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Das Christkind aus Afrika

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Informationen

Inhaltsverzeichnis

Teil 1

Prolog

Diese Geschichte ist wahr, ich habe bloß ein paar Kleinigkeiten, Orte und natürlich die meisten Namen verändert. Ich heiße Dominique, Jahrgang 1977 und bin damit also jetzt 27 - vielleicht schon etwas alt für hier … ? - diese Geschichte hat ganz viel mit unsäglichem Leid und mit unbeschreiblichem Glück zu tun. Ach ja, ich bin Biologe, Meeresbiologe um genau zu sein, das ist ja für einen Binnenländer nicht gerade üblich, und ich komme aus der Schweiz.

Und Kevin … nein, lassen wir den doch dann etwas später selber erzählen.

Damit kann die Geschichte eigentlich beginnen:

Dominique

Mitte September 2004

Seit Mitte August 04 sind wir unterwegs, eine kleine Gruppe von Forschern, hier im Südosten Afrikas eine gute Zeit zur Walbeobachtung. Wir, das sind Anna und Romy, beide wenig älter als ich, Beat, gut 30 und mit Romy liiert, Daniel, ein total schnuckeliger Kerl und mit 23 noch Student, Remo, ein Assistent aus dem Institut und unser Chef hier sowie zwei erfahrene Biologenkollegen aus Deutschland, Heinz und Detlef, beide so in den Fünfzigern. Wir haben es echt gut zusammen, menschlich klappt es super. Das Einzige, was mir halt einfach fehlt, vor allem wenn ich Romy und Beat betrachte … ein lieber Freund, einer, der sich freut, wenn ich nach Hause komme, oder wegen dem ich es fast nicht warten kann bis ich trotz toller Arbeit wieder in heimischen Gefilden bin. Da ändert auch Anna nichts daran, welche sich im Verlauf der Reise, so glaube ich ohne Selbstbeweihräucherung sagen zu können, schon etwas für mich interessiert hat. Und Daniel, der dauernd von seinen Sehnsüchten nach seiner Freundin erzählt, macht meine gelegentlichen diesbezüglichen Depris auch nicht geringer…. dabei wäre er echt ein Junge zum Anbeißen, nicht nur äußerlich, sondern wie er ist als Mensch, was für mich mindestens soviel zählt wie ein geiles und oder schnuckeliges Aussehen.

Ich habe tolle Freundinnen, keine Berührungsängste zu Frauen, im Gegenteil, und auch hier bin ich wohl der typische Schwule, die erste Person, welche »es« erfahren hat, war … eine Frau. Und sie hat mir total viel geholfen in der größten Krise meines bisherigen Lebens, damals als ich glaubte zu zerbrechen.

Aber das, was ich suche, tiefe Gefühle, Wärme, unendliche Geborgenheit, mich gehen lassen können, größte Zärtlichkeit und auch Leidenschaft, Liebe letztlich in alle ihren Facetten, das alles kann mir nur ein männliches Wesen geben. Das weiß ich seit meinem neunzehnten Lebensjahr endgültig, mit aller Brutalität habe ich das schließlich erfahren. Damals wollte ich es nicht wahrhaben, Dominique kann doch nicht schwul sein, ich glaubte noch an diese so genannte Phase. Es war wohl eher ein mich daran Klammern als ein Glauben. Ich hatte Horror vor der Reaktion meiner Eltern und meiner Umgebung. Was nicht sein durfte, konnte demnach auch nicht sein.

Mir ist die Natur unheimlich wichtig, sie gibt mir so viel, sie füllt meine Seele mit Ruhe, Ausgeglichenheit und Glück wie die Energie eine leere Batterie lädt. Ich hatte das schon während der Gymnasiumszeit so, das war die Zeit, als mir langsam klar wurde, dass ich schwul sein könnte. Ich fand beim Durchstreifen der Natur, beim Betrachten einer schönen Pflanze, beim Beobachten der Tiere, wenn ich dem Vogelgezwitscher lauschte oder beim Einatmen des Duftes der Blumen, mein inneres Gleichgewicht wieder. Und ich bin einer, dem es wichtig ist, für die Natur Sorge zu tragen, ohne dabei sektiererisch oder missionarisch sein zu wollen.

Ich bin ein Mensch, der gerne genießt und mit Freunden zusammen ist, ohne mir nahe stehende Menschen würde ich verkümmern. Aber ich brauche zwischendurch auch das Alleinsein, muss mich besinnen, abschalten, auftanken können; und wo geht das besser als in der Natur.

Wir hatten Glück bisher, wir haben wirklich die ideale Zeit erwischt, nun wo es hier in der Südhemisphäre Frühling und damit auch wärmer wird, ziehen die Wale langsam in kühlere Gefilde in den Süden.

Jetzt, gegen Ende September, haben wir eine Woche ausspannen, verbunden mit Datenaufbereitung etc., auf einer kleinen Insel vorgesehen. Ich freue mich riesig, wir haben zwar eine wahnsinnig spannende und tolle Aufgabe, aber anstrengend ist sie mit der Zeit halt auch.

Unsere Ferieninsel ist ganz einfach, annähernd ebenso ärmlich wie wir alles hier unten angetroffen haben. Aber so arm die Menschen sind, so liebenswürdig sind sie auch, oder noch viel mehr. Und sie sehen in uns nicht die Fremden, welche ihnen zum Schutz der Wale den Fang derselben ausreden wollen. Sie haben dank einer bereits hier tätigen Organisation mit französischen Wissenschaftern und Einheimischen erkannt, dass sie die Präsenz der Wale mit kontrolliertem, sanften Tourismus und Whalewatching besser nutzen können als wenn sie diese abschlachten.

Bewusst haben wir ein einfaches, größenmäßig überschaubares Hotel gewählt, dafür aber authentisch und an einem paradiesischen Fleckchen Erde, oder müsste ich sagen Meer, gelegen. Außer uns sind nur knapp zehn andere Gäste da, aber nein, da kommen gerade drei neue an. Von weitem sehe ich ein Ehepaar und ein … ja es ist wohl ihr Sohn, ein Junge so um die sechzehn siebzehn denke ich. Viel ist aus dieser Distanz nicht zu erkennen, großgewachsen und schlank ist er. Aber doch, so kurz ich ihn nur gesehen habe, irgendwie anziehend… ich habe ja noch Zeit, er kommt ja gerade erst an.

Ich räkle mich wieder, schließe die Augen, genieße die Sonne und das Nichtstun, ich lasse meine Gedanken auf Wanderschaft gehen, zwischendurch sehe ich diesen Jungen von vorhin wieder, auch wenn ich nicht viel von ihm gesehen habe, irgendwie war etwas an ihm, das mir nicht aus dem Kopf will, irgendwie fühlte ich die Ausstrahlung, ja eine Art Kraftfeld, welches von ihm ausging. Und ganz ungewollt beginnt der Film abzulaufen, was vor acht Jahren passierte…

In meinem Suchen nach meiner gefühlsmäßigen Identität probierte ich es gegen Ende der Gymnasialzeit nochmals mit einer Freundin, ob dieses Kribbeln im Bauch, wie ich das bei einem niedlichen Jungen fühle, sich nicht auch einstellen würde, wenn ich nur die Richtige fände. In meiner Not machte ich mir auch keine Gedanken, was das denn für das Mädchen bedeuten würde, ich war, das muss ich heute zugeben, nur egoistisch auf mich fixiert. Was ich jetzt sage, tönt wohl recht überheblich, man sagt, ich sehe recht gut aus, aber genau das machte mir mein verstecktes schwules Leben nicht eben einfacher, weil ich mich immer wieder mal gegen Annäherungsversuche der Weiblichkeit wehren musste. Das tat mir immer weh, führte es mir doch genau wieder meine Situation vor Augen, die ich noch nicht zu meistern im Stande war. Als sich also Manuela alles andere als abgeneigt zeigte, gemeinsam auf die Matura hin zu lernen und auch mal zusammen in den Ausgang zu gehen, bahnte sich so etwas wie eine gute Freundschaft an. Es war für mich trotz den eigentlich nicht optimalen Vorzeichen ganz angenehm, die obligaten Fragen nach der Freundin seitens Eltern, Bruder und Kollegen entfielen, ich war »normal« und redete mir das sogar ein. Manuela war eine tolle junge Frau, reif, hübsch, liebenswürdig und sie … liebte mich sehr. Ich hatte sie auch gern, aber dieses ultimative Unter-Strom-Stehen, dieses Nur-an-sie-Denken, das blieb aus. Und als sie langsam mehr von mir wollte, war mir das vollkommen unangenehm. Schmusen konnte ich noch, streicheln, ihre Hand auf meinem Körper spüren, das tat noch irgendwie gut, aber als sie dann auch unter den Bauchnabel vorstoßen wollte, hielt ich sie zurück, weil sie sonst gespürt hätte, dass sich da nichts... Ich erfand Ausreden, ich sei noch nicht so weit, faselte von einer noch nicht verdauten Geschichte. Ich kam mir fies vor und verdammt feige. Und doch war ich nicht in der Lange, klar Stellung zu beziehen. Ein paar Wochen später, sie war für ein paar Tage alleine zu Hause, brachte sie mich dann so weit, ich hatte wirklich ein riesiges Verlangen nach Nähe und Sex und mein Körper war nach längeren Zärtlichkeiten auch so weit. Ich wollte gerade in sie eindringen, die Spitze meiner Männlichkeit berührte und fühlte ihre Scham und da … sah ich vor meinem geistigen Auge das Gesicht dieses süßen Heterojungen, den ich seit einem halben Jahr anhimmelte, nein nicht bloß anhimmelte, den ich unerfüllt liebte, mit dem ich in Gedanken nachts lange Gespräche geführt hatte und dessen zärtliche Hand ich in meinen mir Lust und Entspannung verschaffenden Phantasien an mir spürte. Ja, in diesem Augenblick wurde das, was mich äußerlich zum Mann macht, schlagartig schlaff, ich begann am ganzen Körper zu zittern, zuerst liefen mir bloß einige Tränen hinunter, dann begann ich ungehemmt zu schluchzen, ich klammerte mich an Manuela, suchte Geborgenheit bei ihr, das Schluchzen ging in einen richtigen Weinkrampf über, ich glaube nicht, dass man trauriger, enttäuschter, geschlagener sein kann als ich es in diesem Augenblick war.

Als ich mich nach einiger Zeit ein klein wenig beruhigt hatte, fand ich mich in den Armen von Manuela wieder, sie streichelte mein Gesicht und meinen Oberkörper, küsste mich ganz zärtlich, ich fühlte so etwas wie Wärme trotz der großen Kälte in meiner Seele. Durch den Schleier meiner Tränen erkannte ich, dass sie versuchte mich mit einem Lächeln etwas auf zu muntern. Ihre Arme umschlossen mich etwas fester als sie sagte: »Dominique, möchtest du mir nicht etwas sagen?« Sie ahnt es, nein sie weiß es, dachte ich mir. Ich begann zu stammeln, brachte aber kein Wort über die Lippen, wieder begann ich zu weinen. »Lass dir Zeit, ich will dir nicht wehtun, ganz im Gegenteil, es soll dich erleichtern.« Obwohl meine Gedanken und Gefühle in diesem Augenblick verrückt spielten, wurde mir in diesem Augenblick glasklar bewusst: sie weiß es. Aber sie wollte es von mir hören, mir helfen, »das« aus zu sprechen. Trotz dieser Erkenntnis brauchte ich noch drei Anläufe, bis ich mich wie von ganz weit weg sagen hörte »Ja Manuela, ich bin schwul.« Sie drückte mich noch mehr an sich, küsste und liebkoste mich und sagte mir, dass sie mich immer auf eine besondere Art lieben werde und sie wolle mir helfen, das durch zu stehen. Eine wunderbare junge und so reife Frau! Ich begann wieder zu weinen, aber irgendwie spürte ich eine riesengroße Bürde sich von meiner Seele lösen, eben hatte ich mir selbst und meiner engsten Vertrauten gestanden, dass ich homosexuell fühle. Ich war »draußen«, wenn mir auch selbst in diesem Moment, wo sich noch alles in meinem Kopf drehte, klar wurde, dass für mich als gefühlsbetontem Menschen noch ein steiniger Weg vor mir liegen würde.

»Hei Domi, kommst du mit zu einem Drink?« reißt mich Anna aus meinen Gedanken, »Dani ist auch dabei und Remo, Detlef und Heinz sind schon an der Bar.«

Als wir zu dieser kleinen, einfachen Bar kommen, stockt mir der Atem. Die drei Neuen sitzen bereits dort und schlürfen an einem Drink herum und ich höre, dass sie schweizerdeutsch sprechen! Unser »grüetzi mitenand« wird mit einem dreistimmigen berndeutschen »grüessech« beantwortet. Doch ich höre eigentlich nur die weiche, warme Stimme dieses Jungen, ich sehe seine großen, dunklen, mandelförmigen Augen, welche zugleich unendliche Wärme aber auch eine Spur Traurigkeit ausdrücken, die wunderschönen Züge seines Gesichts, seine einladenden Lippen, seine freche, so gut zu seiner Erscheinung passende Krausfrisur, sein perfekter Körper, welcher unter dem weit geöffneten Hemd ansatzweise sichtbar wird, die wunderschönen Hände mit den feingliedrigen, langen Fingern. So schön kann ein Mensch doch gar nicht sein, und diese Ausstrahlung … »Hast du etwas, ist dir nicht gut?«, fragt Anna. Ich bin wie weggetreten. Er hat es bemerkt und mir ein verstecktes Lächeln zurück geschickt, ein Lächeln, welches diese betörenden Grübchen in der Wange sichtbar macht, welche mich fast zum Schmelzen bringen. Ich kann kaum mehr klar denken, ich bin nicht fähig, dem angeregten Gespräch meiner Kollegin und Kollegen zu folgen. Dieser Junge, ich schätze ihn nun so um die achtzehn neunzehn, zieht mich in den Bann wie ein Magnet einen andern anzieht, man kann sich dessen Kraftfeld einfach nicht entziehen.

Und das hier, 9000 Km von zu Hause weg…. Wie wundervoll wäre es, ihn nur auf die Wange und Stirn küssen zu dürfen, vielleicht sogar in den Armen zu halten … Ich phantasiere, erstens ist dieser Junge ja mindestens acht Jahre jünger ist als ich, schwul ist der sicher nicht und falls ja, dann wohnt er dem Dialekt nach doch recht weit weg von mir…. und ob er denn etwas wissen möchte von mir, wäre er schwul, hätte er doch bestimmt schon einen Freund bei seiner Art und dem Aussehen.

Wir sitzen ein wenig abgesetzt von den Andern und Anna muss das mit gekriegt haben, »du scheinst mir ja voll durch den Wind zu sein« sagte sie dann zu mir, aber noch bevor ich eine Erklärung stammeln konnte fuhr sie fort: »Domi, gell es ist dieser schöne Junge … für mich ist das nur die Bestätigung von dem, was ich mir schon seit ein paar Wochen denke … !?« Ich bin an die Wand gedrückt. Sie hat mich in flagranti erwischt. Aber ich mag Anna und habe in diesen Wochen gemeinsamer Arbeit viel Vertrauen zu ihr aufgebaut. »Ja«, die Tränen, die mir jetzt in die Augen steigen, versuche ich gar nicht erst vor ihr zu verbergen. »Wenn ich jetzt damit nicht falsche Signale nach außen senden würde, hätte ich dich jetzt glatt umarmt«. Ein schönes Zeichen von ihr, welches ich mit einem »Danke vielmals Anna« quittiere. Jetzt haben wir unser kleines Geheimnis vor der Gruppe.

Kevin

Ein Refugium diese Insel, lange könnte ich hier verweilen, doch wir bleiben nur vier Tage da. Nach einer Rundreise durch dieses faszinierende Land voller Naturschönheiten sind wir vor dem Rückflug in die Schweiz noch ein paar Tage zum Ausspannen hier. Wir, das sind mein Pate und seine Frau. Peter, mein Pate, hat mich eingeladen auf diese tolle Reise »zur Feier deines baldigen Zwanzigsten und der erfolgreichen Matura«. Da hab' ich natürlich nicht nein gesagt, zumal ich ihn, den Bruder meiner Mam, und seine Frau echt gut mag und wir ein sehr kollegiales Verhältnis haben. Klaro, ihr möchtet ja noch wissen, wer ich bin. Ich heiße Kevin, an Heiligabend 2004 werde ich zwanzig, meine Mam sagt immer, ich sei ihr Christkind. Nach der Rückkehr von dieser Reise werde ich mein Ingenieurstudium in Zürich an der Eidgenössischen Technischen Hochschule beginnen. Ich freue mich, brauche diese Herausforderung jetzt, nachdem ich mich vom Tiefschlag im Februar dieses Jahres wieder einigermaßen aufgerappelt habe.

Wie vermisse ich Thomas, meinen allerliebsten Thommy, immer noch … die Tränen fließen seltener, aber hie und da überkommt es mich halt trotzdem noch. Wie sehne ich mich nach einem Jungen, dem ich mein großes Herz schenken und ihm alle meine Liebe geben darf, wie unsäglich gerne würde ich einem lieben, süßen Jungen ganz viel, alles, bedeuten, mit ihm durch Hochs und Tiefs gehen. Ja, und um ehrlich zu sein, wie fehlt mir auch die körperliche Seite, mit dem Boy, den ich liebe, verschmelzen, ihm Lust schenken und mich von ihm beglücken lassen. Auch wenn es voll geil ist, ist es einfach nur schön und rein, mit so viel Liebe und Gefühlen. Ihr merkt wohl schon, dass ich ein unverbesserlicher Romantiker, halt auch sehr gefühlsbetont und damit auch sensibel und verletzlich bin. Was wäre ein Leben ohne ganz viele Gefühle. Der »Nachteil« ist nur, dass man dann halt auch Tiefs viel intensiver wahrnimmt und entsprechend leidet, dafür erscheinen einem dann auch die Schönheiten des Lebens in potenzierter Form.

Manchmal zerreißt es mich mit meinem sexuellen Defizit fast vor Geilheit, jeden einigermaßen hübschen Boy ziehe ich in Gedanken aus, möchte ihn berühren, streicheln, küssen … Seit dem Tod von Thommy habe ich keinen andern Körper mehr berührt, ich bin voll auf Entzug. Es frustet mich dann immer wieder, weil dieses fast tierische Element sonst nicht zu mir passt… fast wie ein Pubertierender verschaffe ich mir selbst meist täglich Lust und Entspannung, manchmal sogar mehrmals, wenn ich es fast nicht mehr aushalte. Um den Frust etwas geringer zu halten, tue ich das indem ich mir richtig Zeit dazu nehme, mich selbst intensiv streichle und stimuliere am ganzen Körper, an den Liebeskugeln, meinen Lustspender nicht einfach bloß mechanisch reibe, sondern ihm »Gutes tue«. So genieße ich dann, zusätzlich erregt durch meine Fantasien, meistens eine geile und mega intensive Explosion. Aber auch das kann mir natürlich niemals einen andern Jungen ersetzen, der mir Wärme und vor allem auch Geborgenheit schenkt. Aber eben, ONS sind nicht mein Ding, da mache ich es mir lieber selber und kann mir danach im Spiegel noch in die Augen sehen.

Doch in diesen Ferien hier bin ich meinen Grundsätzen untreu geworden, das Verlangen war einfach stärker. Diese unheimlich hübschen, erotischen Junx mit ihrer samtenen, dunklen Haut … und als ich bei einer wirklich guten Gelegenheit am Strand, nachdem mein Pate und seine Frau schon in ihr Zimmer gegangen waren …

Teil 2

Kevin

Es war einfach nur geil, total und irre geil. Ich bin ja mit meiner »Ausrüstung« auch nicht gerade unzufrieden, aber die Männlichkeit dieses 17-Jährigen glich eher einem Speer … Seine Waffe und dieser diskrete, aber doch riechbare besondere Duft seiner Haut, erregten mich unheimlich. Wir haben uns gegenseitig derart heiß gemacht, ich denke der Reiz der andern Rasse hat auch dazu beigetragen, dass wir bereits nach wenigen Minuten uns auf den Körper des Andern entleert haben… Beim zweiten Mal, wir kannten den Körper und die Reaktionen des Partners bereits ein bisschen, ging es dann etwas länger aber nicht minder leidenschaftlich, jedoch auch sehr zärtlich weiter. Es war weit mehr als das, was ich bisher unter einem ONS verstanden habe. Nachdem sich unsere Hormone zum zweiten Mal etwas beruhigt hatten, konnten wir gut miteinander auf französisch diskutieren, ein interessantes Gespräch führen und einander Fragen stellen. Es war mir dann auch egal, dass ich verspätet zum Nachtessen erschien, ich konnte einfach nicht widerstehen, als Rookey sich wieder mit meinem Körper zu beschäftigen begann und, mich intensiv verwöhnend, selber total heiß wurde … So ungeheuer zärtlich umspielte seine Zunge mein vor Erregung steinhartes Glied, dann spüre ich diese wunderbare feuchte Wärme seines Mundes um meine Eichel… meine Geilheit ließ mich jetzt schon fast bersten… Die Ambiance in den Dünen, die untergehende Sonne, die Wärme, das Rauschen des nahen Meeres förderte unsere Leidenschaft und nachdem wir uns vorher auch menschlich etwas näher gekommen waren, empfand ich den Strudel der Lust, wo unser Sperma und der Schweiß der Leidenschaft sich vermischten, mehrfach so schön wie bei den ersten beiden Malen.

Der Abschied, beide wussten wir, dass es kein Wiedersehen mehr geben würde, war nicht einfach. Ein schwarzer Junge, der weint und ein weißer Boy, der ihn zu trösten versucht und dabei selber die Tränen nicht mehr zurückhalten kann… Mein T-Shirt, das ich ihm geschenkt habe, und die Muschel, die er mir in die Hand drückte und diese dabei küsste, erinnern uns an dieses wunderschöne Erlebnis. Es war viel viel mehr als ein ONS, weil Gefühle hinein gespielt haben. Rookey, ich mag dich, danke dir für das, was du mir geschenkt hast, nach dieser langen Abstinenz und ich wünsche dir in deinem armen Land ganz viel Gutes und natürlich, dass du mit deiner Bisexualität in deinem Kulturkreis zurechtkommst. Und trag Sorge zu dir Rookey, bisher wusstest du null und nichts von AIDS, ich hoffe so fest, dass ich dir das beibringen konnte und du dich zukünftig schützt!

Jeden Tag seither habe ich daran gedacht, mir manchmal Erleichterung verschafft, indem ich in Gedanken seine Hand an mir fühlte. Und meine Sehnsucht nach einer tiefen Freundschaft ist nur noch größer geworden.

Und in diese Situation treffe ich nun in der Bar diesen jungen Mann, er dürfte gut Mitte zwanzig sein, bisher war diese Alterskategorie out of my range, aber seine Art und die Aura, die ihn umgibt, sein blendendes Aussehen, das braun gebrannte Gesicht, die schneeweißen Zähne, ich war wie unter Strom, vorhin als er uns grüsste, immer wieder musste ich ihn verstohlen betrachten. Was ist das für eine Gruppe, sie sehen nicht aus wie Touris, was ist er für ein Mensch und hat er sich nicht ein wenig für mich interessiert?

Nein, solche Zufälle gibt es nicht, der ist sicher mit dieser aufgestellten Frau, etwa in seinem Alter, welche neben ihm saß, zusammen.

Nun liege ich da auf dem Bett, mein MP3-Player lullt mich in entsprechende Stimmung, alles stimmt, ich versuche meine Gedanken zu ordnen... Ich, Kevin Moser, zweihundertprozent schwul, einen Freund verloren, wie oft habe ich in Gedanken mit Thommy Gespräche geführt und geweint, vor einigen Wochen begonnen mit ihm meine Sehnsüchte nach Liebe zu »besprechen« und er hat mir gesagt, er wäre glücklich, wenn ich es wäre… es ist soviel passiert in meinem jungen Leben. Rookeys Gesicht taucht wieder vor mir auf, dann aber sehe ich diesen jungen Schönling von dieser Gruppe, wie gerne würde ich mit ihm nächtelang über Gott und die Welt sprechen und … ja nur ganz kurz berühren … ich werde geil und trotzdem unterlasse ich jetzt die Handarbeit, irgendwie würde es jetzt nicht zur Stimmung passen, eher dann, wenn ich mir vor dem Zubettgehen meine große Kerze anzünde und alle Zeit der Nacht am Meer habe …

Beim Nachtessen sitzt die Gruppe am übernächsten Tisch, ich kann ihn unauffällig betrachten, er hingegen muss den Kopf drehen und das fällt mehr auf. Täusche ich mich oder schaut er hie und da im Versteckten zu mir hinüber oder betrachtet er eine der jungen Frauen hinter mir? Weshalb sollte er überhaupt mich beachten… Dieser Beau nimmt mich einfach gefangen.

»Kevin, du bist so still und irgendwie gedanklich woanders« sagt mein Pate. Meine Harddisk dreht Überschall und sucht im Ordner Ausreden nach Argumenten … »… äh, das nahe Ferienende, irgendwie bin ich etwas traurig … die vielen Eindrücke, ihr wisst ja, ich bin nicht gerade oberflächlich.« Beim Hinausgehen, seine Frau ist schon auf die Terrasse gegangen, legt er seinen Arm über meine Schultern und sagt »Kevin, ich hatte jetzt fast drei Wochen Gelegenheit nahe mit dir zusammen zu sein. Du bist ein toller junger Mann, ich mag dich und deine ganze Art sehr und da beobachtet man einen Menschen auch genauer. Ich habe dabei gesehen, wie du dir, im vermeintlich Versteckten zwar, aber für einen guten Beobachter doch unverkennbar, Jungs angeschaut hast. Neulich da am Strand als du zu spät zum Essen gekommen bist und ganz unsicher wurdest, als wir dich nach dem Grund fragten. Und nun wie du dich heute für diesen hübschen jungen Mann der Schweizergruppe interessiert hast.« Ich muss trotz der Dunkelheit wie eine rote Lampe geleuchtet haben und er fährt fort »Kevin, es ist mir noch gut in Erinnerung, wie stark dich der Tod von Thomas mitgenommen hat, wenn ich mir jetzt einen Reim aus alledem mache … ich möchte dir sagen, du bist immer noch mein liebes Patenkind Kevin, du warst mir immer wie ein Sohn, den ich mir so gewünscht hätte und du bleibst das immer, möchtest du vielleicht etwas los werden«. Seine einfühlsamen Worte lassen meine Tränen nur so kullern, ich nehme seine Hand, die Stimme versagt mir, aber ich nicke einfach, das reicht auch. »Kevin, ich wünsche dir nicht mehr und nicht weniger als dass du glücklich wirst, ich hab dich ganz fest gern, komm' jetzt gehen wir zu Angela.« Und dann folgt mein zweites Outing an diesem Abend, bei seiner Frau. »Ah deshalb deine roten Augen. Weißt du, wir haben schon zusammen gesprochen, ob du vielleicht homosexuell fühlen könntest (ja sie sagte fühlen und nicht sein, für mich ein großer qualitativer Unterschied!), ich bin also vorbereitet. Warum weinst du denn deswegen bloß, freu dich doch, dass du fähig bist einen Menschen so fest und tief zu lieben, wie du mir das jetzt geschildert hast, was dir fehlt, da spielt es doch keine Rolle, ob das ein Mann ist.«

Ich danke den beiden. Trotzdem ich glücklich bin, eine Last losgeworden zu sein, habe ich das Bedürfnis jetzt allein zu sein, erst recht nachdem ich diesen Wunderboy hier nicht mehr getroffen habe und ihn unauffällig betrachten kann. Der große Teil der Gruppe ist noch da, er wird also früh zu Bett gegangen sein. »Sei stolz auf das, was und wie du bist« sagt Peter noch beim Gutenachtsagen und fährt mir übers Haar.

Der Mond steht etwa zu dreiviertel am wolkenlosen Himmel, ganz leise säuselt der Landwind in den Palmen, ich gehe ein paar hundert Meter von unserem kleinen Hotel weg und setze mich in den Sand. Es ist beruhigend, den Geschichten des Meeres zu lauschen, ich fühle eine innere Ausgeglichenheit und ich bin glücklich, nie hätte ich heute Morgen gedacht, dass ich mich am Abend bei Peter und Angela geoutet haben würde. Sechs Menschen wissen es nun. Mein verstorbener Thommy, meine Mam, Stefan mein bester Freund, mein Klassenlehrer und mein Pate mit Frau. Mir kommt wieder mein Outing bei meiner Mam in den Sinn, ein paar Wochen nach Thommys Tod. Wir stehen uns sehr nahe und da gibt's auch mal einen Kuss. Einmal, als sie merkte wie unendlich traurig ich war, kam sie zu mir ins Zimmer, ich lag auf dem Bett und weinte, da setzte sie sich zu mir an den Bettrand, nahm meinen Kopf, küsste mich und ließ nicht mehr los… Sie sagte nichts, gar nichts, sie hielt mich einfach und plötzlich, ich weiß nicht wie, begann ich wie selbstverständlich alles zu erzählen. Was ich gefühlt habe, dass ich anders bin, was ich dadurch durchgemacht habe, vom Thommy, unserer Liebe, ich erzählte und weinte zugleich, immer mehr spürte ich wie die Bürde leichter wurde. Das Wort schwul kam glaube ich gar nicht vor, ich erzählte einfach, wie es in mir drinnen aussieht, wie ich fühle, was mir weh tut. Da stand sie auf und kam kurze Zeit später mit drei Büchern wieder, Bücher zum Thema Homosexualität. »Mein allerliebster Kevin, ich fühlte das, deshalb habe ich mich in das Thema eingelesen, damit ich dich besser verstehen kann. Aber was ich von dir in dieser Viertelstunde erfahren habe, ist viel viel mehr als ich in allen Büchern der Welt darüber erfahren könnte. Ich liebe dich mein Sohn, du bist mir mein Ein und Alles.« Das gab mir in diesen Wochen der Trauer um Thomas einen mega Boost und im Rückblick denke ich, dass ich dort die Talsohle meiner Trauer erreicht hatte und es aufwärts, langsam zwar, aber aufwärts, ging.

Meinem Erzeuger, Vater kann ich ihn nicht nennen, werde ich das vorläufig nicht sagen, wenn überhaupt einmal. Ich bin ihm immer gleichgültig gewesen, habe keine Zuneigung von ihm erfahren, ich glaube nicht, dass er mich je auch nur ein bisschen geliebt hat. Ihm sind Statussymbole wie ein tolles Auto wichtig, Gefühle zeigt er keine und seine Freunde sind Leute mit Rang und Namen. »Gewöhnliche« Menschen sind für ihn unwichtig, ich denke weil sie ihm nicht für die Karriere nützlich sein können.

Wie schön wäre es jetzt mit Thommy hier an diesem romantischen Ort zu sitzen und gemeinsam zu träumen, ich schaue in den Mond, wie wir es früher getan haben, wenn wir an verschiedenen Orten waren. Zu einem bestimmten Zeitpunkt haben wir in den Mond geschaut und fühlten uns auf diese Weise auch über die Distanz verbunden. Ich sehe ihn wieder vor mir, seine wunderschönen, wasserblauen Augen, die dunklen Wimpern, welche die Wirkung dieser Perlen noch akzentuierten, ich spüre seine Lippen auf den meinen, seinen Arm um meine Talje und ich spüre eine unglaubliche Wärme, wenn ich an ihn denke, ein Glücksgefühl und Trauer zugleich. Warum Thomas hast du nicht mit mir gesprochen, weshalb hat unsere tiefe Liebe nicht ausgereicht? Du warst so mutig, hast deinen Eltern von unserer Liebe erzählt, glücklich, voller Zuversicht, dass sie auch glücklich sein werden, wenn du das bist. Aber sie haben dich abgelehnt, dir Vorwürfe gemacht, ja dich verbal verstoßen. Und eine knappe Woche später hast du dein Leben weggeworfen. Mein liebster Thomas, ich mache dir keine Vorwürfe, ich mache sie mir. Ich muss wohl für immer mit diesem Vorwurf leben, dass dein Leben nur gerade 17 Jahre dauerte. Du warst so down, ich habe mich meinem tollen Klassenlehrer anvertraut um Unterstützung und Halt zu bekommen, habe Hilfe bei der Jugendberatung organisiert, du sagtest übermorgen gehe ich, aber dieses Übermorgen erlebtest du nicht mehr. Und ich habe nicht gemerkt, dass es derart schlimm und ohne jede Hoffnung auf eine Zukunft in dir drinnen aussah. Mein allerliebster Thommy, ich liebe dich immer noch, werde dir mein ganzes Leben, auch wenn ich wieder einmal eine andere Beziehung haben werde, einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen reservieren. Wir waren beide für einander die erste Liebe, die erste schwule Liebe. Und wir waren so glücklich und tollten herum wie zwei junge Hunde. So nahe, so wahnsinnig nahe sind sich immenses Glück und tiefste Trauer.

Mir laufen die Tränen herunter …

»Hey, bist du auch noch da draußen an diesem Kraftort, wunderschön hier, gell?« Ich erkenne die Stimme sofort, sie tut gut und dennoch erschrecke ich. »Darf ich mich ein wenig zu dir setzen, ich heiße Dominique?« »Ja, gerne, komm' nur, ich bin der Kevin.« Als er sich neben mich setzt, muss er wohl im Schein des Mondes meine noch feuchten Wangen gesehen haben. »Du hast geweint, kann ich dir vielleicht helfen oder möchtest du lieber, dass ich gehe?«

3. Teil

Dominique

Er ist noch viel schöner dieser Junge als ich gedacht habe, wenn ich so neben ihm sitze und ihn im Mondenschein sehe. Daher also dieser etwas traurig melancholische Ausdruck in seinen sonst so leuchtenden Augen. Was ihn wohl bedrückt? Der wird, das ist ja üblich in diesem Alter, Knatsch mit seiner Freundin haben, vielleicht hat sie ihm sogar den Laufpass gegeben. Oder ist dieser süße Junge schwul und kommt damit nicht zurecht? Wenn er nur schwul wäre, denke ich unvermittelt. Nein, das darf ich nicht, wie ich ihn einschätze ist er ein sensibler Junge und er würde das alles andere als leicht nehmen. Wie gerne würde ich ihm helfen, ihn in meine Arme nehmen, nein ohne jeglichen Hintergedanken, ihm zu spüren geben, dass mir sein Leiden nicht gleichgültig ist. Wir schweigen, bis er unvermittelt sagt »Eine zurück liegende Geschichte und ein Erlebnis heute haben mich ein wenig durcheinander gebracht. Nichts gegen dich, du bist mir zwar sympathisch, aber Ich möchte jetzt nicht darüber reden, obschon es gut täte.«

Ich sehe Sterne. ‚Du bist mir zwar sympathisch' hat er gesagt. Was bedeutet das?

Wie schön wäre es jetzt, mit ihm über seine Sorgen zu reden, ihm vielleicht ein Quentchen helfen zu können und ihm dabei auch Einblick in mein Seelenleben zu geben. Doch wir kennen uns ja noch überhaupt nicht, das wäre zu früh. Und doch fühle ich mich ihm so nahe.

Ich erzähle ihm von unseren Forschungen, er hört aufmerksam zu, stellt Fragen, Fragen die zeigen, dass er sich ernsthaft interessiert und dass ihm die Natur wichtig ist. Der Junge zieht mich immer mehr in seinen Bann. Auch wie er spricht, sanft und doch männlich, überlegt. Ich überschreite meine Kompetenzen, überlege gar nicht, ich werde das unserem Leiter schon irgendwie verkaufen. Wir haben für Morgen ab hier eine kleine »inoffizielle« Erkundungstour vorgesehen, es soll hier Delfine haben und nun habe ich diesen süßen Kevin spontan eingeladen mit zu kommen. Und er hat ganz begeistert zugesagt. Wegen den Delfinen, oder vielleicht sogar ein wenig wegen mir? Wenn es doch so wäre!

Ich möchte ihn so gerne küssen, als wir uns zur Nachtruhe verabschieden. Aber schon sein Händedruck, so warm und sanft und doch männlich kräftig, erwärmt mein Herz. Und wenn ich so zu den funkelnden Sternen und zum Southern Cross hinaufsehe, wünsche ich mir sehnsüchtig, dass ich mit diesem Kevin verbunden bleiben werde. Für ihn würde ich jeden dieser Sterne vom Himmel holen.

Kevin

Auf eine Art ist es mir peinlich, dass er meine Tränen bemerkt hat und doch, bei ihm macht es mir viel weniger aus als es mir sonst bei einem Fremden ergangen wäre. Es ist so schön neben ihm zu sitzen, der Brandung zuzuhören und gemeinsam zu schweigen. Und er legte soviel Mitgefühl in seine Frage, ob er mir helfen könne.

Am liebsten würde ich ihm alles erzählen, dass ich halt schwul bin, von Thomas, von meinen Sehnsüchten und Bedürfnissen, wie er mich von der Rolle gebracht hat, als ich ihn heute Nachmittag hier das erste Mal gesehen habe, von meinem riesigen Zärtlichkeitsdefizit, welches ich so gerne mit ihm abbauen würde. Und nun hat er mich auf eine kleine Forschungsfahrt eingeladen, was könnte ich mir hier Schöneres vorstellen. Er wohnt in der Innerschweiz, das sind gute einhundert Kilometer von Bern und er trägt auch keinen Ring… Ich spinne, male mir wirklich schon aus wie es wäre wenn …

Das Gutenachtsagen fällt mir schwer, wie gerne hätte ich eigentlich noch hier mit ihm Gedanken ausgetauscht, ihm seine Fragen zu mir beantwortet, was ich tue, ein wenig über mein bisheriges Leben. Ich denke, er interessiert sich schon ein wenig für mich. Und doch, wir hatten wohl beide den Eindruck, nicht zuviel und für den ersten Abend reiche es. Ich habe das Gefühl heute etwas ganz besonderes kennen gelernt zu haben.

Die Kerze habe ich angezündet. Wiederum versuche ich Ordnung in meinen Kopf zu bringen. Das will aber nicht so recht gelingen, eine eigenartige Mischung zwischen Gefühlen und Erregung überkommt mich. Ganz sanft beginne ich den Bauch, mein hartes Sixpack, welches mich bei andern Männern so anturnt, dann die Brust mit kreisenden Handbewegungen zu erfühlen und streicheln, meinen Hals ebenfalls, spiele mit den hart werdenden Brustwarzen, streiche über die Hüften, kraule, nachdem ich die Hände unter meinen steif gewordenen Penis geschoben habe, in meiner Scham, spiele ganz sanft mit meinen Hoden. Es fühlt sich alles so gut, so schön an, es ist mir als spüre ich die Hände von Dominique an mir, es ist als liebkose er nun meine Männlichkeit, streiche ganz zärtlich über den Schaft und die Eichel, mein Atem wird unregelmäßiger, meine Muskeln ziehen sich zusammen, ich lasse »Dominique« seine Stimulationen unterbrechen und genieße die aufgebaute Spannung, nur ganz langsam beginnen er und ich wieder, mich zu verwöhnen, langsam und gesteuert steigt die Spannung ins Unermessliche, ich höre mich schwer atmen und stöhnen, fühle mein Becken sich bewegen, meine Bauchmuskeln sich verhärten, ein Zurück gibt es nun nicht mehr, Sterne und Feuerwerk in meinem Kopf, eine unglaubliche Wärme durchströmt meinen ganzen Körper, Wellen von unbeschreiblicher Lust überrollen mich und ich gerate in einen tobenden, wahnsinnig intensiven Gefühlssturm. Schließlich berste ich und meine Lust wird in kräftigen, klebrigen Salven heißen Spermas sichtbar, immer und immer wieder schießt es heraus, zweimal spüre ich es im Gesicht, immer und immer wieder fühle ich dabei diese grenzenlose Wollust bis ich ermattet und immer noch schwer schnaufend mich entspanne und in einem totalen Glücksgefühl mich endgültig fallen lasse... Zärtlich berühren meine, in meinen Phantasien halt einfach seine, Hände den erschlaffenden Schwanz, ein leichtes Zucken noch, dabei hie und da nochmals eine Muskelkontraktion verbunden mit großer Lust, »unsere« Hände streichen sachte über meinen ganzen glitschig-nassen Oberkörper und verreiben das Resultat dieser Eruption ganz zärtlich… Hie und da beschleicht mich nach dem Wixen ein etwas schales Gefühl. Heute ist es das Gegenteil, es war einfach wunderbar und voll intensiv. Das in seinen Armen erleben … nicht auszudenken.

Nach der reinigenden Dusche lasse ich die Kerze brennen, sie soll mich bis in den Morgen an diese wunderschönen Gefühle erinnern. Es ist schon bald ein Uhr morgens, als ich die Flamme immer verschwommener sehe und mit einem Gedanken an den morgigen gemeinsamen Tag einschlafe …

Dominique

Ich schlafe unruhig, immer wieder geht mir durch den Kopf weshalb der arme Kevin wohl geweint hat. Kevin, schon an seinen Namen zu denken oder diesen auszusprechen ist mir eine große Freude, gibt mir Schub. Soll ich ihm Morgen meine Gefühle offenbaren? Nein, da könnte für die nächsten zwei Tage, die wir hier noch gemeinsam haben, etwas für immer zerbrechen. Dann habe ich mindestens diese drei Tage gehabt, welche mir niemand mehr nehmen kann.

Eigentlich hätte ich große Lust gehabt gestern Abend, mich zu befriedigen, dabei an ihn denkend. Doch Kevin ist mir als bloße Wixvorlage viel zu schade und nachdem ich mir gestern Nacht schon Erleichterung verschafft hatte, lasse ich es bleiben … Und so versuche ich, an den kommenden Ausflug denkend, wo er dabei sein wird, noch etwas Schlaf zu kriegen.

Erneut strahlt mich der Morgen mit wolkenlosem Himmel an und ich beschließe, vor dem Morgenessen noch ein wenig am Strand joggen zu gehen, um den Körper zu bewegen und vor allem auch, den Kopf durch zu lüften. Etwa einen halben Kilometer vom Hotel weg, sehe ich meinen Traumjungen, auch er ist am Joggen. Da er mir entgegenkommt, ist er wohl schon länger unterwegs als ich. Gott ist der Junge hübsch, nein nicht hübsch, dieser Boy ist schön, noch viel schöner als ich ihn mir vorgestellt habe in meinen Träumen; nur in seinen sexy Nike-Turnshorts, die leicht behaarten wohlgeformten Beine, der perfekte nackte braun gebrannte und haarlose Oberkörper, die großen dunklen Brustwarzen, diese so unheimlich erotische, feine Haarspur von seinem Nabel unter die Shorts zu seinem Allermännlichsten, sein strahlendes Lachen, seine Wangengrübchen, wenn er lächelt, aber auch diese versteckte Traurigkeit in seinen dunklen, ausdrucksvollen Augen. »Ist was?« fragte er bei der Begrüßung. Ich muss mich wohl schlicht vergessen haben, jetzt hat er mich durchschaut. Ich beginne etwas zu stammeln und bringe schließlich »Nein, nichts, bin bloß etwas neidisch auf dich, du hast schon recht geschwitzt, wenn ich dich so betrachte, bist wohl voll gelaufen, oder?« hervor. »Nein nein, nur etwa 4 Kilometer, ich spiele Volleyball zu Hause und will in den Ferien die Kondition nicht verlieren und Speck ansetzen« sagt er, sein bezauberndes Lächeln und diese einem zum Schmelzen bringenden Grübchen zeigend. Und war da nicht wieder dieser leise trauernde Schleier in seinen Augen?

»Du Kevin, ich freue mich so, dass du auf die kleine Expedition mitkommst heute« sagte ich und merkte gleich, dass er das falsch auffassen könnte und fügte deshalb rasch an »ich meine, dass ich dir das zeigen kann.« »Also freust du dich nun auf mich oder darauf, mir die Natur zu zeigen«, sagte er, mich dünkte vielsagend lächelnd, und mit einem »See you soon, jetzt will ich aber noch duschen gehen« trabte er zurück zum Hotel und ließ mich verwirrt zurück. Ich musste mich setzen, zum Joggen fehlte mir jetzt die Lust. Halb glücklich, ihm begegnet zu sein, halb traurig wegen dem Wie-geht-es-weiter… Dieser Boy bringt mich von Sinnen, was denkt er, was und wie fühlt er, wie meinte er diese letzte Bemerkung ….

Kevin

Verdammt, meine letzte Bemerkung, die war schon heavy, da bin ich wohl zu weit gegangen, habe ich mich damit gar verraten? Und Himmel, dieser Körper, makellos, durchtrainiert, was er wohl für Sport treibt, er ist etwas männlicher gebaut als ich, ohne aber ein Muskelprotz zu sein. Ich denke manchmal, dass ich zu knabenhaft aussehe, hoffentlich nicht zu stark für ihn. Hey, träume ich, ich gehe wiederum davon aus, dass es etwas wird mit uns zweien, solche Zufälle gibt es nicht, 9000 Km von zu Hause, beide schwul, jeder sucht Wärme und Liebe, jeder findet ausgerechnet Gefallen am andern… nein. Oder eben doch, mussten wir uns nicht hier begegnen, ist das nicht eine dieser vorbestimmten Situationen in unseren Leben?

4. Teil

Anna

Geschmack hat Dominique, in diesen Kevin könnte ich mich auch noch verlieben. Und wie er sich anstellt hier im Boot, mithilft, sein Wissensdurst, ein kluges Bürschchen und er hat wirklich ein bezauberndes, als Frau müsste ich eigentlich sagen, betörendes Lächeln. Remo hat zuerst ein wenig rumgenörgelt, als Domi ihn vor die vollendete Tatsache stellte. Domi argumentierte zwar geschickt, der junge Mann sei ein totaler Naturfreak, dann hat Remo aber rasch wieder sein normales, aufgestelltes Gesicht aufgesetzt. Später dann hat er diesen Kevin sogar gerühmt, wie er mitmacht und zupackt und sich echt gefreut, als dann die ersten Delfine auftauchen und Kevin kaum mehr zu halten ist, ja als dieser doch tatsächlich feuchte Augen bekommt und immer erneut wiederholt »wahnsinnig, überwältigend, phantastisch und ich darf das erleben«. Ich beobachte Domi, wie er immer versucht sich möglichst in der Nähe Kevins aufzuhalten, obschon das gar nicht nötig wäre, weil umgekehrt … ja, ich denke, auch Kevin zeigt Interesse an Domi, doch keiner der beiden traut sich. Ja, das ist doch so im Leben, zu etwas, das einem viel bedeutet, trägt man doch Sorge und geht behutsam damit um, um ja nichts zu zerstören. Ich werde diese Beobachtung allerdings für mich behalten, will mich da nicht einmischen.

Als wir am frühen Abend wieder zurück sind und zusammen noch eins trinken gehen, ist Kevin fast der Mittelpunkt, dieser Junge hat sich im Nu »ins Team gespielt« mit seiner sympathischen offenen Art. Und er scheint vollkommen glücklich zu sein. Seine Eltern kommen dann noch zu uns und spendieren eine Runde und mit einer echten Begeisterung erzählt ihnen Kevin, was wir alles gesehen haben, und lässt sie einen ersten Blick auf seine Digicam haben. Erst beim Bedanken für die Drinks erfahre ich, dass das sein Pate und dessen Frau sind.

Kevin

Einen ganzen Tag um Domi, wie sie ihn nennen, herum zu sein und dann noch so viele Delfine zu sehen, mit ihnen schwimmen zu gehen Seite an Seite (!!!), unbeschreiblich. Und wie ich dabei öfters ganz »zufällig« mit ihm Körperkontakt haben konnte. Und wie er mich einmal ganz lange ansah und mir das süßeste Lächeln schenkte seit Thomas, als ich so begeistert war wegen der vielen Delfine und sogar ein ganzes Rudel Jungtiere fotografieren konnte.

Und der Abend mit ihm auf der Terrasse, einfach in seiner Nähe zu sein, ihn von der Motivation für diesen seltenen Beruf, seiner Ausbildung, der Liebe zur Natur reden zu hören… er muss ein ganz besonderer Mensch sein, auch wenn ich versuche meine rosa Brille abzulegen. Zu dumm, dass immer jemand in der Nähe war, nie konnten wir auch nur annähernd über persönliche Dinge sprechen.

Ich schmelze fast, auch wenn ja das nichts Konkretes zu bedeuten hat, für Morgen haben wir abgemacht, diese kleine Insel mit dem Bike zu umrunden. Ich hoffe, Domi hat die beiden Frauen mit seinen Schilderungen, wie anstrengend das sein könnte, von der Teilnahme abhalten können.

Dominique

War das ein Tag, wie im Paradies, fast zehn Stunden mit ihm auf einem Boot, ihm gelegentlich ganz nahe zu sein, seine weiche und warme Haut aber auch die Muskeln zu spüren, dieses Strahlen zu erleben, als wir viele Delfine gesehen haben, aus den Konturen abzuschätzen wenn seine Badeshorts nass waren, was darunter Schönes und Erregendes verborgen ist… Ich denke je länger je mehr, Kevin hat ein gewisses Interesse an mir und ich hoffe sehr, dass es nicht nur wissenschaftlicher Art ist. So wie er sich heute gegeben hat… ich brauchte seine Nähe gar nicht immer zu suchen, manchmal war er einfach plötzlich an meiner Seite, anderseits aber diese Zurückhaltung… Morgen auf der Biketour werden wir endlich persönlicher reden können, ich bin sicher, Anna und Romy kommen nicht mit, die hab' ich ganz schön abgeschreckt. Ich werde, um ganz sicher zu sein, Anna heute noch bitten, uns doch alleine fahren zu lassen, sie versteht das bestimmt und dann kommt auch Romy nicht mit, die andern wollen ja sowieso mal relaxen.

Es hat geklappt, mega, super, geil, Anna spielt mit, sie hat sich zuerst etwas geziert, mich dann ausgelacht, weil ich auf ihre Masche hinein gefallen bin, coole Frau. Im Bett höre ich die Brandung, das fahle Mondlicht leuchtet in den einfachen Raum, bei Kevins kleiner Hütte sehe ich durchs offene Fenster eine Kerze brennen.... Wie romantisch dieser Boy ist! Ich habe unheimliche Sehnsucht, ihn jetzt hier zu haben oder bei ihm drüben zu sein. Nicht für schnellen Sex, nein ich wäre mehr als zufrieden, die ganze Nacht mit ihm zu diskutieren, mehr über ihn zu erfahren und ihm etwas, wohl noch nicht alles, aus meinem Leben zu erzählen.

Mit ganz viel Liebe im Herzen stimmt es für mich, ganz sachte beginne ich mich zu stimulieren und ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich dabei voller Gefühl an ihn denke. Und als es schließlich dunkel wird um mich und meine Gefühle kulminieren, sehe ich seine Perlen von Augen vor mir. Und sein Lächeln. Aber auch diese gewisse Melancholie in seinem Blick. Mit diesem Bild schlafe ich im wahrsten Sinne des Wortes entspannt ein.

Daniel

Den ganzen Tag am Strand wäre schon toll, aber da habe ich wieder viel zu viel Zeit und denke immer an Claudia zu Hause und an die zwei langen Wochen bis ich sie wieder sehe. Auch wenn es wohl schon ein wenig anstrengend ist, ich überlege mir echt, ob ich Morgen nicht doch mitfahren will. Und auch wenn sonst niemand aus unserer Gruppe mitkommt, Domi mag ich gut und dieser Kevin war gestern auch ganz OK.

5. Teil

Dominique

Eben komme ich aus der Dusche als es klopft und der schnuckelige Daniel, leider eben eine Quadrathete, hinein schaut. »Du Domi, ich glaube ich komme heute auch mit dem Bike mit, OK?« Riesen Scheiße, ich kann ihm doch nicht sagen, ich möchte mit dem hübschen Schweizerjungen zusammen alleine gehen. Die Stimmung ist mir nun echt verdorben und er muss es mit seinem »Hast du etwas dagegen?« auch gemerkt haben. »Nein schon gut, ich … bin nur erstaunt weil du gestern noch gesagt hast, du möchtest auch mal ausspannen«. »Wenn ich am Strand liege und dolce far niente mache, kriege ich wieder halbe Depris wegen meiner Freundin.« Oh, diese Heten mit ihren Weibern. Nein, ich muss gerecht sein, ich bin ja nicht mal mit Kevin zusammen und denke schon mit Horror und Trauer an Morgen, wenn unsere Gruppe weiter zieht und ich ihn dann wohl nie mehr sehen werde.

Also, mit meinen Träumen ist nichts gewesen. So fahren wir halt zu dritt und gute Gespräche mit Kevin werden kaum oder gar nicht möglich sein.

Kevin

Big shit, jetzt kommt doch dieser Daniel mit, ein Anblick an den man sich zwar gewöhnen könnte, aber unter diesen Umständen, einfach ein richtiger Scheiß. Dabei wäre ich soooo gerne alleine mit Dominique auf dieser Fahrt gewesen, ich glaube ich hätte ihm heute alles gestanden, was hätte ich verlieren können, Morgen gehen die ohnehin weiter.

Dominique

Genau wie voraus gesehen. Sie war zwar absolut genial diese Biketour, Wunderlandschaften, dieser Besuch in einem kleinen Dorf, das Baden an einer verlassenen Bucht. Wegen Kevin hätte ich mich das ja nicht getraut, weil ich nicht weiß, wie er darüber denkt. Als dann aber Daniel nach dem T-Shirt auch gleich die Shorts abstreifte … Daniel habe ich ja schon nackt gesehen mit seinem schönen Körper, aber bei Kevins Anblick bekäme ich vielleicht ein kleineres Problem… Ich sehe wie Kevin mich anschaut, kurz zögert und dann auch alle Hüllen fallen lässt. Welch ein Body, wie schön und geil zugleich er aussieht und dann jetzt noch diese leicht zurück rasierte Scham, welche einen perfekten, mittelgroßen Schwanz einrahmt, unter welchem zwei schöne schwere Hoden hängen. Ein Adonis, ein Bild zum Malen, welches ich nur mit einem kurzen Blick wahrnehmen kann, damit es nicht auffällt. Habe ich da nicht auch von ihm einen verstohlenen Blick gesehen? Die Sonnenbrillen erlauben eine gewisse Diskretion und man kann nur erahnen, er umgekehrt ja auch.

Ich lege mich auf den Bauch, meine Hormone machen sich schon ein wenig bemerkbar, ich muss das zuerst unter Kontrolle bringen. Tut er mir das aus denselben Gründen gleich …

Daniel tollt schon im Wasser herum, als ich auch gehe, auf eine Weise, dass Kevin mein leicht angehobenes Glied nicht sehen kann, ich hoffe auf die Wirkung des Wassers. Als er dann auch kommt, drehe ich mich auf den Rücken, schaue Richtung Ufer und schwimme laaaangsam ins Meer hinaus und kann so Kevin unauffälliger betrachten. Seine Männlichkeit ist aber vorhin auch mehr an ihm herunter gehangen... ich muss schon sagen, sie steht schon einiges von seinem schlanken Körper ab und mir scheint aus der Entfernung, dass sie auch schon etwas gewachsen ist…

Kevin

Jetzt nur keinen vollen und verräterischen Ständer! Himmel macht mich, bei allen Gefühlen, dieser Dominique an, diese vergleichsweise niedlich süßen Eier zum Spielen und Saugen an seinem viel versprechenden... Aber eigentlich möchte ich noch gar keinen Sex mit ihm, obschon ich total rattig bin, je länger je mehr bedeutet er mir als Mensch unheimlich viel, seine ganze Art. Oh du meine Güte, wie wäre das jetzt wunderschön hier an dieser malerischen Bucht mit ihm alleine!?

Dominique

Ein gefreuter Tag, obwohl ich kaum ein persönliches Wort mit Kevin reden konnte. Ein klein wenig haben wir dann doch noch für uns gehabt nach dem Abendessen, als wir noch ein wenig länger als die Andern ein Coke getrunken haben. Email und Handynummern haben wir ausgetauscht, zumindest bleiben wir im Kontakt, dadurch werden diese drei Tage nicht bloß ein Traum gewesen sein.

Und wieder brennt die Kerze bei ihm im Zimmer. Zwanzig Meter etwa trennen mich von meinen Sehnsüchten und Träumen und von meinem Christkind, Kevin hat mir auf meine Frage gesagt, dass er am Heiligabend 20 wird… Und er weiß nun auch, dass ich zwei Wochen vorher 27 werde. So habe ich zumindest einen Grund, ihn anzurufen… Happy birthday mein Christkind.

Kevin

Der letzte Abend hier in Afrika in der Nähe von ihm. Mein Herz hat Sprünge gemacht, als er vorschlug, die Emailadresse und Handynummern auszutauschen. Ganz bestimmt werde ich ihm schreiben. Und ich denke, auch die Wahrheit sagen. Zumindest eine Andeutung und dann schauen, wie er reagiert.

Wie ein anderer Mann einen so komplett von der Schiene bringen kann. Ich spüre, ich bin nun wirklich bereit, wieder eine Beziehung einzugehen. Niemals möchte ich dieses gefundene menschliche Juwel wieder verlieren und wenn es halt auch nur eine »normale« Freundschaft wäre.

Ich habe Angst vor dem morgigen Abschied.

Dominique

Mir ist, als bekäme ich keine Luft mehr oder als hätte ich einen Klumpen im Hals. So rührend, obwohl die Sonne noch nicht voll schien bei seiner Hütte, kam er zur Verabschiedung mir einer Sonnenbrille heraus, als ich bei ihm anklopfte. Als ich ihm dann die Hand reichte, nützte auch die Sonnenbrille nichts mehr… Tränen kullerten ihm über die Wange. Jetzt war mir alles egal, ich wollte ihm meine Gefühle offen legen und hob eben meine Arme, um ihn zu umarmen, aber genau in diesem Augenblick erschien sein Pate von weitem. »Gell, wir schreiben uns!? Und danke für alles, wirklich alles«, sagte er nur und ging zu seinem Verwandten.

Ich denke, diese Tränen und Worte sagen alles. Und meine zittrige Stimme hat er bestimmt auch mitbekommen.

Und nun ist unsere Gruppe unterwegs zu unserem nächsten Auftrag. Anna hat meinen Arm genommen und mir ins Ohr geflüstert »Domi, es kommt schon gut, ich bin mir da ziemlich sicher.« Weiß sie mehr oder ist das wieder eine dieser weiblichen Intuitionen?

Und heute Abend werde ich Kevin eine SMS schreiben. Eine ganz besondere, eine ehrliche SMS. Es gibt nun nichts mehr zu verlieren, ich kann nur noch gewinnen.

6. Teil

Kevin

Immer wieder lese ich seine SMS, der Schleier meiner Freudentränen hat sich etwas gelichtet. »Kevin, was hast du mit mir gemacht, ich kann an nichts mehr Anderes denken als an dich? Du bist wunderbar, ich fühle nichts als tiefe Liebe für dich. Nimm mir bitte meine Angst, ich könnte mich in deinen Gefühlen täuschen. Domi.«

Ich weiß, dass er jetzt auf Kohlen sitzen wird und meine Antwort erwartet, aber ich kann noch nicht schreiben, ich bin viel zu aufgewühlt, muss mir noch die passenden Worte überlegen.

Nach einer halben Stunde dann schaffe ich es. »Liebster Domi, deine SMS macht mich zum glücklichsten Boy der Welt!«

Beim Nachtessen lege ich mein Handy auf den Tisch, Peter und Angela lesen die SMS, ihre Augen leuchten und … ich beginne einfach zu weinen. Ich erzähle ihnen nun, wie ich das Schwulsein erlebt habe, was sich in mir abgespielt hat, wie ich gelitten habe bis ich es selbst akzeptieren konnte, von Thomas meiner ersten Liebe und seinem Tod, von meinem tiefen Sturz und dem Alleinsein danach. »Gott, Junge. Und das hast du alles alleine durch gestanden!? Und wir wussten von alledem nichts.« »Peter, Angela, manchmal bin ich nahe am Zerbrechen gewesen, es gab ein paar Wochen nach Thommys Tod eine Zeit, da wollte ich auch nicht mehr leben. Nur dank meinem besten Freund und meinem Lehrer bin ich noch hier. Bei einem Gespräch vor ein paar Monaten habt ihr mir mal gesagt, wie reif ich für mein Alter sei. Nun kennt ihr den Grund, das alles hat schon Spuren hinterlassen.« Und mir fällt der Ausspruch ein, nur in schwierigen Situationen könne sich ein Mensch weiter entwickeln. Als ich sage »Ich bin so glücklich, dass ich nach Thommy wieder lieben kann« legt mir Angela ihre Hand auf die meinen und meine Tränen beginnen wieder zu fließen…

Dominique

Wie gerne würde ich wissen, was er jetzt gerade denkt, fühlt, macht. Sitzt er am Strand für sich alleine an »unserem« Ort? Und diese lieben Zeilen, die er mir zurück geschrieben hat. Kevin ist also auch schwul, er fühlt etwas für mich, meine Eindrücke waren also nicht falsch, obschon ich sie manchmal als meine eigenen Hirngespinnste interpretiert habe. Und diese Anna, was hat sie mehr gewusst, dass sie sich so sicher war. Vielsagend gelächelt hat sie, als ich ihr voller Glück Kevins Worte vorgelesen habe.

Wie bringe ich diese beiden verbleibenden Wochen mit dieser Sehnsucht nach ihm bloß hinter mich? Die Aussicht auf das, was kommen mag, lässt es mich sicher erleben.

Beim Einschlafen sehe ich Kevin vor mir, den Ausdruck seiner Augen, in die ich bald versinken darf, deren melancholischer Ausdruck hoffentlich bald verschwunden sein wird. Wunderschön dass ich dazu beitragen darf.

7. Teil

Kevin

Mitte November 2004. Die abwechslungsreiche Landschaft zieht am Fenster des InterRegio Richtung Luzern vorbei. Einige Mails sind seit unserer Rückkehr in die Schweiz durchs Netz gegangen und auch unsere Stimmen haben wir einmal wieder gehört.

Obschon wir uns durch die Mails persönlich einiges näher gekommen sind, bin ich schon recht nervös. Es liegt mir soviel an diesem Treffen, jetzt ist eine ganz andere Umgebung, nicht mehr Ferienstimmung, wie wird er sein und reagieren, wie offen soll ich sein, ihm die Geschichte mit Thomas schon erzählen, soll ich ihn küssen, was wird er körperlich jetzt schon von mir wollen … Fragen über Fragen. Und doch freue ich mich unheimlich, schon die ganze Woche, selbst an der neu begonnenen Uni, wo ich echt gefordert werde, sind meine Gedanken immer wieder mal abgedriftet.

Dominique will mich bekochen, er hat mir eine niedliche Speisekarte geschickt, er gibt sich total Mühe.

Vor der Wohnungstüre bleibe ich stehen, läute noch nicht, ich will mich noch ein wenig beruhigen. Und trotzdem geht die Türe auf und Domi heißt mich, herzlich aber doch ein wenig scheu, willkommen, er habe mich kommen sehen. Er sieht auch ohne Sommerkleider unheimlich gut aus, die bestens sitzenden, hellblauen, leicht verwaschenen Jeans zeigen seinen süßen Hintern und das farbige T-Shirt erinnert halt doch ein wenig an die Zeit in Afrika. Er küsst mich nicht, einfach ein herzlicher Händedruck. »Kevin, ich konnte es gar nicht erwarten, bis du kommst, seit ich dich das erste Mal gesehen habe, steht bei mir kein Stein mehr auf dem andern.« Ich fasse mir ein Herz und ihn um die Schulter und gebe ihm einen scheuen Kuss … auf die Wange und dann setzen wir uns. »Domi, ich habe mich auch riesig auf dich gefreut und deshalb … äh… ich bin einfach fürchterlich nervös, das alles bedeutet mir so unheimlich viel!« Da kommt er neben mich auf das Sofa und umarmt mich. »Du Dummerchen… gut sagst du das jetzt gleich, mir geht es genau gleich, ich habe alles in Gedanken mehrfach durchgespielt… nachdem wir schon beide etwas angespannt sind und uns das nun gestanden haben, gehen wir doch einfach nach unseren Herzen und nicht dem Verstand vor.« Sprachs und begann, mich innig zu küssen… Ich genieße das und auch meine Zunge stellt sich dem friedlichen Kampf, Wellen von Glück die mich durchströmen. Doch wir »übertreiben« nicht und er zeigt mir seine hübsche, einfach aber sehr persönlich eingerichtete kleine Wohnung. Als wir Im Schlafzimmer mit dem großen einladenden Bett sind, schnuppert er plötzlich in die Luft … »Scheeeeeiße, die Kürbissuppe!« Vergessen, angebrannt. »Siehst du, wie du mir den Kopf verdrehst, wegen dir bin ich einfach neben den Schuhen und lasse die Suppe anbrennen.« Ich finde das nicht halb so wild »Danke für das Kompliment. Eine verpatzte Hauptprobe garantiert den Erfolg des Stücks. Und irgendwie beginnt ja heute für uns auch ein Stück, ein neues Stück in unserem Leben.«

Dominique

Wie süß er das gesagt hat nach meinem Pech mit der Suppe! Wie Kevin aussieht, ist es das lange Warten, die Sehnsucht auf ihn oder seine zu ihm passenden Klamotten, welche ihn zusätzlich einfach umwerfend aussehen lassen. Und wie er so ehrlich war und gleich sagte, wie nervös er sei. Diese Offenheit ist ansteckend. Offenheit aber auch in sehr persönlichen Dingen. Das setzte in diesem Maße ungekannte Emotionen frei bei mir und ich musste auch weinen, als er von Thomas zu erzählen begann und es war so schön, ihm seine Tränen weg zu küssen und ihn zu trösten. In diesen Momenten fühlte ich eine derart intensive Liebe für ihn, noch viel stärker als bisher, mein Herz machte im wahrsten Sinne Sprünge, noch nie in meinem Leben habe ich solche Gefühle erlebt. Auch wenn er mir über dem Berg scheint in dieser Sache, ein solches Erlebnis steckt man nicht einfach so weg, erst recht nicht ein Mensch wie Kevin. Und ich selbst lebe endlich wieder seit meiner selbst gesuchten Isolation, mit welcher ich die Sache mit Manuela zu »verarbeiten« suchte. Mein Entschluss, als ich vor ein paar Monaten fast draufging und mir sagte, dass ich meinem Leben rasch und konsequent eine andere Richtung geben, mich aus der selbst gewählten Isolation lösen muss. Und jetzt treffe ich auf Kevin, meinen ersten Mann, und das mit 27 Jahren. Und dieser Mann ist sieben Jahre jünger, aber an Lebenserfahrung so reich, in diesem Sinne viel älter als sonst ein Zwanzigjähriger. Seine Reaktion, als ich ihm vom Bau des eigenen Schutzwalles und vom »Mauerfall« erzählte und wie ich mir damit selbst weh tat, war so typisch für Kevin. Selbst mit Tränen in den Augen sagte er: »Es ist so gut, dass du nun da durch bist. Und es ist so gut, dass ich Derjenige sein darf, der dich dabei begleiten und lieben darf.« Und: »Domi, ich habe nach dem Tod vom Thommy nicht geglaubt, dass ich Liebe je wieder derart intensiv erleben darf. Du hast mich ja auch wieder 'zum Leben erweckt'. Und dafür danke ich dir von ganzem Herzen« und dann verschlangen mich seine kräftigen Arme und seine zarten Hände streichelten mich lange und immer wieder. Ein immenses Glücksgefühl durchströmte mich erneut, ich driftete mit meinen Gedanken weg… irgendwann hörte ich ihn sagen »Was mir am meisten Angst vor einer neuen Beziehung gemacht hat, war die Angst, dass ich den neuen Menschen immer mit Thomas vergleichen würde, dass ich mich nicht auf jemand anderes einstellen kann. Nie, auch nicht als ich in Afrika mich in dich zu verlieben begann, ist mir das bei dir passiert. Bei dir habe ich in diesen Wochen wieder gelernt, dass jeder Mensch ganz speziell, ein Unikat, ist. Ich hatte auch Angst, dass ich Thomas mit einem neuen Freund 'untreu' werden würde. Das ist alles nicht eingetroffen. Und da spielt deine ruhige Art, so einfühlsam wie du auf mich zugegangen bist, wie du meine Sensibilität gefühlt und Rücksicht genommen hast, wie du mich in den Mittelpunkt stellst, wie bedingungslos du mich und wie ich fühle akzeptierst, eine zentrale Rolle.«

So spricht sonst kaum ein Zwanzigjähriger, »Kevin, ein bisschen kenne ich dich ja jetzt, aber du erstaunst mich immer wieder aufs Neue, ich liebe dich so!« Der Abend verging viel zu schnell, schade nur, dass er nicht hier übernachten wollte. Anderseits verstehe ich ihn, vielleicht dachte er, dass ich körperlich bereits etwas von ihm wollte. So Sehnsucht ich danach hätte, ihm auch physisch nahe zu sein, bereits am ersten zweisamen Abend dünkt mich das jedoch unpassend. Wir haben das nicht angesprochen, irgendwie fühlte ich, dass er gleich denkt.

Und nun schreibe ich ihm eine Mail um ihm für den heutigen Abend zu danken, vielleicht liest er sie ja noch.

Kevin

Der letzte Zug nach Bern hält fast bei jedem Bauernhof. Ich bin zu aufgewühlt um zu schlafen. Nachdem wir von unserer gegenseitigen Angespanntheit erfahren haben, ging alles voll easy, so locker, so offen, ich musste mir nicht mal überlegen, es war selbstverständlich, dass ich ihm von Thommy erzählte. Und wie total einfühlsam Domi ist. Mir war, als würden wir uns schon lange Zeit kennen.

Ich hoffe jetzt nur nicht, dass ich ihn enttäuscht habe, weil ich das erste Mal nicht bei ihm übernachten wollte. Ich wollte einfach nicht, dass wir beide uns in Versuchung führen. Nur zu gerne hätte ich ihn berührt und ihm größte Lust geschenkt und das Gleiche von ihm erfahren. Dann wäre es aber einfach gewesen wie bei manchen Leuten, man gibt sich der Geilheit hin und »fällt übereinander her«. Unsere Liebe hat etwas Besseres verdient und das Warten lohnt sich. Und jetzt können wir uns beide noch auf unser erstes körperliches Zusammensein freuen, welches etwas Außergewöhnliches sein soll.

Zu Hause öffne ich den Mailkasten, ich kann mir vorstellen, dass er mir eine kleine Nachricht hinterlassen hat. Ich lese: »Liebster Kevin, ich habe ein Juwel gefunden, das schönste und liebste der Welt. Ich bin so unglaublich glücklich, es musste wohl einfach sein, dass wir uns in Afrika, so weit von zu Hause entfernt, begegnet sind. Kevin, ich liebe dich mehr als ich mich selber liebe! In einem guten Monat ist Weihnachten, und dein Geburtstag. Schlaf gut mein Christkind.«

Wie bin ich glücklich, wie unheimlich glücklich. Ich weine. Das Leben hat mich endgültig wieder.

Dominique

1. Advent 2004

Was dieser Junge in mir bewirkt hat. Ich, der selbst gewählte Spätzünder, habe je länger je mehr das Bedürfnis mich zu outen, ich selber zu sein, die Lügen hinter mir zu lassen. Mir kommt es manchmal vor, ich sei wie ein Kücken im Ei, die Zeit auszubrechen ist gekommen. Inzwischen haben Kevin und ich uns dreimal getroffen, einmal haben wir ein vorweihnächtliches Gospelkonzert besucht, haben den Film »Der Untergang« gesehen und sind, von seiner Mam, wie er sie nennt, zu einem feinen Essen eingeladen worden. Chic hat er sich extra angezogen, umwerfend sah er aus und ich war so stolz auf ihn. Ein ganz toller Abend in Bern, vor allem auch, weil ich mich von ihr sofort akzeptiert fühlte. Und auch deswegen als sie sagte »Bei dir Dominique ist Kevin in guten Händen, er braucht viel Zärtlichkeit und Liebe und was er mir bisher von dir erzählt hat … ach, ich bin einfach so froh, dass ihr Euch gefunden habt.«

Dieses Wochenende wird ein besonderes sein. Ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich mich, wie oft haben sie mich danach gefragt, verliebt hätte und ihnen mein Christkind gerne vorstellen möchte. Bewusst wählte ich die sächliche Form und sie hakten auch nicht nach und luden uns zum Essen ein.

Als wir so Richtung Elternhaus gingen, hatte ich schon etwas Angst vor dem eigenen Mut. Kevin muss es gemerkt haben, als er fragte »Wie fühlst du dich?«. Nach meiner Antwort dann: »Mir geht es ähnlich. Aber das führen wir jetzt zu Ende.« Recht resolut der Herr…

Zuerst erwartungsfrohe Augen beim Öffnen der Türe, dann… wich das Lächeln erst einem fragenden und schließlich enttäuschten Gesichtsausdruck. »Dominique … äh… kommt rein.« »Mutti, Paps, das ist Kevin, mein Christkind. Wir lieben uns.« Der letzte Satz ging fast unter, weil mir dir Stimme versagte und Tränen aus meinen Augen kullerten. Ich weiß nicht, wie lange wir so gestanden sind, meine Eltern waren einfach zu überrumpelt. Vater setzte sich auf einen Stuhl und starrte vor sich hin, meine Mutter begann zu heulen. Kevin, den sie in ihrer augenblicklichen Verfassung noch gar nicht begrüßt hatten, fasst sich als erster und hat die Situation gut analysiert. »Liebe Herr und Frau Gerber, wir haben sie wohl zu fest überrumpelt, ich möchte ihnen einfach sagen, dass Domi und ich uns lieben, lieben wie ein Mann eine Frau liebt und umgekehrt, nur dass wir halt zwei Männer sind. Ich denke, Domi braucht jetzt ihre Elternliebe. Und sie werden wohl etwas Zeit brauchen, wie jeder schwule Jugendliche sie auch braucht, wenn er merkt, dass etwas anders läuft bei ihm. Dürfen wir sie in einer Woche wieder besuchen und mit ihnen sprechen?« Wieder mal Kevin live, so reif und besonnen. Da stand Vater auf, kam auf mich zu und sagte: »Dominique, was dein … der junge Herr sagte, stimmt genau so. Wir, ich denke ich darf auch für Mutter sprechen, haben das nicht erwartet, du der Mädchenschwarm und … du … und du … schw… homosexuell. Nicht dass ich das verurteile, aber ich komme jetzt nicht klar damit. Können wir uns nicht, wie dein… dein Freund sagt, in einer Woche wieder treffen, wir brauchen diese Zeit.« »Und Domi, auch wenn mir im Augenblick die Worte fehlen, du bleibst unser geliebter Sohn.« Während er dies sprach, nickte meine Mutter zustimmend und nun ging sie zu Kevin. »Entschuldigen Sie, wir haben Sie ja noch gar nicht begrüßt. Und Ihre Worte vorhin, waren so… schön.«

Kevin

Nun also sind wir drei, Domi, meine Mam und ich, wieder auf dem Weg zu Gerbers. Ich hatte dann noch die Idee, dass es vielleicht für seine Eltern ganz gut wäre, wenn meine Mam dabei wäre, sie hat sich ja schon mit dem Thema auseinander gesetzt und auch ein Outing erlebt. Domi war ganz begeistert und seine Eltern nahmen das dankbar an. Meine Mam konnte gar nicht anders, sie spaßte noch und sagte, jetzt sei sie Wanderpredigerin für Eltern schwuler Söhne.

Es war ein schöner Adventsabend. Seine Eltern haben einen großen Schritt vorwärts getan. Schon mit den Tischkärtchen hat es angefangen, »unseren Verliebten« stand darauf, je eines für Domi und mich. Sie unterhielten sich angeregt mit meiner Mam, ich glaube sie hat mit ihren einfühlsamen Worten ganz viel zum Verständnis für uns und wie wir fühlen beigetragen.

Dominique

Wie bin ich happy, einfach nur happy. Jetzt, auf der Fahrt nach Bern mit Kevin und seiner Mam, lasse ich nochmals den Abend wie einen Film vor mir ablaufen. Ich habe die besten Eltern der Welt, nein, Kevs Mam muss ich einschließen. Als wir gingen haben sie mich und Kevin zusammen umarmt, meine Mutti hat ihm sogar einen saftigen Kuss gegeben. »Danke vielmals Ruth, für das und alles Andere« war seine schlichte aber unheimlich liebe Antwort. Heute werde ich bei ihm übernachten. Und ich glaube, wir wissen beide, dass wir uns heute erstmals lieben werden.»

8. und letzter Teil

Kevin

Domi mag mein Mansardenzimmer, mein kleines Königreich. Wie oft war ich hier als Bub glücklich, wenn meine Mam mir Geschichten vorlas vor dem Einschlafen, wie oft habe ich hier als Jugendlicher gegrübelt, später auch geweint, als ich feststellte, dass ich anders fühlen werde als die Norm. Wie war ich glücklich hier, als Thommy und ich ein Paar waren, wenn wir uns auf diesem Bett liebten, wie schrie es in mir, als Thomas seinem Leben ein Ende gemacht hatte und welche Hoffnungen habe ich hier nach meinen Afrikaferien aufkeimen gespürt.

Domi muss das gefühlt haben. »Kev, ich liebe dich so, deshalb wohl weiß ich, was du jetzt denkst. Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingen mag, aber mach es wie die Sonnenuhr, zähle die heiteren Stunden nur.«

Und dann begann er, mich zu umarmen, unsere Münder kamen einander näher, die Zungen auch, begannen sich in der Anderen zu winden, wie selbstverständlich ertasteten unsere Hände langsam und doch leidenschaftlich den Körper des Partners. Wir hatten keinen Sex. Ich möchte es anders nennen: Wir liebten uns, die ganze Nacht. Immer und immer wieder. Wir waren uns so nahe wie zwei Männer sich nur sein können. Unsere Seelen und Körper waren eins. Jeder Orgasmus, den wir uns schenkten, war noch intensiver als der vorhergehende. Und beide waren wir erfüllt von einem unsäglichen Glücksgefühl. Und so sind wir denn, immer noch feucht, in unseren Armen eingeschlafen. Und so erwacht.

Dominique

Mein Kopf liegt auf seiner Brust, Er atmet ganz ruhig und regelmäßig, Kev schläft. Ich höre seinen Herzschlag. Solange dieses Herz schlägt, möchte ich mit diesem Mann zusammen sein. Ich fühle eine unbeschreibliche Geborgenheit und Wärme. Wenn ich bei ihm bin, kann mir nichts mehr passieren.

Vor mir tauchen Bilder auf von ihm, als ich ihn in Afrika zum ersten Mal gesehen habe, wie er mich elektrisiert, in seinen Bann gezogen hat. Und nun habe ich mit 27 Jahren, abgesehen von kleinen Spielereien in der Schulzeit mit ein paar wenigen Kollegen, mein allererstes Mal, und das mit einem Mann, gehabt. Meine Nervosität hat sich rasch gelegt, alles ging mit ihm so selbstverständlich, so natürlich, so rein, wir haben uns einfach von unseren Gefühlen und Bedürfnissen treiben lassen.

Immer wieder, als Kevin durch meine Hände, Zunge und Mund im Strudel der Lust versank, sich dabei wand, stöhnte, zitterte, seine Muskeln spannte und wieder losließ, die Augen schloss, sich schließlich unendlich tief fallen ließ und ich dann seinen Liebessaft auf mir spürte oder diesen in kräftigen Salven auf seinen Körper schießen sah… Der Samen meines allerliebsten Jungen, das ist wie ein Geschenk, jeder Tropfen seines Spermas ist Kevin, jeder Tropfen dieses erregenden Saftes enthält seine Erbinformationen, ist ein Stück von ihm, für mich etwas ganz besonderes. Der Geruch seines Samens… ich kann nicht genug bekommen. Und er schenkt mir diesen reichlich heute in unserer ersten Nacht.

Als ich ihm meine anfängliche Angespanntheit 'gestanden' habe, sagte er schelmisch »Ja, habe ich schon gemerkt, aber du warst ein gelehriger Schüler.« Dann wurde er ernst. »Domi, es war wunderschön mit dir, du hast mich vollkommen glücklich gemacht und ich durfte dir größte Lust schenken. Und es ist für mich unheimlich schön, dass ich dein erster Mann sein durfte.«

Und wieder kuschle ich mich an ihn, spüre seine Nähe, diejenige seines mich bis fast zum Schmerz erregenden Körpers, aber auch diejenige seines Herzens. Und er hält sich ganz fest an mir, küsst mich hie und da oder schaut mir tief in die Augen, wortlos und doch voll unendlicher Liebe. Nie wieder, Kevin, lasse ich dich los. Noch nie bin ich so glücklich eingeschlafen.

Und auch neben ihm aufgewacht, seine erneute Erregung hat mich geweckt, wir küssen uns nur, er reicht so unheimlich erotisch, sein Körper ist so warm wenn ich meine Hände auf Forschungsreise schicke, obschon ich diesen perfekten Körper bereits eine ganze Nacht entdeckt habe, finde ich immer wieder Neues heraus, was ihm Lust bereitet und was mich erregt. »Du machst mich so …« Seine Worte verstummen, er biegt sich, stöhnt, küsst mich wild, klammert sich ganz eng an mich und ich spüre erneut diese feuchte, schleimige Wärme… und kurz danach tauche auch ich durch seine nie enden wollenden Liebkosungen ein in diesen immensen Sturm der Gefühle. Eng umschlungen dösen wir in größtem Glück einem neuen Tag entgegen.

Kevins Mam

Kevin hat mir vor ein paar Tagen gesagt, dass er sich freue, das erste Mal mit Dominique schlafen zu können. Ich genieße sein Vertrauen und seine Offenheit sehr. Gestern Abend dachte ich, dass das jetzt wohl soweit sei. Irgendwie schon noch … ja, speziell, wenn eine Mutter weiß, dass sich ihr Sohn jetzt mit einem Mann liebt. Wenn ich eine Tochter hätte, würde ich mir keine Vorstellungen machen. Bei Kevin… ja ich habe mich in den letzten Tagen schon dabei ertappt, wie ich mir vorstellte, wie das ist, wenn zwei Männer sich lieben. Nicht in Bildern, aber halt doch … ja, da habe ich trotz allem schon noch ein klein wenig Verarbeitungsarbeit vor mir.

Und jetzt hat er mir, als die beiden zum Morgenessen erschienen, zugeflüstert »Mam, Domi hat mich sehr sehr glücklich gemacht«. Ich konnte einfach nicht anders als die beiden zu umarmen und zu küssen.

Wenn ich jetzt die letzten paar Wochen so Revue passieren lasse. denke ich, mein Kevin ist endgültig ein junger Erwachsener geworden.

Kevin und Dominique, ich wünsche euch von Herzen alles Glück dieser Erde.

Das Ende mag für Außenstehende schon etwas kitschig wirken. Aber da es eine authentische Geschichte ist, können wir das nicht ändern. Und wir würden es natürlich auch keinesfalls wollen.

Wir wünschen allen Lesern, dass ihr solche Eltern habt und ihr eure Liebe auch so leben könnt wie wir

Noch das: Die Aussagen von Anna und Kevins Mutter haben wir mit diesen abgestimmt, sie sind damit einverstanden. Wir haben zusammen die Geschichte über die Neujahrstage 04/05 fertig gestellt.

Wir möchten damit den vielen jungen Schwulen ganz einfach Mut machen, ihren Weg zu gehen, auch wenn nicht überall immer alles so gut ausgeht wie bei uns. Versucht ihr selbst zu sein, nur dann lebt ihr wirklich und werdet nicht gelebt. Denkt aber auch daran, wieviel Zeit ihr gebraucht habt, bis ihr mit eurem Schwulsein klar gekommen seid und dass eure Umgebung, besonders Eure Eltern, meistens auch Zeit benötigen, diese neue Situation zu akzeptieren und dann auch zu verarbeiten.

Und hier will Kevin noch etwas loswerden: Ihr habt es gelesen, Rookey, dieser schwarze Junge wusste nichts aber auch gar nichts über AIDS, für ihn war das ein Fremdwort. Wir, wir kennen die Gefahren. Junx, wie schnell macht man eine Dummheit wenn man einfach nur noch geil ist. Denkt v o r h e r daran, habt wenn ihr »auf der Pirsch« seid, immer Gummis dabei, schützt Euch! Und wenn ihr in einer Beziehung lebt, nehmt die Verantwortung für den Andern wahr.

Wenn ihr uns gerne mailen möchtet, was uns freuen würde, dann über diese Adresse:

domi_kevin@hotmail.com

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