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Trainspotting

Teil 2 - Making of

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Informationen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Dies ist meine ganz persönliche Darstellung, wie mein Beitrag zur Workshop-Challenge 2017 entstanden ist.

Die Idee für diese Geschichten war grob vorgegeben: Orangesunshine hat uns auf unserem Workshop Ende Oktober 2017 in Neuss im Rahmen seines Themas „Gegenüberstellung Bericht – Erzählung“ einen Zeitungsbericht vorgestellt.

Zunächst war er sich selbst nicht so sicher, ob er daraus eine Erzählungen machen wollte. Schnell wurde die Idee geboren, daraus doch eine „Workshop-Challenge“ zu machen, an der sich jeder der Workshop-Teilnehmer mit einer eigenen Version dieser Geschichte beteiligen konnte.

Die Namen sollten geändert, ansonsten der Phantasie freien Lauf gelassen werden.

Dieses „Making of“ begann ich parallel zur Geschichte, weil ich sonst wahrscheinlich die ganzen Änderungen vergessen hätte.

Schon in der Nacht nach dem ersten Kapitel hatte ich alles wieder in Zweifel gezogen und im Halbschlaf alles komplett umgebaut. Was das im Einzelnen war, habe ich komplett vergessen, obwohl mir in dieser Nacht diese Änderungen als unvermeidlich erschienen. Beim Durchlesen des schon Geschriebenen wurde dann doch nichts verändert, denn „das Original“ erschien wieder plausibel und gut.

Dabei ging es u.a. um die Rolle Dominiks, Quirins langjährigem Spielkameraden und Freund. Er ist einfach ein Eisenbahn-Fotograf, aber er ist weder schwul, noch ganz so tief mit der Eisenbahn verwoben wie Quirin, doch nimmt er Quirin wie er ist und macht sich auch nicht über ihn lustig oder haut ihn gar in die Pfanne.

Trainspotter

So ungewöhnlich diese Freizeitbeschäftigung auch sein mag, es hat sie schon gegeben seit vor über 190 Jahren in England das Eisenbahnzeitalter begann: Nicht anders als heute gab es damals Jungs aus reichem Hause, die sich das sehr teure und aufwändige Herumreisen ohne weiteres leisten konnten. Ziel eines solchen Trainspotters war es, alle diese neuen Züge einmal gesehen zu haben, hierzu wurde immer ein Büchlein mitgeführt, in das vor allem die Loknummer geschrieben wurde. War dem Fan bekannt, wie viele Loks einer Baureihe existieren, konnte er die Tabelle entsprechend einteilen, indem er beispielsweise so viele Linien vorsah, wie es Loks gab.

In die heutige Zeit transformiert, lassen sich ja mit einem Tabellenkalkulationsprogramm alle möglichen Sortierungen solcher Einträge vornehmen. Genau das macht mein Protagonist.

Die Fotografie wurde etwa zeitgleich zur Eisenbahn entwickelt und wurde ein eigenes Metier, kommt es doch dabei auch auf das „Außenherum“ an. Erst seit unsere Telefone zusätzlich das Fotografieren gelernt haben, wurden sie manchmal Teil des Trainspottings.

Im einfachsten Fall ist man genauso ein Trainspotter, wenn man sich nur stundenlang an den nächsten Bahnhof stellt und sich die Züge anschaut. In der heutigen Zeit von Smartphone und Instagram wird jeder Zug fotografiert und ins Netz gestellt (einen solchen Vertreter durfte ich erst kürzlich als Lehrling in unserer Firma kennenlernen).

Persönliche Theorie

Möglicherweise habe ich die „Eingangsszene“ aber in meiner Phantasie überzeichnet, jedoch bin ich davon überzeugt, dass eine so bedingungslose Begeisterung für eine Sache sehr stark in Richtung Erotik gehen kann.

Dass solche extremen „Hobbies“ einsam machen, ist leicht vorstellbar. Vielleicht ist es jedoch umgekehrt und Einzelgänger suchen sich solche exotischen Beschäftigungen.

Die Art zu schreiben

Meine Art zu schreiben kann man mit Fug und Recht „chaotisch-spontan“ nennen, denn außer der Vorgabe hatte ich weder Konzept noch gar eine Gliederung; nur die Idee, dass sich Quirin und Fabian am Ende finden sollten. („Ja“, Entschuldigung, da bin ich eben ein hoffnungsloser Romantiker. Ohne Happy End geht‘s gar nicht, das echte Leben ist da unfair genug. Ich hoffe es ist nicht zu kitschig.)

Erzählperspektive

Zuerst nicht so klar war mir die Erzählperspektive: Erst wollte ich es in der dritten Person versuchen, das fiel mir zu schwer. Also (doch wieder) eine „Ich“-Erzählung. Letztlich ist es aus einer einzigen Sicht, nämlich der Quirins geschrieben.

Auch hatte ich erwogen, zu gegebener Zeit die beiden Hauptdarsteller abwechselnd zu Wort kommen zu lassen.

Ich hatte mir sogar eine dritte Perspektive überlegt, nämlich die eines Lokführers, dem üblicherweise die Trainspotter auffallen.

Chronologie der Entstehung

Als Eisenbahn-Narr wollte ich auf jeden Fall meine Version dazu beitragen und es war mir sofort klar, wie die Geschichte heißen sollte und wie sie beginnen würde. Das habe ich auch tatsächlich nicht mehr verändert:

Eine Uhrzeit, ein Datum, einen Ort und eine Loknummer: Das notieren sich Trainspotter der alten Schule wie Quirin.

Lediglich das erste Fünftel der Geschichte entstand an vier oder fünf Abenden hintereinander (jeweils nach der Arbeit) im Anschluss an den Workshop.

Manchmal habe ich – wach oder träumend – „des nachts im Bette“ die Geschichte im Kopf geschrieben, teilweise „100mal“ umformuliert. Öfters glaubte ich dabei brillante Formulierungen (meist auf Anhieb) gefunden zu haben und erfreute mich im Schlaf daran; jedoch als ich sie am darauf folgenden Abend (nach einem Arbeitstag) in den PC hacken wollte, hatte ich sie wieder vergessen.

Das führte dazu, dass ich dann ewig lange an einem einzigen Satz herumformulierte, in der Hoffnung, die nächtliche Brillanz wieder zu erlangen.

Um dem vorzubeugen, habe ich mir dann Papier und Bleistift neben das Bett gelegt, um mir im Falle eines Falles sofort den entsprechenden Satz notieren zu können, was auch hin und wieder funktioniert hat. Allerdings kam es nicht selten vor, dass meine nächtliche Schrift nicht mehr zu entziffern war (fällt schon mit meiner „Tagesschrift“ schwer).

Die Kapitel 2 bis 4 (Menschen, Schule, Alarm) habe ich einfach herunter geschrieben, nichts hatte ich mit vorher zurechtgelegt. Es kam einfach so „aus der Feder“. Da habe ich dann verstanden, was hin und wieder in einem Vorwort bei Nickstories zu lesen ist: „… hat sich die Geschichte verselbstständigt …“.

Kapitel 5 (Offenbarung) war etwas mühsam. Öfters stellte ich um, ergänzte oder strich ganze Teile.

Dann folgte eine Schreibpause; keineswegs zwangsläufig, sondern einfach weil ich keine Lust hatte. Ein oder zwei kurze Zusätze zum Kapitel 5 waren bis zum Weihnachtsurlaub alles, was ich zustande brachte.

Ab Kapitel 6 (Übergriff) entstand dann alles in der Zeit ab dem 24. Dezember.

Im Wesentlichen habe ich die Kapitel der Reihe nach geschrieben.

Das war teilweise sehr viel Arbeit!

Im Laufe des 15. Kapitels (Ablenkung) setzte ich mir dann einen Zielpunkt (sonst würde ich wahrscheinlich heute noch schreiben). Der Ort war klar: Die Psychiatrie in Koblenz. Auch dieses Ende der Geschichte entstand wieder ohne große Überlegungen.

Aus heiterem Himmel kam mir schon vorab die Szene an der Pforte in den Sinn. Jetzt musste Quirin nur noch nach Koblenz kommen.

Ursprünglich hatte ich nicht vor, Quirins Leben so breit auszurollen.

Selbst der „Übergriff“ war nicht geplant. Allerdings mussten nach meinem Verständnis folgende Kurven gekratzt werden:

- Die Trainspotter sollten immer wieder Mal Züge anschauen dürfen.

(ich hoffe, dass es nicht zu oft war)

- Der Chat mit Fabian musste wiederholt dargestellt werden.

So wurde beispielsweise der Chat von Kapitel 11.,(BigBoy), nachträglich eingefügt.

- Fabian wird über sein Handy geortet.

- Als „Nicht-Verwandter“ musste eine Möglichkeit für Quirin gefunden werden, dass er an Fabian ran kommt.

Deshalb kommt dem „Dorfpolizisten“ eine Schlüsselrolle zu:

Einerseits konnte er kein Fremder sein und andererseits musste er besondere Verbindungen nach Koblenz haben.

Nach der Korrekturhilfe durch meinen Freund und der finalen Korrektur-Lesung der gesamten Geschichte am Abend des 31.12., konnte ich die Geschichte nach nochmaligen, zahlreichen Verbesserungen (von der Kommasetzung bis zum Satzbau) um 23:25 Uhr abschicken.

Kopfkino

Seit dem Workshop will ich möglichst häufig versuchen, immer wieder auf das Kopfkino des Lesers zu setzen. (Danke Guido für die Verdeutlichung dieses Vergnügens.) Ich hoffe, es gelingt mir. Wenn Ihr Euch also fragt: „Wie jetzt, steht Quirin da etwa nackt auf dieser Wiese oder doch nicht?“, wäre mir das an der Stelle schon mal gut gelungen…

Kapitel

Zunächst habe ich einfach drauf los geschrieben. Je länger und je detaillierter die Geschichte wurde, desto mehr drängte sich die Notwendigkeit einer Gliederung in Kapitel auf. Einfach nummerieren wollte ich nicht.

Dass die ersten beiden Kapitel „Züge“ und „Menschen“ heißen sollten, war „alternativlose“ Eingebung und keine lange Überlegung.

Daraus folgte für mich irgendwie zwingend, dass alle weiteren Kapitel auch nur mit einem Schlagwort überschrieben werden sollten. Meistens war es tatsächlich einfach. Am längsten musste ich beim letzten Kapitel überlegen. Da kam mir dann wieder das Gelernte vom Workshop zu Hilfe: Einsatz des Kopfkinos des Lesers im weitesten Sinne.

Personenbeschreibungen

In voller Absicht wird keine der beteiligten Personen näher beschrieben.

Ihr Alter weiß man nur bei Quirin (und Dominik) relativ genau, nämlich auf dem Umweg, dass sie sich seit 14 Jahren aus Kindergartenzeiten kennen und Quirins Vater mit seinem Sohn vor 16 Jahren herumgetobt hat und Quirin jetzt fast erwachsen ist. Letztlich nennt Quirin sein Alter im Gespräch mit Professor Leidbichl.

Sowohl beim Lokführer Steffen als auch bei der Psychologin Dr. Verena Busch hatte sich im Schreibfluss eine Altersangabe eingeschlichen, die ich im Nachhinein wieder entfernt habe.

Namen

Dass der Hauptdarsteller von Anfang an Quirin hieß, liegt daran, dass ich erst vor kurzem zum ersten Mal einen „Quirin“ kennengelernt habe und bei Tante Google entdeckt habe, dass es sich um einen alten bayerischen Vornamen handelt.

Dominik heißt so, weil ich einen Eisenbahnfotografen aus Großkarolinenfeld kenne, der so heißt, aber natürlich sonst nichts mit der Geschichte zu tun hat.

Zunächst erschien es mir ganz witzig, wenn Fabian stattdessen auch einen Namen mit „Q“, also Quinton oder Quentin gehabt hätte. Das fand ich dann allerdings irgendwie überzogen. Dass das dann zur Verstärkung der Antipathie gegen Dr. Ilzheimer dienen könnte, war ein spontaner Einfall, der wohl durch die Beschäftigung mit diesen Namen begünstigt wurde.

Schwieriger gestaltete sich die Suche nach den verschiedenen Nachnamen. Quirin, Dominik und Fabian hatten lange keine Nachnamen. Dominik braucht in der Geschichte keinen, ebenso wenig seine Mutter Evi. Bei den anderen beiden änderte sich das erst, als die Behörden und die Psychiatrie ins Spiel kamen. So suchte ich nach einem Allerweltsnamen, möglichst bayerisch. Winklscherer, Leidbichl und Hofbauer hatte ich schon besetzt, daher schien Schmid ganz gut zu passen. Wieder Tante Google befragt, kam eine lange Liste mit verschiedenen Schmieden, da war mir sofort klar, dass Quirin „Silberschmid“ (ohne e) und Fabian „Rotschmied“ heißen sollte.

Keine langen Überlegungen kostete es für Sebastian Winklscherer: Basti oder Bastian und der Sebastian Leidbichl waren gute Freunde mit gleichen Vornamen, weswegen der eine „Wastl“ gerufen wurde.

Das Café Moser heißt so, weil es ein solches bei uns gibt.

Dr. Scheuring war auch eine Eingebung im Schreibfluss, keine Ahnung, wie ich drauf kam – ich kenne niemanden, der so heißt.

Der Lokführer Steffen war wieder schwierig. Zunächst hatte ich einen echten Kollegen im Kopf, dem ich Vater und Sohn Silberschmid anvertrauen würde und der auch gerne jemanden mitnimmt (machen nicht alle Kollegen). Nun sollte er freilich nicht beim richtigen Namen genannt werden und ich wandelte den Namen mehr oder weniger stark ab. Das kostete vor allem deshalb eine gewisse Zeit, weil zunächst noch der Nachname im Spiel war. Weil jedoch der übliche Dialog mit Vorstellung per Nachnamen und dann indirekt „Steffen, wie wir ihn nennen sollten...“ meinem Korrektor missfiel und mit „würde ich weglassen“ markiert war, tat ich das und der Lokführer hieß fortan einfach nur Steffen.

Das passt auch insofern, als dass sich im Betriebsdienst bei der Eisenbahn ohnehin alle nur duzen, auch wenn sie sich überhaupt nicht kennen.

Loknummern

Hier noch eine weitergehende Erläuterung zu Quirins Notizbucheintragungen:

Dabei handelt es sich um Lokomotiv-Nummern.

Die ersten drei Ziffern bezeichnen die sogenannte Baureihe, die nachfolgenden drei Ziffern sind die Ordnungsnummer, womit dann eine ganz bestimmte Lok identifiziert wird. Quirins erster Eintrag enthält „186 444“, dabei handelt es sich um die Baureihe 186, einer Güterzuglok für vier Stromsysteme. Die Maschinen 444 und 443 gehören der Münchener Firma Lokomotion GmbH. Wer wissen will, wie diese aussehen, möge bei der Suchmaschine seines Vertrauens diese sechs Zahlen mit dem Abstand in der Mitte eingeben, „Lokomotive“ ergänzen und unter „Bilder“ suchen… Dann wird auch schnell klar, warum die 444 „Harlekin“ und die 443 „Albino“ genannt wird.

Unter 186 442, 189 904, 151 056, 193 777 oder 139 310 findet man mit einer Bildersuche im Netz das „normale“ Lokomotion-Erscheinungsbild.

„deleted scenes“

Genauer gesagt veränderte Szenen.

Kursiv Gedrucktes wurde gelöscht oder verändert.

Folgendes empfand mein Korrektor als unpassend, was ich schließlich teilweise nachvollziehen konnte:

„… Nun wollte ich ihm ja nicht alles auf die Nase binden. Oder hieße das, sein Vertrauen zu missbrauchen? Naja, Väter müssen ja nicht alles wissen, entschied ich und brummte nur:

„Das ist nur, weil es heute so heiß war!“Trotzdem musste ich zugeben, dass ich das eben mit meinem Dad ziemlich genossen hatte und hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte. Paps beließ es jedenfalls dabei. Zu meinem Bedauern hat er mich seither nur noch sehr vorsichtig gekitzelt, wenn überhaupt. Kleidungsstücke kamen dabei keine mehr abhanden.

Der folgende Tag wurde zu einem einmaligen Erlebnis …“

Am letzten Tag fiel mir ein gravierender Fehler auf:

Zuerst sollte Quirin von Fabian „eigentlich nichts“ wissen. Dr. Verena Busch hätte ihm alle Informationen gegeben. Das wäre jedoch nicht möglich gewesen: Woher hätte sie etwas wissen können, nachdem sie noch zu keinem Zeitpunkt mit Fabian hatte sprechen können?

Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder einen weiteren Chat einfügen. Aber wo? Der hätte viel weiter in der Vergangenheit liegen müssen. Also blieb nur eine Retrospektive, d.h. Quirin erinnert sich, als er über Fabian nachdenkt.

„… „Oh vielen Dank, schlaf auch gut, Paps.“

Ich dachte an Fabian. MEINEN Fabian, wie es mir Basti in den Mund legen wollte. Plötzlich fand ich diesen Gedanken gar nicht mehr so befremdlich. Aber außer, dass er Fabian Rotschmied heißt und Halbwaise ist, wusste ich gar nichts von ihm. Wer und was also erwartet mich da morgen? Klar, er war Trainspotter, wie ich. Sein Faible lag wohl eher bei den Dampfloks. Aber was war er für ein Mensch? Eine Freundin hat er nie erwähnt, freilich auch keinen Freund. Ich ertappte mich dabei, dass ich selbstverständlich davon ausging, dass er schwul war. Aber woher nahm ich das? Das war wieder reine Einbildung! Wunschdenken! Je mehr ich nachdachte, umso mehr drehte ich mich im Kreis.

Trotz der ganzen Aufregung schlief ich verhältnismäßig rasch ein. ..“

„... Ich zeigte den beiden den Chat-Verlauf mit Fabian, den sie sich sehr aufmerksam ansahen.

Schließlich war es Verena, die mir nun endlich weitere Infos zu Fabian gab. Demnach starb sein Vater, als Fabian noch ganz klein war. Zunächst gelang es auch seiner Mutter ganz gut den Kleinen groß zu ziehen. Als der dann ungefähr in die Pubertät kam, entglitt ihr das ganze: Sie begann zu trinken. Jetzt begann Fabian sich um seine Mutter zu kümmern, was ihn aber eigentlich überforderte. Die ständig wechselnden Bekanntschaften seiner Mutter machten Fabian zusätzlich das Leben schwer. Grundlos wurde er geschlagen, in seinem Zimmer eingesperrt ...“

Für einen pointierten Schluss musste zwingend das „hey BigBoy“ an dieser Stelle durch ein einfaches „Fabian“ ersetzt werden:

„… Erwartungsgemäß blieb mein Klopfen ohne Reaktion. Leise drückte ich die Klinke nieder und öffnete vorsichtig die Tür. Langsam trat ich ein und nannte seinen Namen: „Fabian.“ Keine Reaktion. Ich trat näher heran.

Hey BigBoy Fabian, ich bin‘s, Quirin“, flüsterte ich und ging vor ihm in die Hocke.

Langsam hob er etwas den Kopf, als ob er aus einem Schlaf erwachen würde. Unsere Blicke trafen sich, ein Blitz durchfuhr mich, so dass ich fast nach hinten umgekippt wäre.

„Quirin.“ Fabian ließ sich nach vorne fallen; ich konnte ihn gerade noch auffangen. Er klammerte sich um meinen Hals, als wollte er mich nie wieder loslassen. Vorsichtig nahm ich ihn in meine Arme.

„Hallo BigBoy.“

Aufregung zum Schluss

Hier endete bislang dieses „Making of“.

Doch das war es noch nicht.

Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Redaktion gemacht.

In der ursprünglichen Version waren drei sachliche Fehler, die der Qualität der Geschichte abträglich gewesen wären, so die Auffassung der Redaktion:

Sepp hätte in dieser Version Quirin tatsächlich vergewaltigt.

Moniert wurde dabei erstens meine – falsche – juristische Aufarbeitung dieser Vergewaltigung. Denn es würde in jedem Falle Anklage gegen den Täter erhoben, selbst wenn das Opfer keine Anzeige erstatten würde. Im weiteren Verlauf dürfte deshalb zweitens auch kein Polizist Opfer und Täter so einfach alleine in einem Raum lassen.

Nach der Vergewaltigung hätte Quirin einen Herzstillstand erlitten, von dem er sich drittens in der Realität niemals so schnell erholt hätte.

Diese Fehler hatte ich selbstverständlich nicht absichtlich eingebaut.

Damit wollte ich einfach nur Spannung und Dramatik erhöhen.

Allerdings wäre dadurch Quirins starker Charakter besonders betont worden, da er sich trotz größter Demütigung unter großen Schmerzen und der Begegnung mit dem Tod in die Lage seines Peinigers versetzt hätte. Am Ende behält er ja Recht mit seiner Einschätzung der Person seines Klassenkameraden.

Dem wurden die o.g. Punkte höher rangig entgegen gesetzt.

Diese Kritik hat mich schier zur Verzweiflung gebracht, da ich keine Möglichkeit einfacher Änderungen sah. Sämtliche bezugnehmenden Dialoge hätten völlig verändert werden müssen und auch ganze Kapitel gestrichen. Nicht nur einmal bin ich meine Geschichte durchgegangen, sondern immer und immer wieder. Jedes Mal stieß ich an die selben Punkte, wo mir eine Textänderung zu uferlos aufwändig erschien.

Irgendwann kam ich auf die Idee der Fast-Vergewaltigung. Dass Quirin dann einfach „nur“ unglücklich stürzen könnte, wurde zwar von Seiten der Redaktion vorgeschlagen, damit konnte ich mich jedoch erst anfreunden, als ich mir den Sturzverlauf genauestens überlegt hatte, denn ich wollte die nachfolgenden Szenen nur minimal ändern, wenn überhaupt.

Dass ich dann doch nur etwa drei Stunden für die Änderungen brauchte, erstaunt mich im Nachhinein immer noch.

Zwei Stellen hatte ich dann noch übersehen, für die mir Karsten aus der NiSt-Redaktion dankenswerterweise gleich zwei Vorschläge machte.

Alles aufzuführen würde zu weit führen, deshalb nachfolgend nur drei Szenen mit größeren Änderungen in Kursivschreibweise:

...

Erst jetzt realisiert ich meine unvorteilhafte Bekleidung einer Lehrkraft gegenüber und schnappte mir blitzschnell mein Handtuch um meine Blöße zu bedecken. Ich versuchte noch meine Gedanken zu sortieren, aber das war wohl zu viel. Ich merkte noch, wie meine Knie weich wurden und mir die Beine wegsackten.

Mir wurde schwarz vor Augen und es herrschte eine schier unendliche Ruhe.

Alles wurde ganz leicht – ich schwebte „Quirin! Quirin, mein Schatz!“ hörte ich meine Mama rufen. „Was machst du denn schon hier? Bist du nicht etwas sehr früh dran?“

Verwirrt dachte ich, dass hier irgend etwas ziemlich schief läuft, als sich alles um mich herum wieder verdunkelte.

...

...

„Na der Arschgeige! Den haste bilderbuchmäßig ausgeknockt!“, dann stockte er und fuhr leise fort: „Sie sagen, der hätte dich vergewaltigt…?“

Ich seufzte:

„Domi, das stimmt. Was passiert jetzt?“

„Hm, hängt wohl von dir ab. Wenn du ihn anzeigst, dürfte er in den Knast wandern, schließlich ist er schon achtzehn im Gegensatz zu uns. Auf alle Fälle fliegt er von der Schule.“

„So ein Arsch! Aber ich glaube, ich werde keine Anzeige erstatten!“

„Waas?“, schrie Dominik überrascht. „Hey, wenn der Baric nicht zufällig noch da gewesen wäre und dich reanimiert hätte, wärst du jetzt wahrscheinlich tot und der Arsch hätte dich auf dem Gewissen.“

„Jetzt mach Mal halblang“, hielt ich dagegen, „das kannst du so nicht sagen, vielleicht wäre ich ja gar nicht kollabiert.“

Dominik rollte nur mit den Augen.

...

...

„Ich denke schon“, meinte ich, wobei ich Sepp genau beobachtete. [….] Dieser war bei meinen etwas zu laut und forsch gesprochenen Worten leicht zusammengezuckt.

„Gut, wie du meinst. Aber ich bleibe direkt vor der Tür! Also, bis nachher!“

Sepp vermied noch immer jeden Blickkontakt, während ich ihn regelrecht fixierte.

...

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