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A new Order

Teil 5

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Inhaltsverzeichnis

 

Nie beginne. Warte.

(Meister Yoda auf die Frage seines Padawan Qu Rahn,

wann der richtige Zeitpunkt sei, anzugreifen.)

- 5 -

Beinahe unbeteiligt, hatte Ryan die letzte Stunde auf einem umgefallenen Baumstamm gesessen, den beiden Jungen bei ihren Übungen zugesehen. Nun reckte er sich, erhob sich. Er nickte seinen Schülern zu.

»Eure Bewegungen sind fließend, eure Gedanken offen«, lobte Ryan. »Ihr führt euer Schwert locker und doch kontrolliert.« Er hob die Hände in einer Geste der Offenheit. »Nichts könnte ich euch lehren, was euch hier verbessert. Einzig durch Übung könnt ihr lernen, einzig dadurch, dass ihr das Schwert führt.« Ryan ließ die Hände sinken.

Jacen sah ihn fragend an. »Aber... was lernen wir denn dann von dir?«

Ryan lachte. »Kein Ahnung!«, gestand er freimütig. Er ließ sich auf dem trockenen Waldboden nieder, klopfte neben sich auf den Boden. Kyle und Jacen ließen sich neben ihn plumpsen. »Was wollt ihr lernen?«

Kyle grinste. »Wie man seine Schüler am Besten verwirrt!« Jacen kicherte daraufhin belustigt.

Ryan schüttelte den Kopf. »Jahrelange Übung!«, konterte er.

Die beiden Jedischüler sahen sich grinsend an.

»Ich kann euch nicht viel beibringen, weil es nicht viel gibt, was ihr wissen müsst«, erklärte Ryan ruhig. »Hört nicht darauf, was andere euch sagen. Ihr Weg ist nicht euer Weg. Ihr müsst euren eigenen Weg finden, ihn selber gehen! Macht euch nicht abhängig von den Entscheidungen anderer.« Er sah sie ernst an. »Auch nicht von denen, die ihr liebt!

Kyle wurde rot, Jacen lächelte verlegen, doch Ryan blieb ganz ruhig. »Jeder von euch hat ein eigenes Leben. Eure Liebe ist wunderbar, etwas Besonderes. Doch lasst nicht zu, dass diese Liebe zu einer Fessel wird! Liebe basiert auf Vertrauen, aber auch auf Freiheit. Sie kann nicht gefordert, nur gegeben werden!«

»Soll ich Jacen also nicht fragen, wenn ich etwas tun will, ob er mitkommt?«, fragte Kyle erstaunt.

Ryan schüttelte den Kopf. »Es gibt Dinge, die ihr zusammen tun könnt, doch dann wieder wird es Situationen geben, in denen ihr getrennt sein werdet. Lasst nicht zu, dass diese Trennung euch beherrscht, die Sehnsucht euch verzehrt. Freut euch an der Zeit, die ihr zusammen verbringt, aber betrauert die Trennung nicht. Nur weil ihr nicht am gleichen Ort seid, bedeutet das nicht, dass ihr auseinander wärt. Die Macht ist mit euch und durch die Macht, durch eure Liebe, seid ihr einander nah!«

Ihr Lehrer sah sie voller Zuneigung an. »Ich liebe euch beide. Aber ich muss euch gehen lassen, wie es jeder gute Lehrer tun muss! Ihr werdet Aufgaben finden für euch, ein eigenes Leben aufbauen. Würde ich euch festhalten, ihr könntet euch nicht entwickeln. Aber weil ich euch liebe, lasse ich euch gehen, versteht ihr?«

»Du meinst, du lässt uns unsere eigenen Entscheidungen treffen?«, fragte Jacen.

Ryan nickte zustimmend. »Wenn ihr mich fragt, dann werdet ihr eine Antwort bekommen, aber es ist ein Rat. Ob ihr ihm folgt oder nicht, ist eure Entscheidung! Glaubt mir, ich habe genug damit zu tun, mich um mein Leben zu kümmern, ich kann mich nicht um euer Leben auch noch kümmern, keiner kann das!«

»Wie Jacen nicht mein Leben leben kann und ich nicht seins«, sagte Kyle.

Ryan lachte. »Genau!« Er wuschelte Kyle durch die Haare, woraufhin dieser genervt die Augen verdrehte. Ryan musste bei dem Gesichtsausdruck lachen. »Tut mir leid, alte Angewohnheit!«

»Ich weiß«, seufzte Kyle.

Jacen saß sehr nachdenklich im Sonnenlicht des Nachmittags. Er schien mit einem Gedanken zu ringen. »Bedeutet das nicht, dass ich mich nicht einmischen sollte?«, fragte er Ryan schließlich.

»Eine schwierige Frage«, erwiderte Ryan. »Ich denke, wir sollten uns bewusst sein, dass unsere Taten Folgen haben. Ob wir nun eingreifen oder nicht, es wird Folgen haben! Es ist an uns zu entscheiden, welche Folgen wir für richtig erachten und uns dafür einsetzen.

»Aber wie erkenne ich, was falsch und was richtig ist?«

»Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Situation zu analysieren«, erklärte Ryan. »Du kannst sie mit deinem Intellekt beurteilen, kannst Moral und ethische Werte hinzunehmen, aber all diese Kriterien sind von Menschen gemacht. Wann ist ein Krieg gerecht?«

Jacen und Kyle sahen sich ratlos an.

»Wenn der Sieger den Krieg für rechtens ansieht!«

Die beiden Schüler sahen ihren Meister staunend an. »Aber...«, Jacen schüttelte den Kopf. »Das ist doch völlig subjektiv!«

Ryan nickte zustimmend. »Das ist es! Daher ist es auch so schwer, Richtig und Falsch zu unterscheiden!«

»Aber das Imperium war böse, die Sith sind der Dunklen Seite verfallen!«, widersprach Jacen.

»Aber warum? Was machte die Sith „dunkel“?«

Kyle und Jacen überlegten lange.

»Sie haben die Kontrolle über andere übernommen«, begann Kyle.

Jacen sah auf, er nickte. In seinen Augen sah Ryan eine Antwort. »Der Imperator hat die Leben aller bestimmen wollen! Er wollte, dass alle seinen Weg gehen!«

Ryan deutete eine leichte Verbeugung an. »Sein Weg war nicht der richtige. Nicht, weil sein Weg für ihn falsch war... sondern weil er für alle anderen falsch war.« Ryan legte den Kopf zur Seite.

Schweigend sannen sie über diese Erkenntnis nach. Die Sonne schien warm herab. Sie hatten den Tag im Freien verbracht, hatten sich im Schwertkampf geübt. Ryan hatte nicht viel gesagt, sie nur auf ein paar Feinheiten aufmerksam gemacht und sie ansonsten ihren Weg finden lassen.

Als es zu heiß geworden war, hatten sie eine Pause eingelegt. Ryan hatte Proviant und Wasser mitgebracht und damit Durst und Hunger bekämpfen können.

»Kommt!« Ryan erhob sich. »Gehen wir zurück zum Tempel!« Er klopfte sich Erde und kleine Zweige von der Robe und Hose. »Eure Schüler wollen sicherlich etwas üben!«

»Unsere Schüler...«, Jacen schüttelte den Kopf. »Das sind die Schüler von Onkel Luke und dir und ihr habt sie uns klammheimlich untergeschoben!«

Ryan lachte offen. »Vorrecht des Lehrers, mein junger Freund!« Er zog Kyle auf die Beine, als dieser ihm die Hand hinhielt.

»Fauler Sack!«

Kyle musterte Ryan. »Ich werde alt!«

»Kannst du meiner Mutter erzählen!«

Kyle überlegte einen Moment, dann schüttelte er den Kopf. »Nein, lieber nicht!«, erwiderte er mit einem Schmunzeln.

Kyle und Jacen grinsten sich an. Jacen knuffte seinen Freund in die Seite. »Punkt für dich!«

Gut gelaunt kehrten sie zum Tempel zurück. Jaina, Tenel Ka und Lowie kamen ihnen entgegen gelaufen.

»Onkel Luke schickt uns! Wir haben eine Nachricht von Mum bekommen«, rief Jaina atemlos. »Wir sollen unsere Sachen packen.«

»Aber... wo geht es denn hin?« fragte Kyle überrascht.

»Nach Coruscant«, erklärte Jaina aufgeregt. »Wir fliegen nach Hause!«


Kyle und Jacen packten ihre Sachen in eine Tasche die sie auf dem Bett abgestellt hatten.

»Ich habe keine Ahnung, wie Mum und Dad reagieren werden«, sagte Jacen plötzlich.

Kyle, der gerade einen Stapel T-Shirts in die Tasche packte, sah hoch, er nickte.

»Ich kann es einfach nicht sagen«, Jacen ließ sich auf das Bett sinken. Er hatte ein unangenehmes Gefühl im Magen. Er sah Kyle an. »Ich liebe dich, aber ich weiß nicht, wie ich das meinen Eltern sagen kann!«

Schweigend verstaute Kyle die Shirts in der Tasche, dann ließ er sich neben Jacen auf der Bettkante nieder, nahm ihn in die Arme und drückte ihn an sich.

»Es ist nicht leicht«, stimmte er Jacen zu. »Wenn ich dir helfen kann...«

Jacen seufzte, er lächelte schief, gab Kyle einen Kuss auf die Nasenspitze. »Ich weiß, aber das werde ich meinen Eltern wohl alleine sagen müssen!« Er lachte ein wenig verlegen. »Du weißt doch, es ist mein Leben, nicht deins!«

Überrascht von Jacens Ausspruch, musste Kyle lachen. »Ich muss mit Ryan mal ein ernstes Wörtchen reden!«

Jacen schloss seinen Freund in die Arme. »Ich liebe dich!«

Kyle schenkte ihm ein Lächeln. »Ich dich auch! - Und jetzt beweg deinen Hintern oder wir sind die Letzten, die an Bord gehen!«

Sie waren die Letzten. Sogar Jaina, die stets etwas vergessen hatte und auch diesmal noch einmal zurück gelaufen war, um sich zu versichern, dass sie ihren Brennofen auch ausgeschaltet hatte, war bereits wieder an Bord, als Jacen und Kyle die Rampe hinaufliefen.

»Was habt ihr gemacht?«, fragte Anakin sie kopfschüttelnd, als er ihnen half, die Tasche zu verstauen.

»Das wollen wir lieber nicht so genau wissen!«, meinte Jaina spitz.

Jacen streckte seiner Schwester die Zunge raus. »Hast du es eilig, nach Hause zu kommen? Wartet Zekk vielleicht auf dich?«

Und entgegen ihrer sonst so schlagfertigen Art lief Jaina rot an wie eine Tomate und hatte es plötzlich eilig ins Cockpit der Shadow Chaser zu kommen, wo ihr Onkel gerade mit R2 den letzten Systemcheck abgeschlossen hatte.

»Alle an Bord und das Gepäck ist verstaut, Onkel Luke!«

»Danke, Jaina!« Luke nickte seiner Nichte zu. »R2, schließ die Tür. Alles fertig machen zum Start!«

»Darf ich fliegen, Onkel Luke?«, bat Jaina.

Der Jedimeister musterte das Mädchen. »Nimm den Copiloten-Sitz!«

Jaina kletterte auf den schweren Sitz neben ihrem Onkel und machte es sich bequem.

Anakin betrat das Cockpit. »Oh, ich gehe ein paar Kotztüten holen!«, brummte er, als er seine Schwester auf dem Sitz des Copiloten sah.

»Sehr witzig, Ani!« Jaina sah ihren Bruder böse an.

Der Angesprochene grinste schief, einen Moment lang sah er seinem Vater sehr ähnlich. »Finde ich auch!«

Jaina kümmerte sich wieder um die Steuerinstrumente. Langsam fuhren die Triebwerke hoch.

»R2, hast du diesen Motivator befestigt, der das letzte Mal gewackelt hat?«, fragte Jaina den kleinen Astromechdroiden. R2 ließ ein beleidigtes Pfeifen hören.

»Entschuldige, dass ich gefragt habe!« Jaina kaute auf einer Haarlocke herum, wie immer, wenn sie hoch konzentriert arbeitete.

Der Droide piepste. Luke konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, hütete sich jedoch, es Jaina sehen zu lassen. Seine Nichte mochte es nicht, wenn man sich über sie lustig machte. Darin ähnelte sie ihrem Vater.

»Wir können!«, erklärte Ryan, der kurz den Kopf in die Kanzel steckte. »Alle sitzen und sind fertig!«

Jaina nickte. »Okay, dann wollen wir mal!« Ryan zog sich zurück, Jaina gab die letzten Daten in den Navigationscomputer ein. Mit der Linken aktivierte sie die Repulsordüsen. Fauchend erwachten sie zum Leben. Ein tiefes Grollen war zu hören, als Jaina die Haupttriebwerke startete. Elegant wie ein Raubvogel stieg die Shadow Chaser empor. Jaina gab mehr Schub und wie ein Pfeil, der vom Bogen abgeschossen war, stieg das Schiff empor. Die Landeklappen und Stützen fuhr Luke ein, während Jaina sie langsam durch die Atmosphäre steuerte. Nur einen Moment später umfing sie die Schwärze des Alls, erhellt durch Yavin, den gewaltigen Gasplaneten, und seine Sonne.

»Der Computer hat alle Daten«, bestätigte Luke ruhig. »Wir können springen, wann immer du willst!«

Jaina navigierte die Shadow Chaser ein gutes Stück aus dem Sonnensystem heraus, dann nickte sie ihrem Onkel zu. »Lichtgeschwindigkeit!« Zeitgleich schob sie die beiden Regler für die Hyperlichttriebwerke auf Voll. Einen Moment lang schien alles um sie herum zu erstarren, dann schoss die Shadow Chaser davon, die Sterne dehnten sich zu Lichtstreifen, als sie den Sprung machten.


Der Antrieb der Shadow Chaser war noch nicht abgeschaltet, da hantierte Jaina bereits mit der Verriegelung der Luftschleuse. Langsam schob sich die Rampe des Schiffs heraus, doch Jaina wartete nicht darauf und sprang auf die Landeplattform, um ihrer Mutter entgegen zu eilen, die sie am Rand der Plattform erwartete. Die anderen ließen sich etwas mehr Zeit. Anakin war der nächste, der seiner Mutter in die Arme fiel. Leia begrüßte auch ihn herzlich und drückte ihren Jüngsten an sich. Jacen war der Letzte. Gefolgt von Kyle, trat er zu seiner Mutter, umarmte sie und stellte ihr Kyle vor.

Die Staatschefin der neuen Republik musterte den jungen Mann eindringlich. Sie hatte Lukes Berichte gelesen, wusste von Kyles Talent und auch von seinem Lehrer, begegnet war sie beiden jedoch bisher noch nie. Doch Leia war viel zu sehr Politikerin, als dass sie sich etwas hätte anmerken lassen. Sie begrüßte Kyle freundlich. Schüttelte Lowie die Hand und begrüßte Tenel Ka herzlich. Dann war Luke auch schon heran, der seine Schwester freudig in die Arme schloss und drückte. Leia lachte, als er sie herum wirbelte.

»Luke, du siehst gut aus!«

Der Jedimeister lachte. »Dafür könntest du Urlaub gebrauchen!«

Leia sah ihren Bruder empört an, entdeckte dann aber ein vergnügtes Funkeln in seinen Augen und musste lachen. So kannte sie ihren Bruder gar nicht. Offenbar hatte er eine neue Seite seines Humors entdeckt.

Ein Mann trat zu ihnen. Leia musste ihn nur einmal ansehen, um Ryan zu erkennen. Luke hatte ihn ihr eindrucksvoll beschrieben und nun begriff Leia, dass ihr Bruder nicht übertrieben hatte. Sie konnte nicht anders als ihn anlächeln. Ryan erwiderte das Lächeln und verbeugte sich leicht.

»Lady Organa-Solo, ich freue mich, Sie kennen zu lernen! Ihr Bruder hat mir viel von Ihnen erzählt und nur das Beste!«

Leia wurde leicht rot. »Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Meister Cay Rahn!«

Mit einem Räuspern machte sich Han Solo bemerkbar. Er trat zu ihnen und reichte erst Luke, dann Ryan die Hand.

Luke stellte zu seiner Belustigung fest, dass Han sich rasch zwischen Ryan und Leia stellte, als er sie bat, ihnen doch hinein zu folgen. Offenbar hatte Ryan das auch bemerkt, denn er trat demonstrativ einen Schritt von Leia weg, hin zu Luke, bei dem er sich einhakte. Einen Moment war Luke überrascht, dann halfen ihm seine Reflexe, sich ein Lachen zu verkneifen. Ernst und gelassen schritten die beiden Jedimeister zum Eingang. Ihre Schüler folgten den beiden.

Jacen und Kyle sahen sich schweigend an, jeder versuchte, ein Grinsen zu verbergen. Doch dann verdüsterte sich Jacens Miene und rasch folgte er seinen Lehrern.

Von der Landeplattform führte ein schmaler Steg zur Schleuse, die in den großen Komplex des Regierungsgebäudes der Neuen Republik führte, in welchem Leia als Staatschefin mit ihrem Mann lebte. Ihre Wohnung befand sich hoch oben in einem der turmhohen Arme. Der zentrale, kreisrunde Bereich, erhob sich mehrere hunderte Meter über die umliegenden Gebäude empor. Man hatte das Regierungsgebäude an der Stelle des alten Senats erreichtet. Das ursprüngliche Gebäude war auf Befehl des Imperators gesprengt worden.

Den zentralen Bau mit einer großen Kuppel umgaben sieben hohe Türme, in welchen sich Wohnungen und Arbeitsräume der Regierungsangehörigen befanden.

Das Gebäude war erst vor einigen Jahren fertig gestellt worden, dennoch waren schon während seiner Erbauung Reparaturen notwendig gewesen, nachdem es einem Todeskommando des Imperiums gelungen war, ein Raumschiff ins Zentrum des Regierungskomplexes zu steuern. Das Schlimmste, die Detonation der Bomben an Bord des Schiffes, hatten die Jediritter Kyp Durron und Streen zusammen mit Han Solo verhindern können, das Schiff konnte jedoch nicht mehr gestoppt werden. Es war in die Kuppel gestürzt.

Der Wohnkomplex der Familie Solo war dabei jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Freunde wurden in ihre Räume gebracht. Einer nach dem anderen verschwand in den für sie vorbereiteten Zimmern. Kyle jedoch machte keine Anstalten, den für ihn vorbereiteten Gästeraum zu betreten, sondern folgte Jacen, der sein Zimmer, einige Räume weiter, ansteuerte. Han und Leia beachteten sie jedoch nicht weiter, waren beide doch viel zu beschäftigt, sich mit Luke und Ryan über die Entwicklung der Neuen Republik zu unterhalten.

»Da wären wir!« Mit diesen Worten öffnete Jacen die Tür zu seinem Zimmer. Kyle konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

»Offenbar hinterlässt du überall deine Spuren«, meinte er.

Jacen schien ein wenig verlegen.

Im Zimmer waren kreuz und quer die unterschiedlichsten Dinge verteilt. Kleidungsstücke, ein Teddybär, verschiedene Käfige ohne Inhalt, Lesegeräte und allerlei anderer privater Besitz. Das Bett war jedoch sauber und schien frisch bezogen. Offenbar hatte sich darum jemand gekümmert.

Jacen sammelte ein paar Wäschestücke auf und warf alle auf einen großen Haufen. Zum Vorschein kamen zwei tiefe Sessel. Kyle stellte seinen Reisebeutel ab und sank in einen der Sessel.

Jacen schob einige Datenspeicher mit dem Fuß beiseite und setzte sich auf die Sessellehne neben seinen Freund.

»Alles okay?«

Seufzend ließ Kyle den Kopf nach hinten gegen die Lehne sinken. Jacen fuhr ihm durch das weiche Haar. Kyles graublaue Augen sahen ihn müde an.

»Ich lege mich wohl besser etwas hin«, meinte Kyle.

Jacen lächelte. »Tu das!«

Rasch war Kyle aufgestanden und ins Bett gefallen. Schon kurz darauf hörte Jacen die gleichmäßigen Atemzüge seines Freundes.

Jacen sah aus dem Fenster hinaus auf den ständigen Verkehr von Coruscant. Das würde sich wohl nie ändern, dachte er. Der gesamte Planet war eine einzige, riesige Stadt. Hier herrschte niemals Ruhe. Ständig kamen Schiffe an oder flogen ab. Das Regierungszentrum der Republik war voller Leben.

Jacens Blick wanderte zu Kyle. Eine tiefe Zufriedenheit, ein warmes Wohlgefühl durchströmte ihn. Er war glücklich. In Gedanken versunken begann Jacen, ein paar Dinge zusammen zu suchen, schob die Datenträger in das dafür vorgesehene Regal und räumte seine Wäsche zusammen.

Als Kyle erwachte, sah er sich erstaunt um. Jacen lag schlafend in einem der beiden Sessel, die Hand noch um eine halbvolle Tasse Tee geschlossen. Das Zimmer, vorher ein Durcheinander, war aufgeräumt. Ihre mitgebrachte Kleidung hatte Jacen anscheinend ebenfalls verstaut.

Noch etwas schläfrig erhob sich Kyle um nachzusehen, ob in der Kanne auf dem Tisch noch genügend Tee war, für eine Tasse. Jacen öffnete die Augen. Sie sahen sich an, lächelten. Kyle füllte eine Tasse mit Tee, dann setzte er sich auf das Bett. Jacen erhob sich, die Tasse in der Hand und setzte sich zu ihm. Kyle nahm die Teetasse in die Linke, mit der Rechten umfasste er Jacens Hüfte. Jacen legte den linken Arm um seinen Freund, lehnte den Kopf an Kyles Schulter. Schweigend tranken beide ihren Tee. In Gedanken und Gefühlen waren sie nahe beieinander.

Es war später Nachmittag, als es an Jacens Zimmertür klopfte.

Jacen sah auf. »Wer ist da?«

»Ich bin es, Jaina!«

»Komm rein!«, rief ihr Bruder.

Jaina öffnete die Tür und fand Kyle und ihren Bruder noch immer nebeneinander auf dem Bett sitzen. Sie lächelte, ließ sich in einen der Sessel fallen und drehte diesen zu den beiden herum.

»Na, alles okay?«

Kyle und Jacen nickten.

»Gesprächig seid ihr aber nicht gerade!«

Beide schüttelten den Kopf, dann mussten sie grinsen.

»Essen werden wir heute Abend mit der Familie, habe ich gerade erfahren«, erklärte Jaina. »Mum und Dad haben ein bisschen Zeit gefunden, die sie nur mit uns verbringen wollen!«

»Na, wenigstens etwas«, brummte Jacen. Er gähnte herzhaft.

Es klopfte plötzlich. Die Tür öffnete sich und ein wirrer Haarschopf schob sich herein. Braune Augen blickten suchend umher. »Hallo ihr!« Ein schiefes Grinsen zeigte eine kleine Zahnlücke.

»Zekk!« Jaina sprang auf.

Es war kaum möglich, aber ein noch schieferes Grinsen fand sich auf Zekks Gesicht wieder. »Hallo, Jaina!« Er blickte zu Jacen und Kyle. »Wollte nicht stören...«, brummte er.

»Schon okay, komm rein und mach die Türe zu!« Jacen nickte ihm zu.

Der schlanke, junge Mann schob sich rasch herein und schloss die Tür hinter sich. Er war ein wenig gewachsen, wie Jacen feststellte, aber nicht viel. Klein, drahtig und schlank, so war Zekk schon immer gewesen. Flink und behände noch dazu. Er wirkte immer ein wenig verstrubbelt und ein leichter Bartschatten hatte sich in den letzten Jahren dazugesellt, ließ ihn ein wenig verwegen aussehen.

Zekk hatte durchaus seine Reize, das konnte Jacen nicht verleugnen, sie reizten nur ihn nicht. Was jedoch seine Schwester anging, da machte Jacen sich keine Illusionen, sie fand den jungen Vagabunden hinreißend.

Zekk ließ sich in einen der Sessel plumpsen. »Na, wie ist es so?«

»Gut, würde ich sagen«, erwiderte Jacen. »Und selber?«

»Auch gut«, lautete die Antwort. »Mara hält mich ganz schön auf Trab!«

»Recht hat sie!« Jacen grinste. Mara Jade war einst eine Agentin des Imperiums gewesen, bevor Luke Skywalker sie zur hellen Seite hatte bekehren können. Einige Gerüchte besagten, dass es zwischen Mara und seinem Onkel Luke eine ziemlich leidenschaftliche Romanze gegeben habe, doch Jacen war sich da nicht ganz sicher. Immerhin erzählte man sich eine Menge über seinen Onkel.

Nachdem Mara einige Monate ihre Ausbildung unter Luke vervollkommnet hatte, war sie losgezogen, um ihre Kenntnisse gewinnbringend einzusetzen. Obwohl es eigentlich ein Geheimnis war, so wusste Jacen jedoch, dass Mara Jade nicht nur eine Ratgeberin seiner Mutter war und neuerdings auch Vertreterin der Jedi in Coruscant, sie war eine Spionin und Agentin. Ihrem Einsatz war es zu verdanken gewesen, dass sie rechtzeitig von dem Anschlag des Imperiums auf Coruscant und das neue Ratsgebäude erfahren hatten.

Vor knapp einem Jahr hatte die wilde, rothaarige Jedimeisterin, kaum von ihrer Mission zurückgekehrt, für alle überraschend, Zekk als Schüler angenommen und begonnen, ihn alles zu lehren, was sie wusste. Zekks Vergangenheit war Maras ähnlich, vielleicht war das einer der Entscheidungsgründe gewesen, welche die Meisterin bewogen hatten, Zekk auszubilden.

Zekk streckte Jacen die Zunge raus. »Sehr witzig!«

»Finde ich auch!« Jacen lachte. Kyle knuffte ihn in die Seite.

»Clown!«

Jacen grinste seinen Freund an. »Wirklich?«

»Ja!«

»Klasse!«

Jaina verdrehte die Augen. »Das geht schon Monate so!«, erklärte sie Zekk, der die beiden verwundert musterte. »Ist kaum auszuhalten mit den beiden. Jacen allein war ja schon schlimm!«

Zekk legte den Kopf schief. »Ihr beide...«, er sah Kyle und Jacen fragend an. »Also, ihr seid...« Er wurde rot.

Jacens Augen blitzten schelmisch, als er Kyle zu sich heranzog und ihn eindringlich küsste.

Ein purpurroter Zekk blickte sie schluckend an. Kyle konnte nicht anders, er begann zu lachen.

»Jacen, du bist unmöglich!« Er rang nach Luft. »Der Arme! Jetzt hast du ihn völlig aus der Bahn geworfen!«

»Nee«, Zekk wehrte ab, »schon okay. Hab nur... na, hab nie gedacht, dass Jacen...«, er grinste schief. »Mann, voll auf den Mund!« Er schüttelte den Kopf. »Ist das nicht komisch?«

Jacen schüttelte den Kopf. »Willst du es versuchen?« Er leckte sich lasziv die Lippen.

»Ich glaube nicht, dass er das will!« Kyle sah Jacen durchdringend an. »Aber ganz sicher nicht!«

»Bist du eifersüchtig?«

»Noch nicht!«, erwiderte Kyle.

Jacen umarmte seinen Freund. »Keine Sorge!« Er sah Kyle aus seinen cognacfarbenen Augen voller Liebe an.

»Dann ist ja gut!« Kyle grinste plötzlich. »Hab dich!«

Jaina war die erste, die anfing zu lachen. Jacen sah seinen Freund sprachlos an. Zekk kicherte leise, während Kyle seinen Freund anstrahlte.

»Kommst du zum Essen mit?«, fragte Kyle den jungen Jediritter und Vagabunden.

Zekk sah ihn fragend an, dann Jaina. Diese nickte zustimmend. »Klar, Mum und Dad haben sicher nichts dagegen!«

»Wenn es nicht wieder so ein Staatsbankett ist«, brummte Zekk.

»Zekk mag formale Anlässe nicht«, erklärte Jacen seinem Freund.

»Wenn du das erste Mal die Blumen mit dem Salat verwechselt hättest, würdest du diese Essen auch nicht mögen«, warf Zekk ein.

»Wirklich?« Kyle sah den jungen Mann fragend an.

Der nickte und verzog die Mundwinkel. »Jainas Mutter hat die Situation gerettet...«

»Sie hat die Blumen ebenfalls gegessen«, fügte Jaina als Erklärung hinzu.

Kyle begann zu grinsen. »Cool!«

Zekk nickte. »Lady Organa-Solo ist schon cool, doch!«

»Ob er jetzt meine Mutter oder Jaina meint«, flüsterte Jacen seinem Freund leise zu.

Kyle lächelte. Jaina und Zekk sahen sich beide stumm an und schienen einen Moment lang alles um sich herum vergessen zu haben.

Jacen verdrehte die Augen, doch Kyle lächelte nur. Er zupfte Jacen am Ärmel und bedeutete ihm, mitzukommen. Leise verließen sie den Raum.

»Wie lange die wohl noch brauchen«, brummte Jacen, nachdem sich die Tür hinter Kyle und ihm geschlossen hatte.

»Sie brauchen etwas Zeit«, meinte Kyle. »Lass sie!«

»Zeit?« Jacen grinste. »Sie kennen sich länger als wir beide. Ich glaube, ich habe noch nie zwei Menschen erlebt, die so umeinander herum geschlichen sind wie die beiden!«

»Nicht jeder ist so impulsiv wie du«, Kyle lächelte vielsagend.

Jacen gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze. »Du hast mich gefragt, ob du mich küssen darfst!«

»Ich habe dich gefragt, was du tun würdest, wenn ich es täte«, entgegnete Kyle.

»Probier es aus!« Jacen grinste breit.

Kyle drückte ihm sanft einen Kuss auf die Lippen.

»Könnt ihr euch nicht mal ein paar Minuten beherrschen?«

Hastig fuhren die beiden Jungen auseinander und sahen Anakin vor sich. Jacens Bruder grinste breit.

»Mensch, Ani, du hast mich aber erschrocken«, Jacen wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Ist dir eigentlich klar, wie ähnlich du und Dad klingen?«

Anakin Solo grinste breit. »Habe ich letztens hin und wieder gehört, ja!« Er fuhr sich mit der Hand durch seine schwarzen Locken. »Ne Ahnung, wo Jaina ist? Ich wollte sie abholen, aber sie war nicht in ihrem Zimmer!«

Kyle deutete auf die Tür hinter sich.

»Zekk...«, fügte Jacen mit einem vielsagenden Blick hinzu.

»Oho!« Anakin grinste breit. »Musstet ihr das Zimmer verlassen?«

»Na, keine Ahnung, ob sie das mitbekommen haben«, entgegnete Jacen. »Das kann man nicht so genau sagen, wenn die beiden sich anschmachten!«

»Tja, ich unterbreche meine Schwester ja nur ungern«, Anakin grinste breit.

»Ach...?« Jacen lachte. »Das wäre ja mal was Neues...«

Kyle schüttelte den Kopf.

»Gewöhn dich besser daran, Kyle«, meinte Anakin zu ihm. »Ob du willst oder nicht, aber die Familie kommt gratis dazu, wenn du Jacen nimmst!«

»Davon stand aber nichts im Vertrag«, gab Kyle zurück.

»Das war das Kleingedruckte!« Anakin lachte. »War auf der Rückseite, ganz klein!«

»Und dein Bruder meinte, ich brauchte die Rückseite nicht zu lesen!« Kyle sah Jacen gespielt empört an.

»Tja, vom Umtausch ausgeschlossen«, grinste Jacen.

»Na, dann werde ich das Beste draus machen«, brummte Kyle gespielt missmutig, doch seine Augen funkelten. Er schlang seinen Arm um Jacen und drückte ihn an sich.

»Okay, stopp! Es sind noch andere anwesend«, erinnerte Anakin die beiden Jedi. »Könntet ihr damit bis heute Nacht warten?«

»Na, schauen wir mal!«, meinte Jacen.

Anakin trat zur Tür. Er klopfte laut. »Jaina, Zekk! Es gibt Essen!« Er riss die Türe auf. »Kommt ihr?«

Ein Kissen donnerte ihm entgegen.


Die Familie Solo saß mit ihren Freunden beim gemeinsamen Abendessen. Die Stimmung war gut. Jaina und Zekk blickten sich immer wieder an und wurden abwechselnd rot. Jacen, Kyle, Anakin und Lowie fanden das sehr amüsant. Jaina ließ es sich nicht nehmen, immer wieder ihren jüngeren Bruder anzufunkeln, doch dieser lächelte nur unschuldig. Tenel Ka war wie immer, ruhig, gelassen und voller Selbstbeherrschung.

Han und Leia hatten den stummen Blickkontakt ihrer Kinder selbstverständlich mitbekommen, doch waren weise genug, sich ihren Teil zu denken und keine Fragen zu stellen. Leia unterhielt sie alle mit den neusten Nachrichten, während Han den neusten Raumfahrer-Tratsch zum Besten gab.

Luke und Ryan sprachen beide dem schweren Rotwein zu, den Leia hatte servieren lassen. Insbesondere Luke gelang es immer wieder, die ganze Gesellschaft mit seinen Witzen zum Lachen zu bringen.

Eindeutig hatte sich Luke Skywalker verändert. Es war jedoch gut zu sehen, dass sein alter Freund endlich wieder Freude am Leben hatte. Viel zu lange war er mit sich und seinen Gedanken allein gewesen, fand Han. Ryan hatte wohl einen guten Einfluss auf Luke. Jedenfalls waren die beiden Jedimeister ganz offensichtlich die besten Freunde.

»Was ist denn eigentlich der Grund für unsere Einladung?« fragte Luke nach einer Weile seine Schwester. Sie hatten das gemeinsame Essen beendet und saßen nun bei Kaffee und Tee entspannt um den großen Esstisch.

Leia seufzte. »Das wollte ich eigentlich auf später verschieben, aber da du schon fragst...« Sie spielte mit ihrer Serviette. »Wir haben Informationen erhalten, die von Unruhen in fernen Systemen sprechen.«

Han nickte. »Ist natürlich alles streng geheim, aber es kommt wohl in den Randsystemen immer wieder zu Kämpfen mit Unbekannten!«

»Das Imperium?«, fragte Luke.

»Das vermuten wir«, Leia nickte bestätigend. »Es könnte sein, dass sie sich erneut formiert haben. Sie versuchen, in den Randsystemen Unruhe zu schüren und damit die Neue Republik zu verunsichern.«

Luke nickte. »Würde passen!« Er seufzte. »Als hätten wir nicht schon genug Probleme!«

Leia lächelte gequält. »Wem sagst du das!« Sie blickte in die Runde. »Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht!«

Erwartungsvoll sahen die Anwesenden sie an.

Leia lächelte. »Der alte Jeditempel konnte endlich freigelegt werden. Wenn ihr wollt, könnt ihr ihn morgen besuchen!«

»Wow!« Anakin grinste breit. »Das ist ja cool!«

»Das ist eine Tatsache!« Tenel Ka nickte zustimmend.

»Wer weiß, was wir da noch finden können!« Jainas Augen begannen vor Begeisterung zu funkeln.

»Wir werden sie wieder unter irgendwelchen Schrottteilen rausziehen müssen«, flüsterte Jacen seinem Freund zu. Kyle nickte schweigend, zwinkerte Jacen jedoch zu.

»Das ist wirklich eine großartige Chance!« Luke strahlte.

»Hoffen wir nur, dass die Truppen des Imperators damals nicht zu gründlich waren«, meinte Ryan. »Wenn wir Glück haben, dann finden wir vielleicht wirklich noch Aufzeichnungen...«

Die beiden Jedimeister wirkten aufgeregt wie kleine Kinder.

»Nur gut, dass Tionne nicht mitgekommen ist«, brummte Jacen.

»Wir würden sie wahrscheinlich monatelang nicht mehr zu sehen bekommen«, lachte Kyle.

Jaina sah die beiden an. »Euch kann man wohl für gar nichts begeistern, oder?«

Die beiden Jungen sahen sich an, versonnen.

»Eigentlich schon«, meinte Kyle. »Aber wir lassen uns einfach überraschen. Vielleicht finden wir nur verbrannte Räume!«

Jacen nickte zustimmend. »Warten wir es einfach ab!«

Den Rest des Abends verbrachten die Freunde damit, sich über den alten Jeditempel zu unterhalten. Han war es gelungen, an einige alte Pläne zu kommen. Er hatte die Tempelruine bereits besucht und konnte den Freunden einen Überblick über einige der Räume geben, die es einst gegeben hatte. Sie berieten bis tief in die Nacht und es fiel keinem auf, dass Jacen und Kyle sich recht früh schon abgesetzt hatten. Die beiden Freunde saßen in einem kleinen Raum, dessen gewölbtes Kuppeldach aus festem, durchsichtigem Stahlglas bestand. Sie saßen Arm in Arm auf einem breiten Sofa und blickten in die Lichterflut von Coruscant. Der Raum war dunkel und sie waren allein.

»Mir macht diese Sache mit den Angriffen Sorgen«, sagte Kyle plötzlich.

Jacen blickte in die tiefblauen Augen seines Geliebten. Er ergriff dessen Hand, drückte sie und lächelte. Sanft küsste er Kyle, seine Lippen waren warm und weich.

Kyle lächelte und strich Jacen durch das Haar. Jacen hatte das gleiche gedacht und gefühlt, das wusste er.


Am nächsten Morgen erwachte Jacen als Erster. Kyle schlief noch tief und fest. Jacen sah seinen Freund liebevoll an. Er wirkte völlig gelöst und entspannt. Jacen lag einfach da und sah Kyle beim Schlafen zu. Er fühlte sich zufrieden und glücklich. Kyle räkelte sich langsam. Verschlafen schlug er die Augen auf, blickte in Jacens lächelndes Gesicht.

»Guten Morgen, Sonnenschein!«, murmelte Kyle im Halbschlaf.

Jacen lächelte. »Morgen!«

»Schon wach?«

Jacen nickte stumm.

»Lange?«

»Ein wenig«, Jacen kuschelte sich an seinen Freund. »Ich habe dir beim Schlafen zugesehen!«

»Aufregend?«

Jacen schüttelte den Kopf. »Eigentlich gar nicht, aber das muss es auch nicht.« Er hauchte Kyle einen Kuss auf die Lippen. »Ich sehe dich gerne einfach nur an!«

»Süß«, brummte Kyle. »Aber entschuldige mich... ich muss gerade dringend... die Natur ruft...« Hastig kletterte er aus dem Bett. Jacen blickte ihm nach.

Als Kyle zurückkehrte, lag Jacen, ein Kissen im Rücken, im Bett und blickte ihm nachdenklich entgegen. Kyle krabbelte rasch wieder unter die Decke.

»Du hast kalte Füße«, beschwerte sich Jacen.

»Entschuldige«, brummte Kyle. »Der Boden ist nicht gerade der wärmste!«

Jacen gähnte.

»Wird sicher ein interessanter Tag«, meinte Kyle versonnen. »Die Überreste des alten Tempels...«

Jacen nickte. »Ryan und Luke waren ja ganz aufgeregt bei der Aussicht gestern.«

»Warten wir es ab«, Kyle gähnte herzhaft. Er strich Jacen durch sein weiches Haar, es fühlte sich weich an. Jacen schnurrte. Er grinste schief. Kyle liebte diesen Anblick und Jacen wusste es.

»Hast du es sehr eilig, aus dem Bett zu kommen?«, fragte Jacen scheinheilig.

Kyle schüttelte den Kopf, ein Schmunzeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab. Er schlang seine Arme um Jacens Hüften, zog ihn an sich heran. Jacens warmer Körper presste sich an ihn, Kyle umfing ihn, umschlang ihn. Hart pressten sie sich aneinander.

»Die Geheimnisse können warten«, knurrte Kyle und küsste Jacen leidenschaftlich. Jacen ließ sich in die Arme seines Freundes fallen. Die Geheimnisse des Tempels waren jahrelang vergraben gewesen, sollten sie es noch ein paar Stunden länger bleiben. Jacens Lippen strichen über Kyles Hals und wanderten tiefer und tiefer. Kyles Brust entrang sich ein Stöhnen, Jacen lächelte einen Moment, dann setzte er seinen Weg fort, weiter und weiter.


»Das nächste Mal klopfst du an!«, fauchte Jacen seine Schwester finster an.

»Ich habe geklopft«, verteidigte sich Jaina.

»Ich wüsste nicht, dass ich es gehört hätte!«

»Ihr wart ja wohl auch sehr beschäftigt«, widersprach Jaina und wurde purpurrot.

Jacen verstummte. Sein Kopf glich einer Tomate.

Kyle saß recht verlegen neben Jacen in dem kleinen Schwebegleiter. Lowie steuerte, er flog dem ersten Gleiter hinterher, der von seinem Onkel Chewbacca geflogen wurde. Sie waren auf dem Weg zum alten Jeditempel.

»Vielleicht solltet ihr das nächste Mal einfach ein Schild an die Tür hängen«, schlug Anakin vor. Er grinste schief.

Jacen warf seinem Bruder einen finsteren Blick zu.

Anakin schien das jedoch wenig zu beeindrucken. »Du hast sie also in voller Aktion unterbrochen?«, fragte er neugierig seine Schwester.

Jaina wäre noch röter geworden, wäre es möglich gewesen.

»Vielleicht sollten wir die Sache einfach vergessen«, schlug Kyle leise vor. Ihm war die Angelegenheit offensichtlich sehr peinlich. Jaina nickte zustimmend. Missmutig brummelte Jacen in sich hinein, doch er nickte.

Anakin lehnte sich in seinem Sitz zurück, er grinste breit. Lowie neben ihm warf ihm einen raschen Blick zu. Der Wookie zwinkerte ihm zu, dann widmete er sich wieder der Steuerung.

Insgeheim lachte sich Anakin über die Situation halb tot. Seine Schwester war heute Morgen voller Aufregung gewesen, hatte ihr Frühstück in aller Eile heruntergeschlungen. Auch die anderen waren früh auf den Beinen, so dass bald nur noch Jacen und Kyle gefehlt hatten. Jaina, die nicht länger hatte warten wollen, war gegangen, die beiden zu wecken. Nichtsahnend hatte sie geklopft, keine Antwort erhalten und angenommen, ihr Bruder und sein Freund würden noch schlafen. Weit gefehlt.

Jaina hatte sich geweigert, auch nur anzudeuten, was sie gesehen hatte und Jacen, wie auch Kyle, schwiegen eisern. Anakin grinste. Das konnte auch nur seinen Geschwistern passieren, dachte er. Jacen und Jaina hatten eine sehr enge Bindung seit ihrer Geburt gehabt. Doch mit Einsetzen der Pubertät hatte sich das geändert. Seitdem gingen die beiden ihre eigenen Wege.

Anakin schüttelte den Kopf. Kyle und Jacen... er warf einen Blick in den Rückspiegel. Weder sein Bruder noch Kyle erschien ihm besonders attraktiv. Sie waren beide nett und offenbar unheimlich ineinander verschossen, aber Anakin konnte nicht begreifen, was die beiden aneinander fanden. Sein Bruder war ein kluger Kopf und ziemlich nachdenklich, manchmal ein wenig zu besonnen und verkopft. Kyle hatte eine Menge bewegt und dafür war ihm Anakin dankbar. Jacen hatte in den letzten Monaten sehr einsam gewirkt, bevor er Kyle kennen gelernt hatte. Kyle hatte einen neuen Menschen aus Jacen gemacht. Nicht nur das, er war ein ziemlich witziger Typ. Ein wenig schräg, aber Anakin mochte ihn. Niemand sonst hätte es versucht, einen Windgleiter auf einem der stillen Seen von Yavin 4 zu segeln, Kyle hatte es getan. Niemand wäre auf die Idee gekommen, mit einem Winddrachen von der Spitze der Zikkurat zu segeln, doch Kyle hatte sich mit Hilfe der Macht abgestoßen und war in einem der Seen gelandet. Platschnass und quietschvergnügt war er zurückgekommen, nur um Jaina um Verbesserungen für seinen Winddrachen zu bitten und es drei Tage später wieder zu versuchen. Jacen hatte seinen Freund anfänglich für verrückt erklärt, dann war er eines Tages mit Kyle zusammen geflogen. Beide waren klatschnass zurückgekommen und hatten sofort begonnen, einen zweiten Drachen zu bauen.

Der Ausdruck in den Gesichtern der Jediritter und Lehrer war unbezahlbar gewesen, als Kyle und Jacen eines Nachmittags über die Zikkurat gesegelt und kurz darauf in einen der nahen Seen gefallen waren. Es hatte seinen Onkel Luke alle Beherrschung gekostet, nicht zu lachen, sondern Jacen und Kyle zu ermahnen, solch waghalsige Abenteuer doch bitte nicht mehr zu versuchen - zumindest nicht, wenn andere, jüngere Schüler in der Nähe waren, wie er leise hinzugefügt hatte.

Doch, Kyle war schon in Ordnung, fand Anakin. Allein die Tatsache, dass sein Bruder und Kyle... Anakin schüttelte den Kopf. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, was zwei Jungs aneinander fanden.

Lowie bellte eine Warnung und MT3, der kleine Übersetzerdroide, aktivierte sich.

»Master Lowbacca möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass wir gleich landen werden!«

»Meine Güte, was für ein... Albtraum!« Kyle hatte den alten Jeditempel nie gesehen und der Anblick vor ihnen war tatsächlich schrecklich.

Der einst prächtige Jeditempel war ein viele Stockwerke hoher Bau gewesen, aus dessen Mitte ein zentraler Turm und vier ihn umgebende, etwas niedrigere Türme geragt hatten. Von den vier kleineren Türmen stand gerade noch der Rumpf eines Turms, die anderen waren eingestürzt und verbrannt, als man das Gebäude gesprengt hatte. Der Zentralturm, in dessen Kuppel einst der Rat der Jedi zusammengekommen war, war schwarz verbrannt. Die obere Hälfte war eingestürzt und in die oberen Stockwerke des tiefer liegenden Tempelgebäudes gefallen.

Als der Gleiter tiefer ging, konnte Kyle die Trümmer einst gewaltiger Statuen sehen. Blasterfeuer hatte mächtige Löcher in den Tempel gebrannt. Teile des Tempels waren eingefallen. Andere waren schwarz und glasig, verbrannt zu Schlacke.

Der einstige Eingang war vollkommen vernichtet worden. Gewaltige Schuttmassen hatten ihn zugeschüttet. Vor dem Tempel hatte man eine Plattform errichtet, auf der Schiffe landen konnten. Lowie lenkte den Gleiter geschickt. Er landete neben dem ersten Gleiter, aus dem bereits Luke und Ryan mit Han und Chewie stiegen.

Tenel Ka war die Erste, die aus dem Gleiter sprang, gefolgt von Anakin. Kyle und Jacen folgten. Beide sahen sich interessiert um. Lowie, Jaina und Zekk folgten ihnen.

Luke trat zu ihnen. »Kein schöner Anblick!«

Han schüttelte den Kopf. »Nein, nicht wirklich. Das ist einer der Gründe, weshalb wir hier aufräumen!«

»Verständlich!« Ryan nickte. »Coruscant ist nicht gerade mit übermäßig viel Platz gesegnet!«

Han lachte auf. »Ich glaube nicht, dass irgendjemand auf den Gedanken kommen würde, den Platz für neue Gebäude zu nutzen! Dazu ist die Angst vor den Geistern der alten Jedi zu groß!«

»Geister?« Jaina sah ihren Vater fragend an.

»Man erzählt sich, dass einige Diebe vor ein paar Jahren in den Tempel eingebrochen sind!« Han lächelte. »Was ich gehört habe, hatten sie es sehr eilig, wieder aus dem Tempel zu kommen. Und sie haben nichts, aber auch gar nichts mitgenommen!«

»Interessant!« bemerkte Ryan. »Dann wollen wir doch mal schauen!« Er schritt die Rampe hinab, Luke folgte ihm, wie auch die anderen.

Vor dem mächtigen, verschütteten Eingangstor hielt Ryan. Han deutete zu einer Rampe, die man links neben dem Eingang errichtet hatte.

»Wir mussten einen neuen Eingang durch die Wand schneiden«, erklärte er. »Die Eingangshalle ist zur Hälfte mit Schutt gefüllt, aber einer der Nebenräume ist unbeschädigt.« Er führte die Jedi die Rampe hinauf. Mehrere Soldaten der Neuen Republik hielten am Eingang des Tempels Wache. Han Solo winkte ihnen beruhigend zu.

»General Solo!« Die Soldaten salutierten.

Han grüsste zurück. »Wir wollen mal sehen, ob wir dem Tempel heute ein paar Geheimnisse entlocken können!«, erklärte er dem Captain, der hier das Kommando hatte.

Der Captain, ein vierschrötiger Mann mit kräftigem Nacken, nickte. »Viel Glück, General!« Er musterte die Gruppe. »Sie sollten auf die Kinder achten!«

»Die Kinder sind Jediritter«, erklärte Luke ruhig. »Sie wissen, was sie tun!«

Die Augen des Captain wurden groß. Luke lächelte. Er blickte hinauf, die mächtigen Einschusslöcher wirkten wie Krater. Er seufzte tief.

Ryan machte eine einladende Handbewegung zum Eingang. »Willkommen, Meister Skywalker!«, und dieses eine Mal klang er vollkommen ernst und aufrichtig.

Luke blickte ihn an, dann neigte er einen Moment den Kopf. Als er sprach, war seine Stimme ruhig und klar. »Dies war das Zentrum der Jediritter der Alten Republik, ihre Heimat - die Heimat und das Zentrum unserer Brüder und Vorgänger!« Er blickte in die erwartungsvollen Gesichter seiner Begleiter. »Die Macht ist mit euch, meine Brüder und Schwestern!« Damit wand er sich um und betrat den Tempel.

Jacen und Kyle waren die letzten, die den Tempel betraten. Stumm blickten sie sich um. Der Raum, in welchem sie sich befanden, war groß, gewaltig. Die Decke befand sich viele Meter über ihnen, die Wände waren rußgeschwärzt, der Boden von mächtigen Rissen durchzogen. Es war ein trostloser Anblick.

»Von hier aus kommen wir in die Eingangshalle«, erklärte Han. Er deutete zu einem großen Loch in der Wand zu ihrer Rechten. »Wir mussten uns einen Weg sprengen!«

Luke und Ryan schritten voran. Ihnen folgten die anderen, Kyle und Jacen bildeten die Nachhut. Vorsichtig bahnten sie sich ihren Weg durch Schutt, vorbei an den oftmals fußbreiten Bodenrissen. Sie traten durch das Loch in der Wand und sahen vor sich eine gewaltige Statue auf dem Boden liegen. Ihr Kopf war abgetrennt worden und nirgends zu sehen. Es war ein Jediritter, eine Schriftrolle in der Hand.

Zu ihrer Rechten sahen sie einen gewaltigen Schuttberg. Er füllte die halbe Halle aus und reichte wohl noch in das darüber liegende Stockwerk, die Decke war eingebrochen.

»Wir können den Schutt nicht beiseite räumen«, erklärte Han. »Der Berg stützt eine Menge. Wenn wir ihn abräumen würden, dann kämen wohl noch mehrere Stockwerke nach!«

»Wie beruhigend«, brummte Ryan sarkastisch und Lowie bellte zustimmend.

»Wie gehen wir weiter vor?«, fragte Jacen. »Wir können Stunden hier verbringen, wenn wir hier einfach nur rumlaufen!«

Luke sah seinen Neffen zustimmend an. »Jacen hat Recht!« Er blickte in die Runde. »Teilen wir uns auf! Dann können wir mehr herausfinden!« Er blickte sich um. »Geben wir uns zwei Stunden, dann treffen wir uns wieder hier! Wenn ihr etwas entdeckt, dann seid vorsichtig. Vielleicht solltet ihr die Dinge lassen, wo sie sind, wenn ihr nicht sicher seid!«

Die Jedi nickten zustimmend. Beinahe natürlich bildeten sich die Gruppen. Jaina ging mit Zekk, Anakin wurde von Lowie begleitet und Kyle und Jacen bildeten ein Team. Ein wenig verwundert waren die beiden, als Tenel Ka sich ihnen anschloss. Die junge, einarmige Kriegerin war ihnen beiden jedoch willkommen. Luke und Ryan machten sich mit Han und Chewie gemeinsam auf die Suche.

»Also, in zwei Stunden, denkt daran!« Und damit marschierte Luke los.

Kyle sah Jacen und Tenel Ka an. »Wohin wollen wir?«

Jacen zuckte mit den Schultern. Er blickte den anderen nach, die bereits in verschiedene Richtungen verschwunden waren. Luke und Ryan waren mit Han und Chewie auf dem Weg zur alten Bibliothek. Jaina und Zekk waren in die oberen Stockwerke unterwegs und Anakin und Lowie hatten sich in Richtung des Hauptturms begeben.

»Fangen wir doch systematisch an«, meinte er schließlich.

»Eine gute Idee!« Tenel Ka nickte. »Wildes Rumrennen führt zu nichts!«

Kyle nickte. »Okay, nehmen wir also den Raum!« Er deutete auf einen Raum zu ihrer Linken.

»So gut wie jeder andere!«, meinte Jacen und marschierte los.

Eineinhalb Stunden später fanden die drei Freunde sich in einem Gang wieder. Ein einstmals blauer, nun sehr schmutzig schwarz verbrannter Teppich lag auf dem Boden. Der Gang endete in einer kleinen Halle. Ein Treppenabsatz führte zu einem gewaltigen Schutthaufen, der dereinst eine mächtige Marmortreppe gewesen sein musste.

Jacen blickte sich seufzend um. »Es ist einfach trostlos!«

»Mir schlägt es aufs Gemüt!«, erklärte Kyle. Seine Augen, sonst hell und funkelnd, waren die letzte Stunde düsterer und dunkler geworden.

Tenel Ka nickte. »Dieser Ort ist voller Trauer, Schmerz und Tod!«

»Sehen wir uns die Räume noch an, die von dieser Halle abzweigen, dann sollten wir zurück!«

Tenel Ka und Kyle stimmten Jacen zu.

Sie sahen sich um. Gemeinsam nahmen sie den ersten Raum zu ihrer Linken. Er war leer, bis auf ein zertrümmertes Computerterminal, dessen Kristallsplitter den Boden bedeckten. Müde sahen sie sich um und verließen den Raum. Der einzige weitere lag auf der gegenüberliegenden Seite. Dazwischen lag ein breiter Gang, der zu ihrer Rechten zum Treppenabsatz führte. Sie ließen das zertrümmerte Terminal hinter sich, durchquerten den Gang. Vor ihnen öffnete sich ein schlichter Raum. Einst hatte er schwere Fenster aus Stahlglas besessen, nun waren die Scheiben zerbrochen und geschmolzen. Der Boden war matt, früher hatten ihn Muster verziert, doch diese waren kaum noch zu erkennen.

Instinktiv hatte Kyle die Hand seines Freundes ergriffen und hielt sie fest. Jacen schluckte schwer. Tenel Kas sonst stoisch gelassener Gesichtsausdruck war einer Mischung aus Unbehagen und Anspannung. Ihre Hand tastete mechanisch nach dem Lichtschwert an ihrer Seite.

Jacen machte einen Schritt in den Raum hinein. Er fühlte sich plötzlich, als wäre er in einen Tank Unrat gefallen. Er spürte die ihn umgebende Macht wie einen schweren Schleier aus Traurigkeit, einen Mantel des Todes. Kyle musste sich mit aller Kraft beherrschen, sich nicht zu übergeben.

»Was...«, Tenel Ka verstummte, ihre Stimme klang flach und tonlos.

Jacen machte einen weiteren Schritt in den Raum, Kyle folgte ihm, ließ die Hand seines Freundes nicht los. Jacen blickte sich um. Sein Blick fiel auf den Fußboden. Ein Umriss ließ ihn schaudern. Jacen sank auf die Knie, vor dem grauenerregenden Schatten. Kyle stand wie ein Fels hinter ihm, die Hände auf seinen Schultern schenkte er seinem Freund Halt und Trost.

Jacen streckte die Hand aus, langsam berührte er den Umriss. Ein Schauer überkam sie. Jacen liefen Tränen über die Wangen. Es war wie ein weit entferntes Echo. Schreie, panische Angst, Furcht und schließlich ein abruptes Ende, immer und immer wieder. Jacen weinte hemmungslos. Kyle liefen die Tränen über die Wangen und selbst aus Tenel Kas Augen rollten dicke Tränen.

Da hob Jacen den Kopf, die Augen tränennass. Er suchte tief in sich, suchte und fand. Mit der Macht verband er diese Gedanken, schickte Worte, Gefühle. Kyle drückte die Schultern seines Freundes voller Liebe. Miteinander verbanden sie ihre Gedanken und Gefühle und sandten einen stetigen Strom aus. Da trat Tenel Ka zu ihnen und Kyle reichte ihr eine Hand. Die junge Kriegerin ergriff sie. So verbunden erfüllte die Macht die drei Jedi.

Und aus dem Umriss im Boden erhob sich, einem Schatten gleich, wie eine dunkle Erinnerung, ein Knabe.

»Master Skywalker... wo...?«

»Fürchte dich nicht«, sprach Jacen sanft. »Die Macht ist mit dir...«

Der Schatten blickte umher. »Ich... ich habe Angst!«

»Wir sind bei dir!« Tenel Kas Stimme war belegt, aber fest. »Du bist nicht allein!«

»Der Tempel, meine Freunde...«, der Schatten des Jungen flackerte. »Sie alle sind... «, er verstummte.

»Wir sind zurückgekommen«, sprach Kyle sanft. »Geh und finde deine Freunde. Wir werden den Tempel verteidigen!«

Der Schatten blickte sie an. »Ja?«

»Ja!« Jacen lächelte voller Schmerz. »Geh! Möge die Macht mit dir sein, junger Jedi!«

Da erzitterte der Schatten und langsam verblasste er.

Jacen weinte leise. Kyle schniefte geräuschvoll. Er wischte sich die Tränen mit dem rechten Ärmel seiner Jedirobe aus den Augen. Tenel Ka rieb sich die Augen. Da war es wie ein sanfter Wind, der durch den Raum fuhr. Die Schwermut ließ nach. Ein heller Sonnenstrahl fiel just in diesem Moment durch die Wolken, erfüllte den Raum mit Licht.

Jacen erhob sich. Sie wandten sich zum Eingang, kamen in die Halle. Auf dem Treppenabsatz saß beinebaumelnd ein kleiner Mann. Er hob den Kopf, blickte ihnen entgegen. Ein seltsamer Ausdruck lag auf seinem Gesicht. Seine großen Augen blickten weise, seine langen, spitzen Ohren, das weiße Haar, die grüne Hautfarbe... und dann bemerkte Jacen das blaue Schimmern.

Stumm blickten die drei den uralten Jedimeister an. Dieser musterte sie, dann lächelte er. Langsam erhob er sich, wobei er sich auf seinen Stab stützte. Einer der beiden Finger deutete den Gang entlang. Und dann verbeugte sich die kleine Gestalt leicht, wand sich um und verblasste, als sie zwischen den Trümmern davon schritt.

Stumm blickten sich die drei Freunde an. Ohne ein weiteres Wort wandten sie sich um, folgten dem Gang, in dessen Richtung der Jedimeister sie gewiesen hatte.

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