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Ich hab es mir nicht ausgesucht...

Wie alles begann...

Teil 25 - Was ist falsch an mir?

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Ich beschloss, ins Wohnzimmer hinunterzugehen.

Nur mit dem Bademantel über meiner Schlafhorts stieg ich langsam hinunter.

Mama und Papa waren überhaupt nicht überrascht, als ich ins Wohnzimmer kam und die Tür leise hinter mir schloss. Hatten sie mich erwartet?

Liebevoll schaute Mama mich an und rückte auf der Couch ein Stück zur Seite und klopfte mit der Hand leicht auf den Platz neben sich. Als ob nichts gewesen wäre.

Papa saß wie gewohnt in seinem großen Sessel, drehte sich zu mir um und legte seine Zeitung weg. „Schön, dass du nochmal runter kommst Juli. Es ist doch Wochenende, morgen ist frei und da können wir noch etwas zusammensitzen.“

Etwas betreten kam ich näher, nickte stumm und setzte mich neben Mama.

Ich bekam große Augen und augenblicklich einen Schluckauf, auf dem kleinen Tischchen neben dem Sofa standen drei Gläser!

Die Gläser meiner Eltern waren mit Rotwein gefüllt, für mich stand ein Glas mit Orangensaft daneben. Ein paar Knabbereien lagen auch bereit, unter anderem auch meine heißgeliebten Nougatwaffeln.

Ich schaute verwirrt von Mama zu Papa. „Mama, Papa- woher habt ihr gewusst, also ich mein, dass ich…?“

Mama legte mir zärtlich einen Arm um die Schultern, zog mich sacht zu sich heran und gab mir einen sanften Kuss auf die Haare.

Papa beugte sich zu mir herüber, legte mir eine Hand aufs Knie und schmunzelte, „ganz einfach, weil du unser Sohnemann bist und wir dich dolle liebhaben.“

Beschämt senkte ich meinen Blick.

Ich stammelte, „Mama, Papa ich, also ich möchte mich, ich möchte mich entschuldigen, dass ich vorhin so…“

Papa unterbrach mich, „ach Juli, was meinst du wie oft wir, also Mama und ich schon mal nicht so gut drauf waren. Da ging und geht es uns genauso, wie dir oder auch deinen Freunden manchmal.“

Ich hörte ihm mit großen Augen ungläubig zu.

„Ja, ob du es glaubst oder nicht. Du weißt, auch Mama und ich sind manchmal nicht einer Meinung. Aber du hast es bei uns schon immer erlebt, wenn wir ein Problem ausgemacht haben, dann hilft…“

Etwas verlegen musste ich jetzt auflachen „… Reden!“ Papa grinste, „genau!“

Ich war wieder mal baff, wie einfach meine Eltern mir eine Brücke bauten, um mich zu öffnen, ohne dass sie mich zu etwas genötigt oder gezwungen hätten.

Vertrauensvoll lehnte ich mich an Mama an, „na ja, ihr seid so lieb mit mir, aber manchmal weiß ich auch nicht, was mit mir los ist. Ab und zu, na ja, da, seid bitte nicht böse, da nervt ihr mich.“

Erschrocken von mir selbst schaute ich Papa unsicher an. „Wenn ihr manchmal so komisch fragt oder euch was denkt, was aber nicht stimmt, also na ja… Weil ich schon etwas selbst entscheiden möchte, kein kleines Kind mehr bin und schon groß sein möchte…“

Ich wurde ganz leise, „aber manchmal möchte ich auch nochmal klein sein. “

In der Pause, die jetzt entstand, sagte keiner ein Wort, aber ich bemerkte, wie Papa und Mama sich anschauten.

Papa nickte, „Juli, es ist gut, dass du so offen mit uns sprichst. Wir freuen uns darüber, dass du so viel Vertrauen zu uns hast und uns ehrlich deine Meinung sagst. Und ob du es glaubst oder nicht, auch wir sind keine perfekten Eltern, auch wir lernen mit unserem Jungen und auch von ihm. Wenn wir etwas Dummes machen oder dir wehtun, dann sag es uns, bitte. Sicher machen auch wir nicht immer alles richtig, aber alles aus Liebe zu dir.“

Rumms, jetzt war ich es, der einen Kloß im Hals hatte.

„Mama, Papa, nein so hab ich das nicht gemeint, ihr ihr seid die liebsten und besten Eltern der Welt. Ach Mensch, ich bin ein…!“

„Julian!“ Ich erschrak, „deine Pizza steht übrigens noch im Backofen, wenn du magst, ich backe sie nochmal kurz auf, ja?“

Ich nickte, „Mama, Papa - danke.“

Kurz darauf saßen wir alle drei nochmal um den Küchentisch, wir hatten die Getränke mit rüber genommen. Mit Heißhunger verschlang ich meine Käsepizza, meine Eltern schauten mir belustigt zu.

Satt und zufrieden darüber, dass ich mich überwunden hatte, lehnte ich mich mit vollem Bauch zurück und schaute meine Eltern glücklich an.

Etwas später saßen wir wieder bequem im Wohnzimmer und es wurde noch ein sehr gemütlicher Abend.

Meine gute Stimmung trübte sich aber dann etwas, als Papa das Gespräch auf meine Vorhaben für das Wochenende brachte.

„Juli, was ist aus deinem Plan geworden, also ich meine, eigentlich wollte ja Tim bei uns übernachten, aber der ist ja nun in Hannover? Ich hab heute Nachmittag schon unsere Lieblingsfriseurin angerufen, ich könnte mal wieder ein Update für meine Haare gebrauchen und wenn ich dich so anschaue…“

„Siehst du Papa“, entfuhr es mir, „genau das meine ich. Warum sagst du das so, na so komisch?“ Papa stutze kurz und schluckte.

„Juli, na, ich mein es nicht böse, aber wenn du magst, kommst du bestimmt auch dran. Danach könnten wir beide doch mal einen Männersamstag machen, nur du und ich. Ich hab da schon eine Idee. Was meinst du dazu?“

Fragend schaute ich zu Mama, sie nickte mir aufmunternd zu. „Und ich treffe mich mit meiner Freundin Saskia, da machen wir endlich mal wieder einen schönen Einkaufsbummel durch die Stadt.“

Papa machte ein entsetztes Gesicht, „aber meine Kreditkarte bekommst du dazu nicht, never!“

„Na, dann schlachte ich eben Julis Sparschwein…!“ Mama lachte herzlich auf. Ich wusste ja, dass sie das nicht ernst meinte, aber so richtig mitlachen konnte ich nicht.

„Wehe…!“ Papa machte ein grimmiges Gesicht, schaute zu mir und merkte aber, dass ich in Gedanken ganz woanders war.

„Juli, ich hab dich was gefragt. Was bedrückt dich, Großer?“

Ich erwachte aus meinem Gedankenkarussell, warf Mama einen hilfesuchenden Blick zu, die mich schulterzuckend aber mit einem aufmunternden Augenzwinkern anlächelte. Sollte wohl heißen, du wolltest groß sein, dann hab Vertrauen zu Papa und erzähl’s ihm.

„Also“, begann ich und zögerte, schaute nochmal hilfesuchend zu Mama, die aber nur spielerisch genervt die Augen verdrehte. Papa, der das mitbekam, hakte gespielt eingeschnappt nach, „habt ihr etwa Geheimnisse vor mir?“

Jetzt musste Mama laut lachen. Sie stand auf, „Jungs, ich hab noch zu tun, ich muss für morgen noch was vorbereiten. Ich glaub, das kriegen meine Männer auch alleine hin.“ Weg war sie.

Ich hörte sie in der Küche beschwingt die Melodie eines Songs von Queen pfeifen,

„I want to break free“…. Oh, nee…!

Papa stutzte auch und fragte dann einigermaßen ernst, „was ist los Sohnemann?“

Stockend begann ich ihm zu erzählen, was alles seit dem Nachmittag passiert war. „Papa, du, ich, ich hab doch schon mal Falk, den Jungen aus meiner Schule, erwähnt.“

Papa nickte, ohne was zu sagen und schaute mich erwartungsvoll an.

Also berichtete ich von Falks für mich überraschenden Besuch heute Nachmittag, von seinem Verhalten, nachdem Mama das erste Mal Tims Namen erwähnt hatte. Und auch von seinem Ausraster dann bei sich zu Hause, als er mitbekam, dass wir noch ins Haus von Tim und seinen Eltern fahren.

„Eigentlich hatte Falk mich ja für morgen und vielleicht auch Sonntag eingeladen, ich sollte ihm beim Nacharbeiten von Schulzeug helfen, weil er doch krank war. Aber nachdem er mit der Tür geknallt hat…“ Ich schwieg.

Meine Gefühle für Falk behielt ich aber lieber für mich.

Papa schaute mich nachdenklich an.

Er begann ganz leise und vorsichtig. „Ja Juli, du hattest mir neulich schon davon erzählt, dass du Falk sehr gern hast und ich glaube, er dich auch?“

Fragend sah er mich an, überrascht nickte ich nur stumm. Er hatte mir neulich also aufmerksam zugehört.

„Papa, sagst du mir bitte, wer vorhin, als ich oben war, angerufen hat?“

„Ich glaube, es war die Mutter von Tim. Sie wissen noch nicht viel Neues über die Oma, aber wahrscheinlich kommt Tim eher zurück, damit er in der Schule nicht so viel verpasst. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat sie gefragt, ob Tim eventuell in der nächsten Woche für ein paar Tage bei uns wohnen kann. Sie möchten nicht, dass er die ganze Zeit allein in ihrem Haus ist.“

Ich erschrak, obwohl ich das eigentlich gut finden müsste. Aber da war ja noch etwas anderes…

Hastig fragte ich, „und was habt ihr gesagt?“

Papa sah mich aufmerksam an, „ich kann es dir nicht genau sagen Juli, Mama hatte das Gespräch angenommen. Aber ich denke, wir werden das nachher nochmal gemeinsam besprechen. Einverstanden?“

„Juli, wo bist du denn mit deinen Gedanken?“ Papa stupste mich sanft an.

„Was? Ja – äh, mach ich…“

„Julian!“ Ich zuckte zusammen, Papa hatte mich jetzt etwas lauter angesprochen. Außerdem hatte er Julian gesagt.

„Also, mein Großer, was liegt dir so schwer im Magen? Doch bestimmt nicht die Pizza… Magst du mir davon erzählen?“

„Ach Papa, ich weiß im Moment gar nicht, was ich machen soll. Heute Nachmittag hab ich mich mit Falk noch gut verstanden, bis Mama Tim eben erwähnt hat. Dann, ich hab’s ja schon gesagt, war er auf einmal ganz komisch geworden, hat mich im Auto total ignoriert. Bei sich zu Hause ist er dann schnell abgehauen und hat mich einfach stehengelassen, so als ob ich gar nicht da wäre. Ich weiß, nicht, was ich davon halten soll. Ich hab ihm gezeigt, dass ich ihn mag und ich glaube auch, dass er… ach Mensch.

Nun weiß ich nicht, was ich machen soll. Eigentlich wollte, also sollte ich morgen,

aber… nun?“

Papa überlegte einen Moment, „hast du es ihm auch gesagt, also dass du ihn magst?“

Ich bekam einen roten Kopf, ich flüsterte „nein, so was, das kann ich doch nicht so einfach sagen ...“

„Nicht? Was dann? Wie soll er es dann merken, wie hast du ihm gezeigt, was er dir bedeutet?“

Der Kloß in meinem Hals wurde immer dicker, aber es musste raus. „Na ich hab ihn, gestreichelt – aber nur an den Händen und… und im Gesicht.“ Mir versagte die Stimme.

Ich traute mich nicht, Papa anzuschauen.

„Und wie hat Falk darauf reagiert?“

Ich hob den Kopf, „na, er hat stillgehalten und geschmunzelt. Ich glaub er fand das nicht doof. Jedenfalls hat er dann auch meine Hände gestreichelt…“

Eine lange Pause entstand, in der ich mit mir kämpfte. Sollte ich oder lieber nicht? Vielleicht war es ja doch gar nicht so und ich…

„Papa?“ „Hm?“

„Woran merkt man, dass jemand…“, ich konnte ihm wieder nicht in die Augen schauen.

„Dass man anders fühlt als die meisten Jungs, also ich mein…“

Flüsternd brachte ich nur noch heraus, „dass jemand, also dass ich anders, also dass ich… schwul sein könnte? Warum bin ich nicht normal, was ist falsch an mir?“

Es war raus.

Papa zog mich, ohne zu zögern, einfach von der Couch hoch, zu sich auf den Schoß und umarmte mich. Mir schossen die Tränen in die Augen. Er hatte nichts weiter gesagt und drückte mich nur ganz fest an sich. Zärtlich hauchte er mir einen Kuss in den Nacken.

„Wir haben dich lieb Juli. Und es ist nichts falsch an dir, es ist alles so, wie es sein soll. Du bist ganz normal, bitte, alles andere ist Unsinn.“

Ich hatte nicht bemerkt, dass Mama inzwischen wieder ins Wohnzimmer gekommen war. Sie hatte sich leise auf die Couch gesetzt und wohl schon einen Moment zugehört.

Sie räusperte sich leise hinter mir. Ich fuhr herum. Sie legte mir lieb eine Hand auf den Arm, „ach Juli, egal, wen du liebst. Niemand kann es sich aussuchen, wen oder was man liebt. Die Natur ist manchmal launisch.“

Ich schluckte nochmal, holte tief Luft und blickte Mama an. „Und wenn, also wenn’s ein Junge ist… Woran merkt man, dass man jemanden liebhat, also so richtig meine ich und auch dass er mich auch…?“

Papa lehnte sich im Sessel zurück.

„Das ist eine gute Frage Juli, da gibt es nicht die eine Antwort.“

Er überlegte.

„Als erstes sagt es dir dein Herz, frag dein Herz. Wenn du ein Kribbeln im Bauch fühlst, wenn du den Menschen, den du liebst, siehst. Wenn er dein Denken bestimmt, du dich nach ihm sehnst, wenn er nicht da ist. Er dich nicht mehr loslässt. Und, ganz wichtig, wenn du spürst, dass der andere Mensch für dich das Gleiche empfindet, wenn ein unsichtbarer Funke überspringt.“ Gedankenverloren nickte ich.

„Aber was werden die anderen sagen, ich mein in der Schule und beim Sport… Was wird Oma dazu sagen, wenn sie erfährt, dass ich… ob sie mich dann noch lieb hat?“

Jetzt musste ich richtig losheulen.

„Wir haben einen lieben, fantastischen Sohn und Oma liebt dich sowieso bedingungslos. Du bist in der Schule und im Sport erfolgreich. Du hast viele Freunde und Freundinnen, die dich sehr schätzen. Sie halten bestimmt alle zu dir.“

Mama schaute mich intensiv an.

„Man kann nicht kontrollieren, in wen man sich verliebt, es gibt keine Schuld.

Genau so wenig kann man die Liebe eines Menschen erbetteln oder erzwingen. Sie kommt zu dir oder eben auch nicht. Wenn man sich verliebt, kann man nicht verstehen, was vor sich geht. Das ist auch nicht notwendig, denn alles spielt sich in uns selber ab.“

Papa zog mich wieder zu sich, „viele heterosexuelle Menschen haben homosexuelle Freunde oder tolle Kollegen.“ Ich schaute ihn ungläubig mit Tränen in den Augen an.

„Echt? Du auch?“

Er nickte, „ja, sogar ein paar sehr kluge.“

Ich starrte ihn an. „Papa, kenn ich ihn, sagst du es mir?“

„Ja, aber es ist unwichtig, wer es ist. Er ist ein toller Mensch, ein wertvoller Kollege und echter Freund.“

Einen Moment herrschte Schweigen zwischen uns.

„Ob Tim oder Falk oder wie auch immer, ihr lasst euch nicht von Dummköpfen vorschreiben, wie ihr zu sein habt. Lasst euch nicht runterziehen, ihr seid großartige Menschen. Die paar Idioten werden sehr schnell verstummen, wenn du Julian bleibst, der du bist und ihr zusammenhaltet. Egal, was manche Leute sagen, entscheidend ist das, was du bist. Du bist unser Schatz. Wir haben Vertrauen in dich und wissen, dass wir uns auf dich verlassen können. Das Einzige, was wir uns wünschen, ist, dass unser Junge gesund bleibt und glücklich wird.“

Ich wischte mir die Tränen ab und konnte schon wieder etwas freier atmen.

Mama und Papa gaben mir Rückhalt und Zuversicht. Und ich hatte es schon mal gesagt, die meisten Menschen in meiner Umgebung zeigten mir, dass sie mich mochten und gern mit mir zusammen waren. Resi, Maja, Paul, Falk, Tim und scheinbar auch Clemens und noch viele andere.

Viele Lehrer auch, Frau Winkler, Herr Wildauer, na und Herr Kusche und Foxi sowieso…

Ja, ich hab es mir nicht ausgesucht und ich war aber auch nicht unglücklich mit meinen Gefühlen. Und meine Eltern würden zu mir halten und all meine echten Freunde auch!

Jedoch holte mich mein gegenwärtiges Problem wieder ein.

„Ja, aber was mach ich denn nun morgen? Ich weiß ja nicht, ob Falk mich nun noch sehen will. Ach Mensch…“

Papa machet einen Vorschlag. „Ich kenn deinen Falk zwar nicht, aber hast du ihn denn nochmal gefragt?“

Ich schüttelte nur den Kopf. „Schreib ihm am besten doch noch mal eine WhatsApp-Nachricht, frag ihn, was los war mit ihm.“

Falk einfach nochmal zu fragen, das traute ich mich nicht. Mein Gesichtsausdruck hatte Papa meine Meinung dazu gezeigt.

„Julian, wenn es Missverständnisse gibt, kann man doch aufeinander zugehen. Einer von beiden muss doch den Anfang machen. Komm, sei du es, der den ersten Schritt macht.“

„Und wenn er aber gar nicht mehr antwortet?“

„Ich kenn dich gar nicht so feige Juli und außerdem haben wir demnächst einen…“ Papa verstummte.

Mama hatte ihm schnell die Hand auf den Arm, gelegt und sah ihn eindringlich an.

Ich wurde aufmerksam. „Was ist, was habt ihr?“

Papa räusperte sich kurz, ging aber nicht auf meine Frage ein „ähm, wenn Falk es dir wert ist, dann überwinde dich, geh auf ihn zu, frag ihn, was ihn so sehr gekränkt hat!“

„Papa, ich weiß nicht, ob…“

„Julian, Schluss jetzt, zum Donnerwetter- schließlich seid ihr beide keine kleinen bockigen Kinder mehr. Wenn ich es richtig verstanden habe, möchtet ihr schon als Erwachsene gelten, also…?“

Er war nicht laut, aber sehr eindringlich geworden.

Ich wusste aber trotzdem nicht, was ich machen sollte, ich nickte unbestimmt.

„Ich geh ins Bett, gute Nacht.“

Mama zog mich nochmal zu sich, gab mir einen Kuss auf die Haare, „es wird bestimmt eine Lösung geben mein Schatz, schlaf gut.“

Papa strich mir wortlos über die Schulter.

Langsam stieg ich die Stufen zu meinem Zimmer hinauf. Aus der Stube hörte ich einen leisen gedämpften Wortwechsel, aber ich konnte nichts verstehen, war mir auch egal. Ich war viel zu sehr mit mir selber beschäftigt.

Auf meinem Nachtschränkchen neben dem Bett zeigt mein Handy mir eine eingegangene Nachricht an. Voller Erwartung entsperrte ich das Telefon, aber sie war nicht von Falk.

Tim schrieb irgendwas von der Oma, ich las die Nachricht nicht zu Ende.

Es interessierte mich in diesem Moment einfach nicht.

Ich ließ den Bademantel einfach von mir runter auf den Boden rutschen und stieg ins Bett. Das Handy hielt ich unentschlossen immer noch in der Hand. Mein Daumen strich über die Liste mit den Kontakten, bei „F“ blieb er stehen.

Nein, ich wagte es nicht, den ersten Schritt zu machen.

So wie die Kinderzimmertür geknallt hatte, war Falk richtig sauer auf mich.

Lange fand ich nicht in den Schlaf, ich wälzte mich hin und her.

Es war so viel passiert in der vergangenen Woche. Meine Gespräche mit Mr. Fox, die überraschende Aussprache mit Herrn Kusche und seine Andeutungen.

Tims Eifersucht und dann der Rauswurf.

Die Buchlesung, Clemens… Tims Geständnis…

Ein einziges Gedankenkarussell raste durch meinen Kopf.

Irgendwann übermannte mich dann aber doch die Müdigkeit.

Wirre Bilder tanzten durch meinen Schlaf, alles drehte sich um Jungs, die mir guttaten und meine Freunde waren. Die Fantasien wechselten sich in rasantem Tempo ab, Markus, Clemens, Falk, Tim und Paul und dann wieder von vorn…

Eigentlich waren es nicht nur meine Freunde, sondern heimlich hatte ich sie schon oft beobachtet und manchmal auch mit ihnen, na ja nur in Gedanken…

Was wollte ich eigentlich?

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