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Just a step away

Teil 3 - Es könnte doch so einfach sein

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Informationen

Vorwort

Hallo liebe Nistler,

Ich hatte das Schreiben vom 3. Teil jetzt etwas hinausgezögert, zumindest das Schreiben der zweiten Hälfte, sodass ich vollkommen vergessen habe, wie der 3. Teil weitergehen sollte.

Meinen Notizzettel, wo ich das stehen hatte, scheint auch irgendwer gefressen zu haben, daher ist der 3. Teil jetzt recht kurz geraten, da ich jetzt auf Zwang nicht irgendetwas runterleiern wollte, nur damit es passt.

Das, was ich von Teil 3 schon fertig hatte, ist aber das, was sowieso, wenn ich lese, wie ich die Story weiterschreiben will, das Wichtige an Teil 3 ist, daher ist das in meinen Augen jetzt nicht so schlimm, und würde ich es euch nicht sagen, würdet ihr es nie erfahren.

Teil 4 wird wieder länger werden, versprochen (da hab ich auch noch meine Notizen).

Auch werde ich den nächsten Teil wieder wie die ersten beiden an einem Stück schreiben und nicht einfach mal eine Woche zur Seite legen.

Es könnte doch so einfach sein

Hatte er sich das nur eingebildet, oder hatte Jan ihn wirklich im Matheprobeabi immer wieder heimlich angesehen? Und selbst wenn, könnte das nicht auch Zufall gewesen sein?

Felix war verzweifelt. In den letzten 1 ½ Jahren war eine Veränderung in ihm vorgegangen. Stück für Stück, erst langsam, fast unbemerkt, dann schneller hatte er sich verliebt, doch das war nicht das, was ihn zunächst erstaunte. Er hatte sich in einen Jungen verliebt, nein, nicht in irgendeinen, in Jan. Den süßesten, liebenswertesten Jungen, nicht nur seiner Klasse, sondern der ganzen Welt.

Immer wieder saß er einfach nur träumend da, stellte sich vor, wie er und Jan zusammenkämen, wie sie zufällig herausfänden, dass der jeweils andere sich verguckt hatte, wie sie gemeinsam Zeit verbrachten, wie sie sich Nähe schenkten. Einfach füreinander da waren, sich im Arm hielten, zusammen einschliefen.

Doch nein, Jan konnte nicht schwul sein, das wäre zu schön, um wahr zu sein. Vor allem da ihm, Felix-Hendrik, wenn es einen schönen und einen anstrengenden, traurigen Weg gab, meist nur der zweite Weg offenstand. So war es schon so oft gewesen. Immer wieder gab das Leben ihm eine Zitrone, und immer wieder biss er hinein, kämpfte sich aus der Dunkelheit, aus dem Tief.

Aber da war die Mathe Klausur vorhin. Er konnte sich nicht sicher sein, aber dennoch schien es so, als würde Jan ihn immer wieder ansehen, dann lächeln und beschämt wegschauen. Das war doch recht eindeutig, oder nicht? War es vielleicht doch Einbildung? Konnte es sein, dass Jan in die Luft geschaut hatte, dann auf ‘nen guten oder witzigen Gedanken kam, daher lächelte und dann einfach weiterschrieb?

Es wär so schön, wenn es so wäre, doch Felix wusste, dass selbst wenn Jan auch schwul wäre, was statistisch gesehen sowieso unwahrscheinlich war - immerhin sind demnach ja nur 1-2 Leute aus der Klasse homosexuell, und die Möglichkeit, dass selbst wenn es eine zweite Person gäbe, diese ein Mädchen sein könnte, konnte er ja nicht ausschließen - wie wahrscheinlich war es dann, dass Jan der andere war? Und selbst wenn, niemand konnte sagen, dass nur weil Jan schwul war, Jan sich dann auch in Felix verliebte Das Ganze ist wie ein 6er im Lotto plus Zusatzzahl, dachte sich Felix.

Es machte ihn traurig, dass er alleine war, er war einsam geworden, seit er festgestellt hatte, dass er nicht auf Mädchen stand. Klar, er hatte Erfahrungen mit Mädchen gesammelt, aber immer hatte ihm etwas gefehlt, es hatte ihn nie erfüllt. Und dann irgendwann, als Jan in seine Klasse kam, merkte er es langsam. Seitdem war er still geworden, hatte Angst, wie die anderen reagieren würden. Zuerst hatte er auch Angst vor sich selbst, konnte es nicht verstehen, akzeptieren. Doch seine Gefühle für Jan waren stärker, und auch wenn er immer noch Angst hatte, wie die anderen reagieren würden, so hatte er es für sich selbst doch akzeptiert.

Wie gerne hätte ich Jan jetzt bei mir, dachte er bei sich, dann wäre mein Nachmittag nicht dazu verdammt, in sinnlosen Träumereien und Selbstmitleid zu versinken. Er wusste, er würde nur Gewissheit haben, wenn er Jan direkt darauf ansprechen würde, aber das konnte er nicht. Wenn Jan nun ablehnend reagieren würde, vielleicht sogar beleidigend, sein ganzes Leben wäre zerstört.

Immer wieder dachte er sich: Mit Jan kann es doch eh nichts werden, wieso schau ich mich nicht einfach nach jemand anderem um? Doch immer wieder merkte er, dass er von anderen nichts wollte, und machte einen Rückzieher. Er wollte Jan. Er wollte diese für ihn noch unbekannte Welt mit Jan erkunden.

Es war ein Wunschtraum.

Sein Blick wanderte durch sein Zimmer, es wurde ihm zu klein, bedrückte ihn, es war kein Ort der Freude, an dem er gerne war, und dennoch der Platz auf der Welt, wo er am meisten Zeit verbrachte, wo niemand seine Gedanken störte.

Er schaute auf die Uh. Noch immer lag ein Großteil des Nachmittags vor ihm, und seine Laune war schon am absoluten Nullpunkt angelangt. Plötzlich bemerkte er auf seinem Schreibtisch ein Buch: „Frank Schätzing – Der Schwarm“ .Es war ihm von Jan einmal, als sie sich unterhalten hatten, empfohlen worden, doch bisher hatte er es nicht geschafft, darin zu lesen. Nun wollte er das nachholen.


Einige hundert Seiten später stellte er fest, dass das Buch ihn so sehr in seinen Bann gezogen hatte, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie es dunkel geworden war, und noch viel eher, dass der nächste Tag schon begonnen hatte.

Er freute sich. Endlich mal wieder ein Nachmittag, der nicht ganz für die Mülltonne war. An dem er nicht nur über die verlorene Liebesmüh zwischen sich und Jan nachgedacht hatte, an dem er endlich mal wieder mit ganzem Herzen und voller Konzentration in eine Geschichte eingetaucht war. Etwas, das er schon lange nicht mehr geschafft hatte. Mag sein, dass es daran lag, dass Jan ihm das Buch empfohlen hatte und er einen Gesprächsaufhänger suchte, oder dass es wirklich nur die Story des Buches selbst war, die ihn fesselte. Er hatte noch einiges an Lesestoff vor sich, und das war das Wichtigste, so waren die nächsten 2-3 Nachmittage auch gerettet.

Er legte das Buch zur Seite und zog sich zum Schlafen um, putzte Zähne und schaltete das Licht aus. Als er es sich gerade im Bett bequem machte, gingen ihm einige Zeilen durch den Kopf.

*Müd bin ich nu

Leg mich zur ruh

Etwas das ich täglich tu

Computer aus

Der Stecker raus

Der Wecker ist gestellt

Und nach sanftem Schlummer ich erwacht

Aus einer durchgeträumten Nacht

Geweckt vom Wecker, sacht

Der Tag beginnt

Die Zeit verrint

Die Dunkelheit ist fern, doch nah*

Und während er sich noch fragte, woher er diese Zeilen kannte,schlief er ein.

Er träumte von Jan, wie er den Mut fand, Jan zu sagen, was er empfand. Wie er all seine Gefühle offenlegte, all seinen Mut zusammennahm und Jan dann einfach, bevor der antworten konnte, küsste. Es war ein glücklicher Traum. Felix wollte vor Freude am liebsten fliegen.

Doch plötzlich kam alles anders. Jan antwortete, verspottete Felix, schrie ihn an, beschimpfte ihn, sagte, er würde es allen sagen, und Felix würde schon sehen, was er davon hätte, wenn er als Schwuchtel jemand anderes anmachen würde. Zuletzt verprügelte Jan ihn einfach nur noch.

Felix fuhr hoch. Es war einfach zu real gewesen. Zuviel, zu schnell, zu heftig. Er hatte Angst. Trotzdem es nur ein Traum war, saß ihm der Schreck in den Gliedern. Er konnte nicht mehr, ließ einfach seinen Tränen freien Lauf, solange bis er wieder schlief, diesmal traumlos.

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