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Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7

Teil 20

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Die beiden gingen zügig durch die langen, hell erleuchteten Korridore des Sternenflottenkommandos. Elbrun und Aljoscha schwiegen die meiste Zeit, nur ihre Schritte hallten gleichmäßig nebeneinander. Vor der Tür zu Flottenadmiral Sendaks Büro blieben sie kurz stehen. Elbrun atmete einmal tief durch, dann nickte er Aljoscha zu.

Sie traten ein.

Flottenadmiral Sendak saß bereits hinter seinem großen Schreibtisch, die Hände gefaltet. Neben ihm stand Flottenadmiral Nechayev, die Arme vor der Brust verschränkt. Beide wirkten angespannt, aber auch erwartungsvoll.

Elbrun und Aljoscha setzten sich ihnen gegenüber an den Konferenztisch. Die Tür schloss sich leise hinter ihnen.

„Admiral Tiran, Captain Cornellus“, begrüßte Sendak sie mit seiner ruhigen, vulkanischen Stimme. „Wir haben die Daten bereits gesichtet.“

Nechayev nickte knapp. „Wir sind froh, dass Sie diese Informationen beschafft haben. Aber ... wir sind auch erstaunt. Ein großer Teil dessen, was uns der terranische Elbrun geliefert hat, war gefälscht oder zumindest stark manipuliert. Die echten Daten zeigen ein deutlich düstereres Bild.“

Sendak aktivierte ein holografisches Display über dem Tisch. Sternenkarten, Schiffsbewegungen und Borg-Aktivitäten leuchteten auf.

„Die Borg-Allianz aus verschiedenen Universen ist real“, fuhr er fort. „Und sie ist gefährlicher, als wir befürchtet haben.“

Eine kurze, schwere Stille entstand. Dann sprach Nechayev weiter, die Stimme angespannt:

„Wir diskutieren seit Stunden, wie wir weiter vorgehen sollen. Das Borg-Kollektiv einfach anzugreifen, ist keine Option. Zu gefährlich, zu viele Verluste, und es würde wahrscheinlich nichts bringen. Schiffe ins Spiegeluniversum zu schicken, um den Terranern zu helfen? Möglich – aber dann fehlen uns diese Schiffe hier. Abwarten, bis die Borg sich rühren? Auch nicht produktiv.“

Elbrun lehnte sich leicht vor. Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.

„Ich habe mir die Daten auf dem Rückweg genau angesehen. Technologisch sind die Terraner in manchen Bereichen voraus. Aber es gibt einige einfache Verbesserungen, die wir relativ schnell auf unsere eigenen Schiffe übertragen könnten. Kleine Anpassungen an den Schildemittern, eine optimierte Energieverteilung der Phaserbänke, eine leichte Modifikation der Torpedorampen. Das wären nur minimale Änderungen, die aber den Schiffen eine deutlich bessere Feuerkraft und einen besseren Schutz bieten würden – besonders gegen die Borg.“

Sendak und Nechayev hörten aufmerksam zu.

Elbrun fuhr fort, seine Augen leuchteten vor taktischer Konzentration:

„Außerdem hatte ich eine Idee, die wir testen sollten. Eine Verschmelzung von Transphasentorpedos mit Chronitontorpedos. Die Transphasentorpedos sind minimal phasenverschoben und gleiten daher durch die Borg-Abschirmfelder hindurch. Aber irgendwann passen sich die Borg auch daran an. Wenn wir sie jedoch mit der temporalen Verschiebung der Chronitontorpedos kombinieren ... könnten die Borg sich vielleicht nie vollständig anpassen. Außerdem schlage ich vor, den Modulator für Energiewaffen in der Waffenforschung zu priorisieren. Energiewaffen sollten automatisch in rotierenden Frequenzen feuern und mit den Sensoren gekoppelt sein. Sobald ein Treffer Schaden verursacht, wird mit dieser Frequenz weitergefeuert, bis die Borg sich angepasst haben. Dann wird die Frequenz automatisch geändert. Das hat in ersten Tests sehr gut funktioniert und sollte möglichst bald flottenweit eingeführt werden. Damit wären wir wenigstens besser vorbereitet.“

Nechayev hob eine Augenbraue. Sendak blieb äußerlich ruhig, doch in seinen Augen war ein deutliches Interesse zu erkennen.

„Das ist ... ein interessanter Ansatz“, sagte Nechayev langsam. „Risikoreich, aber potenziell sehr wirkungsvoll.“

Aljoscha saß neben Elbrun und beobachtete die beiden Admirale genau. Er war stolz auf seinen Mann – wie klar und sachlich Elbrun die Lage analysierte, obwohl er innerlich noch mit den Erlebnissen im Spiegeluniversum kämpfte. Er hat das alles durchgestanden ... und jetzt sitzt er hier und denkt schon wieder zwei Schritte voraus. Das ist mein Elbrun.

Sendak nickte schließlich.

„Wir werden Ihre Vorschläge sofort prüfen und in die Testphase bringen. Die Verbesserungen an den Schilden und Waffen haben Priorität. Die Idee mit den kombinierten Torpedos ... das übergeben wir an die wissenschaftliche Abteilung. Aber Sie beide haben hervorragende Arbeit geleistet.“

Elbrun lehnte sich zurück. Ein kleiner Teil der Anspannung fiel von ihm ab. Auch wenn in ihm bereits eine weitere Idee schlummerte – eine, die er nicht aussprach. Das würde ich niemals genehmigt bekommen. Und Aljoscha würde mich dafür eigenhändig töten.

„Ich habe eine Frage, Elbrun“, meldete sich Nechayev zu Wort. Ihre Stimme war ruhig, aber direkt – ohne die übliche militärische Distanz. „Wie geht es Ihnen? Und ich meine: Wie geht es Ihnen wirklich?“

Der Raum schien plötzlich stiller zu werden. Sendak beobachtete Elbrun mit der für Vulkanier typischen neutralen Miene, doch seine Augen waren wachsam. Aljoscha neben ihm spannte sich spürbar an, seine Hand fand unter dem Tisch sofort Elbruns und drückte sie fest.

Elbrun überlegte einen Moment. Er spürte alle Blicke auf sich. Die Last der letzten Tage, die Bilder, die Schreie, die Angst – alles drückte plötzlich schwer auf seine Brust. Er atmete einmal tief ein und aus, bevor er antwortete.

„Ich habe Ihren Bericht bereits gelesen“, fuhr Nechayev fort, bevor er sprechen konnte. „Es bringt also nichts, wenn Sie mich anlügen.“

Elbrun schaute ihr direkt in die Augen. Seine Stimme war leise, aber vollkommen ehrlich – ohne jede Maske.

„Es geht mir beschissen.“

Die Worte hingen schwer im Raum. Aljoscha drückte seine Hand noch fester, als wollte er ihm Kraft geben. In seinen Augen lag eine Mischung aus Stolz und tiefer Sorge – Stolz, weil Elbrun endlich zugab, wie es ihm wirklich ging, und Sorge, weil er wusste, wie schwer ihm das fiel.

Elbrun fuhr fort, die Stimme rau und brüchig:

„Der terranische Elbrun hat mir unkontrolliert seine Gedanken geschickt. Ich habe den ganzen Müll aufgenommen. Seine ganze Bosheit. Seinen Sadismus. Bilder, die ich nie sehen wollte, sind jetzt in meinem Kopf und ich bekomme sie nicht raus. Meditieren hilft mir dabei, sie wenigstens vorübergehend zu versiegeln ... aber sie sind immer noch da.“

Er machte eine kurze Pause, schluckte hart und starrte einen Moment auf die Tischplatte, als müsste er sich sammeln.

„Im Spiegeluniversum das alles mit eigenen Augen zu sehen ... diese Todesangst in den Augen der Besatzung zu sehen und auch mental zu spüren ... Einen Gefangenen zu sehen, der bereits verstümmelt war, und ein Blick und wenige Worte reichten aus, um ihn komplett zu brechen und in Panik zu versetzen ... das ist nicht einfach zu verarbeiten. Das wird Zeit brauchen. Und Hilfe.“

Seine Stimme wurde noch leiser, fast brüchig.

„Ich habe heute Abend meine erste Therapiesitzung mit Counselor Miwal.“

Eine lange, schwere Stille breitete sich aus.

Nechayev musterte ihn lange. In ihrem Gesicht war echte Überraschung zu sehen – und ein seltener Ausdruck von Mitgefühl. Sie nickte langsam, fast respektvoll.

„Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit, Admiral. Das war nicht selbstverständlich. Und es war mutig.“

Sendak neigte leicht den Kopf, seine vulkanische Neutralität bekam einen Hauch von Anerkennung.

„Ihre mentale Belastung ist nachvollziehbar. Betazoidische Telepathie und Empathie macht solche Erlebnisse besonders intensiv. Wir werden Ihre Teilnahme an der Therapie unterstützen und Ihnen so viel Zeit geben, wie Sie brauchen. Die Sternenflotte braucht Sie – aber nicht um den Preis Ihrer psychischen Gesundheit.“

Aljoscha drückte unter dem Tisch Elbruns Hand noch fester. In seinem Inneren tobte ein Sturm: Stolz, weil Elbrun endlich zugab, wie schwer es für ihn war. Hilflosigkeit, weil er die Bilder nicht aus seinem Kopf vertreiben konnte. Und eine tiefe, warme Liebe, die ihm fast die Kehle zuschnürte.

Endlich, dachte er. Endlich lässt er sich helfen. Endlich muss er nicht mehr alles allein tragen.

Elbrun lehnte sich leicht zurück. Ein kleiner Teil der Anspannung fiel von ihm ab – nicht alles, aber genug, um wieder etwas freier atmen zu können. Er spürte Aljoschas Hand, warm und fest, und das gab ihm mehr Halt, als er zugeben wollte.

„Ich werde das schaffen“, sagte er leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Aber nicht allein.“

Nechayev lächelte – ein seltenes, echtes Lächeln.

„Dann sorgen wir dafür, dass Sie nicht allein sind.“

Die Besprechung ging noch eine Weile weiter, doch die Grundrichtung war klar. Als sie schließlich das Büro verließen, legte Aljoscha kurz eine Hand auf Elbruns Rücken und flüsterte ihm zu:

„Ich bin stolz auf dich. Wirklich.“

Elbrun lächelte müde, aber dankbar und drückte kurz seine Hand.

„Lass uns nach Hause, Imzadi. Ich brauche jetzt erstmal dich und unser Quartier.“

Sie kehrten auf die Enterprise zurück und gingen direkt in ihr Quartier. Die Tür schloss sich hinter ihnen mit einem leisen Zischen, und für einen Moment standen sie einfach nur da – als müssten sie erst wieder in ihrer eigenen kleinen Welt ankommen.

Sie machten nicht viel an diesem Abend. Es war kein großer Plan, kein aufwendiges Programm. Sie kuschelten sich einfach zusammen aufs Sofa, Aljoscha mit dem Kopf auf Elbruns Brust, Elbrun mit dem Arm fest um ihn geschlungen. Eine Weile lasen sie still – Aljoscha einen alten Roman, Elbrun einen technischen Bericht, den er aber bald zur Seite legte. Später holten sie ein altes Brettspiel von der Erde hervor, das Elbrun vor Jahren mal von seiner Tante bekommen hatte. Sie spielten langsam, ohne Druck, lachten leise über dumme Züge und neckten sich gegenseitig. Es war nichts Besonderes – und genau deshalb war es genau richtig.

Am Abend stand Elbrun auf. Er küsste Aljoscha sanft auf die Stirn und sagte leise:

„Ich geh jetzt zu Miwal.“

Aljoscha nickte nur, drückte seine Hand und schaute ihm nach, bis die Tür sich hinter ihm schloss. Dann war er allein im Quartier.

Er blieb noch eine Weile auf dem Sofa sitzen, starrte auf die Sterne draußen und überlegte, was er für Elbrun tun könnte, damit es ihm schneller besser ging. Er wollte etwas tun. Nicht nur warten. Nicht nur zuhören. Etwas Konkretes.

Da kam ihm eine Idee.

Ein gemütlicher Abend mit Freunden, dachte er. Keine Party. Nur ein kleines Essen, etwas zu trinken, quatschen und lachen. Einfach ... Normalität. Menschen, die ihn mögen und die ihn ablenken.

Er griff nach seinem PADD und begann, die Liste durchzugehen.

Als Erstes kamen ihm Tamek und Tovan in den Sinn. Die beiden waren für Elbrun wie Brüder. Tamek mit seiner ruhigen, analytischen Art und Tovan mit seinem trockenen Humor – sie konnten Elbrun immer zum Lachen bringen, ohne dass es aufgesetzt wirkte. Aber die USS Vixal war auf einer langen Mission im Beta-Quadranten. Viel zu weit weg. Aljoscha seufzte leise und strich sie von der Liste.

Schade. Die beiden wären perfekt gewesen. Gerade Tamek versteht Elbruns telepathische Belastung besser als die meisten.

Als Nächstes dachte er an T’x’n’zo P’r’q – TOP. Der Xenexianer war nicht nur ein enger Freund, sondern Teil ihrer kleinen, besonderen Familie. TOP hatte eine Art, die Dinge mit seiner direkten, herzlichen Art auf den Punkt zu bringen. Die Sojourner war nicht allzu weit entfernt – vielleicht konnte sie einen kleinen Umweg zur Erde machen. Aljoscha lächelte leicht bei dem Gedanken.

TOP würde sofort kommen, wenn er wüsste, was los ist. Und er würde Elbrun einfach nur in den Arm nehmen und sagen, dass alles wieder gut wird. Genau das, was er jetzt braucht.

Dann fiel ihm Jan Kiffer ein. Die USS Rialto lag bereits im Erdorbit. Jan war immer für einen lockeren Abend zu haben, mit seiner unkomplizierten, fröhlichen Art und den absurden Geschichten aus der Flotte. Er konnte Elbrun zum Lachen bringen, ohne dass es anstrengend wurde.

Jan ist genau der Richtige. Er spürt, wenn jemand Ablenkung braucht, und drängt nie.

Carsten Enke mit der Kumari war bei Vulkan stationiert – auch nicht allzu weit weg. Carsten war ruhiger, fast schon philosophisch, aber er hatte eine tiefe, ehrliche Wärme. Elbrun mochte seine bedachte Art sehr.

Carsten würde einfach da sein. Zuhören, wenn nötig. Schweigen, wenn es besser ist. Perfekt.

Tharil mit der Gagarin war leider zu weit entfernt. Aljoscha strich ihn schweren Herzens von der Liste.

Und dann ... Sam Avila. Aljoscha zögerte. Ihr Verhältnis war immer etwas angespannt gewesen – nicht feindlich, aber nie ganz entspannt. Sam war direkt, manchmal fast schon provokant, und es hatte zwischen ihnen immer diese leichte Rivalität gegeben. Dennoch wusste Aljoscha, dass Sam Elbrun wirklich mochte und ihm in schweren Zeiten schon oft geholfen hatte.

Sam würde kommen. Auch wenn es zwischen uns knirscht – für Elbrun würde er alles stehen und liegen lassen. Und vielleicht ist seine direkte Art jetzt genau das Richtige. Keine Schonung, kein Herumgeeiere.

Aljoscha blieb noch eine Weile auf dem Sofa sitzen, das PADD in den Händen. Er wollte die Nachrichten ehrlich, aber nicht zu dramatisch formulieren. Die Spiegeluniversums-Mission war streng geheim – niemand außer den direkt Beteiligten durfte davon wissen. Er musste vorsichtig sein.

Er begann zu schreiben, langsam und bedacht:

An T’x’n’zo P’r’q (TOP):

„Hey TOP,

ich hoffe, bei euch auf der Sojourner ist alles ruhig. Elbrun hatte in den letzten Tagen eine ziemlich schwere Mission. Er versucht, stark zu sein wie immer, aber ich merke, dass es ihm mental nicht gut geht. Er zeigt es kaum, aber er schläft schlecht und ist stiller als sonst. Ich möchte einen kleinen, ganz lockeren Abend ausrichten – nur essen, trinken, reden und ein bisschen lachen. Keine große Sache, nur ein paar vertraute Gesichter. Die Sojourner ist nicht allzu weit entfernt ... wäre es vielleicht möglich, dass ihr einen kleinen Abstecher zur Erde macht? Elbrun würde sich riesig freuen, dich zu sehen. Und ich auch. Liebe Grüße, Aljoscha“

An Jan Kiffer:

„Hallo Jan,

kurze Frage aus dem Herzen: Die Rialto liegt doch im Erdorbit, oder? Elbrun hatte in den letzten Tagen eine echt schwere Mission. Er versucht, es runterzuspielen, aber ich sehe, dass es ihm mental nicht gut geht. Er zeigt es nicht offen, aber er ist stiller und angespannter als sonst. Ich plane einen ganz gemütlichen, kleinen Abend – nur ein paar Freunde, essen, trinken und quatschen. Keine Party, nur ein bisschen Normalität. Hast du Lust und Zeit, rüberzukommen? Es würde ihm wirklich guttun, dich zu sehen. Danke im Voraus, Aljoscha“

An Carsten Enke:

„Lieber Carsten,

ich hoffe, bei euch auf der Kumari ist alles in Ordnung. Elbrun hatte in den letzten Tagen eine sehr schwere Mission. Er versucht, es für sich zu behalten, aber ich merke, dass es ihm mental nicht gut geht. Er zeigt es kaum, aber er trägt eine Menge mit sich herum. Ich möchte einen ruhigen, gemütlichen Abend ausrichten – nur ein paar enge Freunde, etwas zu essen und zu trinken. Es wäre schön, wenn du dabei sein könntest. Du hast eine Art, die ihm guttut. Falls es irgendwie machbar ist – wir würden uns sehr freuen. Beste Grüße, Aljoscha“

An Sam Avila:

„Hallo Sam,

ich weiß, zwischen uns war es nie ganz unkompliziert, aber das hier ist wichtig. Elbrun hatte in den letzten Tagen eine sehr schwere Mission. Er versucht, stark zu wirken, zeigt aber kaum, wie es ihm mental wirklich geht. Ich mache mir Sorgen. Ich plane einen kleinen, ruhigen Abend – nur essen, trinken und reden. Keine große Sache. Es würde ihm sicher guttun, dich zu sehen. Wenn du Zeit und Lust hast, wäre es schön, wenn du kommst. Danke, Aljoscha“

An Tamek und Tovan (gemeinsame Nachricht):

„Hallo Tamek, hallo Tovan,

ich hoffe, ihr seid beide gesund und die Vixal ist gut unterwegs. Elbrun hatte in den letzten Tagen eine sehr schwere Mission. Er spricht nicht viel darüber und zeigt es kaum, aber ich merke, dass es ihm mental nicht gut geht. Er würde es von sich aus nie sagen, aber ich glaube, er könnte ein paar Worte von euch gebrauchen. Falls ihr Zeit habt – meldet euch doch einfach mal bei ihm. Ein kurzer Anruf oder eine Nachricht würde ihm sicher viel bedeuten. Danke euch beiden, Aljoscha“

An Tharil:

„Hallo Tharil,

kurze Nachricht von der Enterprise. Elbrun hatte in den letzten Tagen eine wirklich schwere Mission. Er versucht, es für sich zu behalten und zeigt es nicht offen, aber ich sehe, dass es ihm mental nicht gut geht. Er würde es nie von selbst sagen, aber ich glaube, es würde ihm viel bedeuten, wenn du dich mal bei ihm meldest. Ein kurzer Gruß, ein paar Worte – einfach nur, dass du da bist. Danke, Aljoscha“

Aljoscha las jede Nachricht noch einmal sorgfältig durch. Er wollte nicht zu alarmierend klingen, aber auch nicht zu harmlos. Es sollte klar sein, dass Elbrun Hilfe brauchte, ohne die eigentliche Mission zu verraten.

Hoffentlich verstehen sie es, dachte er. Hoffentlich spüren sie, dass er gerade nicht der starke Admiral ist, sondern einfach nur Elbrun, der jemanden braucht, der ihn kennt und der für ihn da ist.

Er atmete tief durch und schickte alle Nachrichten ab.

Danach lehnte er sich zurück und lächelte leise vor sich hin. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte er sich ein kleines bisschen nützlich – als könnte er wenigstens etwas tun, um Elbrun zu helfen.

Aljoscha saß auf dem Sofa und wartete auf Antworten. Er hatte die Nachrichten erst vor einer knappen Stunde abgeschickt, doch schon kamen die ersten Rückmeldungen herein – schnell und herzlich.

TOP schrieb sofort zurück: „Natürlich komme ich. Sag mir einfach wann und wo. Die Sojourner kann einen kleinen Abstecher machen. Elbrun braucht uns jetzt – und ich brauche ihn auch. Bis bald“

Jan Kiffer antwortete nur Minuten später: „Bin dabei! Sag mir die Uhrzeit, ich bringe guten Whisky mit. Elbrun soll lachen, das kriegen wir hin.“

Carsten Enke schrieb etwas ruhiger, aber nicht weniger warm: „Die Kumari kann in zwei Tagen bei der Erde sein. Ich komme gerne. Wenn Elbrun jemanden braucht, der einfach nur zuhört, bin ich da.“

Sam Avila antwortete mit seiner typischen Direktheit: „Hab verstanden. Ich komme. Sag Bescheid, wenn ich etwas mitbringen soll. Und ... danke, dass du mich gefragt hast.“

Auch Tamek meldete sich nur Minuten später direkt.

Aljoscha öffnete den Kanal. Auf dem Monitor erschien Tamek sofort, das Gesicht ernst und besorgt.

„Aljoscha“, sagte er ohne Umschweife. „Was ist los mit Elbrun?“

Aljoscha war ehrlich, aber vorsichtig. Er erzählte ihm, wie schwer die Mission für Elbrun gewesen war, ohne Details zu verraten. Als er erwähnte, dass Elbrun freiwillig zu Counselor Miwal gegangen war, riss Tamek am anderen Ende der Verbindung die Augen auf.

„Er ist freiwillig zu Miwal gegangen?“, fragte Tamek ungläubig. „Das ist ... kein gutes Zeichen. Gar kein gutes Zeichen. Ich kenne ihn. Wenn Elbrun das tut, dann geht es ihm wirklich dreckig.“

„Ich weiß“, antwortete Aljoscha leise. „Deshalb versuche ich, etwas zu organisieren. Einen ruhigen Abend mit Freunden. Nichts Großes. Nur damit er merkt, dass er nicht allein ist.“

Tamek lächelte traurig, aber verständnisvoll.

„Gute Idee. Ich kann leider nicht kommen, aber ich melde mich bei ihm. Und sag ihm ... sag ihm, dass ich da bin. Immer.“

„Ich werde es ausrichten.“

„Wer kommt alles?“, fragte Tamek neugierig.

Aljoscha zählte die Namen auf: TOP, Jan, Carsten und sogar Sam. Er erwähnte, dass Tharil zu weit weg sei.

Tamek grinste leicht.

„Dann bist du also zusammen mit TOP und allen Verflossenen von Elbrun ... das kann ein lustiger Abend werden.“

Aljoscha fiel das jetzt auch erst auf. Er lachte kurz auf.

„Ja ... gut, ich muss mit dem arbeiten, was ich kriegen kann.“

Sie verabschiedeten sich herzlich. Aljoscha fühlte sich ein bisschen leichter.

Nach ein paar Stunden hörte Aljoscha endlich, wie die Tür zum Quartier aufging.

Elbrun kam herein. Er sah erschöpft aus, aber auch ein bisschen leichter – als hätte die Therapiestunde zumindest ein kleines Stück der Last von ihm genommen. Aljoscha sprang fast vom Sofa auf, das Gesicht strahlend vor Vorfreude. Er grinste wie ein Honigkuchenpferd.

Elbrun blieb in der Tür stehen und schaute ihn an. Er spürte sofort die aufgeregten, fröhlichen Gedanken seines Mannes.

„Was hast du angestellt?“, fragte er mit einem schiefen, neugierigen Lächeln.

Aljoscha tat gespielt empört und stemmte die Hände in die Hüften.

„Warum denkst du immer sofort, dass ich etwas angestellt habe? Normalerweise bist doch du derjenige, der mit irgendwelchen verrückten Ideen nach Hause kommt!“

Elbrun lachte leise, kam näher und zog Aljoscha in eine Umarmung.

„Weil ich dich kenne. Und weil du gerade aussiehst, als hättest du etwas ausgeheckt, das mich entweder sehr glücklich oder sehr nervös machen wird.“

Aljoscha grinste breit und konnte es nicht länger zurückhalten.

„Ich habe ein paar Freunde eingeladen. Nur ein kleiner, gemütlicher Abend. Essen, trinken, quatschen, ein bisschen lachen. Keine große Party. Nur TOP, Jan, Carsten und sogar Sam haben sofort zugesagt. In ein paar Tagen.“

Elbrun starrte ihn einen Moment lang an. Dann breitete sich ein echtes, tiefes Lächeln auf seinem Gesicht aus – das erste wirklich unbeschwerte Lächeln seit Tagen.

„Wirklich?“, fragte er leise, die Stimme voller Wärme.

Aljoscha nickte strahlend.

„Ja. Ich dachte ... du brauchst mal wieder Menschen um dich, die dich einfach nur mögen. Ohne dass du stark sein musst.“

Elbrun zog ihn fester in die Arme und drückte sein Gesicht in Aljoschas Hals.

„Das ist ... das ist wirklich schön. Danke, Imzadi.“

Aljoscha lachte leise und strich ihm über den Rücken.

„Und es gibt auch etwas zu essen und zu trinken.“

Elbrun hob den Kopf, schaute ihn mit großen, zuckersüßen Augen an und fragte mit gespielter Unschuld:

„Bekomme ich auch Alkohol?“

Aljoscha musste lachen.

„Ja, du bekommst auch Alkohol.“

Elbruns Augen leuchteten richtig auf. Er grinste wie ein kleiner Junge und drückte Aljoscha noch einmal fest an sich.

„Dann freue ich mich richtig doll.“

Aljoscha wartete geduldig, bis Elbrun von seiner ersten Therapiesitzung bei Counselor Miwal zurückkam. Als die Tür aufging, sah Elbrun erschöpft, aber auch ein kleines bisschen leichter aus. Er setzte sich zu Aljoscha aufs Sofa und berichtete kurz und sachlich von der Stunde. Er sprach von den Bildern, die immer wieder hochkamen, von der Angst, die er immer noch spürte, und davon, dass Miwal ihm geholfen hatte, wenigstens ein paar der schlimmsten Erinnerungen etwas besser einzuordnen.

„Es war ... anstrengend“, sagte er leise. „Aber gut, dass ich hingegangen bin.“

Aljoscha nickte nur, zog ihn in eine feste Umarmung und hielt ihn eine Weile einfach nur fest. An diesem Abend geschah sonst nichts mehr. Sie kuschelten sich zusammen, schauten einen alten Film und versuchten, den Tag hinter sich zu lassen.

Die beiden kommenden Tage verliefen ähnlich ruhig, aber mit einer klaren Struktur. Elbrun verbrachte die Vormittage bei Miwal in Therapiesitzungen, wo er langsam begann, die Erlebnisse im Spiegeluniversum zu verarbeiten. Die Nachmittage und Abende saß er am Schreibtisch, las Berichte, analysierte Daten und arbeitete weiter an seiner Idee mit den kombinierten Transphasen-Chroniton-Torpedos. Er war konzentriert, fast schon besessen davon, etwas Praktisches zu schaffen, das der Flotte helfen könnte.

Aljoscha ließ ihn gewähren, kümmerte sich um das Quartier und versuchte, kleine Momente der Normalität zu schaffen – ein gemeinsames Essen, eine kurze Kuschelpause, ein paar leise Worte.

Dann kam endlich der Tag, an dem die Freunde kommen sollten.

Aljoscha hatte das Quartier am Vormittag auf Vordermann gebracht: Er hatte aufgeräumt, frische Blumen repliziert, die Sitzecke gemütlich gemacht und eine Auswahl an Snacks und Getränken vorbereitet. Neben Softdrinks und Säften standen auch ein paar Flaschen mit etwas mehr Umdrehungen bereit – Wein, Bier und ein guter Whisky, den Jan sicher schätzen würde.

Aljoscha selbst hatte sich umgezogen: eine lockere, dunkelgraue Hose und ein weiches, schwarzes T-Shirt. Er fühlte sich wohl und entspannt.

Elbrun hingegen schlurfte immer noch in seiner grauen Jogginghose und einem einfachen schwarzen Unterhemd durchs Quartier, barfuß, die Haare leicht zerzaust.

Aljoscha sah ihn an und schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Willst du dich nicht umziehen?“

Elbrun blieb stehen, schaute an sich herunter und zuckte mit den Schultern.

„Wieso? Du hast doch gesagt ‚locker‘ ... das ist locker.“

Aljoscha rollte mit den Augen, musste aber grinsen.

Immerhin hat er überhaupt etwas an, dachte er amüsiert.

Kurz darauf kam der erste Gast.

Die Tür öffnete sich und Carsten Enke trat ein. Aljoscha dachte für einen Moment, er wäre im falschen Film. Carsten war fast genauso leger gekleidet wie Elbrun: eine einfache Jogginghose, ein lockeres T-Shirt, Socken und Schuhe, die er sofort auszog, bevor er weiter ins Quartier kam. In der Hand hielt er eine Flasche guten Rotwein.

Carsten ging direkt auf Elbrun zu, nahm ihn ohne viele Worte fest in den Arm und drückte ihn einen langen Moment.

„Es ist gut, dich zu sehen“, sagte Carsten leise und ehrlich.

Elbrun erwiderte die Umarmung, schloss kurz die Augen und nickte.

„Danke, dass du gekommen bist.“

Carsten begrüßte als nächstes Aljoscha. Der große Mann – fast zwei Meter hoch, mit dunkelblonden Haaren und klaren blauen Augen – umarmte ihn herzlich und fest. Carsten war schlank, aber athletisch, und seine ruhige, warme Ausstrahlung füllte den Raum sofort mit einer angenehmen Präsenz.

„Schön, dich zu sehen, Aljoscha“, sagte er leise. „Danke, dass du uns zusammengerufen hast.“

Aljoscha erwiderte die Umarmung und lächelte. „Danke, dass du gekommen bist.“

Kurze Zeit später glitt die Tür erneut auf und Sam Avila trat ein. Dunkelhaarig, muskulös und mit einem charmanten, leicht verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Seine leuchtend grünen Augen huschten durch den Raum, bevor sie auf Elbrun liegen blieben. Auch er trug eine lockere Jogginghose und ein einfaches T-Shirt. Aljoscha glaubte langsam an eine Verschwörung.

Ernsthaft? Alle haben die „locker“-Ansage ernst genommen ... außer mir.

Sam ging direkt auf Elbrun zu und zog ihn in eine feste, herzliche Umarmung.

„Hey, Großer“, murmelte Sam. „Schön, dass du noch ganz bist.“

Elbrun erwiderte die Umarmung und lachte leise. „Danke, dass du gekommen bist.“

Während sich Sam und Aljoscha kurz und etwas steif umarmten – wie immer ein bisschen distanziert, aber dennoch freundlich –, kam auch schon Jan Kiffer durch die Tür.

Jan war ein groß gewachsener, junger Mann mit sonnengebräunter Haut und schwarzen Haaren, der in vielen Augen als wahnsinnig hübsch galt. Er brachte eine große Flasche guten Whiskey mit und grinste breit, als er Elbrun sah. Auch er trug nur eine dünne, schlabbrige kurze Hose und ein T-Shirt, das schon bessere Tage gesehen hatte.

„Wie es aussieht, bin ich nicht der Einzige, der ‚locker‘ ernst genommen hat“, sagte Jan lachend und drückte Elbrun herzlich an sich.

Elbrun lachte auf und klopfte ihm auf den Rücken.

Sam, Jan und Carsten begrüßten sich untereinander ebenfalls herzlich – man kannte sich sehr gut, hatte viele Missionen zusammen erlebt und unzählige Abende verbracht. Es war sofort eine vertraute, warme Atmosphäre im Raum.

TOP war der Letzte, der eintraf. Er trug eine vernünftige Hose und ein ordentliches Hemd – im Gegensatz zu den anderen wirkte er fast schon übertrieben angezogen.

„Wenigstens einer, der vernünftig aussieht“, sagte Aljoscha erleichtert und mit einem breiten Grinsen.

TOP lächelte, ging zuerst zu Elbrun und gab ihm einen flüchtigen, aber zärtlichen Kuss auf die Lippen. Dann tat er dasselbe bei Aljoscha.

„Hey, ihr beiden“, sagte er leise. „Schön, euch zu sehen.“

Aljoscha spürte, wie sich ein warmes, erleichtertes Gefühl in seiner Brust ausbreitete. Alle waren da. Alle, die Elbrun nahestanden und die er wirklich mochte. Er schaute kurz zu Elbrun hinüber, der gerade von Jan und Carsten gleichzeitig umarmt wurde und dabei lachte – ein echtes, tiefes Lachen.

Das war die richtige Entscheidung, dachte Aljoscha. Genau das hat er gebraucht.

Die Freunde redeten viel – und vor allem durcheinander.

Kaum dass alle saßen und die ersten Gläser gefüllt waren, ging es los. Jan erzählte gerade eine absurde Geschichte von seiner ersten eigenen Kommandierung der USS Canopus. Er gestikulierte wild mit den Händen und lachte schon beim Erzählen.

„ ...und dann stand ich da, frisch befördert, und der Computer fragte mich: ‚Captain, wollen Sie die Brücke übernehmen?‘ Ich dachte nur: Scheiße, das ist jetzt echt, oder?“

Elbrun lächelte breit und warf ein: „Ich weiß auch, warum du damals das Kommando bekommen hast. Du hast Admiral Gromek einfach in Grund und Boden gequatscht.“

Darin steckte ein Fünkchen Wahrheit – wenn Jan einmal anfing zu reden, dann ohne Punkt und Komma, und ziemlich schnell. Die Runde lachte laut auf.

Sam unterbrach ihn sofort, laut und mit einem verschmitzten Grinsen: „Das sagt der, bei dem einige dachten, er hätte sich hochgeschlafen!

Elbrun lachte auf und konterte sofort: „Das hatte ich nicht nötig, ich bin halt gut.“

„Und wahnsinnig“, schob Aljoscha trocken hinterher.

Carsten, der bisher eher ruhig dagesessen hatte, sagte dann mit seiner trockenen, tiefen Stimme: „Jup, aber du bist wahnsinniger. Du hast den Verrückten geheiratet.“

Das brachte alle zum Grölen. Gläser klirrten, Gelächter hallte durchs Quartier. Es war laut, chaotisch und wunderbar lebendig.

Aljoscha saß etwas abseits auf der Sofalehne und beobachtete das Geschehen mit einem halben Lächeln. Er war froh, dass alles so glatt lief. Elbrun saß mittendrin, ein großes Glas Whiskey in der Hand, und lachte herzlich über Jans Geschichte. Zum ersten Mal seit Tagen wirkte er wirklich entspannt – die Schultern locker, die Augen leuchtend, das Lachen echt und frei.

Dann passierte es.

Carsten hob sein Glas – ein richtig großes, gut gefülltes Exemplar – und schaute Elbrun herausfordernd an.

„Auf alte Zeiten?“, fragte er.

Elbrun grinste, hob sein eigenes Glas und stieß mit ihm an.

„Auf alte Zeiten.“

Beide kippten das Glas in einem Zug runter. Kein Absetzen, kein Luftholen. Einfach runter damit.

Aljoscha bekam leichte Panik.

Oh nein ... bitte nicht. Nicht ein Saufgelage.

Er sah schon die Bilder vor sich: Elbrun, der später kaum noch geradeaus laufen konnte, Carsten, der philosophisch wurde, Jan, der immer lauter wurde, und Sam, der dann garantiert mit irgendeiner verrückten Idee kam. Sein Magen zog sich zusammen.

Scheiße ... das wird ein Besäufnis. Und wenn Elbrun erstmal in Fahrt ist, schluckt er auch ordentlich was weg.

Aber dann atmete er tief durch und lehnte sich zurück.

Ach egal ... was soll’s.

Er schaute zu Elbrun hinüber, der gerade lachend ein neues Glas in die Hand nahm und mit Sam anstieß.

Solange keiner kotzt ... lass sie doch. Er braucht das gerade.

Aljoscha lächelte leise vor sich hin und nahm selbst einen Schluck von seinem Wein.

Hauptsache, er lacht.

Die Runde wurde immer lauter und ausgelassener.

Jan hatte sich weit vorgebeugt, das Glas in der Hand, und erzählte gerade mit großen Gesten von einer Aktion, die Elbrun als junger Kadett hingelegt hatte.

„ ...und dann stand er da, Kadett im ersten Jahr, und hat dem Ausbilder einfach gesagt: ‚Sir, mit Verlaub, aber Ihre Taktik ist grottenschlecht.‘ Der Mann hat ihn angestarrt, als wollte er ihn gleich aus dem Fenster werfen. Und Elbrun hat einfach weitergemacht und ihm eine komplette Alternativstrategie präsentiert. Mitten im Manöver!“

Sam unterbrach ihn laut lachend und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

„Und das Schlimmste ist: Er hatte recht! Der Ausbilder hat danach tatsächlich die ganze Simulation umgestellt. Ich dachte, Elbrun fliegt raus, stattdessen hat er einen Orden bekommen.“

Carsten schüttelte nur lachend den Kopf und goss sich selbst nach, während er trocken einwarf: „Ihr tut gerade so, als wäre das eine Ausnahme gewesen. Bei Elbrun war das Standard.“

Elbrun saß mittendrin, das Glas schon wieder halb leer, und lachte herzlich mit. Elbrun sah glücklich aus. Wirklich glücklich. Die Augen leuchteten, die Schultern waren entspannt, und er lachte so frei, wie Aljoscha es schon lange nicht mehr gehört hatte.

„Ach kommt, jetzt mal ehrlich“, sagte er grinsend, „Commander Rodriguez war ein grottenschlechter Taktiker. Sowas auf Kadetten loszulassen, war eine Frechheit. Wenn das eine echte Situation gewesen wäre, hätte das unser Tod sein können.“

Die Runde grölte wieder los. Aljoscha lehnte sich auf der Sofalehne zurück und beobachtete alles mit einem warmen, ruhigen Gefühl im Bauch.

Das war die richtige Idee, dachte er. Genau das hat er gebraucht.

TOP hob sein Glas und grinste Elbrun herausfordernd an.

„Komm schon, gib’s zu – du warst damals schon ein kleiner Klugscheißer.“

Elbrun lachte leise und nahm einen großen Schluck Whiskey, bevor er antwortete:

„Klugscheißer? Ich war einfach nur besser als der Rest. Und jemand musste es ja sagen. Ich hasse es nunmal zu verlieren oder zu scheitern.“

Sam lehnte sich vor, das Glas in der Hand, und wurde ein bisschen ernster, obwohl das Grinsen blieb.

„Aber mal ehrlich ... du hast dich schon immer viel zu viel reingehängt. Schon als Kadett. Und jetzt als Admiral erst recht. Wann hast du eigentlich das letzte Mal einfach mal nichts gemacht?“

Carsten nickte langsam und schaute Elbrun über den Rand seines Glases hinweg an.

„Genau. Du siehst aus, als hättest du seit Wochen nicht richtig geschlafen.“

Die Stimmung wurde für einen kurzen Moment etwas ruhiger, fast schon ein bisschen ernster. TOP stellte sein Glas ab und schaute Elbrun direkt an.

„Wir machen uns Sorgen, Elbrun. Nicht nur Aljoscha. Wir alle. Du musst nicht immer der Starke sein. Nicht bei uns.“

Elbrun schwieg einen Moment, drehte das Glas in seiner Hand und schaute in die bernsteinfarbene Flüssigkeit. Dann lächelte er leicht, aber es war ein müdes, ehrliches Lächeln.

„Ich weiß“, sagte er leise. „Die letzte Mission ... war wirklich hart. Härter, als ich erwartet habe. Und ja ... es geht mir nicht besonders gut. Aber ich arbeite dran. Miwal hilft. Und dass ihr alle hier seid ... das hilft auch.“

Er hob das Glas und prostete den anderen zu.

„Danke. Wirklich.“

Die Runde wurde wieder etwas leiser, aber nicht unangenehm. Jan stieß mit ihm an.

„Immer, Mann. Immer.“

Sam nickte nur und nahm einen Schluck.

Carsten lächelte sanft.

„Dann trinken wir darauf, dass du bald wieder der Alte bist.“

Aljoscha beobachtete alles still von der Seite. Er sah, wie Elbrun sich langsam öffnete, wie die Anspannung in seinem Gesicht ein bisschen nachließ. Es tat gut, das zu sehen.

Genau das hat er gebraucht, dachte er wieder. Nicht nur reden. Sondern einfach ... hier sein dürfen.

Der Alkohol floss reichlich.

Jan hatte längst die nächste Flasche auf den Tisch gestellt, Carsten goss großzügig nach, und Sam prostete jedem zu, der sein Glas auch nur in die Nähe hielt. Die Stimmung war ausgelassen, laut und warm. Elbrun lachte gerade herzlich über eine Geschichte von Jan, als Aljoscha plötzlich aufstand, zum Replikator ging und mit einem leisen Seufzen eine Flasche Wodka orderte.

Scheiß drauf, dachte er, während die Flasche materialisierte. Wenn ich nachher im Delirium bin, brauch ich mir das Elend wenigstens nicht nüchtern anzusehen.

Er stellte die Flasche auf den Tisch, schenkte sich selbst ein ordentliches Glas ein und prostete in die Runde.

„Na dann ... auf den Abend.“

Elbrun schaute ihn kurz überrascht an, dann grinste er breit und hob sein Glas.

„Endlich“, murmelte er leise, nur für Aljoscha hörbar, und stieß mit ihm an.

Mit steigendem Pegel veränderten sich die Geschichten. Sie wurden nicht vulgär, aber deutlich anzüglicher, mit einem spielerischen, neckenden Unterton.

Jan erzählte gerade von einer Mission auf Risa, bei der er und Elbrun vor Jahren mal gemeinsam im Einsatz gewesen waren.

„… und dann stand Elbrun da in diesem lächerlich engen Outfit, das die Einheimischen tragen mussten, und versuchte, unauffällig zu bleiben. Ich schwöre, die Hälfte der Bar hat ihn angestarrt. Ich hab nur gedacht: Wenn das hier schiefgeht, dann nicht wegen der Spione, sondern weil jemand versucht, ihn abzuschleppen.“

Sam lachte laut und schlug Elbrun auf die Schulter.

„Und? Hat jemand versucht?“

Elbrun grinste schief und nahm einen großen Schluck.

„Zwei oder drei. Ich hab ihnen gesagt, ich bin vergeben. Ich war da ja schon lange mit Aljoscha zusammen. Einer hat geantwortet: ‚Dann bring deinen Kerl doch mit.‘“

Die Runde brach in Gelächter aus. TOP schüttelte nur den Kopf und goss sich nach.

„Ihr seid unmöglich. Aber ich geb’s zu ... ich hätte damals auch zweimal hingeschaut.“

Carsten, der sonst eher zurückhaltend war, lehnte sich mit einem leichten Grinsen vor und schaute Elbrun an.

„Du hast schon immer diese Wirkung gehabt. Selbst als Kadett. Manche haben dich ‚den Betazoiden mit dem gefährlichen Lächeln‘ genannt.“

Elbrun lachte leise und prostete Carsten zu.

„Und du hast damals gesagt, ich wäre zu hübsch für die taktische Abteilung.“

„Warst du ja auch“, erwiderte Carsten trocken und hob sein Glas. „Aber du hast es trotzdem geschafft, alle um den Finger zu wickeln.“

Aljoscha saß daneben, das Wodkaglas in der Hand, und spürte die Wärme des Alkohols langsam durch seinen Körper ziehen. Er beobachtete Elbrun, wie er lachte, wie er mit den anderen scherzte, wie seine Wangen vom Whiskey leicht gerötet waren.

Er wirkt so lebendig, dachte er. Endlich wieder. Und ja ... ein bisschen anzüglich ist es schon. Aber es tut ihm gut.

Sam schaute zu Aljoscha hinüber und grinste verschmitzt.

„Und du, Aljoscha? Wie hältst du es eigentlich aus mit dem hier?“ Er deutete mit dem Daumen auf Elbrun. „Der Mann, der schon als Kadett alle verrückt gemacht hat.“

Aljoscha lachte leise und nahm noch einen Schluck.

„Indem ich ihn ab und zu daran erinnere, dass er jetzt mir gehört und nicht mehr der ganzen Akademie.“

Elbrun drehte sich zu ihm, das Glas in der Hand, und schaute ihn mit diesem warmen, leicht glasigen Blick an, den Aljoscha so liebte.

„Und das machst du sehr gut“, murmelte er, gerade laut genug, dass die anderen es hörten.

Die Runde johlte wieder. Jan hob sein Glas.

„Auf Aljoscha, den Einzigen, der Elbrun bändigen kann!“

Gläser klirrten. Der Alkohol floss weiter. Die Geschichten wurden noch ein bisschen frecher, die Blicke zwischen den Freunden vertrauter, und die Stimmung blieb genau in diesem perfekten Bereich zwischen ausgelassen und herzlich.

Aljoscha lehnte sich zurück, das Glas in der Hand, und lächelte still in sich hinein.

Genau so sollte es sein.

Plötzlich piepte Elbruns Kommunikator. Er zog ihn aus der Tasche, schaute kurz darauf und seufzte leise.

„Brücke an Admiral Tiran“, kam die Stimme von Commander Mamaav. „Flottenadmiral Nechayev möchte Sie sprechen.“

Elbrun stand auf, nickte den anderen zu und sagte entschuldigend: „Ich bin gleich wieder da.“

Er verschwand im Schlafzimmer, um das Gespräch ungestört anzunehmen.

Kaum war die Tür hinter ihm zu, grinste Carsten breit und hob sein Glas.

„Bitchayev hat ein tolles Timing.“

Aljoscha lachte auf, TOP schüttelte nur den Kopf, und Jan prustete los.

„Lass das bloß Elbrun nicht hören“, meinte Aljoscha und hob warnend den Zeigefinger. „Der hat mich letztens schon gerügt, weil ich sie so genannt habe. Der Drachen der Flottenadmirale frisst Elbrun aus der Hand. Ich weiß jetzt auch, wie er das immer schafft. Sie war letztens bei uns zum Gespräch. Bularianische Canapés und Earl-Grey-Tee hat er ihr extra repliziert. Ich nannte es Schleimen, er nannte es Gastfreundschaft.“

Die Männer lachten laut auf. Sam schlug sich auf den Oberschenkel.

„Das ist aber vielleicht der kleine, aber feine Unterschied, warum er bereits ein Vier-Sterne-Admiral ist“, meinte TOP dann grinsend. „Dass er gut in seiner Arbeit ist, ist unbestritten.“

Die Runde prostete sich noch einmal zu, die Gläser klirrten, und für einen Moment wurde es etwas ruhiger.

Die Tür zum Schlafzimmer glitt leise auf, und Elbrun trat zurück ins Wohnzimmer.

Er setzte sich direkt neben Aljoscha aufs Sofa und kuschelte sich sofort an ihn. Mit einem leisen Seufzen legte er den Kopf an Aljoschas Brust, ein Arm schlang sich um dessen Taille, als wollte er sich vergewissern, dass er wirklich hier war.

„Nechayev wollte eigentlich nichts Wichtiges“, erzählte er leise, während Aljoscha ihm sanft über den Rücken strich. „Sie hat sich nur erkundigt, wie es mir geht. Ob ich klarkomme. Ob die Therapie gut läuft. Sie klang ... ehrlich besorgt.“

Carsten goss allen noch einmal nach – diesmal eher gemütlich als gierig. Die Flaschen kreisten, Gläser wurden gefüllt, und sie redeten wieder ganz normal weiter. Über alte Missionen, dumme Anekdoten aus der Akademie, über aktuelle Schiffsprobleme und darüber, wer von ihnen beim letzten Poker-Abend am meisten verloren hatte.

Elbrun lachte leise gegen Aljoschas Brust, kuschelte sich noch enger an ihn und murmelte etwas, das nur Aljoscha hören konnte. Aljoscha lächelte, küsste ihn sanft auf die Schläfe und strich ihm durch die Haare.

Die Stimmung war genau so, wie Aljoscha es sich gewünscht hatte: leicht, vertraut, voller Lachen und dem leisen Klirren von Gläsern. Der Alkohol floss jetzt ruhiger, aber stetig. Jan erzählte wieder eine seiner absurden Geschichten, Sam konterte mit einer noch besseren, Carsten warf trockene Kommentare ein, und TOP schüttelte nur lachend den Kopf.

Elbrun hob den Kopf ein wenig, schaute Aljoscha an und lächelte dieses ganz besondere, nur für ihn reservierte Lächeln. Dann kuschelte er sich wieder eng an ihn, die Hand auf Aljoschas Brust, als wollte er sagen: Ich bin hier. Bei dir. Und das ist alles, was zählt.

Die Freunde redeten, lachten und tranken weiter. Die Nacht wurde langsam, gemütlich und warm.

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