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Ich hab es mir nicht ausgesucht...
Wie alles begann...
Teil 20 - Chaos in mir, zwischen Eifersucht und Zweifel
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Informationen
- Story: Ich hab es mir nicht ausgesucht...
- Autor: Julian K.
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Coming Out
Ich konnte mich vor Überraschung nicht gleich bewegen.
Unbeholfen stapfte Tim in den dicken Winterstiefeln ein, zwei Schritte auf mich zu und bemerkte erst jetzt, dass er feucht schmutzige Spuren auf dem Teppich hinterließ. Erschrocken blieb er stehen, starrte er auf seine triefenden Fußspitzen.
Langsam hob er seinen Blick.
Bestürzt fragend schaute er mich an. „Juli, warum bist du vorhin abgehauen? Meine Eltern wissen doch, dass du und ich… ich wollte dir, ich muss dir unbedingt noch was sagen. Bitte sei nicht sauer, dass ich mit nach, also, dass ich mit zu Oma fahre, aber ich… ich hab dich trotzdem sehr, sehr… na lieb. Und ich will auch für immer dein Freund sein, aber...“
Ich schaute ihn betroffen an und ging ihm einfach entgegen.
„Timmi, ich weiß nicht, ob sie „das“ wirklich von mir wissen. Ich habe einfach Angst, davor, dass sie mich dann nicht mehr mögen… dass du nicht mehr zu mir kommen darfst und mich auch nicht mehr als Freund willst…“
Ich holte tief Luft.
„Aber du sollst es wissen, ja ich, ich… ich hab mich in dich verliebt, mehr als du dir denken kannst, mit Haut und Haaren.“ Ich hatte es ihm endlich gestanden.
„Und es ist für mich okay, dass du mitfährst. Auch wenn unser Wochenende…“
Ich verstummte, musste schlucken. Ich wollte nicht heulen aber ich glaube, Tim sah die Tränen in meinen Augen aufsteigen. Langsam hob er eine Hand und wischte mir mit dem Daumen über die Augen, „nicht weinen Juli, ich… ich bin bald wieder da. Dann können wir das nachholen, ja?“ Einen Moment schaute er zu Boden und schwieg.
Ganz langsam hob er wieder den Blick. „Aber Juli, ich muss dir noch was sagen, also was Wichtiges… ich bin, ich hab… ach Mann Scheiße, ich mag Resi sehr gern.“ Pause.
„Ich glaub ich hab mich in sie verliebt.“ Bange schaute er mich an.
Es war raus, er war mutig, hatte es mir endlich gesagt.
Ich musste schmunzeln, hatte ich es doch richtig beobachtet.
„Das weiß ich doch längst Timmi. Und Resi?“
Er schaute mich überrascht an, dann zuckte er zögerlich mit den Schultern, „ich glaub, ich weiß nicht… wir haben uns auch schon, na… na… geküsst… aber…“
Unsicher blickte er mich an, sein Gesicht war rot wie eine Tomate geworden.
Jetz nickte ich überzeugt, „doch ich glaub, nein ich weiß es. Ich kenne sie schon so lange, sie erzählt immer nur von dir. Timmi, sie liebt dich auch.“
In sein Gesicht kam ein erleichterter Glanz, seine Augen leuchteten direkt. „Meinst du?“ „Na klar!“
Er sah mein Lächeln, nickte und fragte unsicher, „aber Juli, zwischen uns beiden bleibt alles, wie es ist, ist alles okay, oder? Ja? Bitte!!!“
Sofort beschlich mich wieder die alte Angst. Warum fragt er so etwas? Hatte ich ihn in diesem Moment doch schon verloren?
„Wenn du es auch möchtest“, flüsterte ich mit heiserer Stimme zurück.
Er atmete erleichtert auf. „Wenn du willst, erzähl ich dir später alles, ja?“
Ich nahm all meinen Mut zusammen, holte tief Luft und rückte ganz dicht an ihn ran und flüsterte mit leichten Kratzen im Hals, „Timmi, ich muss dir auch etwas sagen…“
Ein dicker Kloß saß in meinem Hals. „Ich bin, ich hab, also, aber ich hab mir vorgenommen auch ehrlich zu dir zu sein. Also ich hab mich auch neu verliebt… auch noch in einen anderen Jungen und ich glaub, der mag mich auch.“
Ganz schnell legte ich ihm beide Hände in den Nacken, zog sein Gesicht zu mir heran und flüsterte mit versagender Stimme, „bitte nicht böse sein Timmi, ja? Bitte!“
Er schien überhaupt nicht sauer zu sein, legte einfach seine Hände auf meine Schultern, schaute mir direkt in die Augen, lächelte spitzbübisch und fragte flüsternd zurück, „kenn ich ihn?“ Befangen nickte ich ganz leicht und hauchte, „ja.“ Er flüsterte einfach weiter, „heißt er Falk?“
Jetzt war ich doch überrascht, bekam große Augen und nickte wortlos. Er hatte mich während der ganzen Zeit nicht losgelassen. Sachte zog er mich dichter zu sich heran, ich spürte seinen Herzschlag, er presste sein Hüfte an mich, in mir vibrierte eine gewaltige Erregung. Ich glaube, er spürte meine Härte. Tim gab mir einen langen zärtlichen Kuss auf den Mund. Ich konnte und wollte mich nicht bewegen, dieser Augenblick sollte nicht enden…
Einen viel zu kurzen Moment später flüsterte er mir ins Ohr, „ich dachte es mir schon, als du gestern so komisch warst.“
Ich wollte etwas sagen, „aber…“
Wieder legte er mir den Finger auf den Mund und schüttelte den Kopf. „Alles gut Juli.“
„Aber was wird Resi dazu sagen…?“ Er schob mich ein Stück von sich weg, sein Blick hing an meinen Augen. „Du kennst sie doch, Resi ist ein fantastisches Mädchen, sie liebt dich, wie, na wie einen guten Freund oder noch besser, wie einen Bruder. Na und Falk ist ein süßer und toller Bursche. Wenn er dich auch mag, ich wünsch dir viel Glück… Aber Juli und Tim bleiben Freunde für immer, egal, was auch wird – versprochen?“
Ich nickte lachend, „versprochen ja, klar, Timmi-ich bin so froh…“
Wir schauten uns einfach schweigend in die Augen. Beinahe hätte ich die Beherrschung verloren und ihn an mich gerissen, hätte ihn am liebsten nochmal geküsst. Ich traute mich aber nicht. Jetzt wo er schon mit Resi knutscht.“
Beide erschraken wir, als wir plötzlich vom Flur her Tims Mutti hörten, „Tim, kommst du dann. Bitte, wir müssen jetzt los…“
Ohne den Blick von mir zu lösen, nickte er wie im Traum, „ja Mutti, gleich!“
Er umarmte mich noch einmal stürmisch, küsste mich nochmal auf die Stirn.
„Juli ich muss, ich ruf dich an, wenn wir da sind, ja?“
Ich nickte nur stumm, mir war zum Heulen zumute. Die Wohnzimmertür fiel hinter ihm zu. Eben hatte ich meinen liebsten Freund zurückgewonnen und gleichzeitig hatte ich ihn auch schon wieder verloren.
An Resi, meine beste Freundin…
Allein!
Meine Finger tasteten suchend nochmal über die Stellen, auf die Tim mich geküsst hatte; die Stirn, den Mund und… seine Lippen hatten mich auch am Hals liebkost.
Ein kribbelndes Summen füllte meine Hoden, stieg höher, deutlich spürte ich die gewachsene Enge in meiner Boxershorts. Eine erregende Wärme wanderte den Bauch hinauf.
Erstaunt schaute ich an mir selbst hinunter, eine große Beule war immer noch sichtbar.
War das alles gerade nur ein Traum?
Gerade kehrten meine Gedanken wieder in die Realität zurück, da hörte ich vor dem Haus Autotüren klappen und ein Motorengeräusch, das sich rasch entfernte.
Deutlich waren die nassen Abdrücke von Tims Schuhen auf dem Teppich zu erkennen.
Mama schloss die Wohnzimmertür leise hinter sich, musterte mich kurz und setzte sich, ohne etwas zu sagen, wieder in ihren Sessel. Gerade so, als ob wir in unserem Gespräch nicht unterbrochen worden wären. Als ob nichts geschehen wäre…
Fragend schaute ich sie an.
„Mama, ich glaub ich hab, also ich weiß nicht, aber…“
Schmunzelnd schüttelte sie den Kopf, „nein Juli, ich weiß nicht, was Tim so dringend bei dir wollte. Seine Eltern konnten es nicht aus ihm herausbekommen. Seine Mutti hat mir nur erzählt, dass er darauf bestanden hat, dass er noch unbedingt zu dir müsste. Er war richtig bockig meinte sie, sonst wäre er nicht mit zur Oma gefahren… Seine Eltern mussten draußen warten, auch ich durfte nicht mit ins Zimmer…“
„Was?“ Überrascht sah ich sie an.
„Ja, er wollte dich ganz allein sprechen, dir etwas sagen und ich hatte den Eindruck es war wirklich wichtig. Er hatte es nicht mal geschafft, die Schuhe auszuziehen“, lächelnd zeigte sie auf den feuchten Teppich.
Erschrocken realisierte ich Tims feucht schmutzige Schuhabdrücke auf dem Boden.
„Mama, entschuldige, das hat er bestimmt nicht gewollt, aber er hat mir…“
Ich schaute sie mit großen Augen an, konnte ich ihr denn sagen, was Tim bei mir wollte, mir verraten, ja gestanden hatte?
Schweigend ließ ich mich in den anderen Sessel Mama gegenüber sacken.
Sie nahm ihr Weinglas wieder in die Hand, prostete mir mit einem sanften Lächeln zu und lehnte sich scheinbar völlig entspannt zurück.
Ich war verwirrt. „Mama! Das, das tut mir leid… aber es war ganz wichtig, was Tim mir sagen wollte, und, und…“ Ich schluckte. Wie ein Schauer durchfuhr es mich.
Genau das war es, was ich mir vorhin in der kalten Winterluft selber vorgenommen hatte.
„Julian Kiefer, gesteh es dir ein und sei endlich ehrlich zu dir und zu denen, die dich lieben und die dir wichtig sind!“
„Mama, ich muss, also möchte dir sagen, warum Tim hier war und was, also was uns… also, naja.“ Abwartend sah ich sie an. Sie richtete sich ein wenig auf und schaute mich aufmerksam an.
„Juli, ich, also Papa und ich möchten, dass es dir und deinen Freunden gut geht. Wenn du uns also von deinen Freunden und dir etwas erzählen möchtest, dann sind wir immer für dich da, das weißt du.“ Ich nickte beklommen. „Ja Mama, das weiß ich ja, aber ich und Tim sind eben keine kleinen Jungs mehr und manche Sachen kann man eben nicht mehr einfach so den Erwachsenen erzählen, verstehst du? Na, da sind eben auch Dinge, die, die… Und dann ist da jetzt noch Falk und…“
„Juli, du, ihr müsst euch für nichts schämen, was eure Freundschaft angeht, schon gar nicht für eure Gefühle.“
„Aber ich weiß gerade nicht, was ich fühle. Tim war da und hat mir gesagt, dass er und Resi, also, dass sie sich geküsst haben und, dass er sie gern, dass er glaubt, dass er sie liebt. Und sie ihn auch. Aber auch, dass er mein Freund sein will, so richtig eben… und dann hat er mich geküsst“, mir war heiß geworden, ich glaube, ich war knallrot im Gesicht, „auf... auf den Mund...“ Gespannt blickte ich sie jetzt an.
„Und was ist daran so schlimm?“
Entgeistert schaute ich ihr in die Augen. „Verstehst du denn nicht, er hat gesagt, dass er Resi liebt und hat mich geküsst! Ich hab ihn auch sehr gern, aber… und na ja, jetzt hab ich Falk näher kennengelernt und... und ich weiß nicht mehr, was ich… ich will, ich möchte, dass Falk, ach Mensch Mama!“ Ich ließ den Kopf hängen.
„Hast du Tim von Falk erzählt?“ Ich nickte bloß. „Und wie hat er reagiert?
Ich hob meinen Blick. „Ja, er hat es geahnt aber ich glaube, er hat sich für mich gefreut, ja, stimmt. Er hat gesagt, dass wir beide trotz allem für immer Freunde bleiben wollen.“
„Na, dann ist doch alles in bester Ordnung, Juli.“ „Meinst du?“
Mama hob in ihrer eigenen Art die linke Augenbraue, „warum zweifelst du schon wieder? Du hast dir doch vorgenommen, zu deinen Freunden aufrichtig zu sein… also, dann sei auch einfach ehrlich zu allen!“
Mama war nicht lauter geworden und doch war in ihrer Stimme eine gewisse Ungeduld.
Ich schwieg.
Das tiefe Brummen von Papas Dienstwagen drang von außen zu uns in die Stube...
Kurz darauf öffnete sich schwungvoll die Wohnzimmertür, Papa machte einen ersten Schritt herein und blieb erstaunt stehen. Verdutzt blickte er auf die schmutzigen Spuren auf dem Teppich und schaute zu uns herüber. Instinktiv erfasste er die etwas angespannte Stimmung zwischen uns und wollte wohl einen Scherz machen, als er gespielt böse polterte, „was ist denn hier passiert, hat Juli etwa vergessen, seine schmutzigen Schuhe auszuziehen?“ „Papa!!!“ Ich konnte gar nicht darüber lachen. Papa war ganz überrascht, schaute mich fragend an. „Tim war hier und hat, also er hat mich, mir…“
Mama unterbrach mich. „Ach komm erst mal rein Lars, das ist alles gar nicht schlimm. Das bekommen wir wieder hin. Komm, setz dich zu uns, magst du etwas trinken?“
Erstaunt nickte Papa nur, stellte seinen Aktenkoffer zur Seite, löste seine Krawatte und setzte sich abwartend mir gegenüber auf die Couch. Mama war kurz in die Küche verschwunden, um Getränke zu holen.
Flüsternd fragte Papa, „was ist passiert Juli, du siehst etwas unglücklich aus?“
„Ach Papa, eigentlich nichts Schlimmes aber ich… ich weiß nicht so richtig weiter.“
Ich war ja eigentlich selbst noch ganz durcheinander nach Tims Besuch, stotternd setzte ich zu einer Erklärung an. Aber wie sollte ich ihm mit drei Sätzen beibringen, was ich selber noch nicht ganz verarbeitet hatte? Also schwieg ich.
„Hm, das klingt kompliziert.“ Das war einer seiner Lieblingssätze, wenn er auch nicht weiter wusste.
Mama kam aus der Küche zurück, stellte das Tablett auf dem Couchtisch ab und setzte sich zu uns.
„Du hattest einen langen Tag, mein Schatz. Was gibt es Neues in der Firma?“
Papa antwortete nicht gleich, schaute nur verdutzt von Mama zu mir und wieder zu ihr zurück.
„Ja, es ist Augenblick viel zu tun. Wir haben mit dem einen Band zu kämpfen und nach dem Wochenende kommt die nächste Arbeitsgruppe der Geschäftsleitung zu uns, da ist Stress vorprogrammiert. Aber eigentlich habe ich das Gefühl, dass hier bei uns etwas dicke Luft herrscht?“
Fragend blickte er in die Runde.
Ich war in meinem Sessel ganz klein geworden und sagte nichts dazu. Mein Blick wanderte zu Mama. Was waren meine Sorgen schon gegen die betrieblichen Probleme von Papas Firma.
Mama ergriff das Wort und begann, „also Lars“, dabei legte sie mir beruhigend eine Hand auf den Arm. „Eigentlich ist bei uns keine dicke Luft. Morgen ist zwar erst Freitag, aber Julian ist am Überlegen, wie das Wochenende laufen soll. Es ist alles etwas anders geworden als gedacht.“ Ich sah Mama unsicher an, sie hatte Julian gesagt. Was würde jetzt kommen?
„Aber ich bin davon ausgegangen, also ich dachte“, Papa zog die Stirn kraus, „es war doch ausgemacht, dass Tim an diesem Wochenende bei uns, ich meine, bei Juli übernachtet. Was ist los Juli? Ist was mit Tim? Oder beim Training? Was ist passiert?“
Durchdringend schaute er mich an.
„Heute war kein Training“, schoss es aus mir heraus. Im selben Moment hätte ich mich ohrfeigen können. Mama und Papa schauten mich überrascht an. „Kein Training, Julian, warum denn nicht?“
„Ich, wir… wir haben uns gestritten. Herr Kusche hat uns rausgeschmissen und gesagt, dass… Tim hat dann hat gesagt, dass ich das Wochenende mit ihm vergessen kann…“
Mama und Papa schauten mich ungläubig an. „Aber worüber habt ihr denn gestritten?“
„Das möchte ich nicht sagen… Kann ich bitte mein Zimmer hoch gehen, ich… möchte…?“
„Nein Julian, du bleibst bitte noch, wir müssen erst noch was besprechen.“ Mama nahm einen Schluck von ihrem Wein, räusperte sich kurz.
„Lars, bei Wegners ist für das Wochenende etwas dazwischen gekommen, ihre Mutter ist gestürzt und liegt bewusstlos im Krankenhaus. Es geht ihr nicht gut und die Ärzte befürchten das Schlimmste. Sie sind heute Abend alle drei noch nach Hannover. Als Tim vorhin hier war, war er vollkommen durch den Wind, deshalb die Drecktapsen auf dem Teppich. Aber die sind nicht das Problem. Frau Wegner hat mir ihren Hausschlüssel dagelassen und darum gebeten, dass wir übers Wochenende immer mal nach dem Haus sehen und die Blumen versorgen. Sie gehen davon aus, dass sie bestimmt ein paar Tage dortbleiben werden, eventuell kommt Tim ein paar Tage eher zurück, ob er bei Juli im Zimmer schlafen kann. Sie möchten nicht, dass er mehrere Nächte allein im Haus ist. Was meint ihr dazu?“
Ich wurde aufmerksam, mein Herz schlug gleich schneller. Tim sollte einige Nächte bei mir übernachten, wir könnten gemeinsam aufstehen, zur Schule fahren und vielleicht auch mal…
Aber im nächsten Augenblick erschrak ich- Tim bei mir und ich wollte eigentlich Zeit für Falk haben, Scheiße! Wie soll ich das alles Falk erklären?
Mama schaute mich auffordernd an, ich sagte aber nichts dazu. Zu sehr beschäftigte mich mein eigener schneller Gefühlswechsel. „Ich weiß nicht…“
Papa meinte nur, „na mal abwarten, vielleicht ergibt sich das alles noch irgendwie.“
Der Gong der Standuhr meldete sich, er zeigte an, dass es viertel vor Zehn geworden war.
„Oh Juli, ich glaub du machst dann Schluss für heute, morgen musst du wieder früh raus. Oder möchtest du noch was loswerden?“
Ich überlegte kurz, dann schüttelte ich den Kopf. „Guter Nacht Mama, gute Nacht Papa, bis morgen früh.“
Mama zog mich an sich und gab mir einen zärtlichen Kuss auf die Nase. „Mach dir nicht so viele Gedanken mein Schatz, schlaf gut.“ Papa war aufgestanden und wuschelte mir durch die Haare. „Gute Nacht Sohnemann, alles wird gut.“ Ich zog den Kopf weg,
„Papa, nicht, bitte.“
Ich schloss die Wohnzimmertür hinter mir und lauschte noch kurz.
Ich verstand nicht genau, worüber sie sich unterhielten. Ich vernahm nur Papas fragende Stimme, hörte sowas wie... „verliebt?“
Was Mama ihm antwortete, verstand ich nicht mehr, ich war schon auf der Treppe nach oben…
Ich hatte keine Lust auf gar nichts mehr. Ich verschwand noch mal kurz auf dem Klo und zog mich, ohne zu duschen gleich im Bad aus. Meine Klamotten ließ ich einfach dort liegen und flitzte nackt über den Flur in mein Zimmer. Ich hatte die Tür noch nicht ganz geschlossen, als sich unten gerade die Wohnzimmertür öffnete. Papa kam heraus und ich hörte nur „na, wenn du meinst, dann ruf sie an…“
Neugierig geworden ließ ich meine Tür einen Spalt weit offen und lauschte hinunter.
Gleich darauf kam Mama in den Flur, nahm das Mobilteil vom Telefon, wählte eine Nummer und ging wieder in die Stube. Bevor sie jedoch die Wohnzimmertür hinter sich schließen konnte, hörte ich „ja hallo, guten Abend Frau Konrad, entschuldigen Sie die späte Störung, aber…“ Die Tür ging zu.
Verwirrt schob ich meine Tür mit dem nackten Hintern zu und lehnte mich erstarrt mit dem Rücken von innen dagegen. Ich musste tief Luft holen. Was war das jetzt?
Warum ruft Mama so spät noch Falks Mutti an? Am liebsten wäre ich hinuntergerannt und hätte sie zur Rede gestellt aber… Was sollte das?
Tim hatte sich für Resi entschieden, na gut damit musste ich leben, aber Falk war mein Freund! Und ich wollte ihn mit niemandem teilen… ich würde um ihn kämpfen.
Konnten oder wollten die Erwachsenen das denn einfach nicht verstehen? Sie waren doch auch mal in meinem Alter.
Zum ersten Mal empfand ich das unangenehme Gefühl, dass Mama und Papa sich ungefragt in meine Angelegenheiten einmischten.
Und zum ersten Mal stellte ich mir die Frage, was gingen eigentlich Mama und Papa meine innersten Gefühle an?
Lautlos lugte ich nochmal auf den Flur und hängte den kleinen Teddy an die Klinke. Vorsichtshalber verschloss ich diesmal meine Tür von innen.
Unsicher und irgendwie traurig warf ich mich so, wie ich war, aufs Bett und starrte an die Zimmerdecke. In diesem Augenblick fand ich die dort baumelnde Rakete, die ich vor Jahren als kleiner Junge gebastelt hatte ebenso lächerlich, wie die selbstgebauten Flugzeugmodelle. Ich wollte mal Pilot werden. Leise lachte ich vor mich hin, so ein Kinderkram…
Ich zog die Bettdecke weit nach oben, ganz über den Körper, das Kinn und bis übers Gesicht. Ich wollte nichts mehr sehen, nur noch mit meinen Gedanken alleine sein.
Meine Gedanken, was Tim wohl gerade macht? Ach, der…
Aber Falk, ist er noch krank? Ob er schon schläft? Ich kramte mein Handy hervor und scrollte in der Kontaktliste zu Falks Nummer. Ob ich?
Aber nee, Mama hatte vorhin bei Frau Konrad angerufen, wer weiß…
Ich ließ mich wieder auf das Kissen zurückfallen.
Das Handy hatte ich unter der Decke auf meine Brust gelegt und schloss die Augen. Ich wollte bei Falk sein. Ohne weiteres zogen die Bilder von Falk wie von selbst in mein Inneres, wurden zu einem Film, der vor meinen geschlossenen Augen ablief. Sein Lachen, seine fröhliche Art, wie er sich heimlich um mich bemüht hatte und sich dann heimlich mit mir am Brunnen treffen wollte…
Sein sicherer Griff am Montag beim Turnen, der eigentlich mehr eine feste Umarmung war. Seine blitzenden Augen, die warme Hand, die ich viel zu lange festhielt. Und dann mein Nachmittag mit ihm, als er krank, meine Hilfe einfach angenommen hatte und sich mir ohne jede Scheu bei seinen persönlichsten Dingen nackt gezeigt hatte. Seine ersten lustigen, noch wenig krausen rötlichen Schamhaare, die seinen schlanken langen Pimmel oben umrahmten…
Mein Hals war ganz trocken geworden, ich musste schlucken.
Wie von selbst hatten meine Finger unter meiner Bettdecke die empfindlichsten Stellen unterhalb meines Bauchnabels gefunden und begonnen, sie sanft zu streicheln.
Sie erzeugten damit eine zunehmend ungeduldige Vorfreude in meinem Bauch, die mein Herz zum Klopfen brachte und meinen Atem beschleunigte.
Immer weiter trieben sie ihr bezaubernd betörendes Spiel, bis sich… von einem kaum zu unterdrückenden Stöhnen und einem tiefen Seufzer begleitet, die Spannung in der hart angeschwollenen Mitte meiner Lenden in mehreren Wellen explosionsartig über meinen Bauch entlud…
Erschöpft atmete ich noch einige Minuten tief ein und aus.
Eine wohltuende Müdigkeit übermannte mich, so dass ich ziemlich schnell in einen schönen Traum hinüberglitt.
Bevor ich jedoch ganz in die Traumwelt abtauchte, vernahm ich noch ein leises Klopfen an meiner Zimmertür. Die Klinke wurde vorsichtig heruntergedrückt… was soll das?
Der Teddy hing doch draußen?
Das leise Rascheln vor der Tür nahm ich noch undeutlich wahr.
Aber es war mir egal, Falk hatte mich in den Schlaf begleitet…
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