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Regenbogenfamilie

Teil 53 - Rückbaupläne

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Informationen

 

Der Mittwochmorgen verlief so, wie wir es gewohnt waren. Es war fast schon wieder zu ruhig, ohne die Jungs. Thomas fuhr, wie immer, rechtzeitig in die Stadt ins Büro. Ich ging in mein Büro im Erdgeschoß und hoffte, dass es heute ein ruhiger Tag bleiben würde. Kurz nach mir tauchten bereits die vier Jungs auf und Ludwig meinte, er wolle gleich Michis alten Arbeitsplatz für sich umgestalten, da dieser alles von seinem Schreibtisch gestern noch ins neue Büro geräumt hätte.

Benjamin erklärte, dass er mit Christian anfangen werde die Unterlagen der Wohnungen zu sortieren, die sie gestern von Bruno und Florian erhalten hatten um einen ersten Überblick über diese Immobilien zu erhalten. Philipp tauchte auf und übergab Ludwig seinen neuen Computer sowie sein Dienst-Smartphone und zeigte ihm die grundsätzlichen Dinge, die er wissen musste, um mit mit den Geräten und Firmendaten arbeiten zu können.

Er zeigte den Beiden die Strukturen der Wohnungsverwaltung, sowohl für deren zwei Mandanten als auch die Stiftungen. Auch erklärte er, dass die Immobilien der spanischen Stiftung bereits angelegt seien, jedoch noch ohne Daten für die Mietverwaltung, da diese in Mallorca extern durchgeführt wird. Sie sollten nun die Stammdaten der neuen Immobilien und im zweiten Schritt dazu die Mietobjekte in den einzelnen Immobilien anlegen.

Als letztes werden dann die Mieter und die Mietverträge angelegt. Zuletzt meinte er, sie sollen mit der Datenerfassung noch bis Mittag warten, da Florian am Vormittag mit Excel-Files vorbeikommen will und wir versuchen wollen die Stammdaten aus den Excelfiles zu erstellen, soweit es möglich sei.

Von wegen Mittag. Punkt neun Uhr stand Florian mit einem USB-Stick in meinem Büro und meinte, wir könnten loslegen, er habe die Daten dabei. Es sei zwar gestern sehr spät geworden, aber ihm liegt daran, so zügig wie möglich die Daten im neuen System zu verwenden.

Ich fragte ihn, ob er wegen der Wohnung gestern noch mit seiner Frau gesprochen habe. Er erklärte mir, dass sie die Wohnung nehmen würden, da seiner Frau der Grundriss besonders gut gefallen hat. Ich meinte, wenn du den Mietvertrag vorbereitest, setzen wir uns kurz zusammen wegen der Miethöhe. Die Wohnungen aus dem Bestand des Gutshofes oder der Stiftung werden zu günstigeren Konditionen an Mitarbeiter vermietet.

Anschließend ging ich mit ihm zu Philipp und Marcus ins Büro und meinte: „Hier ist der junge Mann, der euch die Daten bringt, mit denen ihr testen wollt. Ich sage Ludwig und Benjamin, sie sollen definitiv mit der Dateneingabe noch warten bis ihr mit euren Tests durch seid. Vielleicht können sie sich damit viel Arbeit ersparen.

Dann ging ich zu ihnen ins Büro und bat sie mit der Eingabe noch zu warten bis die Tests, die Philipp und Florian derzeit durchführen, abgeschlossen wären. Danach ging ich zurück in mein Büro.

Petra war inzwischen auch in ihrem Büro und sagte: „Ihr seid heute Morgen aber schon sehr früh hier gewesen.“ Ich erklärte ihr, dass ich nicht früher als sonst im Büro war, nur die Jungs seien heute früher dran als sonst. Jedoch nur, weil wegen der Übernahme der Wohnungen in unsere Verwaltung einige Dinge vorbereitet werden müssten, um schnellstens starten zu können.

Philipp und Marcus müssten eigentlich die neue Hardware für die Neuen einrichten. Dies darf Marcus momentan allein machen, da Philipp mit Florian testet, ob mit Hilfe von Excel-Files eine Datenübernahme aus der alten Immobilien-Verwaltung möglich ist und damit den Aufwand für das Anlegen der Immobilien reduziert.

Ich bat Benjamin und Ludwig in mein Büro und erklärte ihnen, dass wir den größten Teil des Barvermögens der Stiftung für den Ankauf von Immobilien ausgeben wollen. Ich meinte, wir sollten zur Abwechselung nicht mehr nur Wohnungen, sondern zukünftig auch gewerblich genutzte Immobilien erwerben, also Bürogebäude oder Ladenflächen. Sie sollten im Umkreis von einhundert Kilometern den Markt absuchen und mir Vorschläge unterbreiten. Kaufen würden wir in der ersten Hälfte des nächsten Jahres.

„Es reicht, wenn ihr mir diese Vorschläge im Januar unterbreitet. Vielleicht können euch Michi und Florian bei der Suche helfen. Denkt bitte auch daran, dass wir nach den Statuten der Stiftung immer den halben Gewinn wieder neu anlegen müssen. Im Grunde genommen können wir alle paar Monate eine neue Einkaufstour starten. Schreckt bitte nicht vor Objekten zurück, die saniert werden müssen. Mit unserem Architektenteam ist das kein Problem. Genauso interessant sind unbebaute Grundstücke, bei denen unsere Architekten planen können, was mit den Grundstücken machbar ist.“

Nach etwas mehr als zwei Stunden kamen Philipp und Florian in mein Büro und meinten, sie hätten es jetzt geschafft, eines der Immobilienobjekte mit mehreren Wohneinheiten in unsere Software zu integrieren. Im nächsten Schritt wäre jetzt zu prüfen, inwieweit die Daten noch zu ergänzen und zu vervollständigen seien. Danach könnten die restlichen Immobilien nach dem gleichen Schema übernommen werden.

Er hatte ein Notebook mitgebracht und zeigte uns in der Verwaltungssoftware der Stiftung, was sie geschafft hatten. Florian erklärte mir, dass er mit Ludwig und Benjamin die Daten prüfen werde und anhand der Unterlagen vervollständigen will. Philipp meinte, das wäre sehr gut, dann könnte auch der zusätzliche Zeitaufwand für die Vervollständigung der Daten abgeschätzt werden. Das Einspielen der vorhanden Daten selbst ist in kürzester Zeit machbar. Ich bat sie sofort anzufangen und mir gegen Mittag die ersten Ergebnisse mitzuteilen.

Ich fragte Petra, ob heute noch etwas ansteht, da sie ja seit Montag meine Termine koordinierte. Ich sagte ihr noch, dass sie für morgen keine Termine einplanen soll, außer dem Notartermin, der vermutlich länger dauern würde als bisher geplant. Ich hätte hier auch noch drei Terminanfragen von Mitarbeitern aus den Stadtbüros, die mir dringlich erscheinen. Die unwichtigeren Angelegenheiten hätte ich für Freitag und auf das neue Jahr verschoben. Sie fragte: „Kann ich die drei heute Nachmittag einplanen und wenn ja, wann?“ Ich versprach ihr alle drei im Laufe des Nachmittags zu empfangen und mir ihre Sorgen anzuhören. Sie solle für jeden eine gute Stunde jeweils einplanen, und mir vorab Informationen über die Probleme der drei Mitarbeiter zu beschaffen. Sie meinte: „Dann bestelle ich den ersten für dreizehn Uhr in dein Büro und die nachfolgenden jeweils eineinviertel Stunden später, dass der letzte Termin gegen halb vier Uhr wäre.“

Ich verließ mein Büro und ging zu Michi, der noch allein in seinem Büro saß, um mit ihm darüber zu sprechen, dass das ganze etwas unglücklich gelaufen war mit den Umzügen innerhalb der Büros.

Nachdem ich ihm mein Anliegen erklärt hatte, sagte er zu mir: „Peter, kein Problem, vor allem da ich mich im Büro neben dir nicht einmal richtig eingelebt habe. Die Veränderungen, die in den letzten zwei Wochen eingetreten sind, waren zum einen nicht absehbar, mit Ausnahme der Übernahme der J. Graf GmbH, wo du zumindest für dich knapp drei Wochen Vorlaufzeit hattest. Die Gerhard Bauer GmbH war eine spontane Entscheidung deinerseits, aber die Firma ist nicht so groß, dass es deine Planungen über den Haufen geworfen hätte.

Dass ihr mit eurer zu gründenden Stiftung gleich eine riesengroße Erbschaft macht, das konnte keiner voraussehen. Mit Florian hast du einen kompetenten zusätzlichen Mitarbeiter in der Immobilienverwaltung, mit dem ich, nach einem ersten Gespräch, gut zusammenarbeiten kann. Ludwig und Benjamin allerdings werden in nächster Zeit unsere Hilfe brauchen, bis sie sich in die Materie eingearbeitet haben.

Mit der Immobilienverwaltung im fremden Auftrag betreten wir Neuland. Florian kennt sich allerdings schon gut aus und gemeinsam werden wir versuchen diesen neuen Geschäftszweig weiter auszubauen. Wenn ich mir die Werte der Immobilien betrachte, die wir im eigenen Namen, für die Stiftungen und im fremden Auftrag verwalten, dürften wir bei einem Wert von einhundertfünfzig Millionen oder sogar darüber liegen. Mit dem Neubau in der Stadt und den Investitionen der Stiftungen werden wir spätestens in zwei Jahren zweihundert Millionen Grenze überschritten haben.“

Ich erzählte ihm von meinen Plänen, zukünftig nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeimmobilien in unser Portfolio aufzunehmen, und auch deren Verwaltung im Fremdauftrag durchzuführen.

Michi meinte: „Wenn du schon diesen Schritt gehen willst, sollten wir uns überlegen, ob wir nicht gleichzeitig in das Geschäft der Hausverwaltungen einsteigen sollten. Erfahrung haben wir durch unsere eigenen Immobilien auf diesem Gebiet genügend. Ich bat ihn, mir eine Planung vorzulegen, aber er solle auch daran denken, dass wir damit möglicherweise mit unserem derzeitigen Personalbestand schnell an unsere Grenzen kämen. Er versprach mir, sich mit Florian deswegen zusammenzusetzen und auszutauschen. Die Hausverwaltungen könnten wir über die bestehende Immobilienverwaltung von Bruno abwickeln, da würde es am besten passen und wir bräuchten keine weitere Firma zu gründen.“

Ich ging beruhigt in mein Büro zurück. Michi hatte mir unmissverständlich deutlich gemacht, dass er trotz des Durcheinanders der letzten Tage loyal zum Gutshof steht und das Geschäft mit Florian weiter ausbauen will. Ich sollte mir aber mit Thomas und Philipp Gedanken machen, welche Auswirkungen diese Pläne auf unseren Büroraumbedarf haben könnten und wie wir diese lösen könnten.

Petra berichtete, dass der Rechtsanwalt angerufen habe und mit mir einen Termin für die Besichtigung des Privatanwesens unserer Erblasserin vereinbaren wolle. Er hätte heute Nachmittag vorgeschlagen, aber da sie diesen bereits verplant hatte, haben sie sich auf Freitag Vormittag geeinigt.

Er lässt zudem ausrichten, dass er morgen erst später zum Notartermin kommen wird, da wir vorher nur den Verkauf der Firma abwickeln und anschließend die Stiftung gründen werden. Er habe dem Notar bereits die Unterlagen der Immobilien übermittelt, die in die Stiftung eingebracht werden. Den Privatbesitz habe er erst einmal noch nicht weitergeleitet.

Fünf vor zwölf tauchten die Jungs wieder bei mir auf und erklärten mir, dass der Aufwand nicht sehr groß sei um vernünftig damit arbeiten zu können und die vermietbaren Einheiten müssten nur mit den Grundstücksdaten verbunden sowie die Mieter und die Mietverträge den einzelnen Einheiten zugeordnet werden. Zusätzlich müssten die aufgelaufenen Salden, sofern wir die Nebenkostenabrechnungen mit dem neuen System durchführen wollen, eingebucht werden.

Wenn wir die Einheiten noch mit dem alten System abrechnen, könnten wir einfach im Januar mit der Buchhaltung beginnen und im darauffolgenden Jahr die Nebenkosten erstmalig mit dem neuen System abrechnen. Ich beschloss, wie vorgesehen, dass das alte Jahr im alten System abgerechnet wird und ab Januar in der neuen Verwaltungssoftware. Philipp und Florian bat ich noch kurz hier zu bleiben, da ich noch etwas mit ihnen zu klären hätte. Ludwig und Benjamin sollten sich schon mal daran machen, die Daten einzupflegen.

Ich erzählte den Beiden, dass Michi vorgeschlagen habe, zusätzlich Hausverwaltungen aufzunehmen und anzubieten, sofern das ohne zusätzliche Programme mit unserer Immobilienverwaltung möglich sei. Philipp rief bei Marcus an und bat ihn zu uns in mein Büro zu kommen.

Nachdem ihm Philipp erklärt hatte, um was es ging, meinte er, dass sollte kein Problem sein. Bei dieser Variante werden nur keine Mietverträge angelegt, alles andere sei im Prinzip das Gleiche, was wir bereits abwickeln wollen. Jede Eigentümergemeinschaft sei ein eigener Mandant, der ohne Mietverwaltung arbeitet. Es könnte aber auch eine Mietverwaltung integriert sein für einzelne Eigentümer.

Ich bat Marcus mir an einem Tag nach Weihnachten in einer Testumgebung alles zu zeigen, wobei ich davon ausgehe, dass Michi und Florian bei fachlichen Fragen jederzeit Auskunft geben werden. Florian nickte und meinte, er habe bei der Firma, bei der er gelernt hatte, bereits Hausverwaltungen gemacht und Marcus könne gerne auf ihn zurückgreifen.

Florian meinte, er würde am Nachmittag ins bisherige Büro zurückfahren, um mit Bruno weiter den Umzug für den Donnerstag vorzubereiten, Philipp könne mit dem Datenmaterial die weiteren Daten einspielen, vor allem die Daten, die die zukünftige Stiftung betreffen. Den Rest könnten sie dann ab Freitag erledigen.

Gemeinsam gingen wir mit den restlichen Mitarbeitern im Haus in die Kantine, wo wir auf Alejandro trafen. Ich besprach mit ihm und Florian den morgigen Umzug und meinte, er solle doch Christian mitnehmen und, wenn möglich, einen weiteren abkömmlichen Mitarbeiter, damit der Umzug reibungslos ablaufe. Christian hatte mitgehört und erklärte sofort, dass er mit dabei sei. Ludwig bot sich ebenfalls an mitzuhelfen, wenn Benjamin nichts dagegen hätte. Der nickte nur mit seinem Kopf und so war es beschlossene Sache. Die drei würden morgen Brunos und Florians Büro ausräumen und alles zum Gutshof bringen.

Kurz vor dreizehn Uhr war ich wieder im Büro, wo ich vom Marketingleiter Josef Bauer der J. Graf GmbH erwartet wurde. Er klärte mir, dass er heute Morgen einen Anruf von Armin Schwarz erhalten hätte, der das Marketing in Anspruch nehmen will. Er wolle von mir wissen, ob das in Ordnung gehe, und würde Armin gerne in meinem Beisein kennenlernen.

Ich rief bei Armin an und bat ihn in mein Büro zu kommen. Bis Armin erschien, erklärte ich ihm, dass Armin seit letzter Woche als Eventmanager bei uns arbeite. Er würde alle zukünftigen Veranstaltungen planen. Auch die Angebote für die Schulklassen und unsere Jugendlichen zu erweitern. Ich gehe davon aus, dass er marketingtechnische Hilfe für die Events benötige.

Als Armin das Büro betrat stellte ich beide einander vor und schloss mit den Worten: „Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit der beiden Abteilungen.“ Armin erklärte kurz, dass er bisher in Marketingangelegenheiten immer auf eine Agentur zurückgegriffen hätte. Doch nachdem ihm Michael den Tipp mit der hauseigenen Marketingabteilung gegeben habe, hatte er den Kontakt gesuchte.

Er erklärte Josef, dass sein größtes Projekt das geplante Sommerfest im nächsten Jahr sei und er vorerst dafür die meisten Marketingaufgaben hätte: Werbekampagne mit Plakaten, Information der örtlichen Pressevertreter und einen Flyer für diese Veranstaltung. Zusätzlich möchte er einen monatlichen Flyer herausbringen, der auf alle Veranstaltungen im Gutshof hinweisen soll.

Josef sagtee, er hätte den geeigneten Mann. Aber er ist der Meinung, dass der Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz hier am Gutshof bräuchte, damit er immer mit den aktuellen Informationen arbeiten könne. Ich erklärte, Armins Büro sei groß genug, um einen weiteren Mitarbeiter dort unterzubringen und damit sei er wirklich nahe am Geschehen.

Josef sagte: „Okay, ich kläre das mit meinem Kollegen. Wenn er die Aufgabe hier übernehmen will sage dir heute Nachmittag noch Bescheid.“ Damit entließ ich alle wieder an ihre Arbeit. Armin nahm Josef mit in sein Büro, um ihm zu zeigen, wo der künftige Mitarbeiter sitzen würde.

Die beiden weiteren Termine, die Petra vereinbart hatte waren mehr privater Natur und hatten mit der Arbeit nichts zu tun. Trotzdem bemühte ich mich um eine Lösung, wie immer, wenn es die persönlichen Belange der Mitarbeiter ging.

Nach den Gesprächen mit den Mitarbeitern schaute ich kurz zu Bernhard ins Büro und wollte von ihm wissen, wann wir mit der Digitalisierung der Immobilienunterlagen beginnen können. Er meinte morgen hätte er alles vorbereitet und Christian könne damit beginnen. Ich erklärte ihm, dass Ludwig und Christian morgen wenig im Haus sein werden, da sie sich als Umzugshelfer betätigen werden und Alejandro und Florian helfen.

Er könne aber Benjamin gleich erklären, wo und wie die digitalen Unterlagen gespeichert werden. Er kann schon anfangen die Unterlagen zu scannen und abzulegen. Im Büro von Philipp und Marcus fand ich nur Philipp, der meinte, alle Daten, die die Stiftung betreffen seien bereits eingespielt. Benjamin sei dabei, mit Marcus die Verknüpfungen zwischen Immobilien und Mieteinheiten und den Mietern herzustellen. Im Büro der Stiftung waren die Beiden am Werk und erklärten mir, dass morgen Abend alle Einheiten zugeordnet wären.

Was dann noch fehlt seien die monatlichen Mieten, die Mietnebenkosten. Danach sollten wir einen ersten Testlauf zum Mieteinzug und den Verbuchungen vornehmen.

Ich erklärte ihm: „Wenn ihr die fehlenden Daten aus den Dokumenten ergänzt, bitte gleich die jeweiligen Verträge einscannen und dazu ablegen, damit ihr nicht ständig auf die Papierunterlagen zurückgreifen müsst. Macht nicht zu lange. Ich gehe für heute nach oben und verabschiede mich bis morgen früh. Bitte denkt auch an den Notartermin denken morgen.“

Ich war bereits mit den Vorbereitungen fürs Abendessen beschäftigt, als Thomas nach Hause kam und von mir wissen wollte, warum Josef heute bei mir gewesen sei. Das war ganz einfach zu erklären. Armin hatte ihn angerufen und gebeten, jemand aus der Marketingabteilung solle sich doch bitte mit ihm in Verbindung setzen, weil er die Hilfe des Marketing benötige. „Josef wollte von mir wissen, ob alles seine Richtigkeit hat und ich habe Armin und Josef miteinander bekanntgemacht. Josef hat dann beschlossen einen Mitarbeiter ständig auf den Gutshof für diese Aufgaben abzustellen und derjenige wird sich künftig mit Armin das Büro teilen. Eigentlich wollte er mich noch zurückrufen und mir mitteilen wer zukünftig bei uns arbeiten wird. Hat er zu dir etwas gesagt?“ wollte ich von Thomas wissen. Die Antwort fiel wie erwartet aus, so nach dem Motto: Wenn ich dich frage, weiß ich nichts.

Der Donnerstag war geprägt vom Notartermin, für den Kauf der G. Bauer GmbH, der Gründung der Stiftung Sonneneck und dem Antrag auf Umschreibung der Grundstücke, die der Stiftung vererbt wurden. Wer schon einmal bei einem Notar war, kennt das sicher, wenn der Notar den Text des Vertrages ohne jede Betonung herunterleiert.

Der Kaufvertrag für die GmbH war noch erträglich, da hier alles kurz und bündig war. Es ging ja nur um die Umschreibung im Handelsregister. Der Vertrag für die Stiftung Sonneneck war schon erheblich umfangreicher und auch die Satzung, die Bestandteil des Gründungsvertrages war wurde im vollen Wortlaut vorgelesen. Gut, dass ich den Text vorher schon gelesen hatte und deshalb die meiste Zeit nur mit einem halben Ohr hinhörte.

Nach der Beurkundung des Vertrages für die Stiftung legten wir eine längere Pause ein, die wir, Ludwig, Gerhard, Benjamin, der Anwalt Sebastian Brunner und ich nutzten, um in Ruhe zu Mittag zu essen. Die Kosten für unser Mittagessen wurden durch den Anwalt übernommen. Ansonsten hätte ich alle eingeladen.

Nach der Mittagspause kam der Marathon mit den Umschreibungen der Immobilien auf die Stiftung. Bis alle Grundstücks- und Wohnungsdaten vorgelesen waren vergingen noch einmal gut zwei Stunden. Später, beim Kontrollieren der Daten, bemerkte Benjamin, dass einige Grundstücke und Wohnungen, die ebenfalls der alten Dame gehörten, vergessen wurden. Diese sollten ja ebenfalls und an die Stiftung übergehen.

Gleichzeitig beantragte ich die Umschreibung des Privatbesitzes an den Gutshof. Kurz nach sechzehn Uhr verließen wir das Notariat. Benjamin und Ludwig fuhren mit mir zurück zum Gutshof. Sebastian Brunner erinnerte mich noch einmal an unseren morgigen Termin um den Priavtbesitz der Erblasserin zu besichtigen.

Als wir kurz vor fünf ins Büro kamen herrschte noch reges Treiben. Christian stand mit einem Aktenordner vor dem Scanner und fütterte diesen mit den Dokumenten. Er meinte strahlend, drei Ordner habe er bereits geschafft und morgen würde er mit Bernhard die endgültige Archivierung in Angriff nehmen.

Petra meinte: „Heute war in deiner Abwesenheit einiges los. Weitere Mitarbeiter wollten bei dir Termine vereinbaren. Diese habe ich alle auf Januar vertröstet. Auch Josef rief an und lässt dir ausrichten, dass er morgen mit Werner Wagner gleich in der Früh vorbeikommt. Herr Wagner soll dann fest auf dem Gutshof als Vertreter der Marketingabteilung seinen Arbeitsplatz finden. Auch einige Mitarbeiter vom Gutshof haben dich gesucht. Noch kenne ich sie nicht alle. Sie meinten, sie würden dich heute Abend entweder anrufen oder bei dir privat vorbeikommen.“

Kurz nach halb sechs Uhr tauchte Thomas auf und erklärte mir: „Es wird Zeit für dich endlich aufzuhören, ich will jetzt mit dir zum Essen gehen.“ Ich lachte und erwiderte ihm: „Du willst mit mir Essen gehen, ich habe heute vielleicht effektiv eine Stunde gearbeitet. Die restlichen Stunden waren hauptsächlich mit monotonem Gemurmel des Notars ausgefüllt. So einen Monstertermin bei einem Notar möchte ich nie wieder in meinem Leben erleben. Um neun Uhr begann der Notartermin und dauerte bis sechzehn Uhr, unterbrochen von einer Stunde Mittagspause.

Die beiden Jungs, Benjamin und Ludwig, haben hinterher gemeint, so ein Termin sei eigentlich schwere Körperverletzung. Da konnte ich nicht einmal widersprechen. Aber gut, gehen wir zum Essen, ich stelle nur schnell alle Telefone auf meinen Apparat um, damit ich für alle erreichbar bin, da einige Leute vom Gutshof sich heute noch bei mir telefonisch oder bei uns oben melden wollten.“

Thomas und ich gingen ins Restaurant zu Alexandra und Sebastian, um hoffentlich dort noch in aller Ruhe zu Abend zu essen. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht ganz, denn schon auf dem Weg ins Restaurant gab es die erste Störung. Die Frage konnte schnell geklärt werden und wir setzten unseren Weg fort.

Während des Essens blieb mein Telefon ruhig und wir konnten uns ungestört unterhalten. Ich besprach mit Thomas unter anderem, dass ich so hektische Firmenübernahmen nie wieder erleben möchte. „Die letzten vier Wochen waren einfach zu viel für mich. Bei Johannes Firma war noch alles in Ordnung meinte ich, aber mit der G. Bauer GmbH fing das Chaos an. Verstärkt durch die Erbschaft für die Stiftung und damit verbunden die Übernahme des Immobilienverwalters. Letzteres war erträglich, da es sich nur um einen Mitarbeiter gehandelt hat, der übernommen wurde.“

Kaum waren wir in unserer Wohnung angekommen, ging es schon los mit den Telefonanrufen. Zwei Anrufe, das ging ja noch, aber kaum fertig stand Philipp in unserem Wohnzimmer und fragte mich: „Willst du jetzt in diesem Tempo weitermachen mit der Übernahme von weiteren Firmen, dann kommen wir ganz schnell an die Grenzen unseres IT-Equipments und vor allem gehen uns langsam die Büroräume aus, wo wir noch Mitarbeiter unterbringen können?“

Ich überlegte und antwortete: „Von wollen kann keine Rede sein. Was wir in den letzten vier Wochen erlebt haben war eher ein Domino-Effekt. Du stößt einen Stein an und alle weiteren fallen, bildlich ausgedrückt, mit um. Ich wollte in den nächsten Tagen mit dir und Thomas darüber sprechen, wie wir weiter vorgehen wollen. Wenn ich den derzeitigen Zustand nehme, dann haben wir inzwischen einige ausgelagerte Büroeinheiten. Und wenn ich den Gutshof betrachte, haben wir Büros im Gesindehaus, im Verwalterhaus sowie beim Hofladen und dem Café. Weiter entfernte Außenstellen sind die J. Graf GmbH, die G. Bauer GmbH und die Gärtnerei Winter. Die Immobilienverwaltung ist zum Glück im Haus und nicht extern untergebracht. Nach der Besichtigung morgen werde ich wissen, ob eine weitere Außenstelle hinzukommt. Ich bin morgen mit dem Anwalt auf dem Bauernhof unserer edlen Spenderin für die Stiftung. Philipp, könntest du mitkommen? Dann könntest du mir sagen, wie groß der Aufwand für die Anbindung an unser Datennetz sein wird und wir können uns gleichzeitig überlegen, wie wir es nutzen können. Zumindest habe ich nicht die Absicht in diesem Tempo weiterzumachen. Es war selbst für mich etwas zu viel auf einmal.“

Philipp sagte zu, mit mir morgen das Anwesen zu besichtigen und wollte noch wissen, wann es losgehen solle. Da meinte ich, dass der Rechtsanwalt, Sebastian Brunner, uns morgen um neun Uhr am Gutshof abhole. Danach blieb es den ganzen Abend ruhig und so gegen zweiundzwanzig Uhr beschlossen wir ins Bett zu verschwinden, ich wollte morgen etwas früher aufstehen und bis neun Uhr einiges das heute unerledigt blieb abarbeiten.

Am Freitag bin ich schon gegen fünf Uhr aufgestanden und machte für uns das Frühstück. Ich hatte bereits gefrühstückt als Thomas auftauchte und sich zu mir an den Frühstückstisch setzte. Wir besprachen noch die wichtigsten Sachen für den heutigen Tag und Thomas wollte noch wissen, was er mitbringen solle. Er würde am Nachmittag, auf dem Rückweg vom Büro, direkt einkaufen gehen.

Als alles geklärt war verabschiedete ich mich von Thomas und ging nach unten ins Büro. Ich dachte morgens um kurz nach sechs bin ich sicher der erste und einzige, der in seinem Büro sitzen würde. Stimmen aus dem Büro der Jungs machten mich neugierig und so sah ich nach, wer ebenfalls so früh aufgestanden war.

Alle drei hockten im Büro. Christian erklärte Ludwig und Benjamin, wie das mit dem Scannen der Unterlagen funktionierte und wie die Ablage der Dokumente abläuft. Ich wünschte ihnen einen guten Morgen und meinte, bei mir könne ich es noch verstehen, wenn man von seniler Bettflucht spricht, aber bei euch scheint es andere Gründe zu geben, warum ihr so früh aus den Betten seid.

„Wir vier wollen heute Nachmittag zum Einkaufen, und, damit wir vorankommen, haben wir vier gestern Abend beschlossen, heute eher anzufangen. Das heißt, Bernhard ist ebenfalls in seinem Büro und arbeitet bereits.

In meinem Büro machte ich mich an meine Arbeiten. Immerhin stand um neun Uhr der nächste Termin an. Vorher würde vermutlich Josef mit Werner vorbeikommen, um ihm seine neue Wirkungsstätte zu zeigen. Dabei fiel mir ein, dass ich gestern vergessen hatte, Philipp und Markus darauf aufmerksam zu machen, dass wir für Werner noch die notwendige Ausstattung brauchen. Deshalb ging ich zu Bernhard ins Büro und erzählte ihm von meinem Problem.

Er meinte: „Keine Panik, Petra war gestern bei Philipp und hat alles in Auftrag gegeben. Die Beiden haben gestern noch alles vorbereitet und es steht bereits alles drüben im Büro, was er so braucht. Ich habe gestern noch mit ihm telefoniert und wir haben uns für Montagvormittag im Büro verabredet, damit ich ihm alles rund um die Dokumentenverwaltung beibringe, auch wenn da offiziell nicht mehr gearbeitet wird. Armin wird auch da sein am Montag. Die beiden wollten sich darüber austauschen, welche konkreten Maßnahmen geplant sind und welche Marketing- und Werbestrategie sie anwenden wollen.“ Ich war positiv überrascht und bat: „Bernhard, sagst du mir am Montag Bescheid, wenn du mit der Einarbeitung fertig bist. Ich möchte in Sachen Strategie auch noch ein Wörtchen mitreden.“

Bis kurz vor acht Uhr konnte ich ungestört arbeiten. Petra kam in mein Büro und meinte sie sei jetzt da und habe Werner mitgebracht, ob ich ihn gleich empfangen will. Ich erklärte ihr, dass er ruhig schon reinkommen kann, dann könnte ich mich bereits vorab mit ihm unterhalten.

Werner kam ins Büro und erklärte mir sofort, dass Josef nicht komme könne, da er gestern beim Gespräch einen Termin übersehen habe und um viertel nach acht Uhr bereits in seinem Büro sitzen muss. Ich bat ihn sich in der Besprechungsecke zu setzen und meinte, ich wäre gleich bei ihm. Ich beendete meinen eben bearbeiteten Vorgang und setzte mich zu Werner.

Zuerst begrüßte ich ihn als neuen Arbeitskollegen am Gutshof. Ich erzählte ihm die wichtigsten Dinge, die er über das Arbeiten am Gutshof, über die Kantine im Gesindehaus, wo auch sein Arbeitsplatz sein wird und dass dort ab Januar von Montag bis Freitag Schulklassen übernachten werden und dass es im Haus manchmal etwas lauter werden könnte. Bevor ich mit ihm in sein neues Büro ging, wollte ich noch wissen, warum er sich für den Gutshof entschieden habe oder ob er dazu gedrängt wurde.

Er erzählte mir, dass Josef gestern alle Kolleginnen und Kollegen des Marketings angesprochen habe und dies als feste Stelle für alle Belange des Gutshofes deklariert hatte. Er habe wohl mit Armin gesprochen und so konnte er etwas über die notwendigen Tätigkeiten berichten. „Zum einen hat mich die Aufgabe gereizt, und, nachdem sich sonst keiner gemeldet hat, habe ich Josef erklärt, dass ich Interesse hätte. Für mich hat es sogar den Vorteil, dass mein Arbeitsweg kürzer wird, da ich bisher jeden Tag zweimal hier vorbeifahren musste.“

Ich erklärte ihm, dass die Antwort auf diese Frage mir als sehr wichtig erscheint, denn ein zwangsversetzter Mitarbeiter wird in den meisten Fällen eine schlechtere Arbeitsleistung abliefern. Dann rief ich bei Marcus an und meinte, ich ginge mit unserem neuen Mitarbeiter ins Gesindehaus, um sein neues Büro vorzustellen. Er könne in Kürze nachkommen und ihm alles erklären.

Zu Werner sagte ich: “Ich habe schon gehört, du wirst am Montag anwesend sein und von Bernhard unsere Dokumentenverwaltung kennenlernen. Deine Kollegen werden im nächsten Jahr ebenfalls an diese Dokumentenverwaltung angeschlossen.“

Auf dem Weg in sein Büro erklärte ich ihm noch, dass wir im Bereich des Gutshofes mehrere Bürobereiche haben.

„Alle landwirtschaftlichen Dinge spielen sich im Verwaltergebäude ab. Hofladen und Café haben auch ein eigenes Büro. Im Gesindehaus gibt es im Erdgeschoß einige Büros unseres Sozialarbeiters Michael sowie Büros für die Verwaltung des Beherbergungsbetriebes belegt seien. Neuerdings gibt es jetzt auch Büros für das Marketing und Eventmanagement im Gesindehaus.

Neu im Haupthaus sind die Büros für unsere beiden gemeinnützigen Stiftungen und die Immobilien- und Hausverwaltung. Von mir bekommst du gleich eine Sonderaufgabe: Wir brauchen eine Art Organigramm über alle Bereiche unserer neuen Unternehmen und deren Zuordnung sowie ein einheitliches Logo, dass wir nach und nach bei allen Firmen einführen werden. Wegen der Übersicht können wir zwei uns heute, am frühen Nachmittag, kurz zusammensetzen, sofern du länger als bis Mittag im Haus bist.“ Er meinte: „Wenn mir dreizehn Uhr recht wäre, dann ginge das in Ordnung.“

Ich brachte ihn zu Armin ins Büro und zeigte ihm seinen Arbeitsplatz. Armin begrüßte ihn als neuen Kollegen und meinte, er freue sich auf eine hoffentlich erfolgreiche Zusammenarbeit. Als Marcus kam und meinte, ich solle ins Gutshaus kommen, mein Besucher sei soeben eingetroffen, verabschiedete ich mich.

In Petras Büro wartete bereits Rechtsanwalt Brunner, um mit Philipp und mir zum Anwesen der Verstorbenen zu fahren. Ich stellte Philipp als meinen Sohn vor, der uns begleiten wird. Kaum fünf Minuten parkten wir vor dem Anwesen. Ich meinte zum Testamentsvollstrecker, dass dies für eine alte Frau ist das ein gewaltiger Kasten wäre, in dem sie gewohnt habe.

Dann schauten wir uns zunächst im Freien um, bevor wir das Haus betraten. Das Gebäude hatte mindestens die Ausmaße von unserem Gutshaus und ging ebenfalls über drei Etagen. Beim Eintreten ins Haus kam uns ein junger Mann entgegen, der sich als Jakob Weinberger vorstellte. Er erklärte uns, dass er bisher im Dienst der Verstorbenen gestanden habe, als ihr Fahrer, und, wenn sie zu Hause essen wollte dann kochte er auch für sie. Für das Putzen der Räumlichkeiten sei eine Raumpflegefirma engagiert, die einmal in der Woche alle Räume und gelegentlich die Fenster putzt. Er führte uns durch die Räume im Erdgeschoß und so langsam kristallisierte sich bei mir die Erkenntnis, dass das Gebäude ursprünglich als Hotel geplant wurde. Ich fragte Jakob, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass hier früher ein Hotel war.

Er meinte:, „Das haben Sie richtig erkannt. Als es Frau Gruber kaufte war es ein Hotel, das wenige Wochen zuvor seine Pforten geschlossen hatte, weil der Hotelier in noch jugendlichem Alter durch einen Herzinfarkt aus dem Leben gerissen wurde. Die junge Witwe wollte das Hotel nicht mehr weiterführen und verkaufte es. Meine Chefin eröffnete das Hotel nicht mehr, sondern nutzte es nur als ihren Wohnsitz. Mit wenigen Umbauten könntn es wieder in ein Hotel zurückverwandelt werden. Die damals ausgelagerten Möbel und die Rezeption seien in den ehemaligen Stallungen aufbewahrt. Sicher könnten diese wieder eingebaut werden, wenn es zurückgebaut werden sollte. Was allerdings fehlt ist jedoch die Hotelwäscherei, die Frau Gruber verkauft hatte.“

Er führte uns in die erste Etage und öffnet eines der Gästezimmer. Er erklärte uns, dass alle Zimmer gleich groß wären, allerdings unterschiedlich ausgestattet. Alle besitzen eine eigene Nasszelle. Ich hatte genug gesehen und für mich stand fest, dass wir wieder ein Hotel daraus machen sollten. Bei den insgesamt vierzig Hotelzimmern, noch dazu Doppelzimmer, könnte man es auch als gehobenes Seminarhotel verwenden.

Ich bat ihn, uns in den Stallungen die ausgebauten Möbel zu zeigen. Wenn die noch in Ordnung wären, könnte ich mir vorstellen, dass das Gebäude wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt wird. Auf dem Weg zu den Stallungen zeigte er uns das Gebäude, in dem er wohnte und wollte von mir wissen, bis wann er seine Wohnung räumen müsse. Ich erklärte ihm, dass er vorerst hier weiter wohnen kann, bis wir uns entschieden haben was aus dem Gebäude wird und wollte von ihm wissen, was er ursprünglich gelernt habe, bevor er hier als Chauffeur angefangen hat. Er meinte, ursprünglich hat er Hotelkaufmann gelernt, sei aber bereits mehr als zehn Jahre aus dem Geschäft heraus. Er sei bereits dabei sich einen neuen Arbeitsplatz als Fahrer zu suchen und habe erste Bewerbungen losgeschickt.

Ich fragte ihn, ob er sich vorstellen könne als Hotelchef das Haus zu führen. Das nötige Rüstzeug könne er sich bei uns im Gesindehaus holen, das als Schullandheim, Seminarhotel oder für Ferien auf dem Gutshof genutzt wird. Er meinte, er wird sich das Überlegen und sich in den nächsten Tagen bei mir melden.

Was uns in den Stallungen erwartete, war dann eine wirkliche Überraschung. Die Möbel und die Rezeption waren fachgerecht zerlegt und gelagert. Sie könnten jederzeit wieder eingebaut werden. Ich wollte von Jakob wissen, wer diese Möbel ausgebaut und gelagert habe. Er meinte zu mir, dass war die Schreinerei, die es vorher auch eingebaut hatte. Die Schreinerei Obermeier aus dem Nachbarort hat ursprünglich das gesamte Hotel ausgestattet und den Umbau im Erdgeschoß durchgeführt.

Ich hatte genug gesehen und fragte Philipp, ob er noch etwas sehen will oder ob ihm der erste Eindruck ausreichen würde. Er fragte, ob die Telefonanlage, die im Hotel eingebaut war, noch vorhanden wäre und ob sie wieder eingebaut werden könne. Jakob meinte, die müsste auch in den Stallungen bei den Möbeln eingelagert sein. Verkauft wurde sie jedenfalls nicht.

Damit war alles klar und wir konnten wieder zum Gutshof zurückkehren. Sebastian Brunner brachte uns zurück und wollte wissen, was wir jetzt mit dem Anwesen anstellen würden. Ich meinte: „Anbieten würde sich, es wieder als Hotel zu nutzen, wie ich bereits angedeutet habe. Ich weiß nur noch nicht so genau, wie wir das in die Stiftung einbringen können. Da muss ich mir noch etwas überlegen. Ansonsten kommt es zum Gutshof und verbleibt dort. Bei dem, was ich gesehen habe, denke ich an ein gehobeneres Seminarhotel. Damit könnten wir einen höheren Standard bieten als im Gesindehaus. In den Sommermonaten, in denen kaum Seminare nachgefragt werden, könnten wir es als Urlaubshotel nutzen. Ich werde nachher unsere Marketing- und Eventabteilung fragen, ob so etwas vermarktbar sei und unter welchen Voraussetzungen.“

Philipp meinte zu mir: „Papa, so wie du in den letzten Tagen mit unseren Ressourcen umgegangen bist, brauchen wir Anfang Januar wieder Nachschub. Vor allem die Telefone sind knapp geworden, nachdem im Gesindehaus die beiden Appartements ausgestattet wurden.“

Ich entgegnete: „Philipp, du weißt, dass ihr freie Hand beim Einkauf des IT-Equipment habt. Nur bei größeren Anschaffungen will ich vorher gefragt werden. Mir ist bewusst, dass ich demnächst wieder eine größere Summe locker machen muss, wenn alle an unsere Server angeschlossen werde. Dann werden unsere momentan noch großzügigen Kapazitäten schnell an ihre Leistungsgrenzen kommen.“

Ich fragte den Nachlassverwalter, ob es Pläne vom Anwesen gibt und wie es ursprünglich geplant war. Diese lägen im Büro, bei Frau Graf, so wie alle anderen Pläne und Kaufverträge von allen Immobilien. Er setzte uns am Gutshaus ab und meinte noch wir bleiben in Verbindung, bis alles abgewickelt ist.

Ich fragte ihn noch, ob er sich auch im Stiftungsrecht auskenne. Er gestand: „Ehrlich gesagt, nicht so richtig. Doch wenn es sein müsste, würde er sich eben in diese Materie einarbeiten. Für dieses Spezialgebiet gäbe es seines Wissens keine Spezialausbildung, da es kaum nachgefragt wird. Jeder, der damit in Berührung kommt, muss sich alles erst selbst aneignen. Darüber sollten wir dann im Januar reden, wenn er vom Skiurlaub zurück ist.“

Philipp begleitete mich ins Büro und wir unterhielten uns noch einige Zeit über das neue Projekt. „Wir sollten Sebastian, Alexandra und Jakob einbinden bezüglich der Fragen zur Nutzung und welchen Aufwand wir hierfür betreiben müssen. Du willst den Gewinn in die Stiftung einbringen. Aber was machst du, wenn du anfangs nicht kostendeckend arbeiten kannst? Wie wäre es mit einer GmbH, die ihre Gewinne an die Stiftung ausschüttet.“ Da entgegnete ich: „So einfach ist das leider nicht. Das Problem bei einer möglichen Unterdeckung ist damit immer noch nicht gelöst. Darüber muss ich einfach noch ein wenig nachdenken.“

Da es inzwischen doch fast Mittag war, schaute ich kurz durch alle Büros. Klaus berichtete: „Am Montag zieht die Buchhaltung der J. Graf GmbH auf den Gutshof um. Alle Mitarbeiter in der Stadt packen derzeit ihre Ordner in Umzugskisten und am Montag kommt das Umzugsunternehmen und lädt früh morgens alles in einen Transporter. Am späten Vormittag wird der Transporter eintreffen und alle Kolleginnen und Kollegen helfen beim Auspacken und Einräumen. Ich hoffe, dass abends alles fertig ist und dann die Weihnachtspause starten kann. Wenn nicht, wird am Dienstag weitergemacht.“

Florian und Michi hatten ihr Büro inzwischen nach ihren Wünschen eingerichtet und unterhielten sich darüber, wie sie zukünftig gemeinsam die Immobilien verwalten wollen. Interessant für mich war festzustellen, dass die Beiden sich gut verstanden und miteinander und nicht gegeneinander arbeiten wollten.

Ich sagte zu ihnen: „Ich sehe, ihr seid auf dem besten Weg ein Team zu werden. Macht weiter so, dann könnt ihr das von Florian gesteckte Ziel eines weiteren Standbeines als Hausverwalter locker erreichen. Seid nur nicht zu ehrgeizig und fangt lieber etwas kleiner an. Behutsames Wachstum ist immer besser, als in einem Berg von Arbeit zu ersticken.“

Weiter ging es durch die restlichen Büros der Buchhaltung. Ich wünschte allen ein schönes Wochenende. „Wir sehen uns sicher am Montag, wenn eure Kollegen endgültig umziehen.“ Weiter ging es in die Büros der IT-Abteilung, wo Marcus mich damit empfing, dass Roland seine ersten Entwürfe auf unseren Server hochgeladen hat und wir uns das heute Nachmittag ansehen könnten. Wir sollten ihm unsere Änderungswünsche mitteilen, damit er sie umgehend einbauen könne.

Ich erklärte, dass ich um dreizehn Uhr bereits einen Termin habe, aber anschließend könnten wir uns gerne zusammensetzen, am besten im Besprechungszimmer, und zwar alle, die zur Gruppe der Betroffenen zählen. Im letzten derzeit besetzten Büro fand ich Bernhard und erkundigte mich wie er vorankommen würde.

„Das Einscannen der Dokumente aus der Immobilienverwaltung ist im vollen Gange, die Jungs wechseln sich immer wieder ab beim Scannen und beim Archivieren. Wo es noch Nachholbedarf gibt, ist bei der Verschlagwortung der Dokumente und bei den Ordnern, wo die Unterlagen gespeichert werden, aber langsam wird es besser.“

Als ich in allen Büros durch war schaute ich noch kurz bei Petra rein. Sie meinte, heute sei es richtig ruhig gewesen im Vergleich zu gestern. Ich wünschte ihr ein schönes Wochenende und schöne Weihnachtsfeiertage und verkrümelte mich in die Kantine.

Nach dem Mittagessen schaute ich kurz bei Michael vorbei, da ich ihn nicht in der Kantine angetroffen hatte und meinte, er solle so gegen zwei Uhr im Besprechungsraum sein. Roland habe die ersten Entwürfe für unser neues Projekt für die schwulen und lesbischen Jugendgruppen auf unseren Server hochgeladen und wir sollten uns seine bisherige Arbeit anschauen und ihm ein Feedback geben. Er „drohte damit“ Andreas mitzubringen, da der gleich mit seiner Arbeit für heute fertig sei.

Weiter ging es zu unseren beiden Neuen im Marketing und Eventmanagement. Ich wünschte Armin ein schönes Wochenende und ebenfalls ein schönes Weihnachtsfest, da er am Montag nicht arbeiten würde. Armin widersprach und meinte, er sei am Montag sehr wohl im Büro, da er mit Werner grundsätzliche Marketingstrategien besprechen will. Ich meinte, dann sähen wir uns am Montag.

Zu Werner sagt ich nur, wir sehen uns gleich, und er solle doch bitte etwas Zeit mitbringen.

Ich saß in meinem Büro und dachte noch einmal darüber nach wie wir das mit dem Hotel lösen konnten. Bislang hatte ich noch keine optimale Lösung für diese Angelegenheit gefunden. Aber auch jetzt fiel mir nichts Entscheidendes ein und so war ich froh, als es an meiner Bürotür klopfte und Werner in mein Büro trat.

Ich bat ihn sich mit mir in die Besprechungsecke zu setzen. Er hatte sein neues Notebook mitgebracht und erklärte mir, dass er erste Entwürfe für ein einheitliches Logo der Firmengruppe Gutshof Sonneneck entworfen habe. Sie seien natürlich noch nicht endgültig ausgearbeitet. Er wolle das erst machen, wenn eine Vorauswahl getroffen worden sei.

Er zeigte mir so etwa zehn Entwürfe, die ich mir ausführlich einzeln anschaute. Die meisten hinterließen den Eindruck, als wären sie für ein Unternehmen gedacht, das altmodisch und hierarchisch ist. Ich hatte da eher an ein moderneres Logo gedacht, eines mit mehr Pep und jugendlichem Elan. Als ich das erklärte, meinte er, dass er wohl von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei, als er sich an diese Entwürfe machte. Er erwartete, ich wolle ein eher konservatives Image der Öffentlichkeit zeigen und deswegen seien seine Entwürfe so ausgefallen.

Er versprach, ein etwas moderneres und peppigeres Logo zu entwickeln und mir am Montag zu zeigen. „Für das Sommerfest werden wir Flyer erstellen, die in Geschäften ausgelegt werden. Dort wo die Flyer ausgelegt werden, wird zusätzlich mit einem Plakat geworben. Ich habe Armin schon gesagt, dass mindestens vier Wochen vorher alles fertig sein muss, damit ich für die Gestaltung und den Druck eine Woche Zeit habe. Er solle rechtzeitig mit der Planung beginnen. Vor allen sollte er schauen, wer aus dem Gutshof sich beteiligt. Im gastronomischen Bereich sollten wir beim Sommerfest Einiges anbieten und ich denke, das werden die beiden hauseigenen Betriebe allein nicht stemmen können.“

Wir besprachen noch einige andere Dinge über die Darstellung in der Öffentlichkeit und auch wie wir unsere Stiftung präsentieren wollen. Im neuen Jahr, wenn etwas mehr Zeit ist, wollen wir unsere Stiftung einer breiteren Mehrheit vorstellen.

Inzwischen war es kurz vor zwei Uhr und ich bereitete Werner auf das vor was ihn gleich erwarten würde. „Wir haben ein weiteres Projekt ins Leben gerufen, dass eine Plattform schaffen soll für die landesweiten Gruppen schwuler und lesbischer Jugendlichen, um sich zum einen der Öffentlichkeit zu präsentieren und ihre Aktivitäten zu zeigen.

Im Besprechungsraum wirst du einen großen Teil der schwulen Jungs versammelt finden, die im oder für den Gutshof arbeiten. Ich hoffe du hast kein Problem, wenn du dich gleich als Minderheit an der Begutachtung der ersten Entwürfe für die Website beteiligst.

Diese Webseiten werden von einem schwulen Mediengestalter erstellt, der in den nächsten Monaten in der Stadt eine Wohnung bezieht und dann unser IT-Team im Gutshof verstärken wird. Bis dahin arbeitet er von zu Hause für uns. Er ist zwischenzeitlich wieder in seine Heimat zurückgekehrt und wohnt derzeit bei seinen Eltern. Auch ist er ist einer jenen Schwulen, denen man sofort ansieht, dass sie auf Kerle stehen, und deswegen hatte er Schwierigkeiten einen festen Job zu finden. Er hat zusammen mit Philipp studiert und als wir für diese Aufgabe einen Programmierer für die Seiten suchten, hat er sich an ihn erinnert und ihn zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.“

Wir gingen ins Besprechungszimmer, wo wir schon von den Jungs erwartet wurden. Werner schaute mich an und fragte mich flüsternd: „Sind alle im Raum schwul außer mir? Von dir weiß ich es aus der Firma, dass du mit Thomas zusammenlebst, obwohl ihr beide nicht unbedingt so wirkt.“ Deshalb sagte ich: „Ich werde dir die Jungs kurz vorstellen und dir erklären wer zu wem gehört.“

Zunächst stellte ich den Jungs erst einmal Werner vor, der vom Marketing der J. Graf GmbH zum Gutshof abgestellt wurde. Da fast alle paarweise zusammen saßen, war die Vorstellung und Zuordnung ziemlich einfach. „Ich fange neben mir an, dort sitzt Marcus, liiert mit meinem Sohn Philipp, einen der Beiden wirst du sicher schon kennengelernt haben. Daneben sitzt Ludwig, der Enkel von Gerhard Bauer, mit seinem Freund Christian. Neben Christian sitzt sein Bruder Benjamin, der sich Bernhard geangelt hat. Die vier bewohnen im Gesindehaus im Dachgeschoß die beiden Appartements.

Neben Bernhard sitzt Michael, den du sicher auch schon gesehen hast. Er ist unser Sozialarbeiter und arbeitet im Büro neben euch. Neben ihm sitzt Andreas, sein Freund und älterer Bruder von Bernhard. Sie wohnen ebenfalls im Dachgeschoß des Gesindehaus in einer Drei-Zimmer-Wohnung.

Als Letzter neben dir sitzt Daniel, der wohnt mit seinem Manuel im Verwalterhaus. Beide arbeiten in der Gärtnerei Winter. Im Verwalterhaus wohnen zusätzlich noch mein Neffe Jonas mit seinem Tim, die den landwirtschaftlichen Bereich unter sich haben, aber noch mitten in ihrem Studium stecken. Ganz oben im Gutshaus sind noch Alejandro und Jorge untergebracht, Alejandro ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Jorge stammt von der Insel Mallorca. Die Beiden gehören, so wie Thomas und ich, nicht mehr zum ganz jungen Gemüse.“

Marcus startete jetzt die Webseiten auf unserem Großbildschirm. Als erstes zeigte er uns die Startseite, die mich gleich überraschte Sie war in einem Stil programmiert, den ich bisher noch nie gesehen hatte und die vor allem durch ihre Dynamik überzeugte. Marcus meinte, da stecken bereits Elemente drin, die für die Apps auf den Smartphones von Bedeutung sein werden, die parallel mitentwickelt werden. Damit hat die Website eine Steuerung wie eine App.

Er wechselte auf die Seite, auf der die einzelnen Gruppen vorgestellt werden und von wo es dann auf die Seiten der einzelnen Jugendgruppen weitergehen soll. Als Muster hatte er bereits eine mögliche Startseite der Jugendgruppe, die im Café im Gutshof ihre wöchentlichen Treffen abhalten, hinterlegt und eine Seite mit Aktivitäten angelegt.

Im allgemeinen Teil waren schon mal einige der Telefonnummern hinterlegt, an die sich Betroffene wenden konnten, wenn sie Probleme hatten. Marcus erklärte, dass Roland auch bereits die unfertige App für das I-Phone mitgeliefert habe, die nach dem gleichen Prinzip arbeitet.

Da Roland von uns Feedback erwartete, stiegen wir in die Diskussion ein. Ich meinte: „Die Idee, das wie eine App zu gestalten, damit man immer die gleiche Bedienung hat, ist ein verdammt guter Ansatz, da die jüngere Generation sich inzwischen mehr auf ihre Smartphones konzentriert.“ Werner war der nächste, der sagte: „Den Stil könnten wir auch auf alle anderen Websites des Unternehmens übernehmen. Damit würden wir uns für eine gewisse Zeit aus der Masse der Internetseiten herausheben.“

Die anderen Jungs äußerten sich ebenso positiv über den ersten Entwurf. Roland sollte also in diesem Stil weitermachen. Und da er zukünftig alle Webseiten des Unternehmens gestalten sollte, wartete eine Menge Arbeit auf ihn. Eine Verjüngungskur würde unseren Webseiten gut zu Gesicht stehen. Marcus erklärte, dass er Kontakt mit Roland aufnehmen wird und ihm von unseren positiven Eindrücken berichten werde.

Zum Abschluß wünschte ich allen ein schönes Wochenende, frohe und besinnliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, sofern wir uns vorher nicht mehr sehen würden. Immerhin beginnen mit diesem Freitag die offiziellen Weihnachtsbetriebsferien in diesem Jahr und ich könnte nur auf diejenigen treffen, die unabkömmlich sind oder zwischen den Feiertagen arbeiten würden.

Ich setzte mich in mein Büro und ließ mir durch den Kopf gehen, was mich in den nächsten Tagen alles erwartet. Morgen würde Matthias mit seinen Eltern vorbeikommen bezüglich der Schnupperlehre. Am Sonntag würde die junge Frau aus München ihre Schnupperlehre antreten.

Am Samstagabend gibt es die Weihnachtsfeier der Gruppe schwuler Jungs mit ihren Eltern und Geschwistern. Gerhard würde auch auf die Weihnachtsfeier kommen. Wir werden sicher Gelegenheit haben zum Plaudern. Heute Abend gibt es dann die bisher größte Weihnachtsfeier in der jüngeren Geschichte des Gutshofes. Dabei fiel mir ein, dass ich um siebzehn Uhr noch einen Termin mit Ludwigs Chef habe, wegen des Leihvertrages und zum Kennenlernen eines Kunden der G. Bauer GmbH.

Am Montag will ich mit dem Chef der Schreinerei Obermeier sprechen wegen des Rückbaus in ein Hotel. Die Jungs hatten auch noch einiges auf ihrer Agenda, was sie morgen und Montag erledigen wollten.

Noch sechs Tage bis Heiligabend und ich konnte nicht von Weihnachtsruhe reden. Was Veränderungen bewirken merkte ich wieder einmal am eigenen Leib. Es gab so viele Veränderungen in meinem Leben und jede Veränderung brachte neue Aufgaben die zu bewältigen waren.

Der Tod meiner Frau,brachte die Aufgabe, mich um meine Kinder zu kümmern. Das Kennenlernen von Thomas forderte mich damit heraus, dass sich in meinem Sexualleben einiges änderte.

Der Tod meines Vaters machte mich zum Familienoberhaupt und brachte mir die Aufgabe den Gutshof zu führen. Ich glaube daran, dass ich mit meinen Entscheidungen, die ich in den letzten zwanzig Monaten getroffen habe, den Gutshof in eine sichere Zukunft bringe. Vor allem für unsere neue Stiftung, die mit Gerhards Hilfe geschaffen wurde, um Hilfsangebote für benachteiligte Kinder und Jugendliche anzubieten hoffte ich, dass ich damit die von meinem Vater begonnene Arbeit in seinem Sinne ausgeweitet habe.

Kurz vor siebzehn Uhr tauchte Ludwig in meinem Büro auf und meinte: „In wenigen Minuten wollte doch mein bisheriger Chef bei dir vorbeikommen, wegen der Vertragsunterschrift und zum Gedankenaustausch. Ich habe mich vorher noch schnell für die Weihnachtsfeier umgezogen, da der Chef der Meinung sei, für eine Weihnachtsfeier sei auch eine festliche Bekleidung erforderlich.“

Ich unterhielt mich noch mit Ludwig, wie er in den letzten Tagen mit der Arbeit zurechtgekommen sei und ob er mit seiner Einarbeitung zufrieden wäre oder ob daran etwas verbessert werden könne. Er erklärte mir, so langsam klappe es schon, er müsse halt noch viel Neues dazulernen, was er in seiner bisherigen Berufslaufbahn nicht kennengelernt habe.

Das ginge schon bei der Dokumentenverwaltung an. So etwas gab es bei seinem bisherigen Arbeitgeber nicht. Dort wäre immer noch alles in Papierform abgelegt und wenn man etwas brauchte, müsse es mühsam aus den Ordnern wieder herausgesucht werden. Er habe auch schon mit Bernhard darüber gesprochen, ob es möglich wäre, in der Immobilienverwaltung alle Dokumente direkt beim entsprechenden Objekt abzulegen.

Bernhard hat mir erklärt, dass er an einer Weiterentwicklung arbeite, die Dokumente würden grundsätzlich in der zentralen Dokumentenverwaltung verbleiben, könnten aber direkt aus der Einheit heraus aufgerufen werden. Als Beispiel, Schriftverkehr mit dem Mieter über die Mieterstammdaten, Mietvertrag über den Mieter, aber auch über die Mieteinheit.

Inzwischen war es schon fünf Minuten nach siebzehn Uhr, als an meine Bürotür geklopft wurde. Ich rief herein und ein Mann in den Fünfzigern betrat mein Büro. Er begrüßte erst Ludwig, dann wandte er sich an mich und sagte: „Grüß Gott, ich bin Robert Eder, Geschäftsführer der Invento GmbH, wir hatten um siebzehn Uhr einen Termin. Entschuldigen sie die Verspätung, aber ich wusste nicht wo sie zu finden sind. Im Restaurant fragte ich nach und Frau Huber hat mich freundlicherweise zu ihrem Büro gebracht.“

Ich stand auf und stellte mich als Peter Maurer vor. Üblicherweise würde ich von allen Mitarbeitern nur mit meinem Vornamen angeredet. Er solle sich nicht daran stören, denn das gilt auch für Ludwig, da er vorerst an unsere Stiftung ausgeliehen sei und nach Abschluss seiner Prüfung fest zum Team gehöre. Er wollte von mir wissen, wozu wir eine eigene Stiftung hätten.

Ich erklärte ihm kurz, dass wir mit der Stiftung benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen wollen und, mit dem von meinem Vater für Spanien geschaffenen Ableger sowie geerbten Immobilien, insgesamt Wohnimmobilien im Wert von über siebzig Millionen Euro zu verwalten hätten.

Er schaute mich an und erklärte dann: „Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätten wir uns die Unterschrift unter einen Leihvertrag ersparen können. Ich hätte euch in diesem Fall Ludwig unentgeltlich geliehen, gegen eine Spendenquittung, die ich steuerlich absetzen kann.“

Ich lachte und erklärte ihm: „Kein Problem, können wir immer noch so abwickeln. Du stellst der Stiftung deine Rechnung, wobei du auf der Rechnung vermerken solltest, dass dies eine Spende an die Stiftung sei. Die Bezahlung buchen wir intern als Spendeneingang um. Bei dir in der Buchhaltung wird ein Zahlungseingang in Form einer Spende gebucht.

Damit ist dein Kreditorenkonto und unser Debitorenkonto ausgeglichen. Bei uns steht es als Spendeneingang und bei euch in den Unterlagen als Spende an die Stiftung Sonneneck. Wir beide brauchen aus versicherungsrechtlichen Gründen den Leihvertrag. Sollte euer Buchhalter Probleme bei der Konstruktion sehen, soll er sich mit dem Chef unserer Buchhaltung, einem Steuerberater, in Verbindung setzten, der kann ihm das sicher gut erklären.“

Jetzt musste er lachen und meinte: „Macht ihr solche Geschäfte öfter, weil du dich so gut auskennst?“

Ich antwortete ihm, dass wir das bisher noch nicht in dieser Form durchgeführt hätten, wir haben uns nur im Vorfeld bereits Gedanken darüber gemacht, wie wir mit Spenden, in diesem Fall in Form von Manpower, umgehen können und müssen. Der umständlichere Weg wäre, wir überweisen dir das Geld für deine erbrachte Dienstleistung für die Stiftung und anschließend überweist du es uns als Spende wieder auf unser Konto. Der Vorgang ist für das Finanzamt trotzdem transparent, da du auf der Rechnung bereits darauf hinweist.

Ludwig meinte: Peter, gut, dass du das eben erklärt hast. Damit weiß ich für die Zukunft, wenn solche Anfragen kommen, wie das zu handhaben ist.“

Ich unterschrieb den Leihvertrag und achtete auch darauf, dass er bis zum erfolgreichen Abschluss von Ludwigs Prüfung befristet ist. Dann fragte ic h Ludwig vorsichtshalber, ob er schon einen Termin für seine mündliche Abschlussprüfung habe, die er damit beantwortete, dass die Termine erst im Januar mit der Verteilung der schriftlichen Noten bekanntgegeben würden.

Am Montag machte ich mich auf den Weg zur Schreinerei Obermair, um abzuklären, ob sie die Hotellobby wieder in ihren Ursprungszustand versetzen können. Gegen zehn Uhr stand ich vor der Schreinerei und suchte nach dem Büro. Ich würde fündig und trat ein. Eine Frau mittleren Alters aß am Schreibtisch und fragte mich nach meinen Wünschen. Ich erklärte ihr, dass ich gerne den Chef des Unternehmens sprechen möchte wegen eines Auftrags. Sie meinte, einen kleinen Moment, ich rufe meinen Mann ins Büro. Sie drückte einen Knopf neben einem Mikrofon und sagte, Franz, kannst du bitte ins Büro kommen, ein neuer Kunde ist für dich da.

Nach wenigen Minuten erschien der schon leicht grauhaarige Chef, Franz Obermair. Er fragte mich nach meinen Wünschen. Ich erklärte ihm, dass wir das ehemalige Hotel übernommen haben, das Frau Gruber vor Jahren erworben hat und von ihm die Hotellobby ausbauen ließ. Wir wollen es zukünftig wieder als Hotel nutzen und deshalb soll die Lobby wieder originalgetreu eingerichtet werden. Ich bräuchte von ihnen ein Angebot und einen Termin, wann sie mit dem Rückbau beginnen können. Er meinte, zum Termin kann ich ihnen sagen, dass wir die nächsten zehn Wochen voll ausgelastet sind, also voraussichtlich ab Mitte März.

Der Wiedereinbau wird voraussichtlich fünf Arbeitstage dauern, ohne Material, nur die Arbeitszeit wird sie etwa siebentausendfünfhundert Euro kosten. Wenn alles noch in dem Zustand wie bei der Einlagerung ist, bin ich mir sicher, dass so gut wie keine Materialkosten anfallen werden. Ich schaute ihn an und meinte, bis zehntausend Euro setze ich den Rahmen, über den sie verfügen können. Wenn es teurer werden sollte, bitte ich sie sich mit mir direkt in Verbindung zu setzen. Dieses Angebot gilt bis zum dreißigsten März, an diesem Tag sollte der Rückbau abgeschlossen sein. Können wir uns auf diese Vereinbarungen einigen? Dann schlagen sie ein.Er schaute mich verwundert an, scheinbar war er es gewohnt, dass seine Kunden anfingen zu feilschen. Plötzlich meinte er: „Ich schlage eine und werde schauen, ob ich irgendetwas anderes nach hinten schieben oder beschleunigen kann, dann würden wir auch früher anfangen.“ Ich drückte ihm meine Visitenkarte in die Hand und verabschiedetet mich. Beim Hinausgehen hörte ich ihn noch zu seiner Frau sagen: Ein Kaufmann vom alten Schlag.

Zurück im Büro schaute ich bei den Mitarbeitern vorbei, die heute und eventuell in den nächsten ein bis zwei Tagen jeweils halbtags arbeiteten, um die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, dass Anfang Januar wieder der normale Betrieb aufgenommen werden konnte. Dabei erfuhr ich, dass einige nur heute noch arbeiten würden und sie ab morgen bereits in den Weihnachtsurlaub gehen würden.

Kurz vor Mittag kam Armin, unser Eventmanager, vorbei und erklärte mir, dass für das geplante Treffen der Chefs der Jugendämter alles vorbereitet sei und er am siebenundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Dezember erreichbar wäre falls irgendwelche Schwierigkeiten auftauchen sollten. Er übergab mir den ausgedruckten Ablaufplan für unsere Veranstaltung und zeigte mir, wo ich die vorbereiteten Präsentationen finden kann.

Ich meinte, ich schaue mir die Präsentationen noch genau an, damit ich bei der Veranstaltung auf meinen Part vorbereitet wäre und bedankte mich für seine Vorarbeit, wünschte ihm schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr, verbunden mit der Hoffnung, dass bei der Veranstaltung sein Notfallengagement nicht benötigt wird. Er wünschte mir ebenfalls schöne und ruhige Feiertag und viel Spaß bei der Veranstaltung mit den Leitern der Jugendämter. Am Dienstag und Mittwoch hatte ich mir die Präsentationen angeschaut und stellte beruhigt fest, dass nichts Außergewöhnliches in den Vorträgen auftauchte.

Die Weihnachtsfeiertage verliefen ruhiger als ursprünglich befürchtet, da sich dieses Mal das Geschehen am Heiligen Abend verteilte und nicht alle bei uns aufschlugen, wie in der Vergangenheit. Meine Mutter, Thomas Mutter, mein Schwager Martin mit seinen beiden Kindern und deren Freund beziehungsweise Freundin, sowie Tims Eltern feierten mit den vier Jungs aus dem Verwalterhaus. Bernhard, Benjamin, Christian und Ludwig feierten mit Michael und Andreas, zusammen mit den Eltern von Michael, Andreas und Bernhard. Bei Thomas und mir waren nur Philipp und Marcus, meine Tochter Martina mit Ehemann Christoph und den beiden Kindern Katharina und Kevin. Später am Abend kamen noch Alejandro und Jorge dazu.

Für den zweiten Weihnachtsfeiertag abends hatte ich alle Genannten zur Familienweihnachtsfeier ins Restaurant eingeladen, wo uns Sebastian mit einem leckeren Weihnachtsmenü verwöhnte.

Am Donnerstagvormittag bereiteten wir im Gesindehaus alles für die Veranstaltung vor, die am Mittag mit einem gemeinsamen Mittagessen beginnen sollte. Alexandra und ihre Leute hatten noch einmal alle Zimmer überprüft. Wir wollten bei den Leuten von den Jugendämtern einen guten Eindruck hinterlassen. Bernhard kümmerte sich um die Technik im Saal, in dem die meisten Vorträge abgehalten werden.

Ab halb elf Uhr trafen die ersten Teilnehmer der Veranstaltung ein. Sie wurden von Alexandra an der Rezeption mit den Schlüsselkarten und allen notwendigen Informationen in Empfang genommen. Um zwölf Uhr dreissig begrüßte ich im Speisesaal alle Teilnehmer und erklärte kurz, dass sie heute und morgen Mittag aus den drei Menüs wählen können, die denen entsprechen, die den Kindern und unseren Mitarbeitern normalerweise mittags serviert werden. „Einen Unterschied gibt es allerdings. Die Kinder und unsere Mitarbeiter holen sich das Essen direkt am Tresen. Heute und morgen wird ausnahmsweise das Essen serviert. Abends und beim Frühstück, gibt es ein Büffet, bei dem sich jeder selbst bedienen kann. Wir sehen uns in einer Stunde gegenüber im Veranstaltungssaal zu unserem Treffen.“

Ich setzte mich zu Barbara Wegmann, vom Jugendamt Rosenheim, Michael unserem bisherigen Sozialarbeiter und Marion Habermann, unserer zweiten Sozialarbeiterin am Gutshof, die im April ihre Arbeit aufnehmen wird. Ich erklärte den Michael und Marion, dass sie sich während der Veranstaltung bitte vorne mit an den Tisch zu mir setzen. Bei Barbara war es von vornherein klar, dass sie mit vorne sitzen wird. Sie hatte die Einladung der Leiter in Thüringen und Hessen organisiert.

Pünktlich nach dem Mittagessen waren alle im Saal versammelt und ich eröffnete die Veranstaltung: „Grüß Gott, meine Damen und Herren, mein Name ist Peter Maurer und ich begrüße sie zu unserer Informationsveranstaltung über das Angebot der Stiftung Sonneneck für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien. Hinzu kommt jetzt neu ein Angebot im Internet für die LGBT-Community, das wir ihnen ebenfalls vorstellen wollen. Ihren Unterlagen können sie die geplanten Themen und die eingeplanten Pausen entnehmen.“

Nach kurzer Pause sprach ich weiter: „Ich möchte ihnen jetzt kurz die zwei Damen und den Herrn an meiner Seite vorstellen. Auf meiner rechten Seite sitzt Barbara Wegmann, die Stellvertreterin des Leiters des Rosenheimer Jugendamtes. Er selbst lässt sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen und hat uns Barbara entsandt, die auch für Fragen zur Verfügung steht. Marion Habermann nimmt offiziell am ersten April als Wiedereinsteigerin die Arbeit als Sozialarbeiterin im Gutshof auf, gemeinsam mit unserem bisherigen Sozialarbeiter Michael Oberwagner.

Beide haben ihre Dienstwohnung hier im Haus im Dachgeschoß, wobei Marion mit ihrer Familie erst im März hier einziehen wird. Michael wohnt bereits seit gut einem halben Jahr hier im Haus. Damit wäre die Vorstellung der anwesenden Mitarbeiter abgeschlossen. Wir haben noch einen weiteren Mitarbeiter, Armin Schwarz, der sein Büro ebenfalls hier im Haus hat. Er organisiert die Aktivitäten für die Gäste im Haus als Eventmanager.

Ich wollte wissen, ob es bisher Fragen gäbe, dann würden wir sie gerne sofort beantworten, ansonsten würde ich mit dem Punkt zwei, der Vorstellung der Stiftung beginnen. Da es bisher keine Fragen gab, fing ich an die Stiftung und ihre Anfänge darzustellen.

Ich erzählte: „Die Ursprünge der deutschen Stiftung gehen auf die von meinem Vater für Spanien gegründete GmbH zurück, in der er Immobilien kaufte. Die GmbH wird nach dem Tod meiner Mutter ebenfalls in eine Stiftung umgewandelt. Mit den Gewinnen, die die Gesellschaft erwirtschaftet, wird bereits Kindern und Jugendlichen in Spanien geholfen.

Vor einigen Monaten beschloss ich, bei einer sich bietenden Gelegenheit einen deutschen Ableger der Stiftung zu gründen. Vor etwa vierzehn Tagen, war dann dieser Zeitpunkt gekommen. Während einer Firmenübernahme äußerte der Verkäufer, er möchte seinen Anteil in diese Stiftung einbringen. Mit meinem Anteil hatte die deutsche Stiftung ein Startkapital von rund sechs Millionen Euro.

Nur wenige Tage später erreichte mich ein Anruf von einem Nachlassverwalter, dass ich rund achtzig Millionen in Immobilien und Bargeld erben solle, wenn ich es in eine Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche investieren würde. Ich erklärte ihm, dass wir derzeit bei der Gründung einer Stiftung sind, die genau diesen Zweck erfüllen soll. Beim Notartermin für die Gründung der Stiftung wurden anschließend die Immobilien der Erblasserin an die Stiftung übertragen und die Eintragung der Stiftung als Eigentümer im Grundbuch beantragt.“

Ich trank einen Schluck Wasser und erklärte weiter: „Damit hat die Stiftung eine Grundlage, die es uns jetzt ermöglicht, noch mehr Kinder und Jugendliche zu unterstützen, um einen möglichst unbeschwerten Urlaub zu erleben. Da wir bisher alles von der spanischen Stiftung finanzieren mussten, haben wir mit rund fünfzig Kindern gerechnet, denen wir im nächsten Jahr einen günstigen Urlaub anbieten können.

Weil ein Teil der Ausgaben auch den Kindern in Spanien zugutekommen soll, hätten wir rund vierzig Kindern in Deutschland unterstützen können. In der aktuellen Situation können wir im kommenden Jahr mindestens drei- bis vierhundert Kinder unterstützen. Das bedeutet wir können ihnen deutlich mehr Plätze für ihre Kinder anbieten als noch vor zwei Wochen. Da ein Teil der Einnahmen reinvestiert wird, können wir auch in den Folgejahren anwachsende Unterstützung garantieren.

Ich hatte meinen Vortrag zu diesem Thema mit einigen Schaubildern der Powerpoint-Präsentation untermauert und fragte nach, ob es zu diesem Thema Fragen gäbe. Eine Hand ging nach oben und ich forderte den Fragesteller auf, sich kurz vorzustellen und danach seine Frage zu stellen.

Erstand auf und sagte: „Ich bin Uwe Willbrecht, Leiter des Jugendamtes in Suhl. Meine Frage zielt darauf ab, welche finanzielle Unterstützung haben wir von der Stiftung für jedes Kind zu erwarten? Wie soll das abgewickelt werden?“

Ich erklärte: „Wir werden in den ersten Jahren vor allem die Kinder unterstützen, die ihren Urlaub während der Schulferien bei uns im Gesindehaus auf dem Gutshof verbringen. Da das Jugendhotel Gesindehaus keine Gewinne erwirtschaften muss, können wir für die Unterbringung und Verpflegung der Kinder moderate Preise anbieten. Hauptsächlich gefördert werden sämtliche Aktivitäten, wie Ausflüge, die von uns organisiert und vollständig übernommen werden. Zusätzlich wird die Stiftung den Tagespreis zusätzlich je Kind mit drei Euro pro Tag unterstützen.

Aktuell liegt der Tagessatz für die im Haus untergebrachten Schulklassen bei fünfundzwanzig Euro je Kind und Tag. Bei den am Wochenende stattfindenden Seminaren berechnen wir dreißig Euro je Tag, bei minderjährigen Seminarteilnehmern werden fünfundzwanzig Euro berechnet. Für einen zweiwöchigen Urlaubsaufenthalt würden somit dreihundertacht Euro pro Kind anfallen, die vom Träger zu übernehmen wären, bei einem einwöchigen Aufenthalt sind das einhundertvierundfünfzig Euro.

Langfristig ist geplant weitere Jugendhotels in attraktiven Urlaubsregionen zu kaufen oder neu zu errichten. Wir suchen bereits in Spanien und auf den spanischen Inseln nach einem Objekt, dass für diese Zwecke geeignet ist. Bei Auslandsreisen würden die Stiftung für die Kinder zusätzlich einen Teil der Kosten für die An- und Abreise übernehmen. Für kommendes Jahr ist unter anderem geplant, eine kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus Spanien für einen vierzehntägigen Urlaub auf dem Gutshof einzuladen.“

Wieder wollte ich wissen, ob es dazu noch Fragen gäbe. Es meldete sich eine Frau, der ich das Wort erteilte. Sie stellte sich als Gerlinde Marquardt vor, vom Jugendamt in Kassel. Sie meinte: „Bei diesem Angebot wird sie vermutlich die Nachfrage der Jugendämter überrollen. Wir geben derzeit im Schnitt für ein Kind fast zweihundertfünfzig Euro pro Woche für einen Urlaubsaufenthalt aus und ich denke bei meinen Kollegen wird da kein großer Unterschied sein.

Jetzt ist mir auch klar, warum sie die Anzahl der Kinder pro Jahr begrenzen müssen. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass wir im nächsten Jahr dieses Angebot für einige unserer Kinder nutzen werden. Auch werde ich meinen Kollegen aus den Nachbarlandkreisen, die heute nicht hier sein können, von diesem neuen Angebot unterrichten und denke, dass auch sie interessiert sein könnten.“

Da zu diesem Themenbereich keine weiteren Fragen oder Anmerkungen kamen, bat ich Barbara mit ihrem Beitrag zur organisatorischen Abwicklung der Anmeldung und zu unserem neuen Projekt zu beginnen.

Sie erklärte zur Organisation: „Ich möchte mich selbst noch kurz vorstellen. Ich bin Barbara Wegmann, stellvertretende Dienststellenleiterin beim Jugendamt Rosenheim. Ich kenne Peter Maurer seit gut achtzehn Jahren, anfangs als meinen Mandanten, der seine Frau verloren und zwei Kinder im Alter von fünf und knapp zehn Jahren hatte. Der letzte Kontakt liegt gerade einmal zwei Wochen zurück, als wir von ihm den Tipp erhielten, dass ein Minderjähriger in eine Psychiatrischen Klinik verweilt, weil er dort von seinen homosexuellen Neigungen geheilt werden sollte.

Da Peter von seinen Mitarbeitern nur mit seinem Vornamen angesprochen werden will, habe ich mich zwangsweise angepasst. Natürlich auch mit seinen beiden Sozialarbeitern, die mit uns im regen Austausch stehen. Vor allem in Bezug zu der schwulen Jugendgruppe, die sich wöchentlich im Gutshof trifft und die von Michael betreut wird.“ Sie genehmigte sich einen Schluck Kaffee und sprach weiter: „Bevor wir zum Organisatorischen kommen, möchte ich sie über unser neues Pilotprojekt informieren, dass wir mit der Stiftung durchführen werden. Ihr wisst selbst wie es ist, wir brauchen immer wieder Appartements für Jugendliche, die volljährig sind, aber ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben und ihren Platz im Kinderheim verlieren. Peter und Gerhard, der Mitbegründer der Stiftung, haben uns angeboten, ein neues Wohnprojekt in Rosenheim für diese Jugendlichen durch die Stiftung zu errichten und dann zu günstigen Konditionen an die Jugendlichen zu vermieten. Gleichzeitig soll eine Dienstwohnung für einen Sozialarbeiter eingerichtet werden. Die Betreuung von dreißig und mehr Jugendlichen durch das Jugendamt, die quer über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind ist sehr zeitaufwendig. Mit einem Sozialarbeiter vor Ort, der als ständiger Ansprechpartner auch abends zur Verfügung stünde, sind die Jugendlichen weitaus besser versorgt. Solltet ihr in euren Zuständigkeitsbezirken ähnliche Überlegungen anstellen, Peter ist durchaus bereit, auch außerhalb von Rosenheim entsprechende Objekte zu errichten, sofern es seine Mittel gestatten. Gibt es dazu Fragen von eurer Seite?“

Es meldeten sich zwei Personen. Barbara meinte, dann fangen wir mit dem Herrn links hinten an Er war der Erste, der sich gemeldet hatte. Er stellte sich als Igor Russow aus Bad Salzungen in Thüringen vor und stellte folgende Frage: „Wir haben vor Jahren einmal die Anfrage an den Kreistag des Wartburgkreises gestellt, ob wir so etwas in Eisenach für unsere Jugendlichen verwirklichen können. Die Stadt Eisenach wollte das Grundstück zur Verfügung stellen, nur fand sich kein Investor auf Grund der schlechten Ertragsaussicht. Wie stellt ihr euch vor, wie das abgewickelt werden soll?“

Damit war ich angefragt. Barbara übergab mir das Rederecht und ich beantwortete die gestellte Frage: „Grundsätzlich hätte ich kein Problem als Investor, da die Stiftung keine Gewinne erwirtschaften muss. Das unterscheidet uns von anderen Investoren. Weil unsere Objekte normalerweise nur über vorhandene Mittel finanziert werden haben wir eine gewisse Vorlaufzeit. Wir finanzieren jedes Objekt über die laufenden Einnahmen der Stiftung und den vorhandenen Rücklagen. Aktuell könnten wir zwei Projekte aus den derzeit vorhandenen Rücklagen in Höhe von jeweils zehn Millionen Euro sofort abwickeln, ohne auf eingehende Einnahmen zurückzugreifen.

Bis zur Fertigstellung der beiden Objekte, hat sich bereits wieder ein gewisser Grundstock an Rücklagen für die nächsten Projekte gebildet. Mit der Fertigstellung tragen die beiden Immobilien zu den monatlichen Einnahmen der Stiftung und damit auch zu den Rücklagen bei. Barspenden an die Stiftung werden grundsätzlich den Rücklagen zugeordnet und nicht bei den laufenden Ausgaben berücksichtigt.

Trotz allem würde ich eine Fertigstellung in etwa vierundzwanzig Monaten sehen, da für die Planung, Baugenehmigung und dem Errichten der Wohnungen entsprechende Zeiträume eingeplant werden müssen. Bei unserem Projekt in Rosenheim rechne ich mit einer längeren Frist, da die Stadt Rosenheim an dem vorgesehenen Standort die bereits genehmigte Wohnanlage mit Familienwohnungen nicht neu bearbeiten und genehmigen wird. Der zweite Fragesteller zog seine Meldung zurück, da seine Frage bereits durch meine Ausführungen beantwortet war.

Barbara erklärte nun den organisatorischen Teil. Das Jugendamt Rosenheim nehme alle Anmeldungen entgegen, bis zur Erreichung der von uns gemeldeten Gesamtteilnehmerzahl und gibt uns die Daten der Jugendämter und die gemeldete Personenzahl weiter, sowie in welchen Zeiträumen die Belegung erfolgt.

Für die Details wird sich dann die Stiftung mit den entsprechenden Jugendämtern in Verbindung setzen. Dann würden die Details wie Anzahl der Teilnehmer, Ansprechpersonen in Notfällen, ob Betreuungspersonen vom Jugendamt oder dem Kinderheim mit dabei sein werden. Dazu kommen Daten wie chronische Erkrankungen und mögliche Unverträglichkeiten der Kinder bei Lebensmitteln.

Barbara war damit fertig und für heute stand nur noch Kaffeepause und Rundgang über den Gutshof auf dem Programm. Ich erklärte: „Wir haben jetzt eine fünfzehnminütige Kaffeepause eingeplant und in etwa zwanzig Minuten treffen wir uns draußen zu einer Führung über den Gutshof. Ich bitte sie, sich warm anzuziehen für die etwa fünfundvierzigminütige Führung. Wir werden zwei Gruppen bilden, die eine Gruppe wird von mir und einem landwirtschaftlichen Mitarbeiter geführt, die zweite Gruppe wird durch meinen Sohn und ebenfalls einem landwirtschaftlichen Mitarbeiter betreut.“

Mit den Jungs war vorher abgesprochen, dass sie heute Nachmittag die Führung mit mir durchführen und sie hatten schon auf meinen Anruf gewartet. Pünktlich standen sie neben mir, während sich die ersten Teilnehmer bereits versammelt hatten. Als alle anwesend waren, teilten wir uns in zwei Gruppen auf.

Jonas und ich gingen mit unserer Gruppe zuerst ins Gutshaus. Im Eingangsbereich erklärte ich, dass in den Obergeschossen mehrere Wohnungen untergebracht sind, die unter anderem von meiner Mutter, der Mutter meines Lebensgefährten, von meinen beiden Kindern mit Anhang und vier Mitarbeitern belegt sind. Auf der rechten Seite im Erdgeschoß befindet sich das Restaurant im Gutshof und auf der linken Seite die Büros der Gutshofverwaltung und der Stiftung.

Während wir durch den Bürotrakt unsere Runde drehten, erklärte ich, dass den größten Platzbedarf derzeit die Buchhaltung braucht. Ich zeigte kurz mein Büro, das Büro der Stiftung und das Büro der Immobilien- und Mietverwaltung. Zur Buchhaltung erklärte ich, dass dort, neben der Buchhaltung für den Gutshof, die Buchhaltungen für drei GmbHs, die im Familienbesitz sind, die Buchhaltung für das Restaurant, die Stiftung, den Hofladen und das Hofcafé bearbeitet werden. Vermutlich wird nächstes Jahr eine weitere GmbH hinzukommen. Eines der Gebäude, die die Stiftung geerbt hat, wird aller Wahrscheinlichkeit als gehobenes Seminarhotel betrieben werden.

Unsere Gruppe ging weiter in den landwirtschaftlichen Bereich. Zuerst ging es vorbei am Verwalterhaus, wo Jonas erwähnte, dass er hier mit seinem Lebensgefährten lebt. Mit im Haus leben Manuel und Daniel, die beide im Gartenbaubetrieb arbeiten. Daniel ist Auszubildender und Manuel als Betriebsleiter. Weiter ging es vorbei an den Hühnerställen, den Schweineställen und den Ställen der Milchkühe in Richtung Hofladen und Hofcafé.

Er erklärte, dass für die Kinder einiges geboten wird, fast wie bei einem Urlaub auf dem Bauernhof. Sie dürfen mit in die Ställe, bei den Hühnern die Eier einsammeln, mit dem Traktor mit auf die Felder oder zum Gras mähen oder bei der Ernte auf dem Mähdrescher mitfahren. Er erzählte etwas über die bewirtschaftete Fläche und was dort angebaut wird. Die Gärtnerei beliefert mit fast allen einheimischen Gemüsesorten und Kräutern den Hofladen, das Restaurant und mehrere Großabnehmer. Sebastian, der Chefkoch, verwendet in seiner Küche vorwiegend regionale und saisonale Produkte. Mehr als fünfzig Prozent der verarbeiteten Waren stammen direkt vom Gutshof oder der Gärtnerei.

Ein anderer Hofladen in etwa acht Kilometer Entfernung beliefert ihn mit allen Nudelsorten, die verwendet werden. Wie ich von Peter erfahren habe, laufen derzeit Verhandlungen mit den Hofläden im Umkreis von zwanzig Kilometern, um eine Kooperative zu bilden, damit in den jeweiligen Hofläden das Angebot mit dem der Nachbarn vergrößert werden kann.

Inzwischen waren wir am Gebäude des Hofladens und des Hofcafé angekommen. Wir betraten das Hofcafé, das für diese Tageszeit noch gut besucht war. Wir lotsten unsere Gruppe direkt in die Backstube, wo ich erklärte: „Hier wird alles hergestellt was an Torten, Kuchen und Kleingebäck im Hofcafé verzehrt oder außer Haus verkauft wird. Voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres soll ein Bäcker eingestellt werden, der morgens die Brote und Semmeln herstellt, die zum einen vom Restaurant benötigt werden und zum anderen im Hofladen verkauft werden. Das Mehl dazu wird aus eigenem Anbau stammen.

Wir sind hier offiziell am Ende der Führung. Auf der Rückweg zeige ich ihnen noch die Fläche auf der im nächsten Jahr acht Häuser mit Wohnungen und Appartements gebaut werden. Zwei Gebäude davon nur mit Appartements für Mitarbeiter aller Unternehmen, die zur Gutshof-Gruppe gehören. Wer später noch Lust hat, wir treffen uns um zwanzig Uhr im Restaurant im Nebenzimmer und können Erfahrungen austauschen oder nur gemütlich plaudern.“

Mit Thomas ging ich abends ins Nebenzimmer des Restaurants und um viertel vor zwanzig Uhr waren bereits zehn Teilnehmer anwesend. Ich begrüßte alle und stellte ihnen Thomas als meinen Partner vor. Natürlich kam sofort die Frage auf, wie es möglich sei, dass ich schwul wäre und trotzdem zwei Kinder habe. Ich erklärte kurz, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Im Grunde genommen kennt ihr meine Geschichte, euch brauche ich sie nicht noch einmal zu erklären. So nach und nach trudelten weiter Teilnehmer ein und ich stellte beruhigt fest, dass gut fünfundsiebzig Prozent der Teilnehmer hier sind.

Irgendwann stellte Thomas die Frage, inwieweit sie mit dem bisherigen Ablauf der Veranstaltung zufrieden sind. Einer der Teilnehmer erklärte, dass sein persönliches Highlight der Rundgang über den Gutshof gewesen sei, da er dabei den Eindruck gewonnen hat, dass Kinder und Jugendliche nicht nur aufbewahrt werden, sondern ihnen auch ein vielfältiges Freizeit- und Lernangebot amngeboten wird.

Eine seiner Kolleginnen meinte dazu, dass ihr das auch aufgefallen sei. Ich erklärte ihnen, dass sie noch gar nicht die ganze Bandbreite unserer Möglichkeiten kennengelernt hätten. Vom Koch des Restaurants gibt es Pläne den Kinder Kochkurse für einfache Gerichte anzubieten. Dieses Angebot würden wir auch auf die Schulklassen ausdehnen, sofern Interesse daran besteht. Im Gesindehaus entsteht Anfang nächsten Jahres ein Werkraum, wo unter Anleitung gewerkelt werden kann.

Ich fragte in die Runde, wie ihr Eindruck bei den Hotelzimmern wäre. Eine meinte, die Zimmer wären zum überwiegenden Teil so gestaltet, dass sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen. Sie findet aber, dass auch die ältere Generation mit der Ausstattung gut zurechtkommt.

Ein Anderer erklärte, dass er es gut findet, dass die Zimmer vor allem für Kinder und Jugendliche bestens geeignet sind, da sie die Zielgruppe für die Unterbringung sind. Er geht davon aus, dass wir mit den ersten Schulklassen bereits erste positive Erfahrungen sammeln konnten.

Eine Teilnehmerin meinte, sie hätte ganz normale Hotelzimmer erwartet und war positiv überrascht, dass diese doch mehr dem Stil der jungen Generation angepasst sind.

Ich fasste kurz zusammen, was die Teilnehmer bisher gesagt hatten und wollte wissen, ob es auch gegenteilige Meinungen geben würde. Dass sich keiner meldete zeigte mir, dass wir auf einem guten Weg mit unserer Ausrichtung waren.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, waren wir gegen zehn Uhr wieder mit den Leitern der Jugendämter im Saal versammelt. Wir hatten für heute nur noch ein Thema und nach dem Mittagessen sollten die Teilnehmer die Heimreise antreten. Ich eröffnete wieder die Veranstaltung und stellte allen meinen Sohn Philipp und seinen Freund Marcus vor, die die ersten Entwürfe für unser LBGT-Projekt vorstellen sollten. Heute saß wieder Barbara bei uns am Podiumstisch. Sie wusste zwar, dass da bei uns etwas in der Planung war, hatte aber bisher die ersten Entwürfe von Roland auch nicht gesehen.

Nach der Begrüßung und einigen einleitenden Worten zu unserem Projekt übergab ich Phillip das Wort, damit er uns die ersten Entwürfe zeigen konnte und den Anwesenden erklären konnte, wieso wir auf ihre Mithilfe angewiesen waren.

Philipp erklärte, dass wir erstens eine bundesweite Datenbank aufbauen wollen, in der die Betroffenen alle Ansprechpartner der Länder und der Landkreise finden können, die ihnen entweder Beratung oder sonstige Unterstützung anbieten können. „Wie sie dem gezeigten Bild entnehmen können, haben wir bereits für den Landkreis und die Stadt Rosenheim die Daten hinterlegt, die uns vom Jugendamt zur Verfügung gestellt wurden.

Geplant ist, dass wir im Februar alle Jugendämter anschreiben werden und sie darum bitten uns die Informationen zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. Ungeklärt, ist noch die Frage, ob wir den Jugendämtern einen eigenen Zugang zur Datenbank ermöglichen, um die Daten selbst einzugeben und zu aktualisieren, oder die Daten durch uns eingegeben und gepflegt werden. Dazu würde uns auf alle Fälle ihre Meinung interessieren.

Die Einrichtung einer weiteren Datenbank soll für alle Gruppen mit eigenen Treffpunkten zur Verfügung stehen. Sie hätten dort die Möglichkeit, eigene Informationen einzubringen, z.B. über regelmäßige Treffen und sonstige Veranstaltungen, aber auch Berichte über ihre Aktivitäten. In Planung ist auch ein Werkzeug, damit sie miteinander kommunizieren können. Falls von ihrer Seite noch weitere Wünsche oder Anregungen kommen, welche Informationen zusätzlich für Kinder und Jugendliche aufgenommen werden sollen, sind wir sehr dankbar.

Der offizielle Start für diesen Internetauftritt ist geplant für das erste Wochenende im April, parallel werden für Android und I-Phone Apps entwickelt, die den gleichen Inhalt anzeigen wie die Webseite. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, von denen bereits sehr viele eigene Smartphones besitzen, werden diese Apps der Renner sein. Wie sie sehen, haben wir im Vorfeld bereits unsere Ideen an die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen angepasst.“

Philipp gab die Gesprächsleitung wieder an mich zurück. Ich meinte, bevor wir in die Diskussion einsteigen, will Barbara ihnen noch etwas erklären. Barbara lachte und sagte: „Was soll ich noch groß erklären, Philipp hat euch mit allen wichtigen Informationen zu diesem Projekt bereits versorgt. Michael, der Sozialarbeiter, war von Anfang an in das Projekt involviert und er hat mir gestern noch einmal betätigt, dass er die Umsetzung durch Roland, den Webseitengestalter, genial finde, da er vor allem die Zielgruppe Kinder und Jugendliche damit anspricht. Die Entwürfe, die ich heute auch zum ersten Mal gesehen haben, sind für mich beeindruckend. Was mich interessieren würde: Können sie sich vorstellen Kindern und Jugendlichen auf diesen Seiten ihre Hilfe, also die des Jugendamtes vorzustellen, auch wenn diese nicht der LGBT-Gruppe angehören? Aus meiner Sicht ist es völlig egal, ob das Kind, der Jugendliche, homosexuell, lesbisch oder heterosexuell ist, wenn jemand Hilfe sucht und sie auf diesen Seiten findet. Unsere Hilfsangebote gelten für alle und sind nicht auf eine geschlechtliche Ausrichtung beschränkt.“

Es meldeten sich gleich mehrere Teilnehmer und Barbara forderte, denjenigen, der sich als erster gemeldet hatte seine Meinung kundzutun.

Er stellte sich als Wilhelm Grabowski vor, Leiter des Jugendamtes Kassel und meinte: „Eine bundesweit gültige Plattform für Kinder und Jugendliche, die auf der Suche nach Hilfe und Unterstützung sind, gibt es bisher seines Wissens nicht, deshalb halte ich die Idee für sehr gut. Ich befürchte nur, dass viele Jugendämter überfordert sind, wenn sie ihre Informationen auf der zentralen Webseite hinterlegen und pflegen sollen.

Ich wünsche mir seit Jahren eine bundeseinheitliche Rufnummer, die die Kinder und Jugendlichen anrufen können. Am besten wäre für Kinder und Jugendliche eine kostenlose 0800-Rufnummer geeignet, die direkt beim richtigen Jugendamt ankommt. Ich habe inzwischen gelernt, dass dies technisch schwierig ist, weil viele Vorwahlen landkreisübergreifend sind. Eine zentrale Anlaufstelle, die diese Gespräche annehmen und wohnortbezogen weiterleiten kann, kostet Geld, dass wir nicht zur Verfügung haben.“

Nachdem er geendet hatte und bevor Barbara reagieren konnte, sagte ich: „Ist es nicht im Prinzip egal, bei welchem Jugendamt das Kind oder der Jugendliche ankommt, die Arbeit bleibt immer beim zuständigen Jugendamt hängen. Ich bin der Meinung, wichtiger ist ein erster Ansprechpartner, der sich die Sorgen und Nöte anhört und anschließend die Informationen an seinen zuständigen Kollegen im Nachbarlandkreis weitergeben kann, sofern sie nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallen. Ich wäre bereit, die 0800-Nummer über die Stiftung finanziell zu unterstützen, auch mit dem Risiko, dass der Anrufer in manchen Fällen nicht direkt beim zuständigen Jugendamt landet.“

Barbara erteilte nun der nächsten Teilnehmerin das Wort. Sie stellte sich als Christina Bogner vom Jugendamt in Fulda vor und erklärte: „Wir wissen von unseren Anrufern, dass über neunzig Prozent der Anrufer unsere Jugendnotrufnummer von früher Betroffenen erfahren. Das zeigt mir, dass unser bisheriges System mit eigenen Rufnummern für jedes Jugendamt nicht die beste Lösung sein kann. Mir gefällt die Idee mit der 0800-Nummer, damit könnte man bundesweit werben und die Hürden für die Kinder und Jugendlichen sind weitaus geringer einen kompetenten Ansprechpartner zu finden als bisher. Wenn uns die Stiftung bei dem Vorhaben unterstützen kann, sollten wir diese Hilfe annehmen.“

Es wurde noch eine interessante Diskussion, bei der wir uns am Ende darauf einigten, dass zumindest die Notrufnummer der einzelnen Jugendämter auf der Webseite abgefragt werden können, bis eine endgültige Lösung für eine bundeseinheitliche Rufnummer realisiert werden kann, die von der Stiftung unterstützt wird.

In der Zwischenzeit war es fast dreizehn Uhr geworden, ich wünschte allen eine gute Heimreise, nachdem sie sich noch mit einem Mittagessen gestärkt hätten. Ich überlegte bereits, wer von meiner Mannschaft sich des Problems mit der 0800-Nummer für einen bundesweiten Kinder- und Jugendnotruf annehmen könne. Vielleicht sollte ich Roland, Armin oder Werner auf dieses Thema ansetzen. Marketingtechnisch gesehen wäre zumindest Werner auf alle Fälle eine gute Wahl.

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