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Ich hab es mir nicht ausgesucht...
Wie alles begann...
Teil 17 - Bedingungslos
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Informationen
- Story: Ich hab es mir nicht ausgesucht...
- Autor: Julian K.
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Coming Out
Inhaltsverzeichnis
Tim
Während der Bus in Richtung unseres Dorfes schaukelte, hatte ich Juli vor meinen Augen, wie er erschrocken, ja erstarrt dastand, nachdem ich ihn angebrüllt hatte. Gleichzeitig kam ich mir fies vor, wir hatten uns was geschworen, nämlich ehrlich zu sein. Aber war ich aufrichtig? Ich wollte ihm ja sagen, dass ich oft, sehr oft von ihm aber auch immer wieder von Therese träumte. Aber auch er schien immer neue Ausreden zu haben, so dass wir uns nicht miteinander aussprechen konnten. Oder was war das vorhin, er müsste in der Stadt was erledigen… Ich durfte nicht dabei sein, was hatte er für ein Geheimnis, hat er eine Freundin? In Gedanken versunken bemerkte ich nicht, dass der Bus schon ein paar Minuten an unserer Haltestelle stand, ein lautes Hupen riss mich aus meiner Träumerei. Die jüngeren Schüler waren schon längst ausgestiegen, die Türen waren noch geöffnet. Der Bus war leer. Unser Busfahrer schaute mich fragend im Rückspiegel an, „Timmi, magst du mal zu mir nach vorn kommen?“ Einen Moment überlegte ich, ja er meinte mich. Ich erhob mich und setzte mich zu ihm nach vorn und schaute ihn einfach fragend an. Er kontrollierte im Rückspiegel nochmal das Fahrzeug, dann schloss er die Türen. „Magst du mir was erzählen, ich mein, so verdattert wie heute hab ich dich noch nie gesehen. Sei mir nicht bös, aber ich bemerke schon seit einigen Tagen, dass du etwas in deinen Gedanken mit dir herumschleppst. Ich sehe auch, dass es zwischen dir und Julian irgendwie knirscht. Na und, dass das Mädchen aus dem Nachbardorf und du, da sehe ich Signale.“
Sprachlos starrte ich ihn an. „Es geht mich nichts an, aber mein Junge, der Max, also eigentlich Maximilian, ist dreizehn, etwa so alt wie ihr, also ich glaube, ich kann ein wenig verstehen, wie ihr euch manchmal fühlt. Aber wir reden dann miteinander über seine Empfindungen oder Gedanken. Oder auch wenn er mal Krach hat mit jemandem, das hilft ihm meistens.“ Ich nickte ihm zu, sagte aber nichts.
„Wenn du aussteigen möchtest, dann drück einfach hier diesen Knopf, ich geh mal hinten nach dem Rechten sehen.“ Ich schaute hinter ihm her, wie er ganz langsam durch den Bus ging, hier und da die Gurte ordnete, die Sitzlehnen aufrecht stellte und auch etwas Papier in einer Mülltüte sammelte. Ich blieb sitzen. Gemächlich kam er wieder nach vorn und ließ sich auf dem Fahrersitz nieder. Ich stand auf, trat zu ihm, „danke, wie heißen Sie eigentlich?“ „Ich bin Stefan Holter, wofür bedankst du dich Tim, ich hab doch gar nichts gemacht?“ Ich streckte ihm die Hand hin und meinte, „…doch, dafür - Sie haben mir klargemacht, dass ich mich mit Julian über uns und auch über Resi aussprechen muss. Und wenn ich darf, schönen Gruß an Ihren Max, er hat einen tollen Papa.“ Er schmunzelte, ergriff meine Hand, drückte sie herzhaft, „danke für das Kompliment, den Gruß richte ich gern aus. Dann freu ich mich, ich wünsch euch gutes Gelingen.“
„Darf ich?“, ich zeigte auf die Armaturen, er nickte grinsend, „bis morgen, Tim.“ Er drückte meine Hand nochmal, ich tippte mit der anderen auf den grünen Knopf. Zischend öffnete sich die vordere Tür. Kurz winkte ich ihm nach, als er den Bus wieder in Bewegung setzte. Ein langer Hupton hallte aus der nächsten Kurve zu mir zurück.
Beschwingt begab ich mich auf meinen Heimweg, von weitem konnte ich einen Blick auf das Haus von Julis Eltern werfen, sein Fenster in der ersten Etage war geschlossen, klar, er war ja in der Stadt geblieben. Zu Hause ließ ich meine Schulsachen erst einmal in meinem Zimmer fallen, ich hatte jetzt großen Appetit auf den Rest des Mittagessens vom gestrigen Tag. Schnell hatte ich die Mikrowelle in Gang gesetzt, aus dem Kühlschrank holte ich mir eine Limo dazu. Kurz stand ich vor der offenen Speisekammer und streckte meine Hand schon nach einer Banane aus, ich grinste in mich hinein, nee - Tür zu! Satt lud ich mir dann in meinem Zimmer am Laptop die Aufgabenstellungen für den Rest der Woche herunter. Oh Mann, da hatten uns die Lehrer, seit ich gestern nicht in der Schule war, aber noch einige Brocken vorgegeben. Ob Juli die schon erledigt hatte? Juli, wieder waren meine Gedanken bei ihm. Mit der Aufgabe in Bio wusste ich nichts anzufangen, da fehlte mir die gestrige Stunde. Gern hätte ich jetzt Juli angerufen, aber wieder kam mein falscher Stolz durch, der hatte bestimmt gerade keinen Bock auf mich. Er war ja in der Stadt. Therese anrufen, nee, das traute ich mich nicht, vielleicht denkt die dann, ich such nur nen Vorwand, um mit ihr zu quatschen, dass ich was von ihr will… Ich starrte auf den Bildschirm… wollte ich ja auch. Aber… nee, lieber nicht. Erstmal musste ich mit Julian reden, bevor ich mir bei Therese den Mund verbrenne. Er konnte mir bestimmt was zu Resi erzählen, sie kannten sich seit der Grundschule. Ich holte tief Luft, dann also doch Juli anrufen… Sein Handy klingelte, aber er ging nicht ran. Das war ungewöhnlich, er hatte doch gesagt, dass er in die Stadt wollte, komisch. Na gut, kurz überlegte ich, ob er schon zu Hause sein könnte. In meinen Kontakten suchte ich nach der Festnetznummer von Kiefers und drückte die Taste kurzentschlossen. Es klingelte auf der anderen Seite, zweimal, dreimal, gerade wollte ich den Anruf beenden, da meldete sich Julis Mutti, „ja hallo, Kiefer, Entschuldigung, ich war in der Küche.“ Ich war erschrocken, dass Julis Mama zu Hause war, das hatte ich nicht vermutet. Ich brauchte einen Augenblick, um zu reagieren.
„Hallo, wer ist dort?“ „Ja, hallo guten Tag Frau Kiefer, ich bin’s Tim, kann ich Julian bitte mal sprechen, ich erreiche ihn nicht auf dem Handy.“ Jetzt eine kurze Pause auf der anderen Seite, so als ob Julis Mama etwas überlegte, dann „hallo Tim, äh, nein, tut mir leid, Julian ist nicht zu Hause, also noch nicht.“ „Wissen Sie denn, wo er ist?“ Wieder einen Moment Schweigen, das kam mir seltsam vor. „Ähm, Timmi, hat er dir denn nicht gesagt, dass er… er wollte in der Stadt etwas erledigen. Redet ihr nicht miteinander?“ Ich schwieg einen Augenblick, „doch schon, aber… ich wollte ihn nur mal was fragen... äh, zu den Biohausaufgaben. Ich ruf wieder an, danke.“ Schnell hatte ich das Gespräch weggedrückt. Hatte er also doch nicht gelogen, dass er etwas in der Stadt erledigen sollte, aber warum hat er mich dann so strikt abgewimmelt? Ein kleiner Zweifel blieb in mir und warum geht er nicht ans Handy? Ich wendete mich wieder meinen Aufgaben zu. Als nächstes Englisch, nicht schwer aber viel, was hatte „Foxi“ sich nur dabei gedacht? Ich stöhnte vor mich hin, immer wieder schweiften meine Gedanken ab. Die wenigen Matheaufgaben hatte ich mir, außer Bio, bis zum Schluss aufgehoben, sie waren schnell erledigt. Ich hatte bei allem gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergangen war, es dunkelte bereits und das Handy zeigte mir, dass es bereits kurz vor siebzehn Uhr war. Ja, das Handy, ich drückte Julis Nummer, immer noch nichts. Was sollte das? Nervös drückte ich erneut die Nummer von Julis Eltern, wieder meldete sich seine Mama, „hallo Tim, nein, er ist noch nicht da, bestimmt kommt er mit dem sechser Bus, soll ich ihm denn was ausrichten oder du rufst du ihn dann später auf dem Handy an?“ „Er geht ja nicht ran“, antwortete ich jetzt etwas schroff. „Da kann ich dir im Moment auch nicht weiterhelfen, tut mir leid…“ „Ja, danke Frau Kiefer, entschuldigen Sie bitte die Störung.“ „Aber Timmi, du störst doch...“ Ich hatte schon die rote Taste gedrückt. „Mist“, ich fluchte vor mich hin. Wütend auf mich selbst warf ich mein Telefon auf das Bett.
Ich hörte, wie die Haustür aufgeschlossen wurde, schnell flitzte ich gegenüber in mein Badezimmer und schaute in den Spiegel. Mein Knutschfleck am Hals war immer noch etwas sichtbar, mein Veilchen unter dem Auge hatte sich gelblich verfärbt, war aber nur noch ganz wenig erkennbar. Etwas erleichtert schaufelte ich mir einige Hände voll kaltes Wasser ins Gesicht und trocknete mich kurz ab. Als ich die Treppe hinunterstieg, sah ich am Garderobenhaken die Jacke von Vati hängen. Oh, Shit, eigentlich hatte ich Mutti erwartet, die kannte ja meine „Schönheitsmerkmale“ schon, aber ob ich Vati auch davon überzeugen konnte, dass die vom Sportunterricht stammten? Gerade als ich noch überlegte, was ich tun kann, öffnete sich die Wohnzimmertür und Vati begrüßte mich freudig, „hallo Timmi, schön, dass wir uns endlich mal wiedersehen. Es tut mir leid, aber in den letzten Tagen war in der Stadt ein wenig die Hölle los. Wir bekommen in den nächsten Tagen Besuch von einer hochrangigen ausländischen Wirtschaftsdelegation, die auch von einigen wichtigen Politikern begleitet wird. Übrigens ist da die Firma von Julians Papa auch eingebunden, na und er als Chef auch. Na und, da muss einiges vorbereitet werden, aber nun habe ich erstmal einen ganzen Tag frei.“ Ich blieb auf der Treppe stehen, „Ach Vati, das ist schön, aber ich trau dem Frieden noch nicht, erst, wenn du wirklich einen Tag hier warst.“ Er lachte, „komm her mein Großer, jetzt bin ich ja da.“ Er trat auf mich zu und zog mich einfach an sich. Ich umarmte ihn und flüsterte ihm ins Ohr, „ach Vati, manchmal fehlst du mir so sehr, Mutti ist sehr lieb, aber einiges kann ich doch nicht so mit ihr bereden. Da fehlst du mir.“ Ich musste kräftig schlucken, ich hatte selbst nicht gewusst, dass ich ihn so vermisst hatte in den letzten Tagen. Er schob mich ein wenig weg von sich und musterte mich, „so? Was gibt es denn für Probleme, mein Großer, Schule?“ ich schüttelte nur den Kopf. „Mit Julian?“ Ich nickte ganz leicht. „Magst du drüber reden?“ „Wieder schüttelte ich nur den Kopf, „nein, ich muss selbst erst noch viel nachdenken und da ist noch was, du kennst doch Therese…?“ Er sah mir jetzt fest in die Augen, nickte. „Ist was passiert?“
Ich schüttelte heftig den Kopf, „nein, nicht was ihr Großen immer gleich denkt, ach lass mich“! Ich löste mich abrupt von ihm, drehte mich weg „ich mach dann Abendbrot, sicher kommt Mutti auch gleich.“ Vati blieb etwas ratlos im Flur stehen, als ich in der Küche verschwand. Eine kurze Zeit später vernahm ich das Geräusch der Räder von Muttis Auto auf dem Kiesweg. Ich hörte, wie sich meinen Eltern lieb im Flur begrüßten, dann ein leise geführtes Gespräch zwischen ihnen. Sicher hatte Vati Mutti von unserer Unterhaltung erzählt. Ich schämte mich meines Gefühlsausbruchs. Die Küchentür öffnete sich leise hinter mir, ein paar starke Arme legten sich um meinen Oberkörper und ein liebevoll gehauchtes Küsschen landete in meinem Nacken. Vatis Stimme, „Timmi, Liebling, entschuldige, dass ich so taktlos war, lass das Abendbrot Abendbrot sein, ich lad uns alle ein, komm wir machen uns einen schönen Abend beim Italiener in der Stadt. Wir laden uns ein.“ Seine starken Hände drehten mich zu sich hin. Mutti stand im Hintergrund der Küche und lächelte mich lieb an. „Timmi, bitte nimm Vatis Einladung an, wir haben dich sehr lieb, du bist doch unser Spatz.“
Das war wie ein Zauberwort für mich, ich war fünfzehn Jahre alt, aber wenn Mutti oder Vati mich „kleiner Spatz“ nannten, war ich wieder der kleine Junge. Meine Selbstbeherrschung war dahin, aufschluchzend und weinend fiel ich Vati um den Hals, ging dann zu Mutti und flüsterte ihr ins Ohr, „ich hab euch doch auch lieb, ganz sehr sogar. Nur manchmal ist alles so kompliziert.“ Vati kam dazu, streichelte mir über den Rücken, „ich geh dann schon mal das Auto aus der Garage holen, ja? In zehn Minuten Start?“ Ich nickte erleichtert. Mutti fragte schnell, „hast du alle Aufgaben für morgen schon geschafft?“ „Ja, alles fertig bis auf Bio, aber das ist erst zu Freitag, da muss ich Julian oder… also da muss ich noch mal jemanden fragen.“
Sie verschwand schnell nochmal ins Bad, ich machte mein Gesicht im oberen Bad wieder frisch und griff nach meinem Handy, das ich vorhin aufs Bett geworfen hatte. Kurz starrte ich darauf und dachte nach. Dann aber legte ich legte es auf den Schreibtisch und beschloss, es heute nicht mehr anzuschauen. Mutti hatte sich im Auto auf den Rücksitz hinter Vati gesetzt. Ich wollte mich gerade zu ihr nach hinten setzen, als Vati mir bedeutete, dass er mich gern neben sich haben würde. Erstaunt, aber auch ein wenig stolz, nahm ich auf dem Beifahrersitz Platz. Vorsicht fuhr Vati die schneebedeckte Dorfstraße in Richtung der Landstraße. Von links, aus Richtung der Stadt, rollte der sechs Uhr Bus heran, wir mussten ihm die Vorfahrt gewähren. Unmittelbar vor der Einmündung ins Dorf hielt der Bus dort an der Haltestelle. Wir mussten warten, bis der Bus abfuhr, um freie Sicht auf die Landstraße zu bekommen. Eine ältere Frau war langsam ausgestiegen. Hinter ihr tauchte im Ausstieg jemand mit einem Schulrucksack auf - Julian! Total überrascht davon rief ich halblaut, „da, Juli!“ Als der Bus abgefahren war, lenkte Vati auf die Hauptstraße ein und beschleunigte gefühlvoll. Mutti hatte zurückgeschaut, „wo kommt der denn jetzt erst her, so spät? Hatte er denn noch eine Veranstaltung?“ Ich antwortete, „nee, der war in der Stadt, musste noch was erledigen.“ Meine Stimme muss wohl etwas verbittert geklungen haben. Vati blickte mich kurz von der Seite an. Ich bemerkte seinen fragenden Blick sehr wohl, stierte aber wortlos auf die vor uns liegende Straße…
Etwas später als normalerweise kam ich ins Bett. Es war mal wieder ein schöner gemeinsamer Abend mit meinen Eltern, nachdem Vati so oft in den letzten Tagen und Wochen nur kurz über Nacht oder oft auch gar nicht nach Hause kam. Das Essen war sowieso lecker, ich hatte aber darauf geachtet, mir den Magen nicht so voll zu stopfen, denn am nächsten Tag war wieder Training bei Herrn Kusche. Wir redeten über alles Mögliche, über die Schule, Muttis neue Stelle in der Bank, das Lauftraining, den möglichen nächsten Urlaub und vieles mehr. Bestimmt erwarteten meine Eltern auch, dass ich etwas zu meinen Sorgen und Problemen erzählen würde. Aber ich hatte nicht den Mut dazu, ich musste mir doch selbst erstmal klar werden, was ich wollte. Und irgendwie mochte ich auch die gute Stimmung an diesem schönen Abend nicht mit dem Reden über mich, meine Streiterei mit Juli und meine Gefühle gegenüber Therese verderben. Es war schön, eine Zeit lang nicht daran zu denken.
Allerdings, dann später wieder allein unter der Dusche, holte mich die Erinnerung an ein schönes Wochenende mit Juli zusammen bei uns zu Hause wieder ein. Wir hatten uns so tief vertraut, was war geschehen, dass unsere Zuneigung zueinander einen Knacks bekommen hatte? Was hatte er für einen Grund, mir aus dem Weg zu gehen? Ich konnte mir nur eine Erklärung denken; er hatte bemerkt, dass Therese und ich Blicke tauschten, er hatte gesehen, dass sie mir zugewinkt hatte und er hatte wohl auch mitbekommen, dass ich in Resis Nähe immer mal einen Steifen bekam. Das war mir ja selbst peinlich, aber ich konnte nichts dagegen tun. War er etwa eifersüchtig auf sie? Ja, ich war neugierig geworden auf Therese, aber deswegen würde ich doch die tiefe und bedingungslose Bindung zu Juli niemals aufgeben. Oder konnte Therese das verlangen? Ich musste unbedingt mit Juli reden, am besten gleich morgen, egal was er sagt, ich würde ihm sagen, dass ich ihn nach wie vor liebe und auch von ihm träume. Da passte auch keine Therese dazwischen.
Die Dusche war inzwischen ausgegangen, ich stand immer noch nackt und grübelnd in der Duschkabine als Vati an die Badezimmertür klopfte, „Timmi, mach Schluss, es ist schon spät.“ Ich erwachte aus meinen Gedanken, „ja Vati, ich bin dann fertig.“ „Gute Nacht, großer Spatz, Küsschen auch von Mutsch, schlaf gut.“ Ich musste grinsen, großer Spatz, na gut. Eine Weile wälzte ich mich im Bett noch hin und her, ehe ich dann irgendwann in einen tiefen traumlosen Schlaf fiel. Der Wecker kündigte dann gnadenlos den neuen Tag an.
Julian
Oben in meinem Zimmer ließ ich mich rücklings auf mein Bett fallen. Ich hatte die Hände unter dem Kopf verschränkt und starrte an die Decke. In Gedanken ging ich nochmal den Nachmittag durch, Tim hatte mich angebrüllt und war dann einfach abgehauen. Ich war bei Falk, ich hatte mich dort sofort wohlgefühlt, auch wenn es ihm gar nicht so gut ging. Ich hatte mich um ihn gekümmert, es hat mir gutgetan. Ich glaube, es hat ihm geholfen, dass ich bei ihm war. Er, der so einen starken Körper hatte, lag so hilflos, schwach und verletzlich vor mir, ich hätte ihn streicheln und umarmen mögen. Hab ich natürlich nicht, er war ja krank und außerdem wusste ich ja überhaupt nicht, ob er das auch gewollt hätte. Aber sein bedingungsloses Vertrauen, sein dankbares Lächeln und dass er sich mir gegenüber ohne jegliche Scheu gezeigt hatte, machten mich in diesem Moment glücklich. Ich hatte mich nicht getraut, ihn weiter zu berühren und war mir doch sicher, auch so hatte er meine Zuneigung gespürt.
Was aber würde Tim dazu sagen? Im nächsten Augenblick verließ mich meine Zuversicht, ich war in Falk vernarrt, aber ich sehnte mich auch danach wieder mit Timmi zusammen zu sein, seinen Körper zu spüren, ihn zu berühren. Ich schloss die Augen und genoss wieder die Erinnerung an das Wochenende mit ihm. Mein Glied begann wie von selbst anzuschwellen, ich fühlte, wie sich meine Eichel am Stoff der Boxershorts rieb und immer stärker wurde das bekannte Summen in meinen Hoden. Ich sprang auf, stieg aus meinen Sachen und flitzte nackig in meine Dusche. Sicherheitshalber verriegelte ich, anders als sonst, die Tür. Der warme Strahl der Dusche fühlte sich wunderbar an. „Tim, Falk, Falk, Tim“, waberten meine Gedanken durcheinander. Meine Hand umschloss fest meinen Ständer und langsam steigerte ich das Tempo meiner Hand… Der harte Wasserstrahl traf dabei im gleichen Rhythmus meine empfindsamste Stelle, ich zuckte jedes Mal zusammen. Mit geschlossenen Augen lehnte ich mich an die Wand der Dusche. Mit beiden Händen stützte ich mich an der Wand ab und reckte meinen Bauch so weit nach vorn, dass der Duschstrahl meine sensible Stelle immer weiter stimulierte. Es dauerte keine zwei Minuten bis ich das Zucken spürte, die aufsteigende Woge war nicht mehr zu stoppen. Ohne dass ich etwas tun konnte, schoss mein Samen gewaltig aus mir heraus und flog bis an die gegenüberliegende Duschwand. Verblüfft konnte ich nur zuschauen, fünf, nein sechs Mal flog das weiße Zeug in hohem Bogen durch die Duschkabine. Ich rutschte erschöpft an der Duschwand herab und kam mit dem nackten Hintern auf dem Boden zu sitzen. Mein Puls raste und immer noch zuckte mein Schwanz, jetzt schon schlaffer werdend, doch immer noch kroch etwas weißer Schleim heraus.
Einige Minuten saß ich noch auf dem Boden der Dusche, der Wasserstrahl prasselte weiter auf mich herab und spülte die weißen Spuren restlos hinweg. Noch leicht benommen rappelte mich auf und stellte die Dusche ab. Den Bademantel ließ ich in meinem Zimmer auf den Boden fallen und zog gleich mein Nachtzeug an. Langsam fing ich mich wieder. Noch geflasht sortierte ich mein Schulzeug für morgen, sorgfältig kontrollierte ich meine Trainingsklamotten. Die Tights legte ich griffbereit ganz obenauf. Ich schaute mich suchend um, wo war mein Handy. Mist, ich war ja vorhin aus der Küche „geflohen“, es hing unten noch am Ladekabel.
Also stieg ich nochmal nach unten. Durch die Wohnzimmertür hörte ich den Ton im Fernsehgerät. Mama hatte es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht, im Fernseher lief eine Doku über ein historisches Thema. Leise schloss ich die Tür hinter mir, Mama blickte auf, lächelte mich an und klopfte leicht mit der Hand auf den Sessel neben sich, in dem sonst Papa seinen Stammplatz hatte. Mama schaltete den Fernseher aus. „Schön mein Großer, dass du nochmal runterkommst. Komm setz dich noch ein bisschen zu mir. Oder bist du schon sehr müde?“ Ich schüttelte den Kopf. Auf dem Couchtischchen standen zwei Gläser und eine Flasche Orangensaft. „Magst du ein Glas Saft?“
Ich war verunsichert, warum hatte sie zwei Gläser auf dem Tisch? Papa war doch gar nicht zu Hause, hatte sie etwa damit gerechnet, dass ich noch mal runterkommen würde? Ich war mal wieder überrascht, wie gut meine Eltern mich einschätzen konnten. Ich erwartete jetzt natürlich, dass Mama mir etwas über das Telefonat mit Frau Konrad, also Falks Mama, erzählen würde. Aber nein, sie lehnte sich zurück und blätterte in einer Zeitschrift. Ich hielt es nicht lange aus, schließlich fragte ich, was denn die Kollegin vorhin am Telefon wollte. Mama stellte vorsichtig ihr Glas auf dem Glastisch ab und sah mich lieb an. „Was denkst du denn?“ Stille, was sollte ich darauf sagen, ich zuckte mit den Schultern. „Das war doch die Mama von Falk, Frau Konrad?“ Sie nickte. „Na ich hätte wahrscheinlich nicht zu Falk nach Hause gehen dürfen, er ist doch krank, wegen anstecken oder so. Bestimmt hat sie sich dann bei dir beschwert, weil ich einfach so in der Wohnung war, aber Falk hat mich doch reingelassen. Ich hab doch auch gar nichts angefasst oder kaputt gemacht, ich… Und ich hab ihm doch nur etwas geholfen, als er… da hab ich...“ Ich verstand die Welt nicht mehr, sah Mama in die Augen. Sie schmunzelte. Jetzt war ich total durcheinander, „warum lachst du über mich? Sie hat dann doch auch sehr freundlich getan mir gegenüber, Kuchen und Kakao angeboten. Warum war sie denn nicht ehrlich zu mir?“
Jetzt lachte Mama laut auf. Ich sprang auf, „Mama, ich hab echt nichts Schlechtes gemacht, ich wollte doch nur, Falk war, er hat, ich…“
Mama fasste mich an der Hand, zog mich zu sich heran auf ihren Schoß, „komm mal her zum Kuscheln, mein großer und lieber Sohnemann.“ Sie legte liebevoll die Arme um mich und kuschelte sich an meine Schulter. „Ich soll dir einen ausdrücklich lieben Gruß von Falk sagen und dich ganz doll drücken von seiner Mama. Sie hat sich ganz herzlich bedankt, dass du so aufmerksam, umsichtig und liebevoll zu ihm warst. Ja, das hat sie gesagt. Als er vorhin wieder wach wurde, hat er wohl als erstes nach dir gefragt und warum du nicht mehr da bist. Er wollte dich gleich nochmal anrufen, aber das hat sie nicht erlaubt, er ist noch zu schwach. Dann hat er mitbekommen, dass wir Kolleginnen sind und sie musste ihm versprechen, dass sie nochmal bei uns anruft.“
Mit offenem Mund war ich ihren Worten gefolgt. „Dann ruf ich ihn gleich nochmal an.“ Ich wollte aufstehen, aber Mama hielt mich sanft zurück, „nein Schatz, er wird schon schlafen und zudem hat seine Mama, nachdem er eingeschlafen war, sein Telefon mit in die Stube genommen. Er braucht seine Ruhe und auch sein kleiner Bruder darf heute mit in Mamas Bett schlafen. Und er soll doch bald wieder fit sein, das möchtest du doch bestimmt auch?“ Ich war etwas sauer, überlegte kurz dann nickte ich. „Mama bitte“, sie schüttelte energisch den Kopf. „Aber morgen schaff ich es nicht zu ihm zu gehen, wir haben doch Training bis halb sechs, da schaff ich immer gerade so den letzten Bus.“ Mama dachte einen Augenblick nach, „morgen ist Donnerstag, da habe ich Spätdienst bis neunzehn Uhr, ich könnte dich bei Konrads abholen und mitnehmen, aber“, sie machte eine Pause, „aber das besprechen wir morgen noch mit Falks Mama, das hängt davon ab, wie es Falk geht, einverstanden?“ Ich nickte, „danke Mama.“ Noch einmal umarmte ich sie, sie bekam ein Küsschen auf die Wange. „Ach und noch was, das hätte ich beinahe vergessen“, ein dicker Schmatzekuss landete auf meiner Wange. „Hä?“ „Der ist von Falks kleinem Bruder, Benjamin, glaub ich. Extra für dich geschickt.“ Jetzt musste ich laut lachen, „von Benny, warum denn das?“ Mama schmunzelte nur, hob die Schulter, „wer weiß, er mag dich…?“ „Ach Mami ich hab dich lieb, weißt du wann Papa kommt?“ Sie nickte, „er hat vorhin angerufen, er müsste in einer halben Stunde da sein.“ „Dann sag ihm einen lieben Gruß von mir, ich geh schon mal hoch, gute Nacht Mami.“
Tim
Ich wachte ziemlich unausgeschlafen auf am Donnerstag. Es hatte wieder neu geschneit, der Himmel war dunkel und es sah auch nicht so aus, als ob es heute überhaupt noch heller werden würde. Solche Wetteraussichten sorgten bei mir von Anfang an für schlechte Laune. Noch dazu lag heute ein langer Tag mit sechs Stunden vor mir und außerdem noch das Lauftraining. Julian hatte ich gestern auch nicht mehr erreicht. Und überhaupt, Julian, er war eigentlich auch schuld an meiner üblen Stimmung. Wieder kam mir in Erinnerung, dass ich ihn gestern nach der Schule angeblafft hatte, ich wusste schon gar nicht mehr genau warum. Er hatte keine Zeit und ich hatte den Eindruck, er geht mir aus dem Weg oder verheimlicht mir etwas. Aber auch meine Unsicherheit, wie ich Therese heute begegnen sollte, hellte meine Stimmung nicht gerade auf. Was war das gestern mit ihr? Im Badezimmer kontrollierte ich aufmerksam meine Erinnerungen an die „Begegnung“ mit Chantal und ihrem Macker. Zum Glück war das Veilchen unter dem Auge schon so gut wie unsichtbar und auch der Knutschfleck war überraschend schnell verschwunden. Muttis Hilfe hatte sehr gutgetan. Trotzdem streifte ich mir den Rollkragenpullover über, ehe ich zum Frühstück hinunter ging. Den Luchsaugen von Vati wäre das sonst sicher nicht entgangen.
Das Frühstück verlief mehr oder weniger schweigend, wir hatten wohl alle inzwischen genug von dem vielen Schnee. Vati hatte ja heute eigentlich seinen freien Tag, war aber heute noch früher aufgestanden als sonst und hatte den Fußweg vor dem Haus schon beräumt. Mutti und ich waren sehr glücklich darüber, dass er mal ausnahmsweise in Ruhe mit uns gemeinsam frühstücken konnte. Beim Zusammenpacken meiner Sachen kontrollierte ich nochmal mein Handy, es war voll aufgeladen. Als letztes war mein Anrufversuch bei Julian von gestern Abend darauf zu sehen. Er hatte nicht zurückgerufen. Ob seine Mama ihm von meinen Anrufen erzählt hatte? Oh Mann, so langsam wuchs eine unbestimmte Angst und Beklommenheit in mir. In fünfzehn Minuten würde ich Juli an der Haltestelle begegnen. Wie wird er drauf sein, wie bin ich ihm gegenüber drauf? Ob ich mich bei ihm entschuldigen sollte für den gestrigen Nachmittag? Schon als ich um die Ecke bog, sah ich, dass Juli bereits an der Haltestelle stand. Er schaute suchend in meine Richtung. Sofort besserte sich meine Stimmung, kurz draufkam er mir schon einige Schritte entgegen. Ich beschleunigte meine Schritte, wir blieben ein paar Meter vor der Haltestelle voreinander stehen und sahen uns in die Augen. Er lächelte, fast gleichzeitig setzten wir beide an, „ Juli, lass uns...“ Ich kam gar nicht weiter. „Timmi, wollen wir…?“ Beide stutzten wir, auf einmal lachten wir beide gleichzeitig laut los und fielen uns in die Arme. Die jüngeren Mädchen und Jungs, die mit uns auf den Bus warteten, drehten sich kopfschüttelnd von uns weg. Der Busfahrer, der uns nebeneinanderstehen sah, ließ die Lichthupe aufblitzen, so, als ob er sich mit uns freuen würde. Juli steuerte im Bus gleich nach vorn und wollte sich auf unseren Stammplatz hinter dem Fahrersitz fallen lassen. Ich aber zog ihn am Ärmel nach rechts. Auf dieser Seite waren jeweils drei Sitze nebeneinander. Verständnislos schaute er mich an, ich schmunzelte und schob ihn auf den äußeren Sitz am Fenster und setzte mich neben ihn. Der Busfahrer, Herr Holter, lachte uns zu und als ich nochmal nach vorne schaute, hob er augenzwinkernd den Daumen. Julis fragenden Blick beantwortete ich, indem ich mich an ihn anlehnte und ihm ins Ohr flüsterte, „Herr Holter ist ein Freund von mir, ich meine, von uns.“ „Häää?“ Juli kam nicht hinterher. „Na der Fahrer heißt so und er hat mir gestern was klar gemacht, Juli, bitte entschuldige, ich war ein Idiot.“ Immer noch zeigte Julis Gesicht, dass er nicht verstand. „Ach, erklär ich dir später“. Der Bus fuhr an die nächste Station heran. Therese, Franz und Lukas warteten im Bushäuschen, denn es hatte wieder begonnen zu schneien. Die beiden Jungs stürmten als erste in den Bus und verzogen sich schnell wieder auf ihren Stammplatz ganz hinten. Resi kam etwas abwartend zu uns in den vorderen Bereich, erstaunt registrierte sie, dass Juli und ich nicht hinter dem Fahrer saßen, sondern in einer Dreiersitzreihe. Ich stand auf, kurz entschlossen nahm ich sie an die Hand und zog sie zu unserem Platz.
Mein Herz schlug bis zum Hals, ich lächelte sie unsicher an. Würde sie ihre Hand zurückziehen? Nein, sie begann zu strahlen, schnell schob ich sie auf den mittleren Sitz und rutschte vorsichtig neben ihr auf den linken Sitz. Julian, der jetzt geschnallt hatte, was ich vorhatte, lachte sie lieb an, „Guten Morgen Resi.“ Aber die schaute erst verständnislos zu mir, dann zu Juli und lachte plötzlich auch, „ihr Kerle, was habt ihr vor?“ Ohne eine Antwort lehnten wir uns beide gleichzeitig spontan links und rechts an sie an und grinsten sie an. „Ich glaub, Timmi möchte dir was wichtiges sagen…“ Ich blitzte ihn jetzt böse an, „Mann Juli…!“ Er lachte wieder und meinte nur, „stimmt aber, oder?“ Ich schaute Resi nun direkt an. Juli jetzt, „und ich glaube Resi ahnt auch schon, was du ihr sagen möchtest, aber…“ Schweigend fuhren wir so eine Weile in Richtung Schule.
Irgendwann dann tippte Herr Holter mir leicht auf die Schulter, „ihr Lieben, ich störe euch sehr ungern, aber wenn ihr den Unterricht nicht verpassen wollt, solltet ihr lieber aussteigen. Ach und Tim, schönen Gruß von Max an dich zurück.“ Verdattert schauten wir drei den Busfahrer an, wir standen bereits einige Minuten an der Schulhaltestelle, der Bus bis war bis auf uns drei leer. Hastig sprangen wir auf, schnappten unsere Sachen und verließen den Bus. Gerade wollten wir durch das Schultor gehen, als Herr Holter Juli nochmal ganz laut zurückrief. „Julian, dein Sportzeug.“ Der rannte zurück und kam schnaufend hinter Resi und mir her. Jetzt hatte ich mir ein Herz gefasst und stieg mit ihr Hand in Hand die Treppe hinauf. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Juli, der an der Seite von Resi ging, ein zufriedenes Lächeln im Gesicht hatte. Ohne uns abzusprechen, blieben wir alle drei im Gang vor dem Klassenzimmer nochmal stehen. Resi gab jedem von uns ein Küsschen auf die Wange und flüsterte, „Jungs, in der Mittagspause nach dem Essen am Steingarten, ja? Ich möchte euch was sagen.“ Juli ergänzte, „ich auch…“ Ich stutzte kurz, „los jetzt, kommt.“ Ich schob meine beiden Freunde vor mir durch die Tür, rasch nahmen wir unsere Plätze ein. Noch einmal wanderte mein Blick schräg nach hinten zu Resis Platz, sie war aber noch beim Auspacken ihrer Unterlagen. Julian stieß mir sacht den Ellenbogen in die Rippen, ich blickte ihn an. Er grinste, „komm Timmi, jetzt erstmal Stunde.“ Dann flüsterte er, „ich freu mich so…“ Ich nickte ihm zu und los gings mit Spanisch.
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