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Das Geheimnis der Gitarre

Weihnachtschallenge 2008

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Freddy öffnete die Augen.

Eine kalte Brise war aufgekommen und das war hier auf der Insel nicht oft der Fall.

Er schaute auf seine Uhr und verließ schließlich seine Liege.

Viertel vor vier. Sara hätte doch schon längst …

Doch gerade als er sich Gedanken darüber machen wollte, warum ihn seine große Schwester noch nicht ins Haus geholt hatte, sah er sie einige Meter vor dem Pool.

Natürlich brauchte sie nun nichts mehr zu sagen, schließlich tranken sie immer zwischen drei und vier Uhr Kaffee und aßen Schokotorte.

Aber es war nicht nur dieses Ritual, generell liefen die Tage auf Red Island immer gleich ab.

"Ich glaube, sie hat ein bisschen sehr viel Sahne genommen.", sagte Sara, als Freddy sie erreicht hatte.

Er zuckte mit den Achseln und es interessierte ihn auch nicht die Bohne.

Das Haus befand sich direkt auf einem kleinen Hang, von welchem man einen perfekten Ausblick auf den Strand hatte. Es war nicht sehr groß, dafür der Pool und die Terrasse aber umso mehr.

Freddy blieb noch einen Moment stehen und sah auf das weite Meer hinaus. Es war nicht das erste Mal, dass er das tat.

Die gesamten letzten Wochen waren irgendwie anders gewesen.

Die Sanders lebten nun seit über zehn Jahren auf Red Island, einer sehr kleinen Pazifikinsel, und Freddy konnte sich schon lange nicht mehr daran erinnern, wie sein Leben vor dieser Zeit ausgesehen hatte.

Damals war er fünf Jahre alt gewesen und seine Eltern hatten ihn aus dem Kindergarten herausgeholt, um ihn zusammen mit seiner Schwester in dieses Paradies zu bringen. Und natürlich gab es hier so manche schöne Dinge, die man sonst nicht hatte: Wenn man nicht tagelang am Strand lag oder im Pool war, konnte man den kleinen Dschungel erkunden, welcher sich direkt an ihr Grundstück anschloss.

Aber das hatte Freddy vielleicht bis zu seinem zehnten Lebensjahr noch Spaß gemacht, bis er auch den letzten Winkel erkundet gehabt hatte.

Jetzt zeigten sich immer öfter die Schattenseiten des Insellebens. Zunächst einmal war da die Tatsache, dass es, bis auf einen sehr kleinen Supermarkt und vielleicht noch zehn andere, fast ausschließlich von alten Leuten bewohnte, Häuser, nichts gab.

Freddy hatte seit Beginn der Schulzeit Privatunterricht von seinen Eltern bekommen und eigentlich auch gar keinen schlechten. Aber um überhaupt die Prüfungen ablegen zu können, musste er schon mehrere Stunden auf einem Schiff verbringen, welches ihn zur nächstgelegenen Stadt brachte.

Außerdem konnte Freddy eigentlich nur durch Brieffreundschaften Anschluss finden, denn dass Fernseher und Radio Empfang hatten, hatte die Tatsache, dass er hier ohne Internet lebte, auch nicht ändern können.

Sara, seine sieben Jahre ältere Schwester, wusste von den meisten seiner Probleme nichts.

Sie arbeitete als Schriftstellerin und war zudem so oder so eine sehr ruhige Persönlichkeit, die nicht einfach so in die Masse zu integrieren war. Daher kam ihr diese Art von Ruhe nur gelegen und selbst wenn sie nur einen sehr geringen Umsatz bei Kleinverlagen machte, so konnte sie es aufgrund des Reichtums ihres Vaters als ihre Hauptaufgabe ansehen.

"Freddy, was machst du denn da draußen?"

Er drehte sich ruckartig um. Und so gehen die Träume wieder dahin. Aber irgendwann werde ich diesen kleinen Fleck verlassen und in eine Großstadt ziehen!

"Ist irgendwie ein langweiliger Tag, findet ihr nicht?", meinte Gerhard Sander plötzlich, nachdem er sein Stück Torte mit nur drei Bissen wie ein Wolf verschlungen hatte.

"Ich dachte, du liebst jede Minute auf dieser Insel!", entgegnete Freddy und wandte sich zunächst vom Kaffee ab. Er hatte seinen Eltern schon oft versucht klar zu machen, dass er nicht mehr länger auf dieser Insel bleiben wollte, doch sie wollten seinen Wunsch nicht akzeptieren. Besonders sein Vater war sehr hartnäckig. Er war damals derjenige gewesen, der im Lotto gewonnen und es für das richtige gehalten hatte, mit seiner Familie auf diese Insel zu ziehen.

"Das … tue ich auch, na klar. Aber heute ist eben ein ganz gewöhnlicher Tag. Keiner, an den man sich später noch erinnern wird."

Sara verzog das Gesicht. "Was redest du für einen Quatsch?"

Gerhard zuckte mit den Achseln. "Ich weiß nicht … ich liebe es eben einfach, hier zu sein und zu wissen, dass noch tausender dieser Tage auf mich warten."

Auch Heike, Freddy's Mutter, missfiel das Verhalten ihres Mannes. "Es passiert wirklich nicht viel hier. Wir könnten mal wieder einen Ausflug auf das Festland machen!"

Das glaubst du doch selbst nicht!, dachte Freddy prompt. Es hatte in seinem ganzen Leben hier bis jetzt zwei Ausflüge gegeben und beide waren vor einem halben Jahrzehnt in kurzen Zeitabständen passiert. Für seinen Vater würde das aber offenbar für den Rest seines Lebens reichen.

"Ja, genau. Sie hat recht."

Nun, da sich auch noch Sara der Meinung angeschlossen hatte, es wäre an der Zeit etwas Neues kennenzulernen, wurde Gerhards Miene ernster.

"Kommt überhaupt nicht in Frage. Das Festland ist anders, anders und gefährlich. Jemand, der seine Zeit auf einer Insel wie dieser verbracht hat, wird kaum in der Lage sein, auf dem Festland auch nur eine kurze Zeitspanne zu verbringen. Das ist meine Meinung und ich habe meine Gründe. Akzeptiert sie oder lasst es. Aber zum Festland werde ich euch nicht bringen, schon gar nicht begleiten."

Ja, ja, gefährlich, anders. Genau das hatte Freddy auch im Geschichtsunterricht seiner Eltern gelernt. Aber es hatte natürlich nicht lange gedauert, bis er begriffen hatte, dass an der einen oder anderen Stelle Hypothesen vorgekommen waren, die nur der Auffassung seines Vaters und keiner anderen entsprungen sein konnten. Deshalb behielt Freddy natürlich auch nur die Hälfte des Gelernten, eine schlechte Allgemeinbildung hatte er deshalb jedoch nicht.

"Ich denke, es ist langsam Zeit, mal neue Wege einzuschlagen." Sara blieb hartnäckig.

"Genau, dass ist es. Sara wird sich bald nach einem Freund sehnen, wenn sie das nicht schon lange tut. Und ich habe auch gar keinen Bock, jeden Tag die Pflanzen anzuschauen oder am Strand nach Muscheln und toten Krebsen zu suchen. Eine Insel, die ihren Namen nach dem prachtvollen Sonnenaufgang bekommen hat …

Deine Meinung ist schön und gut, aber ich glaube kaum, dass wir hier in zwanzig Jahren noch genauso wie jetzt am Tisch sitzen werden."

Jetzt war es geschehen. Freddy hatte das gesagt, was er seit Wochen geplant hatte, rauszulassen. Danke Sara, dachte er und warf ihr ein Lächeln zu.

Gerhard musterte seinen Sohn einige Sekunden und wandte sich dann von ihm ab, um den Boden anzustarren.

"Geht doch. Ich werde euch nicht aufhalten."

In der Tat würde es kein Problem sein, sich über eines der Schiffe, welche alle zwei Wochen vorbeikamen, aufs Festland zu schmuggeln.

Nein, der Haken an Gerhards Vorschlag lag vielmehr darin, dass er sein Geld nicht für solch eine Aktion hergeben würde.

Letztlich brachte dieses Nachmittagsgespräch keine neuen Ansichten in dieser ernsten Angelegenheit. Bei Freddy wurde der Glaube daran, dass sein Vater kein böser, sondern einfach nur komischer Mensch war, der etwas zu verschweigen hatte, immer mehr zu dünner Hoffnung.

Es war bereits kurz nach Neun, als Sara und Freddy mit dem Wasserballspielen aufhörten und aus dem Pool stiegen.

Im Übrigen war dies eine ihrer Hauptbeschäftigungen und sie wären auch sofort ins Haus gegangen, wenn nicht plötzlich etwas Merkwürdiges vom Himmel gekommen wäre.

Zunächst sah es für Freddy nach Regen aus, doch als die ersten dieser komischen Flocken den Boden erreichten, wussten die Geschwister, dass irgendetwas absolut nicht stimmte.

"Schnell rein, wer weiß, was das ist!", meinte die sonst so coole Sara, mit einer gewissen Hysterie in ihrer Stimme.

Doch keiner von Beiden bewegte sich.

"Hör mal!"

Freddy schloss die Augen und spitzte seine Ohren noch ein bisschen mehr. Kein Zweifel, das ist eine Melodie.

"Klingt fast so, als würde da jemand Gitarre spielen!", fand Sara.

"Hört sich aber überhaupt nicht nach Radio an." Freddy sah sich um und stellte fest, dass die vom Himmel kommenden Teilchen größer und schneller geworden waren.

Die Musik wurde immer unregelmäßiger und lauter.

Sara und Freddy standen mehrere Minuten fasziniert da, bis die ungewöhnlichen Geräusche ruckartig endeten und damit auch die weißen Flocken verschwanden.

Völlig verwirrt meinte Freddy schließlich: "Wow, das war krass. Einfach nur unglaublich."

Sara nickte. "Ich will mal wissen, was Vater dazu sagt. Irgendwie gefällt es mir nicht."

Sie suchten ihn im Haus, fanden jedoch nur Heike, welche sich im Schlafzimmer bereits hingelegt hatte, um am Kissen zu horchen.

Und es sollte eine ganze Stunde dauern, bis sie ihn das nächste Mal wiedersahen.

"Wo bist du denn gewesen?", fragte Sara, als ihr Vater das Wohnzimmer betrat.

Er schnaufte und machte ganz den Eindruck, als wäre er ein bisschen gerannt.

"Hab mir überlegt, ab sofort abends anstatt morgens joggen zu gehen."

"Sehr schlau, das lockt die Mücken an.", gab Freddy seinen Senf dazu.

Gerhard ging jedoch nicht weiter darauf ein. "Habt ihr etwa die ganze Zeit ferngesehen?"

"Nein, das tun wir erst seit einer Stunde." Länger konnte man dies auch nicht aushalten, genauso wie das Radio hören. Denn die Senderwahl beider Geräte war auf eine sehr geringe Anzahl von Dauersendungen beschränkt, die rund um die Uhr sich immer wieder wiederholende Dokumentationen zeigten.

"Was war das eigentlich vorhin am Himmel?", wollte Sara wissen.

"Äh … keine Ahnung. Gut, ich werde dann mal wieder gehen." Ihr Vater drehte sich sehr schnell um und war auf dem Sprung zur Treppe hinauf ins Schlafzimmer.

Auf den ersten Stufen erstarrte er jedoch zur Salzsäule.

Und Freddy wusste auch warum. Denn die Melodie hatte urplötzlich wieder eingesetzt und das bedeutete wohl auch, dass vom Himmel wieder diese flockenartigen Dinger kommen würden.

Gerhard bewegte sich nicht, die Melodie jedoch kam immer näher.

"Es ist, als würde jemand hinterm Haus stehen und Gitarre …"

"Psst!" Gerhard sah böse zu Freddy hinüber.

Und dann verstummte die Gitarre wieder. Aber dieses Mal war das nicht das Ende einer Reihe von ungewöhnlichen Ereignissen.

Denn plötzlich stand an der Glastür, welche vom Wohnzimmer aus auf die Terrasse führte, ein Mann.

Er war sicherlich schon um die Sechzig, sah jedoch überhaupt nicht unmodern aus. Er hatte eine merkwürdige Grauhaarfrisur und hielt eine Gitarre in der Hand … Eine Riesige!

Sara wartete nicht länger auf den Kommentar ihres Vaters und machte ihm auf.

"Sind Sie für diese …"

"Ja, ich bin dafür verantwortlich.", unterbrach der Mann sie. "Und ich bin gekommen, um mich mit deinem Vater zu unterhalten. Am Besten aber sind alle mit dabei."

Es gefiel Sara nicht, dass sie von der mysteriösen Gestalt geduzt wurde, doch aufgrund ihrer Neugierde ging sie sofort die Treppe hinauf, um ihre Mutter aufzuwecken und dem Wunsch zu folgen.

"Verschwinden Sie von hier! Sie sind nicht befugt … Es ist MEIN Grundstück!", schrie Gerhard.

Doch sein Gegenüber lächelte nur und relativierte dessen Zorn damit. "Du kannst dich nicht mehr vor mir verstecken. Schließlich habe ich dich nie suchen müssen!

Ich weiß, warum du so handelst, wie du handelst, Gerhard Sander. Und glaub mir, Rache ist kein Weg."

Gerhard seufzte schließlich und war anscheinend schon nach diesen Sätzen eingeschüchtert worden. "Also bitte, sprechen Sie mit mir, aber unter vier Augen."

Der Mann schüttelte den Kopf. "Nein, sie sollen es erfahren. Alle Drei. Es ist nur dann eine Schande, wenn das nicht geschieht."

Etwa eine Viertelstunde später saß die ganze Familie im Wohnzimmer auf dem Sofa, mit einem Teller Schnittchen, den der Mann bisher jedoch abgelehnt hatte, und ganz unterschiedlichen Gefühlen.

Heike hatte Angst, Sara ebenfalls, Freddy dagegen hatte das Gefühl, dass er dem Mann auf dem Sessel vielleicht von seinen Wünschen erzählen könnte.

Das Gesicht seines Vaters war völlig ausdruckslos geworden und es machte den Eindruck, als versuchte er seine Gefühle vor den anderen vollkommen zu verbergen, nur um diese Sache so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.

"Also, um es kurz zu machen: Euer Vater hat vor einer sehr langen Zeit mal einen sehr dummen Fehler begangen."

"Wer sind Sie überhaupt?", fragte Sara vorsichtig.

Der Mann lächelte. "Ich habe eigentlich nur einen Namen: Ich bin der Weihnachtsmann. Aber das sagt euch sicher nicht viel. Im Übrigen könnt ihr mich duzen, das macht die ganze Situation einfacher."

Weihnachtsmann? "Was ist das denn?", rutschte es aus Freddy heraus.

"Ich kann euch sagen, wer er ist.", meinte Gerhard plötzlich. "Er ist ein Lügner. Ein Mann, der in Legenden auftaucht und als Geschenkverteiler beschrieben wird. Aber in Wirklichkeit ist er böse und macht sich einen Spaß daraus, anderen Leuten das Weihnachtsfest zu verderben."

Jetzt war es anscheinend gefallen: Das Wort, welches Gerhard nie verwendet hatte. Weihnachten.

Nun, da Gerhard sich im Klaren darüber war, wer dort saß, agierte er viel aggressiver im Gespräch.

"Das siehst du falsch. Und das weißt du."

Er schüttelte mit dem Kopf. "Wäre schön, wenn das so wäre! Aber wo warst du denn damals, hä? Ich habe Gitarre gespielt, ich habe es geliebt. Und ich hatte Träume. Ich wollte in einer Band spielen, ein Star werden, mit der Musik mein Geld verdienen …

Und dann, mitten in meinem ersten Konzert in einer Kleinstadt, ist die Saite einer Gitarre gerissen, obwohl … es gar nicht möglich war! Mitten in einem Weihnachtskonzert!"

"Und du glaubst seit jeher, dass ich es gewesen bin, der für diesen Unfall gesorgt hat, Gerhard. Das ist mir klar. Aber was war, als du im Lotto gewonnen hast, am 28. Januar? War das etwa kein Weihnachtsgeschenk, wenn auch verspätet?

Du hattest dir bereits lange Zeit davor gewünscht, wenigstens reich, wenn schon nicht berühmt zu werden. Wie viele Menschen gibt es, die so einen Wunsch erfüllt bekommen?"

"Warum das eine, wenn das andere auch möglich war?", entgegnete Gerhard trotzig.

"Weil eben nicht jeder Wunsch jedem zu erfüllen ist. Ich habe mein Bestes gegeben und verlange nicht einmal, dass du mir dafür dankst. Auch die Tatsache, dass du vorhin meine Gitarre mit Steinen beschmissen und versucht hast, sie zu zerstören, trage ich dir nicht nach. Aber wenn etwas absolut nicht in Ordnung ist, dann ist es die Art und Weise, wie du deine Kinder behandelst!"

Bei diesem Satz sah er auch Heike an und sie machte plötzlichen einen schuldbewussten Eindruck.

"Anstatt Weihnachten zu feiern, streicht ihr diese Begriffe einfach aus den Geschichtsbüchern, anstatt in der Chemie über den festen Zustand von Wasser zu sprechen, verringert ihr die Aggregatzustandszahl des Elements einfach auf eins! Und ihr zieht auf eine verlassene Insel, auf der niemand um diese Jahreszeit auch nur an ein Fest denkt und der Begriff Schnee ein völliges Fremdwort ist."

"Warum?", fragte Heike plötzlich. "Warum hab ich da überhaupt mitgemacht?" Sie sprach mit sich selbst.

"Das ist so ziemlich das Dümmste, was ich in meinem ganzen Leben bisher gehört habe.", platzte es aus Freddy heraus und seine Schwester musste lächeln, selbst wenn ihr gar nicht danach zu Mute war.

"Was soll jetzt also geschehen?", fragte Gerhard. Er machte jetzt den Eindruck, als hätte er ernsthaft Angst vor den Folgen seines Handelns.

"Die Zeit der Lügen ist vorbei. Aber ich mache dir ein Angebot, Gerhard Sander.", antwortete der Weihnachtsmann. "Es sollte eine Strafe geben, das ist glasklar.

Weißt du, die Gitarre ist ein Gegenstand, den ich und meine Helfer dazu benutzen, um Schnee zu erzeugen. Den werdet ihr bald genauer kennenlernen." Beim letzten Satz sah er abwechselnd Freddy und Sara an, kam dann jedoch wieder auf Gerhard zurück.

"Es ist nur einer von vielen Gegenständen und Mitteln, den wir benutzen, um eine weihnachtliche Atmosphäre zu erzeugen, selbst wenn das nicht immer so klappt, wie ich es mir vorstelle. Das zeigen schließlich die schneefreien Jahre. Die schlimmste Zeit war wohl die, als ausgerechnet deine beiden Kinder mehrere schneefreie Jahre in Folge erlebten.

Aber um zum Punkt zu kommen: In der Antarktis gibt es viel Schnee, aber es könnte noch mehr sein. Wenn du also immer noch den Wunsch hast, Gitarre zu spielen, so tue dir keinen Zwang an. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dich dort einige Wochen oder Monate spielen zu sehen…"

Antarktis? Freddy konnte sich nicht erinnern, wo er diesen Begriff schon einmal gehört hatte. Klar war nur, dass sein Vater in dem betroffenen Buch etwas zu streichen vergessen hatte.

Der Weihnachtsmann seufzte. "Aber ich bin niemand, der gerne andere bestraft. Deshalb schlage ich vor, du feierst mit deinen Kindern ein anständiges Weihnachtsfest und versuchst dein Bestes zu geben, es ihnen auch ohne Schnee schön zu machen. Die paar Flocken sind auf dieser Insel nämlich das mindeste, das wir erzeugen können und es gibt Gebiete, in welchen ich und meine Kollegen wesentlich nötiger gebraucht werden. Wenn das Fest vorüber ist, lässt du deine Familie gehen, wohin sie will und wann sie will. Dann erspare ich dir das Gitarrenspielen. Und wieso siehst du dich nicht mal in der Welt nach einer neuen Band um? Nur weil dir durch den Sprung deiner Saite damals der Name als junger Rocker genommen wurde, muss das doch nicht heißen, dass sich heute noch irgendwer daran erinnert?"

Die Anspannung wich der Atmosphäre.

Gerhard brauchte einige Minuten, bis er reagieren konnte, doch schließlich willigte er ein, sodass seine Kinder zum ersten Mal ein richtiges Fest erlebten.

Der Weihnachtsmann verschwand kurze Zeit nach dem Gespräch mit den Sanders und kam auch nie wieder, selbst wenn jeder einzelne noch unglaublich viele Fragen im Kopf gehabt hatte.

Sie feierten mehrere Tage am Strand und jeder Einzelne kam auf seine Kosten.

Die Festtage waren schließlich die letzte Zeit für Sara und Freddy auf Red Island. Denn selbst Gerhard bevorzugte es wenig später, seine Freizeit in Zukunft in einer Villa mitten im Nobelviertel einer Großstadt zu verbringen, anstatt auf der trostlosen Insel zu bleiben.

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