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Ich hab es mir nicht ausgesucht...

Wie alles begann...

Teil 22 - ... der eigentlich super begann...

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Der Gong zum Pausenende holte mich aus meinen verworrenen Gedanken zurück. Der Lärm der vom Schulhof hereinströmenden Schüler kam immer näher. Sogleich war die Treppe von lautem Lachen und Quatschen erfüllt. Immer noch stand ich einfach so herum, als mich jemand anstupste.

„Hey Juli, hier bist du, ich hab dich vor dem Lehrerzimmer erwartet.“ Ich fuhr herum.

Resi stand vor mir. Ich muss wohl immer noch ziemlich bedröppelt ausgesehen haben. „Wie guckst du denn? War es so schlimm?“

Ich begann zu schmunzeln, „nee, im Gegenteil, alles bestens.“

„Und warum warst du dann zur Salzsäule erstarrt?“

Kurz dachte ich nochmal an das eben Erlebte. Was davon konnte oder wollte ich ihr erzählen? Der Vorgong für die nächste Stunde ertönte.

„Das erklär ich dir ein anderes Mal, wir müssen los zu Mathe, ich war schon bei Foxi zu spät, nicht bei Frau Winkler auch noch.“

Wir rannten beide los. Im Laufen fragte Resi „was ist eigentlich mit Tim, warum ist er nicht da?“

Vor uns ging Frau Winkler gerade ins Mathezimmer, ich konnte Resi nur noch ein kurzes „später“ zurufen, als auch schon der Stundengong zu hören war.

Atemlos fielen wir auf unsere Plätze. Frau Winkler ließ ihren fragenden Blick kommentarlos von mir zur Resi wandern, oh ha…

Vom Fenster her kam wieder ein gezischter Kommentar von Tobi oder Nico „der schon wieder, jetzt mit Resi…“

Aber niemand reagierte darauf.

Mathe lief dann ganz ordentlich, immer wieder drehte Resi sich zu mir um.

Aber Frau Winkler hatte heute ein besonderes Auge auf sie, keine Chance….

Als wir zu Erdkunde wechselten, waren ständig einige Jungs um mich herum. Alex, Felix und Valentin sprachen über ihr Punktspiel am Samstag und wann ich denn endlich mal zum Zuschauen auf den Fußballplatz mitkomme. Ich zuckte mit den Schultern, „weiß noch nicht.“

Zum Glück waren Tobi und Nico nicht in der Nähe, auf ihre unpassenden Kommentare konnte ich gern verzichten.

Auch Resi war im Dauergespräch mit ihrer Freundin Maja, sie hielten sich die Hände vor den Mund und lachten albern herum. Majas glänzende Augen klebten dabei unverwandt an Paul…

Mir fiel auf, dass einer unserer Mitschüler nur hinterher schlich, sich abseits hielt und sich nicht an den Gesprächen beteiligte.

Clemens!

„Juli, wann habt ihr eigentlich den nächsten Wettkampf?“, lenkte mich Paul wieder ab. Jemand anderes fragte „Hat schon einer von euch das Buch schon gelesen…?“

Abgelenkt durch das viele Gequatsche verlor ich Clemens aus meinem Blick…

Dann aber drängelte sich Resi zwischen uns Jungs und zog mich einfach aus dem Pulk heraus in eine ruhigere Ecke.

„Sagst du mir nun, was Foxi mit dir gemacht hat, dass du hinterher so selig geguckt hast?“

„Ach Resi, da muss ich selbst nochmal drüber nachdenken, aber ich verspreche dir, du bist die erste, die Neues erfährt, wenn es was gibt. Okay?“

Kurz stockte ich, dann ergänzte ich, „und Tim natürlich.“

Das war Resis Stichwort, ein bisschen beleidigt fragte sie, „eben, wo ist Tim heute überhaupt? Er hat mir gar nichts gesagt oder geschrieben. Weißt du, was los ist?“

Ich erschrak ein wenig, Tim, hatte er in der Aufregung vergessen Resi zu benachrichtigen? Na, wenigstens hatte er mir Bescheid gesagt, auch wenn es mitten in der Nacht war.

Kurz erklärte ich ihr, was ich zu Tims Oma wusste. Dass er mich gestern am späten Abend noch besucht hatte und wir uns ausgesprochen hatten, verschwieg ich ihr.

Schon wieder ertönte der Gong, der den Beginn der nächsten Stunde ankündigte.

Gemeinsam mit Falks Klasse strömten wir nun alle in Richtung Aula, in der die Buchlesung stattfinden sollte. Die Deutschlehrer hatten uns extra darauf hingewiesen, dass wir 15 Minuten eher erscheinen sollten, damit die Veranstaltung pünktlich beginnen kann. Am Eingang entstand ein kleiner Stau, weil natürlich alle gleichzeitig in die Aula wollten, um möglichst einen Platz in den hinteren Reihen zu erwischen, wie Schüler eben so sind.

Plötzlich fiel Resi ein, dass sie ganz dringend nochmal aufs Klo musste, Mädchen eben. „Juli, besetzt du für uns bitte zwei Plätze mit? Danke.“ Weg war sie.

Komischerweise zog sie Maja einfach mit sich in Richtung Mädchentoilette.

Oh nee, warum gehen Weiber immer zu zweit aufs Klo? Das ist wohl etwas, was Jungs nie verstehen, obwohl… Na ja, ich musste kurz an manches Wettpinkeln denken, dass wir Jungs unter uns auch schon das eine oder andere Mal veranstaltet hatten.

Wenn ich da nur an Markus oder Tim denke...

Natürlich waren die hinteren Reihen schon fast vollständig besetzt, als ich an den Eingang kam. Nur im vorderen Teil, so etwa drei, vier Reihen vor dem Podium, waren noch ein paar Stühle frei. Von dort winkte mir jemand zu, Clemens.

Er hatte für mich einen Platz freigehalten. Ich drängelte mich durch die Reihen und setzte mich rechts neben Clemens, „danke Clemens.“ Er nickte nur. Zum Glück waren rechts von mir noch einige Stühle frei, so dass ich mit meinem Rucksack zwei weitere Plätze für die Mädchen blockieren konnte.

Ein relativ junger Mann, ich schätze, so etwa Mitte Dreißig, betrat die Bühne. Er packte ein paar Bücher aus seiner Aktentasche und schaute kurz über die unten sitzende Masse der Schüler und setzte sich in aller Ruhe hin. Gerade noch rechtzeitig rutschten Resi und Maja auf ihre Plätze, „danke Juli.“

Frau Weidemann, die Deutschlehrerin der 8d, war hastig hinter dem Schriftsteller auf die Bühne gekommen und begrüßte ihn überschwänglich.

Sie griff dann zum Mikrofon.

„Bitte Ruhe, wir möchten beginnen.“

Sie begrüßte den Schriftsteller offiziell, den Namen habe ich mir nicht gemerkt.

Dann folgte eine kurze Vorstellung und sie übergab das Mikro an den Gast.

Der schaltete das Teil aus und legte es auf dem Tisch vor sich ab.

Ganz entspannt stand er auf, kam nach vorn an den Bühnenrand und stellte sich uns nochmal persönlich vor.

Kurz schilderte er, dass er zuerst einen Beruf erlernt hatte, dann aber immer drängender das Schreiben für sich entdeckt hätte. Besonders Themen junger Menschen würden ihn fesseln. Und so ist er darauf gekommen herauszufinden, wie sich Jugendliche in unserem Alter in anderen Zeiten wohl gefühlt haben mochten und was sie erlebt hatten. Er hatte auch viele Zeitdokumente aus der Nazizeit recherchiert und dort einiges über die Schicksale von Jugendlichen in dieser dunklen Zeit gefunden.

Davon sollte auch sein Debütroman „Bis die Sterne zittern“ handeln.

Es herrschte eine angespannte Stille, einige anfängliche, zum Teil unpassende Sprüche aus den letzten Reihen verstummten bald.

Mit einem interessanten Wechsel von persönlichen Erfahrungen und Lesebeiträgen aus dem Buch verstand er es wunderbar, die Spannung hoch zu halten.

Besonders beeindruckend war für mich die Figur des Harro dargestellt. Harro ein Junge in unserem Alter, verliert einen seiner besten gleichaltrigen Freunde.

Es kommt nämlich heraus, dass Harros Freund verliebt in einen anderen Jungen ist und beide intim miteinander waren. Beide Jungen wurden durch die HJ bespitzelt und verraten. Man verhaftete sie, sie wurden wegen ihrer Veranlagung in ein Jugend - KZ gebracht. Ihre Eltern haben sie nie wiedergesehen. Mehrmals musste ich schlucken.

Ich war dermaßen ergriffen von der Schilderung des Romans, dass ich zuerst gar nicht bemerkte, dass Clemens ganz dicht an mich herangerückt war. Als ob er Schutz suchen würde. Es fühlte sich aber nicht falsch an. Im Gegenteil, die Wärme seines Körpers übertrug sich wohlig auf mich, was sich auch an der schon wieder zunehmenden Enge in meiner Jeans bemerkbar machte. Seine rechte Hand lag auf meinem Knie. Sein Atem ging schneller. Scheinbar folgte er der Handlung ebenso betroffen, wie ich. Unbewusst legte ich meine Hand auf seine.

Als es im Roman zur brutalen Verschleppung der beiden Jungen kam, spürte ich, dass sich seine Finger in mein Bein krallten. Überrascht drehte mich zu ihm hin. Im selben Moment schaute auch er mir in die Augen.

Jedoch, wie von sich selbst erschrocken, versteifte sich sein Oberkörper. Hastig rückte von mir weg und zog er seine Hand unter meiner hervor.

Mit hochrotem Gesicht starrte er nach vorn auf die Bühne.

Ich war selbst überrascht von meinem Verhalten, schaute ihn noch ein paar Sekunden von der Seite her an, er blickte jedoch weiterhin stur geradeaus.

Hinter uns tuschelte jemand etwas Unverständliches…

Gleich darauf spürte ich, dass mir Therese von der anderen Seite her sanft über den Arm strich, als ob sie mich trösten wollte. Hatte sie gesehen, dass Clemens mich berührt hatte?

Als ich sie anschaute, lächelt sie mich lieb an. Mit einem fragenden Blick in ihren Augen deutete sie auf Clemens. Ich glaube, ich wurde knallrot.

Energisch schüttelte ich den Kopf, zuckte mit den Schultern und wandte mich rasch wieder der Bühne zu.

Am Ende der Buchlesung herrschte eine seltsame Ruhe im Raum, viele Mitschüler verließen den Saal mit nachdenklichen Gesichtern.

Eigentlich wollte ich dem Autor noch ein paar Fragen stellen, zum Beispiel ob seine persönlichen Erfahrungen in das Buch eingeflossen sind oder auch… Aber ich traute mich dann doch nicht.

Draußen, auf dem Schulhof, zerstreute sich die Menge rasch. Es war ja Wochenende.

Resi, Maja, Paul, Clemens und ich standen noch ein paar Minuten zusammen am Eingang herum, niemand sagte etwas.

Schließlich meinte Paul wie beiläufig, „Wo war Tim heute überhaupt? Weißt du was Juli?“

Ich schüttelte stumm den Kopf, „nicht wirklich.“

Paul grinste wissend und ließ seinen Blick kurz zwischen mir und Clemens hin und her schweifen.

„Seit Tim in unserer Klasse ist, hängst du immer nur noch mit dem zusammen.

Das fällt auf, ey. Ist da was?“

Oh, Vorsicht Julian!

Maja fauchte ihren Freund an, „sag mal spinnst du jetzt oder was, Resi ist doch jetzt mit Tim zusammen, sie haben sich sogar schon gek…“

„Maja!“ Resi fiel ihr erschrocken ins Wort und schaute ihre Freundin empört an. Sie war knallrot geworden.

„Was denn, stimmt doch oder?“ Paul griente fies.

Ich rechtfertigte mich halbherzig, „na wir sind doch beide in der Laufgruppe und, na er wohnt doch auch bei uns im Dorf. “

Aber Paul hörte mir schon gar nicht mehr zu. „Also Juli, Sonntag um zehn in der Schwimmhalle? Wir haben ein Match gegen die Pokalsieger vom letzten Jahr. Kommst du?“ Paul war Wasserballer. Und trotzdem er auch erst, wie ich in der 8. Klasse war, war er der beste Schwimmer unserer Schule.

Aber nee, lieber nicht.

Erst letztens, beim Projekttag im Schwimmbad hatte ich eine Begegnung mit Paul, die mir dermaßen peinlich war, dass ich ihn vorerst lieber nicht mehr in einer Badehose oder gar nackt unter der Dusche sehen wollte. Paul, der auch in der Umkleide zum Sportunterricht seinen Platz neben mir hatte, hatte auch in der Schwimmhalle beim Umziehen wie selbstverständlich den Platz neben mir besetzt. Dann nach dem Schwimmen in der Umkleide konnte ich mich nicht zurückhalten und starrte Paul viel zu lange auf seine mehr als attraktive Beule in der Badehose. Er hatte das logischerweise mitbekommen und zog sich die Hose ganz ungeniert aus, so dass sein Schwanz mit einem schwungvollen Ruck kurz in die Höhe wippte. „Kommst du mit unter die Dusche Juli?“

Er grinste.

Ich nickte ertappt, „ja, gleich, äh ja…“ Sein knackiger Hintern zog an mir vorbei, das Wasser begann zu rauschen. Zögernd zog ich meine schlabbrige Badeshorts aus und schlich mit den Händen vor meinem Halbsteifen in die Dusche. Vorsichtshalber ließ ich zwischen uns eine Duschbrause frei. Paul bekam natürlich meinen inzwischen vollkommen steifen Ständer mit, sagte aber nichts.

Als er dann an mir vorbei in die Umkleide ging, raunte er mir nur zu „alles gut Juli, brauchst dich doch nicht zu verstecken, sieht gut aus.“ Er schmunzelte.

„Ich mein dein Sixpack.“

Hä, was sollte ich damit anfangen?

Clemens war am Projekttag in der Schwimmhalle übrigens kurzfristig „krank“ geworden.

Abends dann, allein in meinem Bett, hatte ich mir mit Pauls Schwanz vor meinem geistigen Auge einen runtergeholt. Einen solchen Megaabgang hatte ich selten…

Daran musste ich gerade denken, als Paul mich nochmal anstieß, „ey hörst du mir zu, kommst du Sonntag?“

„Mal sehn“, ich zuckte, mit den Schultern.

Obwohl ich genau wusste, dass ich nicht hingehen würde.

„Na dann tschüss Leute, bis irgendwann.“

Die Mädels verabschiedeten sich mit einem Küsschen voneinander. Paul schnappte sich sein Fahrrad und zog gemeinsam mit Maja los.

Resi schaute auf die Uhr, „Jungs, ich mach auch los. Ich muss nochmal in die Stadt. Macht’s gut.“

Sie gab mir und auch Clemens ein flüchtiges Küsschen auf die Wange und rauschte ab.

Da stand ich nun mit Clemens allein auf dem Schulhof, beide schwiegen wir.

Clemens war bei Resis Küsschen total steif und knallrot geworden. Jetzt knetete er seine Hände, als ob er mächtig nervös wäre.

Mit gesenktem Kopf schaute er intensiv auf seine Sneaker.

Er holte rief Luft, es schien ihm schwer zu fallen, er murmelte, „Juli, das, das… also das vorhin, also entschuldige, aber ich…“, er verstummte.

Als ob er auf etwas warten würde, blieb er noch stehen. Langsam hob er den Kopf und schaute mich unsicher an.

Ich aber war zu feige, ihm zu sagen, dass ich vorhin ebenso empfunden hatte, wie er und dass seine Berührungen mir gutgetan hatten.

Plötzlich hob er die Hand, sein Adamsapfel hüpfte vor Aufregung deutlich sichtbar, er flüsterte leise „na dann, tschüss bis Montag.“

Abrupt drehte sich der blonde Bursche von mir weg und ging mit großen Schritten und hängendem Kopf in Richtung Schultor. Ich sah ihm nach.

Ließ er nur deshalb die Schultern so hängen, weil sein Rucksack so schwer war, oder…?

Dann begann er sogar zu rennen…

Wieder musste ich schlucken. Clemens hatte sich mir ein wenig geöffnet. Und ich? Ich hab ihn nur stumm angestarrt, wie mag das auf ihn gewirkt haben?

Oh Mann, Julian Kiefer, was hast du gerade wieder angerichtet?

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