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Enterprise-Krieg und Liebe im Weltraum-Staffel 7

Teil 16

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Admiral Sendak kehrte kurz darauf zurück.

„Der terranische Elbrun wird in sein Universum zurückgeschickt“, teilte er mit. „Ich habe bereits alles veranlasst. Der Transfer wird in Kürze erfolgen.“

Elbrun nickte nur knapp, stand auf und wollte das Büro verlassen. Seine Bewegungen waren steif, die Kiefer angespannt.

Sendak hob leicht die Hand.

„Elbrun? Wie soll es weitergehen? Haben Sie eine Idee?“

Elbrun blieb kurz in der Tür stehen. Er drehte sich nicht um, als er antwortete:

„Nein.“

Dann, nach einem kurzen Atemzug, fügte er hinzu:

„Aber ich werde darüber nachdenken.“

Ohne ein weiteres Wort verließ er Sendaks Büro. Aljoscha folgte ihm schweigend, die Schritte leise auf dem Boden des Korridors.

Beide sagten nichts. Aljoscha machte sich viele Gedanken – die Worte des Terraners, die neuen Borg, die mögliche Allianz über Universen hinweg. Alles kreiste in seinem Kopf.

Auch Elbrun war sehr still. Fast schon zu still. Sein Gesicht war wie eine Maske, der Blick starr geradeaus gerichtet. Die Schultern waren hochgezogen, die Hände zu Fäusten geballt. Er wirkte, als würde er innerlich einen Sturm zurückhalten.

Sie beamten zurück zur Enterprise.

Kaum waren sie im Transporterraum materialisiert, nickte Elbrun Aljoscha kurz zu.

„Ich gehe ins Quartier“, sagte er leise. Seine Stimme klang erschöpft.

Aljoscha drückte ihm sanft den Arm.

„Ich schaue noch kurz auf der Brücke vorbei und komme dann nach.“

Elbrun nickte nur und machte sich allein auf den Weg.

Im Quartier angekommen, zog er sich sofort die Uniform aus. Die Jacke, das Hemd, die Hose – alles landete ordentlich auf einem Stuhl. Er schlüpfte nur in eine lockere, graue Jogginghose, sonst trug er nichts. Barfuß und mit nacktem Oberkörper ging er ins Wohnzimmer.

Dort zündete er Räucherwerk an. Der würzige Duft von Sandelholz und etwas Herbem breitete sich langsam im Raum aus. Er holte seine goldene Klangschale, setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und begann zu meditieren.

Die erste tiefe Note der Schale hallte durch das Quartier, klar und rein. Elbrun schloss die Augen, atmete langsam und versuchte, den Kopf frei zu bekommen.

Doch der terranische Elbrun war tief in seinem Kopf drin. Das höhnische Grinsen, die kalten Augen, die giftigen Worte – alles war noch viel zu präsent. Er spürte, wie sich die Wut und der Ekel in seiner Brust festkrallten.

Der muss raus, dachte er nur. Dieser verdammte Bastard hat hier nichts zu suchen.

Er schlug die Schale erneut an, diesmal etwas kräftiger, und konzentrierte sich auf den Klang, auf seinen Atem, auf das Hier und Jetzt. Doch der Schatten aus dem Spiegeluniversum wollte nicht weichen.

Zur selben Zeit saß Aljoscha auf der Brücke im Kommandosessel.

Die Enterprise flog ruhig und gleichmäßig durch den Raum. Auf dem Hauptbildschirm zogen die Sterne langsam und majestätisch vorbei, ein friedliches, fast schon hypnotisches Bild. Die Brücke war in ihre gewohnte, leise Routine gehüllt: das sanfte Summen der Konsolen, das gelegentliche Piepen eines Sensors, das leise Murmeln der Offiziere, die ihre Schichten absolvierten. Alles wirkte normal. Friedlich sogar.

Doch Aljoscha fühlte sich alles andere als ruhig.

Er saß leicht nach vorne gebeugt, die Hände fest um die Armlehnen geklammert, den Blick starr auf den Sternenhimmel gerichtet. Äußerlich sah er aus wie der konzentrierte Captain, der er sein sollte – aufrecht, wachsam, präsent. Innerlich jedoch tobte ein Sturm.

Warum jetzt?

Warum ausgerechnet wieder der terranische Elbrun?

Warum die Borg?

Und warum, verdammt noch mal, hat Elbrun mir nichts davon gesagt?

Die Fragen kreisten unablässig in seinem Kopf, schneller und lauter, je länger er versuchte, sie zu ignorieren. Die Begegnung mit dem Spiegel-Elbrun hatte ihn tief getroffen. Nicht nur wegen der Bedrohung selbst, sondern weil Elbrun offenbar schon länger davon gewusst hatte. Monate lang. Und er hatte geschwiegen.

Aljoscha biss sich leicht auf die Unterlippe, bis es fast wehtat. Er spürte, wie sich ein Knoten in seiner Brust bildete – eine Mischung aus Sorge, Enttäuschung und tiefer Liebe. Er wollte Elbrun nicht verurteilen. Er wusste, wie sehr sein Mann versuchte, alles allein zu tragen, alles zu schützen, was ihm wichtig war. Aber genau das machte ihm auch Angst.

Werden wir es schaffen?

Die Vorstellung, dass es eine Bedrohung gab, die sogar den terranischen Elbrun in die Knie zwang, ließ ihm kalt werden. Eine kalte, schleichende Angst, die sich langsam in seiner Brust ausbreitete und sich nicht vertreiben ließ. Er wollte nicht zweifeln – nicht an Elbrun, nicht an der Crew, nicht an der Enterprise. Aber die Unsicherheit war da, und sie fühlte sich schwer an.

Er atmete tief durch, versuchte, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren: das sanfte Vibrieren des Schiffes unter seinen Füßen, die Stimmen der Brückenoffiziere, die Routine, die ihn sonst immer beruhigte. Doch die Gedanken ließen sich nicht abschalten.

Warum hast du mir nichts gesagt, Elbrun?

Er schloss kurz die Augen, nur für einen Moment, und ließ die Hand unauffällig über die Armlehne gleiten, als könnte er so die Verbindung zu seinem Mann spüren, der jetzt allein im Quartier war.

Aljoscha machte sich kurz darauf auf den Weg ins Quartier.

Er ging die Gänge der Enterprise schnell entlang, fast schon zügig. Die Begegnung mit dem terranischen Elbrun und das Gespräch mit Sendak lasteten schwer auf ihm. Er wollte einfach nur zu seinem Mann.

Als er das Quartier erreichte, öffnete sich die Tür mit einem leisen Zischen. Aljoscha trat ein und blieb im Eingang stehen.

Vor ihm saß Elbrun halbnackt im Schneidersitz auf dem Boden. Nur die graue Jogginghose, der Oberkörper frei. Vor ihm stand die goldene Klangschale, leichter Rauch von Räucherwerk zog durch den Raum. Es hätte ein schöner, vertrauter Anblick sein sollen – Elbrun, der meditierte, konzentriert und ruhig.

Doch etwas stimmte nicht.

Elbruns Gesicht war falsch. Die sonst so weichen, liebevollen Züge waren hart geworden, fast schon kalt und böse. Die Augenbrauen waren zusammengezogen, der Mund zu einer schmalen, angespannten Linie gepresst. Es sah aus, als würde er nicht meditieren, sondern gegen etwas kämpfen – oder als wäre etwas Dunkles, Fremdes in ihm.

Das ist nicht er, schoss es Aljoscha durch den Kopf. Das ist nicht mein Elbrun.

Angst kroch kalt seinen Rücken hinauf. Sein Puls beschleunigte sich, die Hände wurden feucht. Er dachte an den terranischen Elbrun in der Zelle, an dessen hasserfülltes Grinsen, an die Worte, die er ihnen nachgerufen hatte. War dieser Mann tiefer in Elbruns Kopf eingedrungen, als sie gedacht hatten? Hatte er etwas zurückgelassen? War Elbrun gerade dabei, die Kontrolle zu verlieren?

„Elbrun?“, fragte Aljoscha leise, die Stimme schon etwas unsicher.

Keine Reaktion. Elbrun saß regungslos da, die Augen geschlossen, die Atmung flach und kontrolliert – aber sein Gesicht blieb hart, fast bedrohlich.

„Elbrun?“, fragte er nochmal, diesmal lauter, mit einem leichten Zittern in der Stimme.

Immer noch nichts.

Die Angst in Aljoscha wurde stärker. Sein Herz hämmerte jetzt so laut, dass er es in den Ohren hören konnte. Er spürte, wie Panik in ihm aufstieg – eine echte, kalte Panik. Was, wenn der terranische Elbrun etwas in ihm ausgelöst hatte? Was, wenn Elbrun gerade gegen ihn kämpfte und verlor?

Er trat schnell näher, setzte sich direkt vor Elbrun auf den Boden und nahm dessen Hände in seine. Die Finger waren warm, aber verkrampft, die Muskeln angespannt.

„Ich bin bei dir“, sagte Aljoscha leise, aber fest. Er drückte die Hände sanft, fast schon verzweifelt. „Ich bin hier, Elbrun. Komm zurück zu mir. Bitte.“

In diesem Moment zuckte Elbrun leicht zusammen. Seine Finger krallten sich für einen kurzen, fast schmerzhaften Moment um Aljoschas Hände, als würde er sich an ihm festhalten. Ein leises, gequältes Atmen entkam ihm, die Augenbrauen zuckten. Für einen winzigen Augenblick sah es aus, als würde er gegen etwas Unsichtbares ankämpfen – dann wurden seine Züge etwas weicher, auch wenn die Anspannung noch nicht ganz verschwand.

Aljoscha hielt die Hände weiter fest, die eigene Angst noch immer spürbar in der Brust, aber er blieb bei ihm.

„Ich bin bei dir“, wiederholte er leise, diesmal mit mehr Nachdruck. „Du bist nicht allein.“

In Elbruns Kopf tobte ein Sturm.

Die dunklen Gedanken des terranischen Elbrun waren wie giftige Schlingen, die sich um seine eigenen Erinnerungen wanden. Hämisches Lachen, kalte Verachtung, das Gefühl von Überlegenheit und Hass – alles drängte sich in seinen Geist, versuchte, sich festzusetzen. Du bist schwach. Du wirst scheitern. Du brauchst mich. Du wirst auf den Knien zu mir gekrochen kommen. Die Worte hallten wider, versuchten, sich in seine eigene Stimme zu mischen.

Elbrun kämpfte dagegen an. Mit zusammengebissenen Zähnen, die Augen fest geschlossen, versuchte er, die fremden Gedanken zu versiegeln. Er stellte sich eine mentale Mauer vor – stark, undurchdringlich, aus purem Willen und Liebe zu dem Leben, das er hier hatte. Er drängte die dunklen Impulse zurück, schichtete Schicht um Schicht, bis die Stimme des Spiegelbilds leiser wurde.

Aljoscha spürte den inneren Kampf. Er drückte Elbruns Hände fester, lehnte sich vor und legte seine Stirn gegen Elbruns.

„Ich bin hier“, wiederholte er leise, aber eindringlich. „Ich lasse dich nicht los. Komm zurück zu mir, Elbrun. Du bist stärker als das. Du bist mein Elbrun.“

Die Worte drangen durch den Nebel. Aljoschas Stimme, seine Wärme, die Berührung seiner Hände – das war der Anker. Langsam, ganz langsam ebbte der Sturm ab. Die dunklen Gedanken zogen sich zurück, wurden schwächer, bis sie nur noch ein fernes Echo waren. Elbrun versiegelte sie mit letzter Kraft, schob sie in eine Ecke seines Geistes und schloss sie ein.

Ein tiefer, zitternder Atemzug entkam ihm.

Seine Augenlider flatterten, dann öffnete er sie langsam. Der kalte, harte Ausdruck verschwand. Stattdessen kehrte der vertraute, warme Blick zurück – müde, aber wieder ganz er selbst.

„Aljoscha ...“, flüsterte er heiser.

Seine Finger schlossen sich fester um Aljoschas Hände, als wollte er sich vergewissern, dass er wirklich da war. Ein schwaches, erschöpftes Lächeln erschien auf seinen Lippen.

„Ich bin wieder da.“

Aljoscha atmete erleichtert auf, die Angst fiel spürbar von ihm ab. Er zog Elbrun in eine feste Umarmung, drückte ihn an sich und vergrub das Gesicht an seiner Schulter.

„Gut“, flüsterte er, die Stimme belegt. „Bleib bei mir. Bitte.“

Elbrun nickte nur, schlang die Arme um ihn und hielt ihn fest. Beide saßen noch eine Weile so auf dem Boden – eng umschlungen, schweigend, nur das leise Atmen und das ferne Summen der Enterprise um sie herum.

Aljoscha stand langsam auf, ohne Elbruns Hände sofort loszulassen. Er strich ihm noch einmal beruhigend über die Schulter, dann ging er zum Replikator.

„Kamillentee, heiß, stark“, sagte er leise.

Die Tasse materialisierte mit einem sanften Summen. Aljoscha nahm sie, kam zurück und reichte sie Elbrun. Der nahm sie mit beiden Händen entgegen, als wäre sie ein Anker. Er trank einen langsamen, vorsichtigen Schluck. Der warme, beruhigende Duft von Kamille stieg auf.

Aljoscha setzte sich wieder dicht neben ihn auf den Boden, die Hand auf Elbruns Knie gelegt.

„Willst du mir erzählen, was los war?“, fragte er sanft, fast vorsichtig.

Elbrun starrte einen Moment in die Tasse, dann seufzte er schwer. Seine Stimme war leise, rau und erschöpft.

„Der terranische Elbrun hat seine Telepathie nicht so unter Kontrolle wie wir Betazoiden aus unserem Universum. Seine Gedanken, seine Emotionen, seine Bilder ... sie prasseln mit einer Wucht auf mich ein, die ich kaum abwehren kann. Es fühlt sich an, als würde jemand mit einem Hammer auf meinen Schädel einschlagen.“

Er machte eine kurze Pause, trank noch einen Schluck und fuhr dann fort, die Stimme noch leiser:

„Der terranische Elbrun hat viele Abscheulichkeiten begangen. Dinge, die ich mir nicht einmal vorstellen will. Folter, Verrat, kaltblütige Morde ... alles nur, um Macht zu behalten. Und das alles ist jetzt in meinem Kopf. Es ist schwer zu ertragen.“

Aljoscha schluckte schwer. Er sah den tiefen Schmerz in Elbruns Gesicht, die verkrampften Schultern, die Art, wie er die Zähne zusammenbiss, als würde er gegen etwas Unsichtbares ankämpfen.

Ohne ein weiteres Wort rückte er noch näher, legte einen Arm fest um Elbrun und zog ihn sanft, aber bestimmt an sich. Er spürte, wie Elbruns Körper leicht zitterte.

„Weißt du, wie sie ihn nennen?“, begann Elbrun leise, die Stimme rau und schwer. „Inquisitor von Minos Korva. Dominator von Angel One. Schlächter von Romulus. Der Blutige Captain. Der Mann, der ganze Zivilisationen in Schutt und Asche gelegt hat, nur weil er es konnte.“

Er machte eine kurze Pause, als müsste er die nächsten Worte erst aus sich herauspressen.

„Er ist kein normaler Sadist. Er ist etwas Schlimmeres. Ein Monster, das Freude daran hat, andere zu brechen. Die Schreie seiner Opfer sind für ihn wie Musik. Er foltert nicht nur, um Informationen zu bekommen – er foltert, weil es ihn erregt. Er lässt sich Zeit dabei. Stunden. Tage. Wochen. Er schneidet, bricht Knochen, vergewaltigt, demütigt, zerstört den Geist, bevor er den Körper tötet. Und wenn sie endlich sterben, lächelt er dabei.“

Elbruns Stimme wurde noch leiser, fast brüchig, doch die Worte kamen jetzt schneller, als müsste er sie loswerden:

„Ganze Welten hat er ausgelöscht. Nicht aus strategischen Gründen. Nicht aus Not. Einfach nur, weil er es konnte. Er hat Bevölkerungen in Arbeitslager getrieben, Kinder vor den Augen ihrer Eltern gefoltert, Frauen und Männer gebrochen, bis sie ihn angefleht haben, sie zu töten. Und selbst dann hat er sie manchmal noch tagelang am Leben gelassen, nur um zu sehen, wie lange ein Mensch leiden kann. Sogar die Terraner in seinem Universum fürchten ihn. Sie nennen ihn den ‚Schwarzen Engel‘ – weil er kommt, freundlich lächelt und dann alles vernichtet, was ihm in den Weg tritt. Er hat keine Grenzen. Kein Gewissen. Kein Erbarmen.“

Elbrun schluckte hart, seine Hand krallte sich fester in Aljoschas Arm.

„Tamek ... mein bester Freund ... In seinem Universum hat er ihn wochenlang gefoltert. Hat ihn gebrochen, bis Tamek sein eigenes Volk verraten hat. Dann hat er ihn vergewaltigt, immer wieder, vor den Augen seiner eigenen Leute. Und am Ende hat er ihm mit einem langsamen Schnitt durch die Kehle das Leben genommen – und dabei gelacht. Das alles nur zum Vergnügen. Das ist der Kerl, der gerade in meinem Kopf drin war. Das ist der Terranische Elbrun.“

Aljoscha sah seinen Mann nur an.

Er wusste, dass die Menschen aus dem Spiegeluniversum einen völlig anderen Moralkompass hatten – grausamer, rücksichtsloser, brutaler. Das hatte er immer akzeptiert. Es war eine andere Welt, andere Regeln, ein anderes Leben. Aber das, was Elbrun gerade beschrieben hatte ... das ging selbst für das Spiegeluniversum weit über alles hinaus, was er sich je vorstellen konnte.

Ihm drehte sich der Magen um. Ein kalter, Übelkeit erregender Schauer lief durch seinen ganzen Körper, von den Schultern bis hinunter in die Beine. Er spürte, wie sich ein bitterer Geschmack in seinem Mund ausbreitete. Die Bilder, die Elbrun gerade in Worte gefasst hatte – die Folter, die Vergewaltigungen, das pure Vergnügen am Leiden anderer –, fraßen sich in seinen Kopf. Es war zu viel. Es war widerlich. Es war abgrundtief böse.

Wie kann ein Mensch so etwas tun?, dachte Aljoscha. Wie kann jemand, der aussieht wie Elbrun, der dieselbe Stimme hat, dieselben Augen ... wie kann er so etwas genießen?

Er hatte natürlich gewusst, dass der terranische Elbrun böse und grausam war. Aber nicht in diesem Ausmaß. Nicht mit dieser kalten, sadistischen Lust. Nicht mit diesem Vergnügen am Zerstören von Leben, am Brechen von Seelen, am Zusehen, wie andere vor Schmerz und Demütigung zerfielen.

Aljoscha schluckte hart. Er spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete, der immer größer wurde. Gleichzeitig stieg eine tiefe, schützende Wut in ihm auf. Nicht gegen Elbrun – niemals gegen ihn –, sondern gegen das Monster, das gerade versucht hatte, sich in den Kopf seines Mannes zu graben. Gegen den Mann, der Tamek gefoltert, vergewaltigt und ermordet hatte. Gegen den Mann, der ganze Welten ausgelöscht hatte, nur weil er es konnte.

Das darf nicht in ihm bleiben, dachte Aljoscha verzweifelt. Ich lasse nicht zu, dass dieses Gift in ihm wächst. Ich lasse nicht zu, dass dieses Monster auch nur einen Teil von dir kaputt macht, Elbrun.

Er drückte Elbruns Hand fester, zog ihn noch enger an sich, als könnte er ihn mit seiner eigenen Wärme schützen. Seine andere Hand strich langsam und beruhigend über Elbruns Rücken, kreisend, fest, als wollte er die dunklen Gedanken physisch aus ihm herausreiben.

„Ich bin hier“, flüsterte er leise, aber mit fester Stimme. „Ich bin bei dir. Und ich lasse nicht zu, dass er dich kaputt macht. Hörst du? Du bist nicht allein damit.“

Elbrun wurde müde. Die Anstrengung der Meditation, der Kampf gegen die fremden Gedanken und die emotionale Belastung forderten ihren Tribut. Seine Schultern sanken leicht herab, die Augenlider wurden schwer. Er wollte einfach nur die Augen schließen und für eine Weile nichts mehr spüren.

Dennoch nahm er etwas in Aljoscha wahr.

Es war keine gewöhnliche Sorge oder Angst. Es war eine kalte, tiefe, fast schon eisige Wut. Sie brannte in Aljoscha wie ein stille, aber unaufhaltsame Flamme – gerichtet einzig und allein auf den terranischen Elbrun. Elbrun spürte sie so klar, als wäre es seine eigene: eine kalte, scharfe Verachtung, gemischt mit dem brennenden Wunsch, diesen Mann zu vernichten, damit er nie wieder in ihren Kopf oder ihr Leben eindringen konnte.

Elbrun öffnete langsam die Augen und schaute Aljoscha an. Er spürte, wie diese Wut in Wellen von ihm ausging, auch wenn Aljoscha äußerlich ruhig blieb.

„Du bist wütend“, flüsterte Elbrun leise. „Sehr wütend.“

Aljoscha nickte nur leicht, ohne den Blick abzuwenden. Seine Hand lag noch immer fest auf Elbruns Brust.

„Ich hasse ihn“, sagte er leise, fast tonlos. „Ich hasse, was er dir antut. Ich hasse, dass er einfach so in deinen Kopf eindringt und diese ... diese Scheiße hinterlässt.“

Elbrun atmete tief ein und zog Aljoscha noch ein Stück näher an sich heran. Er spürte die kalte Wut wie einen eisigen Wind, der durch Aljoschas Gedanken strich.

„Ich weiß“, murmelte er. „Ich spüre es. Es ist ... stark.“

Aljoscha drückte seine Stirn gegen Elbruns Schulter.

„Ich will nicht, dass er auch nur einen Teil von dir berührt. Nicht einmal in Gedanken.“

Elbrun lächelte leicht, ein kleines, erschöpftes, aber echtes Lächeln, das seine Augen erreichte. Er strich Aljoscha sanft über den Rücken und sagte leise, fast schon neckend:

„Dafür, dass er auch nicht nur einen Teil von mir berühren soll ... hattest du dir, als er sagte, dass ich auf Knien angerutscht komme und ihm den Schwanz lutsche, das ziemlich bildlich vorgestellt, oder? Nur ganz kurz ... aber du hast es dir vorgestellt. Und ein kleines bisschen hat es dir sogar gefallen.“

Dann lachte Elbrun.

Es war kein kurzes, amüsiertes Lachen – es war ein tiefes, warmes, herzliches Lachen, das aus seinem Bauch kam und seinen ganzen Körper durchschüttelte. Es war echt, befreit und so voller Leben, dass es den schweren, dunklen Raum, den der terranische Elbrun hinterlassen hatte, mit einem Mal erhellte. Das Lachen war tief und vibrierend, es füllte das ganze Quartier, es war ansteckend und heilend zugleich.

Aljoschas Wut war plötzlich weg.

Sie verschwand nicht, weil er den terranischen Elbrun plötzlich weniger hasste – die Abscheu blieb tief in ihm sitzen. Aber dieses Lachen von Elbrun war stärker. Es war so vertraut, so warm, so lebendig, dass es die kalte Wut einfach wegspülte. Es fühlte sich an wie ein heller, warmer Lichtstrahl, der durch dichten Nebel bricht. Aljoscha spürte, wie sich seine verkrampften Schultern lockerten, wie der Knoten in seiner Brust sich löste und wie die Anspannung der letzten Minuten von ihm abfiel.

Er konnte nicht anders – er musste selbst leise mitlachen. Zuerst nur ein kleines, ungläubiges Schnauben, dann wurde es ein richtiges, leises Lachen, das sich mit Elbruns mischte. Beide lagen eng umschlungen da, lachten zusammen, und für einen Moment war alles andere – die Borg, der Terraner, die Bedrohung – weit weg.

Elbrun lachte noch ein bisschen lauter, drückte Aljoscha fester an sich und vergrub sein Gesicht in dessen Haaren. Das Lachen war so befreiend, so ehrlich, dass es die ganze Stimmung im Raum veränderte. Die schwere, düstere Atmosphäre, die eben noch geherrscht hatte, löste sich auf. Stattdessen war da nur noch Wärme, Nähe und eine tiefe, erleichterte Zärtlichkeit.

„Du bist unmöglich ...“, murmelte Aljoscha lachend gegen Elbruns Hals, die Stimme noch etwas belegt.

Elbrun grinste breit, das Lachen klang immer noch in seiner Brust nach.

„Aber du liebst mich trotzdem.“

Aljoscha nickte nur, schmiegte sich noch enger an ihn und genoss das Gefühl, wie Elbruns Lachen langsam verebbte und in ein zufriedenes, tiefes Atmen überging. Die Stimmung war jetzt hell, intim und heilend – genau das, was sie beide nach diesem schweren Tag brauchten.

Etwas später waren Elbrun und Aljoscha duschen gewesen.

Sie hatten sich gemeinsam unter der Dusche erfrischt, hatten sich gegenseitig gereinigt und die Anstrengungen des Tages sanft von ihrer Haut gewaschen. Es war ein ruhiger, zärtlicher Moment gewesen – ohne Druck, ohne Eile. Nur Nähe und das leise Summen der Schalldusche.

Jetzt saßen beide am Esstisch, nur leicht bekleidet. Elbrun trug lediglich eine schwarze Boxershorts, sein Oberkörper war nackt. Aljoscha hatte sich eine graue Boxershorts und ein lockeres, schwarzes T-Shirt angezogen, das ihm ein wenig zu groß war und weich über seine Schultern fiel.

Vor ihnen standen zwei große Schalen mit frischem Cäsar-Salat – knusprige Römersalatblätter, knusprige Croutons, frisch geriebener Parmesan und die leichte, würzige Soße. Ein leichtes, erfrischendes Abendessen nach dem intensiven Tag.

Sie aßen schweigend, aber es war ein angenehmes, vertrautes Schweigen. Ab und zu trafen sich ihre Blicke über dem Tisch, und jedes Mal lag darin ein kleines, warmes Lächeln. Elbrun nahm einen Bissen, kaute langsam und schaute Aljoscha an, als könnte er sich nicht sattsehen.

Aljoscha spürte den Blick und lächelte zurück, ein wenig verlegen.

„Du siehst gut aus, wenn du so entspannt bist“, sagte Elbrun leise und nahm einen Schluck Wasser. „Nur in T-Shirt und Boxershorts ... das steht dir.“

Aljoscha lachte leise und schüttelte den Kopf.

„Du bist auch nicht gerade angezogen“, konterte er und ließ seinen Blick kurz über Elbruns nackten Oberkörper wandern. „Und das gefällt mir sehr.“

Elbrun grinste leicht, streckte unter dem Tisch sein Bein aus und hakte seinen Fuß locker um Aljoschas Knöchel – eine kleine, intime Berührung.

Sie aßen weiter, genossen die Leichtigkeit des Salats und die ruhige Atmosphäre im Quartier. Nach dem Chaos des Tages tat diese einfache, gemeinsame Mahlzeit gut.

Am nächsten Tag saßen Elbrun und Aljoscha im Bereitschaftsraum.

Die Tür war geschlossen, das Licht gedimmt. Auf dem großen Tisch lagen zahlreiche PADDs, dazwischen schwebten holografische Projektionen von Borg-Schiffen, Drohnen und taktischen Analysen. Elbrun hatte alles zusammengesucht, was er über die verschiedenen Borg aus anderen Universen hatte.

Er zeigte Aljoscha die Daten systematisch, eines nach dem anderen.

„Das Borg-Kollektiv aus unserem eigenen Universum kennen wir beide gut genug“, begann Elbrun ruhig. „Sie assimilieren, um Perfektion zu erreichen. Widerstand ist zwecklos – das ist ihr Mantra.“

Aljoscha nickte. Er war kein Spezialist wie Elbrun, aber er wusste genug, um die Gefahr einzuschätzen.

Elbrun wechselte zur nächsten Projektion.

„Das Borg-Königreich aus dem Spiegeluniversum ... das kennen wir auch. Technologisch etwas fortschrittlicher als unser Kollektiv, stärker gepanzert und deutlich aggressiver auf Kampf ausgelegt. Bei ihnen heißt es nicht ‚Widerstand ist zwecklos‘, sondern ‚Widerstand wird ausgelöscht‘. Sie haben keine Königin, sondern einen König. Eine sehr hierarchische, militaristische Struktur.“

Aljoscha betrachtete die Bilder der schwer gepanzerten Sphären und Würfel, die rot statt grün leuchteten. Sie sahen bedrohlicher aus als die Borg, die sie kannten.

Elbrun rief die letzte Datei auf. Die holografische Darstellung zeigte eine dunkelblaue, von einem wirbelnden schwarzen Nebel umhüllte Sphäre.

„Und dann gibt es noch die Control-Borg“, sagte Elbrun. „Im direkten Kampf sind sie etwas schwächer als die anderen beiden Varianten. Aber es sind mehr. Und durch Control sind sie beinahe fehlerlos. Präzise. Unerbittlich. Eine einzige übergeordnete künstliche Intelligenz steuert alles.“

Er lehnte sich zurück und schaute Aljoscha ernst an.

„Drei verschiedene Borg-Fraktionen. Drei unterschiedliche Philosophien. Und jetzt arbeiten sie zusammen.“

Aljoscha schwieg einen Moment, die Augen noch immer auf die holografischen Bilder gerichtet. Die Tragweite dessen, was Elbrun ihm gerade gezeigt hatte, wurde ihm langsam bewusst.

„Das ist ... schlimmer als alles, was wir bisher hatten“, murmelte er schließlich.

Elbrun nickte nur.

„Und wir wissen nicht, ob noch andere Borg aus anderen Universen mitmischen. Wir wissen allerdings, dass unsere Waffen gegen alle drei Kollektive wirkungsvoll sind. Die Transphasentorpedos als Schiffswaffen und die U-Mods als Personenwaffen. Wir können uns also verteidigen.“

„Brücke an Admiral Tiran“, erklang Commander Mamaavs Stimme aus dem Interkom.

Elbrun drückte den Knopf an seinem Schreibtisch. „Sprechen Sie.“

„Sir, Flottenadmiral Nechayev möchte Sie sprechen.“

„Stellen Sie sie durch.“

„Sir, sie ist soeben an Bord gebeamt“, meldete Mamaav.

Elbrun warf Aljoscha einen kurzen, vielsagenden Blick zu. „Dann schicken Sie sie rein.“

Die Verbindung wurde unterbrochen. Für einen Moment herrschte Stille im Bereitschaftsraum. Elbrun und Aljoscha sahen sich an.

„Was möchte Bitchayev von dir?“, fragte Aljoscha mit einem schiefen Grinsen.

Elbrun seufzte leise und schaute ihn mit leichter Strenge an.

„Ich habe dir schon mal gesagt, du sollst sie nicht so nennen.“

Aljoscha zuckte nur mit den Schultern, das Grinsen blieb.

„Entschuldige. Gewohnheit.“

Elbrun stand auf und ging zum Replikator. „Bularianische Kanapees und eine Kanne Tee – Earl Grey, heiß.“

Kurz darauf materialisierten die bestellten Dinge. Er nahm die Kanne mit dem dampfenden Tee, dazu drei Tassen und stellte alles ordentlich auf den Schreibtisch. Dann holte er den Teller mit den Kanapees und platzierte ihn daneben.

Aljoscha staunte nicht schlecht und lachte leise.

„Jetzt weiß ich, warum dir die Flottenadmirale so wohlgesonnen sind. Du schleimst dich bei ihnen ein.“

Elbrun schüttelte den Kopf, ein kleines Lächeln auf den Lippen.

„Das tu ich nicht. Aber es hat noch nie geschadet, gastfreundlich und aufmerksam zu sein.“

„Andere würden es als Arschkriecherei betiteln“, lachte Aljoscha, „aber jeder, wie er mag.“

In diesem Moment ertönte das leise Klingeln der Tür.

„Herein“, sagte Elbrun ruhig.

Die Tür glitt auf und Flottenadmiral Nechayev betrat den Raum. Sowohl Elbrun als auch Aljoscha nahmen sofort Haltung an.

„Guten Tag, Sir“, grüßte Aljoscha höflich.

„Hallo, die Herren“, erwiderte Nechayev knapp, aber nicht unfreundlich.

„Bitte nehmen Sie Platz“, sagte Elbrun und deutete auf den Stuhl gegenüber.

Nechayev setzte sich. Elbrun griff sofort nach der Kanne.

„Tee?“

„Ja, gerne.“

Während er ihr einschenkte, deutete er auf den Teller. „Bedienen Sie sich, wenn Sie möchten.“

„Ich liebe Bularianische Kanapees“, bemerkte Nechayev mit einem leichten Lächeln, als sie sich eines nahm.

Aljoscha grinste leicht in sich hinein. Natürlich wusste der Schleimer das, dachte er.

Elbrun setzte sich wieder und schaute Nechayev ruhig an.

„Was kann ich für Sie tun, Admiral?“

Nechayev nahm einen langsamen Schluck Tee, stellte die Tasse mit einem leisen Klirren ab und schaute Elbrun ruhig, fast schon prüfend an. Die Stille im Raum wurde plötzlich greifbar.

„Ich hörte, Sie hatten eine interessante Begegnung“, sagte sie schließlich.

Elbrun lehnte sich leicht zurück, ein müdes, aber wachsames Lächeln auf den Lippen.

„Wie man es nimmt. Interessant ist auch eine Variante.“

Nechayev nickte knapp. Ihre Miene blieb sachlich, doch in ihren Augen lag ein scharfer, berechnender Ausdruck.

„Ich weiß, dass das Terranische Imperium vor seinem Untergang steht. Die Borg haben eine Multiversum-Allianz gegründet und sind dabei, das Spiegeluniversum systematisch zu erobern.“

Die Worte hingen schwer in der Luft. Elbrun schwieg einen langen Moment, die Kiefer leicht angespannt. Dann sagte er leise:

„Wenn das Terranische Imperium fällt, haben wir ein Problem.“

„Dem stimme ich zu“, erwiderte Nechayev. Ihre Stimme blieb kühl, doch der Ernst darin war unüberhörbar. „Aber wollen wir uns wirklich mit ihnen verbünden?“

Elbrun atmete einmal tief durch, als müsste er die nächsten Worte erst herunterwürgen.

„Wenn Sie mich fragen, Sir ... dreht sich mir bei einer Allianz mit dem Terranischen Imperium der Magen um.“

Nechayev schaute ihn einen langen, prüfenden Moment an. Die Stille wurde fast unerträglich. Dann nickte sie langsam.

„Mir auch. Aber wir brauchen sie.“

„Sie brauchen uns mehr als wir sie“, entgegnete Elbrun ruhig.

„Dem ist so“, antwortete Nechayev. „Ich habe die Daten gesehen, die wir von Ihrem Spiegelbild bekommen haben. Die Daten sind unvollständig, fehlerhaft und ich vermute sogar manipuliert. Ich glaube, dem Imperium geht es deutlich schlechter, als man uns weismachen will.“

„Damit hatte ich bereits gerechnet“, sagte Elbrun.

Nechayev lehnte sich ein wenig vor. Ihre Augen blitzten auf, als sie die nächsten Worte sprach:

„Ich hätte da eine Idee“, sagte Nechayev.

Elbrun richtete sich auf, seine Augen blitzten auf. „Sie haben meine volle Aufmerksamkeit.“

Aljoscha saß daneben und spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Seine Miene verfinsterte sich zunehmend. Er kannte diesen Ton bei Nechayev nur zu gut – ruhig, sachlich, fast beiläufig. Und genau das machte ihn misstrauisch.

„Was halten Sie davon, wenn der terranische Elbrun wieder in unser Universum kommt – und Sie an seiner Stelle in das Spiegeluniversum reisen?“, fragte Nechayev ruhig.

Für einen Moment herrschte absolute Stille im Raum.

Elbrun lehnte sich langsam zurück. Ein kleines, gefährliches Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. In seinen Augen erschien dieses vertraute, leicht wahnsinnige Funkeln – jenes Funkeln, das Aljoscha nur zu gut kannte. Es war die Mischung aus intellektueller Faszination, taktischer Berechnung und purer, fast schon süchtiger Abenteuerlust.

Das Spiegeluniversum, dachte Elbrun. Persönlich. Mit eigenen Augen sehen, was dort wirklich los ist. Die Daten selbst holen. Nicht auf die manipulierten Berichte eines Mannes vertrauen, den ich verabscheue.

Sein Puls beschleunigte sich spürbar. Die Idee war riskant, lebensgefährlich sogar – und genau das machte sie für ihn so verlockend.

„Interessant“, sagte er schließlich, die Stimme ruhig, aber mit einem kaum verhohlenen Unterton von Erregung. „Ich soll die richtigen Daten beschaffen.“

Nechayev nickte. „Genau. Sie reisen ins Spiegeluniversum, sammeln die Daten und kommen zurück.“

Aljoscha schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er entschieden. „Das ist viel zu gefährlich.“

„Ich verstehe Ihre Sorge, Captain“, antwortete Nechayev gelassen. „Aber das ist eine Chance. Und Elbrun muss ja nicht lange bleiben. Ein paar Stunden maximal.“

Aljoscha schaute Elbrun an. Dieser hatte bereits diesen leichten Wahnsinn in den Augen – jenes gefährliche, aufgeregte Funkeln, das Aljoscha nur zu gut kannte. Er war bereits Feuer und Flamme für diese Mission.

„Ich mache es“, sagte Elbrun plötzlich.

Die Worte kamen so schnell und entschlossen, dass Aljoscha zusammenzuckte. Er starrte seinen Mann an, die Augen weit aufgerissen.

„Bist du dir sicher?“, fragte er sofort, die Stimme voller Hoffnung, Elbrun würde es sich noch einmal anders überlegen. „Elbrun ... das ist Wahnsinn. Du hast keine Ahnung, was dich dort erwartet.“

Elbrun schaute ihn ruhig an, doch in seinen Augen lag dieses vertraute, gefährliche Funkeln – die Mischung aus Entschlossenheit und Abenteuerlust, die Aljoscha gleichermaßen liebte und hasste.

„Ich bin mir sicher“, antwortete er fest.

Nechayev lächelte leicht, ein kühles, zufriedenes Lächeln.

„Sehr gut“, sagte sie. „Sie wissen, dass das nicht einfach sein wird. Sie müssen alles tun, damit Ihre Tarnung nicht auffliegt. Und dass irgendetwas dem terranischen Elbrun schaden würde ... wir brauchen ihn noch.“

Elbrun nickte langsam, die Kiefer leicht angespannt.

„Verstanden“, antwortete er. „Solange ich keinen foltern oder töten muss.“

Nechayev schaute ihn einen langen Moment an, bevor sie antwortete:

„Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Aber für die Tarnung ... könnte es vielleicht nötig sein. Am besten versuchen Sie, sich aus allem Ärger rauszuhalten.“

Die Worte hingen schwer im Raum. Aljoscha spürte, wie sich sein Magen zusammenzog. Er sah Elbrun an, sah das entschlossene Funkeln in seinen Augen und wusste: Sein Mann hatte sich bereits entschieden. Die Mission hatte ihn bereits gepackt.

Nechayev lehnte sich leicht vor, ihre Miene blieb sachlich, doch in ihren Augen lag ein scharfer, berechnender Ausdruck.

„Bereiten Sie sich darauf vor. Studieren Sie alles über das Spiegeluniversum, was wir wissen – und vor allem über Ihr Spiegelbild.“

Elbrun nickte langsam. „Über mein Spiegelbild weiß ich bereits alles. Das ist ein Vorteil.“

„Wenn es soweit ist, müssen wir Sie noch kosmetisch anpassen“, fuhr Nechayev fort. „Narbe, Bart ... das sind aber nur Kleinigkeiten.“

„Das ist ja kein Problem“, antwortete Elbrun. „Wann wollen wir es durchführen?“

„Gute Frage“, sagte Nechayev. „Wir müssen den terranischen Elbrun irgendwie herlocken.“

Elbrun überlegte nur kurz. „Wie wäre es, wenn wir ihm die Daten über die Control-Borg geben? Die haben wir ihm noch nicht mitgegeben. Das wäre ein Anreiz für ihn herzukommen.“

Nechayev nickte anerkennend. „Sehr gut. Ich werde das mit Admiral Sendak besprechen.“

Aljoscha saß daneben und spürte, wie sich sein Magen erneut zusammenzog. Die Worte klangen so nüchtern, so strategisch – und doch wusste er genau, was sie bedeuteten. Elbrun sollte ins Spiegeluniversum reisen. In das Universum, in dem sein grausames Spiegelbild herrschte. In ein Universum, das von einer Allianz aus verschiedenen Borg bedroht wurde.

Das ist Wahnsinn, dachte Aljoscha. Er will wirklich gehen. Und Nechayev macht es ihm noch leichter.

Aljoscha biss sich auf die Unterlippe. Die Angst um seinen Mann wuchs mit jedem Wort, das im Raum fiel.

Kurze Zeit später verabschiedete sich Nechayev.

Sie stand auf, nickte beiden Männern knapp zu und sagte: „Ich melde mich, sobald ich mit Admiral Sendak gesprochen habe. Bereiten Sie sich vor.“

Dann verließ sie den Bereitschaftsraum. Die Tür glitt leise hinter ihr zu.

Für einen Moment herrschte Stille im Raum. Nur das ferne Summen der Enterprise war zu hören.

Aljoscha starrte noch einen Augenblick auf die geschlossene Tür, dann wandte er sich langsam zu Elbrun um. Sein Gesicht war ernst, die Augen voller Sorge.

„Elbrun ...“, begann er leise, „das ist Wahnsinn. Du kannst nicht einfach so ins Spiegeluniversum gehen. Nicht nach allem, was wir gerade gehört haben.“

Elbrun saß noch einen Moment regungslos da, die Hände auf dem Tisch gefaltet. Dann lehnte er sich zurück und atmete tief durch. Das gefährliche Funkeln in seinen Augen war noch nicht ganz verschwunden.

„Ich weiß“, sagte er ruhig. „Aber wenn die Borg wirklich eine Multiversum-Allianz gebildet haben ... dann haben wir keine Wahl. Jemand muss herausfinden, was dort wirklich vor sich geht. Und ich bin der Einzige, der eine echte Chance hat, unerkannt zu bleiben.“

Aljoscha schüttelte den Kopf, die Stimme wurde drängender.

„Du bist der Einzige, der eine echte Chance hat, nicht zurückzukommen. Das ist kein Spiel, Elbrun. Das ist dein Spiegelbild – ein Monster, das ganze Welten ausgelöscht hat. Und du willst dich freiwillig in sein Universum begeben?“

Elbrun schaute ihn lange an. Dann stand er auf, ging um den Tisch herum und zog Aljoscha sanft, aber bestimmt in seine Arme. Er hielt ihn fest, die Stirn gegen Aljoschas gelehnt.

„Wenn ich nicht gehe ... wer dann? Ich kenne ihn. Ich kenne sein Denken. Ich kenne seine Schwächen. Das ist unser Vorteil.“

Aljoscha schloss die Augen und drückte sich an ihn. Seine Hände krallten sich in Elbruns Uniformjacke.

„Ich hasse das“, murmelte er. „Ich hasse es, dass du immer derjenige bist, der sich in die Hölle stürzt.“

Elbrun küsste ihn sanft auf die Schläfe.

„Ich komme zurück“, versprach er leise. „Ich komme immer zurück zu dir.“

Die Worte hingen zwischen ihnen – eine Mischung aus Hoffnung und stiller Angst.

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