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Projekt Jugendheim

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Informationen

Vorwort

Diese Geschichte ist frei erfunden und spielt in meinem Heimatland Österreich. Bis auf das Jugendheim, existieren alle anderen Orte/Gebäude in dieser Geschichte. Wie in meinem Profil geschrieben steht, handelt es sich bei den Personen in der Geschichte um Furrys.

Tiere, die wie wir Menschen aufrecht gehen, unseren Lebensstil nachleben, Kleidung tragen und mit Autos fahren, sowie kommunizieren.

Es kommt dreimal zu sexuellen Akten, die ich in der Geschichte mit einbezogen, aber nicht bis ins kleinste Detail beschrieben habe.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich auf euer Feedback.

 

Still ist es. Eigentlich ein gutes Zeichen, doch Stefan weiß es besser. Seine Ohren liegen an seinem Kopf, es ist nur noch eine Frage der Zeit bis er kommt. Aber vielleicht... vielleicht hat er es ja heute mal vergessen? Aber nein, Markus vergisst nie, er wird kommen, so wie jede Nacht...

Kurz zu Stefan: Er ist ein hellbrauner Labrador-Retriever-Mischling mit etwas längeren Haaren. Nicht sehr stark, doch wenn Stefan neben einem anderen Labrador steht, sieht man, bei genauerem Hinsehen, den leichten Unterschied. Er ist 1,75m groß, hat bernsteinfarbene Augen und ist durchschnittlich gebaut. Weder zu dick, noch zu dünn. Keine Muskeln, aber auch kein Weichei.

Stefan zählt 17 Jahre und hatte die Ehre, bei seinem Labrador Vater Roland und seiner Retriever Mutter Julia aufzuwachsen, bis es zu jenem Abend kam... Jenem Abend, an dem seine Mutter heulte, sein Vater brüllte und beide ihn auf die Straße setzten. Seither lebt er seit gut drei Jahren im Jugendheim.

Doch hier ist es nicht viel besser. Anfangs lief es gut, doch ihre Betreuer machen ihren Job nur wegen dem Geld. Das Anliegen der Jugendlichen ist ihnen scheißegal. Bis auf Sophie, die kleine Ziege. Die einzige Betreuerin, die ein offenes Ohr und ein Herz für ihre Schützlinge hat.

Nach seinen Eltern war sie die einzige, der Stefan gebeichtet hat, dass er schwul ist. Sie nahm es locker auf und versuchte anfangs ihn mit einigen Jungs zu verkuppeln, was ein großer Schuss ins Leere war. Der ein Jahr ältere Markus hat die Kuppelversuche durchschaut und ist hinter Stefans Geheimnis gekommen.

Markus ist ein großer Kater, ein wahrer Muskelprotz, der täglich weitere Gewichte stemmt und sich einen Spaß daraus macht, die Kleineren und Jüngeren herum zu schubsen oder ihnen Befehle zu erteilen. Werden diese nicht erfüllt, folgen eine kleine Schlägerei oder eine leichte Folter. Untertauchen in Wasser, bis einem fast die Luft ausgeht, kopfüber an einen Baum gebunden, bis das Blut einem in den Kopf fließt oder das Essen oder die Hausaufgaben ruinieren.

Markus kennt keine Gnade, konnte bisher aber immer den Strafen der Betreuer entgehen. Jeder fürchtet ihn im Heim, vor allem Stefan. Nachdem Markus nämlich seine Neigung erfuhr, nahm er ihn eines Tages mit auf die Toilette und redete mit ihm. Angefangen damit, dass Stefan alles tun muss, was Markus ihm sagt, bis zum ersten Abend, wo der Mischling dem Kater einen blasen musste.

Doch Markus’ Gier ist unersättlich und so kam es zu dem Ritual, bei dem sie nun schon seit knapp einem halben Jahr sind... Anfangs hat sich Stefan gewehrt und musste oft wegen starken Schnittverletzungen oder Prellungen von der Schule befreit werden.

Einmal hatte er sogar einen gebrochenen Arm. Leicht zitternd verkriecht sich Stefan unter der Decke seines Bettes. Markus wird kommen, wie jede Nacht, das weiß er. Soll er sich wieder wehren oder soll er sein Schicksal endlich hinnehmen?

Er kann es nicht, aber der Schmerz und die Erniedrigung quälen ihn. Albträume, Angst und Abgrenzung sind die Folge. Stefan bleibt in seinem Zimmer, geht gezwungen zur Schule und in die Speiseräume wenn Essenszeit ist, nutzt sonst aber jede Zeit allein in seinem Zimmer. Sophie hat ein paar Mal versucht mit ihm zu reden, ohne Erfolg.

Ein Ruckeln an der Tür lässt Stefan hochschrecken. Er ist da! Die Tür ist abgesperrt, wie immer... nur helfen wird es ihm nicht. Aber vielleicht... „Stefan! Ich weiß dass du da drinnen UND noch wach bist. Mach die Tür auf!“, knurrt leise eine tiefe Stimme, die Stefans Zittern nur noch stärker macht.

Er muss leise sein, vielleicht schafft er es heute, der Qual zu entgehen. Er muss sich nur schlafend stellen und hoffen, dass... „Stefan... du weißt, dass es zwecklos ist dich zu verstecken. Sieh es endlich ein, dass du mir gehörst und du hast weniger Probleme! Jetzt mach die Tür auf oder ich hol mir morgen was ich will... mit Gewalt.“

Markus’ Stimme ist ruhig, bedrohlich ruhig. Stefan weiß, dass er Recht hat. Es gibt kein Entkommen. Er ist gefangen. Er muss sich endlich seinem Schicksal ergeben. Nur in einer grauen Jogginghose gekleidet steigt der Labrador aus dem Bett und geht langsam auf die Tür zu. Er zittert wie Espenlaub und seine Augen werden feucht, als er die Tür erreicht und die Sperre entfernt.

Noch ehe er reagieren kann, wird die Tür aufgerissen und der große Kater stürmt ins Zimmer. Binnen Sekunden ist die Tür wieder zu, ohne auch nur einen Laut von sich gegeben zu haben und Stefan spürt Markus’ Pranke an seinem Hals, die ihm langsam die Luft nimmt.

Markus’ gelbe Augen funkeln ihn an und aus nächster Nähe knurrt er ihm leise zu: „Geht doch. Und jetzt sei leise und tu ja nichts Falsches!“ Mit diesen Worten lässt Markus den Labrador los und schubst ihn vor sich zum Bett. Sofort wird ihm die Jogginghose vom Körper gerissen und gewaltsam wird er mit dem Oberkörper aufs Bett gedrückt, während der Unterkörper am Boden kniet.

Das Zittern hat aufgehört, dafür rinnen Tränen Stefans Wangen herunter und ein leises Schluchzen und Winseln ist zu hören. Markus reagiert nur mit einem bedrohlichen Knurren und tut das, was er jeden Abend vorm schlafen gehen tut...


Oh man, was für ein Schultag. Als ob sich die Lehrer alle plötzlich und heimlich abgesprochen hätten, war heute ein Tag der Tests und Prüfungen. Egal ob in Mathe, Geschichte, Englisch... jeder hatte einen nicht angekündigten Test oder eine Prüfung durchgeführt. Seufzend öffnet Alex die Tür zum Haus seiner Mutter und tritt ein. „Hey Mom, ich bin zu Hause!“ „Hallo Schatz! Ich bin in der Küche!“

Der Wolf entledigt sich seiner schwarzen Lederjacke und legt den Motorradhelm auf den Schrank, der im Vorzimmer steht. Mit dem Rucksack in den Händen schlendert er zur Küche und begrüßt seine Mutter mit einem Kuss auf die Lefze. „Na mein Großer, wie war es heute in der Schule?“ „Frag nicht... nur Prüfungen und Tests. Sie haben uns nicht mal gewarnt!“

„Und, wie ging es dir dabei?“ „Recht gut.“ Seine Mutter, eine dunkelgraue Wölfin namens Lisa und etwas kleiner als er, schaut ihn skeptisch an. „Sicher? Oder hast du wieder mal keine Lust und willst das letzte Jahr auch noch einmal wiederholen?“ „Oh nein! Einmal sitzen bleiben hat gereicht. Außerdem ist das schon wieder vier Jahre her! Ich werde dieses Jahr schon schaffen, sei unbesorgt.“ „Wenn du das sagst. Dann Abmarsch nach oben und an die Hausaufgaben. Essen ist in einer halben Stunde fertig.“

Mit einem Grinsen und einem erneuten Kuss meint Alex dann nur: „Aye, Ma’am!“, ehe er die Treppe hinauf in sein Zimmer verschwindet. Alex ist ein pechschwarzer Wolf mit smaragdgrünen Augen. Ein 1,90m großer, leicht durchtrainierter und gutaussehender Wolf. Er zählt 19 Jahre und ist in der letzten Klasse auf dem Weg zur Matura. Mit 14 kam er in eine Phase, wo ihn andere Jungs zunehmend interessierten und Teil seiner Träume waren.

Ein Wechsel seiner Gefühle, seiner Interessen. Ein Wechsel, der ihm ein Schuljahr genommen hatte und sein Leben verändert hat. Mit der Nachricht, dass er aufgrund der schlechten Leistung das eine Jahr wiederholen muss, hatte er sich vor seinen Eltern geoutet. Alex ist schwul. Seine Mutter nahm es locker auf und ist stolz auf ihren Sohn. Sein Vater stand jedoch kurz vor der Tollwut und wurde noch am selben Tag von Lisa aus dem Haus geworfen.

Der Vollidiot hat sich sogar geweigert, Alimente zu zahlen und begründete vor Gericht, dass er keinen Sohn habe und seine Ex die Mutter einer schwulen Missgeburt sei. Anders gesagt, sein Vater hatte ihn vor der Öffentlichkeit bloßgestellt, seine Natur offenbart und ihn und seine Mutter beschimpft.

Der Richter war aber auf ihrer Seite und als Strafe muss Alex’ Vater nun das Doppelte zahlen. Nur mit viel Glück konnte das Ereignis von den Medien ferngehalten werden, sodass das Geschehen den Richterraum nicht verlassen hat. Nun lebt Alex mit seiner Mutter allein und auch in der Schule läuft seither alles wieder normal. Sein ältester und bester Freund seit Kindertagen ist Leonard, ein Esel, der von allen nur Leo genannt wird.

Eine bereits bestehende Freundesgruppe hat die zwei Jungs auch nach kurzer Zeit aufgenommen. Klara, die Löwin, deren Eltern aus Ägypten kommen. Sie jedoch ist in Deutschland geboren. Und dann ist da noch Julian, der Fuchs. Alle drei Freunde, die Alex ans Herz gewachsen sind und denen er sich nach einem Jahr offenbart hat.

Ihre einzige Antwort war, dass es für sie kein Problem sei, einzig Leo war ein wenig enttäuscht, es so spät erfahren zu haben. Mittlerweile aber ziehen die Drei ihn damit auf, wenn ihrer Meinung nach schöne Jungs in der Nähe sind. Julian hat seit Ende letzten Schuljahres eine Freundin. Eine süße Hasendame namens Sabine, die auch hin und wieder mit der Gruppe etwas unternimmt.

Alex hat voriges Jahr die erste Stufe des Motorradführerscheins gemacht und ist stolzer Besitzer einer leichten Maschine. Das eine Jahr extra am Buckel hat durchaus seine Vorteile. Aber zurück zum hier und jetzt. Die Osterferien stehen bevor und es heißt nicht mehr lang die Schulbank drücken, ehe die Matura geschafft ist.

Der junge Wolf hat sich natürlich sofort an seinen, eher unordentlichen, Schreibtisch gesetzt und mit den Hausaufgaben begonnen. Hausaufgaben... in den Osterferien! Zum Glück nur in Mathe, Deutsch und Englisch, doch für eine solche Tat gehören Lehrer in die Strafanstalt! Nichtsdestotrotz blendet Alex diesen Gedanken aus und macht sich an die Arbeit. Es warten dann ja vier Tage und eine Woche Ferien auf ihn.

Die Zeit vergeht wie im Flug und mit einem zufrieden Seufzen legt er den Stift weg, als er seine Mutter schon rufen hört: „Alex! Essen ist fertig!“ Ohne Rücksicht auf Verluste rast der Junge aus seinem Zimmer und die Treppe hinunter. Nur um mit einer Vollbremsung im Wohnzimmer anzukommen und sich sofort an den Esstisch zu setzen.

„Irgendwann brichst du dir noch was!“, schüttelt seine Mutter grinsend den Kopf, während sie zwei dampfende Teller hereinträgt. Riecht nach Spaghetti Bolognese. Lecker! Ebenso grinsend erwidert der Junge nur: „Wäre ja nicht das erste Mal. Aber ich mag halt eben deine Kochkünste so sehr!“ Seine Mutter lacht auf und stellt ihm einen Teller vor die Nase.

„Ich wünschte, ich könnte so viel essen wie du. Wenigstens ist Michael nicht mehr da. Der hat auch so viel gegessen.“ „Ich dachte du willst dieses Arschloch vergessen?“ „Will ich auch Alex, aber... nun es ist schwer. Immerhin waren wir verliebt. So etwas verschwindet nur langsam.“ Alex kann seine Mutter verstehen. Hätte er sich nicht geoutet, wären die zwei noch glücklich zusammen.

Und zwar wirklich glücklich. Sein Erzeuger Michael, der das Wort Vater nicht verdient hat, hatte nur das Problem, dass sein einziger Sohn ein Schwanzlutscher ist, wie es in der Schule manchmal so gern genannt wird. Dort kann sich der Junge ja noch wehren. Nicht oft hat er sein Recht mit einer Schlägerei verteidigt. Plötzlich wird er von den Worten seiner Mutter aus seinen Gedanken gerissen.

„Ach Alex, ich werde bis Ende nächster Woche nicht hier sein. Mein Chef hat Kontakt zu einem Schwesterngebäude in München. Bei denen im Büro sind drei krank geworden und die haben nun mehr als nur Stress. Ich bin für die erste Woche mal als Aushilfe eingeplant. Vielleicht wird eine zweite dran gehängt, doch das entscheidet sich noch.“ Alex Mutter arbeitet im Büro eines Krankenhauses.

Mit acht anderen Kolleginnen und einem Mann als Vorgesetzten sorgt das Zehner-Team in dem Krankenhaus in ihrer Umgebung dafür, dass alle Mitarbeiter ihr Geld bekommen. Lohn- oder Personalverrechner sagt man heutzutage dazu. Ach, vergessen zu erwähnen. „Diese Umgebung“ ist im südlichen Außenbezirk der schönen Stadt St. Pölten in Österreich.

Eine schöne Kombination aus Natur und Stadt. „Ok, ist kein Problem. Ich werde solang auf das Haus aufpassen. Darf ich Klara, Leo, Julian und Sabine hin und wieder mal einladen?“ „Klar, aber du kennst die Regeln! Partys von mir aus, aber nicht übertreiben und wenn ihr etwas dreckig macht,...“

„Dann räumen wir es auch wieder weg. Keine Sorge. Du wirst das Haus so vorfinden, wie du es verlassen hast.“ Grinsend schaut Alex zu seiner Mutter, die ihm zunickt. „Gut. Morgen Mittag fahr ich los.“ Der restliche Tag verläuft ohne, dass großartig viel passiert. Doch der nächste Tag ist der große Tag. Alex begleitet seine Mutter zum Hauptbahnhof, die sich mit Tränen in den Augen verabschiedet. Alex hat Mühe, nicht ebenfalls loszuheulen, doch kann er sich beherrschen und winkt seiner Mutter im Zug nach.

Sie sind mit Lisas Auto hergekommen, doch zurück nach Hause kann er damit nicht. Alex hat nur den Motorradschein und innerlich verflucht er sich, nicht auch den Autoschein mitgemacht zu haben. Nun muss er nun den ganzen Weg mit den Öffentlichen zurück fahren. Gestern hat er seinen Freunden davon erzählt und so wundert es ihn nicht, dass sie alle vor seinem Haus auf ihn warten.

„Da bist du ja! Hat ja ganz schön lang gedauert!“, wird er von Klara begrüßt. „Ja t'schuldige. Aber mit den Öffentlichen dauert es nun mal etwas. Kommt doch rein.“ Gesagt, getan und schon finden sich die Fünf im Wohnzimmer wieder. Julian mit Sabine im Arm, sowie Leo auf der Couch, Klara im Ledersessel und Alex am Boden, auf dem Teppich.

Kurz zum Haus von Alex und seiner Mutter Lisa Sterner. Durch die Haustür kommt man zu einem schmalen Vorraum. Am Ende führt eine Tür links in eine kleine Küche, von der aus eine Tür zum kleinen Balkon führt. Gegenüber kommt man durch eine Tür ins Wohnzimmer. Eine Tür im Vorzimmer führt ebenso ins Wohnzimmer.

Recht schlicht und einfach sind hier ein kleiner Tisch und eine große Couch, sowie ein Ledersessel. An der Wand ist ein Esstisch mit entsprechenden Stühlen. Im hinteren Bereich führt eine Treppe nach oben, zu einem ebenso kleinen Flur, mit vier Türen. Ein Schlafraum von Alex, einer von seiner Mutter, ein Bad mit Toilette und ein Abstellraum, wo auch Trockner und Trockenlager vorhanden sind.

Die Jugendlichen stoßen gerade mit einem Glas Cola an, als Leo schon erfreut spricht: „Also Osterferien UND deine Mutter, die bis nächstes Wochenende in München ist. Also besser kann es ja nicht laufen. Jeden Tag Partys ohne Ende!“ Doch Klara schüttelt nur grinsend den Kopf. „Du willst doch nur wieder alle Mädels flach legen! Dein Ruf eilt dir schon voraus. Such dir doch endlich was Fixes!“

„Und werde dann so ein verwöhntes Tier wie unser Julian hier? Nein danke!“ Doch der Fuchs drückt Sabine an sich und meint grinsend: „Du bist ja bloß eifersüchtig, weil ich jemanden hab und damit nicht mehr bei deinen Streifzügen mitmachen werde.“ „Partys schön und gut, aber mich jeden Tag volllaufen zu lassen, darauf hab ich auch keine Lust“, mischt sich nun auch Alex ein.

„Aber da sind süße Jungs dabei! Kannst dir ja einen davon anbeißen.“ „Sehr lustig Leo. Du weißt ja, entweder sind es Heten oder schon Vergebene. Und außerdem werde ich sicher keine wilden Partys in meinem Haus feiern. Ihr kennt meine Ordnung, also wie soll ich dann bitte nach einer großen Party das Haus aufräumen?“

„Spielverderber“, murrt der graue Esel und erntet dafür allgemeines Grinsen und Gelächter, als sich Sabine zu Wort meldet: „Erinnert ihr euch an diesen großen Bericht kurz nach Silvester? Wo dieser eine tote Junge im Fluss gefunden wurde, der zum Jugendheim gehörte?“ Klara ist es, die antwortet: „Klar, war den ganzen Jänner über in den Medien. Ist jetzt aber schon wieder Schnee von gestern, nachdem sie schließlich von einem Unfall ausgegangen sind. Wieso fragst du?“

„Nun, ich hab gerade gedacht, vielleicht sollten wir dort ja vorbeischauen? Also im Jugendheim, nicht im Waldweg beim Fluss.“ Verwirrt wird die Hasendame angeschaut und ihr Freund ist es, der sie fragt: „Was willst du denn dort?“ „Weiß nicht. Neue Leute kennen lernen? Vielleicht finden sich ja neue Freunde.“ „Oder ein Lover für unseren heißen Wolf“, ergänzt Leo und grinst breit zu Alex, der ihm nur die Zunge zeigt und alle daraufhin kurz lachen müssen.

Klara meint schließlich: „Von mir aus. Bin zwar jetzt nicht scharf darauf, mit denen in ein Gehege zu kommen, aber da es nur einmal ist, kann ich ja wohl mitkommen.“ „Ob du kannst ist relativ. Du MUSST mitkommen“, grinst Alex die Löwin an, die ihm zuzwinkert und leicht den Kopf neigt. „Was immer der Chef sagt.“ „Lass den Unsinn endlich, sonst kommen bald echte Befehle!“ Und wieder allgemeines Gelächter. Somit ist der morgige Tag zumindest schon mal abgedeckt.


Herrlich, wenn am Morgen kein Wecker klingelt und einen daran erinnert aufzustehen und sich schulfertig zu machen. Gemütlich, so gegen neun Uhr, steht Alex auf und macht erstmal seine morgendliche Routine. Zähne putzen. Aus der Jogginghose in Kleidung schlüpfen. Eine Semmel, eine Seite mit Marmelade, die andere mit Butter und Nutella. Fertig.

Ein Blick auf die Uhr sagt, dass es langsam Zeit wird sich vor Klaras Haus zu treffen. Der Fußweg dauert ungefähr fünfzehn Minuten und von weitem sind schon eine Löwin und ein Fuchs zu sehen. Beide mit einer Zigarette im Mund. Alex gesellt sich zu ihnen und zündet sich auch eine an. „Morgen du Hund.“ „Morgen du Katze.“ „Gut geschlafen?“ „Klar, hab die ganze Nacht nur von dir geträumt.“ „In natura oder mit einem Schwanz?“

„Hmm... Zweiteres.“ „Na da bin ich beruhigt.“ Schließlich grinsen sich Alex und Klara breit an und Julian kann sich das Lachen kaum noch verkneifen. „Oh man, irgendwann lande ich noch in der Klapse wegen euch zwei!“ „Knappe vier Monate haben wir noch Zeit. Sollten wir schaffen oder Wuffi?“ „Aber klar doch Maunzi!“ Schließlich prustet der Fuchs los und kugelt sich am Boden vor Lachen, in das Alex und Klara mit einstimmen.

Nachdem sich die drei beruhigt haben, kommen Sabine und Leo schon dazu und gemeinsam machen sie sich nun auf den Weg zum Jugendheim. Der Weg dauert nicht lange. Zwanzig Minuten ungefähr und führt sie weiter aus der Stadt hinaus, an den Rand eines kleinen Waldes mit einem Fluss.

Das Heim ist an sich recht groß. Das Gebäude besteht aus zwei Quadraten, die mit einem eher dünnen Rechteck verbunden sind. Aus der Luft betrachtet könnte man sagen, es ähnelt einem Kauknochen für Hundebabys, wenn die ihre Zähne bekommen. Vor dem Gebäude ist eine große Fläche flach gemähte Wiese, durchzogen von grauen Wegen.

Wenn man auf den Eingang zugeht, befindet sich linker Hand ein weiteres Gebäude, das wohl das Schulgebäude ist. Rechter Hand geht es zum Wald. An sich ja eine recht schöne Umgebung. Langsam betritt die Gruppe das Gebäude und schaut sich um, als sich bei Alex Zweifel regen, ob das eine so gute Idee ist. Vor allem... was sagen sie, wenn sie gefragt werden, warum sie hier sind?

Da kommt schon eine Ziege eine Treppe hinunter und erblickt sie, winkt ihnen zu und nähert sich lächelnd. „Guten Tag, was kann ich für euch tun?“ Die drei Jungs schauen sich unschlüssig an und es ist Sabine, die vortritt und sich vorstellt: „Guten Tag. Wir würden uns gerne ein wenig umschauen, wenn das möglich ist?“

„An sich kein Problem, aber gibt es einen Grund dafür?“ Sabine sucht scheinbar nach einer Antwort, doch ist es Julian, der neben sie tritt, ihr eine Hand um die Hüfte legt und meint: „Wir wollen gern wissen, wie es ist, wenn man keine Eltern hat. Wir haben in unserer Schule ein Projekt angefangen, um Jugendlichen ohne Eltern zu helfen und sie zu unterstützten.“

Die Ziege mustert den Fuchs eine Weile und lächelt dann wieder. „Schön, dass es noch Furrys gibt, die sich für diese armen Seelen interessieren. Ihr müsst wissen, es kommt hier leider nicht oft vor, dass die Jugendlichen eine Familie finden. Kommt mal mit!“ Und schon dreht sich die Ziege um und geht wieder in Richtung Treppe. Sabine drückt Julian einen Kuss auf die Nase und murmelt: „Schlauer Fuchs.“

Schon folgen alle der Ziege, die sich als Sophie vorstellt. Die einzige Betreuerin die ihren Job ernst nimmt und nicht des Geldes wegen macht, wie ihre Kollegen und Kolleginnen, wie sie meint. Sie führt die Besucher die Treppe hinauf und durch einen Gang und redet mit Julian über dieses Projekt. „Sag mal Julian, was genau tut ihr bei diesem Projekt? Also wie geht ihr es an?“

„Das wird alles erst nach den Osterferien geklärt. Unser Klassenvorstand hat uns über die Ferien die Aufgabe gegeben, sich Gedanken zu machen und ein paar Informationen zusammen zu suchen.“ Sophie nickt und meint nach einer Weile: „Die Idee ist gut. Ich frag mal meinen Chef. Vielleicht kann das den Jugendlichen hier helfen, wenn ihr mit diesem Projekt auch Werbung machen würdet.“

In Julians Gesicht macht sich ein gehetzter Ausdruck breit und Klara, Leo und Alex müssen sich das Lachen verkneifen. Einzig ein Rippenstoß von Leos Ellenbogen bekommt der Fuchs ab, als sie auch schon vor einem großen Raum halt machen. „Das ist der Gemeinschaftsraum. Hier treffen sich die meisten Jugendlichen nach der Schule und den Hausaufgaben. Bleibt ruhig hier, ich geh mal zu meinem Chef.“

Und schon macht sich die Ziege auf und davon. Die fünf Jugendlichen warten und schließlich lachen Klara, Alex und Leo los. Julian schaut seine Freunde ungläubig an, selbst Sabine kann sich ein Grinsen nicht verkneifen und meint: „Tja Schatz, da ging die Idee wohl nach hinten los.“

„Irgendwas musste ich doch sagen, um dich nicht fallen zu lassen! Verdammt... was machen wir jetzt?“ Klara hat sich als erste wieder beruhigt und meint grinsend: „Weiter wie bisher. Du spielst den gutmütigen Schüler, der sich für diese armen Kidis einsetzt. Mit gut Glück lehnt Sophies Chef ab, sonst musst du dir was überlegen bis zum Schulbeginn.“ Der Fuchs gibt einen murrenden Laut von sich, als sich die Gruppe endlich in den Raum begibt.

Der Raum ist recht groß. An der einen Wand befinden sich gepolsterte Sitzmöglichkeiten. Daneben sind ein paar Bücherregale und auf der anderen Seite ist ein CD-Spieler, aus dem gerade leise Radiomusik läuft. In der Mitte sind ein paar runde Tische mit bis zu sechs Holzsesseln rundherum und auf der anderen Seite sind ein paar Computertische mit entsprechenden Geräten.

Überall sitzen Jugendliche zwischen ungefähr 14 bis 20 Jahren. Bären, Hunde, Wölfe, Hirsche, Schweine, Pferde und sogar ein Tiger... Wahrlich ein bunter Haufen, bei dem selbst Leo sich einen Kommentar spart und die Jugendlichen mit leichtem Bedauern mustert. Ihr Eintreten bleibt natürlich nicht unbemerkt und so manche Jugendlichen mustern sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Neugierde.

Alex schaut sich um und nickt hier und da grüßend, ehe er vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzt und sich der gepolsterten Ecke nähert, seine Freunde hinter ihm. Bis auf eine Stute, so um die 17 und dem Tiger, der vermutlich eher die 19 zählen müsste, ist die Ecke leer und Alex fragt die zwei: „Hey, ist bei euch noch Platz für eine große Gruppe?“ Die zwei mustern sie kurz und der Tiger antwortet dann: „Klar, setzt euch.“

Dankbar verteilen sich die fünf Jugendlichen auf der Bank und den Sesseln und eine Weile herrscht Schweigen, ehe Klara das Wort an sich reißt: „So, genug geredet. Ich bin Klara, die zwei da drüben sind Sabine mit ihrer schlechteren Hälfte Julian...“ „Hey!“, protestiert Julian, doch Klara fährt einfach fort: „Der Kahlgeschorene hier ist Leonard alias Leo und unser Blacky hier heißt Alex.“

Leo schnaubt bei der Bezeichnung „Kahlgeschorener“ auf, grinst den Tiger und die Stute dann aber an. Die zwei grinsen leicht und der Tiger stellt sich vor. „Ich bin Joshua, das ist Leonie.“ „Angenehm und erlaubt mir diese Frage, seit wann seid ihr schon hier?“ Alex muss grinsen, so direkt aber zeitgleich so freundlich, das kann nur Klara.

Leonie schaut den Tiger kurz an und antwortet dann: „Joshua seit zwei Jahren, ich seit drei. Und ihr? Seid ihr neu hier oder kommt ihr von woanders zu uns?“ Klara grinst zu Julian rüber, der sie böse anfunkelt, dann aber erklärt: „Nein, wir... wir haben unsere Eltern noch. Wir starten nach den Ferien in der Schule nur mit einem Projekt, wo wir euch helfen und euch unterstützten werden.“

Sowohl der Tiger, als auch die Stute bekommen große Augen, als Sophie den Raum betritt und zu ihnen kommt. „Julian, kommst du bitte mit? Mein Chef will von dir mehr über dieses Projekt erfahren.“ „Darf ich mitkommen?“, fragt Sabine, woraufhin Sophie nickt und die zwei dann mit sich nimmt.

Nun ist es Alex, der wieder spricht: „Tja, sieht so aus als kämen wir gut voran.“ „Ihr... ihr meint das ernst?“ „Sonst wären wir nicht hier.“ Alex schaut in die erstaunten Augen des Tigers. Vorsichtig lässt der Wolf seinen Blick über die Großkatze wandern und stellt fest, dass er gut ausschaut, doch sein Geschmack ist er nicht ganz.

Aus dem Augenwinkel beobachtet Alex, wie Leo die Stute ausgiebig mustert. Hoffentlich plant er nichts Falsches bei der Kleinen, die hat das nicht verdient. Schließlich reden sie alle eine Weile miteinander. Woher sie kommen, wie es in der Schule bisher so lief und was in den Osterferien alles geplant ist. Da kommen schon Sophie, Sabine und Julian zurück und der Fuchs meint:

„Also ich weiß nicht wie es euch geht, aber Sabine und ich wollen langsam gehen.“ „Dann werden wir euch begleiten. Sophie, danke dass wir eine Weile hierbleiben durften.“ Die Ziege nickt der Löwin zu. „Ich danke euch und eurer Schule, wenn die Lehrer diesem Projekt zustimmen. Die Zustimmung meines Chefs habt ihr jedenfalls. Wir bleiben in Kontakt.“

Der Esel, die Löwin und der Wolf nicken und verabschieden sich von der Stute und dem Tiger. Alex meint noch: „Wenn ihr wollt, können wir uns ja mal treffen und gemeinsam was unternehmen?“ „Klar gern!“ Leonie lächelt Alex dankbar an und Joshua nickt auch mit einem Lächeln im Gesicht.

Lächelnd will die Gruppe den Raum verlassen, doch kaum tritt Alex um die Ecke, stößt er mit jemand anderem zusammen. Dieser jemand ist ein dunkelbrauner Labrador, der durch den Zusammenstoß zu Boden gefallen ist und mit gehetzten Augen zu ihm hoch schaut. „Tut mir leid, hab dich nicht gesehen. Geht's?“, dabei hat Alex die Hand helfend ausgestreckt und schaut mit einem entschuldigendem Blick zu dem Hund.

Die Augen des Jungen huschen zwischen Alex’ Augen und seiner Hand hin und her und der Wolf kommt nicht darüber hinweg, den Labrador zu mustern. Er schaut schon ganz niedlich aus, doch wirkt er irgendwie ängstlich. Langsam robbt der Junge nach hinten, steht auf und rennt davon.

Verwirrt steht Alex mit der immer noch ausgestreckten Hand am Gang und wird durch ein trauriges Seufzen neben sich abgelenkt. „Stefan... früher war er so ein offener und herzlicher Junge. Doch dann hat er sich so stark verändert. Seit gut zwei Jahren zieht er sich zunehmend zurück. Redet gar nichts, mit niemand. Versteckt sich und reagiert bei Berührungen ängstlich.“

„Was ist passiert?“ „Ich weiß es nicht. Doch werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mitschuldig bin.“ Der traurige Blick und der Schmerz in Sophies Stimme stellt Alex die Haare im Genick auf. Stefan also... „Soll ich mit ihm reden?“ „Es nützt nichts, du kannst es aber gern versuchen.“

Seine Freunde schauen ihn fragend an, doch Alex weiß selber nicht mal, wieso er das gefragt hat. Der kurze Anblick des Labradors hat in ihm etwas berührt. Deutlich sieht er die Augen vor sich, die ihn voller Angst anstarren. Augen, in denen er sich im Moment zu verlieren droht, als er angestoßen wird und von seinen Freunden aus dem Gebäude geschoben wird.

„Was soll denn das Alex? Ist alles in Ordnung mit dir?“ „Ja... ja, ich denke schon.“ „Du denkst? Oder fühlst du eher?“ Erwischt! Und genauso fällt es seinen Freunden auf. Klara lächelt ihn an und fragt: „Hat er dir gefallen?“ Alex nickt nur und wird zum Erstaunen aller von der Löwin umarmt. Körperkontakt befindet sich sonst nicht in ihrem Repertoire.

„Sei nur bitte vorsichtig und setz den Jungen nicht unter Druck. Ich fürchte, der hat so einiges Furchtbares mitmachen müssen.“ Immer noch erstaunt nickt Alex nur, als Sabine hinzufügt: „Solltest du Hilfe brauchen, frag mich. Auch, wenn ich mal mit ihm reden soll. Vielleicht hat er ja Angst vor anderen Kerlen oder welchen mit Zähnen.“ Alex nickt ihr dankbar zu, bevor sie sich auf den Heimweg machen. Der Wolf mit einem Bild eines dunkelbraunen, ängstlichen Jungen im Kopf.

Die Nacht war alles andere als erholsam. Ständig wurde Alex von dem Bild des am Boden sitzenden Stefans wach gehalten. Diese bernsteinfarbenen Augen, die ihn ängstlich anstarren. Und doch ist da dieses Gefühl im Bauch, dass ihn dazu bewegen will, diesem Jungen zu helfen. Für ihn da zu sein.

Nachdem er die Zähne geputzt und das Frühstück verschlungen hat, lenkt er sich erstmal mit seinem Computer ab. Doch ein Blick auf seine Uhr lässt ihn stöhnen, gerade mal 10 Uhr... Eigentlich würde er jetzt noch eine Weile zocken, doch sein Bauchgefühl lockt ihn aus dem Haus in Richtung Jugendheim. Sich selbst einen Idioten schimpfend, betritt er das Gebäude und nähert sich der Information, wo er nach Sophie fragt.

Die Entendame hinter dem Tresen ruft die Betreuerin aus und es dauert nicht lange, da kommt die Ziege die Treppe herunter und lächelt erfreut. „Ah Alex! Schön dich zu sehen! Was verschafft mir die Ehre?“ „Grüße Sophie, ich glaube das können Sie sich denken.“ Sofort stirbt das Lächeln und macht einem traurigen Ausdruck Platz. Sie nickt und deutet dem Wolf, ihr zu folgen.

„Ich habe es gestern auch einmal versucht, doch er schweigt einfach nur vor sich hin. Ich war seine einzige Vertrauensperson hier. Wenn er mit mir schon nicht redet, bezweifle ich, dass du bessere Chancen haben wirst.“ Kurz schweigen sie sich an, ehe Alex vorsichtig fragt: „Und was denken Sie? Ist das Gefühl, dass Sie mitschuldig an seinem Dilemma sind, stärker?“

„Gefühl? Nein... nicht mehr. Ich bin mir sicher, dass ich mitschuldig bin. Wenn er nicht mal mit mir redet... Egal, da sind wir schon.“ Sie stehen vor einer dicken Holztür, an der die Ziege leise klopft und dann ruft: „Stefan? Hier ist Besuch für dich. Der schwarze Wolf von gestern, mit dem du zusammengestoßen bist.“

Eine Weile passiert nichts, dann hören sie, wie die Sperre der Tür aufgelöst wird und dann schnelle Schritte am Boden. Sophie schaut den Wolf traurig an und öffnet vorsichtig die Tür. Da sitzt er. Der dunkelbraune Labrador, in seine Decke gehüllt und auf dem Bett, zwischen ihnen beiden hin und her blickend.

Sophie schaut Alex eindringlich an und meint: „Ich muss leider los. Ich schau aber immer wieder vorbei.“ Und schon dreht sich die Ziege um und schlendert davon. Stefan hat sich nicht gerührt. Still sitzt er da und starrt den Wolf an, der unsicher im Türrahmen steht. Nach einer gefühlten Ewigkeit fragt er schließlich: „Darf ich reinkommen?“

Stefan nickt schwach und Alex tritt ins Zimmer, schaut sich dann um. Ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch und eine Tür, die zur Dusche und zur Toilette führt. Ein recht schlichtes Zimmer. Das einzige, was Alex auffällt, ist der braune Rucksack am Schreibtisch. Schließlich wendet er sich dem Labrador zu, der ihn genau im Auge behält.

„Wie ich gestern schon von Sophie erfuhr, heißt du Stefan? Ich bin Alex.“ Erneut nickt Stefan nur leicht. Eine Weile steht Alex unschlüssig im Raum und schaut immer wieder zum Fenster. Es ist angenehm warm draußen, vielleicht... „Hey Stefan, was hältst du davon, wenn wir ein bisschen draußen im Garten spazieren gehen? Ist doch schönes Wetter draußen.“

Bildet er sich das ein oder schaut der Hund wirklich kurz verwirrt? Doch dann nickt Stefan langsam und deutlich vorsichtig schält er sich aus der Decke. „Ich warte draußen am Gang“, meint Alex, lächelt den Hund an und geht aus dem Zimmer. Er geht eine Weile herum und schaut sich die Bilder an.

Schon glaubt er, dass Stefan doch nicht kommt, als sich die Zimmertür öffnet und ein leicht angespannter Labrador heraus kommt. Alex muss lächeln, trotz allem schaut Stefan schon niedlich aus. So zurückhaltend und vorsichtig... wahrlich zum Anbeißen, doch nickt Alex ihm zu und geht voran.

Stefan folgt ihm und schweigend gehen sie den Gang entlang, die Treppe hinunter und aus dem Gebäude in den Garten. Ein paar andere Jugendliche sind auch draußen und genießen das endlich warme Wetter nach dem kalten Winter. Ob bei einem guten Buch, einfach nur im Gras liegend oder beim Frisbee spielen.

Alex beobachtet Stefan neben sich, dessen Anspannung langsam weniger wird. Langsam gehen sie eine Weile nebeneinander und von den anderen etwas weg, als sie sich auf eine Bank niederlassen und die Luft genießen. „Ah, herrlich der Frühling!“, meint Alex und Stefan nickt wieder mal. Der Labrador sitzt mit etwas Abstand neben Alex, ist aber gar nicht mehr angespannt.

Gerade möchte Alex wieder etwas sagen, als sein Handy läutet. „Entschuldige bitte... Hey Leo!“ „Hey Alex! Bist du gerade Z'haus?“ „Ehrm... gerade nicht...“ „Gut, ich wollte dich nämlich nochmal wegen der Party fragen?“ „Jaaaa, wir machen ja die Party! Aber nicht bei mir. Also entweder bei dir, wie immer, oder du suchst dir eine passende Location aus. Aber wehe du lädst nur Idioten ein!“

„Hab ich das schon jemals getan? Ok, dann werde ich mal meine Eltern fragen. Sonst gehen wir in diese Kneipe, wo wir letztens waren.“ „In Ordnung.“ „Ok, dann schönen Tag dir noch, wir hören uns!“ „Ja, mach's gut. Ciao.“

Schon wird das Handy eingesteckt und Alex meint zu Stefan: „Tut mir leid. Aber ein Freund von mir will unbedingt eine Party in den Osterferien abhalten. Leo, der Esel, der gestern auch mit zu Besuch war.“ Der Labrador nickt wieder und schaut Alex eindringlich an.

„Wollen wir noch eine kleine Runde durch den Wald machen? Ohne die anderen in der Nähe?“, schlägt der Wolf vor und nach kurzem Zögern nickt Stefan erneut. Langsam gehen sie in den Wald, wo die Bäume wieder zu blühen beginnen. Genüsslich atmet Alex die Natur um sie herum ein und achtet dabei für einen kurzen Moment nicht auf den Weg.

Da bleibt er mit seiner Pfote plötzlich hängen und gerät ins Schwanken. Wild mit den Armen rudernd versucht er das Gleichgewicht zu halten, doch der Schwung war zu viel und der Boden kommt langsam immer näher. Jedoch spürt Alex, wie er von zwei Händen gepackt und zurück in die senkrechte Lage gebracht wird.

Die Augen weit aufgerissen und angespannt, weil er mit einem Aufprall gerechnet hat, wagt er nicht, sich zu bewegen. Erst langsam realisiert er, dass Stefan ihn aufgefangen hat. Der Labrador hat mit einer Hand sein Handgelenk gepackt und mit der anderen seinen Oberkörper umschlungen und dann hochgezogen.

Nun stehen die zwei Jungs dicht nebeneinander und schauen sich eine Weile nur in die Augen. Alex stellt erstaunt fest, dass Stefan einen starken Griff hat und murmelt: „Danke Stefan, aber kannst du wenigstens mein Handgelenk bitte wieder loslassen.“ Erschrocken lässt Stefan ihn los und geht ein paar Schritte nach hinten, doch Alex lächelt ihn nur dankbar an.

„Was meinst du. Wollen wir zurückgehen oder noch ein bisschen weiter? Kann nur sein, dass du mich wieder vor einer Wurzel retten musst.“ Bildet er sich das ein, oder zucken Stefans Mundwinkel kurz nach oben? Dann hebt der Labrador aber die Hand und hält dabei einen Finger hoch.

„Ersteres, also zurück. Gerne.“ Alex lächelt und macht sich auf den Weg. Vor dem Gebäudeeingang bleiben sie stehen und der Wolf schaut den Jungen an. „Darf ich dich mit rein begleiten oder soll ich gehen?“ Der Blick, den ihm der Junge zuwirft, ist ihm Antwort genug. Ein unsicherer, aber flehender Blick, ihn zu begleiten.

Es braucht keine Worte, Gesten sagen alles. Also begleitet Alex den Labrador zu seinem Zimmer. Stefan schaut ihn dann fragend an und Alex fragt: „Darf ich morgen wieder vorbei schauen?“ Das Aufleuchten und kräftige Nicken nimmt der Wolf als Zustimmung, ehe er sich verabschiedet und Sophie aufsucht. Die Ziege lauscht angespannt und lächelt dann erfreut.

„Ich weiß nicht, was du tust, doch bitte ich dich, es weiterhin zu tun. Du tust ihm gut. Er braucht so etwas. Er braucht dich.“ „Ich gebe mir Mühe. Morgen komme ich wieder vorbei. Ideen, was Stefan gerne macht?“ „Schwierig. Aber ich weiß, er betrieb anfangs immer etwas Sport. Laufen, schwimmen und Tennis. Sonst keine Ahnung.“ „Gut, dann überlege ich mir was. Danke und bis morgen.“

Auf dem Heimweg telefoniert der Wolf kurz mit seiner Mutter, die wissen will, wie es ihm so geht und dabei auch von ihren Aufgaben erzählt. „Die könnten Ordnung gebrauchen. Was für ein Durcheinander... ich glaube ich frage meinen Chef, ob ich einen Tag extra bekomme, um denen das Büro auf Vordermann zu bringen. Und dieser Dialekt ey...“ Hat sie erzählt.

Nun ist er Zuhause und lässt den Vormittag Revue passieren. Die Stelle, wo Stefan ihn aufgefangen hat und sie dann so dicht nebeneinander standen, zaubert ein Lächeln auf Alex Gesicht. Schnell den Computer angemacht und im Internet surfen. Nach einer halben Stunde hat er alles beisammen und verbringt den restlichen Tag mit Zocken und einem Anruf bei Leo, der ihn nochmals versucht zu überreden, die Party nicht bei ihm zu machen.

Der nächste Tag beginnt wie jeder andere. Alex hat in der WhatsApp-Gruppe, in der er und seine Freunde sich befinden, von seinem Treffen mit Stefan gestern erzählt und auch seinen Plan geschildert, was er mit dem Jungen vorhat.

(Kurz für alle, die nicht wissen was WhatsApp ist: WhatsApp ist ein Nachrichtensofortversand-Dienst, bei dem Textnachrichten, Bild-, Video- und Tondateien zwischen zwei Personen oder in einer Gruppe ausgetauscht werden können.)

Klara ist natürlich sofort begeistert und will mitkommen. Doch ein persönlicher Anruf, mit der Bitte ihn mit Stefan allein zu lassen, hat die Löwin dann überzeugt. Wenn auch murrend und mit der Voraussetzung, dass er sich am Abend meldet und sagt, wie es war. Damit kann Alex leben und stimmt dem zu. Schließlich schnappt sich der Junge einen großen Rucksack, packt diesen voll und hofft, dass Stefan von seiner Idee begeistert sein wird.

Den Weg zum Jugendheim rennt der Wolf schon fast und ohne Halt zu machen, geht er den Weg zu Stefans Zimmer und klopft an der Tür. „Stefan, ich bin es, Alex!“ Schneller als üblich wird die Tür geöffnet und diesmal bleibt der dunkelbraune Jüngling sogar im Türrahmen stehen und reicht ihm die Hand.

Erfreut lächelnd schüttelt Alex diese und erklärt dann seine Idee. „Du Stefan. Ich hab mich schlau gemacht und da es heute ja so schön ist, was hältst du davon, wenn wir schwimmen gehen? Auf der anderen Seite vom Wald ist ein See. Ich habe dir auch schon alles mit eingepackt. Badetuch, Badehose.“ Stefan ist natürlich hellauf begeistert und folgt Alex zu Sophie.

„Hey Sophie! Darf ich dir Stefan entführen? Wir wollen gern schwimmen gehen. Ich bring ihn dir aber auch in einem Stück wieder zurück.“ „Hey Alex! Ja klar, nur zu. Habt viel Spaß. Aber Stefan, sollte es irgendwelche Probleme geben, hörst du bitte auf das, was Alex sagt, ja? Solang du leider noch nicht volljährig bist, muss ich meine Aufsichtspflicht ihm übergeben.“

Stefan nickt nur und schnellen Schrittes verlassen er und Alex das Gebäude und gehen den Waldweg entlang. Der Fußmarsch dauert ungefähr eine halbe Stunde und schon ist er in Sicht. Der See. Niemand sonst ist hier, also haben sie das Wasser und die Ruhe für sich allein. Die letzten Meter laufen sie und an ihrem Ziel meint Alex grinsend: „Diesmal bin ich sogar nirgends gestolpert!“ Stefan lächelt darauf.

Er lächelt! Der Wolf starrt den Labrador an, der ihn anlächelt. Alex freut sich innerlich und wirft Stefan eine der zwei Badehosen zu, die beide natürlich ihm gehören. Ein Badetuch folgt und schon zieht sich der Labrador um. Die ganzen Ängste, diese Hemmungen... die scheinen plötzlich weg zu sein. Alex folgt Stefan schließlich und zieht sich die Klamotten aus und die Badehose an.

Als sie dann fertig sind, steht Stefan in einer grünen Badehose und seinem braunen T-Shirt da. Sein Blick ist leicht gequält, doch Alex zuckt mit den Schultern und meint nur: „Wenn du es nicht ausziehen willst, lass es an.“ Dankbar leuchten Stefans Augen auf.

Schließlich stehen sie beide am Ufer des Sees und halten ihre Pfoten hinein. Brrrr... frisch. Nicht kalt, aber frisch. Stefan grinst ihn nun an und springt hinein. Angeber... doch folgt Alex ihm. Das frische Wasser raubt ihm kurz den Atem, doch nach ein paar Schwimmbewegungen ist ihm wieder warm genug.

Und plötzlich wird er untergetaucht. Wild mit den Armen rudernd, wird er losgelassen und kommt prustend an der Oberfläche an. Sofort dreht er sich um und schaut in Stefans grinsendes Gesicht. „Na warte du...“ Und schon rangeln die zwei im Wasser.

Die Zeit geht dahin und nach einer Weile meint Alex: „Ich geh raus, mir wird langsam kalt.“ Stefan nickt und schwimmt noch ein paar Runden, während Alex sich auf sein Badetuch legt und den Labrador eine Weile beobachtet. Er kommt dabei nicht umhin, ihn zu bewundern.

Ein guter Schwimmer, deutlicher besser als er selbst. Und trotz dem Shirt scheint er eine gute Figur zu haben, wenn auch nicht so trainiert wie er selber. Alex lässt sich nach hinten fallen und starrt in den Himmel, als ihn plötzlich ein Schwall Wasser trifft und er, mehr erstaunt als erschrocken, aufjapst.

Von wem ist leicht zu erraten. Denn der Übeltäter steht triefend nass vor ihm und lacht. Ein ansteckendes Lachen, in das auch Alex mit einstimmen muss. „Und ich dachte immer, Wölfe sind größere Wasserratten als wir Hunde.“ Bei dem Klang der Stimme erstarrt Alex. Hat er gerade wirklich...?

Erstaunt schaut der Wolf den Labrador an, der ihn einfach nur schief angrinst und sich sein Badetuch schnappt. Alex braucht eine Weile, ehe er antwortet: „Kommt drauf an, wie sehr man das Wasser mag. Ich schwimme gern, aber du scheinbar mehr als ich.“ Nochmal kurz auflachend und dann mit einem Grinsen lässt sich Stefan neben Alex auf seinem Badetuch nieder.

„Sag mal Stefan, hab ich mir das gerade eingebildet oder hast du wirklich mit mir gesprochen?“ „Zweiteres. Ich rede nur nicht sehr gern... oder ich tat es nicht sehr gern, bis du so stur warst und seit gestern nur noch um mich herum bist!“ „Ich nehme das mal als positives Feedback.“ Und das Grinsen von Stefan wird breiter, ehe er murmelt: „Danke.“

„Wofür?“ „Das du hier bist.“ Alex lächelt den Labrador freundlich an, doch sein Inneres arbeitet auf Hochtouren. Sophie hat Recht, er hat eine positive Wirkung auf den Kleinen. Nun streckt er die Hand aus und meint: „Na dann machen wir es offiziell. Alex, 19.“ „Stefan, 17“, grinst der Junge breit und schlägt in die Hand ein.

Schweigend lassen sie sich von der Sonne trocknen, als auch schon ihre Mägen knurren. „Im Wald war ja eine Gabelung. Ich glaube der eine Weg führt zur Stadt, wo ein Mc'i sein sollte. Hast Lust? Ich lade dich auch ein.“ „Na da sage ich nicht nein.“ Gesagt, getan und auf geht’s.

Im Restaurant bestellen sie sich zweimal Pommes, zweimal Cola, und jeweils einen Cheeseburger und einen Chickenburger. In einer eher geschützten Nische verspeisen sie ihre Beute und reden über Gott und die Welt und ein wenig über sich. „Sag mal Stefan, wie lange bist du denn schon im Heim?“

„Drei Jahre. Meine Eltern haben mich auf die Straße geworfen.“ „Wieso das denn?“ Erstaunt schaut Alex den Hund an, der jedoch dem Blick ausweicht. „Sag ich dir, wenn der richtige Zeitpunkt ist.“ „In Ordnung.“ Dankbar lächelt Stefan den schwarzen Wolf an und fragt dann selbst: „Und wie schaut es bei dir mit der Familie aus?“

„Seit vier Jahren lebe ich mit meiner Mutter allein. Vater hab ich keinen.“ Die Härte in seiner Stimme war nicht beabsichtigt, doch will er über diesen Penner nicht reden. „T'schuldige, aber ich rede nicht gern über diesen Arsch.“ Stefan nickt und lächelt nur freundlich.

Die Zeit vergeht und die Sonne ist dabei unter zu gehen, als die zwei Jungs das Jugendheim betreten. „Kommst du morgen wieder vorbei?“ „Kann ich gern. Solang ich nicht von Wurzeln zum Umfallen oder frechen Labradoren zum Untertauchen gebracht werde.“ Stefan muss daraufhin lachen und meint dazu: „Haha, nein, keine Sorge! Ich will dir morgen was zeigen.“

„Na da bin ich gespannt. Schlaf gut Stefan, wir sehen uns morgen.“ „Nacht Alex.“ Der dunkelbraune Jüngling lächelt ihn an und macht dann etwas, womit der schwarze Wolf nicht gerechnet hat. Stefan fällt Alex um den Hals und umarmt ihn. „Danke nochmal...“, murmelt der Junge und Alex ist sich sicher, dass da noch mehr kommt.

Doch dann lässt Stefan ihn los und geht mit einem Lächeln die Treppe hoch. Alex schaut ihm hinterher und wartet noch eine Weile, ehe er sich mit einem Seufzen umdreht und erschrocken aufjapst. Steht da doch eine Ziege hinter ihm, die keinen Ton von sich gegeben hat und ihn einfach nur anlächelt.

„Verdammt Sophie! Jagen Sie mir doch nicht so einen Schrecken ein... das ist wenn dann meine Aufgabe.“ „Witzbold. Sag, hab ich mich vorhin verhört oder redet Stefan tatsächlich wieder?“ „Er redet wieder. Lächelt und lacht auch wieder. Beim See hatten wir Spaß und der Kleine kann ganz schön frech werden.“ Die Ziege nickt lächelnd.

„Das ist der Stefan, den ich kenne. Verspielt, frech, eine Seele die man gern haben muss und gerne um sich hat... Wie soll ich dir nur jemals danken Alex?“ „Geben Sie ihm seinen Freiraum den er braucht und haben will, auch wenn ich ihn mal länger als einen Nachmittag entführe und er mitkommen will.“

Sophie mustert Alex ausgiebig. „Gut, einverstanden. Aber Alex, spiele nicht mit seinen Gefühlen. Ich kann auch böse werden.“ Mit diesen Worten dreht sie sich um und geht und lässt einen verdutzten Wolf zurück, der aus diesen Worten nicht schlau wird. Verwirrt schüttelt er den Kopf und macht sich auf den Heimweg.

Dabei schreibt er seinen Freunden auf WhatsApp, dass sie in spätestens einer Stunde bei ihm sein sollen. Zu Hause angekommen gibt er erstmal die nassen Sachen in die Wäsche und räumt alles wieder ordentlich auf, als es auch schon an der Tür klingelt. Klara ist natürlich die Erste, doch nach und nach kommen auch die Anderen.

Jeder mit einem Glas Cola in der Hand und mal wieder im Wohnzimmer verteilt, berichtet Alex vom heutigen Tag mit Stefan. „Klasse Mann! Du schaffst es scheinbar doch, den Kleinen aufzulockern. Halte ihn dir warm, vielleicht hast ja bald jemanden.“ „Na mal schauen. Ich mag ihn wirklich, doch ob er so fühlt wie ich... wir werden sehen.“

„Jetzt lass den Kopf nicht hängen Alex. Du findest schon den Richtigen. Ob deinen braunen Kleinen oder später wen anderen.“ „Danke für die Aufmunterung Leo. Themawechsel. Wie schaut's mit der Party aus?“ Der Esel nickt grinsend und meint: „Da morgen ja schon Sonntag ist, wird die Party am Dienstag stattfinden. Ich konnte meine Eltern überreden, da sie ausgehen wollen und ab zwei Uhr morgens wieder zu Hause sind. Bis dahin sollen alle weg und das Haus wieder in Ordnung sein.“

„Klingt doch gut. Ok, dann kümmere ich mich wie immer um das Essen. Die Küche gehört zwei Stunden vor Partybeginn mir.“, meldet sich Klara zu Wort und Julian und Sabine werden für die Getränke sorgen. Leo wird die Leute einladen und Alex kümmert sich um die Musik und die ganze Technik. Lichter, Dekoration und so weiter.

„Wie wäre es, wenn wir ein paar aus dem Jugendheim mit einladen? Joshua und Leonie und vielleicht auch Stefan. Kommt sicher auch gut rüber für dein Projekt, Julian“, grinst Klara den Fuchs an, der nur die Augen verdreht. Sabine schaut ihren Freund aber lieb an und meint: „Die Idee ist gar nicht so schlecht. Komm schon Julian, bitte.“

Der Fuchs seufzt auf, nickt aber. „Von mir aus... aber nur die drei! Nicht mehr. Die Anderen kennen wir kaum und wir wollen ja nicht, dass die Party ausartet, sollte Alex jemanden finden für etwas Zweisamkeit.“ Der schwarze Wolf lächelt ihn dankbar an. „Da ich morgen eh wieder Stefan besuchen werde, kann ich ja mal fragen.“

Der restliche Nachmittag verläuft mit der Planung der Party und am Abend verlassen Alex’ Freunde sein Haus, der die restlichen Stunden noch vorm Computer verbringt und sich sehr auf den nächsten Tag freut.

Alex hat sich sogar extra den Wecker auf 10:30 Uhr gestellt... wacht jedoch eine halbe Stunde früher auf. Schneller als sonst erledigt er sein morgendliches Ritual und macht sich auf den Weg zum Jugendheim und steht um kurz vor 11 Uhr vorm Eingang.

Dort trifft er auf Leonie und Joshua, die ihn erfreut begrüßen. „Hey Alex. Was machst du denn hier?“ „Moin ihr Zwei! Ich besuche Stefan.“ Die zwei Jugendlichen grinsen sich an und Leonie meint: „Dann bist du also der Grund, weshalb er seine Stimme wieder gefunden hat?“

„Seit ich hier bin, war er verschlossen und hat Kontakt gemieden. Geredet hat er auch nie. Gestern kam er plötzlich voller Lebensfreude und hat mit uns geredet und sogar gelacht! Ich dachte echt der ist auf Droge“, ergänzt Joshua grinsend. „Ach nein, wir verstehen uns einfach sehr gut und ich bin scheinbar der einzige, der zu ihm durchdringen konnte.“

Die zwei Jugendlichen nicken und wollen sich gerade am Wolf vorbei nach draußen begeben, als er sie nochmals aufhält. „Ach, wartet Mal! Leo plant eine Party. Die soll am Dienstag bei ihm zu Hause stattfinden. Lust da dabei zu sein?“ „Hmm... wäre mal was anderes. Was meinst du Leonie?“

„Wenn Sophie es uns erlaubt, klar gern!“ „Sehr schön. Dann werde ich sie mal fragen und sie bitten, dass sie euch Bescheid geben soll. Ich werde sicher noch einmal vorbeikommen morgen oder am Dienstagvormittag.“ Die Stute und der Tiger freuen sich jetzt schon sichtlich darauf und verabschieden sich dann, während Alex den Weg zu Stefans Zimmer nimmt.

Kaum klopft er, wird die Tür schon aufgerissen und zwei bernsteinfarbene Augen leuchten ihn erfreut an. „Da bist du ja! Los komm rein!“ Alex ist immer noch etwas erstaunt, dass Stefan plötzlich Töne von sich gibt, doch folgt er der Aufforderung und folgt dem Labrador ins Zimmer.

Es schaut aus wie gestern, doch am Tisch liegen ein Block und Stifte. Stefan setzt sich auf den Sessel und blickt grinsend zu Alex. Dieser setzt sich aufs Bett und wartet gespannt. „Also, ich hab dir ja gesagt, ich will dir was zeigen. Ich hoffe es gefällt dir. Seit unserem ersten Treffen habe ich daran gearbeitet!“

Ohne Alex auch nur einen Moment zum Nachdenken zu geben, dreht sich der Labrador um und hält dem Wolf einen Zettel hin. Dieser nimmt ihn entgegen und betrachtet ihn. Der Zettel zeigt einen Wolf mit einer Hose, einem Shirt und darüber einer Lederjacke.

Erstaunt betrachtet Alex das Bild und fragt nach einer Weile: „Bin ich das?“ Das heftige Nicken und Strahlen in Stefans Augen bringen ihn zum Schmunzeln. „Wow. Also ich muss echt sagen Stefan, du kannst verdammt gut zeichnen!“ Der dunkelbraune Hund freut sich über dieses Lob und nimmt den Zettel dann wieder entgegen.

„Danke. In den nächsten Tagen werde ich es ausmalen.“ Mit einem Lächeln versteckt er den Zettel und räumt den Block mitsamt den Stiften dann weg. „Ach Stefan. Ich hab dir ja mal von meinen Freunden erzählt. Leo plant am Dienstag eine Party bei sich zu Hause. Hast du Lust auch zu kommen? Leonie und Joshua werden auch dabei sein.“

Der dunkelbraune Labrador legt den Kopf schief und scheint zu überlegen. Nickt dann aber und meint: „Ok. Aber nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich nicht so viel reden werde am Anfang. Fremden gegenüber bin ich noch etwas... zurückhaltend.“ „Hey, macht doch nichts! Dir, Leonie und Joshua wird nichts passieren. Meine Freunde sind in Ordnung und wir werden schon aufpassen, dass ihr drei euch wohl fühlen werdet.“

Stefan lächelt Alex an und spricht leise: „Ich weiß... ich vertraue dir.“ Wow und das nach nicht mal einer halben Woche! Sichtlich erfreut lächelt Alex auch deswegen und eine Weile schauen sich die zwei nur in die Augen. Wahnsinn... diese Augen! Alex verliert sich darin und sein Gefühl im Bauch versucht ihn zu überreden, den Jungen zu umarmen und an sich zu drücken.

Stefan ist der Erste, der sich regt und sichtlich verlegen wegschaut. „Komm, lass uns rausgehen.“ Gesagt, getan und schon wandern die zwei wieder den Waldweg entlang. Das Plätschern des nahen Flusses ist zu hören, der später in dem See landen wird. Stefan geht gedankenverloren neben Alex, der den Labrador immer wieder von der Seite mustert.

„Sag mal Stefan, was hältst du von einem Wettrennen? Von hier, bis zur Gabelung dort hinten? Der Verlierer zahlt das Mittagessen beim Mc'i.“ Sofort hellt sich die Miene des Jungen auf und ein freches Grinsen macht sich in seinem Gesicht breit. „In Ordnung.“

Die zwei Jungs machen sich bereit und zählen gemeinsam den Countdown. „3... 2... 1... Los!“ Und schon preschen sie los. Eine Weile laufen sie nebeneinander her, doch dann wird Stefan langsam schneller. Auf den letzten Metern spornt Alex sich aber an und schafft es, den Labrador zu überholen und eine Körperlänge vor ihm am Ziel zu sein.

Schnaufend und nach Luft japsend stehen sie eine Weile so da, ehe der Wolf breit grinst. „Gut Stefan, dann mach dich mal bereit, auf ein XXL-Menü von meiner Seite aus.“ „Ehrm... ich hab aber im Moment nichts bei mir...“ Bedrückt steht Stefan da und schaut unsicher. Alex zuckt mit den Schultern. „Nun, dann werde ich wieder zahlen. Aber vergiss nicht, dass du Schulden bei mir hast.“

Frech grinst Alex den Labrador an, der ein schwaches Lächeln zustande bringt. „Ich werde das abbezahlen.“ Und schon sind sie im Restaurant und bestellen sich wieder zwei Burger mit Pommes und Cola. Den Weg zurück gehen sie dann gemütlich und zurück im Heim sucht Alex nach Sophie.

Diese befindet sich mit zwei ihrer Kollegen in der Küche, verlässt diese aber sofort, als sie den Wolf sieht. „Hey Alex, schön dich zu sehen! Was kann ich für dich tun?“ „Guten Tag, Sophie, eine Frage bitte. Einer meiner Freunde plant eine Party am Dienstag. Darf ich dafür drei Ihrer Schützlinge entführen?“

„Und wer wären diese drei?“ „Leonie, Joshua und Stefan. Ich hab sie schon gefragt, sie möchten gern kommen.“ „Und deinen Freund kennen sie?“ „Ja. Das ist Leo, der Esel. Der beim Besuch hier mit dabei war.“ „Verstehe. Wie lang soll die Party denn dauern?“ „Um spätestens 2 Uhr in der Früh hättet ihr sie zurück, außer sie sollen bei mir übernachten, dann wären sie um 2 Uhr in der Früh bei mir zu Hause. Spätestens.“

Die Ziege scheint eine Weile zu überlegen, nickt dann aber. „In Ordnung. Hier, ich gebe dir meine Nummer. Wenn irgendwas ist, ruf mich sofort an, verstanden?! Ich werde bis 2 Uhr morgens wach bleiben und auf euch warten. Wenn sie nach der Party mit zu dir kommen und dort bleiben bis zum nächsten Tag, gib mir bitte rechtzeitig Bescheid.“

„Selbstverständlich.“ „Gut. Wir reden am Dienstag noch einmal. Also komm bitte her und hol sie ab.“ Alex nickt und verabschiedet sich dann von ihr. Auf dem Heimweg gibt er seinen Freunden Bescheid, die sich über den Besuch der Drei freuen. Und so vergeht ein weiterer Tag. Am Abend, im Bett, liegt Alex wach und starrt zur Decke.

Seine Gedanken kreisen um Stefan. Dabei nimmt das Gefühl in seinem Bauch immer mehr zu. Deutlich spürt er dieses Ziehen, diese Sehnsucht, diese Wärme, diese Freude... Kurz schließt er die Augen und sieht Stefans bernsteinfarbene Augen, die ihn anlächeln. Allein dieser Blick versetzt ihm einen Stich der Sehnsucht. Ein Stich, der ihm eines klar macht. Er ist dabei, sich in den Labrador zu verlieben.

Ein neuer Tag bricht an und Alex ist mal wieder früh auf den Beinen, als erstmals sein Handy läutet. „Hallo? Hey Mom! Ja, mir geht’s gut. Bei dir? Immer noch so eine große Unordnung bei deinen Kollegen?“ Mit einem eher gequälten Lachen reagiert seine Mutter auf diese Frage. „Frag nicht... Ich habe so das Gefühl, dass es täglich immer mehr wird. Und alle Versuche, die anderen zum Aufräumen zu überreden, schlugen bisher fehl!“

„Ach Kopf hoch, du schaffst das schon. Bekommst sonst ja auch was du willst.“ Ein Glück, dass Lisa nicht das freche Grinsen ihres Sohnes sieht. So antwortet sie nur mit einem Seufzen: „Na hoffentlich. So, ich muss los! Arbeit ruft wieder. Hab dich lieb mein Schatz!“ Ehe Alex antworten kann, ist die Verbindung schon weg.

Lächelnd den Kopf schüttelnd will der Wolf das Handy weglegen, als es erneut läutet. Diesmal schaut er auf das Display und liest den Namen Julian. „Hey Julian, was gibt’s?“ „Alex! Ich brauche bitte deine Hilfe. Sabine treibt mich noch in den Ruin!“ „Ganz ruhig. Was ist los?“

„Da hat die doch glatt gestern ihren und unseren Klassenvorstand angerufen und ihnen von meiner Idee, dem ‚Projekt Jugendheim‘ erzählt... am Sonntag! Und was erwartet mich heute? Ruft mich Herr Wolpinger in aller Früh an und hat gefragt, ob ich heute Zeit für ein persönliches Treffen habe, um mit ihm über dieses Projekt zu reden.“

Alex kann sich das Lachen nur mühsam verkneifen und fragt stattdessen bemüht ernst: „Und was hast du geantwortet?“ „Dass ich vorbei kommen werde, muss ich ja... mit Sabine und dir.“ Verwirrt stellt Alex die Ohren auf. „Hä? Wieso denn mit mir?“ „Bedanke dich bei Sabine... die hat ihm auch erzählt, dass du seither täglich das Heim besuchst und dich mit den Jugendlichen dort befasst. Bevor er dich anrufen konnte, hab ich vorgegriffen und gesagt, dass ich das tun werde.“

„Oh man... Julian, irgendwann knall ich deiner Freundin eine.“ „Hab ich ihr auch gesagt. Sie hat nur verführerisch die Augen verdreht und gemeint, dass sie sich lieber von mir knallen lässt. Und da sage man mir, Hasen seien eher die Ruhigen... Also, kann ich auf deine Unterstützung zählen?“

Alex seufzt auf. Hat er denn eine Wahl? Besser jetzt als in der Schule vor allen anderen. Herr Wolpinger kennt da keine Gnade. „Wann muss ich wo sein?“ „Um 11 Uhr beim Café Schubert am Herrenplatz.“ Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt ihm, dass er noch eine dreiviertel Stunde hat. „In Ordnung, ich werde da sein.“ „Danke und ich entschuldige mich mal im Voraus für Sabine.“

Und schon hat der Fuchs aufgelegt. Seine Freundin beweist jedes Mal aufs Neue, wer von den Beiden das Sagen in dieser Beziehung hat. So schlagfertig wie die ist, was man ihr bei ihrer süßen Statur gar nicht zutraut. Na ja, ist nun mal so. In Ruhe macht Alex sich fertig und bereitet alles vor.

Mit der Lederjacke und dem Motorradhelm verlässt er das Haus und steigt auf seine Maschine, mit der er zu besagtem Platz und dem dortigen Café fährt. Dort warten schon Sabine, Julian und Herr Wolpinger auf ihn. Ihr Klassenvorstand ist ein Elch, der stets ein Lächeln im Gesicht hat und für seine Schüler bisher immer ein offenes Ohr hatte.

Doch wenn ihm etwas nicht passt oder er einmal die Stimme erhebt, wird es schlagartig leise. Man erkennt ihren Lehrer dann kaum wieder, so kalt und hart wirkt er dann. Der einzige Lehrer in Alex’ Schulzeit, der sich Respekt redlich verdient hat. Er ist auch der erste, der ihn erblickt und grüßend winkt.

„Da ist er ja! Gut, dann bestellt mal euren Kaffee, ich lade euch ein. Als kleines Dankeschön, dass ihr euch die Zeit nehmt.“ Mit diesen Worten drückt er Julian einen 20-Euro Schein in die Hand und die drei Jugendlichen machen sich auf zur Bestellung. Außerhalb der Hörweite ihres Lehrers murmelt Alex der Hasendame zu: „Du schuldest mir was.“

Doch ihre einzige Antwort ist ein belustigtes Funkeln in den Augen, als Julian auch schon zwei Melange für Alex und sich und einen Cappuccino für seine Freundin bestellt. Nachdem sie sich mit dem Kaffee zurück an den Tisch gesetzt und Julian das Restgeld retour gegeben hat, ergreift Herr Wolpinger das Wort.

„Also. Wie mir Sabine berichtete, habt ihr ein Projekt angefangen? Davon will ich jetzt gern mal die Details wissen und wie es dazu kam.“ Lügen wäre sinnlos, also erzählt Julian vom Besuch im Jugendheim am Freitag und welche Ausrede er sich einfallen hat lassen.

Dass seine Freundin überhaupt die Idee hatte, dass sie das Heim besuchten, erwähnte er nicht und Alex kann sich denken, womit Sabine ihrem Freund danken wird. Wie gesagt, die Kleine hat es faustdick hinter den Ohren. Der Elch nickt dazwischen immer wieder, schweigt aber sonst.

Erst als Julian geendet hat, dreht er sich zu Alex. „Und du warst brav und hast das Wochenende über das Heim immer wieder besucht?“ „Ja, da sind ein paar wirklich nette Jugendliche. Sind ja wie wir, nur halt ohne Eltern.“ Herr Wolpinger schweigt dann eine Weile und meint: „Die Idee an sich ist nicht schlecht, aber was genau habt ihr euch da vorgestellt?“

„Nun ja. Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht und habe an eine Website gedacht. Werbung, vielleicht auch ein Inserat in der Zeitung oder ein Spot in den Medien. Irgendetwas, um auf die Jugendlichen aufmerksam zu machen, damit sie schnell Eltern finden. Und wir, die darauf aufmerksam machen“, meldet sich Sabine zu Wort und Herr Wolpinger lässt sich die Idee scheinbar durch den Kopf gehen.

Julian schaut seine Freundin nun etwas erstaunt an, die aber jeglichen Blickkontakt meidet. Der Elch nickt dann schließlich und meint: „Gut, ich lasse mir das alles durch den Kopf gehen. Macht weiter wie bisher. Sammelt Informationen oder macht euch mit den Jugendlichen vertraut. Frau Sappa und ich werden uns zusammen besprechen und am ersten Tag nach den Osterferien eurem Projekt zustimmen oder es ablehnen.“

Die drei Jugendlichen nicken und verabschieden den Lehrer, der sich erhebt und das Café verlässt. Schließlich starrt Julian wieder seine Freundin an und fragt vorsichtig: „Sabine, was ist los?“ „Nichts, wieso?“ „Von uns allen bist du die einzige, die sich so dermaßen in dieses ‚Projekt‘ reinstürzt. Alex und ich mussten jetzt sogar unsere Köpfe hinhalten, obwohl wir mit der Sache fast nichts zu tun haben. Also wieso willst du dieses Projekt so sehr zum Laufen bringen?“

Die Hasendame seufzt auf und kuschelt sich an den Fuchs, der sofort einen Arm um sie legt und seine Freundin besorgt anschaut. Diese schweigt, doch nach einer gefühlten Ewigkeit redet sie leise: „Kinder brauchen ihre Eltern, um groß werden zu können. Um in jungen Jahren eben noch ein Kind sein zu können. In den Arm genommen und geliebt werden und alle Sorgen vergessen können.“

Sabine beginnt leicht zu zittern und hilfesuchend blickt Julian zu Alex, der nur verunsichert zurückschaut. „Ich hab ja, wie ihr wisst, eine ältere Schwester und zwei jüngere Zwillingsbrüder. Was ihr nicht wisst ist, dass bei deren Geburt unsere Mutter starb. Ich war Ende drei und habe mich nach Liebe und Wärme gesehnt. Doch mein Vater kam selber nicht mit Mutters Tod klar und ertränkt seinen Kummer im Alkohol. Eingesperrt in seinem Arbeitszimmer. Selbst wir Geschwister hielten nicht zu einander...“

So langsam dämmert es dem Fuchs und dem Wolf, was in Sabine gerade für ein Sturm wütet und schnell legt Julian auch den anderen Arm um seine Freundin und drückt sie beruhigend an sich. „Alles gut Sabine. Ich bin da. Ich werde dich nicht im Stich lassen, das musst du mir glauben.“ Leise schluchzt die Hasendame und Alex kann nur still da sitzen und den beiden zuschauen.

Nach einer Weile hat sich Sabine beruhigt und Julian gibt ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, ehe er leise murmelt: „Komm, lass uns nach Hause gehen.“ Schwach nickt die Hasendame und schaut Alex dann aus leicht geröteten Augen an. „Tut mir leid, dass du das jetzt mit abbekommen musstest. Auch, dass ich euch in dieses Projekt reingezogen habe.“

„Schon in Ordnung. Wir reden heute am Abend nochmal über dieses Projekt.“ Der Blick, den Julian dem Wolf nun zuwirft, sagt alles. Der Fuchs würde alles für seine Freundin tun. In diesem Fall heißt das, dass das Projekt Jugendheim nun offiziell existiert.

Alex bleibt noch eine Weile sitzen, bis er sich seinen Motorradhelm schnappt und auf seine Maschine schwingt. Die Chance, dass das Projekt auch vom Schuldirektor genehmigt wird, steht 50:50. Spätestens am Dienstag, bei der Party, werden Klara und Leo Bescheid wissen.

Aber jetzt heißt es erstmal Informationen sammeln. Diesmal aber nicht direkt im Jugendheim, sondern im Internet. Mit seinem Motorrad fährt der schwarze Wolf nach Hause und fährt sofort den Rechner hoch. Knapp eineinhalb Stunden lang sucht er Daten verschiedener Jugendheime, im speziellen aber von dem, wo Leonie, Joshua und Stefan untergebracht sind.

Anschließend macht sich der Wolf daran, eine Website für das Projekt zu erstellen. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug und soeben vollendet er die letzten Klicks, als der Blick auf die Uhr ihn kurz staunen lässt, ist es doch schon 18 Uhr am Abend.

Also mit einem Besuch bei Stefan wird es heute nichts mehr. Schnell etwas zu essen gemacht und eine DVD vorbereitet, als sein Handy klingelt. „Ja, hallo?“ „N'abend Alex, störe ich?“ „Nein Julian. Was gibt’s denn? Wie geht’s Sabine?“ „Deutlich besser. Hat sich hingelegt und geschlafen als wir zu Hause ankamen. Danach... Junge die war wie ausgewechselt. So wild und gierig hab ich die noch nie erlebt beim Sex.“

Alex schmunzelt, fragt aber nicht nach. Somit redet Julian weiter. „Hat sich Leo auch bei dir gemeldet heute?“ „Nein, wieso?“ „Hat mich vor vier Stunden angerufen und wegen den Getränken gefragt. Ob ich die morgen schon am Vormittag bringen kann.“ „Ah siehst, muss ich ihn noch anrufen und wegen der Musikanlage und den Lichtern fragen.“

„In Ordnung. Dann nochmals danke, dass du heute da warst. Ach... und wegen dem Projekt Jugendheim, ich werde Sabine dabei helfen.“ „Hab ich mir denken können. War heute auch schon fleißig und habe begonnen, eine Website zu erstellen. Kann euch allen morgen den Link in der WhatsApp-Gruppe schicken.“ „Du bist der Beste Alex! Danke!“

„Nichts zu danken. So, ich ruf dann mal Leo an.“ „Alles klar. Schlaf gut!“ Und schon legt der Fuchs auf. Gleich darauf hält der Wolf wieder das Handy ans Ohr und wartet, als nach dem zweiten Ton auch schon abgehoben wird. „Alex du Straßenköter! Was kann ich für dich tun?“

„Also erstens: Mich nicht mehr einen Köter nennen, bin ein Wolf. Zweitens: Deine Party. Wie willst du die Musikanlage und die Lichter haben?“ „Für die Lichter hab ich schon gesorgt, müssen nur noch angeschlossen werden. Wegen der Musik... kannst du vielleicht wieder diese Stereo-Anlage beschaffen?“

„Klar. Kann ich machen. Nach dem Mittagessen so gegen 14 Uhr?“ „Sicher. Komm einfach vorbei, ich werde dir beim Aufbauen helfen.“ „Perfekt. Dann bin ich morgen ab 14 Uhr bei dir.“ „In Ordnung. Bis morgen Alex, gute Nacht.“ „Nacht Leo!“ Und schon ist auch dieses Gespräch beendet.

Eine Weile denkt Alex nach und kommt zu dem Entschluss, dass er morgen erneut keine Zeit für Stefan haben wird. Erst am Abend, wenn er sie abholt. Außerdem muss er erst wieder weiter an der Website arbeiten, um sie zu sichern und dann muss er die Stereo-Anlage besorgen, zum Haus von Leos Eltern bringen und diese dort installieren.

Bis er fertig ist, ist es längst 15 Uhr und nach Hause muss er dann auch noch, um sich fertig zu machen. Stefan wird den Vormittag leider ohne ihn überleben müssen. Dennoch nimmt Alex sich vor, im Heim morgen anzurufen und Sophie Bescheid zu geben. Der Abend wird dann noch bei DVD schauen und Computer spielen verbracht, ehe das kuschelige Bett wartet... leider ohne jemand anderen darin.

Der Dienstag beginnt wie jeder andere Tag auch. Gegen Mittag ruft Alex kurz beim Jugendheim an und erklärt Sophie, ab wann er heute vorbei kommen kann. „Ich werde so ab 17 Uhr da sein und die drei abholen können.“ „In Ordnung, ich werde es ihnen sagen. Dann bis später Alex.“ „Bis später Sophie.“

Anschließend sucht der Wolf im gesamten Haus nach der Stereo-Anlage und dem dazugehörigen, technischen Zubehör. Mit zwei voll gepackten Taschen macht Alex sich auf den Weg zu Leo und steht kurz vor 14 Uhr an dessen Haustür und klopft. Leos Mutter macht auf, eine für ihr Alter schöne Eselstute mit einem langen Zopf.

„Hallo Alex! Leo hat gesagt, dass du heute vorbeikommst. Komm doch rein!“ „Hallo und danke Frau Linser.“ Das Haus der Familie Linser ist recht groß. Nach dem Eintreten befindet man sich im Vorzimmer. Links befindet sich gleich eine Toilette und geradeaus führt eine Treppe zum oberen Stockwerk. Gegenüber von der Toilette führt der Weg ins Wohnzimmer, welches vermutlich der größte Raum in diesem Haus ist.

Riesig, das beschreibt es am besten. Trotz einem Tisch mit Stühlen, einer Couch mit einem Flachbildschirm davor und genug anderen Möbelstücken, bietet der Raum immer noch genug Platz, um sich frei zu bewegen. Hinten links, quasi unter der Treppe durch, geht es in die Küche. In der Mitte der Platz, am Rand die Ablagen sowie Herd, Geschirrspüler, Kühlschrank und so weiter.

Im Wohnzimmer befindet sich noch eine Tür, die zur Terrasse führt, mit einem großen Garten dahinter. Eine fein geschnittene Hecke deckt diesen vor neugierigen Blicken ab. Wenn man der Treppe hinauf folgt, kommt man erneut auf einen Flur. Rechter Hand das Schlafzimmer der Eltern, sowie das Arbeitszimmer von Leos Vater.

Linker Hand das Schlafzimmer von Leo, das Bad und ein leeres Zimmer, in dem früher Leos 5 Jahre älterer Bruder gelebt hat. Leo kommt gerade die Treppe herunter und begrüßt Alex freundschaftlich. „Servas! Magst erst mit hoch kommen oder die Anlage gleich anschließen?“ „Lass anschließen, dann haben wir es hinter uns.“

Gesagt, getan und schon machen sich die zwei Jugendlichen daran, die Musikanlage im Wohnzimmer anzuschließen. Leos Mutter lässt die Jungs in Ruhe, bringt nur einmal kurz ein paar Getränke vorbei. Nach einer Stunde steht die Anlage und nach einem kurzen Testlauf sind sie zufrieden. „Perfekt! Junge das wird geil heute!“

„Wie viele hast du denn eingeladen?“ „Abgesehen von unserer Truppe und den Dreien aus dem Heim, nur ein paar bekannte Freunde aus unserer, sowie der Nebenklasse. Keine Sorge, mehr als 50 werden wir eh nicht werden.“ „Soll mir egal sein, ist dein Haus. Soll ich auf ein paar Gäste ein Auge haben?“

„Wäre sicher keine schlechte Idee. Ich hab zwar schon Klara gebeten, aber je mehr desto besser. Julian wird sich sicher auch noch melden. Der war übrigens schon hier und hat die Getränke gebracht. Ich sollte langsam mit Mixen anfangen. Klara sollte auch jeden Moment kommen.“

„Alles klar. Dann breche ich mal langsam auf. Werde mich zu Hause fertig machen und dann die drei vom Jugendheim abholen.“ „Passt, dann sehen wir uns spätestens ab 18 Uhr?“ „Yepp.“ Kurz verabschieden sich die zwei und schon macht sich Alex auf den Heimweg.

Dort springt der schwarze Wolf unter die Dusche und zieht sich dann etwas Feineres an. Eine dunkelgraue, fast schwarze Hose, schwarze Socken und ein schwarzes Hemd, bei dem er die oberen zwei Knöpfe offen lässt. Die Zeit, bis er los muss, überbrückt Alex mit der Website, ehe er schnell noch das restliche, nasse Fell trocken föhnt und sich mit etwas Deo einsprüht.

Anschließend rein in die Schuhe und mit einer dunkelblauen Jeansjacke verlässt der Wolf das Haus. Zehn Minuten vor 17 Uhr betritt Alex das Jugendheim und bleibt erst mal schlagartig stehen. Etwas Abseits in einer Warteecke sitzen die drei Jugendlichen mit Sophie, doch wie sie angezogen sind ist atemberaubend.

Joshua trägt eine rote Hose und ein weißes, kurzärmeliges Shirt mit V-Ausschnitt. Das Shirt macht den Tiger um einiges attraktiver. Leonie hat sich eine weiße Bluse und einen langen, schwarzen Rock angezogen. Über der Bluse trägt die Stute eine blaue Weste.

Doch am tollsten sieht Stefan aus und bei dessen Anblick schlägt Alex Herz höher. Der Labrador hat sich eine weite, braune Hose angezogen und ein braunes Shirt, welches aber hauteng anliegt. Den Oberkörper kann Alex nur erahnen, doch was er sieht gefällt ihm und er starrt Stefan einfach nur an.

Dieser ist auch der erste, der ihn erkennt. Ein erfreutes Lächeln macht sich auf seinem Gesicht breit, als er Alex zuwinkt und ruft: „Da ist er ja! Hey Alex!“ Seufzend löst Alex seinen starren Blick und kommt auf die Gruppe zu. „N'abend zusammen. Alles gut bei euch?“

Zustimmendes Nicken macht die Runde und Sophie schaut Alex eindringlich an. „Ich sage es dir nochmal Alex: Ich will bis 2 Uhr morgens erfahren, wo ihr nach der Party schlafen werdet.“ „Ich werde eine SMS schreiben, seid unbesorgt.“ „Gut. Aber seid morgen aller spätestens ab der Mittagszeit hier. Joshuas neue Eltern kommen ihn dann abholen.“

Erstaunt schaut Alex den Tiger an, der ihn strahlend anschaut und schnurrt: „Ich werde es dir unterwegs erzählen.“ „Ok, cool! Also dann, lasst uns aufbrechen. Sophie, ich melde mich, schönen Abend.“ „Euch auch und viel Spaß!“, ruft die Ziege den Jugendlichen hinterher.

Als sie das Gelände verlassen haben, schaut Alex den Tiger neugierig an. Dieser lacht leise und erklärt dann: „Vor einem Monat war eine Familie im Heim. Haben einen Bruder für ihren Sohn gesucht und der hat sich für mich entschieden. War voriges Wochenende bei denen zu Besuch und es hat alles gepasst. Ja und morgen kommen sie mich abholen und dann fängt mein neues Leben an!“

„Hey, gratuliere! Wo geht’s denn hin?“ „Hinaus aufs Land. Richtung Wien. Pressbaum, vielleicht sagt dir der Ort ja was?“ „Nein, aber das macht nichts. Wahnsinn! Das heißt wir werden bald keinen Tiger mehr in St. Pölten sehen.“ „Eher unwahrscheinlich. Aber wir bleiben in Kontakt.“ „Na das hoffe ich doch!“

Schon werden Handy-Nummern ausgetauscht, einzig von Stefan nicht, der keines besitzt. Gerade kommt Alex die Idee, ihm eines zu schenken, als sie schon in die Straße einbiegen und das erleuchtete Haus sehen. „Da sind wir. Vielleicht noch etwas früh, beginnt erst um 18 Uhr. Aber so könnt ihr wenigstens noch die Ruhe genießen.“

Alex klopft an der Tür und Sabine macht auf. Sofort fällt sie dem Wolf um den Hals und umarmt ihn fest. „Danke für alles!“, murmelt sie ihm zu, lächelt ihn freundlich an und begrüßt dann die drei Jugendlichen aus dem Heim. Anschließend werden sie ins Haus gebeten, wo sie den Weg in die Küche nehmen und dort auch von Julian, Klara und Leo begrüßt werden.

„Laut dem Wetterbericht soll es heute Nacht warm werden und bisher schaut es auch ganz so aus. Jedenfalls gibt es neben dem Finger-Food-Buffet auch Essen vom Grill.“ Wie um seine Worte zu bekräftigen, führt der Esel sie hinaus in den Garten, wo tatsächlich ein Grill bereits mit Kohle gefüllt ist und das Feuer deutlich zu hören ist.

„Kann ich dir da vielleicht helfen? Bin früher oft beim Grill gestanden“, fragt Joshua den Esel, der nickt und sich sofort mit dem Tiger zum Grill begibt. Sabine und Klara kümmern sich in der Küche um das Buffet und die Speisen für den Grill, während Julian die bereits gemixten Getränke zu Ende zubereitet und dekoriert.

Leonie hat sich sofort als Hilfe angeboten und trägt die fertigen Platten oder Getränke zum Tisch, der als Buffet dienen soll. Oder sie trägt rohes Fleisch und Gemüse hinaus zum Grill. Alex hat derweil die Musik eingeschaltet und steht nun mit Stefan im Weg herum.

Es dauert aber nicht lange, da läutet es schon und Alex holt die ersten, eingeladenen Gäste ins Haus. Nach und nach füllt es sich. Freunde und Klassenkollegen kommen, grüßen alle, fragen wer die Neuen sind und unterhalten sich dann mit ihnen. Bald sind die Küche, das Wohnzimmer und der Garten mit den Gästen voll. Das restliche Haus darf nicht betreten werden, außer man muss auf die Toilette.

Der Grill läuft heiß und Joshua und Leo werden hin und wieder von einem Klassenkollegen abgelöst, der Wache steht. In der Küche arbeitet Klara bald alleine, doch schnell wie immer ist sie mit allem fertig und mischt sich dann unter das Volk. Julian und Sabine haben Klara und Leo in die Entwicklung von Projekt Jugendheim eingeweiht und auch vom Treffen mit Herrn Wolpinger erzählt.

Die Zwei waren zwar alles andere als begeistert, haben dann aber ihre Unterstützung zugesichert. Der Abend verläuft klasse. Leo hat sich Leonie geschnappt und stellt sie jedem vor, tanzt mit ihr und ist scheinbar sehr darauf bemüht, der Hauptakt ihrer Aufmerksamkeit zu sein.

Joshua steht meist mit Klara beim Grill und lacht mit einigen anderen Jugendlichen. Alex achtet derweil darauf, immer in Stefans Nähe zu sein und versucht ihn auch in ein paar Gespräche einzubinden. Der Abend verläuft super und bald ist es dunkel und das Gartenlicht muss angemacht werden, während der Großteil des Essens verspeist wurde.

Der Alkohol wird schon seit einer gefühlten Ewigkeit verteilt, doch hält es sich in Grenzen und alle scheinen noch recht nüchtern zu sein. Alex hat ein paar fremde Gesichter gesehen, ein paar davon ziemlich anziehend und hat sogar erst mit einem Kater und später kurz noch einmal mit einem anderen Wolf geflirtet.

Doch zu mehr kam es nicht, weil die zwei in der Menge untertauchten und sich dann an verschiedene Mädchen ran machten. Seufzend geht Alex gerade in den Garten hinaus, als er Leo mit einem größeren Esel in der Menge sieht. Der deutlich ältere Esel spricht gerade:

„Du spinnst doch echt, so viele Fremde hier einzuladen!“ „Was geht dich das an Benjamin? Du wohnst nicht mehr hier! Außerdem haben Mama und Papa es erlaubt und... als wärst du niemals so verrückt gewesen und hast jeden eingeladen.“ Benjamin... Leos älterer Bruder. Was will der denn hier?

Der ist auf Alex nicht gerade gut zu sprechen und schon will er sich zurück ins Wohnzimmer schleichen, als der Esel ihn erblickt und die Musik gerade leise wird. „Was tut die Schwuchtel hier?“ Die Umstehenden drehen sich langsam zu Benjamin um. Er hat nicht gerade leise gesprochen.

„Alex ist mein Freund und ebenfalls auf diese Party eingeladen.“ „Du sinkst mit deinem Niveau echt immer weiter hinunter, kleiner Bruder. Sag deinem Schwanzlutscher er soll von hier verschwinden.“ „Wieso sagst du das dem ‚Schwanzlutscher‘ nicht allein?“, meldet sich Alex nun zu Wort und geht direkt durch die Menge auf Leos Bruder zu.

Die Umherstehenden machen Platz und schauen zwischen dem Wolf und dem Esel hin und her. „Alex, lass gut sein. Ich kläre das schon.“ „Danke Leo, aber ich kläre diese Angelegenheit mit Benji allein.“ „Nenn mich noch einmal Benji und ich schlag dir die Zähne aus!“

Drohend geht Benjamin auf Alex zu, der stehen bleibt und den Esel erwartet. Schließlich stehen sich die zwei gegenüber und schauen sich in die Augen. „Lass uns vors Haus gehen. Soll ja nicht jeder mitbekommen.“ „Ha! Hat die Schwuchtel Angst, es könnte mehr geben, die sich vor dir ekeln?“

Innerlich spannt sich Alex an. Wie oft hat er eine solche Unterhaltung in der Schule erlebt? Wie oft hat er sich zurück gehalten und ebenso wie oft hat er alles vergessen und sich geprügelt? Leo ist seinem Bruder gefolgt und hält ihn an einem Arm fest. „Benjamin, lass jetzt gut sein! Verschwinde von hier und komm morgen wieder.“

Doch Benjamin ist deutlich stärker und haut seinem Bruder die Faust in die Magengrube. Stöhnend sinkt dieser zu Boden und sofort sind Joshua und Leonie an Leos Seite und tragen ihn etwas aus der Gefahrenzone. Alex ballt die Hände zu Fäusten. Niemand tut ihm oder seinen Freunden weh. Leise beginnt er zu knurren und funkelt den Esel an.

Die Musik wurde gänzlich ausgeschaltet und jeder lauscht still der Unterhaltung der zwei Streithähne. „Nein Benji, ich habe keine Angst. Weil jeder hier bereits von mir weiß und es allen egal ist!“ „Pah! Wie viele Schwänze musstest du blasen, um diesen Unsinn zu glauben?“ „Ich glaube, du solltest jetzt langsam gehen.“ Klara hat sich zwischen die zwei gestellt und schiebt Alex etwas nach hinten, den Esel funkelt sie wütend an.

Keinen Moment später stehen auch Julian und Joshua neben ihr und die Umherstehenden haben ihre Hände frei gemacht und funkeln Leos Bruder ebenfalls an. Dieser schnaubt auf und wendet sich zum Gehen, ruft aber noch über seinen Rücken: „Weicheier! Alle miteinander! Sind mit einer Schwuchtel befreundet, pah! Ihr werdet auch noch alle schwul bei diesem Homo!“

Alex knurrt laut auf und springt an Julian vorbei. Doch packt Klara ihn an beiden Armen und schlingt ihre Arme um seinen Oberkörper, sodass er sich nicht wehren kann. Die grünen Augen funkeln und das Maul zu einer bedrohlichen Fratze verzogen, knurrt er immer wieder Benjamin hinterher.

„Alex! Beruhig dich! Er ist weg!“ Zweimal knurrt Alex noch bedrohlich, doch dann schließt er die Augen und sein Nackenfell legt sich. Langsam entkrampft er sich und schaut sich dann nach Leo um, der inzwischen auch wieder auf den Beinen ist.

„Geht's?“ „Das Gleiche wollt ich dich gerade fragen. Ja, geht gut. War zum Glück nur der Magen.“ „Gut. Ich geh kurz nach vorne zur Straße und rauche eine. Lasst mich bitte allein.“ Unsicher schaut Leo an ihm vorbei zu Klara, die ihn immer noch fest hält. „Klara... bitte.“ „Wenn du in fünf Minuten nicht da bist, komm ich nach vorne und zieh dich an den Ohren wieder hier her!“

Mit diesen Worten lässt die Löwin den Wolf los, der seine Zigarettenpackung aus der Hose holt und sich eine anzündet. Anschließend geht er zum Eingang des Hauses und setzt sich mit einem Seufzen auf die Treppe. Sein Blick wandert nach oben und kurze Zeit später setzt sich jemand neben ihn.

Eine Weile schweigen Leo und er sich an, doch dann murmelt der Esel: „Tut mir leid.“ „Braucht es nicht. Ich hätte mich nicht rein steigern sollen.“ „Du hattest deine Wut doch so gut im Griff. Wieso jetzt auf einmal nicht mehr?“ „Keine Ahnung.“

Wieder eine Weile schweigen, ehe Alex fragt: „Wieder mal wurde ich vor versammelter Mannschaft bloßgestellt und offenbart.“ Seine Freunde sind die einzigen, denen er von dem Tag im Gerichtssaal erzählt hat. „Also Leonie und Joshua waren ziemlich locker, die scheinen damit keine Probleme zu haben. Stefan hab ich noch nicht gesehen. Und der Rest weiß es ja wirklich.“

Alex murrt einmal kurz und erneut schweigen sie sich an, als Leo vorsichtig fragt: „Kann es sein, dass du verliebt bist? Hat das vielleicht deine Emotion so frei laufen lassen?“ Alex hebt den Kopf und schaut Leo an, dieser bereut die Frage scheinbar, doch der Wolf schüttelt den Kopf.

„Ja, ich bin verliebt. Ich glaub du weißt in wen. Und du kannst Recht haben. Ich weiß es nicht. Es kann aber sein, dass ich dich wieder brauche, sollte ich wieder die Fassung verlieren.“ „Meinst du echt, es kann wieder passieren?“ „Nach der heutigen Aktion will ich einfach vorsichtig sein.“

Leo nickt und nimmt Alex in den Arm. „Egal wie weit es kommt, ich und sicherlich auch die Anderen werden nicht zulassen, dass du wieder zu einem Monster wirst.“ „Danke.“ Das jetzige Schweigen ist eher befreiend und beruhigend und nach kurzer Zeit stehen die zwei Freunde auf und gehen zurück ins Haus, wo wieder etwas erfreulichere Stimmung herrscht.

Natürlich wird Alex schief angeschaut, doch ist nirgends ein Blick des Ekels oder der Verachtung. Leonie und Joshua sind mit Klara in der Küche und als der Esel und der Wolf eintreten, redet Leonie sofort los: „Hey Alex, nur damit du das nicht falsch verstehst. Joshua und ich haben absolut keine Probleme mit dir und deinem Interesse für Jungs!“

„Danke Leonie.“ Klara sagt zum Glück nichts, nickt ihm aber zu und schaut ihn mit einem Blick tiefer Freundschaft an, für den Alex diese Löwin liebt. Dann schaut er sich um und fragt: „Hat wer von euch Stefan gesehen?“ „Ich sah ihn zuletzt draußen beim Buffet stehen.“

Dankbar nickt der schwarze Wolf und zwängt sich durch die Menge zum Buffet, wo er tatsächlich den braunen Labrador sieht. Er sitzt auf einem Sessel und starrt in die Ferne. Vorsichtig nähert Alex sich und stupst ihn auf die Schulter. „Stefan?“

Schlagartig wirbelt dieser mit dem Kopf herum und schaut Alex ängstlich an. Derselbe ängstliche Blick, als sie sich zum ersten Mal begegnet sind. Dieser Blick tut dem Wolf im Herzen weh und ein Kloß bildet sich in dessen Hals, doch als er spricht ist seine Stimme ruhig. „Alles klar bei dir?“

„Du bist schwul?“, fragt Stefan wie aus der Pistole geschossen sofort und Alex hat das dumpfe Gefühl, dass diese Unterhaltung nicht gut ausgehen kann. Dennoch nickt er mit dem Kopf. Stefan starrt ihn eine Weile an und fragt dann: „Zeigst du deswegen so ein Interesse an mir? Willst du mich ins Bett bekommen?“

Verwirrt schaut Alex den Labrador an und öffnet das Maul, doch fährt Stefan nun mit härterer Stimme dazwischen: „Sag nichts! Ich kann mir die Antwort denken! Du warst vorhin so wütend, so brutal... nur weil er sagte, dass du schwul bist. Wirst du mich etwa auch anfallen, wenn ich mich weigere mit dir zu ficken?“

„Wovon redest du bitte Stefan? Ich treffe mich doch nicht mit dir, nur weil ich mit dir Sex haben will.“ „Ha! Aber du willst es! Aber nicht mit mir, du wirst mich niemals bekommen!“, brüllt der Labrador jetzt schon aufgebracht und erneut schauen ein paar der Gäste in Alex Richtung.

Sogar seine Freunde sind aus der Küche gekommen und schauen fragend und verwirrt. Vorsichtig streckt Alex den Arm wieder aus und murmelt: „Alles gut Stefan, ich will dir doch nichts tun, aber...“ Weiter kommt er nicht. Der Labrador stößt seinen Arm weg und ehe irgendwer reagieren kann, knallt es laut.

Der Schmerz ist nicht spürbar. Der Schock, dass Stefan ihn gerade geohrfeigt hat, lässt Alex erstarren. Mit weit aufgerissen Augen beobachtet der Wolf den Labrador, der ihn mit einer Mischung aus Angst und Wut anstarrt. Mit leicht hysterischer Stimme brüllt Stefan: „Verschwinde! Lass mich in Ruhe!“

Kurz starrt Alex den Jungen noch an, langsam wird der Schmerz wahrnehmbar und seine linke Gesichtshälfte brennt fürchterlich. Dazu kommt ein Brennen in der Brust, was ihm die Tränen in die Augen treibt. Ohne ein Wort zu sagen dreht er sich um und stapft ins Vorzimmer. Im Hinausgehen ruft er noch mit monotoner Stimme:

„Ich bin weg. Leo, lass sie bei dir schlafen und bring sie morgen vor 12 Uhr zum Heim. Und ruf im Heim an und gib Sophie Bescheid.“ Schnell ist der Wolf in seine Jeansjacke geschlüpft und hat mit einem lauten Knall die Tür hinter sich verschlossen. Die Hände steckt er in die Hosentaschen und stapft gedankenverloren den Weg entlang.

Er hört nichts. Weder das Rascheln der Bäume im sanften Wind, noch sein leises Schluchzen.

Er sieht nichts. Weder den Weg vor seinen Füßen, noch das Auto, das ohne Licht im Schatten gewartet hat und ihm nun folgt.

Er riecht nichts. Weder den Frühling, noch das Deo.

Er schmeckt nichts. Weder das Fleisch, das er vorhin verspeist hat, noch die Tränen, die in sein Maul rinnen.

Er fühlt nichts. Außer das Brennen auf seiner Wange und den Schmerz in seiner Brust.

Wieso ist Stefan so ausgerastet? Warum hat er ihn geschlagen? Wieso tut es so weh, von ihm abgewiesen zu werden? Warum setzt ihm, Alex, das alles so zu? Die Antwort ist so einfach und doch so kompliziert zugleich. Alex kennt die Antwort, aber er will es sich nicht eingestehen. Mit jedem Schritt wird der Schmerz in seiner Brust größer.

Mit jedem Schritt wird das Schluchzen lauter und ebenso rinnen seine Tränen vermehrt und schneller seine Wange herunter. Er hat es Leo vorhin gesagt… Er, Alex Sterner, hat sich in den braunen Labrador Jungen Stefan verliebt.

Erneut schluchzt der Wolf herzzerreißend auf, als er glaubt, ein immer lauter werdendes Brummen wahrzunehmen. Er bleibt stehen und schaut auf, doch sieht er verschwommen. Gerade wischt er sich die Tränen aus den Augen, als Alex plötzlich eine bekannte Stimme erschrocken rufen hört.

„Alex!“ Ehe der schwarze Wolf es realisieren kann, spürt er einen höllischen Schmerz im linken Bein und Wind schießt um seine Ohren. Sein einziger Gedanke ist ein Auto, als er auch schon hart gegen etwas geschleudert wird. Die Welt explodiert in einem Chaos aus Sternen und Schmerz, ehe Alex in der Dunkelheit versinkt.

Die Finsternis wird immer wieder von dumpfen Geräuschen durchbrochen. Leise, weit entfernt, kaum wahrnehmbar. Schon fällt er wieder in die Dunkelheit. Als er das nächste Mal zu Sinnen kommt, hört er keine Stimmen. Dafür ein leises, wiederkehrendes Piepen.

Vorsichtig öffnet Alex die Augen und kneift sie sofort wieder zusammen. Das Licht blendet ihn und verursacht ein dumpfes Pochen im Kopf. Vorsichtig öffnet er die Augen erneut und findet sich in einem kleinen, sauberen Zimmer mit einem technischen Gerät wieder.

Er selber ist mit Kabeln an einer Maschine angeschlossen. Rechter Hand ist ein großes Fenster, durch das gerade die Sonne scheint. Langsam schaut sich der Wolf um, doch ist niemand hier. Er ist allein. Er will nicht allein sein und er hört ein leises Schluchzen.

Das Piepen wird schneller, ebenso sein Atem. Tränen sammeln sich in den Augen und das schnelle Heben und Senken seines Brustkorbes bereitet ihm Schmerzen. Das Piepen ist mittlerweile zu einem schrillen Kreischen übergegangen, als ein Pferd in einem weißen Kittel ins Zimmer stürmt und sich neben dem Bett auf einen Hocker setzt.

„Ruhig. Alles ist gut. Du bist in Sicherheit.“ Schwach dringen die Worte zu Alex durch und als der weiße Mann dann noch sanft nach seiner Hand greift kommt die Dunkelheit langsam wieder über den Wolf. Er glaubt noch mitzubekommen, wie das Piepen wieder langsamer wird und sein Schluchzen aufhört.

Als Alex erneut erwacht ist es dunkel. Mit einem Blick aus dem Fenster stellt er fest, dass der Mond scheint. Erleichtert seufzt er auf, als er eine Bewegung neben sich hört. Diesmal sogar deutlich und klar. Langsam dreht er den Kopf und erblickt einen Esel, der ihn besorgt mustert.

„Hey Alex. Alles klar?“, fragt Leo leise und der Wolf öffnet das Maul, bekommt aber nur ein trockenes Keuchen heraus. Sofort setzt Leo ihm ein Glas Wasser an die Lippen und genüsslich trinkt der Wolf das Glas leer, ehe er leise murmelt: „Könnt besser sein.“

Leo nickt und setzt sich wieder auf die Couch, die am anderen Ende des Zimmers aufgestellt wurde. „Eigentlich sollte ich schon zu Hause sein, aber die Ärzte halten es für besser, wenn jemand in deiner Nähe ist.“ „Was ist passiert?“ Der Esel mustert seinen Freund besorgt. „Weißt du noch, was am Dienstag bei der Party alles vorgefallen ist?“

„Ja. Dein Bruder war dort. Und dann...“ Alex stockt. Die Erinnerung an Stefans Ohrfeige fällt ihm wieder ein und er wagt nicht, weiter zu sprechen. Ein Glück, dass Leo weiß, was er meint. „Ja. Wir waren alle sehr erstaunt, dass Stefan dir eine gedonnert hat. Sabine und Leonie haben den Jungen genommen und sind mit ihm rauf in mein Zimmer und haben dort mit ihm geredet.“

Der schwarze Wolf nickt vorsichtig, während der Esel fort fährt. „Und während Klara dir folgte, haben Julian, Joshua und ich uns entschuldigt und die Party für beendet erklärt. Gerade ging der Letzte, als Klaras Anruf kam und sie sagte, du seist auf den Weg ins Krankenhaus. Ein Auto ohne Licht hätte dich angefahren und beging dann Fahrerflucht.“

Stöhnend schließt Alex die Augen und erinnert sich wieder an den Schmerz im Bein und den Wind, der in rasender Geschwindigkeit sein Gesicht umspielte. „Ich habe dann jedenfalls meine Eltern angerufen und Joshua Sophie. Sind dann alle auf zum Krankenhaus, wo Klara schon wartete. Die Ärzte haben die ganze Nacht durch gearbeitet und dann gesagt, dass du durch kommst.“

„Was hatte ich?“ „Linkes Bein gebrochen, Gehirnerschütterung, Rippen geprellt und… deine linke Niere musste entfernt werden. Jetzt nur noch ein paar Tage Ruhe und dann kannst du mit Krücken diese Anstalt verlassen.“ Das sitzt… eine Niere weg.

„Welcher Tag ist heute?“ „Donnerstag. In zwei Stunden Freitag.“ „Meine Mutter...?“ „Wurde angerufen, konnte aber abgehalten werden, sofort her zu kommen. Montagmorgen wird sie wieder hier sein.“ Alex nickt schwach und schaut aus dem Fenster.

„Ach, ich hab deine Stereoanlage wieder in den Sackerl verstaut. Wenn du hier raus kommst, bring ich sie dir vorbei.“ „Danke.“ Eine Weile herrscht Schweigen, ehe Alex unsicher fragt: „Leo? Was ist mit...?“ „Leonie, Joshua und Stefan? Die waren hier. Joshua hat uns von seinen Eltern erzählt und hat gebeten, bei dir zu bleiben bis du aufwachst. Morgen will er wieder kommen.“

Alex nickt leicht und lauscht Leos weiteren Worten. „Leonie will auch morgen kommen. Hat sich große Sorgen gemacht, konnte sie Dienstagnacht nur schwer beruhigen und zum Schlafen bringen. Hat mich gebeten, die Nacht bei ihr zu bleiben...“ Ist der Esel etwa verlegen? Langsam schaut Alex zu Leo, der sofort wieder erzählt.

„Tja und Stefan... Sabine und Leonie haben ihn ja zur Seite genommen und ausgiebig mit ihm geredet. Sie sagen uns nicht, was sie mit ihm besprochen haben. Jedenfalls war er kein einziges Mal hier, als alle hier waren. Doch die Ärzte meinten, er war allein hier. Zweimal schon.“

„Wäre es besser, wenn ich mich von ihm fernhalten würde?“ „Ich weiß es nicht. Frage Leonie morgen. Vielleicht sagt sie dir ja, was los ist. Aber jetzt schließe die Augen und schau, dass du Schlaf findest. Du musst dich erholen.“ Langsam nickt der Wolf und schließt die Augen, nur um in sekundenschnelle einzuschlafen.

Am nächsten Morgen wacht Alex vor Leo auf. Der Esel schlummert noch friedlich auf der Couch, doch bei Alex regt sich langsam die Blase. Eine Weile verhält er sich ruhig, aber der Druck wird zunehmend unerträglich. Er schaut sich um und sieht ein Lämpchen. Dieses drückt er und es leuchtet orange auf.

Kurze Zeit später kommt ein Pferd im weißen Kittel herein und Alex deutet ihm sofort, sich leise zu verhalten. Kurz blickt der Hengst zum schlafenden Leo und nickt lächelnd. Leise tritt er neben das Bett und flüstert freundlich: „Guten Morgen Alex. Wie geht es dir?“

„Gut. Aber können sie mir bitte irgendwie zur Toilette helfen? Ich halte nicht mehr lange durch.“ Der Arzt nickt und legt vorsichtig einen Arm um des Wolfs Hüfte. Das Auftreten fällt Alex schwer, vor allem mit seinem linken Bein. Liegt vielleicht auch daran, dass der Gips das Gehen erschwert.

Dennoch schafft er es mit Hilfe, unbeschadet zum heiligen Reich zu kommen und sich dort zu erleichtern. Der Hengst trägt den Wolf dann in einen kleinen Ruheraum und bringt ihm ein kleines Frühstück. Eine Semmel, Butter, Marmelade und ein schwarzer Tee. Dazu noch eine Scheibe Käse und Schinken.

Genüsslich macht sich Alex darüber her und schlürft nun an seinem Tee, als der Arzt wieder zu reden beginnt. „Es freut mich zu sehen, dass deine Genesung so gute Fortschritte macht. Hast uns einen ziemlichen Schrecken eingejagt, als deine Freunde um 23 Uhr anriefen und von deinem Unfall berichteten.“

„Mein Freund Leo hat mir schon ein wenig berichtet. Danke, dass sie mich wieder auf die Beine gebracht haben.“ „Es ist unser Job mein Junge und ich tu ihn gerne. Auch wenn viele Kollegen das leider nur des Geldes wegen tun. War auch ein Glück, dass wir bei dir alles hinbiegen konnten. Und wegen deiner Niere…“ „Hat das irgendwelche Auswirkungen?“

„Nein. Selbst mit nur einer Niere kann der Körper selbstständig arbeiten.“ Der Wolf nickt und betrachtet dann erst sein eingegipstes Bein. Der Arzt ist seinem Blick gefolgt und meint freundlich: „Keine Sorge. Heute Nachmittag werde ich mit dir ein paar kleine Tests machen. Wenn diese positiv auslaufen, bekommst du morgen einen neuen Gips und kannst das Krankenhaus verlassen.“

„Und wenn die Tests negativ sind?“ „Bleibst du hier und erholst dich weiter.“, lächelt ihn der Hengst an. Alex nickt und trinkt seinen Tee aus, ehe der Arzt ihn zurück in sein Zimmer bringt. Leo sitzt aufrecht auf der Couch und schaut deutlich verschlafen aus.

„Morgen Leo.“ Ein Gähnen und Nicken ist die Antwort des Esels, während der Hengst im weißen Kittel den schwarzen Wolf vorsichtig aufs Bett legt. „Am Nachmittag komme ich vorbei und dann fangen wir an“, meint der Arzt noch, ehe er den Raum verlässt.

Gegen Mittag kommen seine Freunde und Sabine fällt Alex um den Hals. „Tu das nie wieder!“ Eine Antwort spart sich der Wolf, legt einfach seine Arme um die Hasendame und drückt sie kurz an sich. Anschließend begrüßt er die Anderen und blickt dann zu Joshua.

„Wieso bist du nicht bei deiner Familie?“ „Ich kann doch meinen Freund nicht alleine lassen, während er bewusstlos im Krankenhaus operiert wird.“ Dankbar lächelt Alex den Tiger an, der ihm zunickt. „Da du aber auf dem Weg der Besserung bist, werde ich sie heute anrufen und fragen, ob sie mich noch haben wollen…“

„Das werden sie. Auf einen solchen Sohn kann jeder stolz sein“, meint Leonie und lächelt den Tiger an, ehe sie sich neben Leo auf die Couch setzt. Alex beobachtet seinen Freund und merkt die leichte Angespanntheit. Die Erste die es schafft, ihm den Kopf zu verdrehen, denkt sich der Wolf grinsend.

Die ganze Zeit über schaut Alex immer wieder zu Leonie und Leo, die sich anlächeln und leise unterhalten. Nach einer Weile meint Klara dann: „Ok Alex. Du bist hier ja in guten Händen. Aber ich mache mich dann mal auf den Weg.“ „Sabine und ich schließen uns dem an. Ich werde zu Hause ein wenig an deiner Website weiter arbeiten.“

„Wäre sicher keine schlechte Idee.“ Leicht grinsend blickt Alex den Fuchs an, der ihm zunickt. „Ich gehe dann auch mal zurück ins Heim und werde anrufen. Alex, wir bleiben in Kontakt.“ Und schon macht sich die Gruppe auf den Weg. Leo schaut kurz zwischen dem Wolf und der Stute hin und her und meint dann:

„Ich schließe mich an und lasse euch mal allein.“ Schon springt der Esel auf und folgt eher rennend den anderen. Leonie schüttelt den Kopf und Alex kann sich ein leises Lachen nicht verkneifen. „Was ist?“ „Furchtbar diese Kerle, oder?“

„Ich weiß nicht, was du meinst.“ „Ach komm. Ich sehe doch, dass ihr euch sehr mögt.“ Leonie wird leicht rot und verlegen meint sie: „Na ja… er ist ein toller Kerl. Klara hat mir zwar von seinem Ruf erzählt, aber so schräg drauf find ich ist er nicht.“ Alex nickt nur, lächelnd schaut er die Stute an.

„Er hat an dir vermutlich endlich jemanden gefunden, bei dem er mehr will als nur Sex. Ist neu für ihn.“ „Das merkt man!“, schnaubt Leonie, fügt dann aber mit einem Lächeln hinzu. „Aber das macht ihn umso sympathischer. Wenn er dann so schüchtern ist und stottert.“

„Ihr zwei passt super zusammen. Aber gib ihm noch etwas Zeit.“ Leonie nickt lächelnd und ihre Augen leuchten verliebt auf. Der Blick der Stute freut den Wolf, doch versetzt es ihm auch einen Stich und sehnlich schaut er aus dem Fenster. Leonie bemerkt das und kniet sich neben das Bett.

Sanft legt sie eine Hand auf die Seine und murmelt: „Du denkst an Stefan, nicht wahr?“ Schwach nickt Alex. Die Erinnerung an seine Ohrfeige fällt ihm wieder ein und er glaubt das Brennen wieder an seiner linken Gesichtshälfte zu spüren. „Liebst du ihn?“

Der schwarze Wolf reagiert nicht. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit dreht er der Stute den Kopf zu und blickt sie traurig an. „Sabine und ich haben ihn zu Leos Zimmer rauf gebracht und mit ihm geredet. Er war… selber geschockt. Er fiel mir um den Hals und hat einen See geweint.“

Alex dreht wieder den Kopf zum Fenster und schaut hinaus in einen wolkenlosen, blauen Himmel, während Leonie erzählt: „Als Klara anrief und von deinem Unfall erzählte, brach er schluchzend zusammen. Ich blieb bei ihm und am Morgen kam Sabine wieder.“

Nach einer kurzen Pause, fährt sie fort. „Sabine hat uns dann zum Heim gebracht, dort haben sie und ich Stefan in sein Zimmer begleitet und er hat uns eine Kleinigkeit gebeichtet… Ich habe versprochen dir nichts zu sagen. Doch will ich, dass du weißt, dass Stefan dich mag. Sehr sogar. Gib ihm Zeit sich zu sammeln. Er meinte, er will mit dir reden, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.“

Vorsichtig nickt der Wolf, als Leonie ihm einen Kuss auf die Lefze drückt, ihn anlächelt und dann das Zimmer verlässt. Alleine mit seinen Gedanken beschäftigt, vergeht die Zeit wie im Flug, als auch schon sein Arzt kommt und mit ihm die Tests durchführt.

Angefangen von ein paar Dehnübungen, bis hin zu selbständigem Gehen. Natürlich mit Krücken. Am Anfang schwankt Alex noch ein wenig, doch schnell hat er die Eisenstäbe mit Plastikgriff im Griff und geht den Gang vor seinem Zimmer gemütlich auf und ab.

Am Ende der Übungen nickt der Arzt ihm zu. „Sehr gut. Morgen Vormittag gibt es einen neuen Gips. Einen kleineren, der dich beim Gehen nicht so einschränkt. Nach dem Mittagessen wirst du dann entlassen.“ Erfreut über diese Nachricht lächelt der Wolf und bedankt sich nochmals herzlich beim Hengst.

Seine Freunde hat er ebenso informiert und Leo hat ihm privat per WhatsApp geschrieben, dass eine kleine Willkommensfeier bei ihm zu Hause stattfinden wird. Nichts Besonderes. Nur die Gruppe, die ihn zurück willkommen heißt. Leo hat auch geschrieben, dass er die Stereoanlage mitnehmen wird.

Die Zeit vergeht schnell und mit einem Gips von seiner Pfote bis zum Knie, verlässt Alex auf zwei Krücken das Krankenhaus. Erschöpft kommt er zu Hause an, wo seine Freunde schon auf ihn warten. „Willkommen zurück im Leben!“, rufen sie alle erfreut und umarmen ihn herzlich.

Den Nachmittag verbringen sie bei Kaffee und Kuchen und Julian berichtet, dass er die Website mit Informationen vollgefüttert hat. „Sabine und ich haben aus dem Internet und aus dem, was du schon reingeschrieben hast, die Website erweitert. Wir brauchen nur noch das Ok von Herr Wolpinger.“

„Klingt gut, dann kann ich die Seite endlich freigeben. Ach... Klara? Ich hab da eine Frage, die mir seit ich aufgewacht bin unter den Nägeln brennt.“ „Worauf wartest du, fetz los.“ Alex grinst leicht, schaut die Löwen dann aber ernst an. „Es heißt, ein Auto habe mich angefahren. Weiß man schon, wer das war?“

Klara und Leo schauen sich unsicher an und der Esel meint: „Nicht wirklich. Klara hat gesagt, es sei ein schwarzes Auto gewesen. Der Fahrer ist ohne Licht gefahren, sie konnte es also nicht genau erkennen. Sie bildet sich aber ein, Ringe gesehen zu haben. Also das Markenzeichen von Audi.“

„Das hilft mir nicht weiter. Welcher Vollidiot fährt auch ohne Licht des Nachts?“ „Na ja… ist jetzt nur eine Vermutung, aber Leo und ich glauben, dass es Benjamin gewesen sein könnte.“ Erstaunt schaut der Wolf seine Freunde an und Leo erklärt:

„Benjamin fährt einen schwarzen Audi. Zumindest war bei seinem letzten Besuch ein solcher sein Auto. Und da der Fahrer ohne Licht fuhr und dann Fahrerflucht beging und er vorhin zu Besuch war… steht die Vermutung groß. Beweise haben wir aber keine.“ „Dieser elende Bastard!“, knurrt Alex und schnaubt kurz auf.

„Als du den Unfall hattest, habe ich sofort meine Eltern kontaktiert. Als die Ärzte meinten, dein Zustand sei stabil, hab ich zu Hause begonnen aufzuräumen und am nächsten Morgen mit Klara geredet. Und als sie den gleichen Verdacht hatte wie ich… hab ich meinen Eltern davon erzählt. Sie glauben zwar nicht, dass Benjamin je so etwas tun könnte, wollen ihn aber fragen.“

„Ich will diesen Idioten nie wieder sehen oder ich vergesse mich!“ „Komm schon Blacky, jetzt benimm dich und nimm ein Stück vom Apfelkuchen.“ „Was immer du verlangst, meine Goldkatze.“ Und schon grinsen sich die zwei an. Der restliche Tag vergeht in entspannter Stimmung und am späten Nachmittag verlassen seine Freunde das Haus.

Gerade hat er den Computer hochgefahren und geht seine Website durch. Alex ist zufrieden. Weißer Hintergrund, blaue Schriftfarbe. Hier und da ein paar Bilder und ein paar Verknüpfungen zu anderen Seiten, wo verschiedenen Themen angesprochen werden.

Julian hat wahrlich ganze Arbeit geleistet, bei all den Informationen die da überall aufgeteilt sind. In dem Moment läutet es an der Tür. Hat einer seiner Freunde etwa was vergessen? Verwirrt rutscht er die Treppe runter und hoppelt dann zur Tür.

Doch wer auf der anderen Seite ist, verschlagt dem Wolf den Atem. Steht da doch kein anderer, als ein schöner, unsicherer, brauner Labrador. „Hey Alex…“, murmelt dieser und Alex macht die Tür weit auf. „Komm doch rein.“ Stefan nickt und schiebt sich an Alex vorbei ins Haus.

Drinnen schaut sich der Junge eine Weile um und Alex mustert ihn eine Weile, ehe er fragt: „Magst du was trinken?“ Stefan schüttelt mit dem Kopf und folgt dem Wolf dann die Treppe hinauf in sein Zimmer. Dort schaut er sich erneut um und murmelt leise: „Schön hast du es hier.“

Na ja schön… bei der leichten Unordnung. „Was kann ich für dich tun?“ Die direkte Frage ist wohl der falsche Einstieg, denn der Labrador zuckt kurz zusammen. Meint dann aber sofort: „Nein… ja… ich… will mich entschuldigen. Die Ohrfeige…“ Alex weiß nicht so recht, was er sagen soll und nickt erst mal nur.

Nach einer Weile des Schweigens, redet er dann aber: „Glaubst du immer noch, dass ich dich nur ins Bett bekommen wollte?“ Stefan schüttelt den Kopf. Eine einfache Geste, die dem Wolf aber einen Stein vom Herzen fallen lässt. „Nein. Ich… ich mag dich doch so sehr. Niemand war je so freundlich und offen zu mir…“

„Nichts zu danken. Aber wenn du ja ein Problem mit meinem Schwulsein hast…“ „Hab ich nicht! Denn ich… ich… bin selber auch schwul…“ Hat er das gerade richtig gehört? Erstaunt blickt Alex zu Stefan, der die Ohren angelegt hat und verlegener nicht sein könnte.

„Meinst du das ernst?“ „Ja… Ich wollte es nur nicht sagen, weil…“ Der Labrador tritt von einer Pfote auf die andere und geht dann auf Alex zu. Ohne dass dieser reagieren kann, umarmt Stefan ihn plötzlich und drückt ihn fest. Unsicher legt Alex einen Arm um ihn, als er Stefan leise murmeln hört:

„Ich hatte Angst… Dass du mich nicht mehr als Freund haben willst. Oder mir vielleicht etwas antust…“ „Wieso sollte ich dir etwas antun?“ Stefan beginnt zu zittern und Alex lässt sich nach hinten auf sein Bett fallen. Eine Weile hält er den zitternden Jungen im Arm, ehe dieser wieder zu reden beginnt:

„Ich hab es mit 14 gemerkt. Ich dachte, ich könnte es voller Stolz meinen Eltern sagen… doch Mutter hat geweint, Vater mich geschlagen und dann auf die Straße gesetzt. Ich bin nicht mehr deren Sohn…“ Kurz schluchzt er auf und Alex legt nun auch den anderen Arm um den Labrador.

„Ich kam dann ins Heim und habe es nach einem Jahr Sophie erzählt. Die einzige, der ich richtig vertrauen konnte. Sie wollte mich dann auch mit ein paar Jungs verkuppeln… doch das lief anders als geplant. Da war er… Markus. Er war ein Jahr älter, groß und hatte täglich trainiert.“

Stefans Zittern hat zugenommen und er schluchzt hin und wieder laut auf. Alex wippt vorsichtig hin und her, darauf bedacht kein Wort zu sagen, obwohl er sich schon denken kann was passiert ist. „Erst sollte ich nur, ein paar Aufgaben von ihm erledigen. Später hat er mich gezwungen, ihm einen zu blasen. Nach einem Jahr…“

Der Labrador bricht ab und weint kurz in Alex Armen. Der Wolf legt seine Nase auf Stefans Stirn und hofft, dass sich der Junge nicht überanstrengt. Der aber flüstert dann die Worte. „Nach einem Jahr hat er mich vergewaltigt. Jede Nacht.“ Erneut weint Stefan und schluchzt so laut, dass man meint es zehn Meter gegen den Wind hören zu können.

„Shhh… Alles ist gut. Dieser Markus ist ja jetzt nicht mehr da, oder?“ „Er ist seit Weihnachten tot…“ „War das der Junge, der da im Fluss gefunden wurde?“ Stefan nickt und der Wolf schweigt eine Weile, ehe er in die Stille fragt: „Weißt du, wie er gestorben ist?“

Stefans Körper verspannt sich in seinen Armen und der Junge schaut aus traurigen Augen zu ihm hoch. „Bitte hasse mich nicht und erzähle es auch keinem…“ Verwirrt nickt Alex, als der Junge wegschaut und murmelt: „Ich habe ihn umgebracht.“ Stille herrscht im Raum und langsam dringt diese Information in Alex Kopf ein.

Dieser niedliche Labrador soll jemanden umgebracht haben? Wie… „Wie hast du es getan?“ Stefan schaut den Wolf an und löst sich von ihm. Er setzt sich weit ans Bettende und schaut vom Wolf weg, ehe er erzählt. „Wir waren alleine im Waldweg spazieren… Er meinte, ich solle mal eine neue Umgebung sehen, wenn er seinen Schwanz in meinen Arsch donnern will. Ist sein ‚Weihnachtsgeschenk‘ an mich.“ Deutlich ist die Verbitterung aus Stefans Stimme zu hören, doch lauscht Alex gespannt dessen Worten.

„Ich meinte, ich will beim Fluss sein und er ließ es zu. Dort nahm ich einen abgebrochenen Ast und hab ihm auf den Schädel geschlagen, ehe ich ihn ins Wasser legte. Mit dem Gesicht nach unten, sodass nur die Ohren aus dem Wasser schauten. Ich ging zurück und hab niemanden was gesagt. Markus Körper fand man dann im Frühjahr, nachdem er schon als vermisst bei der Polizei gemeldet wurde. Dann die Diskussion und Ende Jänner war es ein Unfall.“

Eine Weile schweigen sie sich an, ehe Alex vorsichtig fragt: „Hast du das alles auch Leonie und Sabine erzählt?“ „Nur dass ich schwul bin und Markus mich vergewaltigt hat. Du bist der einzige, der von dem Unfall weiß… Wirst du es weiter erzählen?“ Wird er? Gute Frage. Alex weiß es nicht.

Er schaut zu Stefan, der ihn mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung mustert. Nein. Egal was dieser Junge getan hat, er tat es nicht aus reinem Vergnügen. Langsam streckt Alex die Arme nach Stefan aus und sofort findet sich der in einer Umarmung des Wolfes wieder.

„Ich werde es niemandem sagen Stefan. Du bist mein Freund und ich bin froh, dass du diese Qual nicht mehr erleiden musst“, murmelt der Wolf dem Labrador gerade ins Ohr. Dieser hebt den Kopf und schaut Alex dankbar an, als sich ihre Lippen plötzlich berührten. Alex weiß nicht, was er tun soll, aber das Gefühl dieses Kusses ist unbeschreiblich herrlich.

Er glaubt wieder Sterne zu sehen, wie damals, als er vom Auto angefahren wurde. Da löst sich Stefan aber schon von ihm und schaut ihn nun verliebt an. Zumindest glaubt der Wolf, dass es ein verliebter Blick ist, ehe der Labrador ihm zuflüstert: „Ich liebe dich…“

Alex lässt sich nach hinten fallen und zieht Stefan dabei mit sich. Im Bett liegen sie nun nebeneinander, küssen sich und erkunden mit ihren Händen den Oberkörper des anderen. In einer kurzen Kusspause murmelt Alex: „Ich liebe dich auch.“ Und erntet ein glückliches Strahlen von Stefans Augen.

Schon landen ihre Lippen wieder aufeinander, doch diesmal klopft Stefans Zunge gegen Alex Lippen. Vorsichtig öffnet der Wolf diese, als der Labrador auch schon Alex Zunge in sein Maul lockt und sie sich dann in einem innigen Zungenkuss verlieren. Nach einer gefühlten, schönen Ewigkeit löst Stefan sich von Alex und zieht sein Shirt aus, ehe er beginnt, Alex Hemd aufzuknöpfen.

„Was soll denn das werden?“, lächelt Alex den Labrador an, der nur verliebt murmelt: „Ich bin glücklich und will den an mir spüren, dem ich das zu verdanken habe.“ Anschließend liegen beide mit freiem Oberkörper auf dem Bett und küssen sich wieder innig. Alex versucht sogar wieder vorsichtig, mit seiner Zunge in Stefans Maul zu kommen, der dies sofort zulässt und mit einem wohligen Knurren den Kuss genießt.

Ihre Hände streicheln den Oberkörper des anderen, doch nach und nach wandern Stefans Hände immer tiefer. Alex schaut ihn unsicher an. „Willst du das wirklich? Ich mein… ich bin noch nicht in der Lage…“ „Musst du auch nicht. Du bleibst liegen und ich verwöhne dich. Immerhin muss ich ja meine Schuld vom Wettrennen abbezahlen. Und ja, ich will. Ich liebe dich und bei dir will ich der passive Part sein.“

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, landen Stefans Lippen nun auf Alex’ Brust. Langsam küsst er immer weiter runter, während seine Hände die Hose des Wolfes öffnen. Dieser legt beide Hände auf Stefans Arme und schließt langsam die Augen. Langsam zieht der Labrador seine Hose herunter, als ihm schon Alex Steifer entgegen springt.

Vorsichtig und zaghaft umschließt Stefan diesen erst mit einer Hand und massiert ihn mit leichtem Druck. Alex stöhnt genüsslich, leise auf, als er plötzlich Stefans Lippen um seinen Schwanz spürt. Kurz stöhnt er laut auf, während der Labrador beginnt, ihm einen zu blasen. Nach und nach steigert Stefan sein Tempo und Alex beginnt sich mit dem Oberkörper zu winden.

Nach einiger Zeit hebt der Wolf sogar vorsichtig eine Hand und legt diese an Stefans Wange. Liebevoll sanft streichelt er ihn, während der Labrador die Augen schließt und seinen Wolf verwöhnt. Es kommt ihnen beiden wie Stunden vor, dabei waren es gerade mal wenige Minuten. Denn schon zieht Alex die Hand von Stefans Gesicht weg und bringt unter einem Stöhnen hervor:

„Stefan ich komme!“ Der Labrador zieht schnell sein Gesicht zurück, doch ein Großteil landet auf seiner Schnauze. Der Rest in seinem Maul. Einen kurzen Moment scheint er zu überlegen, aber dann leckt er sich die Reste vom Maul und grinst Alex unschuldig an. „Du schmeckst gut.“

Schnell leckt der Labrador Alex Glied noch sauber, ehe er sich neben ihn legt und sie eng umschlugen kuscheln. Stefan hat seinen Kopf auf Alex Brust gelegt und ein Bein über Alex’ gesundes. Der Wolf streichelt dem Labrador über den Rücken und freut sich über sein Glück.

„Danke“, murmelt Alex und Stefan schaut zu ihm hoch. Die bernsteinfarbenen Augen des Labradors leuchten ihn verliebt an. „Wofür?“ „Das du da bist.“ Stefan lächelt und küsst Alex sanft, ehe er murmelt: „Nein. Ich danke. Dass du für mich da bist.“ Lächelnd küssen sich die zwei Jungs, ehe sie friedlich einschlafen.

Der nächste Tag beginnt mit wenig Platz im Bett und einem eingeschlafenen, rechten Arm. Neben sich spürt der Wolf einen ruhigen, warmen Körper, dessen Kopf auf seiner nackten Brust liegt. Lächelnd und sanft küsst Alex Stefans Kopf und schält sich dann vorsichtig aus seiner Umklammerung. Kurz vergewissert er sich, dass Stefan noch schläft.

Dabei fallen ihm ein paar Narben an den Armen und der Brust seines Freundes auf. Er wird ihn später fragen. Der erste Weg führt ins Badezimmer, wo die morgendliche Routine abgehalten wird. Mit dem Gips eine kleine Herausforderung, doch mit der Zeit machbar. Langsam geht er den Weg in die Küche und erschrickt.

Sitzt da eine kleine, graue Wölfin und grinst ihn breit an. „Morgen Alex. Gut geschlafen?“ Der schwarze Wolf braucht einen Moment, doch dann lächelt er. „Hey Mom. Schön dich zu sehen. Aber was machst du schon hier? Leo sagte, du kommst erst am Montag?“

Der Wolf geht auf seine Mutter zu und begrüßt sie mit einem Kuss auf die Lefze, ehe sie ihn vorsichtig ins Wohnzimmer befördert und ihn auf die Couch verfrachtet. Sie selber setzt sich in den Ledersessel und meint: „Ich bin früher losgefahren. Wollte endlich wieder nach Hause kommen. Außerdem will ich wissen, was du für Sachen aufführst!“

Dabei hat sie die Augen zu leichten Schlitzen geformt und deutet auf den Gips. „Mama, alles in Ordnung. Ich wurde nur von einem Idioten mit dem Auto angefahren.“ „Nur?! Der Penner hat Fahrerflucht begangen Alex!“ „Ich weiß, ich finde es auch scheiße. Aber wichtig ist doch, dass Klara mir gefolgt ist und mich somit schnell genug den Ärzten übergeben konnte.“

Seine Mutter knurrt kurz leise, nickt dann aber. „Tu mir sowas nie wieder an und pass auf dich auf!“ „Sei unbesorgt Mom. So etwas passiert mir nicht nochmal.“ Seine Mutter nickt und schnell wechseln ihre Züge zu einem belustigten Lächeln. „Und jetzt erzähl mal, wer dieser niedliche Junge in deinem Bett ist?“

Verdammt! Sie hat ihn mit Stefan gesehen… „Nun ja… also er heißt Stefan, ist 17 Jahre und ist im Jugendheim, da südlich beim kleinen Wald mit dem verlassenen See.“ „Kenne ich und weiter?“ „Wie weiter?“ „Na wie kommt es, dass ich nach Hause komme und meinen Sohn mit einem Jungen in seinem Bett finde? Noch dazu beide oben ohne.“

Teufel aber auch, diese Frau grinst breiter als Alex lieb ist. Demnach ist er auch deutlich verlegen. „Über die Osterferien haben wir uns kennen gelernt und gestern haben wir uns die Liebe gestanden.“ Lisa geht schließlich auf ihren Sohn zu und umarmt ihn herzlich. „Ich freu mich so für dich Alex! Endlich hast du auch jemanden gefunden!“

Dankbar und erleichtert drückt der schwarze Wolf seine Mutter an sich und murmelt ihr auch ein „Danke.“ ins Ohr. Schließlich bereiten sie ein kleines Frühstück vor, als auch schon ein verschlafener Labrador mit verwuscheltem Fell die Treppe runter kommt und beim Anblick der breit grinsenden Wölfin erstarrt.

„Guten Morgen Stefan! Gut geschlafen?“, begrüßt sie ihn und wirft Alex einen kurzen Seitenblick zu. Dieser versteht und spielt mit. Lächelnd nickt er dem Jungen zu. Dieser weiß erst nicht, was er sagen soll, murmelt dann aber: „Ehm… ja, gut. Danke.“

„Komm! Das Frühstück steht schon am Tisch. Ich hoffe du magst Semmeln mit Butter oder Marmelade?“ Zaghaft nähert sich der Labrador dem Tisch und setzt sich. Während des Essens fragt Lisa den Jungen immer wieder über Belangloses aus. Etwa nochmal nach dem Alter, wo er herkommt, wie es im Heim so ist.

Stefan beantwortet die Fragen eher zaghaft und schüchtern, schaut dabei immer wieder fragend zu Alex. Doch dieser nickt ihm immer nur lächelnd zu. Als sie enden, wird Lisa plötzlich ernst und meint: „Setzt euch mal auf die Couch. Ich räum das Geschirr weg und muss dann kurz mit euch reden.“

Nun schaut selbst Alex leicht verwirrt aus, doch seine Mutter beginnt schon den Tisch abzuräumen. Die zwei Jungs wechseln rüber zur Couch und setzten sich. Stefan mustert die Wölfin unsicher und fragt leise: „Alex, wer ist das und was passiert jetzt mit uns?“ „Das ist meine Mutter. Was sie will, weiß ich selber nicht.“

Stefan macht die Augen etwas weiter auf, als die graue Wölfin sich schon in den Ledersessel niederlässt. „So ihr zwei… Dann erzähl mal Stefan, wieso du dir ausgerechnet meinen Alex ausgesucht hast?“ Der Labrador blickt erst etwas verwirrt, antwortet dann aber wahrheitsgemäß.

„Er ist der erste und einzige der mich akzeptiert wie ich bin. Der mich versteht und für mich da ist. Selbst dann, als ich ihn fallen gelassen habe… Aber er ist der Beste!“ Lisa nickt langsam und stellt schon die nächste Frage.

„Gut. Nächste Frage: Kannst du in einer schwierigen Situation Alex helfen? Ihn unterstützen oder ihn sogar verteidigen?“ „Nun… ich bin nicht so trainiert wie Alex und ich fühle mich wohl so durchschnittlich. Ich denke, ich kann nicht in der Lage sein, ihn vor einer Gruppe Schläger zu verteidigen. Doch würde ich alles tun, um ihn zu schützen.“

Alex lächelt Stefan verliebt an und legt einen Arm um ihn. Er weiß, dass, wenn, dann er Stefan beschützen wird und nicht umgekehrt, doch das ist egal. Allein die Worte lassen das Herz des Wolfes höher schlagen, als Lisa schon die letzte Frage stellt: „Liebst du ihn?“

„Mehr als mein eigenes Leben und alles andere auf dieser Welt!“ Dabei hat sich der braune Labrador an Alex gekuschelt und den Kopf auf seine Schulter gelegt. Die Wölfin nickt und beginnt freundlich zu lächeln. Sie steht auf und packt Stefan bei den Armen.

Dieser schaut sie unsicher an, doch sie zieht ihn in eine stehende Position und umarmt ihn herzlich. „Dann willkommen in der Familie!“ Alex starrt seine Mutter an, lächelt dann aber voller Freude und Dankbarkeit. Stefan ist noch etwas unsicher, umarmt Lisa dann aber auch und murmelt: „Danke Frau Stern…“ „Bitte Stefan, nenne mich Lisa.“

„Ok… Lisa. Danke.“ Die Wölfin nickt und drückt Stefan einen Kuss auf die Stirn, ehe sie das selbe bei Alex tut. „Und jetzt rauf mit euch!“ Sofort befolgen die zwei Jungs den Rat und lassen sich auf Alex’ Bett fallen. Sofort kuschelt sich Stefan an ihn und fragt: „Also… ist deine Mutter einverstanden?“

„Sie hat uns gerade ihren Segen gegeben Stefan. Also ja, sie ist einverstanden.“ Lächelt der Wolf und beginnt seinen Hund zu küssen, der dies verliebt seufzend über sich ergehen lässt. Stefan bleibt noch bis Mittag und fühlt sich diesmal auch Lisa gegenüber wohler und entspannter.

Am Nachmittag verlässt er sie aber. Lisa redet nochmals eindringlich mit ihrem Sohn. „Alex. Du weißt, dass ich mich für dich freue. Aber lass dem Jungen Zeit, bis er soweit ist mit dir mehr zu machen, ok?“ „Wofür hältst du mich Mom?“ „Ich wollte es nur mal gesagt haben. Und seid vorsichtig, geh?“

Der Sonntag verläuft sonst in Ruhe und Entspannung, ehe sich Alex rechtzeitig für den morgigen Tag schlafen legt. Am Montag läutet der Wecker viel zu früh und müde grummelnd vollführt Alex seine morgendliche Routine. Seine Mutter wartet schon mit Frühstück im Wohnzimmer.

„Morgen Alex. Lass dir Zeit, ich führe dich zur Schule.“ „Aber du musst ja selber arbeiten?“ „Ja. Hab meinem Chef von deinem Unfall erzählt. Und da du sonst mit deinem Motorrad zur Schule fährst und das jetzt nicht möglich ist, bring ich dich.“ „Morgen nach der Schule ist eh Kontrolle. Da kann der Gips dann schon abgenommen werden.“

„Ja. Bis dahin führe ich dich aber. Und jetzt iss!“ Niemals mit der eigenen Mutter diskutieren, grinst Alex in sich hinein und verspeist seine Semmel. Die Jeansjacke noch angezogen und schon ins silberne Auto seiner Mutter, die ihn zur Schule fährt.

Auf dem Weg zum Klassenraum wird er von vielen beobachtet und manche fragen ihn, wie es ihm geht. Sein Unfall hat wahrlich die Runde gemacht in der Schule. Julian und Klara begrüßen ihn freundlich. „Na Blacky, wie geht’s der Pfote?“ „Besser als am Donnerstag. Danke.“ Leo ist noch nicht da, warum auch? Der Esel kommt immer zu spät.

Fünf bis zehn Minuten sind Standard bei ihm. Umso mehr ist es verwunderlich, als fünf Minuten vor 8 Uhr der Esel plötzlich in den Klassenraum kommt. „Leo? Was machst du denn hier?“, fragt Klara erstaunt und der Esel schiebt sich ohne Antwort zu seinem Platz neben Alex. „Leo?“, fragt sie erneut doch wieder keine Reaktion.

Alex mustert den Esel genau und glaubt eine gewisse Verlegenheit zu sehen. Leise fragt er ihn: „Na wie läuft’s mit Leonie?“ Erwischt! Der Esel wird leicht rot im Gesicht und Alex knufft ihn in die Rippe. Lachend meint er dann laut: „Na komm, raus mit der Sprache!“

„Ja ist ja gut! Leonie und ich sind seit Freitag zusammen.“ „Diese Kleine?“ „Ganz genau Klara.“ Und schon werden Glückwünsche ausgesprochen. Ein Großteil der Klasse war auf der Party und kennt von daher die Stute. „Junge. Musst auf deine Kleine aber aufpassen. Ist ganz schön zart“, meint Klara grinsend.

Leo nickt aber nur und meint ruhig: „Ich weiß. Und das liebe ich an ihr.“ „Freut mich, ach Alex! Wie schaut's mit deinem Schnucki eigentlich aus?“ Sämtlicher Blick ist nun auf ihn gerichtet, als er nickt und meint: „Seit Samstagabend glücklich vereint.“

Auch ihm wird gratuliert, als ihr Klassenvorstand den Raum betritt und sich jeder sofort auf seinen Platz begibt und ruhig ist. „Morgen Klasse! Setzt euch. Alex, wie geht’s deinem Bein?“ „Wird ab morgen Nachmittag wieder laufen können.“ „Freut mich zu hören. Schön dich zu sehen. Hätte eher mit einer Entschuldigung gerechnet. Der Unfall wurde in der Zeitung und den Medien äußerst dramatisch geschildert.“

Alex muss grinsen. „Sie wissen doch, wie gern die Nachrichten übertreiben.“ „Leider…“ Und schon geht der Elch die Liste durch. Erstaunt schaut er kurz auf, als er Leos Namen ruft und dieser seine Anwesenheit bekannt gibt. Nachdem die Liste durch ist, schaut Herr Wolpinger auf.

„Kurze, allgemeine Information. Im Laufe der Osterferien haben Julian, Sabine und Alex die Idee gehabt, dem Jugendheim im Süden der Stadt etwas mehr Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit zu schenken. Ich habe mich mit meiner Kollegin Frau Sappa und der Direktorin unterhalten und wir stimmen zu, dieses Projekt durchzuführen.“

Erstauntes Murmeln geht durch die Klasse und die Blicke wechseln zwischen Julian und Alex hin und her. „Frau Sappa hat sich ein wenig informiert und es stimmt, das Jugendheim ist kaum bekannt. Daher habt ihr die erste Aufgabe, Informationen zu sammeln und darüber nachzudenken, wie ihr die verarbeitet.“

„Herr Wolpinger? Darum haben Julian und ich uns großteils schon gekümmert. Sie wissen ja, ich arbeite gern mit Computern. Jedenfalls habe ich eine Website erstellt und Julian diese mit Informationen gefüttert. Sie ist noch nicht freigegeben, sie können aber gerne einen Blick darauf werfen.“

„Stelle den Link auf der Klassenseite auf. Ich werde mir diese heute anschauen und auf die Seite der Nebenklasse kopieren. Ihr schaut euch die Webseite ebenfalls an und sucht dann Informationen, die nicht vorhanden sind und die dem Heim helfen, dass den Jugendlichen dort mehr Aufmerksamkeit gegeben wird.“

Die Klasse nickt und der restliche Tag verläuft in Ruhe. Hausübungen werden zum Glück keine verteilt, doch wurde damit ab morgen gedroht. Ihre Schule hat pro Klasse eine eigene Seite im Internet, die jeder Schüler der entsprechenden Klasse nutzen kann. Auf dieser Seite logt Alex sich ein und stellt den Link unter einem neuen Ordner namens „Projekt“.

Anschließend ruft er Sophie an und berichtet ihr, von der Website und dem derzeitigen Stand. „Soll ich dir den Link durchstellen oder willst du ihn haben, wenn wir fertig sind und du nur noch überfliegen musst?“ „Zweiteres. Bin gespannt, was ihr alles so herausgefunden habt.“

„In Ordnung. Grüß Stefan bitte von mir.“ „Der ist vor einem Moment zu dir aufgebrochen.“ Er kann es zwar nicht sehen, aber das Grinsen der Ziege ist selbst durch den Hörer zu hören. „Er hat sich mir gestern Abend noch geöffnet. Jetzt weiß ich auch, wo mein Fehler war. Auch wenn ich es damals nur gut gemeint habe. Danke, dass du dieses Geheimnis gelöst hast. Ich wünsche euch beiden alles Gute!“

„Danke Sophie.“ Und schon läutet es an der Tür. Schnell ist Alex unten und hat den Labrador in sein Zimmer geholt, wo sie sich küssen und Stefan zum Computer schaut. „Was machst du denn da?“ „Ist eine Website für das Projekt. Kannst dir gern anschauen.“ Der Labrador nickt und setzt sich vor den Computer.

Der Wolf setzt sich derweil auf das Bett und tritt immer wieder vorsichtig mit der eingegipsten Pfote auf. Es tut zwar nicht weh, doch das Gefühl ist ungewohnt. „Hast du die selber angelegt?“ „Mja.“ „Wahnsinn… War sicher ein Aufwand? Ich könnte das nicht.“

„Ist gar nicht so schwer. Ich arbeite aber auch gern mit Computern. Gedenke nach der Matura eine Ausbildung als Programmierer zu starten.“ „Respekt.“ „Was interessiert dich denn, wo du denkst, dies beruflich weiterführen zu können?“ „Keine Ahnung. Hab mir da keine Gedanken gemacht bisher. Hab aber noch Zeit bis nächstes Jahr.“

Schließlich springt der Junge neben Alex aufs Bett und schlingt die Arme um ihn. Dabei lässt er sich auf den Rücken fallen und zieht den Wolf mit sich. Verliebt und innig spielen sie mit ihrer Zunge und streicheln sich über den Körper.

Die Zeit bis Lisa nach Hause kommt verbringen sie im Bett. Erneut, wie gestern, liegt Alex wieder auf dem Rücken und wird von Stefans Lippen und Zunge verwöhnt. Als der Wolf diesmal kommt, weicht Stefan nicht zurück und schluckt alles, was er bekommt.

Diesmal grinst der Labrador frech, aber auch deutlich verliebt und kuschelt sich an seinen Wolf.

Am Abend essen sie zu dritt und Stefan scheint sich in der Familie richtig wohl zu fühlen. Der Dienstag in der Schule verläuft ohne Schwierigkeiten. Herr Wolpinger ist mit der Website zufrieden und gibt eine Woche, um sie fertig zu stellen und zu erweitern.

In der Pause bittet Alex seine und die Nebenklasse, bis spätestens Samstagabend Informationen aufzuspielen. Dann kann er am Sonntag die Seite neu anpassen und an Sophie weiter schicken. Am Nachmittag sind er und seine Mutter beim Arzt, der Alex behandelt hat. Dieser hat den Gips entfernt und lässt Alex ein wenig herum gehen.

„Tut es irgendwo weh?“ „Abgesehen davon, dass die Pfote kribbelt, nein.“ „Das ist normal. Das Bein war ja jetzt eine gute Woche lang still und hat sich nicht bewegt. Morgen wirst du wieder ohne Probleme gehen und laufen können.“ „Perfekt! Danke Doktor.“ Doch der Hengst winkt ab und reicht Alex die Hand.

„Und jetzt will ich dich für ein halbes Jahr nicht mehr sehen!“, meint der Hengst grinsend, worauf Alex ebenso grinsend kontert: „Ich verdopple auf ein ganzes Jahr!“ Schließlich verlässt er mit seiner Mutter das Spital. Vor ihrer Haustür wartet Stefan schon auf sie und freut sich, dass der Gips endlich unten ist. Am Abend, Stefan hat soeben das Haus verlassen, sitzt Lisa in Gedanken verloren im Ledersessel.

„Mom, alles in Ordnung?“ „Ja Schatz, mir geht’s gut. Bin nur am Überlegen.“ „Und worüber?“ „Stefan und du, wenn ihr beisammen seid, seid ihr so glücklich. Aber was, wenn er woanders hingeschickt wird, wenn er dann älter ist?“ „Bis dahin habe ich hoffentlich mein eigenes Haus oder eine Wohnung und er zieht zu mir.“

„Daran hab ich auch gedacht… aber das dauert noch drei oder vier Jahre und bis dahin kann es auch sein, dass wir vielleicht ausziehen müssen.“ Stimmt! Daran hat der Wolf ja gar nicht gedacht… Ja, was tun sie denn dann?

„Ich hab überlegt, ihn mit zu uns zu holen, wenn er 18 ist. Jetzt nicht unbedingt eine Adoption, aber zumindest Rechte, die ihm erlauben, das Heim zu verlassen und keine Verpflichtungen mehr hat.“ „Sowas ist möglich?“ „Weiß ich nicht. Muss ich morgen nach der Arbeit mit dieser Betreuerin reden… Sophie heißt sie, hast du gesagt?“

Alex nickt. Noch ein halbes Jahr warten ungefähr, und dann würde Stefan täglich in seiner Nähe sein. Das wäre schön. „Natürlich muss er einverstanden sein. Aber ich denke das wird er so oder so.“ „Mom, du bist die Beste!“ „Ich weiß Liebling, ich weiß.“. Lisa lächelt ihren Sohn an, der sie sofort in den Arm nimmt und kurz mit ihr kuschelt.

Am Mittwoch kann Alex endlich wieder mit seiner Maschine zur Schule fahren. Der Tag verläuft ohne Probleme, als in der großen Mittagspause plötzlich Leos Handy läutet. „Hey Leonie, wa…? Wie bitte…? Wir kommen sofort vorbei…! Alex, komm! Stefan wird von Benjamin bedroht.“

Der Wolf starrt seinen Freund ungläubig an, rennt dann aber mit ihm hinaus und springt auf seine Maschine. Schnell bringt er sie zum Laufen und schnallt sich den Helm um den Kopf. „Spring auf und halt dich fest!“ Leo tut dies und klammert sich an Alex, der sofort ein rasendes Tempo einlegt.

Bei dem Tempo sind sie in genau fünf Minuten beim Heim und sprinten sofort ins Schulgebäude. Am Gang herrscht Chaos. Viele Schüler haben sich versammelt und einen Halbkreis um einen großen Esel und einen am Boden kauernden, braunen Hund gebildet. „Na was ist Schwuchtel? Zu schwach dich zu wehren?!“

Alex und Leo stoßen sich einen Weg durch die Menge. Der Wolf kommt als erstes hindurch und donnert von der Seite seine Faust in Benjamins Niere. Dieser brüllt schmerzerfüllt auf und sinkt auf die Knie, nur um einen Tritt von Alex’ Pfote in den Rücken zu bekommen und bäuchlings den Boden entlang zu rutschen.

„Stefan! Alles klar?“, besorgt beugt Alex sich über seinen Freund, dessen Gesicht schmerzverzerrt ist. Er hält sich die Hand auf den Bauch, nickt aber. Leonie und Leo schälen sich aus der Menge und die Stute meint besorgt: „Erst hat er ihn nur geschubst, dann geschlagen und mit dem Huf in den Bauch getreten!“

„Polizei und Rettung schon verständigt?“ „Ja, nachdem ich Leo angerufen habe.“ Stöhnend und die Seite haltend, rappelt sich Benjamin auf die Hufen und funkelt den schwarzen Wolf wütend an. „Sieh an, die andere Schwuchtel lebt noch. Dachte der Unfall hätte ausreichen sollen.“

„Dann warst es doch du!“, brüllt Leo seinen Bruder an, der nur hämisch grinst. „Du hättest unseren Eltern nichts erzählen sollen. Durch ihre Fragerei konnte ich mich vorbereiten.“ „Du elender Bastard! Du hättest mich beinahe umgebracht!“, knurrt Alex bedrohlich tief, während sein Nackenfell sich zunehmend aufstellt und die Augen sich zu Schlitzen formen.

„Du hast es auch nicht anders verdient! So wie dein Schwanzlutscher hier!“ Mit einem lauten und tiefen Jaulen stürzt Alex vor und donnert dem immer noch angeschlagenen Esel die Faust auf die Schnauze. Durch die Wucht wird Benjamin gegen die Wand geworfen, doch Alex ist schon bei ihm und packt ihn grob bei den Schultern.

Brutal zerrt er den Esel zu sich runter und versenkt sein Knie in dessen Magen. Schmerzvoll aufstöhnend und sichtlich geschlagen sinkt Benjamin zu Boden, aber Alex lässt nicht locker. Blind vor Wut und gefangen im Rausch packt er erneut den Esel und zerrt ihn wieder auf die Beine.

Diesmal dreht er sich um und schleudert den Esel an die andere Wand, wo dieser hart aufprallt und Alex’ Faust wieder in die Magengrube bekommt. Der schwarze Wolf lässt den Esel zu Boden sinken und springt dann auf ihn drauf. Fesselt seine Arme zwischen seinen Beinen und donnert abwechselnd seine Fäuste auf Benjamins Schnauze.

Blut rinnt schon aus dessen Nase, die zunehmend immer schiefer geschlagen wird. Kurz hatte der Esel Zeit, um einen ausgeschlagenen Zahn und Blut zu spucken. Röchelnd und nach Luft schnappend versucht er zu sprechen, die Augen ängstlich aufgerissen. Aber Alex bemerkt das alles nicht. Immer wieder lässt er seine Fäuste niedersausen, bis er plötzlich brutal weggezerrt und zu Boden gedrückt wird.

Männer in blauer Uniform sind erschienen und drücken ihn eisern zu Boden, während er nun mit dem Maul wild um sich schnappt. Undeutlich nimmt er seine Umgebung wahr. „Schnallt ihm den Beißkorb um und gebt ihm eine Beruhigungsspritze! Danach führt ihn ab aufs Revier! Ihr da, was ist passiert?“ Knurrend und alles rot sehend, wird ihm ein Beißkorb ums Maul geschnallt.

Dann tritt eine Frau in Weiß vor ihn und drückt dem Wolf etwas spitzes in den Arm. Alex knurrt bedrohlich, aber wehren kann er sich nicht. Schließlich wird er von den Männern in blau abgeführt und in ein schwarz-weißes Auto gesetzt. Sein Blick wird verschwommener. Er spürt nur noch kaltes Metall um seine Handgelenke, als sich sein Bewusstsein verabschiedet und er einschläft.

Als Alex die Augen wieder öffnet, findet er sich liegend wieder. In seinem Kopf dreht sich alles und sein Magen beginnt zu rebellieren. Mit einem Grummeln und Stöhnen kann er den Brechreiz unterdrücken. Langsam schaut er sich um und sieht einen kleinen Raum. Graue Wände schließen ihn ein und an einer Wand ist ein Gitter.

Vorsichtig steht der Wolf auf, als sein Magen explodiert. Mit einem Hechtsprung landet er kniend auf der anderen Seite und übergibt bittere Galle in einen Kübel. Seine Augen tränen und die Nase rotzt, dafür hört die Übelkeit langsam auf und schnappend zieht der Wolf die Luft ein.

„Hier. Das entfernt den Geschmack aus dem Mund.“ Erschrocken wirbelt der Wolf herum und sieht ein männliches Pferd in einem weißen Kittel hinter sich. Am Gitter steht ein Bär in der blauen Uniform eines Polizisten. Der Hengst hält ihm ein Glas mit Wasser hin, welches der Wolf gierig austrinkt.

„Sagtest du nicht, du verdoppelst auf ein Jahr, ehe wir uns wieder sehen?“ „Das dachte ich auch… ich habe ihn doch nur geschlagen…“ „Geschlagen? Du hast seine Nase verformt! Kollegen haben versucht, diese wieder zu richten. Du hast ihm die Schultern aufgerissen und Zähne ausgeschlagen und in der Magengegend hatte er innere Blutungen.“

Erschrocken starrt der Wolf den Arzt an, der ihn damals nach seinem Unfall betreut hatte. „Aber… so weit ging ich doch nie… Ich hatte mich doch immer unter Kontrolle!?“ „Meine Schwester ist Anwältin. Sie hat während du geschlafen hast, die Daten deiner Familie durchsucht. Dein Vater…“ „Nennen Sie ihn nicht so!“, braust Alex auf.

Schnell spricht er aber normal weiter: „Verzeihung… nennen Sie ihn Michael oder meinen Erzeuger. Das Wort ‚Vater‘ hat er nicht verdient.“ Der Arzt nickt und fährt in seinem Text fort. „Dein Erzeuger ist der Polizei durch mehrere Gewalttaten bekannt. Er litt unter der Krankheit, die unter Wölfen und Hunden gern verbreitet ist.“

Alex dreht sich weg. Er weiß wovon der Hengst redet, will es aber nicht glauben. Dennoch flüstert er leise: „Tollwut…“ „Genau. Er hat sich geweigert, sich medizinisch helfen zu lassen. Durch deine Mutter konnte er sie dann kontrollieren. Aber irgendwann kam die Krankheit zurück und er hatte keine Kontrolle mehr.“

„Wegen mir… ich hab mich geoutet, dass ich schwul bin. Damit kam er nicht klar…“ „Ich verstehe. Alex, es ist keine Schande, schwul zu sein. Jedenfalls habe ich dein Blut untersucht und festgestellt, dass du an derselben Krankheit leidest. Dein Freund Leo berichtete mir, dass es früher Vorfälle gab, du dich aber beherrschen konntest. Sehr lobenswert.“

Der Wolf nickt schwach, doch fürchtet er die nächsten Worte. „Beim Unfall hast du eine Niere verloren. Das ist an sich kein Problem, fördert nur die Ausstoßung des Rausches und des Schaumes vorm Maul, wenn du in Rage gerätst.“ Da öffnet sich das Gitter und eine großgewachsene Stute mit kastanienbraunen Haaren tritt in die Zelle.

„Hallo Adrian. Ist das der Junge?“ „Ja. Alex, das ist meine Schwester.“ Die Stute kommt auf den Wolf zu und streckt ihm die Hand entgegen. „Hallo Alex. Ich bin Susanne und werde deine Anwältin sein.“ „Ist es so schlimm…?“ „Ich fürchte ja. Dein Freund, dieser Leonard, hat sich zwar für dich eingesetzt. Aber die Lehrer der Schule haben eine Anzeige gestellt.“

Alex dreht sich wieder um und starrt die Wand an. Es tut ihm nicht leid, Benjamin geschlagen zu haben. Was ihm leid tut, ist, dass sein verfluchter Vater ihm die Krankheit vererbt hat. „Was muss ich tun?“, fragt er leise in die Stille und es ist sein Arzt, der ihm antwortet.

„Du wirst medizinisch behandelt. Musst Medikamente und Spritzen nehmen, um deiner Krankheit vorzubeugen. Dem wirst du nicht entgehen können und ich denke, es wäre auch im Interesse deines Freundes, um ihn zu schützen.“

Alex dreht sich um und schaut den Hengst mit einem quälenden Blick an. „Stefan… Ich werde alles tun, um ihn zu schützen. Ich will ihn nicht verlieren!“ „Da wären wir beim anderen Problem Alex… der Anwalt von diesem Benjamin verlangt, dass du sämtlichen Kontakt abbrichst. Du seist eine Gefahr die Freund und Feind nicht unterscheiden kann und dass du, in deiner Wut, alle zerfleischen würdest.“

„Das ist doch Irrsinn!“ „Ich weiß. Dummerweise glaubt man ihm. Dass dieser Benjamin der Täter deines Unfalls war, versucht er damit zu verdrängen. Ich brauche dein Einverständnis, dass du dich medizinisch behandeln lässt. Dann kann ich deine Freunde abfragen und ihre Stimmen für dich einsammeln. Ich lege das der Staatsanwaltschaft vor. Du kommst dann frei und musst dir täglich die Medizin geben, bist aber sonst aus dem Schneider.“

„Einmal in der Woche eine Spritze. Ich werde mich als dein persönlicher Arzt melden und dir diese verabreichen. Die Medikamente täglich vorm Schlafen gehen. Sie sind stark und du wirst sofort einschlafen. Wenn du aufwachst wirst du Galle übergeben müssen, wie vorhin“, ergänzt der Arzt und schaut ihn dabei eindringlich an.

Alex nickt und meint: „Ich tu alles, um hier herauszukommen und bei Stefan zu sein. Er darf keine Angst vor mir haben! Bitte sagt ihm das.“ Die Stute nickt und überreicht ihm ein Blatt Papier mit vielen Buchstaben. Von oben bis unten ist der Zettel vollgeschrieben mit Formalitäten. Sie reicht ihm einen Stift und deutet auf ein Feld, wo „Unterschrift“ steht.

Alex unterschreibt ohne zu zögern und die Frau packt alles wieder ein. „Halte durch Alex. Heute kann ich nicht mehr alle sprechen. Morgen Abend bist du draußen, spätestens. Es hätte schlimmer kommen können. Bedanke dich lieber bei der Familie deines Freundes Leonard. Immerhin hast du ihren älteren Sohn krankenhausreif geprügelt.“

Schon dreht sich die Stute um und verlässt die Zelle. Der Arzt schaut ihn eine Weile an und murmelt dann: „Du hattest verdammtes Glück Junge. Nicht jeder hat so gute Freunde, die sich für einen einsetzen. Ach… und jetzt unter uns. Ich weiß, dass dein Freund dich liebt. Er hat sich eingesetzt, bei dir zu sein. Deine Mutter stimmte dafür, aber die Polizei verweigerte ihm den Besuch.“

Alex schaut den Hengst fragend an, der leise weiter redet: „Liebe ist stark und sie hilft dir, deine Tollwut zu kontrollieren. Ich gebe dir nur die Tabletten mit. Die Spritze bekommst du nicht. Sie hat leider negative Stoffe, die auf Dauer die Nieren angreifen. Bei nur noch einer wäre das dein Tod. Wenn du aber den Drang verspürst, komm sofort zu mir. Verstanden?“

Der Wolf nickt und wird vom Arzt kurz umarmt, der dann auch die Zelle verlässt. Kurze Zeit später wird Alex hinaus gebracht. Man will mit ihm reden heißt es. Er wird in einen Raum gebracht, wo ein Tisch und zwei Sessel stehen. An der Wand ist eine abgetragene Ledercouch.

Im Raum stehen seine Mutter, seine Freunde und Leos Eltern. Einzig Stefan ist nicht da. Lisa kommt sofort angestürmt und umarmt ihren Sohn. Tränen rinnen ihre Wange herunter und sie heult. „Es tut mir so leid!“ Alex legt seine Arme um seine Mutter und versucht sie zu beruhigen.

Als sie sich nach einiger Zeit voneinander lösen, wird er von Sabine umarmt. Klara, Leonie, Julian… sie alle umarmen ihn einfach. Selbst Leo, der ihm zu murmelt: „Vergiss nicht, für wen dein Herz schlägt.“ „Es tut mir leid mein Freund.“ Nun kann auch Alex nicht mehr und beginnt zu weinen.

Leo ebenso. Die zwei Freunde aus Kindertagen, die sich im Arm halten und leise weinen, sich aber auch gegenseitig Trost schenken. Und dann sind da Leos Eltern… Herr und Frau Linser kommen auf sie zu und die Eselstute legt tröstend ihre Hände auf Alex Schulter. „Wir sind nicht gerade stolz, dass du Benjamin so übel zugerichtet hast Alex“, beginnt Frau Linser und Alex legt die Ohren an, als Herr Linser zu Ende spricht. „Doch sind wir auch nicht stolz, dass unser Sohn ein solcher Schwulenhasser ist und dich zu Tode gefahren hat, hätte Klara dich nicht gerettet. Wir werden dich hier raus holen.“

„Danke…“, murmelt der schwarze Wolf leise, ehe er wieder zurück in seine Zelle muss. Am Abend kommt sein Arzt und überreicht ihm eine Packung Tabletten. Sie sind oval, glatt und gelblich. Mit einem Glas Wasser spült er sie runter und keine fünf Minuten später schläft Alex sofort ein.

Der nächste Morgen beginnt ähnlich wie der vorige. Nur diesmal stürmt Alex direkt zum Kübel und hat noch einen kurzen Moment, ehe die Galle hochkommt und seine Augen wieder schmerzvoll tränen.

Die Zeit in der Zelle vergeht elend langsam, doch am Abend kommen diese Anwältin und seine Mutter in die Zelle. „Guten Abend Alex. Verzeih bitte, es hat ein wenig gedauert, aber die Staatsanwaltschaft hat vorerst entschieden, dich raus zu lassen. Sie haben die ganzen Unterlagen. Morgen steht das Ergebnis fest.“

Lisa fällt ihrem Sohn wieder um den Hals, Freudentränen in ihren Augen. Alex reicht der Stute die Hand und nickt dankbar. „Danke, dass sie mir geholfen haben.“ „Nichts zu danken. Nimm täglich brav deine Medikamente und lass dich von meinem Bruder untersuchen, dann kommst du heil über die Runden.“

Der Wolf nickt und verlässt mit seiner Mutter die Zelle. Sein Motorrad gibt man ihm zurück, doch hat er bis Sonntag eine Fahrsperre erhalten. So schiebt er die Maschine nach Hause, während seine Mutter mit dem Auto vorgefahren ist und ihm dann entgegen kommt.

Zu Hause nimmt der Wolf sofort eine Tablette und schläft direkt ein. An das Übergeben gewöhnt er sich allmählich, auch wenn es nicht schön ist. Seine Mutter bringt ihn wieder zur Schule, wo er schief und ängstlich angestarrt wird. Seine Freunde lassen ihn diesmal mit blöden Sprüchen in Ruhe, einzig Leo umarmt ihn wieder und lässt ihn eine Weile nicht los.

In der letzten Stunde, von 15 bis 16 Uhr, kommt seine Anwältin in die Schule und bittet ihn zur Direktorin. Dort lächelt die Stute breit und verkündet: „Gute Neuigkeiten. Das Verfahren ist aufgehoben. Da Benjamin der Schuldige ist, wird deine Prügelei als Ausgleich angesehen. Benjamin muss sich ab jetzt von seinen Eltern, dem Heim und der Schule fernhalten. Du, Alex, musst dich medizinisch betreuen lassen. Besser hättest du nicht davon kommen können.“

„Sehr schön! Dann werde ich das jetzt noch der Schule kundtun. Soll hier auch endlich wieder Ruhe herrschen“, meint die Direktorin und spricht dann in ein Mikrophon. Lautsprecher in der ganzen Schule schalten sich nun ein und übertragen die Worte der Direktorin.

„Liebe Lehrer, liebe Schüler! Soeben habe ich erfahren, dass das Verfahren gegen unseren Schüler, Alex Sternen, aufgehoben wird. Er ist ab jetzt in medizinischer Behandlung. Ihr braucht euch also keine Sorgen zu machen.“ An Alex gewandt fügt sie hinzu: „Und jetzt zurück in deine Klasse mit dir!“

Dankbar lächelt der schwarze Wolf die Stute an, die ihn kurz umarmt und dann gehen lässt. Im Klassenraum bricht Jubel aus, als er eintritt. Selbst Herr Wolpinger nickt ihm anerkennend zu. Gerade glaubt Alex, dass der Tag nicht besser laufen kann, als zu Hause die nächste Überraschung wartet.

Im Vorzimmer stehen ein paar Schuhe, die nicht ihm gehören und auch eine Jacke hängt auf einem der Hacken. Im Wohnzimmer trifft der schwarze Wolf auf seine Mutter und die Liebe seines Lebens. Stefan stürmt sofort auf ihn zu und schlingt die Arme um ihn. „Du bist kein Monster, das weiß ich! Du würdest mir nie etwas tun.“

„Niemals“, stimmt Alex felsenfest zu und drückt Stefan an sich. Seine Mutter meint dann lächelnd: „Ich habe Stefans Sachen in dein Zimmer gebracht. Kannst ihm ja beim Ausräumen helfen.“ Verwirrt starrt Alex seine Mutter an, die nur schief grinst und den Raum verlässt.

„Was meint sie denn damit?“ „Lisa hat Sophie gefragt, ob es möglich ist, dass ich bei euch wohnen kann. Ich bin zwar noch nicht 18 und bis dahin hat immer noch Sophie das Sorgerecht, doch dank deiner Anwältin konnte das Formular ein wenig… umgangen werden. Also bin ich ab jetzt offiziell für immer bei dir!“

Es dauert eine Weile, bis die Information in den Kopf des Wolfes einsickert, aber dann hellt sich seine Miene freudestrahlend auf und verliebt beginnt er, den Labrador zu küssen. Bis zum Abend wird das wenige Hab und Gut von Stefan in Alex’ Zimmer verstaut, sowie die Hausaufgaben erledigt.

„Jungs! Ich treffe mich mit ein paar Arbeitskollegen was trinken! Kann sein, dass ich länger weg bin! Bis morgen!“, ruft Lisa die Treppe hoch. „Alles klar Mom! Viel Spaß!“, ruft Alex zurück und Stefan schließt sich ebenfalls mit einem „Viel Spaß!“ an. Schon hören sie das Schließen der Tür und später das Wegfahren eines Autos.

Die zwei Jungs grinsen sich an und fallen schließlich übereinander her. Schnell fliegen die Shirts durch den Raum und sie landen eng umschlungen und küssend im Bett. Stefan schaut den Wolf aus verliebten Augen an und beginnt dann, ihm und sich selbst die Hose auszuziehen.

Nackt nebeneinander liegend zieht der Wolf die Decke bis zu ihrer Hüfte, während Stefan mit einer Hand beginnt, Alex’ Glied zu massieren. Der schwarze Wolf knurrt wohlig auf, als Stefan ihm erregt ins Ohr flüstert: „Willst du mich ficken?“ Erstaunt schaut Alex in zwei vor Liebe leuchtende Augen.

„Ich will nicht, dass du Schmerzen hast.“ „Werde ich keine haben… nicht bei dir! Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“ Erneut küssen sie sich, als der Labrador sich plötzlich erhebt und zu seiner Hose greift. Aus einer der Taschen holt er eine Tube mit durchsichtigem Gel, was Alex als Gleitmittel identifiziert.

Sofort liegt Stefan wieder neben ihm und beginnt mit dem Gel, Alex’ Steifen zu massieren. Der schwarze Wolf hat derweil ein Ohr seines Freundes gefunden und beginnt, an diesem liebevoll und zärtlich zu knabbern. Stefan stöhnt leise auf, als er sich auf den Rücken legt und mit dem Gel seinen Hintereingang einschmiert.

Alex beugt sich seitlich leicht über den Labrador und knabbert vom Ohr hinunter zum Hals, den er mit sanften Küssen bedeckt. Stefan knurrt leise, wohlig und murmelt verliebt: „Alex, bitte nimm mich!“ Langsam verfrachtet der Wolf sich hinter den Labrador und stützt sich mit den Armen links und rechts neben ihm ab.

Vorsichtig setzt er sein Glied an den Hintereingang seines Freundes und beginnt langsam in ihn einzudringen. Nebenbei küsst er ihn sanft und verliebt am Hals. Stefans wohliges Knurren wird lauter und immer wieder seufzt er verliebt auf. Alex dringt ohne Widerstand in den Labrador ein und ein Stöhnen verlässt seine Kehle.

Langsam beginnt Alex sein Becken zu bewegen und wandert mit seinen Lippen zu Stefans, der ihn gierig erwartet. Die nächsten Minuten sind für beide eine gänzlich neue Erfahrung. Alex, der zum ersten Mal spürt, was für unendlich schöne Gefühle es gibt.

Und Stefan, der endlich seinen innersten Wunsch hat, geliebt wird und sich hingeben kann, ohne Schmerzen zu fürchten. Zunehmend steigert der Wolf sein Tempo und erntet erfreutes, glückliches und wohliges Seufzen.

Gen Ende zischt Alex Stefan ins Ohr: „Stefan…!“ „In mir! Ich will dich spüren!“, hechelt Stefan erregt, als Alex noch ein paar schnelle Stöße macht und sich mit einem erregten Knurren in seinem Freund entlädt. Dieser stöhnt immer wieder auf und strahlt seinen Wolf dann verliebt an.

Sie küssen sich innig und eine Weile bleibt Alex in Stefan, ehe er sich langsam aus ihm zurückzieht, mit der Schnauze dessen Brust abfährt und dann Stefans Steifen ins Maul nimmt. „Alex…“, seufzt der Labrador schwach auf, aber der Wolf hört nicht auf ihn.

Sein Labrador soll auch verwöhnt werden und durch den Sex ist er schon deutlich vorgeladen. So dauert es nicht lange, bis der Junge kommt und Alex Gleiches mit Gleichem begleicht und alles schluckt, was sein Freund ihm gibt.

Schließlich liegen sie beide kuschelnd nebeneinander. Stefan an Alex’ rechte Seite gekuschelt, den Kopf auf dessen Brust und ein Bein über Alex’ rechtes Bein gelegt. Der Wolf hat seinen Arm um den Labrador gelegt und streichelt dessen Rücken.

„Hat es dir gefallen?“ „Jaaa! Aber am Ende… das hättest du nicht tun sollen.“ Alex beginnt zu grinsen und meint: „Du sollst ebenso zu deinem Genuss kommen, wie du ihn mir verschaffst.“ „Ok, aber beim Sex will ich immer unten sein!“ „Damit kann ich leben.“ Grinsend knabbert der schwarze Wolf kurz am Ohr seines Freundes, ehe er ihn verliebt küsst und mit ihm die Zweisamkeit genießt.


„Hey Alex! Schon die Nachrichten gesehen?” Julian kommt in der Mittagspause auf ihn zu und hält ihm eine Zeitung hin. Die Schlagzeile am Titelblatt zeigt „Projekt Jugendheim von Schülern hilft Jugendlichen!“

Sofort blättert Alex auf die nächste Seite und liest sich den Artikel durch. „In St. Pölten kam es im Bundesgymnasium zu einem erstaunlichen Projekt. Schüler der Abschlussklasse haben ein ‚Projekt Jugendheim‘ ins Leben gerufen und mit Hilfe einer Webseite Jugendlichen im Heim die Chance ermöglicht, eine Familie zu finden.“

„Autor der Website ist der 19 jährige Jugendliche Alex S. Dank diesem Projekt ist es mehreren Jugendlichen gelungen, eine Familie zu finden. Als Dank wurde der Schule vom Staat ein Betrag übergeben, der gerecht unter Lehrern und Schülern aufgeteilt wurde. Den Link zu der Webseite finden sie unter hier angegebener URL.“

Alex faltet die Zeitung zusammen und reicht sie dem Fuchs zurück. Dieser grinst breit. „War wohl doch eine gute Idee, was?“ „Sie hat auf jeden Fall besser geendet, als sie angefangen hat. Küss dein Häschen für mich als kleines Dankeschön.“ „Ich dachte, du wolltest mir eine knallen?“

Sabine tritt frech grinsend neben Julian und gibt ihm einen Kuss auf die Lefze. Alex zuckt mit den Schultern und versucht ernst zu bleiben, als er meint: „Ach weißt du, das überlasse ich deinem Fuchs. Ich hab was Eigenes zum Knallen.“ Schallendes Gelächter macht die Runde, wohl wissend, von wem hier die Rede ist. Tut mir leid Stefan. Du weißt wie ich es meine, grinst Alex in sich hinein.

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