelia lachte leise, während sie das Essen auf den kleinen Tisch stellte. „Setzt euch, ihr Turteltauben. Das Essen wird kalt. Und der Ausblick läuft euch nicht weg.“

Die drei setzten sich wieder. Cordelia verteilte die Teller und schaute die beiden mit einem warmen, zufriedenen Lächeln an. „Es tut gut, euch hier zu haben.“ Die drei saßen gemütlich am Tisch, aßen und genossen die atemberaubende Aussicht auf die leuchtenden Schiffswerften. Nach einer Weile lehnte sich Cordelia zurück, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen.

„Wisst ihr…, ich hab noch eine Geschichte, die sogar Elbruns Vater bis heute erwähnt, wenn er mich sieht.“

Elbrun seufzte resigniert und legte die Gabel weg. „Natürlich hast du die noch.“

Aljoscha grinste bereits erwartungsvoll. „Jetzt bin ich aber gespannt.“

Cordelia nahm einen Schluck Brandy und begann zu erzählen:

„Elbrun war dreizehn. Wir waren auf einer großen diplomatischen Veranstaltung auf Mars – eine Feier zur Einweihung einer neuen Werftsektion. Viele Admiräle, Ingenieure und hochrangige Offiziere waren da. Sehr steif, sehr wichtig.“

Aljoscha hörte aufmerksam zu.

„Elbrun sollte eigentlich nur still daneben sitzen und höflich sein. Stattdessen hat er sich die ganze Zeit die Gespräche angehört. Irgendwann hat ein älterer Commodore angefangen, laut darüber zu schimpfen, dass die neue Defiant-Klasse ‚viel zu aggressiv‘ und ‚taktisch unsinnig‘ sei.“ Cordelia grinste. „Der kleine Elbrun hat einen Moment gewartet, dann ist er ganz höflich aufgestanden, hat den Commodore mit seinem charmantesten Lächeln angelächelt und gesagt: ‚Entschuldigen Sie, Sir. Darf ich etwas dazu sagen?‘ Der Commodore hat natürlich gönnerhaft genickt.“

Sie machte Elbruns damalige Stimme nach: „Wenn wir die Defiant nur defensiv einsetzen, wie Sie vorschlagen, dann verlieren wir den ersten Schuss und damit die Initiative. Aber wenn wir sie als schnelle Angriffsschiffe nutzen und die feindliche Formation schon im ersten Moment aufbrechen, gewinnen wir die Schlacht, bevor sie richtig begonnen hat. Manchmal ist die beste Verteidigung ein gut platzierter Angriff.“ Cordelia lachte leise. „Der gesamte Tisch war still. Der Commodore hat ihn angestarrt und wusste nicht, was er sagen sollte. Elbrun hat sich dann höflich verbeugt und sich wieder hingesetzt, als wäre nichts gewesen.“

Aljoscha schaute Elbrun beeindruckt an.

„Aber das war noch nicht alles“, fuhr Cordelia mit einem schmunzelnden Lächeln fort.

„Nachdem Elbrun den Commodore so höflich und präzise in die Enge getrieben hatte, wurde er plötzlich zum Gesprächsmagneten des ganzen Abends. Mehrere Admiräle und Captains wollten nun mit dem ‚jungen Taktiker‘ reden. Und Elbrun hat das mit einer unglaublichen Gelassenheit und einem natürlichen Charme gemacht. Er hat jedem zugehört, die richtigen Fragen gestellt und sie dabei so geschickt gelenkt, dass sie am Ende mehr von ihren eigenen Strategien verraten haben, als sie eigentlich wollten.“ Cordelia schaute Elbrun mit stolzem Blick an.

„Der Höhepunkt kam jedoch, als der Commodore später zu Elbruns Vater ging und sagte: ‚Ihr Sohn hat mehr taktischen Verstand als die Hälfte meiner Stabsoffiziere. Und das mit dreizehn Jahren. Passen Sie gut auf den Jungen auf, der wird entweder ein brillanter Stratege oder ein gefährlicher Diplomat.‘“

Aljoscha lachte leise und schaute seinen Mann beeindruckt an.

Elbrun hob abwehrend die Hände und verteidigte sich mit einem schiefen Lächeln: „Ich muss zu meiner Verteidigung aber sagen, dass ich dafür nichts kann. Mein Vater hatte mir alles beigebracht, was ich wusste.“

Cordelia lachte warm und nickte. „Ja, das stimmt. Wer als Sechsjähriger bei Papa auf der Brücke auf dem Schoß sitzt und im Gefecht die gegnerischen Piloten miesmacht, kann nur brillant sein…, oder einen gewaltigen Dachschaden haben.“

„Oder beides“, meinte Aljoscha lachend und stupste Elbrun spielerisch in die Seite.

Elbrun seufzte theatralisch, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen. „Ihr seid unmöglich. Ich war ein aufmerksames Kind, das ist alles.“

„Ein aufmerksames Kind, das mit sechs Jahren schon taktische Manöver kommentiert hat, während andere Kinder mit Bauklötzen gespielt haben“, erwiderte Cordelia amüsiert. „Dein Vater war so stolz, dass er dich fast jeden Tag mit auf die Brücke genommen hat. Die Crew hat dich damals schon ‚den kleinen Admiral‘ genannt.“

Aljoscha lehnte sich zu Elbrun und küsste ihn zärtlich auf die Wange. „Ich finde es süß. Und ein bisschen angsteinflößend. Mein Mann war schon als Kind taktisch gefährlicher als die meisten Erwachsenen.“

Elbrun schüttelte nur den Kopf und nahm schnell einen Schluck Brandy, während seine Wangen erneut leicht rot wurden.

Cordelia lächelte sanft und fuhr fort: „Ich muss jetzt aber auch sagen…, Elbrun ist während des Dominion-Krieges bei seinen Eltern auf dem Schiff geblieben. Die USS Malinche war des Öfteren in Kämpfe verwickelt. Velik und Linara hatten einfach ein besseres Gefühl, wenn Elbrun bei ihnen war. Dass er da einiges aufgeschnappt hat, war klar. Ob das gut oder richtig war, sei mal dahingestellt.“ Sie zuckte leicht mit den Schultern. „Velik hat Elbrun schon sehr früh beigebracht, taktisch und strategisch zu denken. Dafür hat er nun mal ein echtes Talent. Wissenschaftlich ist er eine absolute Katastrophe…, aber in der Taktik einmalig.“

Aljoscha musste schmunzeln und nickte. „Ja, Linara hatte bei unserem letzten Treffen auch schon erzählt, dass Elbrun während des Krieges bei ihnen geblieben war. Und dass er oft bei Velik auf dem Schoß gesessen hat, während um sie herum gekämpft wurde.“

Elbrun stellte sein Glas ab und seufzte leise. „Ihr macht es wieder schlimmer, als es war. Ich war einfach nur ein Kind, das nicht allein zurückbleiben wollte. Und ja…, ich habe viel zugeschaut. Und zugehört. Und manchmal auch Kommentare abgegeben, die ich besser für mich behalten hätte.“

Aljoscha schaute Elbrun mit einer Mischung aus Zuneigung und Bewunderung an. „Kein Wunder, dass du später so schnell Karriere gemacht hast. Du hast quasi deine Kindheit auf der Brücke verbracht.“

Elbrun lehnte sich zurück und lächelte etwas verlegen. „Es war eine seltsame Zeit. Aber ich würde sie gegen nichts eintauschen. Auch wenn ich manchmal lieber mit anderen Kindern gespielt hätte, statt Dominion-Schiffe zu analysieren.“ Er drückte Aljoschas Hand unter dem Tisch und fügte leise hinzu: „Für meinen Dachschaden kann ich einfach nichts.“

Aljoscha brach in schallendes Gelächter aus. Auch Elbrun und Cordelia mussten lachen — Cordelia so sehr, dass sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischen musste. Cordelia hob ihr Glas und prostete beiden zu, immer noch schmunzelnd. „Auf Elbrun und seinen noch immer vorhandenen Dachschaden. Und auf den Mann, der diesen Dachschaden liebt.“

Aljoscha stieß mit ihr an und schaute Elbrun mit leuchtenden Augen an. „Darauf trinke ich besonders gerne.“

Elbrun schüttelte nur lachend den Kopf und zog Aljoscha näher zu sich heran. „Ihr seid unmöglich…, aber ich liebe euch trotzdem.“

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