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Sam

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Und so stand ich vor Chris' Club, einer weithin bekannten Schwulenbar. Nur wollte ich eigentlich nur ein paar Mädels hier abholen. Danja, auf sie hatte ich bereits seit längerer Zeit ein Auge geworfen.

Ich war mir sicher, ihr Interesse genauso geweckt zu haben. Ich war ein achtzehnjähriger Mädchentraum. Ich war einsfünfundachtzig groß, war extrem sportlich, hatte wangenlanges dunkelbraunes Haar, braune Augen. Ich gebe zu, ich war etwas eitel und eingebildet. Trotzdem hatte ich fast alle hübschen Mädels aus meinem Jahrgang flach gelegt. Irgendwie stehen die Mädels wohl auf Arschlöcher, weil ich genau das verkörperte.

Und an diesem Abend hätte ich auch nix getan, um irgendwen wo abzuholen, wenn nicht Eveline, meine 17 jährige Schwester, in dieser Bar gewesen wäre. Mein Vater zwang mich, sie abzuholen, ansonsten hätte er einen Scheiß getan, mein Auto weiterhin zu bezahlen.

Ich liebte meinen Golf, Nachtblau, Ledersitze.

Jedenfalls ging ich nun munter hinein. Mit Schwulen hatte ich keine Probleme, im Gegenteil. In ihrer Gegenwart fand ich mich noch geiler, ich sah immerhin deutlich besser aus, als der Durchschnitt. Ich suchte mich durch die vielen Vorräume, um dann zum Tanzsaal zu kommen. Da fand ich Eveline und Danja, und noch ein paar andere Weiber auf der Tanzfläche. Ich wartete am Rand, bis die Fläche etwas leerer wurde.

Es dauerte. Als ich mich nun durchkämpfen wollte, wurde ich plötzlich von hinten umarmt.

"Na Süßer, ganz alleine hier?", raunte es an mein Ohr. Ich bekam eine Gänsehaut.

"Sorry", sagte ich und löste seinen Griff, "Ich warte auf meine Freundin und stehe nicht auf Männer." Ich drehte mich um und sah zwei eisblaue Augen. Sie gehörten einem ca. zwei Meter großen, sportlichen Typ mit kurzen blonden Haaren und strahlend weißen Zähnen. Er war bestimmt zehn Jahre älter als ich. Er lächelte, nahm einen Schluck Bier aus seiner Flasche. "Weißt du", sagte er, "ich irre mich dahingehend nie." Plötzlich zog er mich an sich heran und küsste mich auf den Mund. Nur ganz kurz. "Ich bin den ganzen Abend hier. Frag einfach nach Sam", sagte er und ging. Ich hatte wieder eine Gänsehaut.

Ich war etwas geschockt und mein cooles Image drohte zu bröckeln, also ging ich auf die Tanzfläche und schnappte mir Eveline. "Eve, wir waren vor Ewigkeiten draußen verabredet, los jetzt raus!", motzte ich. Ich scheuchte meine Schwester und ihre blöden Freundinnen aus der Bar und ins Auto.

"Was ist los, Andre? Haben die Schwulen dir Angst gemacht, dass du so fliehst?", fragte Eveline. "Nein", antwortete ich cool. "ich hab nur samstags was Besseres vor, als ne Horde Hühner durch die Gegend zu kutschieren." Selbst Danja interessierte mich nun nicht.

"Was heißt durch die Gegend? Nur zu uns, Danja, Katha und Susi schlafen bei mir.", antwortete Eveline. "Ja, vielleicht will ich heut aber nicht nach Hause", antwortete ich trotzig. Sie blieb kurz still, ich fühlte mich überlegen. Bis sie sagte: "Okay, dann setz uns gleich einfach ab. Du brauchst nicht ganz in die Straße fahren." In dem Moment war mir klar, dass ich ein Eigentor geschossen hatte. Wenn ich doch nach Hause fuhr, wäre klar, dass ich nix Besseres zu tun hatte. Also baute ich einen Notfallplan in meinem Kopf.

Ich setzte Eveline und die Hühner ab und fuhr weiter zu Thomas, meinem besten Freund. Ich klingelte, seine ältere Schwester Judith machte auf. "Sorry Andreas", sagte sie, "Thomas ist mit unseren Eltern weg." "Okay", seufzte ich, "bis dann mal." Sie hatte wohl Mitleid, denn sonst war sie nie nett zu mir. Sie sagte: "Hey, du siehst merkwürdig aus, was ist los?"

Judith war drei Jahre älter als Thomas und ich. Ich weiß nicht, was mich dazu trieb, aber ich erzählte ihr von meiner Flucht aus Chris' Club. "Also", fing sie an, "Ich hab ja schon immer geglaubt, dass du schwul bist. Bist du sicher, dass du es nicht bist?" Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, "Was?!", fragte ich fassungslos. "Sei mal ehrlich, welcher Typ würde sonst so extrem auf sein Äußeres achten. Gib zu, du guckst, ob du in Hosen einen fetten Arsch hast." Sie sagte das nicht in dem üblichen ironischen Ton, ich merkte, dass sie es Ernst meinte. "Nein", antwortete ich, "Ich steh auf Mädchen. Ich muss es ja wissen." Ich hielt es für besser zu gehen, nicht ohne das Versprechen, dass Judith es niemandem, nicht einmal Thomas, sagen würde.

Ich saß also wieder im Golf. Ich ärgerte mich über Judith. Plötzlich fiel mir auf, dass sie Recht hatte, ich überprüfte manchmal ob mein Arsch dick aussah, na und? Ist es verboten, als Mann gut auszusehen?

Ich ließ den Motor an und fuhr zurück zum Club. Ich wollte es nun herausfinden, ich wollte wissen, ob Männer auch infrage kamen. Nur etwas gucken, mehr nicht. Vielleicht war ich Bi-sexuell. Warum sonst war es zu erklären, dass mich Mädchen anmachten?

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich um ca. Zwei Uhr wieder den Tanzsaal betrat.

Es war nur etwas leerer geworden. Ich bestellte mir an der Theke ein Bier. Ich betrachtete verstohlen die Typen auf der Tanzfläche. Nein, da war nichts. Kein Kerl machte mich irgendwie an. Ich beruhigte mich wieder, nahm mir vor auszutrinken und dann nach Hause zu fahren. "Scheiß auf Eveline", dachte ich mir. Plötzlich stellten sich meine Nackenhaare auf, als jemand in meinen Nacken flüsterte: "Bist du doch noch hier? Und wo ist deine Freundin?" Ich drehte mich um. Vor mir stand Sam und lächelte wieder. Mein Herz schlug wie verrückt. "Ich trinke nur noch aus und dann fahr ich heim", erklärte ich. "Wie schade. Ich hoffte du hättest noch etwas mehr Zeit." Sein Lächeln war echt anziehend, seine krassen blauen Augen musterten mich. Meine Nackenhaare kamen gar nicht mehr runter. Er wusste um seine Anziehungskraft, er biss sich auf die Lippen und sah mir direkt in die Augen. Dann kam er ganz nah an mein Ohr und flüsterte: "Ich hätte dich gern geküsst, überall, und berührt, überall." Ich bekam wieder eine Gänsehaut. Mir war kalt und heiß, gleichzeitig. Sam ging ein paar Meter weit weg und setzte sich dort an die Bar.

Ich trank aus und wollte gehen, irgendwas hielt mich ab. Unschlüssig was ich tun sollte, bestellte ich ein nächstes Bier. Alles und gar nichts schoss durch meinen Kopf. "Wenn ich mit ihm gehe, kann ich gehen, wenn's nix für mich ist", und "Einmal mit nem Kerl rummachen, macht dich nicht gleich schwul", jagten sich in meinem Gehirn.

Ich weiß nicht warum, aber als meine Flasche Bier kam, nahm ich sie und ging zu Sam. "Du heißt nicht wirklich Sam, oder?", fragte ich. Er sah mir tief in die Augen und antwortete: "Doch heiße ich. Wo ist denn nun deine Freundin?" "Ich bin allein hier", gab ich zu. Er lächelte und schnalzte mit der Zunge. "Ich würde gern auf dein Angebot zurückkommen, wenn's noch steht", sagte ich leise, sehr leise. Er hatte es gehört. Er nahm meine Hand. "Komm mit", sagte er, nahm mir die Flasche aus der Hand und stellte die auf die Theke. Dann zog er mich hinter sich her, durchs Treppenhaus. Kurz vor den Toiletten schlüpften wir durch eine Tür, auf der "Privat" stand. Er bemerkte, dass ich zögerte. "Keine Sorge, ich kenne den Chef hier", sagte er und zog mich in den Nebenraum.

Nun sah ich, dass es ein kleiner Erste Hilfe Raum war. Er beugte sich etwas herunter und küsste mich, diesmal lange und mit Zunge. Er schmeckte nach Bier und Zigaretten, seine leichten Bartstoppeln kratzten an meinen Lippen. "Und?", fragte er, "Selbstfindung, oder was?" Ich war verwirrt. "Ich hab gesehn, wie du deine Freundin von der Tanzfläche geholt hast, vorhin.", Sam zündete sich eine Zigarette an. "Du meinst meine Schwester", antwortete ich, nahm ihm die Zigarette weg und nahm selbst einen Zug. Ich hatte das Rauchen längst aufgegeben, normalerweise. "Hattest du schon mal was mit nem Mann?", fragte Sam. Er lächelte wieder. "Nein. Was wird das hier? Fragestunde?", fragte ich und aschte auf den Boden ab. "Ich will nur wissen, ob du gleich davonrennst", er lachte kurz, sein Blick brannte sich in meine Augen. Ich küsste ihn vorsichtig.

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, ein dickerer Mann stützte einen Kerl, der verletzt zu sein schien. "Mensch Sam, das ist ein Erste Hilfe Raum, keine Bumskammer", herrschte der Dicke. "Und rauchen ist hier verboten", sagte der Typ, riss mir die Kippe aus der Hand und trat sie aus. "Sorry Chris, wir gehen ja schon. Okay?", mit dem okay war ich gemeint, Sam bedeutete mir mit ihm zu gehen.

Es war kalt, draußen vor dem Club. "Und jetzt?", fragte ich ein wenig hilflos. Sam legte seinen Arm und mich und führte mich weg. "Wohin gehen wir?", fragte ich. Mein Herz schlug wieder bis zum Hals. "Zu mir, außer du willst, dass wir zu dir gehen", raunte Sam. Er küsste mich noch mal innig. "Besser nicht", antwortete ich lachend.

Sams Wohnung war nicht weit weg, er hatte eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss eines Hauses. Das Wohnzimmer war unglaublich, nur Schrägen, die Spitze befand sich in ca. fünf Meter Höhe. An einer Seite war ein Zwischenboden mit Leiter. "Was ist da oben?", fragte ich. Sam lächelte, "Das Bett."

Wenig später befand ich mich fast direkt unter dem Dach, konnte Dank Dachfenster den ganzen Himmel sehen, während ich mich nervös ins Bett warf. Sam kam mit etwas zu trinken nach. "Ich hab dir n Bier mitgebracht", sagte er und reichte mir eine Flasche. "Danke", noch immer war ich nervös. Ich trank einen Schluck und stellte die Flasche dann beiseite. Sam kletterte aufs Bett, lehnte sich auf mich und küsste mich heftig. Er strich mir durchs Haar, küsste meinen Hals, streichelte sanft über meinen Rücken. Ich bekam fast keine Luft.

"Alles okay?", erkundigte er sich. Ich nickte. Noch nie war etwas so okay wie gerade in diesem Moment.

Sam griff an meinen nackten Bauch, schob das T-Shirt hoch und küsste meinen Nabel. Ich entledigte mich schnell dem T-Shirt. Saß nun "halbnackt in der Wohnung eines Schwulen", schoss es mir durch den Kopf. Aber ich genoss es. Sam zog sich selbst das Hemd aus, machte seine Jeans auf. Dann öffnete er meine Hose, machte meinen Gürtel auf. Er küsste mich wieder heftig, als er mir meine Hose auszog. Nun lag ich nackt in der Wohnung eines Schwulen und war furchtbar erregt. Sam lächelte wieder so geil einzigartig wie immer. "Ich sehe, es gefällt dir bei mir." Meine Erektion war mir etwas peinlich. Doch Sam küsste mich wieder und wieder und ich vergaß alles andere um mich herum.

Ich hatte das Gefühl, auch etwas machen zu müssen, also griff ich etwas scheu zu Sams Hüften, zog ihm die Hose über seinen Hintern und berührte dabei seine samtweiche Haut.

Er lächelte geil, als ich Seinen anfasste. Er war etwa so groß wie meiner und genauso bretthart. Sam begann mir einen runterzuholen, erst sanft und langsam, dann schnell und heftig. Ich stöhnte und krallte mich in die Bettwäsche. Kurz bevor ich kam, stoppte er. "Nicht so schnell", hauchte er. Ich seufzte tief. "Wir haben doch Zeit."

Es fing an zu regnen, es prasselte auf den Fenstern über uns.

Ich streichelte Sam, er hatte die Augen geschlossen, stöhnte leise. "Nimm ihn in den Mund", zischte durch meinen Kopf. Ich lehnte mich zu Sam rüber, senkte den Kopf. "Stopp", hörte ich Sam. Verwundert sah ich ihn an. "Du musst das nicht tun, mach's nur wenn du es willst", beschwor Sam mich. "Ich will es und ich weiß, dass ich nichts muss", antwortete ich.

Ich nahm ihn in den Mund, der Geschmack war etwas eigenartig. So mussten sich die Mädels, die meinen gelutscht hatten, auch gefühlt haben. Ich bemerkte wie sehr es Sam gefiel, er stöhnte laut, sein Körper bebte, seine Gesichtszüge entgleisten. Er wurde zu Wachs in meinem Mund. Er legte seine Hände an meinen Hinterkopf. Ich fand es total geil.

Bald stoppte er mich. "Halt, wir wollen den Abend noch nicht enden lassen, oder?", fragte er atemlos. Er küsste mich wieder heftig, dabei drückte er mich fest an sich und fasste an meinen Hintern. "Ich steh drauf wenn Männer Sport treiben", sagte er. Ich legte meine Hand auf seine muskulöse Schulter und antwortete, "Ich auch." Ich musste lächeln, noch vor ein paar Stunden interessierten mich Sport treibende Männer gar nicht. "Ich bin auch sportsüchtig", gestand ich.

"Ach ja?", fragte Sam, strich mir über den Waschbrettbauch und meine Oberschenkeln, "Hätt' ich jetzt nicht erwartet." Sein Tonfall war ironisch. Ich lachte. "Brauchst du noch irgendwas, hast du Hunger? Durst?", fragte er. Ich schüttelte den Kopf. "Okay, ich aber", sagte Sam, stand vom Bett auf, kletterte nackt die Leiter runter und ging in die Küche. Mir fiel meine Bierflasche wieder ein, ich trank einen Schluck, mein Mund war etwas trocken.

Es dauerte eine Weile, dann kam Sam zurück. Er hatte zwei gepellte Orangen mit. Geschwind kletterte er die Leiter hoch. "Willst du wirklich nicht?", bot er mir eine an. "Ne, lass mal", gab ich zurück. Er aß seine Orangen und küsste mich dann wieder. Er schmeckte lecker. Ich schloss die Augen, genoss das Gefühl mit ihm zu verschmelzen. Ich lag auf dem Rücken und er auf mir. Seiner berührte meine Oberschenkel, Meiner seinen Bauch. Ich war so erregt, dass es fast schon weh tat. Sam küsste meinen Hals, meine Brust, meinen Bauch, rutschte dabei zwischen meinen Beinen hindurch immer weiter runter. Dann griff er zur Seite, nahm sich ein Kondom und eine Tube. Ich bekam sofort Angst. Sam merkte das. "Keine Panik, ich werde ganz vorsichtig sein und dir jeden meiner Schritte erklären, okay?", sein Blick war warm, sein Lächeln wieder total geil. "Okay", seufzte ich. "Entspann dich", sagte Sam. Dann fing er an, sein Handeln zu erklären. "Erstmal zieh ich das Gummi rüber, dann nehme ich deine Beine auf meine Schultern, dann küsse ich dich wild." Der Kuss war wild und gierig. "Das hier ist Gleitgel, das ist kalt, wenn's dich berührt." Es berührte mich, es war wirklich kalt, aber es war ein schönes Gefühl. "Jetzt, schiebe ich ihn rein." Und das tat er. Ich verspürte einen Druckschmerz, wollte nach oben weichen, doch Sam hielt mich fest. Der Schmerz trieb mir Tränen in die Augen, ich japste. Sam bewegte sich nicht. "Das tut so weh", klagte ich. Sam küsste mich, sah mir tief in die Augen. "Nur beim ersten Mal, du musst dich etwas entspannen, dann wird's besser. " Ich versuchte es, entspannte mich etwas, und Sam fing an sich in mir zu bewegen. Ich fühlte mich wie im Himmel.

Stunden vergingen und als der Himmel heller wurde, zog ich mich an, um zu gehen. "Ich muss los, heut hab ich n Spiel", erklärte ich. Sam lächelte müde. "Fußball?", fragte er. Ich schüttelte den Kopf, "Handball." Er grinste, "Hey, Handball spiel ich auch." Ich lächelte ihn an, doch ich glaubte ihm nicht.

Als ich Zuhause ankam, war mein Vater schon wach. Er stand in der Küche und packte seinen Angelkoffer. "Na, hattest du ne lange Nacht?", grinste er. "Ich war bei Thomas, wir haben Playstation gezockt", log ich. "Klar", lachte er, " Und der ist auch von Thomas?!" Er deutete auf meinen Hals. Schlagartig erinnerte ich mich an den Knutschfleck, den Sam mir gemacht hatte, als ich gekommen war. Ich legte sofort die Hand an meinen Hals. Mein Vater lachte vor sich hin. "Ich gehe angeln", sagte er, "Willst du vielleicht mitkommen?" Ich war früher oft mit meinem Vater angeln gegangen, ich besaß sogar einen Angelschein. Doch heute reizte stundenlanges am See Stehen mich nicht. Außerdem fürchtete ich, dass er mich ausfragen würde. "Ne, ich wollt noch etwas schlafen. Außerdem haben wir heute ein Spiel gegen die B- Gruppe", antwortete ich. Er gab sich zufrieden.

Ich legte mich ins Bett, sah auf meine Uhr. Sechs Uhr. Ich rollte mich ein und schlief bis um Zehn. Als der Wecker klingelte, fühlte ich mich völlig erschlagen.

Ich kroch aus dem Bett, zog mir etwas an und ging ins Badezimmer. Dort duschte ich erstmal. Ich war total erschreckt, als ich den riesigen Knutschfleck an meinem Hals sah. Es war der riesigste, den ich je gesehen hatte. Als ich mich einigermaßen frisch und sauber fühlte, zog ich mich an und ging in die Küche, ich brauchte einen Kaffee.

In der Küche saß Eveline mit ihren Freundinnen. "Morgen Ladies", sagte ich wie immer charmant. Ich bemerkte, dass die Kanne Kaffee bereits leer war und machte mir einen Instand Kaffee. "Du siehst aus, wie ein frisch gevögeltes Eichhörnchen", stellte Eveline fest. "Ach ja?", fragte ich, "Wann bitte hast du überhaupt mal n Eichhörnchen gesehn?" Eves Freundinnen lachten.

Ich nahm meinen Kaffee mit in mein Zimmer. Ich konnte es kaum erwarten, nach dem Abitur endlich auszuziehen. Ich setzte mich vor den PC, checkte meine E-Mails und stellte fest, dass Thomas bei ICQ online war. Ich schickte ihm ein >Moin<. Zurück kam ein >Auch Moin, Thomas ist nicht da.< Ich begriff, dass Jenny, Thomas' Freundin, seinen Nickname benutzte. >okay< schrieb ich zurück und ging wieder offline. Jenny war schon seit zwei Jahren seine Freundin und eigentlich fand ich sie nett und lustig. Manchmal nervte sie mich mit ihrem Gerede, ich könne mich nicht auf jemanden einlassen, blabla. Sie lag völlig falsch. Ich könnte mich auf jemanden einlassen, wenn ich wollte. Nur wollte ich nicht.

Ich packte meine Sporttasche, checkte noch mal, ob meine Augenringe weg waren. Sie waren weg und ich sah wieder toll aus, fand ich. Dann fuhr ich zu Thomas, um ihn zum Spiel abzuholen.

Judith machte mir wieder die Tür auf. "Moin", wünschte ich. "Moin", antwortete sie mürrisch und verschwand wieder. So kannte ich sie. Ich ging die Treppe hoch. Oben zischte Thomas durch den Flur und suchte seine Sachen zusammen. "Dass du nie fertig bist, wenn ich komme", tadelte ich ihn. Er grinste mich an, "Setz dich, kann sich nur um Stunden handeln." ich ging in sein Zimmer, Jenny saß noch immer vor dem PC. "Hi, sag nicht, wir müssen dich auch noch zuhause absetzen", maulte ich. Jenny schüttelte den Kopf und sagte, sie müsse was für ihr Berichtsheft schreiben. Dann entdeckte sie den Knutschfleck an meinem Hals. "Was ist das denn?", fragte sie und "Wie hieß sie denn?" "Sarah", log ich. "Die Sarah?", fragte sie. Mir fiel ein, dass wir eine Sarah im Bekanntenkreis hatten, sie sah nicht übel aus. Ich lächelte. Jenny deutete das als ja. "Lass mich raten, gepimpert und wieder abgehauen, wie du's sonst immer tust", sie grinste. "Das," sagte ich, "geht dich gar nix an." Jenny grinste wissend. "Dacht ich mir, du bist auch zu feige, glaub ich", fing sie an. "Geht das wieder los", brummelte Thomas, als er ins Zimmer kam. "Von mir aus, kann's losgehn", sagte er und gab Jenny einen Abschiedskuss.

"Judith hat gesagt, dass du gestern Abend da warst", fing Thomas an, als wir im Auto saßen. "Ja, ich hatte ne Krise", antwortete ich. "Jetzt wieder alles klar?", fragte Thomas. Er war mein bester Freund, hat mir stets zur Seite gestanden, sogar als ich noch dick gewesen war und kurzfristig mal plante, nach dem Essen zu kotzen. Er hat es mir ausgeredet. "Ich denk schon", antwortete ich. Er war der Einzige, der nicht nur meine coole Seite kannte. "Ich hab letzte Nacht mit einem Mann geschlafen", gestand ich. "Na endlich", seufzte er. Er war gar nicht überrascht. Ich dagegen sehr. Er merkte es, grinste mich an. "Glaubst du, ich merk nicht, dass du schwul bist. Ich bin dein bester Freund." Er lachte etwas. "Ich bin nicht schwul", antwortete ich. Sein Lachen erlosch. "Dann halt Bi, ist doch auch egal." Er hatte so eine nüchterne Art Dinge zu sehen. Ich war einige Zeit sprachlos. "Bis gestern", fing ich an, "fand ich Kerle noch nie anziehend. Wie kommst du darauf, ich könnte schwul sein?" Thomas grinste. Er grinste stets irgendwie schief, seine schwarzen Haare fielen ihm in die Augen, er schob sie beiseite und sagte: "Ich kenne dich gut, irgendwie hab ich's geahnt. Bis du sechzehn warst, hattest du nie ne Sandkastenliebe oder so. Als die Mädchen anfingen auf dich zu fliegen, hast du sie vernascht, aber nie davon gesprochen, was du an ihnen toll fandest. Du hast dich nie länger als einen Fick mit ihnen beschäftigt. Ich glaub einfach Frauen liegen dir nicht." Ich war wie vom Donner gerührt. Ich vergaß das Schalten, mein Golf weinte. "Das gestern war auch nurn Fick. Ich steh nicht auf Beziehungen. War einfach mal n Versuch", erklärte ich. "Is okay, wie hat's dir denn gefallen?", fragte er. Ich zögerte, "War schon schön irgendwie, aber anders. Der Typ hatte ne krasse Wohnung.", antwortete ich schließlich. "Wohnung, dann war er älter als wir?", fragte Thomas. Ich grinste, "Keine Ahnung, dreißig oder so." Thomas und ich lachten. Bald waren wir bei der Turnhalle. Der Rest unseres Teams war bereits in den Umkleideräumen verschwunden. Wir spielten in einer gemischten Mannschaft.

Unsere Trainerin Anne lief bereits am Spielfeldrand auf und ab. Sie war sechsundzwanzig und ich fand sie scharf. Das heute war zwar nur ein Probespiel, aber sie lief auf Hochtouren. Während des Spiels brüllte und tobte sie wie immer an ihrer Linie. Aber sie schrie nicht nur, was wir falsch machten, sie schrie auch mal ein "Gut gemacht" ins Feld. Sie war eine harte Hexe im Training, trotzdem mochten wir sie alle, denn sie konnte auch mal ganz nett sein. Wenn wir gewannen.

Nach dem Spiel, wir hatten gewonnen, fuhren wir wie immer feiern. Aufgrund des schönen Wetters in die Eisdiele. Ich war kaputt und müde, deswegen blieben Thomas und ich nicht lange.

Ein paar Wochen lang lief alles wie früher. Das Abi kam näher und näher, das Wetter blieb schön. Ich achtete penibel darauf, viel in der Sonne zu sein, stets eingecremt wegen Sonnenbrandgefahr. Meine Eltern erlaubten mir nicht, meine Hantelbank im Garten stehen zu lassen, deswegen schleppte ich sie raus, trainierte in der Sonne, dann schleppte ich sie wieder rein. Ich hatte eine super Bräune. Ja, ich bin eitel.

Es war Donnerstag, Handballtrainingstag, als mittags mein Handy klingelte. Thomas war dran. "Hi, hast du's schon gehört?", fragte er. "Ne", sagte ich, "was denn?" "Anne hat sich den Fuß gebrochen. Jenny hat's grad erzählt. Ist heute morgen auf der Arbeit ausgerutscht", berichtete er. "Dann konnte ich es ja nicht gehört haben", murrte ich. Anne arbeitete in einer Bank, in der Bank machte Jenny ihre Ausbildung." Jetzt haben wir keine Trainerin, in drei Wochen haben wir n großes Turnier", jammerte ich. Sofort überlegte ich, ob ich Anne besuchen sollte, um mich ihr näher zu bringen. " Keine Ahnung, vielleicht weiß sie n Ersatztrainer. Ich schlag vor wir treffen uns heut Abend bei der Halle, mal sehen", schlug Thomas vor. Klang für mich vernünftig.

Das ganze Team stand abends vor der Halle, bereit fürs Training. Anne, oder die Vertretung war schon zehn Minuten zu spät. Ich befürchtete schon, dass es gar keine Vertretung gab. Doch dann fuhr jemand auf einem Fahrrad heran. "Sorry, ich bin spät dran", sagte der blonde Typ. Mir verschlug es die Sprache. "Anne hat gesagt, ich soll für sie einspringen. Ich bin Sam", er grinste. Mir wurde übel. Ich stand unter Schock. "Jenny hat schon gesagt, dass er wohl übernimmt. Er ist Kundenberater, ein guter Freund von Anne.", flüsterte Thomas.

Als wir alle versammelt und umgezogen in der Halle standen, fragte Sam erst einmal ob wir weiter als zehn Kilometer weg wohnten. Die meisten verneinten. "Dann kommen die Leute, die nein gesagt haben nächstes Mal mit dem Rad, statt mit dem Auto. Dann seid ihr bereits warm, schont die Umwelt und euren Tank. Niemand ist mit dem Fahrrad hier, obwohl so geiles Wetter ist", meckerte er. Dann griff er zu Klebeband, was er mitgebracht hatte. Jeder bekam ein Großes Stück, schrieb seinen Namen darauf und klebte es gut lesbar aufs T-Shirt. In Sams Augen konnte ich sehen, dass er mich erkannt hatte. Ich schrieb Andreas auf mein T-Shirt. Wir liefen uns warm und probierten dann Spielzüge. Zum Schluss machten wir ein Probespiel, in dem wir die Spielzüge umsetzen sollten. Ich fand mich eigentlich ganz gut, doch Sam rief von der Seite ein paar mal Andi. Als ich mich nicht angesprochen fühlte, rief er laut: "Hey Andreas", ich drehte mich zu ihm um. "Lässt du dich nicht Andi abkürzen? Oder warum ignorierst du mich?", fragte er. "Ne, abgekürzt werd ich Andre. Andrea lässt sich Andi rufen, ich dachte du meinst sie", sagte ich und zeigte auf Andrea. Sie grinste, Sam auch. "Okay, Andre", seufzte er. "Handball ist ein Teamsport, du kannst ruhig mal häufiger abgeben." Ich nickte, das Team lachte, Anne sagte mir das auch immer.

Thomas und ich duschten nach dem Training nicht, wir zogen uns gleich um. So waren wir als erstes beim Ausgang. Sam saß neben der Tür auf einer Bank, er musste uns rauslassen, weil die Tür immer abgeschlossen sein musste. "Duscht ihr nicht?", fragte er. "Ne, wir fahren gleich eh noch weiter zum See", antwortete Thomas. "Wie du sagtest bei so geilem Wetter", ich grinste. "Und du?", fragte Thomas, "Warum duscht du nicht?" Sam grinste, ich fand ihn immer noch anziehend, "Ich dusche, wenn ihr alle weg seit. Dann muss ich nicht so hetzen." Er ließ uns raus.

Im Auto erzählte ich Thomas von Sam. Er glaubte mir nicht. "Der kam gar nicht so schwul rüber", sagte er, doch dann fügte er hinzu, "Ob er deshalb nicht duscht?" Das machte Sinn.

Nun sah ich Sam zweimal die Woche, zum Training und zum Testspiel und ich verknallte mich das erste Mal in jemanden. Er war toll, ich wünschte mir, er bliebe unser Trainer. Thomas bemerkt meine Gefühle, zog mich manchmal damit auf. Ich hatte das Gefühl Sam bemerkte es auch, er ließ sich aber nichts anmerken.

"Du musst dich ihm näher bringen", meinte Thomas. Wir saßen vor der Schule, ich sah ihm beim Rauchen zu. "Wie denn zum Teufel?", fragte ich. Mein Kumpel dachte nach, "Sparbuch", sagte er schließlich. "Was?" Ich verstand nicht. "Du gehst in die Bank und machst dort ein Sparbuch auf. Dann gehst du mit einem Kundenberater", er nickte mir zu, "in ein Nebenzimmer und besprichst alles." Ich schüttelte den Kopf. "Toller Plan", knurrte ich. "Was, wenn ich einen anderen Kundenberater bekomme? Er ist doch nicht der Einzige" Thomas lachte, "Wie du weißt, schlafe ich mit einer Bankkauffrau, sie kann doch den Termin einrichten, wenn ich sie bitte."

Und deshalb stand ich am Dienstag Nachmittag in Jennys Bank und wartete auf meinen Kundenberater. Ich winkte Jenny kurz zu. Anne war noch immer krankgeschrieben, was sie nicht davon abhielt, mit Krücken dem Training beizuwohnen.

Sam sah atemberaubend aus, in dem grauen Anzug, den er trug. "Bist du mein Termin?", fragte er. Ich nickte. Er atmete tief ein und sagte, "Dann mir nach." Ich folgte ihm in das Nebenzimmer. Als er die Tür hinter uns geschlossen hatte, öffnete er die Knöpfe seines Sakkos und setzte sich. "Was kann ich für dich tun?", fragte er. "Der Anzug steht dir gut", antwortete ich. Er blickte mir in die Augen, "Kann ich sonst noch was für dich tun?", fragte er. Seine Stimme klang kalt. Mir versetzte sie einen Stich. "Ein Sparbuch", stotterte ich, "Ein Sparbuch wollte ich eröffnen." Sam nickte, tippte am PC. "Okay, hast du ein Konto hier?", fragte er.

Als ich aus der Bank trat, war ich um ein Sparbuch reicher, hatte aber bei Sam nichts erreicht. Ich war verzweifelt. Ich versuchte Thomas zu erreichen, auch das hatte keinen Erfolg. Ich fühlte mich mies. Auf schnellstem Wege ging ich nach Hause, an meine Hantelbank.

Donnerstags beim Training war Sam wie immer, nett und lustig. Und natürlich wunderschön und anziehend. Ich war mit den Nerven total am Ende. Ich hatte vor Aufregung ihn zu sehen, den ganzen Tag nichts essen können, was sich nun auf meine Kondition niederschlug. Tapfer versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen, aber es ging mir bald echt dreckig. "Andre, du siehst scheiße aus, alles klar?", fragte Thomas leise. Ich nickte, doch eigentlich war nichts mehr klar. Das Warmlaufen vor dem Spiel raffte mich quasi dahin. Ich merkte noch, wie ich Schweißausbrüche bekam und langsamer wurde.

Ich befand mich in einer schwarzen, warmen Leere. Alles war neu und merkwürdig. Ich sah mich einmal um und als ich mich plötzlich wunderte, wie ich dort hingekommen war, machte ich die Augen wieder auf und lag in der Turnhalle. Umringt von meinem Team. "Hey, was machst du für ne Scheiße?", fragte Thomas. "Mir geht's gut", erwiderte ich und versuchte aufzustehen. "Nix da", sagte Sam und drückte meinen Oberkörper wieder auf den Boden. Ich lag wieder flach. "Hier", er reichte mir Traubenzucker. "Der Rest kann schon mal weiterlaufen", befahl er. "Tut dir was weh?", fragte er. "Die Schulter etwas", gab ich zurück. "Kein Wunder", er grinste, "Da bist du voll draufgefallen. Ich hab noch nie jemanden mit soviel Schwung umfallen sehen." "Schwung hab ich noch", seufzte ich. Mir war kalt. Der Schweißausbruch hatte meine Klamotten durchweicht. Nach einigen Minuten durfte ich aufstehen. Ich schlich zur Bank. Dort saß Anne, die nach meinem Zusammenbruch mit ihren Krücken die Treppen heruntergekrochen war, um nach mir zu sehen.

Sie strich mir tröstend über den Rücken und erkundigte sich bei mir, was ich glaubte, woran es lag. "Ich hatte nix zu Mittag", gab ich müde zurück. "Ohne Treibstoff läuft der Motor nicht", mischte sich Sam ein, nicht ohne mich vorwurfsvoll anzusehen. Ich hätte kotzen können. Als das Training zu Ende war, war ich froh, dass Thomas sich schnell umgezogen hatte. Ich tauschte nur die Schuhe.

"Thomas, kannst du Andreas fahren?", fragte Sam ihn. "Können schon, aber dürfen?!", antwortete Thomas. "Warum?", fragte Sam. "Sechs Wochen Lappen weg. Ich war zu schnell", Thomas sah mich grinsend an, "Außerdem darf ich seinen Golf nicht fahren." Ich knuffte ihn, "Du machst ihn kaputt."

"Andre, du kannst jedenfalls nicht fahren, du bist immer noch leichenblass", bestimmte Anne.

Sam atmete tief durch, "Ich bringe dich, wenn ich dein Auto fahren darf." Ich zögerte. "Wird ihm nix anderes über bleiben", bestimmte Thomas. "Ich werd heute mal durch die Stadt bummeln, ich hab's ja nicht so weit." Damit lies mich mein bester Freund einfach stehen! Ich verfluchte ihn.

Sam packte sein Fahrrad in den Kofferraum und stieg dann ein. "Ist nett dein Auto", sagte er. Ich schwieg. "Erinnert mich an mein erstes Auto, war auch ein Golf. Nicht so herausgeputzt.", fuhr er fort. Ich wollte ihm an den Hals springen. Ihn küssen, ihn berühren. "Ich bin ganz stolz", brachte ich stattdessen tonlos hervor. "Wenn ich eins hasse", begann Sam, "Wenn ich in meinem Auto Beifahrer sein muss. Wie geht's dir damit so?" "Geht so, aber mein Auto hat auch fünf Gänge", mahnte ich. Sam lachte und schaltete. "Ich fürchte wir müssen reden", nahm ich den Mut zusammen. Das Lachen stoppte. "Sam, ich bin in dich verliebt", gab ich zu. Er seufzte, "Hatte ich mir schon gedacht." Mehr sagte er eine ganze Weile nicht. Ich lotste ihn in die richtige Richtung. "Ich nicht", sagte er schließlich tonlos, als er mein Auto abgestellt hatte. Ich bekam einen Kloß im Hals. "Ich bin nicht verliebt, tut mir leid", er sah leer auf mein Armaturenbrett. "Aber", begann ich und musste aufpassen, nicht das Heulen zu kriegen. "Gefalle ich dir nicht?" Er sah mich nicht an, "Quatsch, der Fehler liegt nicht bei dir, falls es einen Fehler gibt. Aber ich bin kein Beziehungsmensch. Außerdem ist der Altersunterschied zu groß." Er stieg aus, nahm sein Rad aus dem Kofferraum. Ich blieb sitzen, kämpfte mit den Tränen. Kurz stand Sam draußen unschlüssig herum, doch dann stieg er wieder ein.

"Der Altersunterschied macht mir nix aus", flehte ich. Er sah mich an. "Andre, das mit uns würde nicht gehen. Selbst wenn mir der Altersunterschied egal wäre, deinen Eltern sicher nicht, und der Verein. Wenn der Trainer mit dem jungen Mann, das Gerede, verstehst du?" "Meine Eltern sind tolerant", versuchte ich weinend, "Bedeute ich denn dir gar nichts?" Sam sah mich mitfühlend an. "Ich hab dich gern. Du bist wirklich ein toller Kerl, aber es geht nicht. Deine Eltern sind vielleicht normalerweise tolerant, aber was, wenn du mit nem Kerl nach Hause kommst, der gleich zehn Jahre älter ist als du? Da hört Toleranz aber auf! Ich bin nicht der Richtige für dich. Ich bin launisch, unzuverlässig, gehe fremd. Ich bin mit Abstand das Schlechteste für dich." Er stieg wieder aus, "Machs gut, und iss Sonntag richtig." Er machte die Autotür zu. Ich konnte ihn noch eine Weile im Rückspiegel sehen.

Erst als ich mir sicher war, nicht mehr verheult auszusehen, stieg auch ich aus, schloss das Auto ab und ging ins Haus.

Ich schlich in mein Zimmer und blieb fast eine Woche dort. Ich ging nicht zur Schule, oder sonst wohin, nicht trainieren und auf gar keinen Fall zum Handball. Ich lag die ganze Zeit im Bett. Am Donnerstag Mittag klopfte es an meiner Tür. "Hau ab!", rief ich. Dann ertönte Thomas' Stimme, "Mach auf oder ich räuchere dich aus." Ich öffnete. "Hast du dir die Finger gebrochen, dass du nicht anrufen kannst?", fragte er spöttisch, riss die Jalousien auf. "Lass mich", maulte ich. "Ich hab Kummer." "Ach", sagte Thomas ironisch. "Das soll deine Ausrede sein? Jeder Mensch hat mal Liebeskummer. Meinst du da stellt jeder den Dienst ein? Steh jetzt auf, dein Selbstmitleid regt mich auf!" Er war echt sauer. "Du verstehst das nicht, ich hab's ihm gesagt. Aber er will mich nicht.", jammerte ich. "Mann, ich glaubs auch, entweder du stehst jetzt sofort auf oder ich bin weg", er sah mich durchdringend an, " Such dir halt n anderen." Ich seufzte. Und stand auf.

Thomas schleppte mich an diesem Abend zum Training. Sam war wie immer, sah auch wie immer super aus. Ich war super angekotzt. Nach dem Training rief Anne uns alle noch mal zusammen. "Normalerweise treffen wir uns ja Samstag in der Klause, ich schlag vor wir treffen uns stattdessen bei Andre, der hat nämlich Geburtstag." Das Team war einverstanden, "Okay", sagte ich. Ich verfluchte den Tag.

Am Freitagabend stand ich in Chris' Club. Ich hatte Thomas' Rat angenommen und sah mich nun nach einem anderen um. Ich stand seit ca. einer Stunde an der Theke, Sam war nicht zu sehen. Trotzdem konnte ich keinen Typen gut finden. Ich überlegte, ob ich wirklich schwul oder Bi war. Plötzlich fiel mir ein gutaussehender dunkelhaariger Kerl auf. Nicht dass ich ihn gut fand, er hatte nur einen großen Knutschfleck am Hals. Sam schlich sich wieder in meinen Kopf. Hatte der Typ mit ihm geschlafen, überlegte ich. Ich trank noch ein Bier. Dann noch eins.

Dann erschien Sam doch auf der Tanzfläche, er sah wie immer toll aus. Bei sich hatte er ein hübsches Mädchen, Mitte Zwanzig. Die Beiden tanzten. Ich kochte vor Eifersucht. War er etwa Bisexuell? Wollte er mich deswegen nicht, war das seine Freundin? Ich trank noch ein Bier. Und noch eins. Ich trank zuviel.

Irgendwann war ich echt voll. Ich schwankte von der Theke weg. Mir war übel. Alles drehte sich. Plötzlich kamen zwei riesige Kerle und geleiteten mich nach draußen. Mir war nicht mehr übel. Ich musste mich wohl übergeben haben. Draußen stand ich einen Moment herum, ich versuchte klarzukommen. Ein Typ kam auf mich zu, umarmte mich kurz. Bevor ich begriff, dass er mich umarmte, ließ er mich schon wieder los. Hat sich wohl vertan, dachte ich und setzte mich auf die Treppenstufe. Jemand rannte an mir vorbei, ich hörte wildes Gehupe. Ich blickte nicht mehr durch. Ich legte mich auf den Gehweg, rollte mich zusammen und schlief ein.

Als ich wach wurde, war mir übel. Ich lehnte mich zur Seite und fand Gott sei Dank einen Eimer. Nach einigen Minuten war ich in der Lage mich umzusehen. Ich war nicht zuhause. Ich lag auf einem Sofa. Ich erkannte Sams Wohnung. Ich machte meine Augen wieder zu. Wieder drehte sich alles. Ich blinzelte. "Du lebst also noch", hörte ich Sams tiefe Stimme. Es dröhnte in meinem Kopf. "Etwas", brachte ich gequält hervor. "Ich hab dir n Tee und ne Brühe hingestellt. Musst mal gucken, ob's noch warm genug ist", sagte er nun leiser.

Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich einigermaßen klar kam. Ich versuchte den Tee. Um die Brühe machte ich einen Weiten Bogen. Sam war in der Küche. Ich überlegte, wie spät es wohl war und wie ich auf Sams Sofa kam. Plötzlich kam das hübsche Mädchen durch die Tür. Sie trug einen Pyjama. Ich befürchtete einen Herzinfarkt. "Hi", sagte sie. "Andreas richtig? Geht's dir wieder besser?" Ich nickte und musste grinsen, "Ich hab nur den totalen Filmriss." Sie lachte. "Echt? Du weißt nix mehr, obwohl dein…", sie verstummte, weil Sam durch die Tür kam und einen Finger auf seine Lippen legte. "Was?", fragte ich. "Später, du musst erstmal wieder klar kommen", erwiderte Sam. "Ich komme klar, was ist passiert?", versuchte ich etwas zu erfahren. "Ich sag's dir, wenn du die Brühe ausgetrunken hat und dich aufrecht hinsetzen kannst", versprach Sam. Ich trank so schnell ich konnte die eklige Brühe aus. Mit dem Hinsetzen klappte es nicht auf Anhieb, doch irgendwann klappte es, ohne dass mir schwindelig wurde. Das Mädchen hatte sich mittlerweile als Susan vorgestellt. "Was ist passiert?", fragte ich nun. Sam seufzte, "Dein Auto wurde gestern fast geklaut. Du hast wohl so nem Typen deinen Schlüssel gegeben." Ich schüttelte den Kopf, niemals hatte ich das getan. Sam fuhr fort, "Wir hatten gesehn, dass du raus begleitet wurdest. Dann sind wir dir hinterher. Und draußen vor der Tür sah ich wie der Typ von dir weg ging. Erst als ich sah, wie er mit seinen Kumpels im Auto saß und losfahren wollte, begriff ich, dass was nicht stimmte. Ich rannte hin und zerrte ihn aus der Karre." Susan erklärte weiter, "Die Typen sind abgehauen, dein Auto ist im ganzen okay, ein paar Kratzer nur." Ich japste. "Nur?", fragte ich. Ich versuchte aufzustehen, es klappte nix drehte sich. Ich suchte meine Schuhe. "Ich finde die und bringe sie um", knurrte ich. Susan nahm mich in den Arm. "Die Polizei war auch machtlos. Hey, es könnte schlimmer sein", versuchte sie mich zu trösten. Ich war kurz davor durchzudrehen. Susan fuhr fort, "Wir haben dich dann mit hierher genommen, du hast auf dem Gehweg gelegen und gepennt." "Okay", sagte ich fast tonlos, "Danke dafür. Ich muss jetzt los." Sam saß schweigend auf dem Sessel. Er sah zu Boden, ich konnte sehen, wie seine Kiefermuskeln arbeiteten. Ich zog meine Schuhe an und verließ die Wohnung. Susan kam mir nach, "Ich brauche noch Kippen, stört's dich, wenn ich dich begleite?", fragte sie. Ich schüttelte den Kopf.

"Sam mag dich gern", begann sie. "Klar", antwortete ich sauer. "Er hat mich gefickt, mehr nicht." Ich erwartete Entsetzen auf Susans Gesicht. Doch sie sagte, "Ich weiß." Ich war echt angepisst, "Ihr führt ne reichlich kaputte Beziehung, wenn dir das nichts ausmacht." "Tun wir nicht", verteidigte sie sich. "Er ist mein Bruder." Ich schluckte trocken. Nachdem ich eine Weile geschwiegen hatte, sagte ich: "Sorry, ich dachte du wärst seine Freundin." Wir gingen los.

"Er spricht die ganze Zeit von dir", fing Susan wieder an. "Warum lässt er mich dann so auflaufen? Er sagt er will keine Beziehung, er geht fremd, sagt er.", erklärte ich. "Er hat Angst. Sein letzter Freund war ein Arschloch. Es hat ewig gedauert, bis er sich getrennt hat. Henk hat ihn betrogen, er war so oft total am Ende", sie verdrehte die Augen." Jetzt traut er sich nicht, jemanden an sich rankommen zu lassen. Ich kenne ihn, er ist treu." Sie zündete sich eine Zigarette an, ich nahm sie ihr ab, nahm einen Zug. "Er quält mich", seufzte ich. "Er macht das nicht mit Absicht. Er hat kein anderes Thema, außer dir. Er glaubt du wärst zu jung für ihn, Würdest dir bald n anderen suchen.", sagte sie. "Er gibt mir keine Chance. Ich würd's auf n Versuch ankommen lassen", meinte ich. Susan verabschiedete sich, ging Richtung Automat. Ich kam zu dem Parkplatz. Mein Auto stand einsam und allein herum. Mein Herz klopfte wie wild, als ich mich meinem Schatz näherte. Die Kratzer an der Tür waren echt fies und groß. Ich seufzte und streichelte ihm über die Kratzer, "Mein Armer", sagte ich. Ich hasste diesen Umarmwichser.

Zuhause waren meine Eltern in der Küche. Ich ging zu ihnen. Sie gratulierten mir zum Geburtstag, ich hatte es schon vergessen. "Wo ist Eve?", fragte ich. "Die ist noch bei Danja", antwortete meine Mutter. "Ich muss mit euch reden", begann ich. Meine Eltern saßen am Tisch, aßen zu Mittag. "Schieß los", verlangte meine Mutter. "Ich habe mich in einen Mann verliebt." Die Mundwinkel meiner Mutter zuckten, sie legte das Besteck beiseite. Mein Vater biss sich auf die Unterlippe. Beide schwiegen. Ich war unschlüssig, "Keine Ahnung. Vielleicht bin ich auch Bisexuell, ich weiß es nicht. Aber wenn ich bei ihm bin, fühlt sich alles so richtig an." Meine Mutter fauchte plötzlich, "Aber es ist falsch und das weißt du auch." Ich wusste keine Antwort. "Wir haben doch immer versucht, alles richtig zu machen und was tust du uns an?", fragte sie. Mein Vater mischte sich nun ein, "Mir tut er gar nichts an!", wies er meine Mutter zurecht. "Und bei dir harkt's wohl aus. Der Junge braucht kein schlechtes Gewissen haben. Er weiß doch selbst grad nix." Meine Mutter sah mich hilflos an. "Ich kann's ja nicht ändern", flüsterte ich und hatte tatsächlich ein schlechtes Gewissen. "Nein, aber gut, dass du's uns gesagt hast", mein Vater stand auf und umarmte mich. Meine Mutter vermied es, mich anzusehen. "Gib ihr n bisschen Zeit", beschwor mein Vater mich. Ich nickte und verließ die Küche. Ich duschte, zog mich um und ging einkaufen. Ich musste ja irgendwas heute Abend da haben.

Ich richtete unseren Garten zum Feiern aus. Thomas kam am Nachmittag vorbei und half mir. Ich erzählte ihm von Susan. Er sah es optimistisch: "Schmeiß dich ran", riet er. "Irgendwann gibt er nach." Ich glaubte nicht so recht daran.

Erst recht nicht, als er nicht kam. Das ganze Team trudelte nach und nach ein, nur Sam kam nicht. Anne sagte, dass sie Sam nicht hatte erreichen können. Ich versuchte meine Laune nicht verderben zu lassen, alle waren gut drauf. Der Garten war voll mit Leuten. Es war schon spät und einige der Leute waren schon gegangen, eigentlich waren nur noch meine guten Freunde da, da erklärte ich, "Ich hab es heute schon meinen Eltern gesagt, ich habe mich in einen Mann verliebt." Thomas grinste. Anne fragte: "Jetzt echt?" Ich nickte. "Heftig, dann bist du also schwul?", fragte Jenny. Ich zuckte mit den Schultern, "Keine Ahnung, vielleicht bin ich auch Bi. Jedenfalls hab ich mich vorher nicht für Kerle interessiert." Ich trank meinen letzten Schluck Bier aus. Sofort fragten alle in wen ich verliebt war. Doch ich sagte es nicht, ich behauptete, sie könnten ihn nicht kennen.

Mein Bier war leer und ich ging in den Schuppen, um ein Paar neue Flaschen zu holen. Mein Blick traf zufällig auf die Einfahrt, wo mein Auto stand. Jemand saß vorne auf der Haube. Ich stellte die Flaschen auf den Boden und ging zu ihm hin. Sam saß schweigend da und blickte in den Himmel. "Tut mir leid, ich habe die Kratzer in deine Tür gemacht, Beim Versuch den Kerl raus zu ziehn", erklärte er. Ich wüsste nicht was ich tun sollte, ich steckte die Hände in die Taschen. "Macht nix, besser ein Auto mit Kratzer als gar kein Auto", sagte ich. Sam sah weiter in den Himmel. "Willst du was trinken?", fragte ich. Er schüttelte den Kopf. Ich sah ihm kurz schweigend zu. Dann sagte ich, "Wir sind hinten im Garten wenn du Lust ha", er unterbrach mich.

"Ist es wahr? Du hast es deinen Eltern gesagt?", fragte er. Noch immer sah er zu den Sternen. "Ja, ich bin nun mal verliebt", antwortete ich. "Ich versteh nicht warum", das erste Mal sah er mich an. Seine Augen leuchteten etwas. "Ich hab dich behandelt wie n Arsch. Mich aufgeführt wie n Macho und trotzdem bist du so sehr in mich verliebt, dass du dich sogar outest." Er atmete tief ein. "Kann man machen nix", sagte ich und zuckte mit den Schultern. Sam rutschte von der Haube und stand nun vor mir. "Ich bin fast zehn Jahre älter als du. Ich bin n Lügner. Ich habe im letzten Jahr mehr Typen gehabt, als in einen Bus passen. Ich kann so unausstehlich sein. Wofür tust du dir sowas an?", fragte er verzweifelt. Ich trat näher an ihn heran, sah ihm tief in seine wunderschönen Augen und flüsterte, "Dafür." Und dann küsste ich ihn vorsichtig. Er erwiderte meinen Kuss. Als wir aufhörten, flüsterte Sam, "Und es macht dir nix aus, dass ich 28 bin?" Ich schüttelte den Kopf. Sam lächelte: "Versprich, dass du treu bist." Er lehnte seine Stirn gegen meine. "Ich verspreche es", hauchte ich. Sam küsste mich wieder, "Alles Gute zum Geburtstag." Er blickte auf seine Uhr und grinste, "Nachträglich." Er war so süß. "Wolln wir jetzt zu den anderen gehen?", fragte ich. Sam nickte. Er nahm meine Hand und wir gingen in den Garten.

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