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A new Star is born

Teil 8

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Inhaltsverzeichnis

Daniel

… Wir waren auch gerade dabei uns ins Bett zu begeben, als mein Handy klingelte.

David

Mein Engel war gerade aufgestanden und hielt mir seine Hand hin, um mich von der Couch hochzuziehen, als sein Handy klingelte. Nachdem er den Anruf entgegen genommen hatte, wurde er von Sekunde zu Sekunde blasser, bis ihm sein Handy aus der Hand fiel und er sich nicht mehr auf seinen Beinen halten konnte. Ich konnte ihn gerade noch auffangen und setzte ihn vorsichtig auf die Couch. Währenddessen hatte Dylan das Handy aufgehoben und versuchte rauszufinden, was los ist. Daniel brummelte dauernd etwas vor sich hin, was ich jedoch nicht verstand und Dylan hielt mir das Handy hin und meinte verzweifelt, dass er nichts verstehen würde. Ich nahm das Handy und zeigte mit einer Hand auf die Tür zu Bob und Patrick, damit Dylan sie holte. Am Handy war Sabine und teilte mir mit, dass Steffen anscheinend von seinem Stiefvater brutal zusammengeschlagen wurde und jetzt mit lebensgefährlichen Verletzungen im Uniklinikum wäre.

Dylan

Als Daniel das Handy fallen ließ, hob ich es auf und versuchte herauszubekommen, was los ist. Das am anderem Ende Sabine war, konnte ich heraushören, jedoch verstand ich kein Wort und gab es dann weiter an David. Bob und Patrick musste ich nicht holen, die waren bereits von alleine gekommen, anscheinend merken die irgendwie, wenn was nicht stimmt.

David

„Danke Sabine, wir kümmern uns darum“ sagte ich, und beendete das Gespräch. Ich nahm erstmal meinen Engel in die Arme, der mittlerweile sich etwas erholte hatte und schaute dann die anderen an. „Steffen wurde anscheinend von seinem Stiefvater brutal zusammengeschlagen und ist jetzt in der Uniklinik. Der muss irgendwie rausbekommen haben, das Steffen schwul ist oder es sich zusammengereimt haben. Bob lass den Wagen vorfahren, wir müssen da sofort hin!“

Bob

„OK“, sagte ich nur und verließ die Suite. Ich musste unbedingt sofort mit Johannes sprechen, seine Eltern konnte ich jetzt damit nicht auch noch belasten, die haben zurzeit schon genug um die Ohren. Ich ging zu Johannes und erklärte ihm die Situation, wie erwartet bekam ich als Antwort, das ich dafür sorgen sollte, dass alles Mögliche gemacht würde und sollte es Probleme geben, ich mich beim ihm melden sollte.

Daniel

„Guten Abend, mein Name ist Daniel Albright, wir würden gerne umgehend den Chefarzt sprechen“, sagte ich höflich zu der Dame am Empfang und musste innerlich doch grinsen, da ihr Gesicht doch zu göttlich war. Stehen da so ein paar Jugendliche umgeben von zig Sicherheitsleuten und Polizei und verlangen den Chefarzt mitten in der Nacht zu sprechen. In diesem Moment kam ein Arzt in Begleitung von zwei Polizisten auf uns zu und fragte nach mir. Als ich mich vorstellte, sagte er, dass er gerade mit meinem Vater telefoniert hätte und soweit erstmal alles geklärt wäre. Er dürfte uns zwar keine genauen Informationen über Steffens Gesundheitszustand geben, aber er hätte die Operation sehr gut überstanden und er wäre jetzt außer Lebensgefahr.

David

Da mich Dylan fragend anschaute, übersetzte ich ihm, was uns der Chefarzt gesagt hatte, wodurch die Anspannung im Gesicht von Dylan gleich deutlich nachließ. „Wir übernehmen alle Kosten“, sagte ich zu dem Chefarzt und hielt ihm meine Kreditkarte hin. Dies wäre nicht nötig, teilte uns daraufhin der Arzt mit, es würde bereits eine volle Kostenübernahme vorliegen. „Was ist mit Sicherheit?“, fragte ich und schaute Bob an. Der erklärte daraufhin, dass Steffen auf eine Hochsicherheitsstation kommt, sein Name nicht im System aufgeführt würde und zusätzlich zwei Leute aus unserem Sicherheitsteam rund um die Uhr vor seiner Tür Wache stehen würden.

Daniel

Vom Auto aus habe ich noch Sabine angerufen und ihr mitgeteilt, dass Steffen außer Lebensgefahr ist und wir mit den Ärzten in Kontakt stehen und sie informieren würden. Wir saßen noch eine Weile bei uns in der Suite, bis Dylan dann auch auf sein Zimmer ging. Als wir auch gerade ins Bett wollten, sah ich, dass Dylan sein Handy vergessen hatte. Ich nahm das Handy gerade, da ich es ihm noch schnell bringen wollte, als eine SMS einging. Ich wollte sie eigentlich nicht lesen, aber wie das nun mal so ist, wenn auf dem Bildschirm plötzlich etwas steht, währends man gerade sowieso draufschaut, liest man es automatisch ohne Absicht. Das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit fiel ein Handy aus meiner Hand.

Dylan

Gerade war ich aus dem Zimmer von David und Daniel raus, da bemerkte ich, dass ich mein Handy vergessen hatte. Ich ging zurück und sobald ich den Raum betreten hatte, bemerkte ich innerhalb einer Sekunde, dass etwas nicht stimmt. Daniel hing in Davids Armen und weinte und mein Handy lag auf dem Boden. David sah mich an und fragte nur: „Was steht da auf deinem Handy? – Daniel hat es versehentlich gelesen, als die Nachricht einging und er es in der Hand hatte als er es dir bringen wollte.“ Ich zuckte nur mit der Schulter, da ich ja keine Ahnung hatte was da stand, nahm das Handy und sah, dass es eine Nachricht von Maja war. Ich las die Nachricht und mir wurde schlecht, ich gab das Handy kommentarlos an David und ging zur Bar und schenkte mir einen bestimmt 4-fachen Whisky ein. Ich wollte gerade den Whisky trinken, da flog mein Handy mit voller Wucht gegen einen Spiegel, der an der Wand hing, welcher in diesem Moment in tausend Teile zersprang, keine zwei Sekunden später standen Bob und Patrick im Raum.

David

>> SAG MAL IST RYAN JETZT ETWA AUCH SO EINE SCHWUCHTEL? EINE DAVON REICHT DOCH WOHL – PASS BLOSS AUF DAS DU DICH NICHT AUCH NOCH ANSTECKST! Liebe dich, komm doch nächstes Wochenende mal nach London, aber lass ja die Schwuchteln weg. << stand da in der Nachricht von Maja.

Das Handy flog augenblicklich mit voller Wucht gegen die nächste Wand.

Bob

Keine direkte Gefahr, aber irgendwas stimmt doch schon wieder nicht, Daniel heult in den Armen von David, Dylan steht an der Bar sichtlich geschockt mit einem Whisky in der Hand, ein Spiegel in Tausend Teilen und ein Handy am Boden. Ich nahm das Handy. Der Bildschirm flackert zwar etwas, aber man konnte noch alles lesen. Ich las den Text, hielt Patrick das Handy hin, damit er es auch lesen konnte, nickte ihm kurz zu und ging zu Johannes. Ich vermeide es zwar soweit wie möglich Johannes mit Problemen zu belasten, wofür er auch glaube sehr dankbar ist, aber manche Sachen muss ich ihm dann doch leider sagen, vor allem wenn es sich um Sachen handelt, die die Psyche von seinem Sohn und seinem Neffen betreffen könnten.

Johannes

Jetzt ist aber erstmal Schluss für heute, alle geschäftlichen E-Mails sind erstmal erledigt, das mit der Uniklinik ist auch erstmal geklärt, von unseren Ermittlern und dem FBI gibt es auch noch nichts neues, die Unterlagen bei den Behörden wurden alle schon geändert, der neue Pass von Ryan ist auch schon auf dem Weg hierher, gut das heute alles elektronisch geht, habe Ryan gestern kurz mal ein Tablet hingehalten, er solle schon mal mit seinem neuen Namen „Ryan Albright“ unterschreiben, damit wir, wenn es dann soweit ist, schon alles für den Pass haben. Naja, so leicht ist es normalerweise ja nicht, aber wenn man die richtigen Leute auf Kurzwahl hat, lassen auch die Behörden eine 5 mal Gerade sein. Als ich mir gerade einen Whisky einschenkte, klopfte Bob und trat dann nach Aufforderung ein. Ich fragte ihn, ob er auch einen wolle. Als er nickte und meinte „einen doppelten bitte“, zuckte ich innerlich etwas zusammen, das ist so gar nicht seine Art. Nachdem mir Bob alles erzählt hatte, gingen wir rüber zur Suite von Daniel und David. Als wir ankamen, ging gerade unser Doc und teilte uns mit, dass er den dreien alle ein leichtes Beruhigungsmittel gespritzt hätte und Patrick angewiesen hätte, alle Termine bis zum nächsten Konzert abzusagen. Als ich den Raum betrat und die beiden mich sahen, flogen sie auch schon auf mich zu und klammerten sich an mich. Nachdem wir alle noch kurz gesprochen hatten und ich Dylan sagte, er solle sich keine Vorwürfe machen, schickte ich alle jedoch ins Bett. Als ich wieder in meinem Zimmer war, war ich wieder hellwach. Um Daniel und David braucht ich mir diese Nacht keine Sorgen mache. Wie ich Bob und Patrick kenne, lassen die die beiden nicht eine Sekunde aus den Augen. Das Dylan alleine in seinem Zimmer ist, gefällt mir allerdings weniger. Ich rief unseren Psychologen an und bat ihn zu mir zu kommen. Nachdem ich ihm alle Vorkommnisse von heute erzählt hatte, überlegte er kurz. Nach kurzer Überlegung teilte er mir mit, dass ihm das Ganze nicht gefällt, aber er keine andere Lösung sehe. Mir müssten allerdings Lilly und Robert dazu holen, da es auch um David und Ryan geht und diese nun mal beide Minderjährig sind und sie die leiblichen Eltern sind.

Lilly

Als Jo uns bat, so spät noch zu ihm zu kommen, hatte, ich schon ein ungutes Gefühl. Als wir dann jedoch zu ihm kamen und der Psychologe auch anwesend war, war ich mir sicher, dass was nicht stimmte. Nachdem Jo uns alles erzählt hatte, wollte ich sofort zu meinen zwei Babys rennen, Robert hielt mich aber zurück. „David und Daniel wären heute Nacht sicher, sie sind nicht alleine und Bob und Patrick sind bei ihnen. Wir müssten allerdings Ryan und Sean jetzt vorbereiten und die beiden bitten, sich heute Nacht vielleicht um Dylan zu kümmern. Ihm gefiele das zwar auch nicht, aber lieber es ihnen jetzt sagen und sie könnten sich jetzt damit auseinandersetzten und auch mit Dylan darüber reden, als wenn sie es in ein paar Stunden unvorbereitet erzählt bekommen“, meinte daraufhin der Psychologe. „Ok, und was ist mit der anderen Sache, bleibt es dann dabei, dass wir es Ihnen erst sagen, bevor wir nach München fliegen?“, fragte ich dann. Er meinte dann, wir sollten sie morgen genau beobachten und dann entscheiden. Es ist zwar heftig, allerdings wäre es ja auch eine erfreuliche Mitteilung, immerhin sind sie echte Brüder und sogar Zwillinge. „Na wenn das mal gut geht“, meinte ich nur noch und stand auf und wir gingen zu Ryan und Sean. Jo wollte die anderen drei um 7 Uhr wecken und ihnen alles erzählen, sie jetzt auch noch verrückt zu machen, musste nicht sein.

Robert

Als wir bei den beiden dann im Zimmer waren, musste ich doch grinsen, wie sie da panisch im Bett saßen und sich krampfhaft bemühten, ihre nackten Oberkörper zu bedecken. „Jetzt stellt euch mal nicht so an, wenn ihr im Pool seid, habt ihr auch nur Shorts an und dass ihr euch im Bett gegenseitig Märchen vorlest, glauben wir auch nicht“, konnte ich mir halt mit einem Grinsen nicht verkneifen, es war aber auch zu süß, wie sie da jetzt auch noch mit hochrotem Kopf dasaßen. Lilly warf mir zwar einen kritischen Blick zu, setzte sich dann aber gleich neben Ryan und legte ihren Arm um seine Schulter, ich setzte mich neben Sean und tat das gleiche. Der Psychologe hatte, bevor wir ins Zimmer sind, extra nochmal betont, dass wir auf keinen Fall uns nur auf Ryan konzentrieren dürften. Das hätte er mir zwar nicht sagen müssen, aber gut, wir hatten auch erst gerade erfahren, dass Ryan unser leiblicher Sohn ist, das hätte ja auch verständlicherweise in den Hintergrund rücken können.

Ryan

Als meine zukünftigen Eltern mit dem Psychologen zu uns ins Zimmer kamen, war mir ja schon erstmal komisch zumute und als Dad dann auch noch die Anspielung machte, dass wir uns ja wohl keine Märchen vorlesen würden, war mir das doch recht peinlich. Ich kannte sowas halt nicht, dass es auch Eltern gibt, die damit wohl recht freizügig umgehen. Als der Psychologe dann alles erzählte, war ich doch sehr geschockt. Sean auch, aber Dad hatte ihn im Arm und ich hielt auch seine Hand. Geschockt ja, aber eher das, was mit Steffen passierte, als dass was Maja da geschrieben hatte. Tja Maja, sie schien zwar nett nach außen hin, aber ich wurde mir ihr nie so richtig warm. Ich kann nicht sagen, was mich an ihr gestört hat, aber irgendwas an ihr hat mich gestört. Als sie vor etwa einem Jahr nach London ging, um zu studieren, war ich nicht gerade traurig darüber. Als er dann fragte, ob wir vielleicht mal bei Dylan nachschauen wollten, wie es ihm geht, da er ja zurzeit alleine ist und Daniel und David ja bestimmt schon schliefen und Bob und Patrick ja bei Ihnen wären, sprang ich sofort aus dem Bett und sagte sofort zu.

Dylan

Als plötzlich Ryan und Sean bei mir ohne Vorwarnung im Zimmer standen dachte ich erst, die reißen mir den Kopf wegen Maja ab, aber sie kamen nur auf mich zu und nahmen mich beide in den Arm. Wir saßen so ein paar Minuten da, dann haben wir uns noch über alles unterhalten. Nach einiger Zeit schliefen wir dann jedoch ein. Beim Einschlafen dachte ich noch, wenn Maja mich jetzt sehen könnte, wie ich hier im Bett mit zwei 16jährigen schwulen Jungs liege, die sich an mich kuscheln und malte mir dabei aus, wie ich ihr das heimzahlen könnte. Als Ryan sich neben mir etwas bewegte und mit seinem Arm über meinen Bauch griff, um an die Hand von Sean zu kommen, traf mich die Erkenntnis mit aller Wucht, ich musste mir gar keine Gedanken über Rache machen. Oh nein, meine liebe Maja, du weißt es noch nicht, aber dein jetziges Leben wird bald ein Trümmerfeld sein, du hast dir mit dieser SMS einen Feind geschaffen. Sie könnte einem fast leid tun, aber auch nur fast. Wenn du nur David in dieser SMS beleidigt hättest, hätte er das mit einem Schulterzucken abgetan, irgendeinen Kommentar losgelassen so etwa: „Wenn die sonst keine Probleme hat und wer ist überhaupt Maja“, oder sowas in der Art, aber nein, sie hat seinen Boyfriend, wenn auch vielleicht nicht beabsichtigt, zum Weinen gebracht und seinen zukünftigen Bruder. Ok, das wusste sie zwar auch nicht, das Ryan das ist, aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Mit viel Glück findet sie vielleicht einen Job als Putzfrau am Nordpol, aber wie gesagt mit VIEL Glück, mit diesem glücklichen Gedanken schlief ich dann ein.

David

Gegen 10 Uhr wurde ich von hysterischem Geschrei am Eingang zu unserer Suite geweckt. Anscheinend wollte Sarah rein, ist aber an Bob nicht vorbeigekommen. Ich sah mich um, mein Engel schlief noch tief und fest, an der Tür saß Patrick auf einem Stuhl und grinste mich an. Ich stand auf, ging in den Salon und nahm mir erstmal einen Kaffee. Als ich mich gerade hingesetzt hatte, hörte ich meinen Engel kommen und murmeln, er könne sich gar nicht daran erinnern, sich gestern Abend ausgezogen zu haben. „Das hat auch dein Paps für dich übernommen“, hörte ich Patrick zu Daniel sagen. Dem fiel die Kaffeetasse, die er gerade in der Hand hatte, aus ebendieser, wahrscheinlich hat bei ihm genauso wie bei mir gerade die Erinnerung an gestern wieder eingesetzt. „Wie geht es Steffen, haben wir schon was gehört?“, fragte ich. „Heute lassen sie ihn noch im künstlichen Koma, morgen früh wollen sie ihn aufwecken, dann sollte einer dabei sein“, sagte Patrick.

Daniel

„Ok, ich rufe dann mal am besten Sabine an“, sagte ich und griff nach meinem Handy und wählte die Nummer von Sabine. Als ich ihr alles erzählt hatte und sagte, wir würden ihr dann einen Wagen schicken und sie abholen lassen, damit sie dann in die Uniklinik kommen könne, meine sie, ob nicht Dylan dabei sein könne, wenn sie Steffen aus dem Koma holen würden. „Dylan, aber wieso Dylan“, fragte ich. Bei ihren komischen Erklärungen runzelte ich immer mehr die Stirn und sagte dann nur, dass ich ihn fragen werde und ihr Bescheid geben würde. Nachdem ich aufgelegt hatte, schaute mich mein Schatz fragend an. Ich erzählte ihm dann, was Sabine gesagt hatte. Er runzelte dabei auch nur die Stirn, doch dann plötzlich fing er an laut zu lachen. „Was“, fragte ich. „Oh man Engel, schläfst du doch? Steffen hat sich in Dylan verguckt, mal schauen, vielleicht hat Maja ja recht und Schwulsein ist ansteckend.“ Bei den letzten Worten verfinsterte sich allerdings sein Gesichtsausdruck.

David

„Los hopp las uns mal schauen, ob Dylan schon wach ist und dann zu Ryan“, sagte ich und wir gingen rüber zu Dylan. Als ich leise klopfte, die Tür öffnete und wir ins Zimmer kamen, fielen meinem Engel und mir die Kinnlade erstmal gleichzeitig runter, als wir dieses Arrangement in Dylans Bett sahen. „Tja scheint wohl hochansteckend zu sein“, kam trocken von meinem Engel und brachte mich damit zum Lachen. Dass die drei dann plötzlich wie verschreckte Häschen im Bett aufrecht saßen, verstärkte mein Lachen nur noch. „Wir gehen dann schon mal frühstücken, kommt ihr dann bitte auch dazu“, meinte ich nur und ging mit meinem Engel schon mal in den Speiseraum hier bei uns auf der Etage. Als wir dort eintrafen, musste ich immer noch leicht lachen, Nicki, Peter und Jordan die schon im Raum waren, schauten mich nur verstört an. Als ich ihnen jedoch das Bild von Dylan, Ryan und Sean zeigte, ich musste einfach eins davon machen, mussten sie auch lachen. Wir saßen alle recht lange im Speisesaal, wobei eine gewisse weibliche Person mit einigen Begriffen belegt wurde, dass ich mich schon wunderte, dass meine Mutter nicht eingriff. Sie schaute zwar zu uns und hatte ihre Augenbrauen hochgezogen, sagte aber nichts. Als mein Engel dann Dylan von dem Telefonat mit Sabine erzählte, sprang er auf. „Ja, mache ich gerne, muss noch schnell was erledigen, bin gleich wieder da“, sagte er dann und verschwand. Ich schaute ihm mit zusammengekniffenen Augen hinterher und sah dabei, dass kaum, dass er den Raum verlassen hatte, er von einem Sicherheitsmann begleitet wurde. Da fiel mir ein, dass als Sean vor kurzem auch mal kurz weg ging, ihm auch gleich einer von der Sicherheit und auch der Psychologe folgte und auch mit ihm wieder zurückkamen. Wieso sind die eigentlich noch alle da, meine Eltern, Onkel Jo, der Doc, der Psychologe und wo sind eigentlich Sarah und Paul, die sind doch sonst meistens beim Frühstück dabei und vorhin durfte Sarah nicht zu uns in die Suite, dachte ich mir noch. „Bin mal kurz auf Toilette, bin gleich wieder da“, sagte ich und stand auf und ging. Als ich von der Toilette kam, war neben Bob, was ja nichts Ungewöhnliches ist, allerdings auch der Doc da und wollte mir mal kurz meinen Blutdruck messen. Als wir zurück gingen, fiel mir jedoch auf, das extrem viel Sicherheitspersonal da war und unsere Etage regelrecht abriegelt war. Merkwürdig, alles sehr merkwürdig. Als ich so nebenbei fragte, ob wir nicht alle etwas schwimmen gehen wollen und meine Mutter dann meinte, sie würde auch mal wieder gerne in den Whirlpool, mein Vater und Onkel dem auch zustimmten, war ich mir zu 100% sicher, dass hier was nicht stimmte. Ich stand langsam auf, sagte aber kein Wort und schaute nur meine Mutter an, dann meinen Vater, dann meinen Onkel, blickte kurz zu den Ärzten, blickte mich kurz zu dem Sicherheitspersonal um, was sogar hier im Raum in jeder Ecke stand, wieder zurück zu meiner Mutter, „Bob warum ist die Etage abgeriegelt?“, fragte ich sehr ruhig und bekam aber keine Antwort, hörte aber, dass Bob schluckte. „Bob, ich habe dir eine Frage gestellt, antworte!“ Der Tonfall war zwar immer noch ruhig, aber jetzt doch mehr wütend und aggressiv, dabei schaute ich die ganze Zeit meine Eltern an. Meine Mutter und Vater waren mittlerweile kreidebleich im Gesicht und suchten Blickkontakt zu dem Psychologen, dieser schaute meine Eltern an und schien mit leicht gequältem Gesichtsausdruck zu nicken, worauf hin meine Eltern ebenfalls leicht nickten, aber auch nicht besonders begeistert dabei wirkten. Bob, der diesen Austausch wohl auch mitbekommen hat, hob, wie ich aus dem Augenwinkel sehen konnte, nur leicht seine rechte Hand und wies somit das Sicherheitspersonal an, den Raum zu verlassen, was diese auch sofort taten und hinter sich die Tür schlossen. Im Raum war es totenstill, neben meinen Eltern, Onkel Jo, dem Doc, dem Psychologen waren noch Dylan, Nicki, Peter, Jordan, Sean, Ryan, mein Engel, meine Wenigkeit, Bob, Patrick und Connor (wohl der neue Bodyguard für Ryan) im Raum. „Was ist hier los?“ zischte ich mittlerweile stinksauer.

Doc. Brown

„David, bitte setz dich. Ich werde soweit es mir möglich ist, alles erklären“, sagte ich zu David und stand dabei langsam auf. David setzte sich wirklich, auch wenn er mich recht grimmig ansah. „Wir ihr alle ja sicherlich wisst, ist seit dem letzten Konzert in LA ja so einiges geschehen. David lernte an diesem Abend Daniel kennen und sie kamen zusammen, was eine ganz Reihe von Ereignissen auslöste“, fing ich an, als ich von David mit „Das wissen wir alles, komm zum Punkt Doc“, unterbrochen wurde. „David, Schatz lass ihn bitte ausreden“, kam flehend von Lilly. David schaute jetzt doch recht verwirrt zu seiner Mutter, nickte mir aber dann zu. Puh, Glück gehabt, dachte ich nur. Ich kenne David seit er fünf Jahre alt, er war ein liebenswertes Kind und auch als Teenager ist er das noch, liebevoll, großzügig, verständnisvoll, gutherzig und was wieß ich nicht noch alles, aber er hat auch eine andere Seite und die ist nicht so schön, die scheint er von seinem Großvater geerbt zu haben. Als Freund willst du ihn haben - solltest du ihn jedoch als Feind haben, kann ich nur einen Rat geben: Renn und zwar so schnell wie du kannst. „Nach der Pressekonferenz mit dem Outing kam dann die Geschichte mit Ryan raus, dann auch fast zeitgleich das mit Sean, kaum waren wir hier, passierte das mit Steffen und dann auch das mit Maja und das alles zusammen hat uns …“ – „IST DAS WAHR?“, wurde ich von Nicki unterbrochen.

Nicki

Also wirklich, ich kann David verstehen, wann kommt der den mal zum Punkt, wir waren doch alle dabei bei dem ganzen Mist. Als ich vor lauter Langeweile durch mein Handy scrollte, ploppte eine Newsmeldung von irgendeiner Boulevardzeitung auf, mit der richtig schönen plakativen Überschrift -ENTFÜHRT DIREKT NACH GEBURT- und darunter zwei Bilder. Eins von David und eins von Ryan, „IST DAS WAHR?“, schrie ich und zeigte das Handy in Richtung Jo und dem Doc. „Ist es das, was ihr hier versucht zu erklären?“, fragte ich jetzt jedoch wieder leiser. Jo, schloss seine Augen, nickte und sagte „Ließ es vor.“ Ich drückte Dylan das Handy in die Hand und stütze meinen Kopf auf meine Handflächen.

Dylan

Ich nahm das Handy auf schaute auf den Bildschirm und mir stockte der Atem, als ich die Überschrift gelesen hatte und überflog schnell den Artikel. Ich stand auf und ging zu David, kniete mich vor ihm hin und reichte dabei mit einer Hand hinter meinen Rücken das Handy an Daniel. Jetzt hoffte ich nur, dass ich Daniel richtig eingeschätzt hatte. „David, du vertraust mir doch, oder?“, stellte ich ihm eine Frage. Ich kannte ihn jetzt schon lange genug und er durfte jetzt auf keinen Fall ausrasten und mit der Frage jetzt, hatte ich ihn erstmal etwas aus dem Konzept gebracht. Er schaut mich zwar etwas verwirrt an, aber er nickte. Ich wollte gerade weiterreden, als Daniel mir seine Hand auf die Schulter legte und mich so unterbrach.

Daniel

„Schatz, Ryan ihr geht jetzt bitte ganz brav mit Dylan rüber in die Suite und Schatz, bitte versprich mir, dass du dort auf mich wartest. Sean und ich werden in wenigen Minuten dazukommen, ok?“ Die beiden schauten mich zwar ungläubig an, aber nickten immerhin. Als die drei, Bob und der andere Sicherheitsmann dessen Namen ich nicht kannte, weg waren, drehte ich um und sagte nur: „Ihr habt 15 Minuten.“

Dylan

Ich hatte mich also in Daniel nicht getäuscht. Als wir in der Suite angekommen waren, setzten die zwei sich auf die Couch und ich kniete mich vor den Zwei hin. „Ok, also um es kurz zu machen, ihr zwei seid Brüder. Nicht durch Adoption oder so, leibliche Brüder. Zwillinge um genau zu sein. Ryan, soweit ich das jetzt weiß, sieht es so aus, als ob du direkt nach der Geburt entführt oder vielmehr geklaut worden bist. Aber genaueres dazu werden dann wohl Daniel, Sean und eure Eltern sagen können. Ich sah, wie es in den beiden arbeitete. Erst sahen sie sich nur ungläubig an, doch dann fielen sie sich in die Arme und weinten. Ich hoffte nur, das Daniel und Sean bald kommen, denn ich weiß nicht, wie lange David sich noch zurückhalten kann, ohne Antworten zu bekommen.

Daniel

Ich hörte mir alles an, ich verstand sie ja auch, aber trotzdem war ich noch stinksauer. „Ich werde jetzt mit Sean rüber gehen und wir werden ihnen alles genau erklären“, sagte ich nur. Als Lilly und Robert aufstanden, um uns zu begleiten, sagte ich nur: „Nein, ihr bleibt hier, ich schicke euch Dylan, wenn ihr kommen könnt.“ Nach ein paar Schritten drehte ich mich nochmal um. „Ihr hättet doch wissen müssen, dass das so nicht funktioniert. Ja, die Situation ist nicht einfach, der ganze Mist der letzten Wochen hat es auch nicht gerade vereinfacht, ich verstehe das alles. Unter normalen Umständen hätte ich wahrscheinlich nicht anders gehandelt, aber eure beiden Söhne sind keine normalen Teenager. Verdammt, denkt doch mal nach. Die stehen abends auf einer Bühne vor tausenden von Menschen und ich weiß, wovon ich spreche, ich stand gestern auch da vor 55.000 fremden Menschen und ich hatte die Hosen gestrichen voll und ihr glaubt, die kommen mit der Tatsache, dass sie echte Brüder sind, nicht klar. Denkt mal darüber nach, ihr seid doch die Erwachsenen die immer alles besser wissen, da sie ja mehr Lebenserfahrung und so haben.“ Ich drehte mich um und ging mit Sean weg und wir ließen ziemlich bedrückt wirkende Erwachsene zurück.

David

Wow, langsam sickerte das eben gehörte durch und ich konnte gar keinen richtigen Gedanken mehr fassen, immer wieder blitzen Erinnerungen auf. Wie ich Ryan damals auf der Wohltätigkeitsveranstaltung kennengelernt hatte. Von Bildern her kannte ich ihn ja, aber als ich direkt vor ihm stand, hatte ich irgendwie ein ganz komisches Gefühl im Magen, als wir uns die Hand gaben und uns dabei in die Augen schauten, schauten wir beide gleichzeitig weg und waren beide rot im Gesicht. Innerlich wusste ich ja, dass ich auf Jungs stand, auch wenn ich mir das zum damaligen Zeitpunkt noch nicht eingestanden hatte, aber es war keine Liebe zu Ryan, zumindest nicht in diesem Sinne. Ich schob es darauf, dass ich halt nervös wäre, weil es sich ja immerhin um eine angesagte Boyband handelte, mit denen ich dort stand, obwohl Promis für mich ja nichts Ungewöhnliches waren. Seitdem ich denken kann, waren bei uns immer irgendwelche Promis zu Gast, manchmal war sogar der damalige Präsident bei uns zu Gast, da dieser ein sehr guter Freund von meinem Großvater war und ich nannte ihn immer Onkel. Noch heute, wenn wir uns mal irgendwo treffen, nenne ich ihn noch so. Wenn wir mal ein gemeinsames Tanztraining hatten und ich uns im Spiegel nebeneinanderstehen sah, kam es mir so vor, als sehe ich mich selbst. Das schob ich dann darauf, dass wir uns halt zufällig ziemlich ähnlich sehen. Im Nachhinein betrachtet viel zu ähnlich als, dass es Zufall sein konnte. Auch wenn wir uns begrüßten, mit den anderen Jungs war es eine feste Umarmung oder ein abklopfen auf die Schulter, aber bei Ryan waren Umarmungen immer recht zögerlich, so als ob der jeweils andere irgendwie Angst davor hätte, etwas zu zerbrechen. Hatten sich unsere Seelen wiedererkannt, gibt es sowas überhaupt? Immerhin verbrachten wir neun Monate zusammen im Bauch unserer Mutter. Ja und Mom, als Ryan das erste Mal bei uns zu Besuch war und Mom Ryan erblickte, zuckte sie merklich zusammen. Seitdem war ich förmlich abgeschrieben, wenn Ryan da war, war Mom nicht weit. Auch das schob ich darauf, dass wir uns halt so ähnlich sehen, eifersüchtig war ich auch nicht. Hatte sie es auch gefühlt? Fragen über Fragen, wo bleibt nur mein Engel?

Daniel

Als Sean und ich in die Suite kamen, sahen wir David und Ryan sich in den Armen liegend auf der Couch sitzen, Dylan saß vor den beiden und ließ sie nicht aus den Augen, er machte nichts, war einfach für sie da. Als die beiden uns bemerkten, sprangen sie beide auf und flogen in unsere Arme. Kaum hatten wir uns alle gesetzt, hingen David und Ryan wieder wie zwei Kletten aneinander, Sean und ich grinsten uns nur an, sahen wir es doch als gutes Zeichen. Nach einiger Zeit schickte ich Dylan los, Lilly und Robert holen. Nachdem diese dann da waren, ließen wir die vier erstmal alleine und gingen in den Speisesaal.

Dylan

Nachdem sich die Lage nun nach und nach entspannte, leerte sich auch langsam der Speisesaal. Jo ging als erster, aber erst nachdem er sich bestimmt tausend Mal bei Daniel und mir bedankt hatte, dass wir das Ruder übernommen hätten und es so doch nochmal gutgegangen wäre. Sean, der bereits seit bestimmt einer Stunde nur am Gähnen war, folgte kurz darauf. Als dann das Handy von Peter klingelte und seine Eltern dran waren, gingen er und sein Bruder auch in ihr Zimmer, um mit ihren Eltern zu skypen, da die Medien in den USA wohl völlig verrückt spielen würden. Nicki folgte ihnen dann auch gleich, auch er wollte mal lieber seine Eltern informieren. Als ich mit Daniel dann alleine war und ich mir gerade ein Bier von der Anrichte nahm, immer noch davon fasziniert, dass man das hier in Deutschland legal mit 16 Jahren trinken kann, frage mich Daniel „Und wie geht es dir so?“, worauf ich erstmal eigentlich keine Antwort hatte. „Was genau meinst du?“, fragte ich nochmal nach. „Naja, so mit deiner Freundin und so“ – „Ex-Freundin bitte schön, das weiß sie zwar noch nicht, aber egal, keine Ahnung ich weiß es nicht. Ehrlich gesagt bin ich zurzeit ziemlich durcheinander“, war meine Antwort. „Wann fährst du morgen eigentlich in die Klinik zu Steffen?“, wechselte er plötzlich das Thema. „Jo hat veranlasst, dass mich morgen früh gegen 9 der Heli in die Klinik fliegt und mich dann mittags abholt und direkt in das Stadion bringt. Er will vermeiden, dass die Presse von der Geschichte mit Steffen was mitbekommt, bzw. es mit uns in Verbindung bringt, warum?“ – „Pass bitte einfach auf.“ – „Fängst du jetzt auch an in Rätseln zu sprechen Daniel?“, meinte ich dann.

Daniel

„Ok du hast ja Recht. Du weißt ja was mit Steffen passiert ist und auch warum. Eigentlich könnte es mir ja vollkommen egal sein, bis vor kurzem dachte ich, dass ich ihn sogar hassen würde. Aber ich habe jetzt auch einen anderen Steffen kennengelernt und den mag ich. Bis auf Sabine hatte er anscheinend keine Person, mit der er sich aussprechen konnte. Aber sie konnte ihm auch nur bedingt weiterhelfen, indem sie vorgab, seine Freundin zu sein und somit halt nur die Fassade festigte, die er bereits aufgebaut hatte. David und ich glauben, dass Steffen sich in dich verliebt hat oder im Begriff ist es zu tun. Es ist zwar nur eine Vermutung, aber auf alle Fälle ist er zurzeit sehr verletzlich. Ich bitte dich auch nur, pass bitte auf, du bist zurzeit auch verletzlich, deine Freundin hat dich schwer enttäuscht, dann bist du plötzlich von zwei schwulen Pärchen umgeben. Letzte Nacht hast du mit zwei Schwulen im Bett gelegen und friedlich geschlafen. Glaub mir, das machen reine Heteros in der Regel nicht so einfach. Mach ihm keine Hoffnungen, die du nicht erfüllen kannst, ich weiß nicht inwieweit er sowas im Moment verkraften würde. Das du ihn magst, habe ich gesehen, also pass bitte einfach auf.“

David

Der Tag fing so schön an, ich hatte sehr gut geschlafen, wurde von meinem Engel auf sehr angenehme Weise geweckt und jetzt. Jetzt sitze ich hier in diesem blöden Konferenzraum und muss versuchen, die Sprache zu entschlüsseln, die Sarah spricht. Ich verstehe immer nur Bruchstücke, wie z.B. schwul, solo, muss aufhören, distanzieren, wenn das rauskommt, PR-Desaster, Pressekonferenz …, ich kann mir zwar keinen Reim darauf machen, mir gefällt das, was ich höre, aber nicht. „Sarah! Du stehst auf sehr dünnem Eis und dieses Eis befindet sich auf einem kleinen Tümpel mitten in einer Oase in der Sahara, also Vorsicht. Ich kann dir zwar nicht verbieten, was du denkst, aber ich rate dir überlege lieber zweimal welche Worte deinen Mund verlassen“, zischte ich sie an. „Eine Pressekonferenz wird es nicht geben, da habe ich keinen Bock drauf. Ryan und ich werden direkt vor dem Konzert im grobem und ganzem alles erklären. Da das Konzert sowieso aufgezeichnet wird, gehen wir halt damit live, gebt das an die Presse und wer will, kann es sich ja dann ansehen. So wir sind dann fertig für heute – Los ab an die Arbeit“, beendete ich das Meeting, da ich keinen Bock mehr hatte.

Dylan

9.30 Uhr ich sitze in einem kleinen Aufenthaltsraum auf der Station, wo Steffen liegt. Es dauert noch etwa eine Stunde bis ich zu ihm kann. Die halbe Nacht lag ich wach und dachte über die Worte von Daniel nach. Daniel hat recht, ich muss aufpassen. Er hatte mit allem recht was er sagte, ich bin gefühlsmäßig angeschlagen. Wen ich ihn und David oder Ryan und Sean sehe, wie sie miteinander umgehen, diese Blicke, die sie sich zuwerfen, die kleinen Berührungen zwischendurch. Mir ist bewusst, dass sie alle erst kurz zusammen sind, aber dennoch diese Verbundenheit, diese Liebe ist fast greifbar und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, bin ich darauf ein wenig eifersüchtig. Als der Arzt mich plötzlich ansprach und mir mitteilte, dass ich jetzt zu ihm könne, er würde gleich aufwachen, war ich erstmal etwas erschrocken, da ich so in meinen Gedanken war. Ich setzte mich vorsichtig an sein Bett und nahm vorsichtig seine Finger in meine Hände, da am Handrücken ja noch so ein Infusionsschlauch angeschlossen war. Ich streichelte sanft seine Finger, als ich eine leises „Hi“ hörte. Erschrocken sah ich auf und sah, dass er wach war. „Wie fühlst du dich“, fragte ich. Da kamen auch schon die Ärzte und untersuchten ihn kurz, da anscheinend alles in Ordnung war, war ich kurz darauf schon wieder alleine mit ihm. „Wie in Watte gepackt, aber eigentlich geht’s ganz gut“, meinte er dann. Ich streichelte wieder seine Finger mit meinem Daumen und sah ihn an. Ein leichtes Lächeln war zu sehen und In seinen Augen tobte ein Wirbelsturm an Gefühlen. Ich musste was sagen, mir war bewusst, dass dies wohl einer der ungünstigsten Zeitpunkte überhaupt war, aber wenn ich nichts sage, wer weiß, was er sich in seinem Kopf zusammenbastelt. Genau genommen kannten wir uns ja gar nicht, wir hatten uns vorgestern auf der After-Show Party kennengelernt. Jetzt sitze ich hier an seinem Bett nachdem er aus dem künstlichen Koma geholt wurde und streichele seine Finger. „Darf ich dich was fragen und bitte sei ehrlich zu mir!?“ Er schaute mich auf meine Frage hin erschrocken an, nickte aber leicht. „Kann es sein, dass du dir mehr als eine Freundschaft zwischen uns wünschst?“ Er lief leicht rötlich an, nickte mir aber zögerlich zu. „Steffen, ich bin zurzeit sehr verwirrt, in den letzten Wochen ist einfach zu viel passiert. Könnte ich mir vorstellen mit einem Jungen zusammen zu sein, ich glaube ja. Ich mag dich, sehr sogar, aber ich will nicht mit dir spielen, nur weil ich zurzeit selbst nicht weiß, was ich will. Können wir alles langsam angehen und schauen, wie es sich entwickelt? Wäre das OK für dich?“ Verschämt schaute ich ihn an und ich glaube meine Wangen hatten auch einen rötlichen Farbton angenommen. Mit einem Lächeln im Gesicht nickte er mir zu und dann kam auch schon eine Krankenschwester und meinte, dass es für heute genug wäre. Ich gab Steffen einen Kuss auf die Stirn und sagte noch, dass ich morgen wiederkommen würde. Dann verließ ich sein Zimmer, setzte mich noch in den Aufenthaltsraum, trank einen Kaffee und wartete auf den Heli.

David

Da saß ich nun in meiner Garderobe und wartete, ja auf was eigentlich. Ich saß da nur rum und hatte nichts zu tun. Total ungewöhnlich. Mein Engel wurde von Dylan entführt, Nicki, Peter und Jordan hatten sich nochmal 1-2 Stunden aufs Ohr gehauen, meine Eltern klebten an Ryan, was ja auch irgendwie verständlich ist. Sean meinte gerade grinsend als er ging, er mache sich jetzt auf die Suche nach einem Brecheisen, um mal an seinen Boyfriend ranzukommen. Onkel Jo kann mir gerade auch mal gestohlen bleiben, nachdem er mir heute Morgen mitteilte, dass der Unterricht in den letzten Tagen vernachlässigt wurde und sich dies, sobald wir in München wären, ändern würde. Sarah war auch vorhin dagewesen und hatte sich entschuldigt und versichert, sie sei auf keine Fälle homophob, was mich eigentlich auch sehr gewundert hätte, Eigentlich mochte ich sie ja, auch wenn sie einem unheimlich auf die Nerven gehen konnte. Sie wäre in letzter Zeit einfach überfordert, sie würde die Arbeit alleine nicht mehr schaffen. Ob sie sich einen Assistenten einstellen könnte, frage sie mich. Ich würde mich darum kümmern, da die graue Masse in meinem Kopf, auch angeblich bekannt als Gehirn, schon wieder etwas in der Pipeline hatte. Aber ich hatte fest vor, meinen Engel zu überraschen und vorher erst mit einigen zu sprechen und nicht alle mehr oder wenig vor vollendete Tatsachen zu stellen. Ich beschloss ein bisschen rumzulaufen, mal schauen vielleicht sind im VIP-Bereich schon einige Gäste, als mir plötzlich einfiel, dass wir ja bald in München wären. Ich könnte ja mal meinen Cousin anrufen und ihn die Neuigkeiten erzählen, schließlich muss er ja auch seinen neuen Cousin Ryan und auch meinen Engel kennenlernen. Ich nahm mein Handy und wählte seine Nummer.

Toby

Ich stand gerade unter der Dusche, als ich aus dem Nebenraum mein Handy hörte. Macht nichts, dachte ich mir noch so, Felix wird schon rangehen, so wie ich ihn kenne. Felix ist seit dem Sandkasten mein bester Freund und wir haben eigentlich keine Geheimnisse voreinander. Wir wussten beide voneinander, dass wir schwul sind, wir sind aber kein Paar, sondern eben beste Freunde. Da seine Eltern dieses Jahr beschlossen hatten, einen vierwöchigen Wanderurlaub zu machen und Felix sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte an ebendiesem teilzunehmen, wurde beschlossen, dass er die Ferien bei mir verbringen würde. Frisch geduscht betrat ich gerade mein Zimmer als ich mit „Dein Cousin hat angerufen, er meldet sich gleich nochmal, wann lerne ich diesen geheimnisvollen Cousin eigentlich mal kennen?“ begrüßt wurde. Ich wurde schlagartig kreidebleich. Wie gesagt, eigentlich hatten wir keine Geheimnisse voreinander und streng genommen ist es auch kein Geheimnis. Ich habe ihm halt nur nie gesagt, wer mein Cousin ist. Es bestand auch nie ein Grund dafür, er lebt in Los Angeles und ich in München, ist ja nicht gerade so, dass man sich ständig über den Weg läuft. Als David dann berühmt wurde, habe ich es zum einem nicht erzählt, da ich ungern im Mittelpunkt stehe und zweitens Felix mich mit seinem geschwärme für David nervte, David hier, David da, er würde ihn lieben, er würde ihn sofort heiraten, ob er wohl eine Chance bei ihm hätte und das noch alles bevor sich David überhaupt geoutet hatte. Als mein Handy wieder klingelte, ging ich mit zitternden Fingern dran. „Hi David, was gibt’s“, sagte ich nur und hörte David dann zu. Bruchstückhaft antwortete ich dann immer nur auf irgendwelche Neuigkeiten „Ja das mit Daniel habe ich mitbekommen – Wie das stimmt echt – OK, soweit habe ich noch gar nicht gedacht, dass Ryan ja auch mein Cousin ist – Wer ist Sean?“ Er erzählte mir alles was in den letzten Wochen vorgefallen war und wir verblieben so, dass er sich melden würde, sobald sie in München sind. Ich schaute immer noch auf mein Handy, da ich mich nicht traute, Felix anzusehen. Felix war nicht dumm, durch meine Antworten und Nachfragen bei dem Gespräch konnte er sich zusammenreimen, wer genau mein Cousin ist. „Warum, warum hast du mir das nie gesagt?“ Seine Stimme war leise, aber die Enttäuschung, die darin lag, war nicht zu überhören.

Felix

Wandern, also wirklich wandern, meine Eltern scheinen wirklich einen an der Klatsche zu haben, ich und wandern. Nur gut, dass ich sie dazu überreden konnte, bei Toby zu bleiben, dachte ich mir nur so und schüttelte mich dabei innerlich. Aber viel interessanter fand ich die Info, die ich gerade gefunden hatte, das Konzert von meinem Schwarm wurde heute Abend live übertragen. Immerhin etwas, wo ich schon keine Karten mehr für das Konzert bekommen hatte. Da Toby unter der Dusche war, ging ich an sein Handy als dieses Klingelte. „Hi hier ist Felix, Toby ist gerade duschen, soll ich was ausrichten?“ Am Handy war sein Cousin und er hätte Neuigkeiten, die er unbedingt Toby mitteilen müsse und er würde sich dann gleich nochmal melden. Ah, der geheimnisvolle Cousin, dachte ich mir, ich wusste zwar, dass es diesen Cousin gibt, aber kannte ihn nicht. Wir hatten glaube ich vor ein paar Jahren mal über entfernte Verwandtschaft gesprochen und da erfuhr ich, dass er einen Cousin 2 Grades hätte, der aber weit weg wohnen würde, sie sich zwar ziemlich gut verstehen würden, aber so gut wie nie sehen könnten, damit war das Thema eigentlich auch durch. Als Toby aus dem Bad kam und ich ihm mitteilte, dass sein Cousin angerufen hätte und sich gleich nochmal melden würde, wurde Toby leichenblass und als sein Handy klingelte und Toby dran ging beobachte ich ihn, irgendwie war Toby komisch, so ganz anders wie sonst. Was ich hörte ergab erst keinen Sinn, plötzlich machte es klick und schlagartig wurde mir klar, wer sein Cousin ist und wen ich selbst noch vor ein paar Minuten selbst am Telefon hatte. „Warum, warum hast du mir das nie gesagt?“, fragte ich, nachdem Toby das Gespräch beendet hatte.

Toby

Ich schluckte und schaute dann direkt Felix an. „Felix, was hätte ich den sagen sollen, ja David ist mein Cousin. Gut, als er plötzlich berühmt wurde, hätte ich etwas sagen können, aber ehrlich, du kennst mich doch. Ich mag es nicht im Mittelpunkt zu stehen und mit deiner Schwärmerei für ihn bist du mir schon genug auf die Nerven gegangen. Aber ich hätte es dir in den nächsten Tagen gesagt.“ – „Ach ja und das soll ich dir jetzt glauben“, bekam ich recht patzig von Felix zu hören. Ich stand auf ging an meinen Schreibtisch und nahm einen Umschlag aus einer Schublade und warf ihm diesen zu. „Ja hätte ich. Wie hätte ich dir sonst die Backstage-Pässe für sein Konzert hier in München erklären sollen.“

Daniel

Nachdem ich einige Zeit mit Dylan über seinen Besuch bei Steffen geredet hatte und wir zu dem Entschluss gekommen sind, das er sich mal mit unserem Psychologen unterhalten sollte, und ich Paps fragen werde, ob er veranlassen kann, dass unser Psychologe sich auch mal mit Steffen unterhält. „Und du kannst dir wirklich vorstellen, mit einem Jungen zusammen zu sein, du weißt schon, dass es da noch mehr gibt als nur küssen?“, fragte ich ihn. Als Antwort bekam ich nur ein nicken, ich fragte nicht weiter, ich hatte irgendwie so ein Gefühl, dass er es genau wusste.

David

Das Konzert begann dieses Mal damit, das wir unsere Story, ich auf Deutsch und Ryan auf Englisch, erzählten. Im Großen und Ganzem haben wir alles erzählt, wie es war, einige Sachen, wie z.B. warum Ryan bei uns auftauchte und somit diesen Stein damit ins Rollen brachte, ließen wir natürlich aus bzw. erzählten ihn leicht verändert. Danach begann dann das eigentliche Konzert, mein Engel tanzte wieder mit mir vor der Pause und die Zugabe dauerte über eine Stunde.

Ryan

Die drei Konzerte in Hamburg waren jetzt erledigt. Das letzte Konzert verlief sogar normal, will heißen ohne besondere Erklärungen oder sonst was, einfach nur das Konzert. Jetzt saßen wir wieder alle im Flugzeug, welches gerade in Richtung Startbahn rollte auf dem Weg nach München. Wir saßen zu fünft zusammen. David und Daniel, Dylan meine Wenigkeit und Steffen. Ja, Steffen, die Ärzte gaben grünes Licht, nachdem ihnen versichert wurde, dass ständig ein Arzt in seiner Nähe wäre, was ja durchaus kein Problem darstellte. Nach einer abschließenden Untersuchung gaben sie letztendlich auch grünes Licht für den Flug nach München. David hatte die letzten beiden Tage mit Daniel, Dylan und mir etwas besprochen und wollte ihm nun ein Angebot unterbreiten.

Steffen

Ich hatte immer noch Angst gleich aufzuwachen und alles stellte sich als Traum heraus. Vor ein paar Tagen war mein Leben noch die reinste Hölle. Mein leiblicher Vater ist gestorben, als ich fünf Jahre alt war, meine Mutter ist vor sechs Monaten an einer zu spät entdeckten Lungenentzündung verstorben und mein Stiefvater hasste mich. Naja, das beruhte zumindest auf Gegenseitigkeit. Da ich vor kurzem volljährig geworden bin, hätte es sowieso nur noch ein paar Tage gedauert, bis er mich rausgeschmissen hätte. Bei meinen sogenannten Freunden musste ich mich immer verstellen und eine Rolle spielen, die ich hasste. Dann ließ mich David ins das Hotel bringen und alles veränderte sich. Irgendwie bekam mein Stiefvater Wind davon, naja das Ergebnis war dann: er in U-Haft, ich im OP-Saal. Als ich im Krankenhaus aufgewacht bin, saß Dylan an meinem Bett und jetzt sitze ich hier mit David, Daniel, Ryan und Dylan in diesem Flugzeug und habe gerade von David ein Jobangebot erhalten. Wenn ich wollte, könnte ich der Assistent von Sarah, der Managerin der Jungs, sein. Das wäre aber kein Zuckerschlecken, gerade auf Tour wäre das ein 24/7 Job. „Vielleicht hilft dir das, aber sag es nicht Sarah“, meinte er dann grinsend und schob mir einen Zettel zu. Er würde mir jetzt mal Sarah vorbeischicken, damit sie mir erklären könnte, was der Job so alles beinhalten würde.

David

Ich stand auf und ging zu Sarah und sagte ihr, sie solle mal zu Steffen gehen. Dann setzte ich mich zu meiner Mom, die verträumt aus dem Fenster blickte. „Geht’s dir gut?“, fragte ich sie. „Ja mir geht es sehr gut. Weißt du, als ich das erste Mal die Aufzeichnung von deinem letzten Konzert in LA gesehen hatte, wusste ich, dass etwas ganz Besonderes passiert ist und dann kommen mir so Gedanken wie, was wäre, wenn du Daniel nicht getroffen hättest. Wärst du heute auch so glücklich und wäre das mit Ryan jemals ans Licht gekommen.“ Als ich das hörte, musste ich erstmal schlucken, denn wen man darüber nachdenkt, hatte sie gar nicht mal so unrecht. Ich tat es meiner Mom gleich und schaute auch aus dem Fenster und ließ dabei die vergangenen Wochen nochmal Revue passieren. Es war ja einiges passiert in den letzten Wochen, nicht nur schöne Dinge, aber letztendlich ist eigentlich alles gut gelaufen. Mit Maja musste ich mir noch was überlegen, weil ungeschoren wollte ich sie nicht davonkommen lassen, am besten würde ich mal mit Dylan darüber reden. Das Maja so homophob ist, hätte ich nie gedacht, ich fand sie eigentlich immer ganz nett. Gut, wir hatten eigentlich nie über Homosexualität gesprochen, warum auch, es gab keinen Grund dafür. Wäre wohl besser gewesen, denn dann hätten wir wahrscheinlich schon früher gemerkt, welche Einstellung sie dazu hat. Was mich zum Thema Dylan und Steffen bringt, bin ja mal gespannt, ob das was wird mit den beiden, ich hoffe nur sie überstürzen es nicht. Obwohl bei dem Thema „überstürzen“ sollte ich mich wohl doch eher zurückhalten, wenn man bedenkt, dass es gerade mal so zwei Stunden dauerte, nachdem ich meinen Engel das erste Mal sah, wir uns geküsst hatten und zusammenkamen. Bevor ich aber weiter über die Vergangenheit und die Zukunft nachdenken konnte, kam die Durchsage zum Anschnallen, da wir nun in den Landeanflug auf München übergehen würden. Die Entfernung Hamburg – München ist ja nun auch nicht besonders groß, zumindest nach amerikanischen Verhältnissen gemessen nicht.

Daniel

Kaum waren wir in unserem neuen Hotel in München angekommen, hatte sich mein Schatz mit den anderen Jungs der Boyband in ihr provisorisches Aufnahmestudio verzogen, um dort noch gemeinsam einen Song aufzunehmen, der noch auf die neue Platte von den Jungs kommen sollte, die demnächst erscheinen sollte. Steffen war bei Sarah und sie besprachen das genaue Aufgabengebiet von dem Job, den mein Schatz Steffen angeboten hatte, wenn dieser sich den entschließen sollte, diesen anzunehmen. Sean und ich waren gerade auf dem Weg zu eben diesen Aufnahmestudio, als wir eine zwar ruhige, aber verzweifelte jugendliche Stimme hörten. „Ich mach Schluss Patrick, ich kann nicht mehr. Ich liebe dich wirklich aber ich komme gegen IHN nicht an. Such dir Hilfe Patrick, es ist nicht normal, dass du noch immer an einem Jungen hängst, in den du dich im Alter von fünf Jahren im Urlaub verliebt hast. Es tut mir leid, aber ich kann das echt nicht mehr.“ Dann entfernten sich Schritte. Sean schaute mich fragend an, da er ja nichts von dem Gespräch verstanden hatte, ich sagte ihm nur kurz, dass ich es ihm später erklären würde. Wir gingen um die Ecke und dort sah ich eben diesen Patrick, der völlig verstört und tränenüberströmt auf dem Boden saß und sich gegen die Wand lehnte. In meinem Kopf rasten die Gedanken, ich kannte diese Geschichte, ich hatte diese Geschichte schon einmal gehört, wenn auch aus einer anderen Perspektive, das konnte doch nicht sein. Ich ging auf den Jungen zu und kniete mich vor ihn, leicht legte ich meine linke Hand auf seine Schulter und sagte leise „Hey Patrick.“ Da er das alles wohl erst in diesem Moment registrierte, schaute er mich erschrocken an. „Hey, es ist alles in Ordnung, ich habe eben das Gespräch mitbekommen. Es geht mich auch eigentlich alles nichts an, aber vor etwa zwei Jahren habe ich einen Jungen kennengelernt, der mir ungefähr die gleiche Geschichte erzählt hat. Er hat sich im Urlaub in Spanien in einen Jungen namens Patrick verliebt, als er fünf Jahre alt war und er diesen Jungen bis heute nicht vergessen hat. Der Junge, der mir das erzählte heißt Marcel.“ Ich rief an diesem Tag noch Marcel an.

Toby

„Felix, es reicht, wenn du nicht augenblicklich Ruhe gibst, sorge ich dafür, dass der Backstage-Pass von dir gesperrt wird“, motzte ich Felix an und verließ mein Zimmer. Als ich in die Küche kam, um mir was zu trinken zu nehmen und meine Mutter mich fragte, was mir für eine Laus über die Leber gelaufen ist, meinte ich nur: „Felix, der treibt mich in den Wahnsinn, nicht nur David hier, David da, nein jetzt konnte er auch bei Miriam seinen Mund nicht halten und hat ihr erzählt, dass David mein Cousin ist. Somit weiß es spätestens heute Abend die ganze Klasse und morgen die ganze Schule.“ – „Ach komm, schon so schlimm ist das jetzt auch nicht und es wäre wahrscheinlich sowieso irgendwann rausgekommen“, meinte sie dann nur. „Ja wahrscheinlich schon, aber was mach ich mit Felix, der treibt mich echt in den Wahnsinn?“ – „Das wird schon, sieh es doch mal von seiner Seite aus. Felix hatte bisher von David geschwärmt, aber seien wir doch mal realistisch, wie hoch wären denn unter normalen Umständen die Chancen, ihm überhaupt nahe zu kommen, geschweige denn ihn kennenzulernen. Jetzt hat er erfahren, dass David dein Cousin ist und er ihn somit kennenlernen wird. Ist doch irgendwie verständlich, dass er da ein bisschen am Rad dreht. Schnapp dir am besten Felix und geh mit ihm ins Hotel, in dem David abgestiegen ist.“

Dylan

Ich lag auf meinem Bett und dachte über die letzten Wochen nach, einiges war passiert, vieles hatte sich verändert. Mit Maja habe ich per SMS unsere Beziehung beendet und anschließend ihre Nummer geblockt. Ist zwar nicht die feine englische Art, aber ich konnte es mir nicht antun, nochmal ihre Stimme zu hören. Die Presse hatte aber irgendwie Wind davon bekommen und später habe ich dann mal erfahren, dass ihr das wohl nicht besonders gut bekommen war. Ihre Kommilitonen mieden sie, sie verlor ihr Stipendium, da ihre Ansichten wohl nicht mit den Überzeugungen der Organisation, die dieses Stipendium vergab, übereinstimmte. Naja, Homophobie und Pädagogik passen jetzt auch nicht unbedingt gut zusammen. Letztendlich musste sie dann das Studium an der Eliteuni abbrechen, da ihre Eltern entweder nicht bereit oder in der Lage waren, dieses zu finanzieren. Dann die Sache mit Ryan, noch immer wussten wir nicht genau, wie die angeblichen Eltern von Ryan das überhaupt geschafft hatten. Als es klopfte und Steffen dann in mein Zimmer, ja mein Zimmer, wir hatten getrennte Zimmer, kam, lächelte ich ihn nur an und meinte „Komm mal her.“

Steffen

Ich ging zu Dylan und er nahm mich in seine Arme und ich kuschelte mich an ihn. Ich fühlte mich wohl und geborgen und dennoch hatte ich Angst. Angst davor aufzuwachen, nur um festzustellen, das alles nur ein Traum gewesen wäre. „Ich habe Angst, dieser Job, den David mir angeboten hat, ist der Wahnsinn. Aber was, wenn ich ihn nicht schaffe, warum macht mir David so ein Angebot überhaupt und was hat das zu bedeuten“, sagte ich zu ihm und hielt ihm den Zettel hin, den David mir im Flugzeug gegeben hatte. „Wow, den Zettel solltest du wirklich nicht Sarah zeigen, das ist mindestens das Doppelte, wenn nicht sogar das dreifache von dem, was sie im Jahr verdient“, meinte er nur. Das sollte mein Gehalt sein „Warum, warum macht David das, obwohl ich mich die letzten Jahre doch wie ein Arschloch auch gegenüber Daniel verhalten habe?“, fragte ich Dylan. „Warum David das macht, naja zum einen, weil er es kann und zum zweiten, weil er uns beide wohl mag. Er will wohl das, wenn das zwischen uns was wird, wir nicht so oft getrennt sind. Daniel mag dich übrigens auch, David hätte dir dieses Angebot niemals gemacht, wenn das nicht der Fall wäre, außerdem hat Daniel es mir selbst gesagt das er dich mittlerweile mag.“

Daniel

Kaum waren wir in unserer Suite im Hotel angekommen, testete mein Schatz mal wieder, ob man die Tür zu unserem Schlafzimmer auch schön laut zuknallen konnte, keine Ahnung warum er darauf so einen Wert legt. Gut, er war etwas übel gelaunt, da Sarah wohl vergessen hatte, das er um ein Interview mit einer Jugendzeitschrift nicht herumkommen würde, da auch die Gewinner von einem „Meet and Greet“ dabei wären. Ich wollte ihn gerade danach fragen, als mein Handy klingelte und auf dem Display angezeigt wurde, dass der Anruf von Chris kam. Als ich hörte, dass Marcel jetzt bei ihm zuhause wäre und er aus dem Krankenhaus abgehauen wäre, wusste ich sofort, dass die Zwei da wegmüssen. „Chris hör mir jetzt genau zu, ihr müsst da sofort weg, könnt ihr wohin, wo euch erstmal keiner findet und gib mir die Adresse, ich schicke euch einen Wagen, der euch abholt?“ Ich schrieb die Adresse auf und gab den Zettel Patrick und sagte ihn, er solle sofort abklären, wie schnell wir da einen Wagen hinbekommen und welchen. „Bob, du lässt den Heli startklar machen und bitte meinen Paps hierher und unser Psychologe soll auch kommen, keine Fragen, macht was ich sage.“ Patrick reichte mir den Zettel zurück mit dem Vermerk: Schwarzer BMW-SUV in 20 Minuten. „OK Chris, hör zu, in 20 Minuten wird euch ein schwarzer BMW-SUV bei der Adresse, die du mir gegeben hast, abholen und wird euch in ein Hotel bringen. Der Fahrer wird bei euch bleiben, ich mache mich gleich auf den Weg, wird zwar etwas dauern, aber ich komme und schaltet euere Handys aus. Hast du verstanden? OK, das klären wir später, wer ich bin, ich muss jetzt Schluss machen bis später, ach und sag Marcel vorerst noch nichts von Patrick.“ Mittlerweile waren auch mein Paps, Lilly, Robert und der Psychologe eingetroffen. Ich erklärte Ihnen das ich sofort nach Frankfurt müsse und auch warum.

David

Als ich mitbekam, dass mein Engel sofort nach Frankfurt fliegen würde, zog ich mir noch schnell eine schwarze Windjacke, eine schwarze Basketballkappe und eine schwarze Sonnenbrille an. Da ich bereits eine schwarze Jeans trug, war ich somit komplett in schwarz gekleidet. Für mich stand felsenfest fest, dass ich meinen Engel begleiten würde. Es gab auch merkwürdigerweise keinerlei Einwände dagegen, anscheinend hatten sie wohl gemerkt, dass ein Widerspruch sowieso sinnlos gewesen wäre. Wir gingen gerade durch die Hotellobby, um zu einem Nebenausgang zu gelangen, wo wir dann zum Heli kamen, als plötzlich mein Cousin Toby vor mir stand. Neben ihn war das dann wohl sein bester Freund Felix. Kurzerhand wurde beschlossen, dass die beiden mit nach Frankfurt fliegen würden.

Lilly

Als Daniel uns die Geschichte von diesem Hotelpagen Patrick und Marcel erzählte, war für mich sofort klar, dass wir ihn nicht aufhalten konnten, sofort nach Frankfurt zu fliegen. Und als ich dann auch noch meinen Sohn in seinem komplett schwarzen Outfit sah, war mir auch klar, dass er nicht hierbleiben und darauf warten würde, dass Daniel mit den beiden Jungs zurückkommt. Ich sagte dann nur, dass sie losfliegen sollten und die beiden Jungs hierherbringen sollten, aber Daniel bitte vorher noch dafür sorgen solle, dass dieser Patrick zu mir gebracht würde. Zum einen wollte ich diesen Jungen kennenlernen und zum anderen musste der Junge auch darauf vorbereitet werden, dass dieser Marcel in einigen Stunden hier im Hotel sein würde.

Toby

Ich nahm mir den Rat von meiner Mutter zu Herzen, bestellte ein Taxi für Felix und mich und als ich dem Taxifahrer das Ziel unserer Fahrt mitteilte, wurde Felix mit einem Male seit langer Zeit sehr ruhig. Als wir dann bei dem Hotel ankamen, dachte ich erstmal, da kommen wir niemals im Leben rein. Hunderte von meist weiblichen Fans standen vor einem Zaun und warteten wohl darauf, dass David sich zeigte. Letztendlich kamen wir allerdings doch in das Hotel rein, ich musste zwar meinen Personalausweis vorzeigen, aber anscheinend stand mein Name auf einer Liste, die es mir wohl erlaubte, das Hotel in Begleitung zu betreten, obwohl ich kein Gast des Hotels war. Wir waren gerade auf den Weg durch die Lobby zur Rezeption, als ich einen Pulk von Leuten sah und direkt eine schwarz gekleidete Person erkannte, die eigentlich nur David sein konnte, zumal direkt hinter dieser Person Bob herlief. Eben dieser Bob hatte mich wohl im gleichen Moment erkannt und winkte uns zu ihnen. Als ich dann vor David stand und dieser mich erkannte, war er natürlich erstmal überrascht, zumal wir nicht ausgemacht hatten, dass ich hier und heute im Hotel auftauchen würde. Aber nachdem wir uns dann begrüßt und gegenseitig alle vorgestellt hatten, wurden wir von David dazu verdonnert, mit nach Frankfurt zu fliegen, da ich zitiere: „Sein Engel hätte dort was zu erledigen.“ Als ich David und Daniel auf dem Flug nach Frankfurt so beobachtete, sah ich sehr schnell, dass Felix keine Chance haben würde. Gut, dass war mir sowieso klar, aber Felix merkte dies wohl auch, zumindest sah er so aus. Ihn aber jetzt vor den anderen damit aufzuziehen, dass er ja so toll in David verliebt wäre, unterließ ich dann doch, das wäre zu peinlich für ihn gewesen. Auch wenn er es verdient hätte, da er mir in den letzten Wochen doch ziemlich auf die Nerven damit gegangen war, letztendlich war und ist er mein bester Freund und ich mochte ihn dann doch zu sehr.

David

Als wir dann in Frankfurt in dem Hotel direkt beim Flughafen ankamen, lernten wir dann alle Marcel und seinen besten Freund Chris kennen, also bis auf Daniel, der lernte nur Chris kennen, da er Marcel ja schon kannte. Zumindest waren die beiden ziemlich überrascht, als Daniel mich dann als seinen Boyfriend vorstellte. Nachdem Daniel den beiden dann alles erklärt hatte, schließlich kannte Marcel Daniel nur als einen Jungen, der in einem Jugendheim lebte, zog sich Marcel eine Zeit lang mit dem dafür extra mitgereisten Psychologen zu einem Gespräch zurück. Während dieses Gespräches unterhielten wir uns dann alle mit Chris, wobei dies hauptsächlich Daniel und merkwürdigerweise Toby taten, der wie ich fand, anscheinend sehr an Chris interessiert war. Ich unterhielt mich dann hauptsächlich mit Felix, der anfangs erst etwas zurückhaltend war, aber mit der Zeit dann doch etwas lockerer wurde. Nachdem dann Marcel auch wieder bei uns war und dieser sich dann wieder etwas gefangen hatte, nachdem Daniel ihm erzählte, das er Patrick zufällig gefunden hätte und er diesen in wenigen Stunden wiedersehen würde, machten wir uns alle bereit für den Rückflug nach München.

To be continued…

Vorwort des Autors

Bevor es jetzt mit der eigentlichen Story weitergeht, folgt jetzt im Anschluss die Geschichte von „Marcel“.

Ich hatte erst vor, die Geschichte von Marcel als eigenständige Story zu veröffentlichen, mich dann aber dazu entschlossen, diese an diesen Teil anzuhängen.

Teilt mir bitte durch eure Kommentare, für die ich mich übrigens recht herzlich bei euch bedanken möchte, mit, ob ich solche weiterführenden Geschichten über einzelne Charaktere, hier hin und wieder im Anschluss einer Folge der Hauptstory oder lieber als separate Story veröffentlichen soll.

Oder aber ob überhaupt Interesse an solchen einzelnen Geschichten von einigen Charakteren besteht und wenn ja, welche würde euch am meisten interessieren.

Marcel

Mein Name ist Marcel Björn Sören Martens, ich bin 17 Jahre alt, 172 cm groß/klein, +/- 65 kg, von Natur aus dunkelbraune fast schwarze Haare, meistens jedoch hellblond gefärbt. Sie können aber auch mal rot, grün oder blau sein, kommt auf meine Laune an. Was andere davon halten, ist mir relativ egal. Das ist auch so eine Eigenart von mir, mir ist eigentlich so ziemlich alles egal. Egal wer mit wem, wann, wo, wie, ob jemand seine Sex-Puppe heiraten will oder was auch immer, von mir aus kann er auch seinen Toaster heiraten, geht dann beim Sex bestimmt ziemlich heiß her, aber es interessiert mich einfach nicht. Auf viele wirkt mein Verhalten oft arrogant, das bin ich aber eigentlich nicht, ich denke vielmehr, es liegt an meiner Erziehung.

Aufgewachsen bin ich in unserem Haus mit meinen Eltern, wobei mein Vater eine Schreinerei mit 50 Angestellten besitzt, meinen Großeltern und meiner Uroma. Mein Großvater hat im Laufe seines Lebens mehrere Häuser gebaut und besitzt nun 45 Häuser mit über 180 Wohneinheiten. Dann sind da noch 2 Tanten mit ihren Ehemännern und zwei Cousinen. Also Geld ist in unserer Familie nun wirklich nicht unbedingt ein Thema, es ist einfach da. Und ob gewollt oder ungewollt, wird dir von klein auf irgendwie vermittelt „Mach dir nichts draus, dir kann sowieso keiner was.“ Glaubt jetzt aber nicht das ich nur mit Designerklamotten durch die Gegend laufe. Nee, typisches Outfit von mir sind zerrissene Jeans, ausgewaschener Kapuzenpulli und ausgelatschte Sneakers teilweise mit Panzertape zusammengehalten, weil die Sohle ein Loch hat. Mir gefällts halt und es ist bequem und wie gesagt, was andere Denken ist mir egal.

Mit fünf Jahren war ich das erste Mal so richtig verliebt, mit Schmetterlingen im Bauch, Herzrasen und allem was dazu gehört. Ja richtig gelesen, mit fünf! Wir waren gerade in unserem jährlichen Sommerurlaub in unserem Ferienhaus in Marbella/Spanien, mein Großvater hatte das Anwesen vor 40 Jahren noch zu D-Mark Zeiten für einen Spott-Preis von 250.000 D-Mark gekauft, mittlerweile beträgt der Wert mehrere Millionen Euro. Am zweiten Tag von unserem Urlaub lernte ich Patrick kennen, genauso alt wie ich, blonde Haare, blaue Augen, braungebrannt. Er war Holländer und lebte zu dieser Zeit bei seinem Onkel in Marbella, da sich seine Eltern wohl scheiden ließen oder sowas. Wir sahen uns und es machte „Klick“, wir waren sofort „Best Friends“, die nächsten drei Wochen waren wir unzertrennlich. Am Tag der Abreise lagen wir uns eine Ewigkeit in den Armen und heulten Rotz und Wasser, zum Schluss gaben wir uns einen leichten Kuss auf den Mund. Die Szene muss herzzerreißend gewesen sein, selbst meine Mutter hatte Tränen in den Augen. Im nächsten Jahr war mein Urlaub bereits am ersten Tag zu Ende, als ich erfuhr, dass Patrick wieder bei seiner Mutter in Holland wäre. Meine Eltern versprachen mir zwar, wir würden sie mal in Holland besuchen. Es wurde nie etwas daraus. Noch heute mit 17 denke ich oft an Patrick. Glaubt ihr an „Liebe auf den ersten Blick“? Ich erlebte diesen Moment im zarten Alter von fünf Jahren. Ich weiß noch heute ganz genau, was ich mit fünf Jahren dachte, als ich Patrick das erste Mal sah: „Ok Marcel, du bist also schwul, egal, ich will diesen Jungen da.“ Wenn jetzt einer sagt, dass ist doch gar nicht möglich, doch ist es. Ich wusste auch schon in diesem Alter, was das Wort „schwul“ bedeutete. Der Friseur meiner Mutter, der seit Jahren mindestens 1x die Woche bei uns im Haus ist, ist schwul, für mich war das also nichts Ungewöhnliches. Klar es ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich ändern, aber wie gesagt, ich war mir eigentlich zu 100% schon im Alter von fünf Jahren sicher, dass ich schwul bin.

Die Jahre vergingen, so mit zwölf etwa setzte dann die Pubertät, bei mir als auch bei den meisten meiner Klassenkameraden, ein. Die begannen sich plötzlich für Mädchen zu interessieren und was sie mit denen alles so anstellen würden. Ich hielt mich daraus, ich träumte dagegen, was ich mit den Jungs so alles anstellen könnte, immerhin war ich ja schwul. Man liest ja oft das viele Jungs Probleme damit haben, sich einzugestehen, dass sie schwul sind, wenn sie bemerken, dass sie halt anders sind. Diese Probleme hatte ich nie, es störte mich einfach nicht. Wobei „stören“ eigentlich das falsche Wort ist, was soll mich auch daran stören, die Natur hat aus welchem Grund auch immer vorgesehen, dass es Homosexualität gibt, bei der menschlichen Rasse als auch in der Tierwelt, warum auch immer, es wird schon seinen Grund haben.

Meine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Jungen waren dann auch so etwa zu diesem Zeitpunkt. Alex, der Sohn von der besten Freundin meiner Mutter. Wir waren etwa gleich alt, kannten uns eigentlich seit wir krabbeln konnten, sahen uns oft, wuchsen mehr oder weniger zusammen auf. Wir waren jetzt nicht „beste Freunde“, dazu sahen wir uns dann doch zu selten, aber es war schon immer so, dass er mal bei mir schlief oder ich bei ihm. An irgendeinem Wochenende schlief ich mal wieder bei ihm. Irgendwann fragte er ziemlich zögerlich so „Sag mal, hast du bei dir auch so was gemerkt, so da unten bei dir?“ Im ersten Moment wusste ich gar nicht was er wollte, mir wurde jedoch dann ziemlich schnell klar, was er meinte. So sammelte ich dann meine ersten Erfahrungen. Es blieb nicht bei einem Mal. Es fing langsam an, erst holte sich jeder selbst einen runter, dann nach einiger Zeit fassten wir uns dann halt an, aber immer mit der Anmerkung vom ihm „Er wäre ja nicht schwul“. Ich sagte darauf eigentlich nichts. Dann wieder etwas später ging es bis zum Oralverkehr. Ich wusste, dass er nicht schwul ist, aber das war mir auch egal. Wir waren beide neugierig, hatten unseren Spaß und letztendlich war ich in ihn auch nicht verliebt. Als er dann eine Freundin hatte, endeten unsere Spielchen sofort und auch der Kontakt zu ihm brach dann komplett ab.

Nach Alex fanden sich aber immer wieder Möglichkeiten diese gewonnenen Erfahrungen mit anderen Jungs zu teilen. Sei es auf Partys, Skifreizeiten oder sonst wo. Es ergab sich eigentlich immer wie irgendetwas. Es war eigentlich eine tolle Zeit, diese gewisse Aufregung oder auch Nervosität, wenn man das erste Mal mit jemanden intim wird und das alles, aber irgendwann merkte ich, dass etwas fehlte. Die Jungs waren alle nicht schwul, zumindest nahm ich das halt an. Es war halt die Pubertät, die Neugier und in der Regel immer einmalig. Bei einigen wenigen war es auch mehrmals und ich dachte, naja vielleicht doch schwul, aber es fehlten von meiner Seite aus die berühmten Schmetterlinge, also brach ich es dann immer ab. Das Ganze lief so bis ich ungefähr 15 war. Es wurde schwieriger bis fast unmöglich, jemanden zu finden. Wahrscheinlich hatten halt alle ihre Neugier befriedigt und die, mit den ich mal was hatte, hatten jetzt eine Freundin. Von denen, mit denen ich teilweise mehrmals was hatte, bemerkte ich schon hin und wieder ihre Blicke, aber wie gesagt, es fehlten die Schmetterlinge und so tat ich, als ob ich es nicht bemerken würde.

Dann am ersten Schultag nach den Sommerferien, begann sich mein Leben zu verändern, nicht von jetzt auf gleich, aber langsam, stetig, unaufhaltsam. Mein über alles geliebter Klassenlehrer Dr. Becker betrat den Klassenraum. Naja, um ehrlich zu sein, hatte ich mit meinem Klassenlehrer eine doch eher etwas komplizierte Beziehung und um ganz ehrlich zu sein, wir beide hassten uns gegenseitig abgrundtief. Um es kurz zu machen, er unterrichtet unter anderem Religion, mein Spitzname unter den gläubigen Mitschülern dieser hochelitären Bildungseinrichtung lautet „Antichrist“. Es kann sich wohl jeder vorstellen, dass wir uns nicht besonders gut verstanden. Obwohl ich vom Religionsunterricht befreit war, versuchte er mir das Leben zur Hölle zu machen. Es endete damit, dass sich nun in seiner Personalakte eine dicke, fette Abmahnung befindet. Ich war für ihn nunmehr unantastbar und das Schlimmste daran für ihn zumindest, er wusste, dass ich das auch weiß. Wir reden kein einziges Wort miteinander. Er schaut mich immer nur wütend an und ich grinse selbstgefällig zurück. Ganz nach dem Motto: „Los komm schon, trau dich.“ Aber zurück zum eigentlichen. Er stand da nicht alleine, neben ihm stand ein neuer Schüler.

Christoph „Chris“ Kammer, ein Jahr älter als ich, gleich groß oder auch klein, blonde, kurze verstrubbelte Haare, schlank mit einem unheimlich niedlichen Gesicht mit einer süßen Stupsnase. Man sah es ihm nicht an, aber er war stark, sehr stark. Im letzten Jahr sitzengeblieben, musste jetzt auf unsere Schule wechseln, da es an seiner alten Schule einen Vorfall gegeben hatte. Ich wusste zwar nicht genau, was passiert war, aber ich konnte es mir vorstellen, mal wieder zugeschlagen und dann erst Fragen gestellt, falls überhaupt. Es reichte bei ihm schon aus, wen man ihm Weg stand, ihm dein Gesicht nicht passte oder was auch immer, frei nach dem Motto „Erstmal die Faust ins Gesicht und dann weitersehen.“

Mein Blick fiel auf René, der mit panischem und ängstlichem Gesicht auf Chris starrte. Naja kein Wunder dachte ich mir noch so, der Ruf von Chris ist nicht gerade der Beste. Doch dann realisierte ich, dass der einzig freie Stuhl im Raum genau der neben René war. Ich musste jetzt schnell handeln, ansonsten würde spätestens zur nächsten Pause das erste Blut fließen. Zum Glück spielten mir zwei Zufälle in die Hände. Zum ersten René, er war einer der wenigen Personen, mit der ich gewisse Praktiken mehrmals aneinander ausprobiert hatte. Bei René war ich mir eigentlich zu 100% sicher, dass er schwul ist, was uns zum zweiten Zufall führt, Thomas meinem Sitznachbar. Thomas gehörte ebenfalls zu diesem „elitären“ Personenkreis, wobei ich mir bei ihm aber nicht ganz so sicher war. Da ich jedoch keine große Zeit für langwierige Erklärungen hatte, fragte ich ihn einfach: „Kannst du dich bitte neben René setzen, damit Chris sich neben mich setzten kann?“ Erst schaute er mich erschrocken an, dann zu René, dann zu Chris und wieder zurück zu mir. Der erschrockene Gesichtsausdruck wich langsam Erkenntnis, ein leichtes Lächeln formte sich auf seinem Gesicht sowie ein leichtes Nicken, das er einverstanden wäre. Warum mir in genau diesem Moment in den Sinn kam, dass mindestens drei schwule in unserer Klasse überdurchschnittlich hoch sind, weiß ich auch nicht. „Chris setz dich neben mich, Thomas setzt sich zu René!“, sagte ich laut. Alle erstarrten und schauten mich an. Das war keine Bitte, die ich geäußert hatte, das war ein unmissverständlicher, glasklarer Befehl, der keinerlei Widerspruch duldete. Das war jedem in diesem Raum unweigerlich klar.

Totenstille – Da war er, der Showdown, das Endspiel. Jedem im Raum, mit Ausnahme von Chris, war klar, das dieser Zeitpunkt irgendwann kommt, ja kommen musste. So wie es war, konnte es auf Dauer nicht weitergehen. Dr. Becker schaute mich an, ich schaute ihn an. Jeder, der mich auch nur ein halbwegs kennt und ich ihm so anschauen würde, würde wissen, was zu tun ist. Rennen, einfach nur Rennen und zwar so schnell wie möglich und so weit wie möglich. Ich schaute Dr. Becker nur an, blinzelte nicht, schaute nur, sah wie er im Kopf berechnete, kalkulierte, es verwarf, neu berechnete, wieder verwarf. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit „Christoph, setz dich neben Marcel.“ Da war er, der Sieg, die Kapitulation, ich hatte gewonnen. Ich sah Dr. Becker immer noch an und nickte ihm leicht zu, er nickte zurück. Das Kriegsbeil wurde begraben, wir würden keine Freunde werden, aber der Krieg war vorbei. Chris setzte sich neben mich, schaute mich an und fragte nur „Was war das denn?“ – „Später“, war alles, was ich darauf sagte.

Bevor ihr jetzt denkt, wie mutig von Marcel, nee hat nichts mit Mut zu tun, ich weiß einfach, dass mir von Chris keine Gefahr droht. Chris kennt mich, seit ich auf der Welt bin, wir sind Nachbarn. Früher hatte ich oft mit Chris gespielt, aber als er dann in die Schule kam, trennten sich unsere Wege.

Die Wochen vergingen, Chris und ich wurden unzertrennlich. Wo der eine war, war der andere nicht weit. Chris wohnte eigentlich mehr oder weniger bei mir. Zum einem ist mein Zimmer ungefähr doppelt so groß wie seins und er muss es auch noch mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder teilen. Hausaufgaben zu zweit gingen auch irgendwie schneller und hatte den Vorteil, was der eine nicht wusste, wusste dann meist der andere, hatte also sogar noch einen zusätzlichen Lerneffekt. Schlafen war auch kein Problem, mein Bett ist mit 1,80x2,00 Meter groß genug. Vor allem Chris Eltern waren mit dieser Entwicklung sehr zufrieden, da Chris sich von seinen alten Freunden immer mehr zurückzog. Bitte jetzt nicht falsch verstehen, Chris wurde und ist nicht mein Boyfriend, aber er wurde zu etwas, was ich in dieser Form halt auch noch nie hatte, nämlich zu meinem „besten Freund“, die fast keine Geheimnisse voreinander hatten.

Bei Chris klang anscheinend die rebellische Phase der Pubertät ab, er wurde ruhiger, ausgeglichener, gut ab und zu war er schon nochmal in eine kleine Schlägerei verwickelt, er fing aber keine mehr von sich aus an. Bei mir fing diese Phase der Pubertät, vor der sich wohl die meisten Eltern fürchten, langsam an und schlug immer heftiger mit voller Wucht zu. Ich fing an zu rauchen, zu trinken und kannte dabei oft kein Maß, wurde trotzig und patzig und was weiß ich nicht noch alles. Chris beobachtete das mir voller Sorge, auch meine Eltern, sie hatten aber genug vertrauen in Chris, dass er mich davon abhalten würde zu arg über die Strenge zu schlagen. Dann an einem Samstagabend, wir wollten uns mal nach langer Zeit wieder mal mit den alten Kumpels von Chris treffen, passierte etwas, dass mich zumindest zum Teil aus dieser Phase rausholte. Chris würde etwas später kommen, da sein kleiner Bruder sich den Arm gebrochen hatte und er noch solange warten musste, bis er den Gipsverband hätte. Ich machte mich also langsam auf den Weg zu unserem Treffpunkt. Als ich dort ankam, hörte ich schon den ersten dummen Spruch: „Na, wo hasste denn deinen Bodyguard gelassen“ - „Der kommt später, aber für euch drei Luschen brauch ich keinen“, gab ich als Antwort frech zurück und grinste sie dabei fies an und nahm mir eine Flasche Bier. Ok, die Antwort war gewagt, zum einem könnte jeder der drei mich einzeln ungespritzt in den Boden schlagen, zum zweiten mochten sie mich nicht. Ich wurde zwar von ihnen akzeptiert, aber nicht respektiert. Wenn sie könnten, wie sie wollten, würde ich bestimmt hinter der Mauer liegen, als auf einer Bank zu sitzen, die sich vor dieser Mauer befand. Erwähnte ich bereits, dass sich unser Treffpunkt am örtlichen Friedhof befand, wenn nicht ist dies nun hiermit geschehen und ihr könnt euch somit also ausmalen, was sich wohl hinter dieser Mauer befindet. Ich konnte mir diese große Klappe erlauben, sie würden mir kein Haar krümmen. Sie wussten, dass Chris sie finden würde und sie wussten auch ganz genau, dass sie keine Chance hätten. Ich wollte mir gerade eine Kippe aus meiner Packung nehmen, als ich feststellte, das diese leer war. Fluchend zerknüllte ich diese und warf sie neben mir auf den Boden. Marcus grinste mich an, griff in seinen Rucksack und reichte mir eine kleine silberne Box. Ich schaute ihn skeptisch an, öffnete diese aber und entnahm dieser eine Kippe. Ich wollte mir diese gerade anzünden, als wie aus dem nichts Chris vor mir stand, er schlug mir mit voller Wucht die Kippe aus dem Mund, dann die Box mit den Kippen aus der anderen Hand und schließlich bekam ich eine Ohrfeige von Chris, die sich gewaschen hatte. Dann schrie er mich an: „Wenn ich dich noch einmal mit Drogen sehe oder du auch nur daran denken solltest, verspreche ich dir, ich schlage dich Windelweich“ – „Drogen, was für Drogen, ich wollte keine Drogen“, flüstere ich nur und fing fürchterlich an zu zittern. Daraufhin nahm er mich in die Arme und beruhigte mich. Die drei, die bemerkt haben, dass sie wohl einen großen Fehler begangen hatten, versuchten leise zu verschwinden, da Chris ja mit seinem Rücken zu ihnen stand. Er hörte es dennoch. „Bleibt hier, ich finde euch sowieso“, fauchte er nur leise. Die drei blieben sofort wie angewurzelt stehen. Als ich mich langsam etwas beruhigt hatte, ließ Chris mich los und dreht sich zu den drei um. „Es war doch nur ein kleiner Spaß“, versuchte Marcus die Situation zu retten. „Ach so, das war nur ein kleiner Spaß, dann ist ja alles in Ordnung oder? Aber jetzt nur nochmal kurz, damit ich das auch richtig verstehe, mein Cousin Theo, ihr wisst doch, der da an so einer „spaßigen“ Drogenüberdosis gestorben ist. Das ist also Spaß, verstehe ich das jetzt richtig? Irgendwie kann ich darüber nicht so richtig lachen“. Chris erwartete auf seine rhetorisch gestellte Frage keine Antwort, er gab ihnen allerdings auch gar keine Zeit zu antworten. Es dauerte nur wenige Sekunden und die drei lagen mit gebrochenen Nasen und wahrscheinlich mehreren angebrochenen Rippen im Dreck. Dann zertrat Chris mit seinen Schuhen die Kippen, die jetzt alle auf dem Boden lagen mit seinen Schuhen. „Ihr solltet euch ernsthaft überlegen, aus der Stadt zu verschwinden, sehe ich auch nur einen von euch in der Nähe von Marcel, glaubt mir, ich werde dann nicht mehr so nett zu euch sein.“ Er kam wieder zu mir, legte seinen Arm um meine Schulter und wir gingen nach Hause. Ich habe die drei bis heute nicht mehr gesehen.

Nachdem mir Chris dann noch mal gehörig den Kopf gewaschen hatte, wobei wir uns dabei teilweise heftig anschrien, da ich das alles eigentlich nicht hören wollte. Ich wollte es nicht hören, da ich innerlich wusste, das Chris mit allem im großem und ganzem Recht hatte. Zumindest nahm ich mir vor, mich ein wenig zusammenzureißen. Ich rauchte zwar immer noch, aber weniger und den Alkoholkonsum reduzierte ich auch, auf nur hin und wieder mal ein oder zwei Bier. Schwieriger war es aber meine Wut, die ich oft auf fast alles und jeden hatte, zu kontrollieren oder alles zu hinterfragen und anzuzweifeln, egal was einem gesagt wurde. Schließlich hatte man ja den Durchblick, wie es so auf der Welt läuft und alle anderen können das ja anscheinend nicht sehen oder sind einfach zu dumm dazu. Ich denke mal, die meisten von euch, die diese Phase der Pubertät durchlaufen haben, kennen dieses Gefühl.

Mein sechzehnter Geburtstag stand an und es sollte eine große Party geben, auf welche ich überhaupt keinen Bock hatte. Mir ging mal wieder alles auf die Nerven, vor allem die ganzen Hühner, die mir die ganze Zeit hinterherliefen und was von mir wollten, wenn es ja wenigstens Jungs gewesen wären. Nee, die Jungs liefen mir nicht hinterher, die waren alle sauer auf mich, da die ganzen Hühner mich als ihren neuen Schwarm auserkoren hatten. Ich konnte es nicht nachvollziehen, schließlich hatte ich einen fetten Pickel auf der Stirn und kaum war dieser mal weg, tauchte er kurz darauf an anderer Stelle wieder auf. Es war zum verrückt werden. Der Tag der Party, demzufolge auch mein Geburtstag, waren gekommen und es herrschte auch eigentlich eine super Stimmung. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und das einzige Problem war eigentlich Katja aus meiner Parallelklasse. Stellt euch die Anführerin der Cheerleader aus einer typisch amerikanischen High-School Serie vor und Voilà, ihr habt Katja. Sie hing die ganze Zeit an mir wie eine Klette. Kaum das Katja mal kurz weg war, stand Chris bei mir und drückte mir erstmal ein Glas Wasser in die Hand und wollte kurz mit mir reden. Nachdem wir uns ein Stück von den anderen entfernt hatten, kam vom ihm für mich völlig unerwartet „Was wird das da eigentlich mit Katja, willst du dir was beweisen oder mir, den anderen Jungs? Marcel ich bin nicht blind, du willst das doch gar nicht.“ – „Und was will ich? Erleuchte mich, den ich scheine es nicht zu wissen was ich will“, gab ich patzig als Antwort. „Vielleicht einen Freund?“ – „Ich habe einen Freund, falls du es vergessen hast, dich!“ – „Ich weiß, dass ich dein Freund bin, dein bester Freund nebenbei bemerkt, ich meinte auch eher … einen Boyfriend“ – „Woher …?“ Er nahm mich darauf hin einfach nur in seine Arme und versicherte mir, dass alles in Ordnung wäre und sich zwischen uns nichts ändern würde. Chris wich mir an diesem Abend nicht mehr von der Seite, was Katja ziemlich anpisste, aber das war mir sowas von egal. Wieder einmal hatte mich Chris vor einer großen Dummheit bewahrt, denn das mit Katja hätte mit ziemlicher Sicherheit in einer mittleren Katastrophe geendet.

Ich war und bin kein Einser Schüler, in den meisten Fächern habe ich eine 2 bei manchen eine gute 3 und ab und an zeigte sich auch mal eine schüchterne 1. Meine Lehrer waren allerdings der Ansicht, während der Hochkonjunktur meiner Pubertät, diese Noten etwas nach oben korrigieren zu müssen. Mit einer Ausnahme, Sport. Was aber wohl daran gelegen haben dürfte, dass es meinem Sportlehrer nicht gestattet war, mit eine 7 zu geben. Ja Sport und Marcel vertragen sich genauso wie Feuer und Wasser. Schütte Wasser auf Feuer, dann ist das Feuer weg, das Wasser verdampft und der Rest sickert in den Boden, letztendlich ist alles weg, es passt einfach nicht. Wenn ihr jetzt denkt, hat der Typ nicht mal was von Skifreizeit erzählt, ja stimmt, aber für mich war das mehr Freizeit als Ski. Ich hatte da andere Sachen im Sinn. Der Sportunterricht fand im Allgemeinen ohne mich statt, das lag daran, dass ich mir erst gar nicht Mühe machte, dort überhaupt zu erscheinen. An den seltenen Tagen, wo ich mich doch mal in die Sporthalle verirrte, saß ich auf einer Bank und machte Hausaufgaben. Der Lehrer machte sich nicht mal mehr die Mühe zu fragen, was ich dieses Mal hätte. Er schrieb wahrscheinlich irgendwas auf, Kopfschmerzen, Migräne, Bauchschmerzen, Sportzeug vergessen. Wobei ich dieses gar nicht vergessen konnte, was man nicht hat, kann man auch nicht mitbringen, demzufolge auch nicht vergessen. Meine Note stand demnach schon zu Beginn eines jeden Schuljahres vom Anfang an fest. Wobei ich die Benotung im Sport sowieso generell unfair finde, da dürfte im Zeugnis meiner Meinung nach eigentlich nur „Teilgenommen“ oder halt „Nicht teilgenommen“ stehen.

Keine Ahnung, was in diesem Jahr mit meinem Vater los war, als er mein Zeugnis sah. Gut, es war wirklich schlecht, schlechter als von mir erwartet. Neben der obligatorischen 6 in Sport (mit der hatten sich meine Eltern schon lange abgefunden) waren da noch 3x die Note 5 der Rest waren 4er, lediglich eine einzige 3 war sonst noch vorhanden. Also wirklich keine Glanzleistung von mir. Wahrscheinlich kam bei ihm alles zusammen, Stress im Job, meine Launen, die fast jedem im Haus zur Verzweiflung brachten und jetzt auch noch das schlechte Zeugnis. Er schob mir nur drei Prospekte von Internaten über den Tisch zu und meinte, dass ich mir davon eins aussuchen könnte. Erstmal schaute in ihn ziemlich verwirrt an, dann widmete ich mich diesen Prospekten. Zwei davon waren gemischte Internate und dann noch ein reines Jungeninternat. Dieses schaute ich mir natürlich zuerst mit großem Interesse an. Da waren sehr viele Bilder von sehr süßen Jungs drin, ja, da könnte man sich wohlfühlen. Ich schob ihm das Prospekt zu und sagte „Das da, wann geht’s los?“ Jetzt war er an der Reihe verwirrt zu schauen „Das ist ein Sportinternat“, sagte er dann doch recht verwirrt. „Ich weiß, steht ja dick und fett vorne drauf, aber wenn du schon bereit bis, dafür 50.000 Euro im Jahr auszugeben, bin ich auch bereit mich sehr intensiv einer Sportart zu widmen, auch wenn ich bezweifle, dass diese Sportart benotet wird. Du verstehst, Matratzensport!“, sagte ich und grinste ihn dabei an. „Tja, Pech gehabt, das ist nicht nur ein Sportinternat, sondern auch ein reines Internat für Jungen“, meinte er triumphierend. „Auch das weiß ich, schließlich kann ich lesen, auch wenn mein diesjähriges Zeugnis das vielleicht nicht vermuten lässt. Aber du weißt schon, dass Sex auch zwischen zwei Jungs möglich ist so mit Schniedel in Popo und so.“ Ich stand auf und ging zur Tür, blieb nochmal kurz stehen und fragte, wann es denn jetzt losgehen würde, damit ich dann rechtzeitig meine Sachen packen konnte, ich bekam keine Antwort. Ich zuckte nur mit den Schultern, dann halt nicht, dachte ich mir, das wars dann wohl mit dem Internat. Schade eigentlich, wäre bestimmt lustig geworden. Später am Abend tauchte dann meine Mutter bei mir im Zimmer auf und meinte nur grinsend „Das hättest du deinem Vater auch etwas schonender beibringen können“, und warf mir dabei eine kleine Tüte zu. Ich hatte schon eine Vermutung was sich darin befand und ein kurzer Blick bestätigte dies auch, Kondome und Gleitgel. „Also Mama wirklich, das reicht ja gerade mal für einen Abend“ – „Tja, dass mein Lieber ist dein Problem, entweder übst dich in Abstinenz oder teilst dir dein Taschengeld besser ein“, meinte sie nur und schwebte aus meinem Zimmer. „Und übrigens Chris ist nicht mein Boyfriend falls du das denken solltest“, rief ich ihr hinterher. „Schade eigentlich, ihr wärt ein so süßes Pärchen“, meinte sie nur. Süß, also wirklich, ich konnte nur noch mit meinem Kopf schütteln.

In den Sommerferien waren wir wie üblich in unserem Haus in Marbella. Chris war in diesem Jahr auch dabei, seine Eltern machten in diesem Jahr eine Kreuzfahrt und Chris weigerte sich strikt daran teilzunehmen. Ein Boyfriend war leider immer noch weit und breit nicht in Sicht, aber zumindest hatte ich Chris, an den ich mich kuscheln konnte. „Was ich dich die ganze Zeit schon mal fragen wollte, warum bist du am Strand eigentlich immer so komisch. Es kommt einem so vor, als wenn du was suchen würdest, aber nicht finden kannst und dann wirkst du so deprimiert“, fragte er mich eines Abends, als wir schon im Bett lagen. „Ja, wenn ich hier bin, muss ich immer oft an Patrick denken, unterbewusst suche ich ihn wahrscheinlich immer und bin dann halt enttäuscht, wenn ich ihn nicht finde.“ – „Hast du mal versucht, ihn zu finden? In Holland meine ich.“ – „Nein, wie denn auch. Alles was ich weiß, ist, das er 16 ist, Patrick heißt und vor 11 Jahren hier in Marbella wohnte. Seinen Nachnamen habe ich vergessen, falls ich ihn überhaupt kannte, ich kann mich zumindest nicht daran erinnern. Sein Onkel lebt auch nicht mehr hier und meine Eltern haben auch keine Adresse. Ist wahrscheinlich auch besser so. Ich meine, ich war fünf Jahre alt, als ich mich in ihn verliebte, wer sagt mir denn, dass er genauso gefühlt hat. Das ist jetzt elf Jahre her, wahrscheinlich kann er sich noch nicht mal mehr an mich erinnern. Wenn er jetzt vor mir stehen würde und er sich nicht mehr an mich erinnern würde, ich glaube das würde ich nicht verkraften, da belasse ich es lieber bei der Erinnerung.“ An diesen Abend schlief ich mit Tränen in den Augen, angekuschelt an Chris, der mir sanft den Rücken streichelte ein.

In der Schule hingen Chris und ich jetzt meist mit Thomas und René ab, es hatte sich eine lockere Freundschaft zwischen uns entwickelt. Ja, Thomas und René sind wirklich zusammengekommen und sind ziemlich glücklich. Das Outing von den beiden kam auch relativ überraschend. Es war in einer kleinen Pause und alle waren in der Klasse, da es sich ja nicht lohnt, irgendwo hinzugehen, als Thomas René irgendwas erzählte. René war davon anscheinend so überrascht und erfreut, dass er Thomas um den Hals fiel und diesen doch recht heftig küsste, er hatte total vergessen, wo sie sich befanden. Als sie es dann bemerkten, kam von Thomas nur ein „Ups“ und René war knallrot im Gesicht und schaute auf den Boden. Chris und ich grinsten, der Rest klatsche oder johlte laut. Es gab also zumindest in unserer Klasse keine Probleme. Außerhalb sah es nicht ganz so aus, da waren schon ein paar, denen es nicht passte, da aber bekannt war, dass sie ja auch mit Chris befreundet sind, traute sich wohl keiner was zu sagen, zumindest nicht direkt. An einem Freitagnachmittag waren Chris und ich mit den Zweien im Rainbow-Café in der Nähe vom Bahnhof verabredet. Chris musste kurzfristig absagen, da sein kleiner Tollpatsch von Bruder sich beim Sport die Schulter ausgekugelt hat (Ich sag ja, Sport ist Mord) und von Thomas kam eine SMS, dass sie doch leider nicht kommen könnten, sie hatten den Geburtstag von Renés Mutter vergessen, wo sie unbedingt hinmüssten. Also saß ich da alleine im Café und schaute mich so um. Da fiel mir an der Bar ein Typ auf. Eigentlich so gar nicht mein Typ. Schwarze Harre, etwas so alt wie ich, minimal größer als ich (was ja auch nicht besonders schwer ist) und eine Brille a la Harry Potter, die ihm aber ausgesprochen gutstand. Ich, cool wie ich war, ging also an die Bar und bestellte mir eine Cola und kam mit ihm ins Gespräch. Er hieß Marco, war 17 Jahre alt und kam aus der Nachbarstadt, würde aber jetzt bei seinem Opa im Haus in einer kleinen Kellerwohnung wohnen, da er bald eine Ausbildung hier in der Stadt anfangen würde.

Cola wechselte zu Bier und wir redeten stundenlang. Essen haben wir komplett vergessen, in meinem Bauch wäre auch kein Platz gewesen, da waren hunderte von Schmetterlingen unterwegs, ich hatte mich total in Marco verliebt. Wir verbrachten die Nacht zusammen und wir hatten traumhaft geilen Sex, wenn ich ehrlich bin, ging es mir eigentlich zu schnell, aber ich war über beide Ohren in ihn verliebt. Bei meinen früheren „Dates“, wenn man es so nennen will, war das anders, da war von beiden Seiten keine Liebe im Spiel, da ging es von vornerein nur um Sex, da konnte es eigentlich nicht schnell genug gehen. Bei Marco war das anders, da hätte ich gewartet, aber letztendlich war es egal, ich hatte endlich einen Boyfriend den ich liebte.

Fortan unternahmen wir ständig was zusammen, Restaurants, Cafés, Kino, Sauna und, und, und. Meist war auch Chris dabei und ab und an auch Thomas und René. Ich verliebte mich von Tag zu Tag mehr in ihn, die Monate vergingen und ich schwebte auf Wolke 7 und war glücklich. Tja, glücklich bis zu dem Morgen, als er anrief und mir am Telefon mitteilte, dass Schluss wäre und er einen neuen Freund hätte. Wünschte mir noch alles Gute und ich solle es nicht zu schwernehmen und ihn nicht mehr anrufen. Ich konnte gar nichts sagen, denn er hatte schon aufgelegt. Was soll ich sagen, ist doch ein super Start in den Tag und ein tolles Geschenk zum siebzehnten Geburtstag oder.

Die nächsten zwei Wochen waren der reinste Horror, ich versank in Selbstmitleid, Grübeleien und keiner konnte mich aufheitern. Der Einzige, der halbwegs an mich herankam, war Chris. Er sagte nicht viel, war einfach da, nahm mich einfach in den Arm, wenn ich wieder mal einen Weinkrampf hatte, achtete darauf, dass ich genug trank und aß. Wie gesagt, er redete nicht viel, schon gar nicht über Marco. Ich weiß, dass er den am liebsten grün und blau geschlagen hätte, dann in seine Einzelteile zerlegt und diese dann mit mehreren Raketen ins All geschossen hätte. Die beiden wurden nie richtig warm miteinander, aber er akzeptierte ihn, da er mich ja glücklich machte, zumindest bis vor kurzen.

Da saß ich nun alleine in meinem Zimmer und grübelte vor mich hin. Meine Eltern waren gerade rüber zu unseren Nachbarn, um Geburtstag zu feiern und da es sich um Chris Vater handelte, der Geburtstag hatte, war Chris natürlich auch mal zu Hause. Ich grübelte über meine Beziehung zu Marco nach. Jetzt so im Nachhinein betrachtet, gab es schon Anzeichen, dass er mich vielleicht doch nicht ganz so liebte wie ich ihn. Aber entweder war ich blind vor Liebe oder wollte es nicht sehen. Aber egal, wenn er jetzt hier wäre, ich würde ihn sofort zurücknehmen und ihm alles verzeihen. Auch wenn ich tief in meinem inneren wusste, dass es nie mehr so sein würde wie zuvor. Zweifel wären immer da, jeder Blick, jede Geste würde auf die Goldwaage gelegt und das würde über kurz oder lang zum Ende führen, also genau zu dem Punkt wo ich mich gerade befand. Ich merkte, wie ich immer tiefer in ein Loch fiel. Automatisch holte ich mir aus dem Schrank zwei große Flaschen Jägermeister. Die Mühe, mir ein Glas zu nehmen, machte ich mir erst gar nicht, ich trank direkt aus der Flasche. Aus meinem Schreibtisch nahm ich eine Tüte mit allen möglichen Tabletten und meine Schreibmappe mit. Ich setzte mich vor meinem Couchtisch und begann drei Briefe zu schreiben. Mit jedem Schluck aus der Flasche nahm ich 2-3 Tabletten. Der erste Brief war für meine Eltern, in dem ich ihnen sagte, dass sie die besten Eltern wären, die sich ein Sohn nur wünschen konnte und sie sich keine Vorwürfe machen sollten, sie hätten nichts falsch gemacht und ich sie lieben würde. Der zweite Brief war für Chris, dass er der beste Freund wäre, den man sich nur wünschen könne, er weiterhin ein Auge auf Thomas und René haben solle, er sich bitte auch keine Vorwürfe machen soll und auch das ich ihn lieben würde. Der dritte Brief war für Patrick, ich erzählte ihm, wie ich mit fünf Jahren in ihn verliebte, immer wenn ich in Marbella war, ihn suchte und nicht fand, ich heute noch oft an ihn denken musste. Ich natürlich nicht wüsste, ob er auch je so für mich empfunden hat, ich ihn aber immer lieben würde. Die beiden Flaschen Schnaps waren fast leer und die letzten drei Tabletten waren gerade in meinem Mund verschwunden, als mein Handy klingelte. Benommen griff ich danach, die Nummer konnte ich nicht erkennen, es war alles so verschwommen. Ob von meinen Tränen die mir ununterbrochen liefen, vom Schnaps oder den Tabletten, wahrscheinlich von allem etwas. Irgendwie schaffte ich es den Anruf anzunehmen. „Hi Marcel, hier ist Daniel, du weißt schon wir hab…“, mehr hörte ich nicht, mein Handy fiel aus meiner Hand, da ich keine Kraft mehr hatte es zu halten. Mit vernebeltem Blick bekam ich noch mit, wie sich meine Zimmertür öffnete und Chris eintrat, innerhalb Sekunden hatte er die Situation erfasst, er sah die leeren Schnapsflaschen, die leeren Tablettenblister und die drei Briefe. Dann wurde mir schwarz vor Augen.

Als ich wach wurde, dachte ich, dass mein Kopf kurz vorm explodieren wäre, solche Kopfschmerzen hatte ich. Ganz vorsichtig öffnete ich meinen Augen nur einen kleinen Spalt. Links von mir saß Chris auf einem Stuhl und hielt meine Hand und streichelte sie, er hatte total rote verheulte Augen. Auf der rechten Seite saß meine Mutter ebenfalls meine andere Hand streichelend sowie mein Vater, beide ebenfalls mit verheulten, roten Augen. Kurz darauf erschien ein Arzt, anscheinend hatten die Maschinen einen Alarm ausgelöst und ihnen mitgeteilt, dass ich wach wäre. Nach einer kurzen Untersuchung von diesem Arzt bekam ich noch ein Schmerzmittel und schlief sofort wieder ein.

Das nächste Mal wurde ich wach, als mein Bett gerade über einen Krankenhausflur geschoben wurde und wir anscheinend vor einem Fahrstuhl warteten. „Ach, ist unser Prinz auch schon wach, kommst jetzt erst nochmal für ein paar Stunden auf Station, wir brauchen das Bett auf der Intensiv. Morgen früh wirst du dann abgeholt und kommst erstmal ein paar Wochen in die Klapse.“ Was für ein Arschloch, dachte ich mir nur, sagte aber nichts, auch weil ich meiner Stimme nicht traute. Von wegen Klapse, wenn der glaubt, dass ich morgen früh noch hier bin, hat er sich aber geschnitten. Nachdem ich dann alleine in einem Krankenzimmer war, wartete ich vielleicht 15 Minuten und stand dann ziemlich wackelig auf. Zum einen, da ich dringend auf Toilette musste und zweitens um die Lage zu peilen, um hier abzuhauen. Zum Glück hatten meine Eltern wohl eine Tasche mit Kleidung mitgebracht, jedenfalls lag eine auf meinem Bett. Ich zog eine Jogginghose und ein T-Shirt und einen Kapuzenpulli und Turnschuhe an, mit den restlichen Sachen formte ich im Bett einen Körper nach, sodass man bei einem oberflächigen Blick denken konnte, ich würde schlafen und machte mich dann vom Acker. Kaum war ich aus dem Krankenhaus raus, stellte sich die Frage wohin jetzt, zu meinen Eltern, dann wäre ich wahrscheinlich schneller wieder im Krankenhaus als mir lieb wäre, blieb also nur Chris. Zum Glück hatten seine Eltern letztes Jahr das Grundstück hinter ihrem kaufen können und so einen Anbau an ihr Haus klatschen können, sodass Chris jetzt eine eigene Wohnung in eben diesem Anbau hatte und sich sein Zimmer nicht mehr mit seinem kleinen Bruder teilen musste. Ein weiterer Vorteil, er hatte einen eigenen Eingang, so dass ich nicht bei seinen Eltern klingeln musste, dann hätte ich auch gleich nach Hause gehen können, das Ergebnis wäre wahrscheinlich das gleiche gewesen. Mein Geldbeutel war ja in der Tasche, aber kein Handy, also erstmal ein Taxi suchen.

Als ich dann endlich ein Taxi gefunden hatte und nach einer rund 20 Minuten langen Fahrt bei Chris vor der Tür stand, war ich doch recht zittrig auf den Beinen. Als Chris die Tür öffnete und mich sah, spiegelte sein Gesichtsausdruck mehrere Emotionen gleichzeitig wider, freudig, überrascht, besorgt, panisch und vor allem stinksauer. Ich rechnete schon mit einer saftigen Ohrfeige, aber anscheinend verschob er das aufgrund meines elenden Aussehens auf später. Aber dass da noch was kommen würde, darüber war ich mir zu 100% sicher, ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er mich damals zusammengestaucht hat und mir angedroht hat mich Windelweich zu prügeln, wenn ich auch nur noch einmal mit Drogen in Berührung komme, ich denke mal eine Tablettenüberdosis in Verbindung mit Schnaps fällt bei ihm unter Drogen.

Er zog mich sofort in die Wohnung und schloss die Haustür, dann brachte er mich in sein Wohnzimmer, sagte, ich solle mich setzten und ließ über ein Kontrollfeld sämtliche Rollladen runterfahren. Dann setzte er sich zu mir. Ich hatte schon wieder Tränen in den Augen und konnte ihm nur sagen, wie leid mir alles tun würde. Er winkte nur ab und meinte „später“, er wirkte total panisch und überfordert. Dann nahm er sein Handy, suchte eine Nummer und rief diese an. „Ja, Hi hier ist Chris, du Daniel Marcel ist hier bei mir, nein, da ist er getürmt, hier bei mir zuhause. Ja, das ist mir klar, deshalb bin ich ja so durch den Wind. Ja ich warte“, hörte ich ihn ins Handy sprechen. Während er wartete veränderte sich sein Gesichtsausdruck ständig, er hörte anscheinend, was dieser Daniel sagte. „Ja, weiß nicht, doch beim Friedhof, Ahornstraße Ecke Erlenweg, 20 Minuten, schwarzer BMW-SUV, Hotel, du kommst her aber, Ok, Daniel, wer bist du eigentlich? Ja mach ich, ja ist klar, OK bis dann.“ Jetzt schaute er mich wirklich total verwirrt an. Er schaltete sein Handy komplett aus und meinte nur, komm wir müssen weg. „Warum hast du dein Handy ausgeschaltet und wohin müssen wir?“, fragte ich ebenfalls total verwirrt. „Mann du Depp, du bist aus dem Krankenhaus abgehauen, es gibt mit Sicherheit eine richterliche Anweisung, dass du eingewiesen wirst nach der Scheiße, die du dir da geleistet hast und wenn die merken, dass du weg bist, was meinst du wo die Bullen zuerst nachschauen und Handys kann man orten, los jetzt, wir müssen los.“

Nach etwa zehn Minuten waren wir bei dem Treffpunkt am Friedhof, es dauert keine weitere fünf Minuten, als ein dicker schwarzer BMW vor uns hielt. Der Fahrer ließ die Scheibe runter und fragte uns ob wir Marcel und Chris wären. Als wir dies bejahten, sollten wir einsteigen, wir hatten kaum die Tür richtig zu, fuhr der Wagen auch schon los. Chris und ich sprachen kein Wort, wir waren beide viel zu sehr verwirrt über diese ganze Situation. „Wo fahren wir eigentlich hin?“, traute ich mich dann doch den Fahrer zu fragen. „Marriott Flughafenhotel. Ich frage mich echt, wer ihr beiden seid“, meinte der Fahrer nur, fragte aber nicht weiter. Als wir in die Tiefgarage des Hotels fuhren, standen dort jede Menge schwarze SUVs. Als unserer Fahrer den Wagen parkte, meinte er noch, wir sollten noch kurz sitzen bleiben, er stieg aus und ein weiterer Security-Mitarbeiter kam auf ihn zu und gab ihm eine Schlüsselkarte. Erst dann sollten wir ihm folgen, wir gingen zu einem bereits geöffneten Aufzug, unser Fahrer hielt die Karte an einen Scanner und der Aufzug setzte sich in Bewegung. Als wir im obersten Stockwerk ankamen, fielen mir sofort die ganzen Security-Mitarbeiter auf. Auf meine Frage hin, warum hier so viel Security ist, meinte er nur wegen uns, die ganze Etage wäre für uns geräumt worden. Als wir die Suite betraten, blieb mir fast die Spucke weg, meine Familie ist ja schon relativ reich, aber so reich nun auch wieder nicht.

„Chris, was ist hier los?“, fragte ich als wir alleine waren. „Sag du es mir, ich habe nur deinen Freund Daniel angerufen und zack eine Stunde später sitzen wir hier in dieser Hotelsuite, wer ist das überhaupt, du hast mir nie etwas von einem Daniel erzählt?“ – „Ich kenne keinen Daniel, zumindest keinen der so viel Einfluss und Macht hat, das hier alles zu machen“, meinte ich nur. „OK, OK jetzt mal langsam. An dem Abend, an dem du diesen Mist gebaut hast, hatte dieser Daniel bei dir angerufen, die Leitung war noch offen, als ich dich fand. Ich sagte da nur, dass ich zurückrufen würde, aber ich brauchte das Handy, um den Notarzt zu rufen. Als ich nach zwei oder drei Stunden noch nicht zurückgerufen hatte, rief er nochmal an und ich ging dran. Er erzählte mir, das du ihn in Hamburg kennengelernt hättest und er dir dringend etwas sagen müsste. Ich erzählte ihm dann, was du für einen Mist gebaut hast, er war total fertig mit den Nerven und bat mich unbedingt ihn auf dem Laufenden zu halten und wenn es Probleme gäbe, ich ihn unbedingt anrufen sollte. Was ich ja auch tat und das Ergebnis dieses Anrufes siehst du ja. Er kann dich auch nicht verwechselt haben, er wusste was in Marbella passierte, als du fünf Jahre alt warst.“

Hamburg – Daniel – Marbella, da machte es klick. „Ja jetzt fällt es mir wieder ein, ich kenne einen Daniel aus Hamburg. Aber das kann alles nicht sein. Ich meine das hier alles. Hör zu, vor zwei Jahre, da warst du noch nicht auf unserer Schule, waren wir mit der Klasse zu einer Klassenfahrt in Hamburg. An einem Tag war ich alleine unterwegs, da alle anderen zum Fischmarkt wollten, du weißt, wenn ich nur Fisch rieche, hänge ich sofort über der nächstbesten Kloschüssel. Ich lief da also so rum und irgendwann ging ich in ein Café, da es sehr voll war fragte ich einen Jungen, der mir recht sympathisch vorkam, ob bei ihm noch Platz wäre. Wir verstanden uns recht gut und redeten viel, irgendwann fragte ich ihn, warum er so traurig wirke. Da erzählte er mir seine Geschichte, dass seine Eltern vor nicht allzu langer Zeit bei einem Autounfall gestorben wären, er jetzt in einem Heim leben würde, dass er schwul wäre und gerne einen Boyfriend hätte, im Heim das aber alles nicht so leicht wäre. Ich wunderte mich, dass er so freizügig über sein Schwulsein sprach bis ich die Regenbogenflagge über der Tür sah. Naja, da ich an diesem Tag auch recht down war, alleine, fremde Stadt, erzählte ich ihm meine Geschichte mit Patrick in Marbella als ich fünf war. Wir redeten dann noch etwas, dann musste ich weg, wir tauschten noch unsere Handynummern, telefonierten auch noch 2–3-mal, aber wie das halt meistens so ist, verliert sich das dann meistens. Verstehst du, wie soll ein Junge, der in einem Heim lebt das hier alles veranlassen?“ – „Keine Ahnung, wie er das gemacht hat, aber er muss es ja getan haben“, meinte Chris dann nur. Wir mussten also warten bis Daniel kommen würde.

Es dauerte dann noch etwa eine Stunde, bis sich die Tür öffnete und Daniel reinkam, in Begleitung von drei weiteren Jungen, einer davon komplett in schwarz gekleidet, schwarze Jeans, schwarze Windjacke, schwarzes Baseballcap tief ins Gesicht gezogen und eine schwarze Sonnenbrille und drei Erwachsenen. Daniel kam sofort auf mich zu und umarmte mich und meinte nur ich solle sowas nie wieder machen. Dann stellte er sich Chris vor, nahm diesen auch in den Arm und ich hörte wie Chris ihm ein leises „Danke“ ins Ohr flüsterte. Der in schwarz gekleidete Junge räusperte sich leise. „Oh ja, also ähm wie soll ich sagen, ich denke mal, ich muss hier einiges erklären“, und schaute sich dabei in der Hotelsuite um. „Also das hier ist mein Boyfriend, jetzt zeig dich doch mal, du bist doch sonst nicht so schüchtern“, sagte Daniel und stieß seinem Freund dabei mit einem Grinsen seinen Ellbogen in die Rippen. Der andere Junge nahm dann langsam seine Baseballcap und Sonnenbrille ab und grinste uns an und sagte nur „Hey“. Von Chris kam nur ein „WoW“ und von mir ein „Uff“, vor uns stand David, der Popstar für den wahrscheinlich fast alle Mädchen an meiner Schule einen Mord begehen würden, obwohl das sinnlos wäre, denn er scheint ja schwul zu sein, wenn dieser besagte Popstar der Boyfriend von Daniel ist.

Daniel erzählte dann seine Geschichte, wie er David kennengelernt hatte, er adoptiert wurde und alles. Er stellte dann auch die zwei weiteren Jungs als Toby und Felix vor, Bob und Patrick als ihre Bodyguards vor und der andere Mann wäre ein Psychologe, der mit mir dann noch reden müsste, er würde dann ein Gutachten schreiben und ihre Anwälte würden sich darum kümmern, dass ich keine großen Probleme bekommen würde, da ich ja aus dem Krankenhaus abgehauen bin. Im Anschluss an dieses Gespräch würden wir alle nach München fliegen und dort erstmal ein paar Tage bleiben. Meine Eltern würden auch informiert und es würde dafür gesorgt werden, dass diese ebenfalls nach München kommen. Nach dem fast zweistündigen Gespräch mit dem Psychologen gingen wir wieder in den Raum, in dem die anderen sich befanden. Der Psychologe nickte leicht zu Daniel und dieser meinte dann daraufhin: „Marcel komm mal her und setz dich bitte zu mir.“

Ich tat wie mir geheißen und setzte mich neben ihn, er nahm meine beiden Hände in seine und schaute mich an. Ich bemerkte, das David aufstand und sich nun Chris neben mich auf die andere Seite setzte. „Marcel, du weißt ja bestimmt noch, wie wir uns kennengelernt haben, du hast mir deine Geschichte mit Patrick erzählt.“ Ich nickte ihm zu und wusste nicht, was er mir jetzt sagen wollte. „Also gut, ich mach es jetzt kurz und schmerzlos. Ich weiß wo Patrick ist und es geht ihm wie dir, er konnte dich auch nie vergessen“, sagte er dann. Mir schossen augenblicklich die Tränen in die Augen und ich umarmte ihn, ich konnte einfach nicht glauben, was ich da gehört hatte. Chris streichelte sanft über meine Rücken. Ich konnte es gar nicht glauben, was ich da eben hörte, Patrick ging es so wie mir, er konnte mich auch nicht vergessen. Hatten wir wirklich eine Chance. Nachdem ich dann nach einiger Zeit die ganzen Informationen so halbwegs verarbeitet hatte, erzählt mir Daniel, wie er Patrick durch Zufall gefunden hatte. Einige Zeit später flogen wir dann mit dem Helikopter nach München.

Als wir dann nach einem etwa zweistündigen Flug in München landeten und ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war ich doch ziemlich schwach auf den Beinen, sodass mich Chris stützen musste, das ich nicht hinfiel. Zum einem kam dies sicherlich vom Flug mit diesem Hubschrauber, der nun mit Sicherheit nicht zu meinen bevorzugten Fortbewegungsmitteln zählen würde, aber wahrscheinlich doch eher dadurch, dass ich in wenigen Minuten Patrick wiedersehen würde.

Ich konnte es immer noch nicht richtig glauben, nach all den Jahren würde ich ihn gleich wiedersehen, doch wie würde unser Wiedersehen verlaufen …

Nachwort

Das war die Geschichte von Marcel, wie es mit den Jungs weitergeht erfahrt ihr dann in Teil 9 von „A new Star ist born“.

Ich hoffe es hat euch gefallen, bis dann

Liebe Grüße

x_Dirk_x

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