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Ich hab es mir nicht ausgesucht...

Wie alles begann...

Teil 23 - ...nicht vor dem Abend loben!

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Mit schlechtem Gewissen und einem unguten Gefühl trottete ich zur Bushaltestelle.

Der Bus fuhr eben von der Schulstraße auf die Hauptstraße hinaus, als ich hinter einem der Alleebäume eine schlanke Gestalt wahrnahm, die mit suchendem Blick auf den Bus schaute, Clemens! Er sah mir direkt in die Augen, vergeblich versuchte er sich noch rasch hinter dem Baum zu verstecken. Beschämt rutschte ich auf meinem Sitz nach unten.

Ein fremder Fahrer lenkte den Bus, wie gern hätte ich mit Herrn Holter über meinen Tag gequatscht. So aber hockte ich nachdenklich in meinem Sitz und schaukelte dem Wochenende entgegen.

Ich hatte gerade mal das Gartentor hinter mir geschlossen, als sich schon die Haustür öffnete und Mama in der Tür stand. Ich kam nicht mal dazu, meine Schuhe und Jacke auszuziehen, als sie schon wie aufgedreht lossprudelte.

„Juli, das ist schön, dass du so pünktlich kommst. Wie war dein Tag? Hast du Hunger? Ich habe deinen Lieblingskuchen vom Bäcker mitgebracht, den Quarkmohnkuchen.“

Ich war echt überrascht. „Mama, las mich doch erst mal ankommen. Bitte gib mir ne Viertelstunde. Ich möchte erstmal hoch in mein Zimmer. Dann muss ich nochmal auf’s Klo. Ich komm dann runter, ja?“

Sie schien irgendwie aufgedreht, was war bloß los? „Hast du Frau Konrad heute gesagt, dass ich am Wochenende kommen werde?“

Mama holte tief Luft, stutzte kurz, „ähm ja, hab ich. Na, dann bis gleich mein Schatz.“ Komischerweise verschwand sie unmittelbar danach in der Küche.

Ich hatte ihr kurzes Zögern wohl bemerkt, war aber in meinen Gedanken immer noch bei der Buchlesung, so dass ich dem keine weitere Beachtung schenkte.

Die fremde dunkelblaue Skijacke an der Garderobe und das zusätzliche Paar Winterschuhe bemerkte ich nicht.

Langsam stieg ich die Stufen zu meinem Zimmer hoch.

Clemens, ich hatte die ganze Heimfahrt im Bus seine traurigen Augen vor mir, als er auf dem Schulhof regelrecht weggerannt war.

Was machte das mit mir, warum muss ich immer daran denken?

Instinktiv schob ich meinen Rucksack mit dem Fuß unter den Schreibtisch und ließ mich lang auf‘s Bett fallen. Ich faltete die Hände unter dem Kopf und schloss die Augen.

Clemens‘ Hand auf meinem Knie hatte sich gut angefühlt. Offensichtlich hatten wir beide in diesem Moment das gleiche Gefühl, waren in unseren Gedanken eins.

Mir wurde klar, ich kenne Clemens, nein wir kennen uns seit der ersten Klasse.

Wir sind damals gemeinsam von der Grundschule ans Gymnasium gekommen, in die gleiche Klasse.

Ich kannte ihn länger als Resi!!!

Ich musste schlucken, Clemens und ich - ich und Clemens? Wie lange mag er mich schon beobachten und ich…? Mit einem kurzen Griff unter meinen Hosenbund ordnete ich die dort wachsende Enge.

Oh Scheiße, hab ich mich schon in den nächsten Jungen verguckt?

„Julian, kommst du dann bitte runter!“ Mama hatte „Julian“ gerufen, oh Gott.

Ehrlich gesagt, war ich so durcheinander, dass ich eigentlich keine große Lust hatte.

Aber ich hatte ihr zugesagt und sie war extra zum Bäcker gefahren.

Na ja und dann Quarkmohnkuchen…

Okay, ich erhob mich mehr oder weniger lustlos und stapfte die Treppe hinunter.

Ich hörte Mama aus der Küche, „was hast du denn noch so lange oben gemacht? Du hattest von einer Viertelstunde gesprochen. Geh schon mal in die Stube Schatz, ich komm gleich nach.“

Was war denn nur los, sie ist doch sonst nicht so nervig…

Durch die Glastür des Wohnzimmers erkannte ich den Schimmer einer Kerze. Als ich die Tür öffnete, flackerte sie durch den Luftzug ein wenig.

Ich trat näher an den kleinen Tisch an der Couch heran, er war hübsch gedeckt. Außer der Kerze stand dort auch ein kleiner bunter Blumenstrauß.

Ich stutzte, warum waren drei Gedecke auf dem Tisch? Jetzt fiel mir auch auf, dass der große Drehsessel, auf dem Papa abends meistens saß, mit der Rückenlehne zum Tisch zeigte.

Ich griff nach der Lehne und wollte den Sessel gerade umdrehen, als ich vor Überraschung leise aufschrie. Mir blieb vor Überraschung fast das Herz stehen.

Ein lustiger rotblonder Haarschopf streckte sich mir entgegen.

Mit dem Rücken zu mir, eng in den Sessel geduckt, saß Falk!

Mit großem Schwung drehte ich jetzt den Sessel ganz um und stoppte ihn, als Falk mit grinsenden Augen vor mir saß.

Ich war sprachlos.

Seine Nase und sein Mund waren von einer Schutzmaske bedeckt. Aber seine unbeschreiblich blauen Augen strahlten mich an.

Seine Stimme kam nur leicht gedämpft unter der Maske hervor.

„Na, Überraschung gelungen?“

Ich kniete mich vor den Sessel und legte meine Hände auf seine Knie. Ich konnte gleich gar nicht antworten, „du Falk, hier, also…“ Ich glaub ich hatte vor Freude feuchte Augen.

„Heulst du?“ Ich schüttelte den Kopf und knuffte ihm in die Rippen. „Nee, duu…“

Ich wusste vor Überraschung nicht wohin mit meiner Freude.

Mama war inzwischen auch ins Zimmer gekommen. Sie trat zu uns, tippte mich an.

„Juli lass doch deinen Gast erstmal Luft holen, bevor du ihn ganz für dich hast.

Wir wollen erstmal ein Stück Kuchen essen.“

Ich konnte meinen Blick aber nicht von Falk lösen.

„Juli, los ich möchte endlich Quarkmohnkuchen essen.“

Ich grinste ihn leicht fies an und zeigte auf seine Maske vor dem Mund, „so etwa?“

Mama hakte ein „nein, Juli, natürlich nicht. Komm setz dich neben Falk und hör zu.“

Ich rückte meinen Stuhl näher an den Sessel heran und schaute Mama erwartungsvoll an.

„Also, Falk hatte sich in den letzten Tagen irgendwo einen Virus eingefangen, deshalb war er auch zwei Tage im Krankenhaus. Aber das weißt du ja. Eigentlich ist er noch nicht ganz fit, aaaber.“

Sie schmunzelte Falk an „magst du weiter erzählen?“

Falk nickte. „Na ja, also ich durfte zwar gestern schon nach Hause aber muss noch immer meine Maske tragen wegen der Keime und so. Na und in die Schule durfte ich heute auch nicht. Aber meine Mama wollte mich auch nicht allein zu Hause lassen, wegen weil was passieren kann…“ Er verdrehte die Augen.

„Sie wollte zu Hause bleiben deswegen und hat dann ihre Chefin, Frau Kiefer angerufen, ob sie zu Hause bleiben kann. Die, also deine Mama, hatte dann die Idee, dass ich doch mit zur Arbeit kommen und dann mit zu euch kommen kann, also als Überraschung für dich. Dann könnte meine Mama nach der Arbeit auch noch in aller Ruhe Benny vom Kindergarten abholen. Ja und nun bin ich hier.“

Erwartungsvoll schaute er mich an.

Ich nickte einfach nur begeistert, „danke Mama, super Idee.“

Mama legte mir eine Hand auf den Arm, „aber ich durfte Falk nur unter Bedingung mitnehmen, dass er die Maske nur zum Essen ablegt.“ Sie machte eine bedeutungsvolle Pause, in der sie mir aufmerksam in die Augen sah.

Ich stutzte kurz, musste schlucken und zuckte dann mit den Schultern, „ähm, ja na klar.“

Sie ergänzte „und dass wir ihn gegen 18.00 Uhr wieder zu Hause abliefern.“

Ich warf einen Blick auf die Uhr, „ja, dann haben wir noch anderthalb Stunden, jetzt los Kuchen futtern.“

Falk nahm seine Maske ab, seine Augen strahlten wieder und sein Mund zeigte ein breites Grinsen, dass die lieblichen Grübchen an seinen Mundwinkeln noch mehr betonte. Ich konnte meinen Blick nicht gleich von ihm lösen.

Julian, du vertrödelst unsere Zeit.“

Das war jetzt Falk! Perplex sah ich ihn an. „Hast du gerade Julian zu mir gesagt?

Na warte, das kostet Rache.“

Er lachte laut auf, „na gut, aber erst mal Kuchen…“

Mama schaute etwas überrascht zwischen uns hin und her.

Ich glaube, so gut hatte mir der Mohnquarkkuchen noch nie geschmeckt.

Und so schnell war er auch noch nie verputzt worden.

Falk hatte brav wieder seine Maske aufgesetzt.

Wir dankten Mama nochmal für den Kuchen und die gelungene Überraschung und flitzten in mein Zimmer hoch. Noch auf der Treppe hörte ich Mama hinter uns herrufen, „Julian, die Maske bleibt aber drauf… und der Teddy in deinem Zimmer, klar?“

„Jaaaa Mama,…!“

Ich stöhnte leise auf. Was denkt sie denn von uns…?

Naja, vielleicht nicht ganz zu Unrecht.

Als Falk nach mir ins Zimmer trat, blieb er zunächst unschlüssig gleich hinter der Tür stehen.

Ich schob ihn ein Stück weiter und schloss die Tür hinter uns.

Ehrfürchtig ließ er den Blick durch mein Zimmer schweifen. Seine Augen wanderten über den Schreibtisch, die Sportposter an der Wand, die Flugmodelle an der Decke und mein Bett. Dort staunte er über den kleinen Teddy, der friedlich auf meinem Kopfkissen lag.

Er zeigte mit der Hand auf den Teddy, seine Augen schauten mich spöttisch amüsiert an.

„Häää…?“

Wortlos nahm ich den Teddy und hängte ihn innen an die Klinke.

Seine Augen nahmen einen fragenden Ausdruck an, jetzt musste ich grinsen.

Wir hatten bis jetzt noch kein Wort weiter gesprochen, ich zog ihn einfach weiter ins Zimmer und drückte ihn sanft rückwärts, so dass er sich auf die Bettkannte setzen musste. Er ließ es geschehen.

„Was ist das mit dem Teddy? Warum hatte deine Mama gesagt, er soll im Zimmer bleiben?“

Seine Stimme klang unter der Maske etwas dumpf, aber so lieblich, dass ich mich beherrschen musste, sie ihm nicht gleich abzunehmen.

Ich erklärte ihm, dass mich der Teddy vor unerwünschten Besuchen meiner Eltern in meinem Zimmer beschützt.

In seinen Augen las ich genau die Frage… „Immer, wie, auch wenn du?“

„Ja immer, auch dann, wenn ich… Das ist bei uns so vereinbart, keiner darf dann in mein Zimmer kommen. Deswegen muss ich auch niemals abschließen, wenn ich allein sein möchte. Aber sie wissen, dann, dass sie mich nicht stören dürfen. Oder ich auch nicht in ihr Schlafzimmer, wenn sie ...“

Kurze Pause, in der ich an die letzte Nacht dachte.

Ich ergänzte „na ja, meistens jedenfalls.“

Falk hatte sich auf dem Bett etwas zurückgelehnt und seine Hände hinter sich auf das Bett gestützt. Seine Augen zeigten mir, dass er mit nicht glaubte. Er schüttelte den Kopf. „Echt?“

Ich hatte mich inzwischen direkt vor ihm im Schneidersitz auf den Boden gehockt und nickte. „Echt!“

Ich schaute ihn nur an, einfach so. Beide schwiegen wir.

Ich musterte seine Augenbrauen, die sich über seinem Nasenansatz lustig kräuselten. Weiter wanderte mein Blick über seinen Haaransatz, seine blauen Augen und die rötlich schimmernden Wimpern, ich musste schlucken…

Am liebsten hätte ich sein Gesicht berührt.

„Was?“, kam es gedämpft unter der Maske hervor.

„Falk, du bist einfach so gekommen, bist hier und…“ „Ja, und nun?“

„Ich möchte dir am liebsten die Maske klauen und dich immer wieder anschauen.“

Seine Augen zeigten mir seinen Unwillen, er schüttelte den Kopf. „Nein Juli, bitte nicht.“

Ich zog eine beleidigte Schnute, „Manno, Falk!“

„Nein Juli, ich hab es versprochen und du auch, bitte nicht. Ich möchte nicht nochmal in diese doofe Klinik.

Ich schnaufte, „nur ganz kurz, bitte!“

Falk schüttelte zaghaft den Kopf, sagte jedoch nichts mehr.

Seine Augen aber verrieten mir, dass er mir doch gern den Wunsch erfüllen wollte...

„Darf ich?“

Zaghaft nickte er mir zu „Aber nur ganz kurz…, okay?“

Ganz langsam hob ich die Hände, ganz vorsichtig fasste ich mit den Fingerspitzen die Maskenschlaufen über seinen Ohren. Als ich ihn berührte, zog ein Kribbeln über Rücken bis in den Bauch hinunter.

Als ich die Schlaufen langsam über seine Ohren hob, schloss Falk die Augen.

Die Maske vor meiner Brust, hielt ich die Luft an. Eigentlich konnte ich ja am Mittwoch, als er matt und bloß vor mir auf seinem Bett lag, schon jedes Details seines Gesichtes und noch einiges mehr an ihm ausgiebig betrachten.

Aber jetzt und hier bei mir, so nah und anmutig… Am liebsten hätte ich ihn sofort geküsst.

Ich konnte meinen Blick nicht von ihm lassen.

Falk fing an zu lachen. „Juli, alles okay mit dir? Was ist so Besonderes an meinem Gesicht?“

Wieder musste ich schlucken. „Einfach alles, ich, ich möchte, gern würde ich dich…“

Seine Lippen bebten leicht.

„Nein Juli, das geht nicht, wir haben es… bitte, nein. Gib mir die Maske wieder, ich will nicht nochmal den ganzen Scheiß haben, Juli!“

Ich nickte ihm zu, „aber nur unter Protest. Wie lange musst du denn dieses doofe Ding noch tragen? Morgen auch noch?“

„Nee, nur noch heute, gib sie mir wieder, los.“

„Nur noch zehn Sekunden gucken, ja?“ Er schnaufte, „Mann ey, na gut.“

Die zehn Sekunden vergingen viel zu schnell. „Darf ich sie dir aufsetzen?“

Er nickte.

Ich genoss die Momente, in denen ich ihm die Schlaufen wieder über die Ohren zog. Meine Finger streichelten ihm dabei natürlich ganz unabsichtlich seine Wangen.

Ich konnte meine Augen nicht von seinem Gesicht lösen.

Ich legte meine Hände auf seine Knie, er wehrte sie nicht ab. Zögernd streichelten sie die Oberschenkel hinauf, nur ein kleines Stück. Falk griff sofort meine Hände und stoppte die Bewegung, „nicht Juli… ich äh, du, nein lass. Bitte.“ Ich nickte.

In meiner Hose spürte ich den beginnenden Alarm. Falk, muss das auch gespürt haben, denn sein Blick wanderte aufmerksam in meinen Schritt. Er grinste wissend. Kurz verschwand seine linke Hand unter dem Hosenbund, offensichtlich musste auch er dort etwas Ordnung schaffen.

Wir grinsten uns gegenseitig an und fingen an albern zu lachen.

„Jungs kommt ihr dann bitte wieder runter, es ist gleich halb sechs. Wir müssen los!“

Mamas Ruf riss uns aus dieser vertrauten Situation. Ich stöhnte auf „Mist.“

Nebeneinander stiegen wir die Treppe hinunter. Während wir uns die Schuhe und Anoraks anzogen, kam Mama dazu.

„Juli, hast du Tim schon angerufen? Seine hatte Mama am Telefon gefragt, warum du dich noch nicht bei ihm zurückgemeldet hast. Er hatte dir doch geschrieben und wartet auf deinen Anruf, vergiss es bitte nachher nicht.“

Ich schaute erschrocken zu Falk. Rumms, das hatte gesessen. Sein Gesicht war auf einmal wie versteinert.

Augenblicklich bemerkte ich, dass Falks Körper sich versteifte und er drehte sich von mir weg.

„Mama“, konnte ich gerade noch zischen, als Falk schon die Haustür geöffnet hatte und vor die Tür trat.

„Was?“ Mama schaute fragend, sie hatte gar nicht begriffen, was sie in diesem Moment in Falk ausgelöst hatte. Eilig ging auch ich vor die Tür. Falk stand schon am Auto, als Mama den Wagen entriegelte, stieg er hinten ein und zog die Tür vor meiner Nase zu.

Als ich ebenfalls hinten einstieg, rutschte Falk auf die andere Seite der Rückbank, so dass ein Abstand zwischen uns entstand. Wortlos schnallte er sich an und schaute demonstrativ aus dem Fenster.

Ich hatte es geahnt.

Mama startete den Wagen. Während der ganzen Fahrt sprach keiner von uns ein Wort. Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche. Als ich drauf schaute, wurde eine Nachricht von Tim angezeigt. Verstohlen warf ich einen Blick zu Falk. Er hatte das Summen auch gehört und schaute mich in diesem Moment an. Als ob er Gedanken lesen könnte, zog er eine säuerliche Mine und schaute demonstrativ wieder aus dem Fenster. Langsam schob ich meine Hand zu Falk rüber, wolle seine berühren.

Er zog sie, ohne hinzusehen, einfach weg.

Mama schaute während der Fahrt zwei, drei Mal fragend in den Rückspiegel, aber ich wendete meinen Blick ab und starrte gefrustet aus dem Fenster.

Kaum hatte Mama den Motor ausgeschaltet, hatte Falk schon seinen Gurt gelöst. Er sprang aus dem Auto und eilte mit schnellen Schritten zur Haustür.

Er hatte anscheinend keinen Schlüssel mit, denn hastig und nervös tippte er mehrfach auf den Klingelknopf, bis schließlich der Türöffner summte. Bennys helle Stimme schallte aus dem kleinen Lautsprecher „Hallo Falki, ist Juli auch mitgekommen?“ Aber der Große reagierte nicht auf die Frage seines kleinen Bruders, mit beiden Händen stieß er die Haustür auf, wartete kurz bis wir hinter ihm waren und stürzte dann, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinauf.

Mama hielt mich kurz zurück und sah mich fragend an. „Was ist in deinem Zimmer passiert, was hast du mit ihm gemacht, dass er so drauf ist?“

Ich fauchte sie an „gar nichts ist passiert, aber du, ach…“ Ich winkte ab.

Ich stieg, ohne mich umzudrehen, vor ihr die Stufen hoch.

Allerdings wartete ich oben an der offenstehenden Wohnungstür auf sie.

Dort erwarteten uns Frau Konrad und ein unruhiger Benny schon. Falk war inzwischen schon ins Wohnzimmer verschwunden. Durch den Korridor konnte ich erkennen, dass er sich auf die Couch gesetzt hatte.

Frau Konrad begrüßte Mama und mich ganz freundlich, als sie mir die Hand drückte, erkannte ich eine gewisse Unsicherheit in ihren Augen. „Julian, was ist passiert? Warum ist Falk, na, also warum ist er so komisch?“

Ich wich ihrem Blick und zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht…“

Ich bekam aus den Augenwinkeln mit, dass sich die beiden Frauen ratlos anschauten und mit den Schultern zuckten.

„Na kommt erstmal rein und setzt euch einen Augenblick.“

Im Wohnzimmer war etwas mehr Platz als im Flur und ehe ich überhaupt wusste, wir mir geschah, sprang Benny an mir hoch und legte seine Ärmchen um meinen Hals und schlang seine Beine um meine Hüfte. Er jubelte, „Juli, endlich bist du wieder da!“ Ein dicker Schmatzer landete auf meiner Wange. Ich war ein wenig überrumpelt und hielt ihn fest.

Falks Mama lachte herzlich auf, „Benny, lass Julian am Leben. Er möchte doch morgen wieder zu uns kommen und Falk ein bisschen bei der Schule helfen.“

An Benny vorbei warf ich einen Blick auf Falk, der zusammengekauert, mit verschränkten Armen und abweisendem Gesicht auf der Couch hockte. Er schaute mich direkt an.

Auf einmal blaffte er seinen kleinen Bruder an, „Benny, lass Julian in Ruhe, geh runter von ihm!“

Mit erschrockenen Augen sah Benny zu seinem Bruder hin, ich ließ ihn langsam von mir herunterrutschen. Es herrschte eine unangenehme Stille im Raum.

Frau Konrad räusperte sich und wandte sich an mich „ja also Julian, nochmal vielen Dank, dass du dich letztens so nett um Falk gekümmert hattest und ihm auch morgen noch beim Nacharbeiten helfen möchtest.“ Ich nickte nur unsicher.

Mama wollte die komische Situation auflösen und meinte „na dann, wir müssen auch weiter. Komm Juli, wir fahren gleich nochmal zum Haus von Tims Eltern, wir werden dort mal nach dem Rechten sehen.“

Rumms!

Mit einem lauten Knall krachte die Kinderzimmertür hinter Falk ins Schloss.

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