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Schmerz
Teil 1 - Wiedervereinigung und Schicksalsschlag
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Informationen
Ich versuchte es zu akzeptieren, nach dem Motto: „Es ist, wie es ist“. Ich ging zu meiner Ausbildung und zum Feierabend ging ich wieder heim. Dann kochte ich für mich Essen, räumte die Wohnung auf, schaltete den Fernseher ein und surfte zwischendurch durchs Internet. Auch wenn die Situation mit dem Ex ausweglos erschien, schon wusste ich dennoch, dass er wieder zu mir zurückkehren möchte. Zwei Wochen vergingen und auf einmal vibrierte mein Smartphone. Ich schaute drauf und sah, dass mein Exfreund mir geschrieben hat. Ich öffnete Whatsapp und las seine Nachricht. „Hallo mein Süßer. Ich möchte mich bei dir für mein Verhalten entschuldigen. Ich weiß, dass ich falsch reagiert und dich verletzt habe. Könntest du mir bitte noch eine Chance geben? Du fehlst mir sehr und ich liebe dich noch immer“, las ich.
Einerseits freute es mich, diese Nachricht zu lesen, weil ich ihn noch immer liebe, aber andererseits hatte ich da halt schon meine Bedenken und stellte mir selbst somit gewisse Fragen, die schon berechtigt waren, wenn man bedenkt, wie er sich mir gegenüber zwei Wochen zuvor verhalten hat und welche Wörter er mir an den Kopf warf, die sehr verletzend für mich waren, wohingegen ich bei der Trennung vollkommen ruhig und gelassen reagierte.
Aber, wie ich nun mal so bin, wollte ich ihm noch eine zweite Chance geben, in der Hoffnung, dass er sich etwas mir gegenüber verbessert und wir es nochmal versuchen können. Sodann bekam er von mir eine zweite Chance. „Hallo, ich nehme deine Entschuldigung an und du fehlst mir auch. Wenn du möchtest, kannst du mich ja morgen besuchen“, antwortete ich auf seine Nachricht. Am 31.10.2014 stand er dann vormittags vor meiner Tür, es war Feiertag und wir beide hatten frei. Als ich sein schönes Gesicht sah, sprang mein Herz auf und ab. Er trat in meine Wohnung, schaute mich an, gab mir einen intensiven und langen Kuss und nahm mich in den Armen und dann hatten wir Sex. Einen sehr schönen und langen Sex, den man wohl als Versöhnungssex betrachten konnte.
Es war Freitagabend, ich hatte für uns beide Essen gekocht und wir saßen gemeinsam im Wohnzimmer und aßen unser Essen, im Hintergrund lief der Fernseher. Wir gingen dann ins Bett, schliefen Arm in Arm ein und wachten Samstagmorgen wieder auf. Ich drehte meinen Kopf nach links und sah direkt in die wunderschönen blaugrauen Augen von meinem wiedergewonnen Freund. Er erwiderte meinen Blick und lächelte mich an. Es war zum dahinschmelzen, wie süß er schaute. Ich beugte mich über ihn, gab ihm einen zärtlichen Kuss, sagte ihm Guten Morgen und stand auf, um erst einmal auf Toilette zu gehen, denn die Blase hatte sich schon gemeldet. Als die Blase entleert war, ging ich nackig in die Küche, kochte Kaffee und als der Kaffee fertig durchgelaufen war, machte ich mir eine Zigarette an, nahm einen leichten Zug und trank meinen leckeren Kaffee.
Kurze Zeit später stand mein Freund auf und kam, ebenfalls nackig, in die Küche und gab mir einen Kuss. Danach ging er auf Toilette und lief danach ins Wohnzimmer und setzte sich auf das Sofa. Ich blickte in der Küche sitzend durch die Durchreiche ins das Wohnzimmer und schaute ihn an. Ein herrlicher Anblick, dachte ich mir. Wir gingen dann gemeinsam duschen, zogen uns an, verbrachten einen schönen Samstagnachmittag und am Abend kochte ich für uns wieder ein leckeres Essen. Ich liebte es, zu kochen und es machte mir viel Spaß. Als es sehr spät wurde, zogen wir uns aus und legten uns ins Bett. Arm in Arm schliefen wir ein.
Am nächsten morgen bin ich sehr früh wach geworden. Als ich die Augen öffnete, sah ich, wie mein Freund aufstand, um auf die Toilette zu gehen. Ich bemerkte jedoch, das er sein Gesicht beim aufstehen verzog und Probleme hatte zu laufen. Dann schlief ich wieder ein und als ich kurze Zeit später wieder wach wurde, legte sich mein Freund ins Bett. Ich vermutete, dass er ein zweites Mal auf Toilette war. Da mir das alles komisch vorkam, allein wie er sich bewegte, sowie seine Mimik und ich fühlte, dass mit ihm etwas nicht stimmte, drehte ich mich zu ihm um und fragte ihn, was los sei. Er erzählte mir, das sein rechter Arm, sein rechtes Bein und seine rechte Gesichtshälfte komplett taub seien. Kaum sprach er das aus, sprang ich aus dem Bett, zog mir meine Kleidung an, ging in das Schlafzimmer zurück, half ihm, seine Kleidung anzuziehen und sagte ihm, dass er bitte erst einmal im Bett liegen bleiben sollte und ich kurz telefonieren müsse. Ich wusste natürlich, was seine Symptome aussagten und das bereitete mir ganz große Sorgen. Bevor ich den Notruf wählte, dachte ich über diese Symptome nach und hatte den Verdacht, das mein Freund einen Schlaganfall hatte. Ich wählte die 112, sagte dem Notruf, um wen es ging und welche Symptome mein Freund aufzeigte. Kurze Zeit später kam der Rettungsdienst. Es klingelte, ich öffnete die Tür und die Rettungssanitäter traten mit einer großen Tasche und einer Trage in meine Wohnung hinein. Ich zeigte mit dem Finger auf das Schlafzimmer, in diesem mein Freund lag. Sie beraten das Schlafzimmer und fingen sofort an, ihn zu untersuchen, denn es musste schnell gehen, weil der Verdacht des Schlaganfalls immer noch bestand.
Als sie meinen Freund untersucht haben und ihm Schmerzmittel gaben, hoben sie in auf die Trage und trugen ihn in den Rettungswagen. Nun stand ich da, alleine im Flur und spürte die erdrückende Stille. Schmerz und Kummer machten sich in mir breit und die Angst um meinen Freund, die Angst, ihn wieder einmal zu verlieren, wuchs von Sekunde zu Sekunde. Ich wollte Weinen, aber ich konnte nicht. Irgendwas blockierte mich. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich im Flur stand und mich nicht bewegen konnte, aber, als ich mich wieder bewegen konnte, lief ich zum Telefon und rief die Mutter meines Freundes an. Es klingelt kurz und dann erklang eine weibliche Stimme. Sie begrüßte mich und fragte, was los sei. Ich erzählte ihr, dass ihrem Sohn etwas schlimmes passiert sei und der Rettungsdienst ihn von zuhause abgeholt hat. Ich merkte, wie ihre Atmung schneller und unregelmäßiger wurde. Nach einer kurzen Stille fragte sie mich, was denn ihr Sohn hätte. Als ich ihr erzählte, welche Symptome er hatte und, dass der Verdacht besteht, dass er einen Schlaganfall hatte, brach ich in Tränen aus. Ich konnte es nicht mehr aufhalten, denn für mich fühlte es sich so an, als ob meine Welt zusammenbrechen würde. Die Mutter meines Freundes versuchte mich zu beruhigen und schaffte es kurze Zeit später auch. Als ich mich wieder beruhigt hatte, sagte ich mit einer leicht schluchzenden Stimme, in welches Krankenhaus sie ihn gebracht haben. Seine Mutter sagte mir daraufhin, dass sie und ihr Partner sich sofort auf den Weg machen werden und ich Ruhe bewahren solle.
Da für mich das alles zu viel war, ging ich erst einmal in die Küche, kochte meinen Kaffee. Als der Kaffee durchgelaufen war und ich diesen in eine Tasse füllte, setzte ich mich in der Küche hin, zündete mir eine Zigarette an, nahm einen kräftigen Zug und trank meinen Kaffee. Ich dachte nach und hoffte inständig, das alles mit meinem Freund gut werden wird. Denn, ich liebte ihn sehr und wollte ihn nicht wieder verlieren. Ich versuchte mich mit anderen Gedanken abzulenken, aber es funktionierte nicht. Als ich meinen Kaffee getrunken und meine zweite Zigarette aufgeraucht hatte, ging ich ins Bad, putze meine Zähne, zog mich aus und duschte mich. Ich stand gefühlt eine Ewigkeit unter der dusche, bis ich dann aus der Dusche stieg, mich abtrocknete und mich wieder anzog. Ich ging zurück in die Küche, packte mein Smartphone und meine Schachtel Kippen in meine Hosentaschen, ging in den Flur, zog meine Schuhe an und verließ meine Wohnung.
Das Krankenhaus, in das mein Freund gebracht wurde, war fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt. Als ich vor dem Eingang des Krankenhauses angekommen war, verkrampfte ich komplett. Ich wollte in das Krankenhaus gehen, aber es schien so, als würde mich eine Kraft aufhalten und mich daran hindern, das Krankenhaus zu betreten. Nachdem ich es wenigstens schaffte, meinen linken Arm zu bewegen, griff ich in meine linke Hosentasche und holte die Schachtel Kippen heraus, um eine Zigarette zu nehmen und sie zu rauchen. So stand ich da, rauchend mit einer Kippe in der Hand, wie angewurzelt vor dem Eingang des Krankenhauses. Als ich die Kippe aufgeraucht hatte, bekam ich wieder die volle Kontrolle über den restlichen Teil meines Körpers zurück und trat langsam durch den Eingang des Krankenhauses, um dann in der Empfangshalle zu stehen. Nach einem kurzen, suchenden Blick sah ich den Empfang und lief dahin. Ich erläuterte der Krankenschwester mein Anliegen und fragte, wo ich meinen Freund finden könne. Als sie mir sagte, dass ich in die Notaufnahme gehen solle, weil er dort liegt und noch untersucht wird, bedankte ich mich bei ihr und ging mit langsamen und unsicheren Schritten in Richtung Notaufnahme.
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