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Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7
Teil 18
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Informationen
- Story: Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7
- Autor: KAY
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Science Fiction
Zwei Tage später standen Elbrun und Aljoscha wieder im Büro von Admiral Sendak. Auch Flottenadmiral Nechayev war anwesend. Die Atmosphäre im Raum war angespannt, fast greifbar. Auf dem Schreibtisch lagen letzte Daten-PADDs, die Koordinaten waren bereits eingegeben.
Elbrun war vollständig verkleidet als sein terranisches Spiegelbild. Die Narbe auf der Wange, der Dreitagebart, die ärmellose, dunkle Uniform, das Halfter am Gürtel und das Kampfmesser am linken Oberarm – alles saß perfekt. Er sah aus, als wäre er direkt aus dem Spiegeluniversum gekommen.
Der echte terranische Elbrun war bereits angekommen und in eine Arrestzelle verfrachtet worden. Man hatte ihn sediert, damit er keine Probleme machte.
Nechayev trat vor und reichte Elbrun den Kommunikator des Terraners.
„Der hier gehört Ihnen jetzt“, sagte sie ruhig.
Elbrun nahm das Gerät und steckte es sich an die Uniform. Er schaute kurz zu Aljoscha, der neben ihm stand und versuchte, seine Sorge nicht zu zeigen.
Sendak musterte ihn einen langen Moment.
„Sind Sie bereit?“
Elbrun nickte langsam, seine Stimme war fest, aber ernst.
„So bereit, wie man für so etwas nur sein kann.“
Die vier machten sich schweigend auf den Weg zum Transporterraum. Der Korridor schien länger zu sein als sonst. Aljoschas Herz schlug schwer. Jeder Schritt fühlte sich wie ein Abschied an. Er warf Elbrun immer wieder kurze, besorgte Blicke zu. Elbrun bemerkte es und nickte ihm liebevoll zu – ein stilles „Es wird alles gut“.
Im Transporterraum angekommen, stellte sich Elbrun auf die Plattform. Ein Offizier des Geheimdienstes gab die Koordinaten ein. Die Energie summte bereits leise.
Aljoscha stand direkt vor der Plattform, die Hände zu Fäusten geballt. Seine Augen waren voller Angst, Liebe und stillem Protest. Elbrun schaute ihn an, das Lächeln war sanft, aber entschlossen.
„Energie“, sagte Elbrun ruhig.
Das vertraute blaue Leuchten erfasste ihn. Für einen kurzen, schmerzhaften Moment sahen sich die beiden noch einmal in die Augen – dann war Elbrun verschwunden.
Er materialisierte einen Wimpernschlag später im Transporterraum der I.S.S. Enterprise.
Der Raum war dunkler, die Beleuchtung rötlich und kalt. Der anwesende Transporter-Chief, ein junger Terraner mit harten Gesichtszügen, begrüßte ihn mit dem typischen Gruß des Spiegeluniversums: ein kräftiger Schlag mit der rechten Hand auf die linke Brust, die dann nach vorne ausgestreckt wurde.
Elbrun erwiderte den Gruß exakt, wie er es geübt hatte.
Der Chief schaute ihn überrascht an. Für einen winzigen Moment flackerte echte Angst in seinen Augen auf – ein kurzes, panisches Zucken, das er sofort zu verbergen versuchte.
„Captain? Sie sind bereits zurück?“
Seine Stimme klang belegt, fast schon unterwürfig. Elbrun spürte, wie der Mann sich innerlich anspannte, als würde er jeden Moment einen Schlag erwarten.
Elbrun antwortete mit einer tiefen, grimmigen Stimme, die perfekt zum terranischen Elbrun passte:
„Ich habe etwas vergessen.“
Ohne ein weiteres Wort verließ er den Transporterraum. Seine Schritte waren fest und selbstsicher, genau wie die des Mannes, den er gerade darstellte.
Kaum war er in den Korridor getreten, spürte er die Veränderung wie einen eisigen Wind.
Die Crewmitglieder erstarrten, sobald sie ihn sahen. Einige blieben mitten in der Bewegung stehen, andere wichen hastig zur Seite aus, als wäre er ein Raubtier auf der Jagd. Überall folgte der gleiche Gruß: ein kräftiger Schlag mit der rechten Hand auf die linke Brust, die Hand danach nach vorne ausgestreckt. Doch die Bewegungen waren nicht präzise und stolz, sondern hastig und verkrampft. Hände zitterten, Schultern zuckten, Blicke huschten nervös zu Boden oder zur Wand.
Niemand wagte es, ihm länger als eine Sekunde in die Augen zu sehen.
Elbrun ging weiter, den Blick stur geradeaus. Er spürte die Angst der Crew wie einen dichten, erstickenden Nebel. Ein junger Fähnrich presste sich mit dem Rücken gegen die Wand, als er vorbeiging, das Gesicht blass, die Lippen zusammengepresst. Zwei Technikerinnen, die gerade ein Panel reparierten, ließen ihre Werkzeuge fallen und salutierten so schnell, dass ihre Finger bebten. Ein Lieutenant, der ihm entgegenkam, wurde sichtlich kleiner, die Augen weit aufgerissen vor Furcht.
Jeder Atemzug, jedes leise Schlucken, jedes nervöse Räuspern war zu hören. Die Luft schien schwerer zu werden, als würde die bloße Anwesenheit des „Terranischen Elbrun“ allen den Sauerstoff rauben.
Elbrun spürte es tief in sich. Diese Angst war nicht gespielt. Sie war echt. Sie war roh. Sie war das, was sein Spiegelbild in diesen Menschen auslöste.
Das bin nicht ich, dachte er, während er weiterging. Das ist er. Und sie fürchten sich zu Tode.
Er versuchte, die Emotion nicht an sich heranzulassen, doch es fiel ihm schwer. Die Angst der Crew kroch ihm unter die Haut, kalt und klebrig.
An einer Wand war ein großer Lageplan des Schiffes. Elbrun blieb kurz stehen und studierte ihn. Die Grundstruktur war identisch mit seiner eigenen Enterprise – doch die Markierungen waren aggressiver, dunkler. Überall prangte das Symbol des Terranischen Imperiums: eine stilisierte Erde, durchbohrt von einem blutigen Schwert.
Elbrun starrte das Symbol einen Moment an. Es fühlte sich falsch an. Bedrohlich. Fremd.
Wo soll ich zuerst hin?, dachte er. Brücke? Quartier? Oder erst die Sicherheitszentrale?
Er entschied sich für die Brücke. Dort würde er am schnellsten einen Überblick bekommen – und am ehesten die Informationen finden, die er brauchte.
Mit festen, selbstsicheren Schritten machte er sich auf den Weg. Hinter ihm hörte er, wie die Crewmitglieder leise aufatmeten, sobald er vorbei war. Ein leises, kollektives Ausatmen der Erleichterung, das ihm durch Mark und Bein ging.
Elbrun betrat den Turbolift und sagte mit tiefer, grimmiger Stimme:
„Brücke.“
Der Turbolift setzte sich sofort in Bewegung. Elbrun stand regungslos da, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Blick starr geradeaus. Sein Herz schlug bereits schneller als gewöhnlich. Jede Sekunde, die verging, fühlte sich wie eine Prüfung an.
Als die Türen sich öffneten, trat er mit festen, selbstsicheren Schritten auf die Brücke.
Sofort erstarrte die gesamte Brückencrew. Jeder Offizier und jeder Techniker schlug sich mit der rechten Hand kräftig auf die linke Brust und streckte sie dann nach vorne aus.
Der diensthabende Lieutenant am Kommandosessel schaute ihn fragend an, wagte es aber nicht, etwas zu sagen. Seine Hände zitterten leicht, als er salutierte.
Elbrun blieb stehen, musterte die Brücke mit kaltem Blick und sagte dann mit der tiefen, rauen Stimme des Terraners:
„Ich habe die beschissenen Daten vergessen. Ich musste zurück und sie holen. Ich werde demnächst wieder aufbrechen. Sie behalten das Kommando ... vorerst.“
Er ließ die letzten Worte bewusst langsam und drohend klingen, genau wie sein Spiegelbild es getan hätte. Der Lieutenant wurde sichtlich blasser, nickte hastig und murmelte:
„Verstanden, Captain.“
Elbrun spürte die Angst, die wie eine Welle durch die Brücke ging. Es machte ihn krank. Er hasste es, diese Rolle zu spielen, hasste es, dass Menschen vor ihm zurückwichen, als wäre er ein Monster. Aber er durfte es sich nicht anmerken lassen.
Elbrun betrat den Bereitschaftsraum des terranischen Captains. Kaum hatte sich die Tür mit einem leisen Zischen hinter ihm geschlossen, atmete er kräftig ein und aus, als müsste er die Rolle für einen Moment ablegen. Seine Hände zitterten leicht, als er sie zu Fäusten ballte.
Er ging zum Schreibtisch, aktivierte das Terminal und begann sofort, Daten auf sein PADD zu überspielen. Galaxykarten, Strategiepläne der Terraner, alle verfügbaren Informationen über die Borg – alles, was er finden konnte. Er überlegte kurz, ob er noch mehr Daten mitnehmen sollte, aber je mehr er überspielte, desto länger dauerte es. Dennoch nahm er noch die Schiffspezifikationen hinzu. Vielleicht konnte man sich etwas für die eigenen Schiffe abschauen.
Das Überspielen dauerte fast eine Stunde.
Und jede einzelne Minute fühlte sich wie eine Ewigkeit an.
Elbruns Herz klopfte so hart, dass er es in den Ohren hörte. Schweiß lief ihm den Rücken hinunter, obwohl die Temperatur im Raum eher kühl war. Immer wieder warf er nervöse Blicke zur Tür. Jedes leise Geräusch aus dem Korridor – Schritte, eine ferne Stimme, das Summen eines Turbolifts – ließ ihn zusammenzucken. Er stellte sich vor, wie die Tür plötzlich aufglitt und jemand hereinkam. Jemand, der misstrauisch wurde. Jemand, der ihn erkannte.
Wenn sie mich erwischen, bin ich tot, dachte er. Kein Verhör. Keine Gnade. Nur ein Phaser oder ein Messer. Und Aljoscha würde nie erfahren, was mit mir passiert ist.
Seine Finger flogen über das Terminal, doch seine Gedanken rasten. Er sah Aljoschas besorgtes Gesicht vor sich, spürte noch die Wärme seiner Umarmung. Der Gedanke an ihn war das Einzige, was ihn jetzt noch bei Verstand hielt.
Bleib ruhig. Bleib in der Rolle. Du bist er. Du bist der Mann, vor dem sie alle Angst haben.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und zwang sich, langsamer zu atmen. Die Fortschrittsanzeige kroch quälend langsam voran. 67 %. 71 %. 78 %. Jede Prozentzahl fühlte sich wie eine kleine Ewigkeit an.
Plötzlich hörte er Schritte im Korridor, die sich näherten. Elbrun erstarrte. Seine Hand lag bereits auf dem Messer am Oberarm. Die Schritte wurden lauter ... und gingen dann vorbei. Er atmete zitternd aus.
Reiß dich zusammen, ermahnte er sich selbst. Du hast nur noch ein paar Minuten.
Endlich zeigte das Terminal 100 % an. Elbrun zog das PADD heraus, steckte es in die Innentasche seiner Uniform und stand auf. Er warf einen letzten Blick durch den Raum, ob er irgendetwas verräterisch zurückgelassen hatte, dann ging er zur Tür.
Bevor er sie öffnete, atmete er noch einmal tief durch und setzte wieder die kalte, arrogante Miene des Terranischen Elbrun auf.
Elbrun war wieder auf der Brücke und ging zielstrebig zum Turbolift. Die Crew salutierte hastig, sobald er vorbeikam – jeder Schlag auf die Brust, jede ausgestreckte Hand war von unterdrückter Angst begleitet.
„Deck 15“, sagte er kräftig und mit der tiefen, kalten Stimme, die er sich antrainiert hatte.
Der Turbolift setzte sich in Bewegung. Elbrun stand regungslos da, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Sein Herz schlug schnell, aber kontrolliert. Sicherheitszentrale. Daten. Dann raus hier.
Der Lift hielt. Die Türen glitten auf.
Er ging den Korridor entlang, die Schritte fest und selbstsicher. Überall an den Wänden prangte das Symbol des Terranischen Imperiums – die Erde, durchbohrt von einem blutigen Schwert. Es fühlte sich falsch an, bedrohlich, wie ein ständiger Mahnruf.
Plötzlich wurde er von einem Sicherheitsmann aufgehalten. Der Mann salutierte zackig, doch in seinen Augen lag keine blanke Angst wie bei den anderen. Stattdessen ein Hauch von Respekt – oder sogar Zuneigung. Offenbar jemand, den der terranische Elbrun mochte.
„Captain“, grüßte er. „Der Gefangene macht Probleme. Sie müssen zu ihm.“
Elbrun blieb stehen. Einen Moment lang wollte er einfach weitergehen.
„Ich habe für sowas keine Zeit, Lieutenant“, antwortete er knapp und streng.
Doch dann hielt er inne. Der echte Elbrun würde das nicht ablehnen, dachte er. Er würde es genießen.
Er drehte sich langsam um, versuchte, so dunkel wie möglich zu grinsen – ein kaltes, sadistisches Lächeln, das ihm selbst Übelkeit bereitete.
„Wobei ... die fünf Minuten werde ich mir nehmen.“
Der Sicherheitsoffizier grinste ebenso dunkel zurück, als teilte er ein schmutziges Geheimnis.
Sie gingen zusammen zu den Arrestzellen. Je tiefer sie in den Bereich vordrangen, desto schlimmer wurde es. Elbrun sah mit eigenen Augen die Agonie-Kammern, in denen Gefangene gefoltert wurden – und auch Crewmitglieder bei Fehlverhalten. Werkzeuge lagen offen herum, deren Zweck er sich lieber nicht vorstellen wollte: Zangen, Klingen, Geräte, die Stromstöße durch den Körper jagten, Vorrichtungen, die langsam und systematisch Gliedmaßen zerstörten.
Sein Magen drehte sich um.
Dann erreichten sie die besagte Arrestzelle.
In ihr kauerte ein junger Andorianer. Als er Elbrun erblickte, gefror ihm das Blut in den Adern. Sein Blick war blanke Todesangst – pure, animalische Panik.
„Na, wen haben wir hier?“, sagte Elbrun freundlich, fast schon liebevoll – genau im Tonfall seines Spiegelbilds.
Der Andorianer stammelte nur: „Bitte ... nicht ...“
Elbrun sah die Verstümmelungen: An jeder Hand fehlten bereits zwei Finger, eine der Antennen war brutal abgeschnitten worden. Die Wunden waren frisch, aber nicht frisch genug, um noch stark zu bluten. Der Mann war bereits gebrochen.
Elbrun spürte, wie ihm schlecht wurde. Er durfte es sich nicht anmerken lassen. Stattdessen lächelte er weiter, kalt und genüsslich.
„Ich habe leider jetzt keine Zeit für dich ... aber wenn ich zurück bin, werden wir eine Menge Spaß haben.“
Der Andorianer verkroch sich in die hinterste Ecke der Zelle, kauerte sich zitternd auf den Boden zusammen. Sein ganzer Körper bebte. Die paar Worte und der bloße Anblick von Elbrun hatten ausgereicht, um ihn erneut in blankes Entsetzen zu stürzen.
Elbrun drehte sich um und ging weiter, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Doch innerlich brodelte es in ihm. Die Dunkelheit dieses Universums war noch viel schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte.
Elbrun verließ den Arrestbereich mit schnellen, zielstrebigen Schritten. Der Sicherheitssoffizier blieb zurück und hielt weiter Wache, ein dunkles Grinsen im Gesicht, als hätte er gerade etwas sehr Unterhaltsames miterlebt.
Elbrun ging zügig durch die Korridore, den Blick starr geradeaus. Überall, wo er vorbeikam, wurden ihm die gleichen angstvollen Grüße zuteil – Hände schlugen sich auf Brustkörbe, Arme streckten sich nach vorne, Blicke senkten sich hastig zu Boden. Die Angst der Crew war fast greifbar, ein kalter, erstickender Nebel, der ihm folgte.
Er erreichte die Sicherheitszentrale. Zu seiner Erleichterung war der Raum unbemannt. Die Konsolen summten leise, die Bildschirme zeigten Überwachungsfeeds der Zellen und Gänge. Elbrun setzte sich an die Hauptkonsole und begann sofort, Daten auf sein PADD zu überspielen.
Während die Dateien übertragen wurden, scrollte er durch die Inhalte. Das Terranische Imperium hatte nicht nur Probleme mit den Borg. Es gab eine wachsende Rebellen-Allianz, die sich aus unterworfenen Welten zusammensetzte – Vulkanier, Andorianer, Tellariten und viele andere. Einige Angehörige dieser Völker arbeiteten für das Imperium aus Angst oder aus Berechnung. Andere kämpften offen dagegen.
Der Andorianer von eben musste einer der Rebellen sein.
Elbrun spürte einen scharfen Stich in der Brust. Er wollte dem Mann helfen. Er wollte die Zelle öffnen, ihn mitnehmen, ihn retten. Aber er wusste: Das durfte er nicht. Eine solche Tat würde alles gefährden.
Counselor Miwal wird eine Menge Arbeit mit mir haben, wenn das hier fertig ist, dachte er bitter. Falls ich überhaupt zurückkomme.
Er hatte die Daten, die er brauchte. Galaxykarten, Strategiepläne, Aufstellungen der imperialen Flotte. Er wollte noch mehr mitnehmen, doch je länger er blieb, desto größer wurde das Risiko.
Sein letztes Ziel war das Quartier des terranischen Elbrun. Vielleicht gab es dort etwas Persönliches, etwas Nützliches, das ihm weiterhelfen konnte.
Elbrun verließ die Sicherheitszentrale und ging den Korridor entlang zum Turbolift. Seine Schritte waren fest, doch innerlich war er angespannt. Jeder Atemzug fühlte sich zu laut an.
Er betrat den Turbolift.
„Deck 10“, sagte er kräftig.
Die Türen schlossen sich. Der Lift setzte sich in Bewegung.
Elbrun lehnte sich gegen die Wand und atmete tief durch. Für einen kurzen Moment erlaubte er sich, die Maske fallen zu lassen. Seine Hände zitterten leicht. Das Spiegeluniversum war noch schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte.
Elbrun erreichte das Quartier des terranischen Captains.
Kaum hatte sich die Tür mit einem leisen Zischen hinter ihm geschlossen, traf ihn die Erkenntnis wie ein Phaser-Schuss.
Scheiße.
Der terranische Aljoscha war da.
Er stand mitten im Raum, nur in einer engen schwarzen Uniformhose und einem halb offenen Hemd, die Haare noch feucht vom Duschen. Der Anblick war so vertraut und gleichzeitig so falsch, dass Elbrun für einen Sekundenbruchteil das Gefühl hatte, sein Herz würde aussetzen.
Das ist nicht meiner. Das ist nicht mein Aljoscha.
Der terranische Aljoscha drehte sich um und lächelte überrascht, aber erfreut.
„Du bist zurück?“
Elbrun zwang sich, die Rolle zu spielen. Seine Stimme klang tief und grimmig, genau wie die des anderen:
„Ich hab was vergessen.“
Er wollte direkt zum Schreibtisch gehen, doch der andere Aljoscha trat ihm in den Weg, legte den Kopf schief und grinste herausfordernd.
„Bekomme ich keinen Kuss?“
Verdammt.
Elbrun spürte, wie sich alles in ihm sträubte. Der Gedanke, einen anderen Aljoscha zu küssen – auch wenn er äußerlich identisch aussah – fühlte sich wie Verrat an. Verrat an dem Mann, den er wirklich liebte. Aber er durfte nicht zögern. Jede Verzögerung könnte ihn verraten.
Also ging er auf ihn zu, nahm das Gesicht des terranischen Aljoscha in beide Hände und küsste ihn – hart, besitzergreifend, dominant, genau so, wie er es aus den aufgenommenen Erinnerungen des terranischen Elbrun wusste.
Der Kuss war intensiv, fordernd, fast brutal. Der andere Aljoscha erwiderte ihn sofort mit derselben hungrigen Leidenschaft, die Hände glitten über Elbruns Rücken. Elbrun spürte den Geschmack, die Wärme, die Vertrautheit – und gleichzeitig den tiefen Ekel in sich aufsteigen.
Das ist nicht er. Das ist nicht mein Imzadi. Das ist nur das gleiche Gesicht.
Er löste sich so schnell, wie es noch natürlich wirkte, drehte sich um und wollte nun wirklich zum Schreibtisch. Doch hinter ihm hörte er das leise, metallische Klicken eines Messers, das aus dem Halfter gezogen wurde.
Die Zeit schien für einen Sekundenbruchteil stillzustehen.
„Wer bist du?“, fragte der terranische Aljoscha leise, aber scharf. Die Stimme war plötzlich eiskalt, jede Spur von Spielerei war verschwunden.
Elbrun erstarrte mitten in der Bewegung. Sein Herz setzte für einen Schlag aus, dann hämmerte es wie wild gegen seine Rippen. Langsam, sehr langsam drehte er sich um.
Der andere Aljoscha stand nur zwei Schritte entfernt. Das Messer lag locker, aber tödlich bereit in seiner Hand, die Klinge glänzte kalt im rötlichen Licht. Die Spitze war genau auf Elbruns Brust gerichtet. Der Blick des terranischen Aljoscha war nicht mehr spielerisch – er war wachsam, scharf und tödlich ernst. Ein Muskel an seinem Kiefer zuckte. Die Luft im Quartier schien plötzlich dicker zu werden, als wäre jeder Atemzug eine Gefahr.
Elbrun spürte, wie ihm der Schweiß den Rücken hinunterlief. Eine falsche Bewegung, ein falsches Wort – und dieses Messer würde in der nächsten Sekunde in seiner Brust stecken.
Er versuchte, die Rolle zu halten und antwortete streng:
„Bist du bescheuert? Was soll der Scheiß?“
Der terranische Aljoscha grinste breit, fast schon amüsiert. Das Messer senkte sich ein Stück, blieb aber weiterhin drohend in seiner Hand.
„Ahhhh ... du bist der Föderations-Elbrun. Was willst du hier?“
Elbrun wusste in diesem Moment, er hatte verloren. Die Tarnung war aufgeflogen.
Er atmete einmal tief durch und entschied sich für die Wahrheit.
„Ich bin hier, weil dein wahnsinniger Ehemann uns gefälschte Daten gegeben hat. Ich bin hier, um die echten zu holen. Er will, dass wir zusammenarbeiten, aber belügt uns“ sagte er ruhig, aber mit angespannter Stimme.
Der terranische Aljoscha starrte ihn einen langen, gefährlichen Moment an ... dann lachte er leise, fast erleichtert.
„Ja, das klingt ganz nach ihm. Er ist zu stolz ... zu dumm, um ehrlich zu sein.“
Elbrun spürte keine große Feindseligkeit von ihm. Eher ... Hoffnung? Resignation? Etwas dazwischen.
„Ich werde dir helfen“, sagte der terranische Aljoscha dann plötzlich.
Er ging zu einem versteckten Fach im Schreibtisch, zog ein PADD heraus und reichte es Elbrun.
„Ich glaube, du wirst das hier haben wollen.“
Auf dem PADD waren geheime Aufzeichnungen des terranischen Elbrun – echte, unverfälschte Daten.
„Was willst du dafür?“, fragte Elbrun misstrauisch.
„Nichts“, antwortete der terranische Aljoscha streng. „Ich will nur nicht, dass mein Universum untergeht.“
Elbrun nickte langsam. Dann stellte er die Frage, die ihm schon die ganze Zeit auf der Zunge lag:
„Darf ich dich etwas fragen? Wann hast du gemerkt, dass ich nicht dein Elbrun bin?“
Der terranische Aljoscha lachte leise, fast schon liebevoll.
„In dem Moment, in dem du das Quartier betreten hast. Du magst zwar aussehen wie er ... aber deine Augen haben dich verraten. Sie sind zu weich. Zu ... gut.“
Dann lachte er lauter und fügte hinzu:
„Aber der Kuss war perfekt“, murmelte er. Seine Stimme wurde tiefer, anzüglicher. „Hart, fordernd ... genau wie ich es mag. Für einen Moment habe ich fast geglaubt, er wäre wirklich hier.“
„Dann habe ich meine Mission erfüllt und kann nach Hause“, sagte Elbrun erleichtert und wollte sich schon umdrehen.
Der terranische Aljoscha nickte langsam, doch dann erschien ein schiefes, fast schon spöttisches Grinsen auf seinem Gesicht.
„Was meinst du? Bock zu ficken?“
Elbrun blieb wie erstarrt stehen. Die Worte trafen ihn wie ein Schlag. Für einen Moment war sein Kopf vollkommen leer.
Was zur Hölle ...
Sein Herz hämmerte plötzlich wie verrückt. Die Situation war schon surreal gewesen, aber jetzt wurde sie geradezu absurd. Er stand hier, im Spiegeluniversum, und wurde von einer Version seines eigenen Partners angemacht – während er versuchte, nicht die Fassung zu verlieren.
„Kleiner Scherz“, sagte der terranische Aljoscha mit einem leisen, dunklen Lachen, doch sein Blick blieb hungrig auf Elbrun haften.
Er trat noch einen Schritt näher, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen ihnen lagen.
„Wobei ... du dich bestimmt genauso gut ficken lassen würdest wie mein Elbrun.“
Elbrun guckte noch dümmer aus der Wäsche, die Augen weit aufgerissen, die Wangen leicht gerötet. Er war vollkommen überrumpelt.
Das kann nicht sein Ernst sein. Das ist nicht mein Aljoscha. Das ist ... ein anderer. Und er macht mich an, als wäre das hier ganz normal.
Der terranische Aljoscha musterte ihn langsam von oben bis unten, das Grinsen wurde breiter.
„Ach sag nicht, dass du der Aktive bist“, meinte er dann mit einem anzüglichen Unterton. „Ich bin ewig nicht gefickt worden. Mein Elbrun steckt seinen Schwanz nur in seine Opfer ... nicht in mich.“
Die Worte hingen schwer und unmissverständlich im Raum. Elbrun spürte, wie ihm heiß und kalt gleichzeitig wurde. Der terranische Aljoscha stand nur einen Meter von ihm entfernt, das Messer noch immer locker in der Hand, und schaute ihn mit einer Mischung aus Neugier, Verlangen und einer Spur von Einsamkeit an.
Der terranische Aljoscha grinste noch breiter, als er Elbruns sprachlose Miene sah.
„Keine Sorge. War nur ein Gedanke. Du siehst aus, als würdest du gleich umkippen.“
Elbrun schluckte hart. Seine Stimme klang belegt, als er schließlich antwortete:
„Ich ... bin nicht hier, um zu ficken.“
Der terranische Aljoscha lachte leise, fast schon traurig.
„Schade. Wäre eine nette Abwechslung gewesen.“
Elbrun kniete sich hin, um den verborgenen Transmitter an seinem rechten Fußgelenk zu aktivieren. Seine Finger zitterten leicht, als er die kleine Vorrichtung berührte. In wenigen Sekunden würde er zurück in sein eigenes Universum beamen – zurück zu Aljoscha, zurück in die Sicherheit.
Der terranische Aljoscha stand nur einen Meter entfernt und beobachtete ihn schweigend. Dann sagte er leise, fast schon sanft:
„Pass auf dich auf.“
Elbrun schaute zu ihm auf. Für einen Moment sah er nicht mehr das gefährliche Spiegelbild, sondern einen Mann, der trotz allem erschreckend menschlich wirkte.
„Das werde ich“, antwortete er. „Und du auch auf dich ... Ich hoffe, ich beleidige dich damit nicht, aber du wirkst nett auf mich. Ich habe dich bei unserer letzten Begegnung ganz anders in Erinnerung gehabt.“
Der terranische Aljoscha lachte leise, ein bitteres, resigniertes Lachen.
„Ich bin Terraner. Damit tickt meine Moral anders. Aber auch wir sind vielschichtig ... und auch ich muss teilweise eine Rolle erfüllen. Ich muss stark sein. Ich lebe mit einem Nicht-Terraner zusammen. Alleine das macht mich angreifbar, auch wenn mein Elbrun stark, mächtig und skrupellos ist.“
Elbrun richtete sich langsam auf. Die Worte berührten etwas in ihm. Er sah den anderen Aljoscha einen langen Moment an, bevor er leise fragte:
„Liebst du ihn?“
Der terranische Aljoscha nickte, ohne zu zögern. Seine Stimme wurde leiser, fast brüchig.
„Ja ... aber ich vertraue ihm nicht. Er ist gefährlich. Auch für mich.“
Er machte eine kurze Pause, dann fuhr er fort, die Stimme voller unterdrückter Emotion:
„Weißt du, Betazoide haben innerhalb des Imperiums einen besonderen Stellenwert. Wir Terraner stehen an der Spitze, andere Rassen sind minderwertig, zweitklassig. Betazoide sind anders. Sie sehen menschlich aus und haben sich dem Imperium freiwillig angeschlossen. Sie stehen irgendwie dazwischen. Dennoch hatte Elbrun es als Jugendlicher schwer. Er galt auch als zweitklassig, weil sein Vater halb Vulkanier ist. Aber der Imperator hatte Gefallen an ihm gefunden ... er hat eine Menge Sachen mit ihm angestellt ... Sexuell.“
Die letzten Worte hingen schwer und kalt im Raum. Elbrun spürte, wie sich ihm der Magen umdrehte. Er sah den Schmerz in den Augen des anderen Aljoscha – ein Schmerz, der tief saß und niemals ganz verschwand.
Für einen Moment wusste keiner von beiden, was er sagen sollte.
Elbrun schluckte hart.
„Ich ... es tut mir leid“, murmelte er schließlich. Die Worte fühlten sich unzureichend an.
Der terranische Aljoscha lächelte nur schwach und schüttelte den Kopf.
„Geh einfach. Bevor er merkt, dass du hier warst.“
Elbrun nickte. Er aktivierte den Transmitter am Fußgelenk und schaute den anderen Aljoscha ein letztes Mal an.
„Pass auf dich auf“, sagte er leise.
Dann leuchtete das vertraute blaue Licht auf und holte ihn zurück in sein eigenes Universum.
Elbrun materialisierte im Transporterraum des Sternenflottenkommandos, im streng bewachten Trakt des Geheimdienstes.
Die Luft war kühl und steril. Er berührte sofort seinen Kommunikator und sagte mit müder, aber fester Stimme:
„Tiran an Sendak ... Ich bin zurück.“
„Wir kommen Sie abholen“, antwortete Sendak prompt.
Elbrun blieb auf der Plattform stehen und wartete. Es war besser so. Er sah immer noch aus wie der terranische Elbrun – Narbe, Bart, Uniform, Messer am Arm. Jeder, der ihn jetzt ohne Vorwarnung sah, würde wahrscheinlich die falschen Schlüsse ziehen.
Wenige Minuten später öffnete sich die Tür. Aljoscha stürmte herein, ohne auf irgendjemanden zu achten, und sprang Elbrun förmlich in die Arme. Er drückte ihn so fest an sich, als wollte er ihn nie wieder loslassen.
„Du bist zurück“, flüsterte er erleichtert, die Stimme belegt vor Glück und Anspannung.
„Ich hatte es dir doch versprochen“, antwortete Elbrun leise und hielt ihn ebenso fest. Für einen Moment schloss er die Augen und atmete einfach nur Aljoschas Duft ein. Die Erleichterung, wieder hier zu sein, war überwältigend.
Sendak und Nechayev standen etwas abseits und warteten geduldig.
Elbrun löste sich sanft von Aljoscha, gab ihm noch einen kurzen, liebevollen Blick und ging dann auf die beiden Flottenadmirale zu. Er griff in seine Hosentasche, holte die PADDs heraus und überreichte sie Sendak.
„Ich hoffe, dass sie sich lohnen“, sagte er.
Sendak nahm die Geräte entgegen. „Das werden wir gleich sehen. Am besten gehen Sie zu Ihrem Spiegelbild und sprechen nochmal mit ihm. Und dann ...“
Elbrun unterbrach ihn höflich, aber bestimmt:
„Verzeihung, Sir. Aber ich werde mit dem terranischen Elbrun nicht sprechen. Nicht heute. Geben Sie ihm die Daten, die wir ihm versprochen haben, und schicken Sie ihn zurück.“
Er nahm den Kommunikator von seiner Brust und reichte ihn Nechayev, damit der terranische Elbrun ihn zurückbekam.
„Und ich werde heute keine Daten mehr mit Ihnen durchschauen. Ich habe die zum Teil bereits gesehen. Ich war lange unterwegs ...“
Er sprach fest und deutlich, doch dann schob er ganz leise, fast nur für sich selbst, hinterher:
„Ich schaff das nicht mehr.“
Die Worte waren kaum hörbar, doch Aljoscha hörte sie. Er trat sofort einen Schritt näher und legte eine Hand auf Elbruns Rücken – eine stumme, feste Stütze.
Sendak und Nechayev wechselten einen kurzen Blick. Beide spürten, dass Elbrun am Limit war.
„Verstanden“, sagte Sendak schließlich ruhig. „Ruhen Sie sich aus, Admiral. Wir kümmern uns um den Rest. Wir sehen uns dann morgen.“
Elbrun nickte nur. Er sah erschöpft aus – nicht nur körperlich, sondern tief in der Seele. Die Last der letzten Stunden stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
Aljoscha und Elbrun verließen das Büro schweigend. Auf dem Weg zur Krankenstation sprach keiner von ihnen ein Wort. Dort wurde die falsche Narbe in wenigen Minuten entfernt. Elbrun saß still da, ließ alles über sich ergehen, als wäre er nur noch eine Hülle.
Danach gingen sie zum Transporterraum und beamten auf die Sternenbasis im Orbit der Erde. Von dort aus machten sie sich auf den Weg zur Luftschleuse, um auf die Enterprise zurückzukehren.
Elbrun hatte beim Laufen Aljoschas Hand geschnappt und drückte sie fest. Er wollte sie gar nicht mehr loslassen. Er wollte seinen Mann festhalten – aber auch sich selbst. Die Berührung war das Einzige, was ihn jetzt noch erdete.
Etwas später erreichten sie ihr Quartier.
Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, zog Elbrun sich die Uniform aus. Die Jacke, das Hemd, die Hose – alles landete achtlos auf dem Boden. Innerhalb von Sekunden stand er nackt da. Er wollte diese falsche Haut so schnell wie möglich loswerden.
Aljoscha blieb stehen und schaute ihn an.
Elbrun sah anders aus als sonst. Der Dreitagebart war noch da, auf seiner Brust und im Intimbereich hatte er die Haare wachsen lassen – für den Fall der Fälle, damit er dem terranischen Elbrun noch ähnlicher sah. Es war kein wilder Pelz, sondern ein ästhetischer, dunkler Flaum, der sich über seine Brust zog und tiefer wurde. Die Narbe war bereits entfernt, doch die Spuren der letzten Stunden waren noch deutlich zu sehen: die Anspannung in den Schultern, die leichte Erschöpfung in den Augen, die Art, wie er sich bewegte, als müsste er sich erst wieder in seinen eigenen Körper zurückfinden.
Aljoscha spürte, wie ihm der Atem stockte.
Er ist zurück, dachte er. Er steht wirklich hier. Lebendig. Mein Elbrun.
Die Erleichterung war so überwältigend, dass ihm für einen Moment die Knie weich wurden. Gleichzeitig stieg eine tiefe, warme Welle der Zuneigung in ihm auf. Der Anblick von Elbrun – nackt, verletzlich, mit diesem neuen, männlichen Flaum auf der Brust – berührte etwas in ihm. Es sah gut aus. Stark. Natürlich. Es machte ihn an, auf eine ruhige, tiefe Art, die er selbst nicht ganz erwartet hatte. Für einen kurzen, verbotenen Moment stellte er sich vor, wie es wäre, mit den Fingern durch diese Haare zu streichen, sie zu spüren, Elbrun so zu halten, wie er jetzt war.
Aber dann sah er den Ausdruck in Elbruns Gesicht. Die Erschöpfung. Den Wunsch, alles abzustreifen, was ihn an diese Mission erinnerte.
Er will wieder er selbst sein, dachte Aljoscha. Und ich darf ihm das jetzt nicht nehmen. Nicht nach allem, was er durchgemacht hat. Nicht nach dem, was er für uns riskiert hat.
Er schluckte die Worte herunter, die ihm auf der Zunge lagen – dass ihm der Anblick gefiel, dass er ihn schön fand, dass er ihn am liebsten sofort in die Arme genommen und nie wieder losgelassen hätte. Stattdessen trat er langsam näher, legte eine Hand sanft auf Elbruns Brust und spürte das schnelle, aber ruhiger werdende Klopfen seines Herzens.
„Ich bin froh, dass du wieder hier bist“, flüsterte er. Seine Stimme war leise, aber voller Emotion. „Ich hatte solche Angst um dich.“
Elbrun schloss kurz die Augen und lehnte sich in die Berührung hinein. Er legte seine Hand über Aljoschas, drückte sie fester gegen seine Brust.
„Ich weiß“, murmelte er. „Ich wollte das alles nur noch loswerden. Diese Uniform ... diesen Bart ... diese Rolle. Ich will wieder ich sein.“
Aljoscha nickte, auch wenn es ihm schwerfiel. Er strich mit dem Daumen sanft über die dunklen Haare auf Elbruns Brust, eine zärtliche, fast schon ehrfürchtige Berührung.
Elbrun drehte sich um und verschwand wortlos im Bad. Die Tür schloss sich leise hinter ihm.
Aljoscha blieb noch einen Moment stehen, dann ging er zum Replikator. Er bestellte zwei Sandwiches und eine Kanne heißen Tee für Elbrun – genau die Sorte, die er am liebsten mochte. Während die Dinge materialisierten, spürte er, wie seine eigene Anspannung langsam nachließ, doch die Sorge blieb. Er setzte sich aufs Sofa, stellte das Tablett auf den kleinen Tisch und wartete.
Ein wenig später kam Elbrun aus dem Bad. Gesicht und Körper waren frisch rasiert. Er trug nur eine schwarze, enge Unterhose, die sich eng an seine Hüften schmiegte. Sein Körper war frisch geduscht. Er sah wieder mehr wie er selbst aus – doch die Erschöpfung war ihm deutlich anzusehen. Er ging zum Sofa und setzte sich direkt neben Aljoscha, ohne ein Wort zu sagen.
Elbrun griff direkt nach einem der Sandwiches und begann zu essen. Langsam, fast mechanisch.
Er war still. Sehr still.
Zu still für Aljoscha.
Er sagt nichts, dachte Aljoscha. Kein Wort über das, was er gesehen hat. Kein Wort darüber, wie es sich angefühlt hat, dort zu sein. Er schließt mich wieder aus ... oder er kann es einfach noch nicht in Worte fassen.
Aljoscha drängte ihn nicht. Er wusste, dass Elbrun Zeit brauchte. Stattdessen beobachtete er ihn genau. Die Hände zitterten leicht beim Essen. Nur ein ganz kleines Zittern, das jemandem, der ihn nicht so gut kannte, vielleicht nicht aufgefallen wäre. Doch Aljoscha sah es. Er sah, wie Elbruns Kiefer sich anspannte, wie er den Blick starr auf den Teller gerichtet hielt, als müsste er sich darauf konzentrieren, einfach nur zu kauen.
Aljoscha rückte ein Stück näher, legte eine Hand vorsichtig auf Elbruns Oberschenkel und strich sanft darüber. Er sagte nichts. Er war einfach nur da.
Elbrun aß weiter, doch nach ein paar Bissen legte er das Sandwich zurück auf den Teller. Er starrte einen Moment darauf, dann lehnte er sich zurück und schloss die Augen.
Aljoscha spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog. Er wollte ihn halten, ihn beschützen, ihm die Last abnehmen. Stattdessen blieb er einfach neben ihm sitzen, die Hand warm und ruhig auf Elbruns Bein.
„Ich bin hier“, flüsterte er schließlich ganz leise. „Wenn du reden willst ... oder auch nicht. Ich bin hier.“
Elbrun atmete tief ein, dann langsam wieder aus. Die Augen blieben geschlossen, doch seine Hand legte sich über Aljoschas auf seinem Oberschenkel und drückte sie leicht. Es war keine große Geste, aber für Elbrun in diesem Moment war es alles.
Elbrun atmete tief ein, dann langsam wieder aus. Seine Stimme war rau, fast brüchig, als würde jedes Wort ihm körperliche Schmerzen bereiten.
„Es war ... schlimmer, als ich gedacht habe“, sagte er schließlich. „Wie sie mich alle angesehen haben ... Todesangst. Sie hatten alle Todesangst vor mir.“
Er brach ab, schluckte hart. Aljoscha spürte das leichte Zittern, das durch Elbruns ganzen Körper ging, als würde etwas in ihm zerbrechen. Ohne zu zögern rückte er noch näher, zog Elbrun sanft, aber bestimmt in seine Arme und ließ ihn den Kopf an seine Schulter legen. Elbrun ließ es geschehen. Er lehnte sich schwer gegen ihn, die Arme schlossen sich fest um Aljoschas Taille, als brauchte er etwas Festes, an dem er sich halten konnte.
„Da war dieser Andorianer ... gefangen ...“, sprach er weiter, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ein Blick und ein paar Worte später von mir ... war er gebrochen. Er hat sich voller Todesangst in die Ecke seiner Zelle verkrochen.“
Er schwieg wieder. Die Stille dehnte sich aus, schwer und erdrückend. Aljoscha hielt ihn einfach nur fest, eine Hand sanft über Elbruns Rücken streichend, die andere in seinen Nacken gelegt, als könnte er so die Dunkelheit fernhalten.
Ein paar Minuten später kamen weitere Worte, leise und voller Selbstekel.
„Nicht einmal du vertraust ihm in dem Universum.“
Aljoscha spürte, wie sich etwas in seiner eigenen Brust zusammenzog. Er drückte Elbrun noch fester an sich, küsste ihn auf die Schläfe und ließ seine Lippen dort verweilen.
„Ich vertraue dir“, flüsterte er eindringlich. „Nicht ihm. Niemals ihm. Du bist nicht er, Elbrun. Du bist nicht dieses Monster. Du bist der Mann, der gerade hier in meinen Armen liegt und sich selbst dafür hasst, dass er so tun musste, als wäre er es.“
Elbrun atmete zitternd aus. Sein Griff um Aljoscha wurde noch fester, fast verzweifelt. Aljoscha spürte die Wärme seiner Haut, das leichte Beben seiner Schultern, das stumme Schlucken, mit dem er die Tränen zurückhielt.
„Ich habe gesehen, wie sie mich angeschaut haben ...“, murmelte Elbrun gegen Aljoschas Hals. „Nicht nur Angst. Absoluter Schrecken. Und ich ... ich habe es genossen. Nur für eine Sekunde. Weil ich wusste, dass es meine Tarnung stärkt. Und das macht mich krank.“
Aljoscha schloss die Augen und hielt ihn einfach. Er strich ihm langsam über den Rücken, spürte jeden Muskel, jede Anspannung, die langsam unter seinen Fingern nachgab.
„Du hast das getan, um Leben zu retten“, sagte er leise, aber bestimmt. „Um uns zu retten. Um Daten zu holen, die vielleicht über das Schicksal ganzer Welten entscheiden. Das macht dich nicht zu ihm. Das macht dich zu dem stärksten Mann, den ich kenne.“
Elbrun schwieg lange. Dann nickte er kaum merklich, das Gesicht noch immer an Aljoschas Hals vergraben.
„Ich hasse es, dass ich das alles in mir trage“, flüsterte er. „Diese Bilder. Diese Schreie. Diese Angst, die ich ausgelöst habe. Ich will das nicht in unserem Zuhause haben. Counselor Miwal wird eine Menge Arbeit mit mir haben.“
Aljoscha küsste ihn erneut auf die Schläfe, dann auf die Wange, schließlich sanft auf den Mund – ein langer, zärtlicher Kuss, der nichts forderte, sondern nur gab. Er spürte, wie Elbruns Lippen leicht zitterten, wie sich sein Atem für einen winzigen Moment stockte, bevor er sich wieder in den Kuss fallen ließ.
Er hat es gesagt, dachte Aljoscha, und eine warme Welle der Erleichterung durchflutete ihn. Er hat es von allein gesagt. Dass er zu Miwal will. Das war kein kleiner Schritt für Elbrun. Das war ein riesiger. Aljoscha wusste, wie sehr sein Mann es hasste, Schwäche zu zeigen – erst recht, wenn es um etwas ging, das so tief in ihm saß. Dass er jetzt selbst die Hilfe ansprach, zeigte, wie sehr ihn das alles wirklich mitgenommen hatte.
Gleichzeitig wusste er auch, dass Elbrun noch vieles verschwieg. Dinge, die er gesehen haben musste. Bilder, die er aus reiner Liebe zu ihm nicht aussprach, um ihn zu schützen. Aljoscha spürte das ganz deutlich – diese stumme, schwere Last, die Elbrun mit sich herumschleppte, obwohl er schon so viel erzählt hatte. Es schnürte ihm das Herz zusammen, doch er drängte nicht. Nicht jetzt. Nicht, solange Elbrun sich noch so schwer in seinen Armen hielt.
„Ich bin stolz auf dich“, flüsterte Aljoscha leise gegen seine Lippen, als sie sich voneinander lösten. Seine Stimme war sanft, aber fest. „Dass du das sagst. Dass du nicht alles allein tragen willst. Miwal wird dir helfen. Und ich bin die ganze Zeit dabei, wenn du willst.“
Elbrun antwortete nicht sofort. Er vergrub das Gesicht nur tiefer an Aljoschas Hals, die Arme schlossen sich noch fester um ihn. Sein Atem ging schwer und warm über Aljoschas Haut. Nach einer langen Weile nickte er nur, ein kleines, kaum merkliches Nicken.
Elbrun entspannte sich langsam in seinen Armen. Sein Körper wurde schwerer, das Zittern in seinen Händen ließ nach und nach nach, als würde Aljoschas Nähe die Kälte aus ihm herausziehen. Aljoscha hielt ihn einfach nur fest, spürte jeden Atemzug, jedes leise Schlucken, jede kleine Regung.
Dann begann Elbrun leise zu sprechen, die Stimme gedämpft an Aljoschas Hals.
„Der terranische Aljoscha hatte sofort erkannt, wer ich war“, murmelte er. „Er sagte, meine Augen seien zu weich. Als er das Messer auf meine Brust richtete ... dachte ich, das war’s. Aber er half mir. Er ist netter, als ich gedacht habe.“
Er schwieg einen Moment, dann kam ein kleines, bitteres Lachen.
„Ich musste ihn küssen. Für die Tarnung. Er sagte, der Kuss war perfekt – genau wie bei seinem Elbrun. Mir war so schlecht danach.“
Aljoscha drückte ihn fester an sich, die Hand beruhigend über seinen Rücken streichend. Er spürte, wie Elbrun sich bei der Erinnerung kurz versteifte.
„Dann wurde es völlig absurd“, fuhr Elbrun fort, die Stimme jetzt fast ungläubig. „Er fragte – ich zitiere: ›Was meinst du? Bock zu ficken?‹ Ich war völlig überrumpelt und entsetzt. Vor allem ... er wollte mich ficken. Er war überrascht, dass ich in unserer Beziehung der Aktive bin. Dann sagte er: ›Ach sag nicht, dass du der Aktive bist. Ich bin ewig nicht gefickt worden. Mein Elbrun steckt seinen Schwanz nur in seine Opfer ... nicht in mich.‹ Das war so surreal.“
Elbrun lachte wieder leise, aber es klang nicht fröhlich. Es klang erschöpft, fast verzweifelt.
Aljoscha schloss die Augen und hielt ihn noch enger an sich gedrückt. Er spürte, wie sich sein eigener Magen zusammenzog, ein schweres, kaltes Ziehen tief in der Brust.
Das Elbrun beinahe lachend erzählt hat, dass er dachte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen ... das war surreal.
Der Gedanke hallte in ihm nach. Elbrun hatte den Tod so nah vor Augen gehabt – ein Messer auf der Brust, die Klinge nur Zentimeter von seinem Herzen entfernt – und trotzdem sprach er davon mit diesem leisen, fast bitteren Lachen. Als wäre der eigene Tod nur eine Randnotiz im Vergleich zu allem anderen, was er dort gesehen und gefühlt hatte.
Was muss er wirklich erlebt haben, dass sein eigener Tod für ihn nicht einmal das Schlimmste war?
Aljoscha schluckte schwer. Er strich langsam mit den Fingern durch Elbruns Haare, spürte die Wärme seiner Haut, das leise Beben seines Atems. Gleichzeitig stieg ein ganz anderes, völlig absurdes Gefühl in ihm auf.
Mein Spiegelbild wollte meinen Mann ficken ...
Der Gedanke war so absurd, so verkehrt, dass er fast lachen musste. Ein winziges, ungläubiges Lächeln huschte über seine Lippen, bevor es sofort wieder verschwand. Es amüsierte ihn auf eine verdrehte, fast schon schwarzhumorige Weise – dass eine andere Version von ihm selbst Elbrun so unverblümt angemacht hatte. Aber zugleich regte sich ein kleines, heißes Flämmchen Eifersucht in seiner Brust. Nur ein winziges Bisschen. Nicht genug, um wirklich wehzutun, aber genug, um ihn fester an Elbrun ziehen zu lassen.
Du gehörst mir, dachte er und drückte einen Kuss auf Elbruns Schläfe. Nur mir.
Die beiden blieben erstmal einfach so sitzen. Eng umschlungen. Schweigend. Aljoschas Hand kreiste ruhig über Elbruns Rücken, während Elbruns Atem allmählich tiefer und gleichmäßiger wurde. Keiner von ihnen drängte den anderen. Es reichte, dass sie da waren. Dass sie sich hielten.
Nach einer langen Weile murmelte Elbrun leise gegen Aljoschas Hals:
„Danke ... dass du mich nicht drängst.“
Aljoscha antwortete nicht mit Worten. Er küsste ihn nur noch einmal, diesmal auf die Stelle direkt unter dem Ohr, und zog die Decke, die über der Sofalehne hing, sanft über sie beide.
Sie brauchten jetzt keine großen Reden mehr. Nur Wärme. Nur Nähe. Nur das leise, vertraute Schlagen ihrer Herzen, die langsam wieder im gleichen Takt gingen.
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