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Ich hab es mir nicht ausgesucht...

Wie alles begann...

Teil 26 - Ein verrückter Tag

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Samstagmorgen, nach einer unruhigen Nacht, in der ich eine ganze Menge wirrer Träume gehabt haben muss, erwachte ich in meinem ziemlich zerwühlten Bett.

Mich fröstelte. Ich suchte meine Bettdecke, sie war auf dem Fußboden, ich lag verkehrt herum, mit den Füßen auf dem Kissen. Meine Schlafhose… lag neben dem Bett, hä???

Noch ich im Halbschlaf hatte ich registriert, dass mein Handy gesummt hatte. Ich griff instinktiv danach, die Uhr auf dem Telefon zeigte mir, dass es schon kurz vor halb neun war.

Eine SMS von Herrn Kusche! Ich erschrak, was hatte das zu bedeuten?

Nun war ich vollends wach. Aber meine schmerzend pulsierende Morgenlatte signalisierte mir, dass ich zunächst mal etwas Dringendes erledigen sollte...

Meine Blase drückte so sehr, dass ich das Handy Handy sein ließ. Mit angehaltenem Atem, eine Hand auf dem Bauch gepresst, eierte ich zur Tür, öffnete sie vorsichtig einen Spalt weit und lauschte nach unten. Von dort war schon das Geklapper von Geschirr und das Schnarchen der Kaffeemaschine zu hören. Mama sang laut einen Song im Radio mit. Schon wieder Queen.

„The show must go on“, manno. Ich grinste, coole Mum.

Rasch huschte ich so nackt wie ich war, mit wippendem Ständer über den Flur in mein Bad.

Eigentlich sollte ich mich ja immer aufs Klo setzen, aber das war in meinem Zustand gerade nicht ohne Schmerzen möglich…

So versuchte ich also, so gut wie es ging, genau zu zielen, was mir auch ganz gut gelang. Bis zu dem Moment, als mir wieder das Wett-Ziel-Pinkeln neulich mit Markus und Tim in den Sinn kam. Urplötzlich musste ich laut auflachen, was natürlich eine gewisse Abweichung von meiner Treffgenauigkeit zur Folge hatte. Oh Mann, wenn Falk mich so sehn könnte, Falk!

Da war sie wieder meine schlechte Laune.

Etwas später beseitigte ich leise fluchend die Spuren meines Lachflashs, na was soll´s, heute war ja eh Putztag.

Ich muss dazu sagen, dass es damals, als wir in unser Haus einzogen, eine Bedingung dafür gab, dass ich eine eigene Etage für mich bekommen sollte. Ich sollte auch selber für Ordnung und Sauberkeit verantwortlich sein. Nur Fensterputzen hatten sie mir nicht erlaubt, so dass Mama von Zeit zu Zeit immer mal einen Grund hatte, meine Zimmer zu kontrollieren.

Ich hatte heute also noch eine ungeliebte Aufgabe vor mir, aber was macht man nicht alles dafür, damit man sein eigenes Reich bekommt…

Neugierig entsperrte ich das Handy, vielleicht eine Nachricht von Falk?

Quatsch, der schreibt doch, wenn dann über WhatsApp.

Eine SMS von Herrn Kusche ploppte auf:

„Hallo Julian, guten Morgen, ich möchte dich nur daran erinnern, dass am Donnerstag dein Training ausgefallen war. Den Grund kennst du ja, Tim hatte trainiert. Ich bitte dich, zu trainieren und am Wochenende zu laufen. Mindestens 4 Kilometer, moderates Tempo reicht. Bitte Laufuhr nicht vergessen!!!

Wir sehen uns spätestens am Montag zum Unterricht, oder…?

Mit Gruß J. Kusche“

Auch das noch, nicht nur, dass ich eh schon schlechte Laune hatte, nun erwartet er auch noch, dass ich extra trainiere. Wer hatte mich denn am Donnerstag vom Training abgehalten? Obwohl, eigentlich war es ja eine ziemlich gute Begegnung mit Herrn Kusche, auch wenn ich danach ziemlich fertig war und heulend den Sportlehrer umarmt hatte. Das war der Grund für Tim, durchzudrehen, nachdem er das mitbekommen hatte.

Ein wenig schmunzeln musste ich jetzt aber doch. Tims auflodernde wilde Eifersucht hatte mich zwar überrascht. Im Nachhinein aber war mir dadurch klar geworden, wie viel ich ihm offenbar bedeute. Und er mir auch.

Und, ja ich gebe es zu, seine eifersüchtige Reaktion hatte mir geschmeichelt.

Herr Kusche hatte mir in unsrem Gespräch so viel Vertrauen entgegengebracht, mir etwas anvertraut, was Falk und mich betrifft. Er soll es aber noch nicht wissen?

Komisch!

Und dann jetzt diese förmliche (drei Ausrufezeichen) SMS vorhin… was konnte das bedeuten? Traute er mir doch nicht?

Voller Gedanken stieg ich kurze Zeit später langsam die Stufen hinunter, Mama und Papa erwarteten mich gut gelaunt am Frühstückstisch. Mein mürrisches Gesicht fiel ihnen natürlich auf.

„Oh, da hat aber jemand nicht so gut geschlafen.“ „Papa!“

„Was? Wenn du mit so einem Gesicht am Wochenende zum Frühstück kommst…

Was ist passiert?“

„Nichts.“ Ich ließ mich auf meinen Stuhl fallen und begann ohne weiter zu antworten, mein Müsli in mich hineinzuschaufeln.

„Guten Morgen und guten Appetit.“ Mama strich mir sanft über den Arm.

„Juli wir haben dich auch lieb.“

Ich schaute sie kurz an, legte meinen Löffel mit Nachdruck auf den Tisch und schob die halbvolle Schüssel weg. „Hab keinen Appetit mehr.“

Abrupt stand ich auf, beinahe wäre mein Stuhl nach hinten umgekippt.

„Ich muss trainieren gehen, bis später.“

Sprachlos ließ ich meine Eltern am Frühstückstisch zurück.

Eigentlich wollte ich die Küchentür hinter mir zuwerfen, aber das traute ich mir dann doch nicht, leise schloss ich sie hinter mir.

Im Flur klingelte das Telefon.

Wie auf der Flucht rannte ich meine Treppe rauf, schlüpfte in mein Sportzeug und griff hastig die Laufuhr. Als ich wieder runterkam, standen Mama und Papa im Korridor.

Papa hatte das Gespräch angenommen und blickte nachdenklich zu mir. Dann drehte er sich weg.

Mama stand einfach still da und schaute mir etwas traurig hinterher.

Und schon war ich aus der Haustür verschwunden.

Ich nahm den Weg über die Wiese, durch das Loch im Zaun. Am alten Baumstamm, meinem geheimen Lieblingspatz, verharrte ich einen Moment. Kurz kam mir mein letztes vertrautes Treffen hier mit Tim in den Sinn. Ich schüttelte mich, fauchte, „der Verräter…“

Am See angekommen startete ich die Laufuhr.

Was hatte Kusche gesagt, moderates Tempo?

Ich musste rennen, einfach nur rennen…

Als ich nach der ersten Runde wieder an der Stelle ankam, an der der unscheinbare Pfad ins Gebüsch zu meinem Versteck führte, nahm ich das Tempo heraus und stoppte die Laufuhr. Schleppend ging ich weiter, mein Herz wummerte, mein Atem raste…

Nur langsam erholte ich mich. Während des Laufes waren mir alle möglichen Gedanken durch das Hirn geschossen, aber ich konnte mich beim besten Willen jetzt nicht mehr an die Einzelheiten erinnern. Ich merkte nur, dass ich unheimlich sauer auf alle, alles und vor allem auf mich war.

Erschrocken schaute ich auf das Laufprotokoll meiner Uhr, ich war die vier Kilometer in einer Zeit gelaufen, die Herr Kusche nie und nimmer als moderates Training akzeptieren würde. Er würde mich sicher nicht loben dafür.

Meine Herzfrequenz war während des Laufes weit über den erlaubten Wert angestiegen und auch die Schrittfrequenz entsprach eher der eines Sprinters… von der Zeit gar nicht zu reden.

Ich traute mich aber nicht, das Protokoll zu löschen, Herr Kusche würde es sehen und… „Scheiße“, ich fluchte laut vor mich hin.

Noch immer hatten sich mein Puls und meine Atmung nicht normalisiert, ich nahm langsam wieder Tempo auf, diesmal aber wirklich in moderater Weise, so dass ich schon kurz darauf merkte, wie sich die Anzeigen wieder auf meine normalen Trainingswerte einpegelten.

Nachdem ich die zweite Runde geschafft hatte, trottete ich wieder den schmalen Pfad entlang, am Versteck vorbei und ging über unsere Wiese zum Haus zurück.

Die verdreckten Laufschuhe in der Hand, ich hatte sie auf der Terrasse ausgezogen, wollte ich eigentlich unauffällig von außen ins Haus schlüpfen, aber die Terrassentür zur Stube war verriegelt. Mist!

Auf Strümpfen ich schlich ums Haus herum, um ungesehen zur Haustür zu kommen.

Aber, verdammt! Ich war vorhin einfach weggerannt und hatte natürlich in meiner Hast keinen Schlüssel mitgenommen. Verflucht! Während ich noch überlegte, was ich machen sollte, öffnete sich die Tür und Mama strahlte mich freundlich an, als ob nichts gewesen wäre. „Juli, komm rein, schön, dass du dein Training beendet hast. Bestimmt hast du Hunger oder Appetit?“ Mit gesenktem Kopf nickte ich und begann zu stottern, „also Mama ich, ähm, ich war, ich bin, ich – entschuldige bitte, ich war vorhin unmöglich. Aber ich weiß auch nicht…“

Sie schmunzelte, „komm erstmal rein, aber die schmutzigen Schuhe bleiben draußen, ja?“

Papa kam in den Flur dazu und schaute mir ebenfalls freundlich entgegen, beide sahen sich grinsend an, als ob sie ein Geheimnis teilen würden.

„Was?“, fragte ich misstrauisch, aber sie gingen gar nicht auf meine Frage ein.

„Wie sehen denn deine Socken aus, bist du etwa in Strümpfen um den See gelaufen?“

Papa lache schelmisch auf „Bitte zieh sie aus und außerdem riecht es hier schon wieder nach Sportler. Geh erstmal duschen. Sicher schaffst du auch deine Hausaufgaben noch bis zum Mittagessen.“

Ich wollte eben etwas einwenden, von wegen Hunger oder so, Papa ergänzte noch rasch, „aber Frühstück ist vorbei, es ist immerhin schon fast elf Uhr.“

Ich schaute ihn erschrocken an. Mama blickte Papa ebenfalls etwas überrascht an, sagte aber nichts dazu.

Sie führten irgendetwas im Schilde, verzogen aber keine Miene, so dass mir nach kurzem Zögern nichts weiter übrig blieb, als zum Duschen zu gehen.

Noch auf dem unteren Flur streifte ich meine Laufklamotten ab, kurz zögerte beim Slip, zog mich dann aber rasch ganz aus. Mama schnappte sich meine Sachen und klemmte sie sich unter einen Arm. Mit dem Zeigefinger der anderen Hand wies sie auf meine Füße. „Und die Socken bitte, junger Mann.“ Umständlich zog ich mir die Strümpfe aus und reichte sie hin. Mama schleuderte meine Sachen wie gewohnt die Kellertreppe hinunter in den Waschkeller.

Obwohl Nacktsein in unserer Familie nichts Besonderes war, stand ich doch leicht irritiert total blank, mit den Händen vor meinen Schätzen zwischen meinen Eltern.

Papa grinste kurz, drehte sich rasch um, lachte er etwa leise? Ohne weitere Worte verschwand er in seinem Arbeitszimmer.

Mama tat auf einmal auch ganz beschäftigt und verzog sich mit einem Lachen im Gesicht in die Küche.

Einen Moment noch stand ich nackt unschlüssig im Flur herum. Was war hier los?

Ohne Klamotten tapste ich die Treppe hoch und verschwand in der Dusche. Kurz stand ich vor dem großen Spiegel, nein es passierte nichts. Ich war viel zu kaputt von meinem irren Lauf und ach… ich war nicht in Stimmung.

Etwa eine Viertelstunde später saß ich in Jogginghose und T-Shirt am Schreibtisch und kontrollierte mein Handy, nichts. Auch im MacBook fand ich nichts Neues. Keine Nachricht, weder von Tim und von Falk schon gar nicht.

Was hatte ich denn auch erwartet? So wie wir gestern auseinander gegangen waren…

Beim Durchsehen der Hausaufgaben fiel mir Tims Mathearbeit wieder in die Hände, ich hatte zugesagt, sie ihm vorbeizubringen. Ich legte sie beiseite. Kurz darauf brütete ich über den Deutschhausaufgaben, die Interpretation eines literarischen Textes aus dem Lesebuch. Oh Mann, so ein Schwachsinn…

Mathe ging dann schnell und die paar englischen Vokabeln hatte ich fix drauf. Die würde ich morgen Abend nochmal wiederholen.

Ich war eben beim Zusammenräumen der Schulsachen, es klopfte an meiner Tür. Vorsichtig schob Mama die Tür einen Spalt weit auf, „Juli ich spring schnell vor dem Mittagessen nochmal zu Wegners ins Haus nach dem Rechten sehen, magst du mitkommen?“

Kurz dachte ich nach, um dann überstürzt abzulehnen. Zu schnell offensichtlich. Mama schaute mich fragend an, ich drehte mich weg, griff nach Tims Mathearbeit und bat sie, „nimmst du bitte die Mathearbeit von Tim mit, du legst sie dort irgendwo hin?“

„Willst du sie nicht selber in sein Zimmer legen?“

Kurz reizte es mich, Tims Zimmer, das Kopfkissen, sein Bett… ich schüttelte den Kopf.

„Nee lieber nicht“, ich schluckte, „nee, äh ich muss noch hier…“

Ich begann noch einmal in meinem Schulzeug herumzukramen.

„Mama, sei nicht böse aber ich, nein, ich weiß nicht.“

„Na gut.“ Etwas enttäuscht wollte Mama gerade gehen und warf rasch einen Blick auf Tims Arbeit. „Oh, eine Eins, was hattest du in der Arbeit?“

„Auch ne Eins, aber Tim war besser, hat einen Punkt mehr…“ Ich muss wieder ziemlich sauer geklungen haben. Mamas Blick ließ mich das jedenfalls vermuten. Sie frage aber nicht weiter.

„Mama, was gibt es denn zu essen?“

„Papa kocht den leckeren Nudeleintopf, den du so gern magst.“

„Oh, das ist ja lecker…“, was sollte ich sonst noch sagen?

Mama schaute noch einen Moment zu mir und schloss dann ohne weiteres leise die Tür.

Ich drehte mich auf meinem Stuhl von der Tür weg und starrte aus dem Fenster, durch den die Wintersonne strahlend in mein Zimmer schien.

Idiot, was kann denn Mama dafür, dass ich schlechte Laune hab, eifersüchtig auf Tim bin und sauer auf Falk und, dass… ach Scheiße alles.

Selber schuld, hätte ich doch den Mut gehabt, Falk nochmal zu kontaktieren. So hatte ich bestimmt bei ihm verschissen. Konnte ich ihm eigentlich nicht verdenken.

Um mich abzulenken, nahm ich mir doch gleich nochmal die englischen Vokabeln vor.

Schon bald meldete sich mein Magen, aus eigener Dummheit hatte ich heute morgen das Frühstück verpasst und nach dem Laufen auch nichts weiter getrunken. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich bemerkte, wie mir direkt etwas flau wurde. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es eigentlich Zeit für das Mittagessen war. Ich schob das Schulzeug einfach zur Seite und stieg nach unten. In der Küche war der Tisch gedeckt, der Topf mit dem duftenden Eintopf stand noch auf dem Herd. Aber von Mama oder Papa keine Spur. Als ich auf den Korridor zurücktrat, hörte ich, dass Papa im Arbeitszimmer telefonierte. Es war üblich bei uns, dass, wenn wir in den persönlichen Bereich des anderen wollten, wir anklopften.

Aber Papa schien mich nicht zu hören, auch als ich nochmal etwas lauter klopfte, kam kein „herein“. Also öffnete ich vorsichtig die Tür einen Spalt breit und sah ihn am Telefon. Er schien in ein intensives Gespräch vertieft. Trotzdem bekam er mich mit, sah kurz auf und drehte sich dann mit dem Hörer am Ohr von mir weg. Als ob er…

Unmittelbar darauf beendete er das Gespräch und drehte sich wieder zu mir zurück.

„Hallo Juli, ist Mama schon wieder zurück?“

Ich war perplex, eben hatte er mich noch ignoriert, jetzt sprach er total freundlich mit mir.

„Äh, ich, ich weiß nicht, sie wollte zu Wegners gehen, nochmals alles kontrollieren. Komisch, sie braucht doch keine Viertelstunde dorthin.“

Im selben Moment klappte die Haustür, Mama kam herein. „Hallo Männer, ich habe Hunger, ist das Essen fertig?“

Papa war inzwischen zu mir gekommen und schob mich einfach vor sich her in die Küche, „na dann wollen wir mal!“

Beim Mittagessen wurde ich unvernünftig, ich futterte mächtig viel von dem leckereren Nudeleintopf, Papa grinste nur zufrieden. Dazu hatte er selbstgebackenes, noch warmes frisches Pizzabrot gereicht, ich war kurz vor dem Platzen.

Bei meinem Lieblingseis, das Mama immer selbstkreierte, hatte ich zu tun, dass mir nicht schlecht wurde.

Mit vollem Bauch lehnte ich mich auf meinem Stuhl zurück und musste erstmal durchschnaufen. Kurz lüftete ich den Bund meiner Jogginghose, die ziemlich spannte…

Es dauerte nicht lange, als ich spürte, das sich in meinem Bauch eine gefährliche Rebellion entwickelte, die mit aller Macht an die Luft wollte.

Hastig sprang ich auf, bedankte mich für das leckere Essen, entschuldigte mich und deutete nur auf meinen Bauch.

Mit großen Sprüngen über mehrere Stufen erreichte ich mein Badezimmer, riss die Tür auf und meine Hosen runter. Beinahe wäre es alles zu spät gewesen. Im letzten Moment konnte ich mich auf die Kloschüssel plumpsen lassen, bevor…

Zum Glück ging nichts in die Hosen, aber ich war danach so geschafft, so dass ich meinen Eltern von oben zurief, dass ich mich erstmal ausruhen wollte.

Von unten kam keine Reaktion, also verzog ich mich in mein Zimmer. Die Trainingshose hatte ich gar nicht erst wieder angezogen, sondern warf sie einfach in die Zimmerecke.

Ich griff mir die großen Kopfhörer vom Regal, zog sie über die Ohren, verband sie mit Alexa und warf mich nur in T-Shirt und Boxershorts auf mein Bett.

Die Hände unter dem Kopf verschränkt, den Lieblingssound auf den Ohren, tauchte ich in die Beats ein. Mein voller Bauch und die wohlige Wärme des Zimmers taten das ihrige und ließen mich recht schnell in einem wohltuenden Schlummer versinken…

Ein angenehmer Traum umschloss mich, der alle meine übellaunigen Gedanken verdrängte. Ich kann es nicht mehr genau sagen, es waren sehr angenehme Empfindungen und Gefühle, die dieser Traum in mir auslöste.

Bis zu einem ungewissen Punkt.

Wie lange ich so geschlummert hatte, ich weiß es nicht. Meine Empfindungen veränderten sich. Nicht unangenehm, aber deutlich wahrnehmbar. Etwas in meiner Umgebung beeinflusste mich, ließ meinen Puls ansteigen und meinen Atem heftiger werden.

Ich wurde unruhig, etwas zog mich von meinem Traum weg.

War ich noch in meinem Zimmer?

Ich hatte das Gefühl, als ob ich meinen Traum nicht mehr allein träumen würde, als würde jemand an meinen Gedanken teilhaben und sie lesen können. Ich fühlte mich beobachtet.

Langsam entließ mich mein Traum, blinzelnd öffnete ich vorsichtig die Augen.

Mein Blick blieb über mir an der Zimmerdecke hängen, alles war wie immer. Weiter wanderten meine Augen zu den Modellflugzeugen dort oben zum Fenster hin. Nichts Besonderes…

Was war es, dass mich so sehr beunruhigte?

Ein leises Kichern neben meinem Kopf ließ mich auf dem Bett herumfahren, jemand saß auf meinem Stuhl. Das anfängliche leise Kichern schlug in ein lautes herzliches Lachen über.

Mit weit aufgerissenen Augen erkannte ich, wer neben meinem Bett saß und mich wahrscheinlich schon lange beobachtete.

„Falk!“, stieß ich überrascht hervor. Ich war einfach sprachlos und überwältigt. Wahrscheinlich rieb ich mir die Augen, denn er lachte jetzt erst richtig laut los.

„Ja, ich bin Falk.“

Ich muss wohl mächtig ungläubig geschaut haben. Ich stotterte, „wie kommst… ich mein was…?“ Er japste außer Atem, „was meinst du?“

Ich setzte mich auf der Bettkante auf und schaute ihn immer noch baff an.

„Wie kommst du denn hier her und was machst du hier?“

„Na ganz einfach, ich hab geklingelt, deine Eltern haben mich reingelassen und ich“, er grinste fies, „ich schau dir schon eine Weile beim Träumen zu. In den letzten zehn Minuten ist in deiner Hose mächtig was los. Sieht aus, als ob sie ziemlich eng geworden ist. Scheinst ja mächtig was erlebt zu haben im Traum, wenn ich da so auf deine Boxershorts schaue.“ Er wies mit der Hand auf meinen Schritt. Augenblicklich wurde sein Gesicht aber knallrot.

Entgeistert folgten meine Augen seinem Fingerzeig, Ich erstarrte. Aus meiner Boxer lugte unten ein mega Ständer heraus, dessen Spitze in der Nachmittagssonne glänzte.

„Äh ich, was… das?“

Ich stammelte wirres Zeug und versuchte hastig die pulsierende Latte in die Boxer zurückzuschieben. Vergeblich, steif, wie sie war schnellte sie immer wieder irgendwo aus der Hose.

„Soll das ne Frage sein? Ja, lass doch, sieht übrigens ziemlich gut aus. Gefällt mir“, kommentierte Falk meine krampfhaften Versuche trocken mit einem verschämten Lächeln.

Diesen Spruch hatte ich neulich schon mal so ähnlich gehört, von Paul unter der Dusche im Schwimmbad. Danach war nichts besser gewesen.

Wo nahm Falk auf einmal diese Keckheit her, ich kannte ihn bisher immer nur als ziemlich zurückhaltend.

Ich war baff und schaute ihn überrascht an.

„Ey du Sack, spinnst du…?“

„Was denn?“, meinte er ganz unschuldig, „du hast mich bei mir zu Hause, als ich nackt war, doch auch abgecheckt und zwar ziemlich lange und intensiv. Ich hab’s gemerkt.“

Jetzt bekam mein Gesicht bestimmt die Farbe eines Feuerlöschers, mir wurde siedend heiß…

Ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte. Es stimmte ja, er hatte es also bemerkt. Aber nichts gesagt und sich auch nicht vor mir versteckt. Offenbar hatte er es gewollt…

Das alles und so mit meiner Latte in der Unterhose vor ihm, das war mir peinlich.

Ich starrte ihn an.

„Äh ich muss erstmal woanders hin.“

Er lachte schallend, „ja okay aber mach kein dummes Zeug im Bad und vor allem, beeil dich. Wir müssen dann los.“

Ich wollte wirklich nur noch schnell aufs Klo und hatte seine letzten Worte gar nicht richtig mitgeschnitten. Als ich dann vor dem Klo stand (nee, sitzen ging wieder nicht)… „Hä?“, was hatte er gesagt, wir müssen dann los? Was meinte er?

Zurück im Zimmer zog ich mich rasch an und obwohl ich Falk dabei den Rücken zuwendete, spürte ich förmlich, wie er mir auf den Hintern starrte.

Als wir dann gemeinsam die Stufen hinunterstiegen, fragte ich ihn danach, warum er hier ist und wie und überhaupt…

Er grinste mich an, „na einer von uns beiden muss ja der Klügere sein, du warst es ja nicht. Dein Handy war aus und du hast dich auch nicht gemeldet.“

„Aber wer hat denn mit der Tür…“, wollte ich mich wehren, aber er ließ mich gar nicht zu Wort kommen.

„Also hab ich mir das Telefon genommen und bei euch angerufen, aber du warst nicht da. Laufen hat dein Papa gesagt. Scheinbar hattest du deinen Eltern von uns, also von mir erzählt. Dein Papa war sofort im Bilde. Wir haben eine ganze Weile miteinander geredet, scheint übriges ein toller Typ zu sein, dein Erzeuger. Und dann er hat mir einen Vorschlag gemacht… Na und, nun bin ich eben hier. Sie haben mich in dein Zimmer geschickt. Aber du hast geschlafen und so angeregt geträumt, da wollte ich dich nicht wecken. Es war sehr interessant dir dabei zuzuschauen…“

Wieder grinste er wie ein Honigkuchenpferd.

„Hä, was für einen Vorschlag?“

Falk antwortete mir nicht mehr, Papa stand feixend in der Wohnzimmertür und bat uns hinein. Mama saß schmunzelnd auf der Couch schaute mich strahlend an.

Sie meinte nur, „na Falk, hat Juli so fest geschlafen, dass du ihn gar nicht wach bekommen hast?“

„Doch schon, aber er hat erstmal ne Weile gebraucht um…“

„Hey, sei still, wehe…“ In diesem Augenblick begriff ich, was hier gespielt wurde. Falk grinste mich wieder nur an.

„Papa, Mama ihr habt das alles schon gewusst, habt mich die ganze Zeit veralbert und -na warte.“

Ich tat so, als wollte ich mich spielerisch auf Papa stürzen, er aber lachte mich aus.…

„Sohnemann, willst du etwa mit mir kämpfen, du hast keine Chance. Falk und ich sind zusammen stärker als du. Denn Falk steht garantiert auf meiner Seite, stimmt‘s Falk?“

Der nickte genüsslich, „sehr gerne Herr Kiefer und wenn Sie ihn dann festhalten, werde ich so lange durchkitzeln, bis er sich in die Hose…“

Mama quietschte vor Vergnügen auf.

Ich war baff und stemmte sauer beide Hände in die Hüften, „ihr habt euch gegen mich verbündet! Das ist gemein!“

Papa wurde etwas ernster, „sieh es mal so Juli, Falk hat das geschafft, was wir dir schon länger geraten hatten. Er hat seinen Eigensinn überwunden, sich ein Herz gefasst und hat den ersten Schritt auf dich zu gemacht… Das, was du nicht geschafft hast. Ich glaube, er könnte ein wertvoller Freund für dich werden.“

Ich gebe zu, Papas Sichtweise machte mich nachdenklich. Ich blickte verlegen zu Falk, der mir jedoch freundlich entgegen lächelte. Er kam auf mich zu, bot mir die Hand zum Abklatschen hin. „Sorry Juli, äh, dein Papa hatte die Idee, dich etwas zu triezen. Fiel mir auch ehrlich schwer.“

Kurz dachte er nach, ergänzte dann, „oder nee, eigentlich fand ich es sogar interessant.“ Jetzt grinste er mich provokant grinsend an. „Also ich fand es echt sogar cool bei dir oben.“

Ich starrte ihn an und zischte, „wehe du sagst nur einen Ton, dann bist du…“

Mama unterbrach unser kleines Wortgeplänkel. „Jungs, wenn ihr noch lange bummelt und rumdiskutiert, ist der Bus weg. Der nächste fährt erst wieder in zwei Stunden- es ist Wochenende!“

Ich verstand kein Wort, „hä was für’n Bus und was ist eigentlich los?“

Falk lachte mich an, „na ich dachte, du wolltest mir bei den Schularbeiten helfen und vielleicht möchtest du auch bei mir übernachten. Meine Mutti hat es erlaubt und deine Eltern sind auch dafür.“

Unsicher, ja fragend schaute er mich an.

„Aaaaber natürlich nur, wenn du überhaupt willst?“, fügte er leise hinzu. Das Lachen war aus seinem Gesicht verschwunden.

Ich muss kurz ziemlich dumm ausgesehen hatte, bis ich begriff, was er mir gerade gesagt hatte.

Wortlos wanderten meine Augen von Mama zu Papa, die mir aufmunternd zunickten.

Ich wachte auf, „ja klar will ich! Danke Mama, danke Papa.“ Ich sprang auf sie zu und umarmte sie nacheinander.

„Ich hol nur schnell meine Sachen von oben, bin gleich wieder zurück.“ So schnell hatte ich wohl noch nie meine Sachen in den Rucksack gestopft, frisches T-Shirt, Boxershorts, frische Socken, Zahnbürste und…

Wo ist mein Handy? Verdammt, mir fiel ein, dass ich es zum Mittagessen in der Küche noch hatte.

Also sauste ich die Treppe runter, wo Mama mir schon lächelnd das Telefon entgegenhielt.

„Hier Juli, deine Lebensversicherung.“ Sie lachte. „So nun los Jungs, sonst fährt der Bus noch ohne euch und Juli, bitte melde dich zwischendurch mal, ja. Und viele Grüße an Falks Mutti.“

Falk stand schon ungeduldig in der Haustür.

„Ja Mama… mach ich! Tschüssi und danke nochmals.“

Auf dem Weg zur Bushaltestelle fiel zwischen uns zunächst kein Wort. Irgendwie eine komische Situation, bis Falk schließlich meinte, „du hast tolle Eltern. So unkompliziert und ich glaube, sie lieben dich sehr.“ Er schaute mich von der Seite an.

„Ja, auf jeden Fall. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich sie auch liebe… nur“, ich verstummte.

„Hä, was?“ Falk blieb stehen und schaute mich überrascht an.

„Na ja, in letzter Zeit nerven sie manchmal, wollen immer alles wissen und machen mir dann Vorschläge, wie ich dies oder das…“ Ich winkte ab.

„Kennst du das nicht?“

Falk nickte, „doch schon aber nicht so oft, vielleicht liegt das daran, dass wir, also Benny und ich, keinen Vater zu Hause haben. Oft stimmt sie sich dann mit mir ab. Ich glaube aber, sie hat manchmal Angst, dass sie mir zu viel zumutet…“

Während wir weitergingen, legte ich ihm einen Arm um seine Schultern. Er ließ es geschehen und ich hatte das Gefühl, dass es ihm angenehm war. Ich glaube, er lehnte sich direkt etwas an mich an.

„Hat sie denn schon mal, ich meine einen neuen Mann…“ Falk löste sich abrupt von mir, trat einen Schritt zurück und schaute mich entsetzt an. „Du spinnst, oder…? Ich will nicht irgendeinen neuen Vater!“

Ich nickte nur, „ja na klar, hast Recht.“

Mein Handy summte in meiner Hosentasche. Ich erstarrte, dieser Rhythmus…. Ich zog das Telefon hervor und schaute auf das Display. Falk stand immer noch aufgebracht vor mir und schaute mich abwartend an.

Ich musste wohl erschrocken ausgesehen haben, „Tim“ entfuhr es mir.

Falk setzte sich hastig wieder in Bewegung und ging mit straffem Tempo in Richtung Bushaltestelle weiter.

Ich fluchte, Julian Kiefer, du bist einfach nur bescheuert. In einem Moment größtmöglicher Nähe zu Falk latschst du schon in den großen Fettnapf. Warum holst du auch das Handy raus? Du hast doch am Summen erkannt, wer anruft. Und du hattest doch gestern schon mitbekommen, dass er auf diesen Namen empfindlich reagiert. Idiot.

Eilig stopfte ich das Telefon in die Hosentasche und rannte hinter Falk her. Als ich ihn eingeholt hatte, wollte ich ihm wieder den Arm um die Schultern legen, er schüttelte ihn energisch ab und blieb stehen. Ein Weinkrampf schüttelte seinen Körper. Ich sah, dass er leise vor sich hin weinte.

„Falk, ich… Mensch ich bin blöd, entschuldige.“

Mit Tränen in den Augen hob er den Kopf, „was will der Typ denn immer noch von dir?

Ich denke, er weiß, dass wir beide…“

„Ja, ich hab ihm gesagt, dass wir beide Freunde sind und ich, ach Mensch ich weiß doch auch nicht…“

Falk wischte sich mit dem Handrücken die Tränen weg. „Egal, los komm, der Bus ist schon dahinten.“

Ich nahm ihn einfach in die Arme und drückte ihn ganz fest, dann rannten wir los.

Im Bus waren wir fast allein, nur im vorderen Teil saß eine Familie mit zwei kleineren Kindern. Wir gingen nach hinten durch und setzten uns eng nebeneinander auf die hintere Sitzbank. Falk presste seinen Oberschenkel fest gegen meinen und legte mutig eine Hand auf mein Knie. „Mach das nie wieder mit mir, sonst…“

Ich schmunzelte ihn an. „Versprochen!“

Kurz darauf vibrierte mein Handy schon wieder, was er natürlich durch die vertrauensvolle Nähe zwischen uns mitbekam.

Ich konnte mich vor Schreck nicht bewegen.

Erschrocken sah ich zu ihm, er holte tief Luft, zog seine Hand weg und schaute mich intensiv an. Er schluckte, dann: „Geh ruhig ran, ist mir doch egal, er hat sowieso keine Chance gegen mich! Oder?“

Ich schüttelte wortlos den Kopf, holte das Teil aus meiner Hosentasche und entsperrte das Display. Falk schaute mich erwartungsvoll an. Als ich eilig die Nachricht überflog.

begann ich zu grinsen.

„Was? Warum grinst du so?“

Wortlos hielt ich ihm das Handy vors Gesicht, „hier lies selber!“ Mit großen Augen schaute er mich fragend an. Ich nickte ihm bestätigend zu, „los mach.“

Er nahm das Handy, erst skeptisch dann immer ungläubiger wanderten seine Augen über die Nachricht.

Überrascht schaute er mich an, „echt jetzt? Das ist ja cool, ey, deine Mama hat was drauf.“

Mama hatte geschrieben, „hallo Juli, schau bitte mal in deine Handyhülle, ich hab dir 10 Euro reingesteckt. Bestimmt freut sich Falks Mutti über ein paar Blumen. Am Busbahnhof ist ein Blumenladen.

Viel Spaß Mama! Und liebe Grüße an Falk!"

Gut gelaunt sprangen wir aus dem Bus und beeilten uns, den Blumenladen zu finden.

Kurz vor vier Uhr erreichten wir das Geschäft, die Blumenverkäuferin war bereits dabei, die Blumen von draußen in den Laden zu räumen.

„Na Jungs was sucht ihr denn? Wollt ihr eurer Mama noch ein paar Blümchen zum Wochenende mitbringen? Das ist aber lieb von euch.“

Wir schauten uns gleichzeitig in die Augen, unsere Mama, wir mussten beide schmunzeln.

„Was möchtet ihr denn mitnehmen?“

„Äh“, ratlos schaute ich die Blumen an und zuckte mit den Schultern, „also, ich hab keine Ahnung. Wenn ich ehrlich bin, ich kann gerade mal Bäume, von Blumen und Gras unterscheiden.“ Unschlüssig blickte ich Falk an.

Der hatte sich aber schon ein paar Blumen ausgesucht und zeigte auf einen bunten Strauß. „Ich glaube, sie mag Gerbera ganz gerne. Was kostet denn dieser Strauß?“

„Na, so wie er ist 9,90 Euro, wenn ich ihn noch ein bisschen mit Grün aufbinden soll, dann sind wir bei 11,50 Euro.“

„Oh“, ich erschrak, „so viel hab ich nicht, nur zehn Euro.“ „Falk, hast du noch was dabei?“ Er schüttelte nur traurig den Kopf.

Die Blumenfrau schaute uns schmunzelnd an.

„Wisst ihr was Jungs? Egal. Es ist sowie so Wochenende, ich überlass euch den Strauß ganz ohne Geld, es ist so eine schöne Geste, dass ihr eurer Mama eine Freude machen wollt. Und nun beeilt euch, ich hab nämlich Feierabend.“

Fachgerecht verschönerte sie den Strauß mit einigen grünen Zweigen und wickelte ihn dann gekonnt in schützendes Papier.

„So nun raus hier und sagt eurer Mama einen schönen Gruß von Frau Rose!“

Wir waren baff, bedankten uns aber artig und winkten ihr zum Abschied zu. „Ein schönes Wochenende für Sie.“

Ich trug den Strauß, zufrieden und gut gelaunt machten wir uns auf den Weg zu Falks Wohnhaus. Unterwegs alberte er aufgedreht rum und stupste mich immer wieder mit dem Ellenbogen in die Rippen und alberte herum. Ich glaube, er war ganz froh, dass wir nun gemeinsam zu ihm nach Hause unterwegs waren.

Wir bogen um die letzte Ecke, nur noch etwa fünfzig Meter bis zu seiner Haustür, als Falk wie angewurzelt stehe blieb. Sein Blick fixierte ein blaues Auto, das ein paar Meter entfernt von der Haustür auf der anderen Straßenseite geparkt war. Dann schaute er mich konsterniert an.

„Was ist?“

Er zeigte kurz auf das Fahrzeug und flüsterte leise, „der Wagen dort, der steht neuerdings immer wieder mal dort. Aber der gehört keinem von den Leuten, die hier wohnen. Ich kenn hier alle Autos. Dieses gehört…“, er verstummte.

„Ja und?“ Fragend blickte ich zu ihm.

Unentschlossen winkte er ab, „komm, lass uns gehen.“

Aber auch mich durchfuhr in diesem Moment ein Gedankenblitz, das Auto dort, ein dunkelblaues SUV, ja ich kannte es. Intensiv schaute ich auf das Kennzeichen,

GDB- BK 20.

Es war der Wagen unseres Sportlehrers, Herr Kusche. Ich wusste es genau, denn er hatte Tim und mich letztens nach dem Training nach Hause gefahren.

Ich hatte mir seine Nummer genau gemerkt.

Falk stand schon unruhig an der Haustür und hatte die Klingel gedrückt.

Eine Männerstimme ertönte aus dem Lautsprecher, „hallo hier bei Konrad, ja bitte?“

Im Hintergrund war eine unruhige Kinderstimme zu hören

Falk wendete sich mit blassem Gesicht zu mir, „was?“, seine Stimme krächzte.

Auch er hatte die Stimme sofort erkannt, genau wie ich.

„Falk, Julian kommt ihr bitte erstmal hoch…?“

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