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Ich hab es mir nicht ausgesucht...

Wie alles begann...

Teil 16 - Zwischen Herz und Verstand-Verräter oder Feigling?

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Inhaltsverzeichnis

Tim, bin ich ein Verräter - weil ich …?

Meine gute Laune wich augenblicklich meiner Unsicherheit, vor Schreck verschluckte ich mich und bekam wahrscheinlich einen roten Kopf, wie noch nie zuvor. Ich hustete und bekam nicht gleich wieder richtig Luft. Verlegen schaute ich Mutti an und stotterte, „ach weißt du Mutti… ähm“, krampfhaft überlegte ich nach einer Ausrede. „Du, ich mein ihr kennt doch Therese, das Mädchen aus meiner Klasse, dass mich neulich abends mal besucht hat, ich mag sie gern und na, naja“, ich atmete tief ein, „na ja wir, sie hat, sie hat mich geküsst, also wir haben uns und… na ja, da ist das passiert“, log ich jetzt. „Ach Timmi, das ist aber schön, dass sie deine Freundin ist. Ich fand sie neulich sehr nett, Vati hatte gemeint, ihr seid nur Klassenkameraden, na da hat er sich aber wohl geirrt, der Herr Kriminalrat.“ Sie lächelte mich lieb an, „und wie ist sie so?

Mutti, lass, es ist doch noch gar nicht so lange, es weiß noch niemand, nicht mal Julian. Bitte, er muss es auch noch nicht wissen.“ „Aber er ist doch dein bester und vertrauter Freund, der wird sich bestimmt mit dir freuen.“ Davon war ich gar nicht überzeugt, ob das wirklich so war. Ich war mir selbst nicht sicher, was ich wollte oder wie ich mich gegenüber Juli oder auch Resi verhalten sollte. Beide mochte ich sehr gern, wollte aber auch keinem von beiden wehtun. „Ach, weißt du Mutti, Resi ist schon seit der Grundschule mit Julian eng befreundet, da weiß ich nicht, ob ich da nicht was kaputt mache.“ „Du machst dir Sorgen um euere Jungsfreundschaft, wenn du dich mit Therese näher anfreundest?“ Ich nickte nachdenklich. „Du kannst bestimmt mit Julian drüber reden, ihr vertraut euch doch, oder?“ „Ach Mutti, verstehst du denn nicht, ich bin gerade dabei, Julian die Freundin… ich glaub, ich mach gerade was ganz gemeines, Julian und Resi sind beide meine Freunde und ich, ich kann doch Resi nicht einfach so kü… ach, vergiss es…“

Ich stand abrupt auf und seufzte genervt, „warum versteht ihr Erwachsenen immer nicht, denkt immer nur, was ihr wollt. Ich geh hoch. Und bitte, kein Wort darüber zu Julian oder zu Frau Kiefer, ja?“ Ich sah Mutti eindringlich und bittend an. Sie nickte stumm. Oben in meinem Zimmer nahm ich das Telefon in die Hand. Ich hatte Julis Nummer aus dem Speicher herausgesucht und starrte auf das Display. Ich zögerte, bereits gestern Abend hatte ich mehrfach versucht, ihn zu erreichen, vergeblich. Nach diesem langen, langweiligen „Krankentag“ zu Hause hatte ich direkt etwas Sehnsucht nach der Schule, nach Julian und ja, ich geb es zu, auch danach, Resi wenigstens wieder zu sehen. Ich schüttelte den Kopf, konnte ich das, was ich mit Juli klären wollte, denn am Telefon besprechen? Nein, dazu mussten wir zusammen sein, uns in die Augen sehen können, um uns auszusprechen. Da passte nur ein Telefonat nicht. Ich schob mein Handy in die Nachttischschublade. Ich nahm mir vor, ihm gleich morgen früh im Bus vorzuschlagen, dass wir uns bei mir zu Hause treffen wollten. Nachdem ich meine Schulsachen für den nächsten Tag nochmal kontrolliert hatte, kramte ich aus meinem Wäscheschrank einen Rollkragenpullover hervor. Das sollte gehen. Der würde den Knutschfleck ganz gut verdecken und Sport hatten wir ja morgen, am Mittwoch, nicht.

Die Nacht war wenig erholsam für mich gewesen. Immer wieder lag ich wach auf meinem Bett und ging in Gedanken verschiedene Möglichkeiten durch, wie ich das Gespräch mit Juli beginnen könnte. Ich konnte ihm ja nicht einfach so auf den Kopf zu sagen, dass ich gerade dabei war, mich in Therese zu verlieben. Außerdem war es das ja nicht allein, ich hatte Juli nach wie vor sehr lieb und unsere Geheimnisse am Wochenende waren für mich nicht nur so eine schnelle Spielerei gewesen. Ich hatte Sehnsucht nach ihm, aber auch nach… „Ach Mensch…“ Ich wollte ihn, zudem wusste ich ja nicht mal, ob Resi überhaupt meine Gefühle teilen würde. Kann man einen Jungen und ein Mädchen gleichzeitig lieben? Am nächsten Morgen fühlte ich mich logischerweise total kaputt. Lange vor dem Wecker war ich wach und konnte nicht wieder einschlafen. Eine ungewohnte Stille lag in der Luft. Als ich ans Fenster trat, erkannte ich den Grund dafür. Es hatte in der Nacht kräftig geschneit und die weiße Pracht hüllte das Dorf in eine seltsame Stille. Von meinem Fenster aus konnte ich in der Ferne auch das Wäldchen am See erkennen. Es wirkte wie ein verzauberter Märchenwald auf mich. In der Küche klapperte schon das Geschirr für das Frühstück. Ob Vati zu Hause war? Ich beeilte mich im Bad, ein seltsames Gesicht schaute mich aus dem Spiegel an. In der Dusche stellte ich die Temperatur bewusst auf kalt. Ein Frösteln fuhr durch meinen Körper, aber ich blieb bestimmt eine ganze Minute unter dem kalten Wasserfall stehen. Mutig ließ ich das Wasser über meinen Körper laufen. Mit einer Gänsehaut und leicht schrumpeligen Pimmel stieg ich aus der Kabine und rubbelte mich wieder warm. Ich hatte mir gestern Abend vorgenommen, gleich heute Morgen mit Juli über uns zu reden. Ich beeilte mich nach unten zu kommen. Mutti wartete schon auf mich, ein Blick ihrer Augen verriet mir, dass Vati es auch in dieser Nacht wieder nicht nach Hause geschafft hatte. Ich gab ihr ein liebes Küsschen, „sei nicht traurig Mutsch, ich bin ja da.“ Sie lächelte etwas gequält, ich glaube, manchmal sehnte sie sich danach, dass ihr Mann einen ganz normalen Beruf hätte, trotz des guten Verdienstes als Kriminalrat.

Ohne weitere Worte schnappte ich mir den Schneeschieber, eine Schaufel und den Besen. Durch die geöffnete Haustür drang die Kälte in den Flur. Etwa eine viertel Stunde hatte ich nur damit zu tun, den Fußweg von der Haustür bis zum Gartentor vom Schnee freizuräumen. Mutti kam dazu und gemeinsam hatten wir dann auch unseren Anteil am öffentlichen Fußweg gesäubert. Sie strich mir über den Kopf, „ach Timmi, schön, dass du so stark bist. Komm lass uns das Frühstück genießen.“ Schweigend saßen wir uns kurze Zeit später bei Kaffee, Kakao und frisch aufgebackenen Brötchen am Frühstückstisch gegenüber. „Was macht dein Fleck am Hals? Wollen wir ihn ein wenig wegschminken?“ Ich zögerte kurz, „eigentlich will ich einen Rollkragenpullover anziehen, da sieht man ihn nicht so, aber etwas Schminke kann vielleicht nicht schaden“, ich stimmte zu. Nach dem Frühstück holte Mutti fix das Schminktäschchen herbei und verdeckte mit etwas hautfarbenem Schminkpuder den Knutschfleck. Im Spiegel konnte ich ihn kaum noch sehen, vorsichtig klappte ich den Rollkragen hoch, perfekt. Mein Veilchen unter dem Auge hatte Mutti gleich noch mit „behandelt“, so dass kaum noch was davon sichtbar war. Ich schnappte mein Schulzeug und als ich die Haustür öffnete, erschrak ich, es hatte schon wieder weiter geschneit. Ich drehte mich zu Mutti um, sie lachte nur kurz, „lass mal, du hast doch Schule und ich geh erst heute Vormittag zur Bank, ich kann mich noch etwas ausruhen. Dann schaff ich das noch.“ Sie winkte mir zu „sieh zu, dass du zum Bus kommst und grüß Julian von mir, ja?“ Ich nickte, warf ihr ein Küsschen zu und trabte zur Haltestelle. Ob bei dem Schnee überhaupt ein Bus fährt? Ich war gespannt. Die Bushaltestelle lag verlassen im Schein der Straßenlaterne, im Licht der Lampe konnte ich sehen, dass der Schneefall wieder etwas stärker wurde. Ich war doch ein wenig zu früh da, wer weiß, ob der Bus überhaupt durchkommen würde. Als ich mich umdrehte, sah ich Juli durch den Schnee stapfend näherkommen. Mein Herz machte einen kleinen freudigen Hüpfer, ich ging ihm ein paar Schritte entgegen. Zögernd begrüßte ich ihn, „hallo Juli?“ Locker antwortete er und fragte, „na alles wieder fit?“ Instinktiv griff ich mir an den Hals, wo unter dem Kragen des Pullovers der Fleck verborgen war. Juli hatte mir die Hand zum Abklatschen hingehalten, freudig griff ich zu und zog ihn schnell ganz dicht an mich heran, ich hatte allerdings den Eindruck, dass er sich leicht dagegen sperrte. Ich hatte es mir aber fest vorgenommen und flüsterte ihm zu, „Juli, lass uns mal reden.“ Hastig antwortete er „ja, müssen wir, aber nicht jetzt, der Bus kommt.“ Rasch ließ er meine Hand los. „In der Hofpause am Steingarten?“ Er schüttelte heftig den Kopf, „nee, geht nicht.“ Mit fragendem Blick versuchte ich ihm in die Augen zu schauen, aber er drehte sich schnell weg und wendete sich dem Bus zu. Drinnen setzten wir uns auf unseren Platz hinter dem Fahrer, der uns wieder freundlich mit einem kurzen Winken begrüßt hatte. Schweigend saßen wir nebeneinander. Stumm blickte er nur aus dem Fenster. Ganz vorsichtig und unsicher legte ich meine linke Hand auf seinen Oberschenkel und streichelte entschuldigend ein klein wenig hin und her. Erleichtert spürte ich, wie er seine Hand auf meine legte, seine Finger gruben sich zwischen meine, ich atmete auf. Er hatte seine Hand nicht weggezogen, sondern meine fest gedrückt. Als im Nachbardorf ein paar jüngere Schüler in den Bus stiegen, lösten wir unsere Hände voneinander. Zum Glück waren unsere Klassenkameraden heute nicht zugestiegen.

Vor dem Schultor standen eine Menge Schüler herum, der Hausmeister hatte es noch nicht geschafft, den Weg ganz vom Schnee freizuräumen. Er fluchte hörbar. Als er eine kleine Pause machte, meinte er, „wer weiß, ob die Schulbusse aus den anderen Dörfern heute überhaupt fahren.“ Franz, Lukas und Therese waren inzwischen auch eingetroffen, sie waren wohl mit dem Auto hergefahren worden. Therese lächelte in unsere Richtung, meinte sie mich oder Juli? Der hatte das aber wohl nicht bemerkt, verhalten winkte ich ihr kurz zu... Ein paar Schüler aus unserer Jahrgangsstufe standen unweit herum, Juli schaute sich suchend um. Darauf aufmerksam geworden, fragte ich ihn „suchst du jemanden?“ Erschrocken fuhr er herum und stotterte, „nein, ich, nein... warum fragst du?“ „Es scheint so, als ob du jemanden vermisst, du bist schon die ganze Fahrt so komisch, so still gewesen.“ Selbst im Licht der Straßenbeleuchtung sah ich: Er wurde knallrot, „ach, Quatsch, das bildest du dir nur ein, komm los, es geht rein.“ Er stürmte wortlos voran, als der Hausmeister den Weg frei gab. Therese, die sich gerade zu uns gestellt hatte, schaute mich fragend an. Ich konnte ihr aber nicht antworten, ich glaubte Julian nicht. Schweigend stapften wir gemeinsam hinter ihm her die Treppen hoch. Wie zufällig streifte mich Resis Hand dabei, wie ein Stromschlag durchzuckte mich ihre Berührung. Ich musste kurz auf der Stufe stehenbleiben, holte einmal tief Luft und schaute dem Mädchen hinterher. Auch Resi blieb nun stehen, drehte sich zu mir um, streckte mir die Hand hin, „kommst du, das wird schon…“ Was meinte sie? Ich stand weiter wie festgewachsen da, sie nahm einfach meine Hand und zog mich mit. Wie vom Blitz getroffen durchfuhr mich wieder dieser Schauer, den ich letztens spürte, als mich ihre Brüste gestreift hatten. Ich folgte ihr willenlos. Erst kurz vor der Tür zum Klassenraum ließ sie meine Hand los, sah mir kurz in die Augen und ging wie selbstverständlich in den Raum. Verzaubert starrte ich ihr hinterher. Wie im Traum trottete ich zu meinem Platz. Juli hatte schon ausgepackt und schaute mich verwundert an, „was‘n los, was ist passiert?“ Ich blickte ihn an, antwortete nicht, sondern ließ mich mit einem „uff“ auf meinen Stuhl fallen. Er sah mich weiter durchdringend fragend von der Seite an, ich murmelte nur, „später Juli, lass uns später reden.“ Anfangs konnte ich mich nicht recht auf den Unterricht bei Foxi konzentrieren, ich riskierte einen Blick nach hinten in Richtung Resi. Ein leichtes Schmunzeln in ihrem Gesicht verriet mir, dass sie das wohl erwartet hatte.

Ein heftiger Stoß an meinem Oberschenkel ließ mich herumfahren, Juli hatte mir mit voller Wucht sein Knie dagegen gerammt. Gerade wollte ich ihn anfauchen, da registrierte ich, dass Mr. Fox unmittelbar vor mir stand und von oben etwas sauer zu mir herunterblickte. „Nun Mr. Wegner, wo waren wir denn gerade mit unseren Gedanken, wie lautete meine Frage?“ Wie ein ertappter kleiner Junge stand ich auf und druckste herum. Wie immer kam aus der Fensterreihe ein halblauter Kommentar, ich konnte nicht genau unterscheiden. War es Tobi oder Nico, jedenfalls hörte ich nur die Worte „Julian, Resi…“? Ich schämte mich. Aber Mr. Fox war schon wieder vorn an der Tafel und erteilte die nächsten Aufgaben. Ich versuchte mich zu konzentrieren, was mir dann auch so leidlich gelang. Nach der Stunde schlich ich von mir aus zu Mr. Fox und wollte mich entschuldigen. Er aber winkte ab und meinte nur, „Du, Julian und Therese, passt nur auf, dass ihr euch nicht verzettelt. Noch halte ich zu euch, verschwinde jetzt.“ Er drehte sich weg und ließ mich einfach stehen. In der anschließenden Deutschstunde wurde Juli mit zunehmender Dauer immer unruhiger. Ständig rutschte er auf seinem Stuhl hin und her, atmete zwischendurch heftig. Ich bemerkte, dass er immer mal wieder mit einer Hand vorn in seine Hose fuhr und dort herumkramte. Was war los mit ihm? Ich zischte ihn an, „wenn du pinkeln musst, dann melde dich. Oder hats du ne Dauerlatte?“ Er zischte zurück, „halt’s Maul.“ Dabei war er so laut, dass er natürlich bei Frau Müller sofort dran war und hätte beinahe einen Anschiss von ihr bekommen, weil er die Hausaufgabe nicht fand und irgendwie rumeierte. Richtig erklären konnte er nicht, was er da aufgeschrieben hatte. Oh Mann, wo war der denn mit seinen Gedanken, hatte er so viel Schiss vor unserem Gespräch? Aber nee, da kam mir in die Erinnerung, er hatte ja gesagt hatte, dass er in der Hofpause keine Zeit hat... Ich wurde neugierig. Als das Pausensignal ertönte, schnappte Juli sich seinen Sachen und verließ fluchtartig das Klassenzimmer, er müsse ganz schnell mal aufs Klo. Therese kam zu mir heran und fragte mich, „was hat er?“ Ich hob nur die Schultern „angeblich muss er ganz schnell mal woanders hin, du weißt schon… Und du, hast du wenigstens Zeit oder triffst du dich mit Magnus?“ Am liebsten hätte ich mich sofort geohrfeigt, wie konnte ich Idiot nur so eine Frage stellen. Resi wurde knallrot, sie druckste herum. „Nein, der ist doch ein Honk, er geht schon seit langem mit einer aus der elften, ich hab’s nur nicht gemerkt…“ Sie wandte sich ab und meinte entschuldigend, „sei nicht bös wegen heute Morgen, aber… ich...“ Ich überlegte kurz, holte gerade Luft, eigentlich wollte ich was sagen… Sie rannte regelrecht weg in Richtung Mädchenklo. Was war denn nun los? Was...? Versteh einer die Mädchen, ich nicht. Auf dem Schulhof hielt ich Ausschau nach Juli, aber weder er noch Therese tauchten in der ganzen Pausenzeit wieder auf. Gegen Ende der Pause stieg ich die Stufen zum Eingang hoch, da erschien Juli am Ausgang der Sporthalle. Wie in Gedanken schlenderte er langsam auf mich zu. „Gehst du jetzt immer in die Sporthalle aufs Klo, du hast ja ne lange Sitzung gehabt!“, spottete ich ein wenig angesäuert. „Hä, wieso, was meinst du?“ Ich winkte nur ab. Er wollte einfach nicht verstehen, dass ich endlich mit ihm reden wollte. Er war einfach mit seinen Gedanken immer irgendwo anders. Wir beeilten uns nach oben zum Spanischunterricht. Irgendwie schaffte ich es, die letzten Stunden zu überstehen. Der Schulgong war wie eine Erlösung für mich. Vor der Schule hielt ich Juli einfach mal kurz am Arm fest, „los komm mit zu mir, lass uns miteinander reden. Es tut mir weh, dass du mich so links liegen lässt.“ Tief atmete ich ein, „Juli ich glaub, du willst mir aus dem Weg gehen. Ich kann verstehen, dass du nach den letzten Tagen sauer bist auf mich, aber wir sind doch Freunde und haben uns geschworen ehrlich zu sein zueinander oder gilt das nicht mehr?“ Ich sah, dass er auf einmal sehr erschrocken wirkte. Er suchte nach Worten, vielleicht sogar nach einer Ausrede. Angeblich musste er in der Stadt noch einen Weg für seine Eltern erledigen. Ich schlug ihm vor, ihn zu begleiten und dann gemeinsam nach Hause zu fahren. Er wehrte das vehement ab, er komme erst spät wieder ins Dorf und, und er stotterte. „Timmi, doch ja, ich will dein Freund sein... aber ich muss, ich kann, ich erklär dir alles aber nicht jetzt, okay?“

Jetzt hatte ich einfach genug von seinen Ausreden. Bissig schleuderte ich ihm wütend entgegen, „ach weißt du, lass es einfach, wenn du mich nicht mehr…- ach tschüss.“ Ich ließ ihn verbittert stehen und ging zur Bushaltestelle. Ich drehte mich nicht mehr um. Mann war ich sauer, was war nur los mit ihm. An der Bushaltestelle stand Therese, sie erschrak ein wenig, als ich mich neben sie stellte. Wieder wurde sie rot. Im Bus setzte sie sich auf einen einzelnen Sitz, so dass ich mich entschloss, mich auf meinen Stammplatz zu begeben, den ich meistens mit Juli nutzte. Ich schaute zum Schulgebäude zurück und sah Julian, der immer noch an der Stelle stand, an der ich ihn stehen ließ. Sein Blick hatte mich verfolgt. Als der Bus abfuhr, drehte ich mich kurz zu Resi um, sie schaute „sehr interessiert“ aus dem Fenster. Beim Aussteigen an ihrer Station lächelte sie mich an, wartete draußen an der Haltestelle und winkte mir verhalten zu. Sie blieb stehen, bis der Bus um die Straßenbiegung verschwand und ich sie aus dem Blick verlor.

Julian, ich bin ein Feigling

Betroffen stand ich immer noch da, als der Bus bereits schon nicht mehr zu sehen war. Tim hatte ziemlich enttäuscht gewirkt und sich nicht mehr umgedreht, nachdem er mich einfach stehen gelassen hatte. Warum hatte ich ihm eigentlich nicht gesagt, dass ich mich mit Falk verabredet hatte. Bestimmt wäre er nicht sehr begeistert gewesen, aber ich hätte nicht lügen müssen. Und überhaupt ertappte ich mich dabei, dass ich in den letzten Tagen so einige Menschen angelogen hatte, die es nicht verdient hatten. Mama und Papa und auch Herrn Kusche. Nun auch noch Tim. Etwas ratlos überlegte ich, was ich denn jetzt machen sollte, Falk war nicht gekommen, er war krank, der nächste Bus kam erst in einer Stunde und wozu sollte ich in der Stadt herumlaufen? Aber ich wollte ja noch anrufen, ich hatte es ihm versprochen. In einer ruhigen Ecke der kleinen Eisbar setzte ich mich, bestellte mir einen Kakao und eine heiße Waffel mit Kirschen.

Falk war sofort am Telefon, als ich das erste Rufzeichen hörte. „Julian? Hi, schön dass du wirklich anrufst, ich dachte schon… na ja.“ „Was hast du gedacht, dass ich dich vergesse oder das nur so gesagt hab, nee, ich musste nur noch kurz was erledigen, na also klären...“ „Hä, was klären, was denn?“ „Ach nicht so wichtig, vergiss es.“ Er bemerkte meine Unsicherheit - „wieder was mit Tim?“ Ich ging nicht auf seine Frage ein. „Wie geht’s dir, was hast du?“ „Ach ich weiß auch nicht, ich glaub ich hab Fieber, ich hab Kopfschmerzen und bin irgendwie schlapp. Ich kann mich nicht richtig bewegen, mir tut alles weh. Ich glaub, ich muss morgen doch zum Arzt.“ „Mensch du hörst dich gar nicht gut an, kann ich was für dich tun?“ „Ich weiß nicht, es ist…“ Ich hörte, wie er tief Luft holte, er schluchzte und dann, ich vermutete, dass er weinte. „Falk? Hey, du, was ist los, soll ich kommen? Los sag was!“ Wieder war es einen Moment still auf der anderen Seite, „hast du denn Zeit? Ich weiß nicht, aber besser nicht.“ „Ja, ich hab Zeit, so, los, jetzt sag mir, wo du wohnst, ich komm hin, Falk bitte!!!“ Einen Moment überlegte er wohl, dann nannte er mir seine Adresse, ich schaute auf dem Handy nach, in zehn Minuten würde ich dort sein.

„Falk, ich komme hin!“ Ich bezahlte meine Bestellung, die Waffel hatte ich noch nicht ganz aufgegessen, aber das war mir egal. Unterwegs blieb ich plötzlich stehen, ich Trottel wusste zwar seine Adresse, aber ich kannte seinen Nachnamen nicht. Wieder zückte ich mein Handy, Falk ging nicht ans Telefon, weiter, jetzt rannte ich fast. Kurz darauf stand ich vor der Hausnummer, die er mir genannt hatte. Ein Mietshaus mit sechs Namen an den Klingeln. Verdammt, Ich konnte ja nicht bei allen Leuten klingeln. Ratlos sah ich mich um, was tun? Nochmal wählte ich die Telefonnummer von Falk, nichts. Unschlüssig stand ich vor der Tür und überlegte fieberhaft. Nach einer gefühlten Ewigkeit schlurfte eine alte Frau auf die Haustür zu. „Guten Tag“, hastig fragte ich sie, ob ein Junge hier im Haus wohnt, etwa so alt und so groß wie ich, er hat rote Haare? Misstrauisch sah sie mich eine Weile an, ich wurde fast verrückt vor Ungeduld. Dann endlich „ja, das müsste Falk von Konrads sein, die wohnen der zweiten Etage, warum?“ Ich antwortete ihr nicht. Meine Augen flogen über die Klingelschilder, da Konrad; ohne Zögern drückte ich lange auf den Knopf. Rasch vernahm ich im Türlautsprecher ganz kläglich seine Stimme, „Juli? Du musst nochmal klingeln, warte, ich drück den Türöffner, zweite Etage, ja?“ „Ja, mach!“ Die Türautomatik schnurrte, ich sprang vor der Frau ins Haus, sie schaute mir erschrocken hinterher und schüttelte nur den Kopf. Zwei Stufen auf einmal nehmend, raste ich die Treppe hoch, zweite Etage, „Konrad“ stand auf einem schönen Schild, die Tür war schon einen Spalt weit geöffnet. Vorsichtig schob ich sie auf, Falk saß im Schlafanzug auf dem Boden im Flur an die Wand gelehnt und schaute mir mit müden Augen entgegen. Sein Gesicht war ziemlich blass und seine sonst so lustigen roten Locken hingen zerzaust von seiner Stirn. Mit dem Hintern drückte ich die Tür zu und ließ meinen Schulrucksack in eine Ecke fallen. „Mann, Falk, was machst du hier auf dem Fußboden, was geht?“ Er antwortete nicht gleich, lächelte mich an, „Gut, dass du da bist. Kannst du mir ins Bett helfen, ich war grad auf dem Klo, ich hab gebrochen, ich bin total schlapp.“ „Na klar, warte, ich bin ja da.“ Mein Telefon, das ich immer noch in der Hand hielt, stopfte ich achtlos in den Schulrucksack. Vorsicht fasste ich ihn unter den Achseln, der sonst so sportliche und starke Falk hing in meinen Armen wie ein Schluck Wasser, er war total schwer und wir hatten gemeinsam zu tun, es ins Kinderzimmer zu schaffen. Dort half ich ihm auf sein Bett. „Juli, mir ist so warm, kannst du mir mein Shirt ausziehen?“ Er hob die Arme und ich zog ihm sein T-Shirt über den Kopf aus. Er ließ sich einfach auf das Bett fallen. Ich musste seine Beine aufs Bett heben, so kaputt war er von dem kurzen Weg, Trotzdem lächelte er und meinte leise, „danke Juli. Schön, dass du gekommen bist. Ich, ich...“ Er schluckte und schwieg. „Ich nickte nur und schaute ihn unsicher an. Ich zog seine Bettdecke ein Stück über seine Beine. Was konnte ich weiter für ihn tun? „Brauchst du was, was kann ich machen?“ „Ich hab Durst, kannst du mir was zu trinken holen, aus der Küche?“ „Klar.“ In der Küche fand ich eine Kanne mit kaltem Tee, aus einem Schrank nahm ich einfach ein Glas. Er trank ein wenig in kleinen Schlucken, lächelte nochmal, ließ sich zurückfallen und schlummerte dann ein. Ich deckte ihn noch etwas weiter zu und setzte mich neben sein Bett.

Und nun? Ich konnte doch jetzt nicht einfach wieder gehen. Ratlos sah ich mich im Zimmer um. An der gegenüberliegenden Wand stand ein zweites Bett, sicherlich das von seinem kleinen Bruder. Auf dem Kopfkissen lag ein großer Teddybär mit einer lustigen Schleife um den Hals. Über dem Schreibtisch, der an Falks Bett stand, hingen viele Medaillen und auf einem Regal an der Wand standen vier oder fünf prächtige Pokale. An den Wänden fanden sich einige Urkunden mit vorderen Plätzen. Ich wendete meinen Blick wieder dem Schlafenden zu, konnte ihn jetzt erst aufmerksam betrachten. Er hatte fein geschwungene Augenbrauen, eine süße Stubsnase und viele Sommersprossen. Schweißperlen zeigten sich auf seiner Oberlippe, auf der schon ein zartes rötliches Flaumbärtchen schimmerte. Sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Die sonst so lustigen roten Locken lagen verschwitzt über seiner Stirn.

Ich schreckte auf, als sein Handy, das auf dem Schreibtisch lag, klingelte. Er schniefte nur kurz auf und drehte sich zur Wand. Ich nahm das Telefon in die Hand, „Mutti“ war auf dem Display zu lesen. Ich zögerte, sollte ich rangehen, wenn niemand den Anruf annehmen würde, würde sie sich Sorgen machen! Ich drückte die grüne Taste, „hallo, hier ist Julian, ich bin ein… ein Freund von Falk, guten Tag.“ Ich lauschte, seine Mama war sehr erschrocken, „was ist mit Falk, warum geht er nicht selbst ans Telefon, ist was passiert? Er soll doch zu Hause im Bett sein!“ „Ja hallo Frau Konrad, ich bin Julian Kiefer, ein Freund von Falk, ich bin bei Ihnen zu Hause, ich habe ihn besucht. Er schläft jetzt, deswegen bin ich an sein Handy gegangen, damit Sie sich keine Sorgen machen.“ Einen Augenblick überlegte seine Mama wohl, „das ist gut, dass du bei ihm bist. Wie heißt du nochmal?“ „Julian Kiefer, ich bin in der 8c.“ „Julian, von dir hat er noch gar nichts erzählt, wie geht es ihm?“ „Wir sind auch noch nicht so lange Freunde, es geht ihm nicht besonders, er ist müde, hat Gliederschmerzen und hat gebrochen. Jetzt schläft er.“ „Hat er Fieber?“ „Ich weiß es nicht.“ „Kannst du mal seine Stirn anfassen, ist sie sehr warm?“ Zögerlich, unentschlossen streckte ich meine Hand aus, ich hatte Falk noch nie so nah berührt, sachte legte ich meine Hand auf seine Stirn, sie fühlte sich heiß an. Ich sagte es ihr. „Gut Julian, pass auf, ich komm so schnell ich kann nach Hause. Kannst du ihm bitte inzwischen ein paar Wadenwickel machen und ihm zu trinken geben?“ Wadenwickel, ich hatte zwar schon davon gehört, aber… Falks Mama erklärte kurz, was sie meinte, „nimm einfach ein paar Handtücher aus dem Bad, lass das Wasser schön kalt werden, dann…“ Schnell suchte ich zwei Handtücher, machte sie mit kaltem Wasser richtig feucht. Ich schlug Falks Bettdecke zurück, er ließ alles mit sich geschehen. Seine Waden fühlten sich ebenfalls heiß an. Ich wickelte ihm die feuchten Handtücher locker um die Waden, er zuckte bei der Berührung mit den kalten Tüchern. Aber schon gleich darauf entspannte er sich wieder. Er schlug kurz die Augen auf, er erkannte mich und flüsterte „Juli, ich hab Durst…“ Aus der Küche brachte ich ihm wieder etwas kalten Tee mit und hatte auch gleich noch ein Trockentuch mit, das ich auch mit kaltem Wasser befeuchtet hatte. Nachdem er ein paar Schlucke getrunken hatte, legte ich ihm das nasse Handtuch vorsichtig über die Stirn. Falk hatte die Augen wieder geschlossen, griff meine Hand und flüsterte „Danke Juli, ich bin so müde…“ Er zog meine Hand an sich und legte sie auf seiner Burst ab. Dort spürte ich seinen Puls, sein Herz schlug ziemlich schnell… Dieses wahnsinnig wohlige Kribbeln durchzog in diesem Moment meinen ganzen Körper, das gleiche Gefühl wie am Montag, als Falk mich beim Sport in den Armen hielt. Erschrocken zog ich meine Hand zurück und strich ich ihm sachte über die Arme, die er auf der Bettdecke liegen hatte. „Schlaf ein bisschen, deine Mama kommt gleich, alles wird gut, schlaf.“ Die feinen Härchen darauf waren schweißnass.

Etwas später hörte ich wie die Tür aufgeschlossen wurde. Frau Konrad hatte noch nicht mal den Mantel ausgezogen als sie in das Kinderzimmer kam. Ich stand von meinem Stuhl an Falks Bett auf, dankbar sah sie mich an, „Hallo, du bist Julian? Danke, dass du so ein toller Freund für Falk bist, danke. Wie geht es ihm?“ Ich zuckte die Schultern, „ich weiß nicht, er schläft.“ Sie beugte sich liebevoll über ihren großen Sohn, legte ihm vorsichtig die Hand auf die Stirn und fühlte seinen Puls am Hals. Sie atmete erleichtert auf, „es geht ihm wieder besser, gut, dass du so klug gehandelt hast. Lassen wir ihn noch schlafen. Möchtest du mit mir einen Kakao trinken, ich hab auch noch etwas Mohnkuchen von Falks Geburtstag da. Er hatte doch am Sonntag seinen vierzehnten Geburtstag. Wie alt bist du Julian?“ Ich erschrak, Falk hatte gerade erst Geburtstag, das hatte ich nicht gewusst. „Äh, ich, ich bin auch vierzehn, ich hab im April Geburtstag.“ Ich überlegte kurz, „Frau Konrad, wer holt denn jetzt aber Benjamin vom Kindergarten ab, das wollten wir doch machen, also Falk und ich?“ Sie erschrak, „oh je, das hab ich doch beinahe glatt vergessen.“ Sie überlegte angestrengt, sah mich dabei an, „ kann ich dich nochmal kurz mit Falk allein lassen, es dauert nur ne halbe Stunde. Ich beeil mich, ja?“ Ich nickte, „na klar, ich hab noch Zeit, muss erst heute Abend zu Hause sein.“ „Wo wohnst du denn?“ „In Beiersdorf, das ist…“ „Ja, das kenn ich, da wohnen zwei Kolleginnen von mir, von der Bank, weißt du?“ Ich schluckte, in unserem Dorf wohnten nur zwei Frauen, die in der Bank hier arbeiteten, meine Mama und Frau Wegner, Tims Mutti. Ich antwortete nicht. „Also Julian, ich beeil mich! Ja? Danke.“ Die Tür fiel wieder ins Schloss.

Falk atmete ruhig und gleichmäßig, er schien sich wirklich langsam zu erholen. Ich befühlte die Wadenwickel an seinen Beinen, sie hatte sich inzwischen erwärmt. Im Badezimmer ließ ich wieder kaltes Wasser drüber laufen und erneuerte die Wickel um Falks Waden. Er rührte sich dabei nicht. Ich setzte mich wieder zu ihm und betrachtete ihn in Ruhe. Seine Wangen waren etwas eingefallen, seine Augenlider zuckten leicht und seine lustigen Sommersprossen waren fast nicht zu sehen. Ich streckte meine Hand aus und wollte ihm gerade die schwitzigen Locken aus der Stirn wischen, als er langsam die Augen öffnete, mich wieder erkannte und lächelte. „Juli, wo ist meine Mutti?“ „Sie ist schnell nochmal los, deinen Bruder abholen“. Er nickte, überlegte kurz, „Juli, ich muss nochmal pinkeln, kannst du mir hoch helfen?“ Er setzte sich im Bett auf, ihm wurde schwindlig, ich musste ihn stützen. Er hatte nur noch seine Boxershorts an, langsam schlich er mit meiner Hilfe zur Toilette. Ich wartete vor der angelehnten Tür. „Juli komm rein, halt mich, mir ist schwindlig.“ Ich sah, dass er wohl im Stehen pinkeln wollte, er hatte seine Shorts einfach über seinen Hintern nach unten auf seine Füße rutschen lassen. Ich staunte über so viel Vertrauen, bemerkte aber sofort, dass er ganz wackelig war auf den Beinen. Gerade noch konnte ich ihn festhalten. Ich packte ihn unter den Achseln, „setzt dich lieber hin.“ Ich hätte gar nichts sagen brauchen, er drehte sich halb um und sackte einfach auf die Klobrille und lehnte seinen Kopf gegen meinen Bauch. Er griff mit einer Hand zwischen seine Schenkel und lenkte er den Pinkelstrahl ins Klobecken. So unauffällig wie möglich, warf ich interessiert einen Blick auf sein Glied und den noch spärlichen rötlichen Haarflaum darum. Ich traute meinen Augen nicht. So klein wie Falk war, trotz seiner momentanen Verfassung hatte sein schlanker Pimmel eine beachtliche Länge und hing trotz seiner körperlichen Schwäche weit über den kräftigen Hodensack hinunter. Wow, ich staunte nicht schlecht. Sofort aber schämte ich mich meiner Neugier. Bestimmt war ihm es mächtig peinlich, dass ich ihn so sah. Ich strich ihm kurz über seinen Kopf und meinte „ich warte wieder draußen, ja?“ „Nee, bleib hier, ist doch okay für dich, oder?“ Ich schluckte, nickte nur und wartete mit seinem Kopf in meinen Händen, bis er fertig war. Ich konnte nicht anders und strich ihm einfach sacht die Haare zurück und über den Rücken. Um die Klospülung zu drücken, beugte ich mich weit über ihn hinweg. Er hielt sich beim Aufstehen mit beiden Händen an meiner Hüfte fest. Seine Hose ließ er einfach vor dem Klo liegen. Gemeinsam schafften wir es ins Kinderzimmer, heimlich bewunderte ich seinen nackten, trotz allem muskulösen Turnerkörper. Er ließ sich ohne Scheu nackt, wie er jetzt war, wieder aufs Bett plumpsen und lächelte verlegen. Erneut warf ich einen verstohlenen Blick auf sein Glied, das jetzt locker zwischen seinen Oberschenkeln ein ganzes Stück herunterbaumelte. Deutlich zeichnete sich die wohlgeformte Eichel unter der langen Vorhaut ab. Mir wurde ganz mulmig bei diesem Anblick… Er bemerkte meinen Blick. Matt, aber leicht lächelnd meinte er „ich hätte mir unser erstes Treffen doch etwas anders vorgestellt.“ Unsicher fragte ich ihn, „so, wie denn?“ „Na jedenfalls nicht so, dass du mich auf dem Klo, also dass wir gemeinsam auf dem Klo landen.“ Lachend erwiderte ich „ach Mann, gibt Schlimmeres, du kannst doch auch nix dafür, wird bestimmt bald wieder besser…“ Er legte sich wieder zurück und ich zog ihm die Decke über seinen nackten Körper bis zur Brust.

Gerade wollte ich ihm noch etwas Tröstendes sagen, als die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. Der kleine Bruder von Falk kam ins Kinderzimmer gestürmt und ohne Notiz von mir zu nehmen stürzte er auf seinen großen Bruder zu „hallo Falki, wie geht es dir?“ Er umarmte ihn, drückte ihn ganz lieb und gab ihm einen Schmatzer auf die Wange. Falk freute sich, schob ihn ein Stück von sich weg und meinte „hallo Benny, hast du Juli nicht gesehen?“ Der Kleine drehte sich um, sah mich mit großen Augen skeptisch an. „Wer bist du denn?“ Ein kleiner süßer dunkelhaariger Fratz musterte mich. „Bist du ein Freund von Falk?“ Ich schaute Falk fragend an, der nickte mir zu. Ich meinte zu dem Knirps, „ja ich glaub schon.“ Falk rief dazwischen, „ja Benny, das ist mein Freund, er heißt Julian!“ „Und was machst du hier?“ Ich überlegte, was ich ihm antworten sollte, aber Frau Konrad kam ins Zimmer, „so nun lassen wir den Kranken mal in Ruhe, Jungs kommt bitte ins Wohnzimmer, es gibt Kakao und Mohnkuchen.“ Falks Mutti trat noch mal an das Bett, blickte sorgenvoll auf ihren Großen und gab ihm einen liebevollen Kuss auf die Stirn. „Ruh dich aus, mein großer Schatz.“ Bevor wir jedoch das Zimmer verließen, schnappte sich Benny den Teddy von seinem Bett und legte ihn zu Falk auf das Kopfkissen. Zärtlich schob er ihn ein Stück mit unter die Bettdecke seines großen Bruders. Falk hatte inzwischen wieder die Augen geschlossen, die letzten Minuten hatten ihn doch angestrengt. Er dämmerte wieder in den Schlaf hinüber. Leise verließen wir das Zimmer.

Im Wohnzimmer hatte die Mama rasch liebevoll den Kaffeetisch gedeckt, das Wohnzimmer war sehr gemütlich eingerichtet. Ich fühlte mich gleich wohl hier. Benny schnatterte mich die ganze Zeit voll, er wollte so viel wissen, wie ich heiße, wo ich wohne und woher ich Falk kenne. Seine Mama schmunzelte über die Neugier des Steppkes. „Julian und Falk gehen in eine Klasse, sie sind Klassenkameraden.“ Ich schüttelte den Kopf, „nein Frau Konrad, wir haben nur Sportunterricht zusammen, aber…“ Ich stockte und redete nicht weiter. Sie blickte mich verwundert an, fragte aber nicht nach. Der Kuchen war lecker und der Kakao tat nach den turbulenten Stunden mit Falk doch sehr gut.

Der Gong der Standuhr schlug mit angenehmem Ton, in Gedanken zählte ich mit, ich erschrak, es war schon siebzehn Uhr, der Bus fuhr in einer halben Stunde. „Ich muss dann aber los, mein Bus fährt in einer halben Stunde vom Bahnhof ab, darf ich nochmal nach Falk schauen?“ Sie nickte, „aber klar, ich denke, er wird morgen noch nicht wieder zur Schule kommen, kommst du wieder vorbei?“ Ich nickte sofort, „wenn ich darf und er es möchte… gern.“ Sie unterbrach mich sofort. „Na, ich glaube, er möchte es und dann ist das ja wohl selbstverständlich.“ „Aber morgen, am Donnerstag hab ich bis halb sechs Training auf der Laufbahn, ich glaub, da kann ich leider nicht oder erst sehr spät…“, ergänzte ich dann leiser. Schnell wollte ich nochmal zu Falk ins Kinderzimmer, Benny wollte hinterher aber Falks Mutti stoppte ihn, „Nee Benny, du lässt die beiden Großen jetzt mal allein.“ Er maulte, „aber ich will…“ Sie zog ihn einfach lieb an sich und flüsterte ihm etwas ins Ohr, was ich nicht verstand, ich sah nur, dass der Kleine große Augen machte, mich staunend ansah und dann nickte. Ich konnte mir nicht denken, was sie ihm gesagt hatte, und schlich leise zu Falk. Aber der schlief richtig fest. Vorsichtig strich ich ihm eine Locke aus der Stirn. Kurz über legte ich, ob ich ihn… nein. Leise schloss ich die Tür. Im Flur schnappte ich mein Schulzeug. „Also Frau Konrad, ich muss dann, vielen Dank für den leckeren Kuchen und den Kakao, vielleicht klappt es ja morgen, mal sehen.“ Als ich mich von Benny verabschiedete, kam seine Mutti auf mich zu und bedankte sich nochmal. Sie hielt meine Hand fest, schaute mir in die Augen, „sag mal Julian, wie ist dein Nachname, hab ich mir das vorhin richtig gemerkt, du heißt Julian Kiefer?“ Ich erschrak leicht und nickte, „ja, warum?“ „Seltsam, eine Frau Kiefer ist eine Kollegin von mir in der Bank und sie wohnt auch in Beiersdorf…“ Ich schaute demonstrativ auf meine Uhr, „Frau Konrad, mein Bus, ich muss los, tschüss und lieben Gruß an Falk!“ Ich sauste die Treppe hinunter. Ich konnte mir vorstellen, dass sie etwas erstaunt hinter mir hersah. Unten holte ich erstmal tief Luft, was war das für ein Nachmittag? Ich hatte Tim abgehängt, belogen und einen neuen Freund gewonnen, hatte ich? Ich schüttelte über mich selbst den Kopf und rannte zum Bahnhof, jetzt wurde es wirklich knapp mit dem Bus.

Während der kurzen Heimfahrt durch die winterlichen Straßen wanderten meine Gedanken zu Tim zurück, was wird er wohl von mir denken? Wobei ich mich aber daran erinnerte, dass ich mitbekommen hatte, dass Tim neuerdings immer öfter mit Therese zusammenstand und sie auch ziemlich genau beobachtete. Bestimmt dachte er sich, dass ich das nicht merke. Ob da was war? Eigentlich müsste ich eifersüchtig sein, aber nein, ich freute mich mit den beiden. Aber diese Vorstellung wurde überdeckt von meiner Sorge um Falk. Hatte ich zwei Freunde, die ich gernhatte? Umständlich kramte ich mein Handy aus dem Schulrucksack, ich hatte es vorhin einfach in die Tasche gestopft, ich erstarrte - zwei Anrufmitteilungen von Tim…

Es war bereits richtig dunkel, als der Bus gegen achtzehn Uhr an unserer Haltestelle hielt. Die alte Frau Brohmke, eine unserer Nachbarinnen aus der Straße, hatte mächtig Mühe, mit ihrer vollen Einkaufstasche die Stufen aus dem Bus hinunterzusteigen. Ich bot ihr meine Hilfe an und nahm ihr für ein paar Momente die Tasche ab, sie freute sich sehr. „Danke, Julian, das ist lieb von dir. Du kommst heute aber spät aus der Schule.“ „Ach nee, Frau Brohmke, ich hab nur noch meinen Freund in der Stadt besucht, der ist krank…“

Unvermittelt fiel mein Blick auf einen Wagen an der Kreuzung, ein Volvo SUV, der gerade an der Kreuzung in Richtung Stadt abbog. Frau Brohmke sagte noch etwas zu mir, ich bekam es nicht mehr mit. Auf dem Beifahrersitz des Volvos hatte ich Tim erkannt. Hatte er mich auch gesehen? Grübelnd stapfte ich durch den Schnee nach Hause. Mama wartete mit dem Abendessen schon auf mich, sie empfing mich herzlich. „Hallo Juli, du Lieber, na hast du den langen Tag geschafft, wie war er?“ „Och Mami, lass mich doch erstmal reinkommen.“ Sie schmunzelte, „okay, Abendessen in fünfzehn Minuten?“ Ich nickte und verzog mich nach oben in mein Zimmer. Schnell musste ich mal ins Bad, aufs Klo und warf mir dann ein paar Hände kaltes Wasser ins Gesicht, im Spiegel sah ich einen etwas müden, aber zufriedenen Julian vor mir. Ich war Falk ganz nah gekommen, mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte. Zurück im Zimmer kramte ich mein Handy hervor, es war stumm, „Scheiße“, ich fluchte. Der Akku war abgestürzt. Das Ladekabel hatte ich heute Morgen in der Küche gelassen, na ich wollte ja sowie so zum Abendbrot nach unten. Nachdem ich das Gerät mit Strom versorgt hatte, setzte ich mich zu Mama an den Tisch. „Wo ist Papa, hat er Spätdienst?“ „Ja so ungefähr, sie bekommen heute eine Lieferung aus dem Ausland, na und du weißt doch, der Herr Kiefer ist wichtig…“ „Mamaaa, bestimmt ist das echt wichtig.“ „Ja, Juli, ich weiß es doch, aber schön wäre es doch, wenn Papa hier wäre, oder?“ Ich nickte, „ja, klar. Aber ich sehe immer, wie sauer Tim ist, wenn sein Vati irgendeinen Einsatz hat oder nachts wegmuss, er findet das nicht besonders großartig.“

Mama sah mir nun etwas intensiver ins Gesicht, „sag mal, mein Schatz, ist irgendwas mit Tim und dir? Er hat schon zwei Mal auf dem Festnetz angerufen und wollte dich sprechen, hast du dein Handy ausgeschaltet?“ Ich stutzte, „nee, aber mein Akku war alle, ich hab verpasst ihn zu laden. Hat er gesagt, was er wollte?“ „Nein, er hat sich nur sehr umständlich ausgedrückt, ich hab eigentlich gar nicht verstanden, was er wollte, nur, dass er dich sprechen wollte.“ Ich wurde aufmerksam, „hast du ihm etwa gesagt, wo ich bin, also ich mein, du wusstest ja, dass ich mich mit Falk treffen wollte? Mamaaa?“

Sie sah mich jetzt eine kleine Weile noch forschender an. „Nein, ich hab ihm nicht die Wahrheit gesagt, ich hab ihm erzählt, dass du für uns etwas in der Stadt erledigen musstest. Also doch, du hast ein Geheimnis vor Tim und das heißt Falk.“

Ich wurde knallrot, „Mami, nein, ja nee, so ist das nicht, ich, ich wollte ja mit ihm reden aber… Falk ist doch krank und da hab ich, bin ich bei ihm…“ Selbst erschrocken hielt ich mir die Hand vor den Mund schluckte, „er wollte, ich wollte, ach…“ Ich schwieg. Mama hatte recht. Meine Eltern hatten mir geraten, ich solle ehrlich auch mit Tim über meine Gefühle für ihn reden. „Aber er ist doch selbst so komisch geworden, ich glaube, er und Therese… da ist was…“, ich sah Mama mit Tränen in den Augen an. „Du glaubst, er und Therese, aber du weißt es nicht. Du hast Tim sehr gern und auch mit Resi bist du schon so lange eng befreundet, bist du sauer deswegen auf die Beiden?“ „Nein, eigentlich nicht, aber er, ich wir haben uns doch Freundschaft geschworen.“ „Was sagen Tim und Therese dazu, dass du unsicher bist? Hast du es ihnen schon gesagt?“ Ich schaute sie überrascht an, „aber ich kann doch nicht...“ „Doch du kannst, magst du beide, seid ihr bisher ehrlich zueinander gewesen? Und was meinst du wird Falk dazu sagen, wenn ihr euch nur heimlich treffen könnt?“ Ich nickte, „Mama ich bin ein Feigling!“ Sie strich mir über den Kopf, „so würde ich es nicht nennen, es ist für niemanden leicht über seine Gefühle, Wünsche und Unsicherheit zu sprechen, aber es wird dir und deinen Freunden helfen, ich bin mir sicher. Ich glaube, wenn sich eine günstige Gelegenheit für euch zu zweit oder zu dritt bietet, solltet ihr sie nutzen. Und für Falk ist es bestimmt auch schöner zu wissen, dass er dir ganz vertrauen kann und er dazu gehört.“ Das Telefon klingelte auf dem Flur, ich holte den Apparat in die Küche. Eine mir unbekannte Nummer wurde angezeigt, es war weder die von Tims Handy oder die seiner Eltern. Ich hielt Mama das Gerät hin. Fragend sah sie mich an, ich zuckte mit den Schultern. Mama nahm das Gespräch an, ihre Mimik wurde freundlicher „ja hallo guten Abend, Frau Konrad, das ist aber eine Überraschung.“ Kurze Pause, sie lauschte, ihr Blick wanderte zu mir. „Ja, das stimmt, unser Sohn heißt Julian…“. Ich verließ fluchtartig die Küche und verschwand in meinem Zimmer.

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