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Along the Way

Teil 3

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Jordan

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, konnte ich mich von da ab an nichts mehr erinnern. Ich schaute mich um und stellte fest, dass ich in meinem Bett lag, nackt. Als ich aufstand, tat mein Kopf höllisch weh, so, dass ich ihn festhalten musste. Es war fast Drei am Nachmittag. Fuck, Bandprobe um Zwei. Ich zog mir schnell eine Jeans an und ging aus meinem Zimmer. Niemand war da. Waren sie schon losgefahren? Ich klopfte bei Kev und Becca, aber das Zimmer war leer, das Bett war gemacht. Dann klopfte ich bei Brian. Er lag in seinem Bett.

"Hey, ich dachte schon, ihr wärt ohne mich los zur Probe."

"Ich denk mal, die fällt heute aus, es sei denn, Kev will alleine spielen."

"Was ist denn mit Damian?"

"Naja, der hat heute Morgen um Zehn die letzte Line gezogen, da hast du schon zwei Stunden geschlafen."

"Line gezogen? Verdammt, ich kann mich an nichts mehr erinnern. Hab ich auch was genommen?"

"Warum meinst du, dass du dich an nichts mehr erinnern kannst?"

"Shit. Was denn?"

"Du weißt also gar nichts mehr?"

"Nein, kurz nachdem Sean weg war, wird es neblig."

"Okay, also wir haben alles aufgeraucht, was ich hatte, Damian stieß ja auch noch zu uns, er hatte Pillen. Ich weiß gar nicht, was es war. Und dann war da der Typ mit dem Koks."

"War da irgendein Mädchen? Oder ein Typ vielleicht, den ich mit nach Hause genommen hab?"

"Nein, nur wir."

Ich beschloss besser nicht weiter nachzufragen, warum ich nackt gewesen sein könnte.

"Ich brauch jetzt erst mal nen Kaffee zum wach werden."

"Damian hat mir die hier gegeben. Er meinte, die würden dafür sorgen, dass wir wieder fit würden."

Er hielt mir zwei Pillen entgegen.

"Ich wusste gar nicht, dass ihr zwei so Zeug überhaupt nehmt."

"Nicht oft, aber ab und an … Also willst du jetzt so eine?"

"Warum nicht …?"

Nach einer halben Stunde war ich wirklich fit. Ich hätte Bäume ausreißen können. Ich überlegte, ob ich zu Sean gehen sollte, aber er hatte ja gesagt, ich solle mich fernhalten. Und was hätte ich ihm auch sagen sollen? Seit gestern hatte sich nichts verändert. Um Mitternacht war ich immer noch hell wach, genau wie Brian. Wir beschlossen um die Häuser zu ziehen. In dieser Woche schaffte ich es zu keiner Vorlesung. Carla rief an und ich log ihr etwas von einer Grippe vor.

Die Bandproben verliefen natürlich mies und Kev war bald ziemlich angepisst. Bei den beiden Auftritten am Wochenende rissen wir uns zusammen, aber Damian steigerte sich zu sehr rein und kippte am Samstag beim dritten Song einfach um. Kev sagte unseren Gig am nächsten Freitag ab.

Nach ungefähr zwei Wochen hatte ich meinen ersten klaren Moment und ich verfluchte mich dafür, dass ich mir in L.A. keinen Therapeuten gesucht hatte. Ich rief Vince an.

"Hey Vince."

"Oh, hey Jordan. Hör mal, ich hab's grad eilig. Kann ich dich zurückrufen?"

"Ehm, ja, klar … ich wollte nur mal wieder deine Stimme hören. Bei dir ist immer noch alles ziemlich stressig, oder?"

"Es wird immer schlimmer. Also, ich muss jetzt echt los. Ich meld mich."

"Okay. Vince?"

"Hmm?"

"Ich liebe dich."

"Alles okay?"

"Geh schon, ich komm klar."

"Jordan, ich kann den Termin absagen …."

"Nein, halb so wild. Ich ruf Summer an. Meld dich einfach, wenn du Zeit hast."

"Okay, mach ich. Bis bald, mein Herz. … Oh, alte Gewohnheiten. Bis bald, Jordan."

"Bis bald, Vince."

Ich schaute in den Spiegel. In den letzten Wochen war ich um Jahre gealtert. Ich schlief kaum noch. Ich musste mir Hilfe holen. Ich rief Sean an.


Sean

Als nach zwei Wochen das Telefon klingelte, wusste ich aus irgendeinem Grund schon, dass er es sein würde.

"Sean Wittmore."

"Hey, ich bin's."

"Jordan, willst du jetzt mit mir zusammen sein?"

"Nein, ich …."

"Dann lass mich zu Frieden. Ruf mich nicht mehr an."

Damit war die Sache für mich erledigt. Ich hatte ihm endlich klipp und klar sagen können, wozu ich mich entschlossen hatte.


Jordan

KLICK

Brian und Damian kamen. Danach war plötzlich Dienstag und Kev schrie rum.

Der Laden! Da war ich schon seit Wochen nicht mehr, oder? Ich ging hin. Joe redete in zischendem Tonfall auf mich ein, ich solle zu einem Arzt gehen. Ich fragte nach meinem Lohn, er setzte mich vor die Tür. Am Morgen (?) danach wachte ich auf, weil mir mein Arm weh tat. Einstiche. Das war's, jetzt würde es wieder losgehen. Das schlimme war, dass ich noch fähig war, das zu denken, aber nicht mehr fähig, es aufzuhalten. Bilder blitzten in meinem Kopf auf. Erinnerungen. Ich hoffte, es wären falsche Erinnerungen.

Bald konnte ich an nichts anderes mehr denken, als an den nächsten Schuss. Mir ging das Geld aus. Ich bezahlte keine College-Gebühren mehr. Alles ging so schnell. Anfang Mai wurde ich exmatrikuliert. Miete zahlte ich auch keine mehr, genauso wenig wie Brian. Mum überwies nichts mehr, sie hatte wahrscheinlich Post vom College bekommen. Es hätte keinen Sinn gemacht, sie anzurufen, sie hätte es sofort durchschaut, außerdem war das Telefon abgeschaltet worden.


Sean

Im Mai rief mich Carol an.

"Hallo Sean. Hast du was von Jordan gehört?"

"Nein, nicht mehr seit Anfang des Semesters. Wir hatten einen Streit."

"Oh. Dann hast du nicht zufällig Vinces Nummer aus New York?"

"Nein, aber Summer könnte die haben."

"Okay, dann frag ich sie."

"Was ist denn los?"

"Ach, nichts weiter. Vermutlich ein Missverständnis."

"Na gut. Meld dich mal wieder."

"Okay, bis dann."

Ich erzählte Patricia von dem seltsamen Gespräch, aber ich wollte mich auch nicht einmischen. Ich hatte keine Nummer von Jordan, nur eine Adresse. Und sehen wollte ich ihn eigentlich nicht.

Was sich schon lange angekündigt hatte, geschah endlich und nach einem tollen Abend blieb Patricia mal wieder über Nacht, nur dass ich diesmal nicht auf der Couch schlief. Wir hatten uns eh die ganze Zeit wie ein Paar verhalten und plötzlich waren wir eben eines. Es dauerte nicht lange und die Idee kam auf, dass sie sich ja die Miete für ihr WG-Zimmer sparen könnte, also zog sie zum ersten Juni ein. Ich fand es toll, nicht mehr allein zu sein. Es ging bergauf.


Jordan

Es wurde Juni, Summerskin war tot. Kev war ausgezogen, Damian dafür ein. Ich brauchte dringend Geld. Sean hatte Geld. Ich duschte, zog ein langärmliges Shirt an und ging zu ihm. Patricia machte auf.

"Ach, du. Du sollst wissen, dass ich jetzt hier wohne."

"Aber es gibt nur ein Schlafzimmer."

"Was sagt dir das?"

"Oh. Naja, war ja nur eine Frage der Zeit. Ist er da?"


Sean

Mitte Juni saßen wir gerade beim Frühstück, als es klingelte. Patricia kam mit ernster Miene von der Tür zurück.

"Jordan steht draußen. Ich glaub er ist auf Drogen."

"Was? Bitte nicht …."

Er schwitzte, war blass und eingefallen, hatte tiefe Ringe unter den Augen und konnte nicht stillhalten.

"Was willst du? Wie schaust du denn aus? Bist du krank?"

"Grippe. Können wir reden? Draußen vielleicht?"

"Ich weiß nicht …."

"Bitte. Es ist wichtig."

"Na schön."

Er wippte seltsam beim gehen, sein Blick schweifte umher, ich war mir nicht mal sicher, ob er vielleicht vergessen hatte, dass ich da war. Ständig fasste er sich an den linken Arm, als hätte er dort Schmerzen.


Jordan

Wir gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. Ich wusste nicht, wie ich anfangen sollte. Sean verlor die Geduld.

"Also, warum bist du hier?"

"Ich … ich hab meinen Job verloren. Kev und Becca sind ausgezogen und haben Brian und mich mit der Miete sitzen lassen. Ich bin knapp bei Kasse …."

"Warum fragst du nicht deine Mutter?"

"Sie zahlt schon die College-Gebühren. Ich kann nicht noch mehr von ihr verlangen."

"Aber von mir schon? Was ist wirklich los? Warum schaust du so fertig aus und so gehetzt? Und warum trägst du bei diesen Temperaturen lange Ärmel?"

"Das ist wohl die Grippe, mir ist kalt."

"Jordan, zeig mir deine Arme."

Er fasste an meinen Ärmel, ich wich zurück.


Sean

Er ließ mich nicht mal in die Nähe von seinem Arm und wurde panisch.

"Was soll denn der Scheiß?! Was willst du mir unterstellen?"

"Zeig mir deine Arme, wenn du nichts zu verbergen hast!"

Ich wusste, dass ich Gefahr lief, dass er richtig aggressiv würde, aber dennoch griff ich nach seiner Hand. Er wand sich frei und fragte flehentlich:

"Gibst du mir jetzt Geld, oder was?"

"Nein, aber ich helfe dir, wenn du mich lässt."

"50 würden mir helfen, 100 wären noch besser."

"Ich rede vom Entzug. Ich bringe dich in eine Klinik."

Für einen Moment schaute er mich hilfesuchend an und ich wollte den Arm um ihn legen. Sein Gesicht verfinsterte sich.


Jordan

Ich stieß ihn weg, viel fester als ich geplant hatte. Er landete im Gras.

"Die Art von Hilfe brauch ich nicht. Ich hab alles unter Kontrolle!"

"Sieh dich doch an, Jordan! Lass mich dir helfen."

Er hatte sich wieder aufgerappelt.

"So wie du mir das letzte mal geholfen hast? Du hast jetzt wieder ein Mädchen, du brauchst mich nicht mehr, also willst du mich wieder in eine Klinik abschieben. Aber das kannst du vergessen! Du hast mich einmal rein gebracht, nochmal lass ich das nicht zu. Ich bleibe."


Sean

Eigentlich wusste ich, dass er es nicht so meinte. Aber dennoch sprach er das aus, was ich mir insgeheim selbst vorwarf. Und ich konnte ihm eh nicht helfen. Er steckte schon zu tief drin. Wenn ich nicht aufpasste, würde er mich wieder in mein eigenes Loch werfen, das konnte ich nicht zulassen.

"Nein, du verschwindest. Du bist total kaputt, das wird sich nie ändern. Ich will, dass du aus meinem Leben verschwindest, ein für alle Mal."

"Gib mir Geld und ich bin weg. Dann siehst du mich nie wieder."

Diese Gier, wenn auch aus Verzweiflung, war einfach abstoßend. Für den nächsten Schuss würde er einfach alles tun, das sah man deutlich. Es brach mir das Herz. Ich ließ ein paar Scheine aus meinem Geldbeutel fallen und ging. Würde ich ihn jemals lebend wiedersehen?


Jordan

Ich werde nie vergessen, wie er mich in dem Moment ansah. Die gleiche Enttäuschung hatte ich schon in den Augen meiner Mutter gesehen.

Irgendwann wachte ich auf der Straße auf und wusste nicht, wo ich war. Ich wollte nach Hause, zu meiner Mutter, zu Jemandem, der mir half, aber ich hatte kein Geld für den Bus. Wir verloren die Wohnung und teilten uns ein Zimmer in einem schäbigen Wohnblock. Ich versetzte alles, das man zu Geld machen konnte, schrieb sogar meinem Vater und bat ihn um Geld, aber es kam keine Antwort.


Sean

Ende Juli bekam ich meine Antwort. Er stand vor der Tür, als wir gerade mit meinen Eltern zu Abend aßen.

"Jordan. Was willst du hier?"

Er sah noch schlimmer aus, als beim letzten Mal.

"Bitte Sean, ich brauche Geld."

"Für Drogen?"

"Für Essen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal was gegessen habe."

So dünn wie er in einem Monat geworden war, glaubte ich das gerne.

"Hör mal, ich kann dir kein Geld geben, aber ich kann dir Essen geben. Ich würde dich ja rein bitten, aber meine Eltern sind da, also …."

"Oh, okay."

"Also, warte hier, ich bring dir was."

"Sean, wer ist denn an der Tür?"

"Oh, nur der Nachbar. Ich bin gleich wieder bei euch."

Ich packte Toast, Käse und Äpfel in eine Tüte.

"Warum will der Nachbar denn Essen von dir?"

"Irgendwas mit nicht zum einkaufen gekommen."

Mein Dad war stutzig geworden.

"Also bitte, um die Ecke ist ein Supermarkt. Vermutlich ist ihm das Geld ausgegangen. Sean, das hier ist nicht die Wohlfahrt. Ich werde mal mit ihm reden."

"Nein Dad, bitte nicht."

Aber er war schon auf dem Weg zur Tür.

"Jordan! – Sean, komm sofort hier her!"

"Dad, bitte …."

"Erklär mir, was dieser Junkie hier macht! Hast du Klaus und Carol nicht zugehört? Er hat sein ganzes College-Geld durchgebracht und jetzt will er an deines."

"Er will nur Essen …."

"Ich verlange, dass du auf der Stelle jeden Kontakt zu diesem Kerl abbrichst, sonst siehst du von mir keinen Cent mehr!"

"Ich brauch nicht viel, Mr. Wittmore. Ich hab nur Hunger …."

"Geh zu deiner Familie, wir schulden dir gar nichts."

"Doch."

"Was soll das denn bitte heißen?!"

"Nichts, ich wollte doch nur …."

"Was sollten wir einem stinkenden Stück Dreck wie dir bitte schulden?"

"Zum Ficken war ich schließlich gut genug."

"Wovon redet der Kerl, Sean?"

Mir stiegen Zornestränen in die Augen. Jordan griff nach der Tüte und schlurfte davon. Mein Vater packte mich an den Schultern.

"Was meint er damit, zum Teufel?! Hast du diesen Kerl angefasst?"

"Das ist über ein Jahr her …."

Ich bekam eine schallende Ohrfeige und er schubste mich nach drinnen.

"Du meinst also, du bist eine Schwuchtel? Und dann auch noch mit so einem? Ich werd dir deine Flausen aus dem Leib prügeln!"

Mum und Patricia hielten ihn so gut sie konnten zurück. Ich konnte mich ins Bad einschließen. Mein Vater schrie wie wild durch die Gegend.

"Wenn doch Jacob bloß nicht gestorben wäre! Er war ein guter Sohn, du hast immer nur Ärger gemacht!"

Eine halbe Stunde lang tobte er durch die Gegend. Manchmal dachte ich, gleich würde die Türe unter seinen trommelnden Fäusten nachgeben. Warum musste er jetzt doch noch die Wahrheit erfahren, jetzt, wo es keinem mehr nutzte? Warum hatte Jordan das getan? Je mehr ich darüber nachdachte, desto wütender wurde ich. Irgendwann wurde es draußen ruhig. Patricia klopfte behutsam an die Tür.

"Sean? Sie sind weg. Ich hab die Wohnungstür zu gesperrt. Du kannst aufmachen."

Die Ferien verbrachte ich bei Patricias Familie im Valley. Es war schön, eine normale Familie kennenzulernen, ihre Schwester, ihre beiden Brüder, die Eltern, die sich nach 25 Jahren immer noch liebten und ab und an spontan in der Küche tanzten. Alle verstanden sich. Alle waren freundlich zueinander und akzeptierten sich. Ich war sofort willkommen und fühlte mich wohl.

Während dem Semester besuchte mich Beth und erzählte von zu Hause. Mein Dad betrachtete mich als gestorben, mit meiner Mutter konnte ich nur heimlich telefonieren. Dass das Ganze so ausufern würde, hatte ich nicht gedacht. Und an allem war nur Jordan schuld.

Zwischen Patricia und mir lief es fantastisch. Wir lernten zusammen, kochten, gingen aus, bauten uns einen Freundeskreis auf, verbrachten eigentlich jede Minute zusammen. Wenn sie mal eine Stunde nicht da war, fehlte mir richtig etwas.

Zu meinem 20. Geburtstag organisierte sie eine grandiose Überraschungsparty, zu ihrem 21. im Dezember revanchierte ich mich dafür.


Jordan

Irgendwann kam Brian nicht mehr nach Hause. Ich verlor das Zeitgefühl, nicht nur für die Uhrzeit, auch für den Monat. Konnte es wirklich schon Weihnachten sein? Überall hingen Lichterketten, Weihnachtsmusik wurde gespielt. Bald würde das neue Jahrtausend anbrechen. Ziemlich genau vor drei Jahren war ich zum Entzug in die Klinik gekommen, nachdem ich fast gestorben wäre.

Ich wachte ständig neben fremden Frauen auf und konnte mich meistens nicht mal daran erinnern, was passiert war.

Ich wachte auf und fragte mich, welches Jahrtausend wir wohl hatten. War mein Geburtstag schon vorbei? War ich schon 22?


Sean

Zu Weihnachten waren wir tatsächlich zu meinen Eltern eingeladen. Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den Weg.

Mein Dad tat, als sei nichts geschehen und dieses Spiel spielte ich mit, doch am Morgen des 25. bat er mich in sein Büro nach oben.

"Setzt dich, Sean, wir müssen reden. Also, ich habe gründlich nachgedacht. Du warst noch jung, so etwas kommt vor und geht vorbei. Patricia ist ein nettes Mädchen. Solange du mit ihr zusammen bleibst, kann ich über deine früheren Verfehlungen hinwegsehen. Du hast doch vor, mit ihr zusammen zu bleiben, oder?"

"Ja, natürlich."

"Gut. Dann habe ich etwas für euch."

Er gab mir eine kleine Schmuckschachtel.

"Was ist das?"

"Ein Familienerbstück. Mach schon auf. … Schön, nicht wahr? Das ist der Verlobungsring, den mein Großvater meiner Großmutter gekauft hat. Ich möchte, dass du ihn Patricia gibst."

Mir wurde heiß. Meinte er das ernst?

"Ich spreche nicht von heute oder morgen, aber innerhalb des nächsten Jahres. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt."

"Ich weiß nicht was ich sagen soll."

"Sag gar nichts, denk dir eine schöne Gelegenheit aus, ihn ihr zu geben. An eurem Jahrestag zum Beispiel, oder ihrem Geburtstag. Nächstes Jahr Weihnachten feiern wir dann offiziell eure Verlobung."

Ich schob den Gedanken einfach bei Seite. Ein Jahr war lang, mal sehen, bis dahin konnte sich vieles ändern.

Silvester gaben meine Eltern eine große Millenniums-Party. Mir fiel auf, dass Klaus und Carol nicht da waren und sprach Beth darauf an.

"Dad hat sie nicht eingeladen. Er macht ihnen Vorwürfe wegen Jordan."

"Aber Klaus und Dad sind doch Freunde."

"Tja, Dad ist da kompromisslos. Hör mal, Summer hat mich angerufen. Morgen wollen sich einige Leute wegen Jordan treffen. Sie hat gefragt, ob wir Beide auch kommen könnten."

"Nein, auf keinen Fall. Das ist viel zu riskant. Wenn Dad das mitbekommt."

"Okay. Ich denke, ich geh hin. Ich erzähl dir dann davon."

"Also, dieser Vince war da und sein neuer Typ. Ein Anwalt. Summer und Nick, ihr neuer Freund und Carol und Klaus. Seit dem Sommer hat niemand mehr was von Jordan gehört. Es hat damit angefangen, dass Carol einen Brief bekam, in dem stand, dass er seine College-Gebühren nicht bezahlt hat. Davor hatte er Vince schon angerufen und war irgendwie seltsam. Als Carol dann bei ihm anrufen wollte, hat sie festgestellt, dass sie die neue Nummer noch gar nicht hatte. Die hat Summer ihr dann über Vince gegeben. Sie hat erst niemanden erreicht und irgendwann war das Telefon dann tot. Sie macht sich Vorwürfe, nicht gleich nach L.A. gefahren zu sein. Jedenfalls hat sie dann endlich den Vermieter erreicht und der hat ihr mitgeteilt, dass die Leute nach unbekannt verzogen seien, einen Schweinestall zurückgelassen hatten und ihm noch zwei Monatsmieten schuldeten. Klaus hat ihm das Geld geschickt. Das war Ende August. Von da an weiß niemand mehr, wo er gewohnt hat."

"Einen Monat vorher hab ich ihn das letzte Mal gesehen."

"Ja, das hab ich ihnen auch erzählt. Du warst der Letzte, der ihn gesehen hat."

"Haben sie bei Josh angerufen?"

"Ja natürlich. Die haben das letzte Mal zu Joshs Geburtstag von ihm gehört, der war im April. Nikki ist ja schon seit fast zwei Jahren verschwunden."

"Kurz vor der Klinik ist sie bei Jordan aufgetaucht."

"Ja, das wusste Vince auch. Seitdem ist sie weg."

"Der arme Josh."

"Ja und Nikki und Jordan, ich hoffe, sie sind noch am Leben."

"Wenn nicht, dann sind sie selbst Schuld."

"Wie kannst du so was sagen? Du hast Jordan schließlich mal geliebt."

"Ja und wo hat mich das hingebracht? Jetzt muss ich Patricia heiraten, um von Dad nicht doch noch totgeprügelt zu werden."

"Wovon redest du?"

Ich erzählte es ihr.

"Und du willst sie nicht heiraten, oder?"

"Keine Ahnung. Natürlich, irgendwann vielleicht."

"Heutzutage bedeutet einen Hochzeit nicht mehr für immer, man kann sich auch scheiden lassen …."

"Sagt mir die Frau, die es bisher mit keinem Kerl länger als einen Monat ausgehalten hat."

"Wir sind eben unterschiedlich. Ich kann auch glücklich sein, wenn ich allein bin. Das konntest du noch nie."

Damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen.

"Und was kam jetzt wegen Jordan raus?"

"Vince fährt übermorgen nach L.A. Aber er weiß gar nicht, wo er anfangen soll zu suchen. Er kennt nicht mal die Nachnamen von den Leuten aus der Band und Summerskin ist schon längst von der Bildfläche verschwunden. Ich frag mich, wie man sieben Monate mit jemand zusammenleben kann und nicht mal die Nachnamen von dessen Bandmitgliedern kennen kann."

"Oh mein Gott, ich weiß wo die Eltern von Zweien wohnen. In der Garage war der Probenraum. Ich kenn die

Adresse nicht, aber ich kann beschreiben, wo es war."

"Okay, das ist sicher hilfreich, wir müssen Vince anrufen."


Jordan

Ich hörte aus weiter Entfernung ein Klopfen. Mein Körper gehorchte mir nicht, als ich den Befehl zum Aufstehen gab. Es klopfte wieder, diesmal war es näher. Ein Gesicht tauchte über mir auf. Vince. Ich streckte meine Hand nach ihm aus. Ein helles Licht, dann war es weg, dann kam es wieder, war wieder weg, da, weg, da, weg, da, weg. Dunkelheit. Schüttelfrost, Erbrochenes. Der Schweiß stand mir auf der Stirn und mein Herz raste. Eine Schwester kam ins Zimmer.

"Mr. Bonanno, kann ich ihnen etwas bringen?"

"Methadon."

"Ich rede mit dem Arzt darüber. Trinken sie etwas. Ich muss Blut abnehmen."

Nach ein paar Stunden klopfte es. Vince kam herein.

"Hey, du bist wach. Wie geht es dir?"

Er nahm meine Hand.

"Beschissen. Ich brauche was. Methadon, oder Diazepam wenigstens."

"Ich weiß, aber die Ärzte meinen, du sollst es noch einen Tag ohne Ersatz versuchen. Halt durch, in zehn Tagen hast du den Entzug überstanden. Lass mich deine Stirn fühlen … Du glühst ja. Ich hol dir was gegen das Fieber.

Er kam mit Fiebertee zurück.

"Ich bekomm nicht mal Ibuprofen?"

"Trink den Tee, mal sehen wie er wirkt."

"Ich will duschen."

"Glaubst du, du kannst gehen?"

"Ich will duschen, nicht gehen."

"Ich schau, was ich tun kann."

Er kam mit einem Rollstuhl zurück.

"Komm, ich helfe dir rüber. Leg deinen Arm um mich. Okay. Die Dusche ist quer über den Gang. Sie ist groß genug, dass man mit dem Rollstuhl bis zur Kabine fahren kann. Beine hoch."

Er sperrte hinter uns ab und half mir beim Ausziehen.

"Du bist dünn geworden, viel dünner als damals, als wir uns kennengelernt haben. Okay, also den Rest musst du alleine schaffen."

"Warum? Du hast das alles schon gesehen."

"Die Dinge haben sich verändert."

"Na schön, wie du meinst."

Ich zog die Hose aus und mit weichen Knien und schwindlig, als wäre ich gerade aus dem Karussell gestiegen, stellte ich mich unter die Dusche. Das Wasser konnte nicht heiß genug sein, ich fror. Vince gab mir ein Handtuch. Ich konnte nicht aufhören zu zittern. Er rubbelte meine Arme warm. Ich schlang sie um ihn und spürte seine Wärme. So nah wie möglich drückte ich mich an ihn.

"Jordan, ich bin hier als ein Freund."

"Danke dass du hier bist. Ohne dich … Vince, ich weiß nicht mal, was für ein Tag heute ist."

"Heute ist Freitag."

"Welches Jahr?"

"Du weiß nicht welches … 2000. Der 14. Januar."

"Ich hab Lauras Geburtstag verpasst."

"Aber an deinem Geburtstag wirst du das Schlimmste hinter dir haben."

"Nein, dann geht es erst los. Der psychische Entzug. Depressionen, Schlaflosigkeit, diese Gedanken … ich hab Angst davor, Vince."

Er wickelte mir das Handtuch fester um die Schultern.

"Du bekommst Hilfe, dafür sorge ich schon."

"Ich brauche dich."

"Jordan, ich muss zurück."

"Dann nimm mich mit!"

"Das geht nicht."

"Du hast wieder Jemanden, oder?"

"Jordan, du warst über ein halbes Jahr von der Bildfläche verschwunden, unter deiner alten Adresse warst du nicht mehr zu erreichen. Ich hab dich gesucht. Alle haben dich gesucht."

"Wer denn bitteschön?"

"Na deine Familie, Summer, Sean …."

"Und wie hast du mich gefunden?"

"Ich hab Kev gefunden, der hatte Brian mittlerweile in eine Klinik gebracht und von ihm hab ich die Adresse eurer … naja, Wohnung würde ich es nicht nennen. Jordan, ich hab da Ratten gesehen. Und Damian und du, ihr … jedenfalls hab ich dich dann hier her gebracht. Ich weiß nicht was aus Damian geworden ist. Ich hab seiner Familie Bescheid gesagt."

"Ich wusste nicht mal, dass er Familie hat."

"Seine Mutter ist Mexikanerin, sie lebt in El Paso. So, jetzt zieh dich mal wieder an und dann ab ins warme Bett."

Er legte mir seinen Arm um die Schultern, als ich wieder anfing zu zittern. Die Schwester kam und gab mir eine Spritze. Ich schlief ein.

Vince blieb bis zu meinem Geburtstag. Am Freitag würde er zurückfliegen. Mittlerweile hatte ich die schlimmsten körperlichen Entzugserscheinungen hinter mir und am Montag sollte ich dann in eine Langzeit-Klinik verlegt werden.

"Vince, ich weiß nicht, wie ich es diesmal schaffen soll. Beim letzten Mal wusste ich, wofür. Der Schulabschluss, eine Perspektive, meine Familie. Aber wenn ich in ein paar Monaten raus komme, dann werde ich gar nichts haben. Und dann?"

"Das wird sich alles finden."

"Bitte verlass mich nicht! Ich brauch dich. Du bist der Einzige, den ich noch habe. Ich liebe dich."

"Ich liebe dich auch. Aber ich muss zurück. Dort wartet Jemand auf mich. Collin und ich, wir wollen uns zusammen ein Leben aufbauen. Er will genau das Gleiche wie ich. Ich bin dein Freund und ich bin für dich da, so gut ich kann. Aber ich muss zurück zu ihm."


Sean

Am 11. Januar rief mich Carol in L.A. an.

"Vince hat ihn gefunden. Er hat ihn in eine Klinik gebracht. Vince wollte mir nichts Näheres sagen, aber Jordan lebt."

Endlich konnte ich wieder wütend auf ihn sein.

Ich studierte, kam gut voran und peilte an, schon im Herbst 2001 alle Voraussetzungen für die David Geffen School of Medicine zu erfüllen, genau wie Patricia.


Jordan

Die nächsten drei Monate waren nicht toll. Die Klinik war Scheiße. Ich war am Boden. Niemand kam, niemand rief an. Nur Vince. Er erzählte, Summer würde nun doch in Phoenix studieren. Sie hatte einen Kerl kennengelernt und strebte jetzt scheinbar ein bürgerliches Leben an. Ich hörte den ganzen Tag Musik und schrieb selbst, hatte kein Geld, keinen Job, keine Band, als ich im April entlassen wurde. Ein Jahr war vorbei, ein Jahr an das ich so gut wie keine Erinnerungen hatte, außer das Gehangel von einem Schuss zum nächsten. Diesmal hatte ich wirklich Grund, Schiss vor dem Aids-Test-Ergebnis zu haben, soweit reichten die Erinnerungen. Aber alle wichtigen Tests waren negativ.

Ich brauchte Geld und ich brauchte Freunde. Deshalb ging ich am Tag nach meiner Entlassung zum Laden. Joe und Janet waren beide da.

"Oh mein Gott Jordan, bist du das wirklich?"

Ich konnte ihnen den entsetzten Blick nicht verübeln, da ich selbst stundenlang vor dem Spiegel gestanden und mein eingefallenes, altes Gesicht gemustert hatte.

"Ja, ich befürchte, ich bin es."

Janet umarmte mich, das tat gut.

"Wo warst du? Wir haben uns Sorgen gemacht."

"In einer Entzugsklinik, seit Januar."

"Also bist du jetzt clean?"

"Ich hab ein Attest dabei …."

"Sei nicht albern. Brauchst du einen Job?"

Ich nickte. Joe trat um den Tresen herum.

"Jordan, ich bin froh, dich zu sehen. Aber wenn du wieder hier arbeiten willst, verlange ich einmal im Monat einen Drogentest."

"Okay, das ist wohl fair."

"Und dass du dir eine Gruppe suchst."

"Da bin ich gerade dran."

"Gut, dann willkommen zurück. Hast du eine Wohnung?"

"Ohne Job? Nein."

"Du kannst für ein paar Nächte im Hinterzimmer schlafen. Aber such dir bald was Eigenes."

Nach einer Woche hatte ich ein günstiges, möbliertes Zimmer gefunden. Mein Zeug hatte ich entweder verkauft oder zurückgelassen, nur mein Bett hatte Vince aus der Wohnung gerettet und einlagern lassen. Vielleicht hatte Damian noch was vom Rest. Zumindest meine Klamotten wären nützlich. Ich hatte nur das, was Vince mir von dort zusammengepackt hatte. Ich beschloss, mal bei Kevs Eltern vorbeizuschauen.

Schon von der Straße aus hörte ich aus der Garage Musik. Ich erkannte ein schlechtes "Scar Tissue"-Cover. Bevor ich klingelte, betrachtete ich nochmal meine Reflexion im Fenster. Ich hatte in der Nacht gut geschlafen und sah fast wieder aus, wie ich selbst. Nur irgendwie unspektakulär, mit meinem Durchschnitts-Haarschnitt und den Durchschnitts-Klamotten. Hoffentlich wusste hier jemand, was aus meinen Sachen geworden war. Ich klingelte. Becca machte auf. Sie sah noch genau aus, wie vor einem Jahr, als sie ausgezogen waren.

"Jordan! Was willst du?"

"Ich wollte fragen, ob ihr wisst, was aus meinen Sachen aus der Wohnung geworden ist."

"Du meinst aus dem kläglichen Rest, den du nicht verschachert hast? Die zwei Kisten stehen hier rum, neben den beiden von Damian."

"Wie geht es ihm? Was ist aus ihm geworden?"

"Seine Mum hat ihn zu sich geholt, ich nehme an, er sitzt in irgendeiner Klinik, aber eigentlich ist es mir egal."

"Und Brian?"

"Lass ihn zufrieden. Du hast genug angerichtet."

"Ich?!"

"Du hast ihn da mit rein gezogen. Wir wissen alles über deine Vergangenheit."

"Hör mal, ich suche keinen Streit, aber das lasse ich nicht auf mir sitzen. Damian und er haben das Zeug angeschleppt. Ist ja auch egal, ich bin nur wegen meinen Sachen hier."

"Warte hier."

Sie machte die Tür wieder zu und zwei Minuten später ging die Tür wieder auf. Kev stand mit einer großen Kiste da.

"Hast du ein Auto?"

"Nein, woher denn?"

"Wie willst du das dann nach Hause bringen?"

"Tragen. Und mit dem Bus. Ist es so viel?"

"Zwei große Kisten. Die kannst du nicht schleppen."

"Naja, dann komm ich wohl ein andermal wieder und nehme jetzt nur ein paar Sachen mit."

"Okay."

"Ich hab die Musik gehört. Hast du eine neue Band?"

"Du hast uns ja gehört. Nicht der Rede Wert. Der Bassist ist ein Anfänger und der Sänger ist eigentlich Keyboarder."

"Ich würde irgendwann gern mal mehr von euch hören."

"Wo warst du? Vince hat dich in eine Klinik gebracht, oder?"

"Ja, ich bin seit letzter Woche draußen."

"Und, bist du clean?"

"Ja. Und ich hab wieder den Job im Plattenladen. Und ein kleines Zimmer. Wie geht es Brian?"

"Er lag halb tot in einer Spelunke. Der Barkeeper hat sich die Mühe gemacht, auf seinen Ausweis zu schauen und hat meine Eltern angerufen. Es war wirklich knapp. Und er hat Hep C."

"Oh, Scheiße."

"Bist du gesund?"

"Ja, wie durch ein Wunder. Es tut mir wirklich leid. Kann ich was tun?"

"Nein. …"

Kev drehte sich um, jemand kam den Gang entlang. Ich erkannte Brians Stimme.

"Dachtet ihr, ich bekomm es nicht mit?"

Er stand vor mir, war blass und eingefallen.

"Jordan, du hast es geschafft."

"Mehr oder weniger, ja."

"Ich bin froh, dich zu sehen."

Er umarmte mich lange.

"Jordan, ich hab wochenlange blinde Flecken, ich weiß nicht, was ich den Sommer über gemacht habe."

"Ich befürchte, ich kann dir dazu auch nicht wirklich viel sagen."

"Wie konnte es nur so weit kommen?"

"Jetzt ist es ja vorbei."

"Ich bin krank."

"Ich weiß, aber es muss nicht chronisch werden. Du bist noch jung."

"Ich bin 25 und hab gar nichts. Ich hätte letzten Sommer die Abschlussprüfungen gehabt."

"Das kannst du sicher nachholen."

"Ich wohne wieder bei meinen Eltern."

"Es gibt schlimmeres."

"Was denn?"

"Dass deine Eltern nichts mehr von dir wissen wollen."

"Hast du zu Hause angerufen?"

"Sie wollen nichts hören, nicht mal, dass es mir wieder einigermaßen gut geht."

"Tut mir leid. Wo wohnst du jetzt? Ist Vince hier geblieben?"

"Er hat Jemanden in New York."

"Summer?"

"Hat Jemanden in Phoenix."

"Sean?"

"Hat Patricia."

"Und wen hast du?"

"Joe und Janet und den Laden. Und du?"

"Meine Familie. Und eine grottenschlechte neue Band."

"Eine schlechte Band ist besser als gar keine Band."

"Kev, Jordan sollte mal mit uns singen, dann kann Tobey ans Keyboard. Was spricht dagegen?"

"Was dagegen spricht?! Zum Beispiel, dass wir abgemacht hatten, dass du keinen Kontakt mehr zu ihm und Damian hast."

"Aber er ist clean. Und so wie es jetzt ist, bekommen wir nie im Leben einen Auftritt außer im Jugendzentrum."

"Ich weiß nicht …."

"Dann lass es die Anderen entscheiden. Es ist auch ihre Band."

"Na gut. Jordan, wann kannst du mal mit uns proben?"

"Jetzt sofort. Spielt ihr welche von den alten Nummern?"

"Nicht wirklich. Wir haben noch nicht so viele Songs drauf."

"Ich hab gehört, dass ihr Scar Tissue spielt. Kenn ich, mag ich, lasst uns das versuchen."

"Naja, erst mal hören, was die Anderen meinen …."

Wir gingen in die Garage. Ich hatte das Gefühl, dass gleich über mein Leben entschieden werden würde.

"Tobey, Mickey, das ist Jordan. Er war der Sänger von Summerskin."

Die Beiden sahen aus wie gerade von der High School, aber das Equipment, das rum stand, war vom Feinsten.

"Jordan würde gern mal wieder mit uns singen. Habt ihr was dagegen?"

"Nein, können wir ja mal versuchen."

"Was für einen Song?"

"Scar Tissue."

"Okay."

Tobey setzte sich so lange auf die alte Couch.

Was soll ich sagen? Wir hatten es noch drauf, auch wenn der Bass manchmal hinterherhinkte. Wir hängten gleich noch ein paar eigene Songs dran und ließen den Bass einfach weg. Ich spürte, dass die anderen Beiden es genau so genial fanden, wie ich. Es war genau wie früher. Tobey und Mickey klatschten begeistert Beifall.

"Das war grandios! Willst du wieder einsteigen? Dann geh ich gern ans Keyboard."

"Jetzt mal langsam. Jordan ist gut, das bezweifelt hier keiner. Aber die Frage ist, wie lang er es bleibt. Was ist, wenn wir mal richtig gut im Geschäft sind und Verpflichtungen haben und dann fängst du wieder mit den Drogen an? Weißt du wie schwer es war, letztes Jahr aus unseren Auftrittsverpflichtungen rauszukommen?"

"Ich bin clean und hab vor es zu bleiben. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich denke Brian und ich müssen aufeinander aufpassen, dann haben wir gute Chancen."

"Wir überlegen es uns und sagen dir dann im Laden Bescheid."

"Okay, danke."

Ich suchte noch ein paar Sachen zusammen und ging.

Das College konnte ich mir nicht mehr leisten, obwohl ich die Möglichkeit hatte, wieder einzusteigen. Ich rief immer mal wieder zu Hause an, einfach nur um sie wissen zu lassen, dass es mir immer noch gut ging. Klaus legte immer sofort wieder auf.

Ich rief Josh an, fragte seine Großeltern nach Nikki, aber sie hatten nichts gehört. Ich fragte mich, ob sie vielleicht gar nicht mehr am Leben war. Sie würde doch Josh niemals zurücklassen. Aber andererseits war er ja gut versorgt.

Wenn ich mit Summer telefonierte, hatte sie nie lang Zeit, weil sie ihren Nick nicht warten lassen wollte.

All meine Hoffnungen setzte ich in die Band.

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