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Der verlorene Sohn

Teil 6 - Daniels Tagebuch

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Ungläubig hielt ich Daniels Notiz in den Händen und las mir die Zeilen immer wieder durch. Ich konnte es nicht glauben, ich hatte es tatsächlich gefunden und hielt Daniels Tagebuch in meinen Händen. Ich hatte so viele offene Fragen, auf die ich hoffte jetzt endlich Antworten zu erhalten. Jetzt, da ich am Ziel meiner Suche angelangt war, übermannten mich meine Gefühle und ich konnte meine Tränen nicht länger zurückhalten. Rahel reagierte sofort und nahm mich fest in ihre Arme.

“Ich kann es einfach nicht glauben Rahel, ich habe es tatsächlich gefunden, ich habe Daniels Tagebuch gefunden”, sagte ich mit tränenerstickter Stimme.

“Ja ich weiß. Endlich bekommst du Antworten auf deine Fragen und die quälende Ungewissheit, nicht zu wissen, was genau mit Daniel geschehen ist, hat ein Ende. Du musst es lesen.”

“Ja, ich weiß. Aber jetzt, da ich es endlich gefunden habe, habe ich auf einmal Angst vor dem Inhalt.”

“Das kann ich ja auch verstehen, aber nichts ist schlimmer als diese quälende Ungewissheit zu haben. Du brauchst endlich Antworten auf deine Fragen, sonst wirst du nie deinen Frieden finden.”

“Du hast ja Recht, aber dennoch habe ich eine scheiß Angst. Kannst du vielleicht hier bei mir bleiben und das Tagebuch mit mir gemeinsam lesen?”

“Klar, wenn du das möchtest, bleibe ich hier.”

“Ja bitte, ich pack das nicht alleine.”

Mit zitternden Händen schlug ich das Tagebuch auf und begann zu lesen:

Sonntag, 17.Dezember

Nach der Versammlung war Max heute bei mir, er steigt einfach in Mathe nicht durch und ich musste ihn mal wieder Nachhilfe geben, damit er in der Prüfung morgen nicht komplett versagt:-) Puh, das war echt eine schwere Geburt, was Mathe betrifft, kann er echt ganz schön begriffsstutzig sein, aber ich hoffe, dass am Ende doch ein bisschen was hängen geblieben ist und er morgen zumindest mit einer 4 durchkommt. Wird schon schief gehen:-) Nach der Nachhilfe haben wir noch ein wenig Musik auf meinem Zimmer gehört und Max hat mir mal wieder von Julia vorgeschwärmt. Er hat sie auf dem letzten Kreiskongress kennengelernt und dort haben sie dann Nummern ausgetauscht und seitdem telefonieren sie regelmäßig - kotz. Naja, auf jeden Fall wollen sie sich nächstes Wochenende treffen, sozusagen für ihr erstes Date. Max ist schon mächtig aufgeregt und will unbedingt, dass ich mitkomme, weil Julias Freundin Linda wohl angeblich auch ein Auge auf mich geworfen hat. Ich habe die Alte ja schon damals auf dem Kongress kennengelernt und finde sie echt nervig. Ich habe ungefähr soviel Bock auf ein Treffen mit ihr, wie auf eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt, aber da ich Max nichts ausschlagen kann, habe ich zugesagt ihn zu begleiten.

Das hast du ja wieder ganz toll hinbekommen Daniel Hellmann. Fortsetzung folgt ...

Montag, 18. Dezember

So, die Matheklausur wäre überstanden und sie war auch echt machbar. Selbst Max meint, dass er ein ganz gutes Gefühl hat, was aber bei ihm noch lange nichts heißt:-)

Luca wurde heute auf dem Nachhauseweg von der Schule wieder von Leon und seinen Freunden herumgeschubst, gegen die muss echt mal jemand was unternehmen. Ich wollte es sofort Papa sagen, aber Luca hat mich angefleht, es für mich zu behalten. Also halte ich mal wieder dicht, was soll ich auch anderes machen. Am liebsten würde ich mir die Penner echt mal einzeln packen und sie so richtig verdreschen, die fühlen sich immer ganz stark, wenn sie zu dritt gegen einen sind. Ich wünschte Luca wäre bei mir und Max auf der Schule, dann könnten wir immer ein Auge auf ihn haben. Aber Papa lässt ja in diesem Punkt mal wieder nicht mit sich reden und meint, dass es für Luca besser ist, dort auf sich alleine gestellt zu sein, um endlich seine Menschenfurcht zu überwinden - so ein ausgemachter Schwachsinn.

Vielleicht würde er anders darüber denken, wenn er wüsste, welche Hölle Luca dort tagtäglich durchleben muss, aber Luca will ja nicht, dass er etwas davon erfährt. Naja, ich werde auf jeden Fall ein Auge darauf haben ...

Freitag, 22. Dezember

So endlich geschafft, wir haben 2 Wochen Weihnachtsferien. Zum krönenden Abschluss gab es heute auch noch die Matheklausur zurück. Ich habe 14 Punkte und bin echt zufrieden und sogar Max war von seinen 7 Punkten hellauf begeistert, also hat die Nachhilfe wohl doch etwas gebracht. Morgen früh machen Max und ich uns mit dem Zug auf den Weg nach Oberstadt um Julia und Linda zu treffen. Max ist schon richtig aufgeregt und will unbedingt mit Julia zusammenkommen. Außerdem hofft er wohl, dass gleichzeitig Linda und ich ein Paar werden, aber da werde ich ihn wohl enttäuschen müssen, denn Linda und ich - das geht gar nicht, aber gut, ich lass ihn mal sein Wunschdenken ...

Samstag, 23. Dezember

So, das schreckliche Doppeldate mit Julia und Linda ist überstanden. Schon die ganze Zugfahrt über hat mich Max mit seiner Nervosität genervt, und als die beiden uns dann am Bahnsteig abgeholt haben, hat Max vor lauter Aufregung kaum ein Wort herausbekommen. Damit wir nicht die ganze Zeit über das “Schweigen der Lämmer” spielen, war es an mir die Mädels zu bespaßen. Erst haben sie ein wenig Sightseeing mit uns gemacht und uns ihre Stadt gezeigt und am Nachmittag waren wir dann noch im Kino in einer unerträglich schmalzigen Schnulze - kotz.

Linda findet mich leider anscheinend ganz toll und hat den gesamten Film über versucht, mir näher zu kommen. Erst hat sie ganz beiläufig mein Knie gestreift, ich habe natürlich so getan, als ob ich davon nichts bemerkt hätte. Aber als dann ihr Gesicht immer näher gekommen ist und ich schon fast ihre Lippen auf meinen gespürt hatte, habe ich dann doch die Notbremse gezogen und ihr, ganz aus Versehen natürlich, meine Cola über den Schoß gekippt:-)

Ich entschuldigte mich natürlich artig, aber ihre romantische Stimmung war trotzdem dahin und ich konnte mich endlich entspannen. In der Zwischenzeit saßen Max und Julia total verkrampft im Kino nebeneinander und aus dieser Ecke passierte damit zum Glück auch nichts mehr. Nachdem die Mädels uns wieder zum Zug gebracht hatten, war Max total geknickt, dass sein Date so mies gelaufen war und ich hatte wirklich Mühe, ihn wieder aufzubauen. Ich hoffe, dass das Thema Julia damit endgültig abgehakt ist und er mich nicht nochmal zwingt dahin zu fahren. Am Abend wollte mein kleiner, nerviger und furchtbar neugieriger Bruder natürlich wieder alle Details über unser “Doppeldate” wissen. Da ich vor Luca keine Geheimnisse habe, erzählte ich ihm die ganze Geschichte und vor allem über die Stelle mit der verschütteten Cola, lachte er sich schlapp. So jetzt erst mal Schluss für heute, war ein langer Tag und morgen früh steht ja wieder Versammlung an ...

Sonntag, 24. Dezember

So, Heiligabend mal wieder überstanden, natürlich wurden wir auch in diesem Jahr mal wieder reichlich beschenkt, nämlich gar nicht:-) Ja ich weiß, dass Weihnachten ein fest heidnischen Ursprungs ist und wir es deswegen nicht feiern, aber mich würde echt mal interessieren, wie das so in einer normalen Familie läuft, wie es ist, Weihnachten zu feiern, immerhin freuen sich ja alle immer so darauf, also ist bestimmt schön. Naja, diese Frage werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr klären:-)

Montag, 25. Dezember

Heute waren wir mit der ganzen Clique auf der Eisbahn, war echt cool. Wir haben uns alle gegenseitig über das Eis gejagt und “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann” gespielt, wenn ich genau darüber nachdenke ein ziemlich rassistischer Titel für ein Kinderspiel:-) Naja, der Verlierer musste auf jeden Fall immer einen Glühwein trinken, und da Max ein echt total mieser Eisläufer ist, musste er schon einige kippen und war dementsprechend schnell blau. Ich als sein bester Kumpel habe mich natürlich geopfert und ihn nach Hause gebracht. Wir hatten echt Glück, dass seine Eltern die Weihnachtsfeiertage über seine Großeltern besuchen und somit nicht zu Hause waren. Mit seinen Klamotten konnte er natürlich nicht schlafen, also habe ich ihn bis auf die Unterhose ausgezogen - eigentlich keine große Sache, immerhin sind wir wie Brüder aufgewachsen und haben uns schon oft so gesehen. Aber als ich ihn dann ins Bett brachte, ist etwas wirklich komisches passiert: Max hat genuschelt, dass ich sein allerbester Freund auf der ganzen Welt bin und dann hat er mich plötzlich geküsst - mitten auf den Mund. Und wir reden hier nicht von so einem Gute Nacht Bussi, sondern einen richtigen, mit Zunge und dem vollen Programm. Ich war total geschockt, habe wie mechanisch mitgemacht und kurz darauf war er auch schon eingeschlafen, aber davor hat er noch gesagt, dass er mich liebt. Ich weiß jetzt nicht genau, was ich davon halten soll, und schiebe es einfach mal auf zu viel Glühwein:-)

Dienstag, 26. Dezember

Verdammt, ich habe letzte Nacht von Max und mir geträumt, wie wir uns geküsst haben und anschließend hatten wir Sex - also im Traum. Als ich aufgewacht bin, hatte ich meine ganze Unterhose vollgewichst. Scheiße - was ist nur auf einmal mit mir los? Dieser Kuss gestern hat mich irgendwie total aus der Bahn geworfen. Erstens bin ich nicht schwul und zweitens, was noch viel wichtiger ist, es handelt sich um Max, meinem besten Kumpel seit je her. Naja, ich versuche einfach diesem Traum nicht weiter große Beachtung zu schenken. Heute Nachmittag war ich dann noch bei Max und er kann sich an den gestrigen Zwischenfall offenbar überhaupt nicht mehr erinnern, denn außer, dass er ein wenig verkatert war, war er wie immer. Also habe ich ihm davon auch nichts erzählt, am besten vergesse ich die Sache so schnell wie möglich wieder ...

Freitag, 29. Dezember

Max ist heute mit seinen Eltern in den Skiurlaub gefahren und kommt erst am Wochenende vor Ferienende zurück. Ist vielleicht auch besser so, denn unser Kuss spukt mir immer noch im Kopf herum und auch die Träume mit ihm als Hauptdarsteller kommen immer wieder. Max ist bereits aufgefallen, dass ich mich die letzten Tage echt seltsam und verkrampft ihm gegenüber verhalten habe und hat mich heute vor seiner Abfahrt auch noch darauf angesprochen. Ich habe natürlich so getan, als wüsste ich nicht wovon er redet, aber ich bin mir nicht sicher, ob er mir das abgekauft hat. Naja, wie auch immer - ein bisschen Abstand wird uns bestimmt gut tun.

Ach ja, außerdem wurden heute alle zu Finns Silvesterparty eingeladen, wird bestimmt ganz lustig...

Montag, 01. Januar

So, bin einigermaßen gut in das neue Jahr gestartet. Gestern war also Finn’s Silvesterfeier und die war eigentlich ganz cool. Seine Eltern waren selbst wo eingeladen, so dass wir sturmfrei hatten, allerdings erwarteten sie, dass um spätestens 1 Uhr unsere Feier beendet ist. Wir durften sogar ausnahmsweise alle bei den Bachmanns übernachten. Also Rahel und Lea im Gästezimmer und wir Jungs in Finn’s Zimmer. Den ganzen Abend hatte Rahel mal wieder nur Augen für Luca, aber der schien davon mal wieder gar nichts mitzubekommen. Daher beschloss ich, als alle schon ein wenig Alkohol intus hatten, dem jungen Glück ein wenig Starthilfe zu geben und schlug Flaschendrehen als Spiel vor. Und dreimal dürft ihr raten was ich von Luca verlangt habe, als er mit Pflicht an der Reihe war? Genau - Rahel zu küssen. Luca hat sich auch wirklich nicht gedrückt, aber der Kuss war doch eher sehr jugendfrei:-) Aber egal Rahel schien es gefallen zu haben, denn sie hatte dann für den Rest des Abends ein seeliges Grinsen auf ihren Lippen. Naja, mal beobachten, wie es mit denen beiden weitergeht ...

Dienstag, 02. Januar

Hatte heute ein echt gutes Tennismatch mit Luca. Der kleine ist echt gut geworden und hat mich heute tatsächlich zum ersten Mal geschlagen. Der kleine Penner:-) Nein Quatsch, ich gönne es ihm, er hat sich auch total süß darüber gefreut:-) Naja, beim Duschen habe ich ihn auf jeden Fall gefragt, ob da was zwischen ihm und Rahel läuft. Er war ganz entsetzt und hat es vehement abgestritten. Er meinte, sie wäre wie eine Schwester für ihn. Naja, ob Rahel das genauso sieht, bleibt anzuzweifeln:-) ...

Samstag, 06.Januar

Max ist heute aus dem Skiurlaub zurückgekehrt und es war wieder wie immer zwischen uns. Der Abstand hat uns offenbar gut getan. Die Sache mit Julia hat sich jetzt übrigens erledigt: Max hat sie heute angerufen und gefragt, ob sie sich mal wieder treffen wollen und sie hat ihm einen Korb gegeben und gemeint, dass er und sie wohl nicht so gut zusammen passen würden. Strike - damit hat sich das leidliche Thema Julia wohl endgültig erledigt. Max ist ganz schön geknickt deswegen, aber ich werde es schon schaffen, ihn wieder auf andere Gedanken zu bringen ...

Sonntag, 14.Januar

Die Schule hat wieder angefangen und wir haben die erste Woche halbwegs gut überstanden. Luca hat sich eine Woche Hausarrest eingebrockt, da er sich, als er mit Papa im Predigtdienst war, geweigert hat, bei Leon zu klingeln. Mein Vater hatte für diese “Menschenfurcht” überhaupt kein Verständnis, aber er weiß ja auch nichts vom Mobbing durch Leon. Am liebsten hätte ich Papa alles erzählt, aber ich habe Luca nun mal versprochen, dass ich dicht halte. Ich habe versucht Luca davon zu überzeugen, jetzt endlich auszupacken, aber er meint, dass dann alles nur noch schlimmer wird. Armer Luca, ich würde ihm so gern helfen, aber ich weiß echt nicht wie ...

Sonntag, 28. Januar

Hatte die letzten 2 Wochen viel um die Ohren, haben gleich 4 Klausuren geschrieben, durch die Max und ich eigentlich ganz ordentlich durchgekommen sind. Mach mir ein bisschen Sorgen, da die Träume mit Max als Hauptdarsteller wieder angefangen haben. Man, was ist bloß los mit mir? Gestern hatte Max sturmfrei und da haben wir uns heimlich einen Pornofilm aus der Videothek ausgeliehen und zusammen gewichst. Max fand das Filmchen voll geil und hat dann auch in Rekordzeit abgespritzt. Naja, ich persönlich fand den Film jetzt nicht so prickelnd und habe gruseligerweise mehr auf Max, als auf den Film geachtet. Vielleicht sollte ich mir langsam echt Sorgen machen?

Samstag, 10. Februar

So, eine Woche Faschingsferien stehen an und ich bin froh, dass ich nach dem ganzen Schulstress in der letzten Zeit mal durchschnaufen kann. Unsere Clique hat den Ferienbeginn auch gebührend gefeiert, indem wir mit dem Zug nach Großstadt gefahren sind, um das dortige Erlebnisbad zu besuchen. Es war echt mega. Das Schwimmbad hat 10 verschiedene Rutschen, von denen einige echt heftig sind. Eine Rutsche hat sogar die Zeit gestoppt und Luca musste daraus natürlich mal wieder einen Wettbewerb machen. Also sind wir Jungs um die Wette gerutscht und hatten eine Menge Spaß dabei, die Mädels haben natürlich mal wieder ungläubig den Kopf über uns geschüttelt:-) Am Ende war Finn siegreich und war natürlich stolz wie Oscar:-)

Sonntag, 18. Februar

Eine Woche Ferien sind leider schon wieder vorbei und ab morgen hat uns der Schulalltag wieder, kotz. Besonders Luca tut mir Leid, denn er ist wieder mal total geknickt, morgen wieder in die Schule zu müssen. Ich meine, ich habe immerhin Max an meiner Schule, ja sogar in meiner Klasse und eigentlich werden wir dort auch akzeptiert, aber Luca ist der einzige Zeuge an seiner Schule und hat es dort echt nicht leicht. Habe die Woche mit Max Tennis gespielt und ihn wieder mal abgezockt. Anschließend waren wir duschen und Max hat mich gefragt, ob ich ihm den Rücken einseifen könnte. Eigentlich keine große Sache, wir haben uns gegenseitig schon oft den Rücken eingeseift. Aber diesmal habe ich tatsächlich dabei einen Steifen bekommen!!! Das war mir so peinlich, dass ich ihm danach die ganze Zeit den Rücken zugekehrt habe und extra lang geduscht habe. Ich hoffe, dass er davon nichts mitbekommen hat, was soll er denn sonst von mir denken ...

Sonntag, 04. März

Fuck, er hat es schon wieder getan. Ich hab gestern bei Max übernachtet und naja, wir haben uns heimlich an der Hausbar bedient. Max hat es mal wieder zu gut gemeint und war relativ blau, aber auch ich war schon ganz gut dabei. Auf jeden Fall haben wir uns dann bettfertig gemacht und die ganze Zeit dabei gekichert - ein Wunder, dass seine Eltern davon nichts mitbekommen haben. Dann haben wir ein bisschen rumgealbert und angefangen uns gegenseitig durchzukitzeln. Plötzlich liegt er auf mir drauf, hält meine Arme fest und beginnt mich zu küssen. Erst ganz zart und dann immer stürmischer, bis wir am Ende richtig geknutscht haben. Und dann ist er währenddessen plötzlich eingeschlafen. Ich war dann aber noch so geil, dass ich mir bei ihm im Bett einen gewichst habe. Am nächsten Morgen hat sich Max wieder verhalten, als ob nie was vorgefallen wäre. Keine Ahnung, ob er sich wirklich an nichts mehr erinnert oder nur so tut, aber mir geht diese Nacht nicht mehr aus dem Kopf. Scheiße, ich glaube, ich bin in meinen besten Freund verliebt ...

Freitag, 23.März

Juhu, 2 Wochen Osterferien stehen an und ich bin nach wie vor im Gefühlschaos. Nach dem erneuten Kussvorfall habe ich natürlich versucht, Max einigermaßen aus dem Weg zu gehen - schwierig wenn man sogar in der Schule nebeneinander sitzt:-)

Mein komisches Verhalten blieb ihm natürlich nicht verborgen, so dass er mich direkt darauf ansprach. Nach einigen schwachen Ausreden, die er mir allesamt nicht abgekauft hatte, sagte ich ihm schließlich, was in jener Nacht vorgefallenen war, nur mein anschließendes wichsen ließ ich weg:-) Erst dachte er, ich will ihn auf den Arm nehmen, doch dann hat er mir doch geglaubt. Er meinte, er dachte davon nur geträumt zu haben und nicht, dass es tatsächlich passiert ist. Er war natürlich geschockt und entschuldigte sich in aller Form für seine Kussattacke auf mich. Damit war das Thema für ihn gegessen, ich wünschte bei mir wäre es auch so einfach ...

Sonntag, 08. April

So, auch 2 Wochen Osterferien sind schon wieder wie im Flug vergangen. Ich versuche schon die ganze Zeit gegen meine Gefühle für Max anzukämpfen, aber es wird eher schlimmer statt besser. Immer wieder laufen die Bilder aus dieser Nacht in meinem Kopf ab, ich kann sie einfach nicht vergessen. Ich kann einfach das Gefühl von seinen Lippen auf den meinen nicht vergessen. Ich weiß, dass solche Gefühle nicht normal sind und ja, ich weiß auch was die Bibel über Homosexualität sagt, aber ich kann diese Gedanken trotzdem nicht abstellen. Verdammt, ich stecke echt in der Scheiße ...

Sonntag, 22. April

Ich erwische mich immer häufiger dabei, über das Schwulsein nachzudenken. Ich frage mich, was Gott dagegen hat, wenn 2 Männer zusammen sind, die sich lieben. Ok, sie werden jetzt keine Nachkommen haben, aber sonst? Sucht man sich denn bewusst aus, schwul oder hetero zu sein - ich denke nicht. Und wenn jemand dann mit dieser “Veranlagung” geboren wird, dann kann er/sie doch eigentlich nichts dafür. Und wenn Gott Homosexualität verurteilt, wieso lässt er dann zu, das manche mit dieser Veranlagung geboren werden? Ok, man könnte argumentieren, dass wir schließlich nach dem Sündenfall alle unvollkommen sind, aber für einen Homosexuellen ist es doch dann viel schwerer als für einen Hetero ein Gottgefälliges Leben zu führen, immerhin muss der Schwule seine ganze Sexualität verleugnen. Also fair ist das auf keinen Fall ...

Sonntag, 06. Mai

Habe echt Mühe, Max immer noch nur den besten Freund vorzuspielen. Ich muss andauernd an ihn denken und wie er mich geküsst hat, ich kann einfach nichts dagegen machen. Ich beginne echt langsam, unsere Lehren und Bibelauslegungen anzuzweifeln. Ist Gott wirklich so grausam, von einem Menschen zu verlangen, sein ganzes Leben gegen seine Gefühle anzukämpfen und niemals glücklich zu werden? Ich weiß echt nicht mehr was ich glauben soll, ich stecke echt in einer fetten Glaubenskrise ...

Freitag, 18. Mai

Es ist endlich soweit. Wir haben 2 Wochen Pfingstferien und morgen fliegen wir in den Familienurlaub nach Portugal. Ich habe diese Auszeit auch dringend nötig. Ich freue mich darauf, die nächsten 2 Wochen weder an Max noch an die Schule zu denken und einfach mal Zeit mit meiner Familie, insbesondere mit Luca, zu verbringen. Wir fahren wie jedes Jahr zu der Zeit nach Albufeira an der Algarveküste. Wir gehen auch immer ins gleiche Hotel, was soll ich sagen, meine Eltern sind halt echte Gewohnheitstiere. Morgen geht's los, mein Koffer ist bereits gepackt und Luca hab ich auch eben noch geholfen, damit es morgen schneller geht:-) ...

Samstag, 19.Mai

So, sind endlich in unserem Hotel angekommen. Wie immer sind wir mit der Lufthansa nach Faro geflogen, dort wurden wir dann von unserem Reiseveranstalter abgeholt und in unser Hotel gefahren. Meine Eltern bewohnen ein Zimmer zusammen und ich mit Luca. Eigentlich wollte mein Vater 2 nebeneinander liegende Zimmer mit Verbindungstür haben, um uns besser kontrollieren zu können. Tja, Pech für ihn, waren leider keine mehr frei, aber wir sind immer noch auf der gleichen Etage, dass hat ihn dann doch ein wenig beruhigt:-) Wir sind erst gegen 20 Uhr im Hotel angekommen, daher waren wir nur noch was essen und sind danach müde ins Bett gefallen. Ab morgen geht der Urlaub dann richtig los ...

Sonntag, 20.Mai

Heute war echt ein genialer Tag. Meine Eltern wollten im Ressort entspannen, daher sind Luca und ich alleine losgezogen. Es war traumhaftes Wetter, 30 Grad und dazu ein wolkenloser, blauer Himmel. Also sind Luca und ich auf direktem Weg zum Strand und erst mal ausgiebig im Meer Baden gegangen. Nachdem wir uns so richtig ausgetobt hatten, haben wir es uns auf unseren Strandliegen gemütlich gemacht und dabei ist uns eine Gruppe von Jungen aufgefallen, die am Strand Beachvolleyball spielten. Wir schauten den Jungs eine Weile zu und beschlossen dann zu fragen, ob wir auch mitspielen könnten. Die Jungs waren total nett und nahmen uns gleich in ihre Gruppe auf. Sie waren zu fünft und machten zu zusammen Urlaub in Portugal und schliefen, wie es der Zufall wollte, sogar im gleichen Hotel wie wir, nur mit dem Unterschied, dass sie bereits schon vor einer Woche angereist waren. Sie stellten sich uns als Nico, Rafael, Michael, Christian und Alex vor. Sie waren alle zwischen 17 und 19 Jahre alt und kamen aus Nordrhein-Westfalen, womit die Verständigung auch kein Problem war:-) Wir hatten noch einige gute Matches, bevor wir uns zusammen am Strand von den Strapazen erholten. Als ich mir die Jungs bei der Gelegenheit genauer ansah, stellte ich fest, dass sie nicht nur irre nett waren, sondern auch noch verdammt gut aussahen. Vor allem Alex hatte es mir echt angetan, vielleicht weil er mich ein wenig an Max erinnerte. Oh man, jetzt rede ich ja wieder von dem:-) Naja, wir hatten auf jeden Fall noch echt nette Gespräche mit den Jungs, aber dann war leider auch schon wieder Abendessenzeit und wir mussten los, da wir von unseren Eltern im Hotel erwartet wurden. Aber vorher wurden wir noch von den Jungs für den Abend in die Hoteldisko eingeladen. Wir sagten zwar, dass wir versuchen würden zu kommen, rechneten uns aber eher keine Chancen aus, von den Eltern dafür die Erlaubnis zu bekommen. Die Eltern wollten beim Abendessen natürlich mal wieder einen ausführlichen Bericht hören, was wir so den ganzen Tag getrieben hatten. Selbstverständlich ließen wir bei unserer Schilderung das Kennenlernen der Jungs weg. Gegen 23 Uhr wollten die Eltern dann zu Bett gehen und Luca und ich taten, als ob wir uns anschließen wollten. Wir warteten noch den Kontrollgang von unserem Vater ab und schlichen uns dann gegen 24 Uhr in die Disko. Dort herrschte für einen Sonntagabend ein reger Betrieb, aber es gelang uns trotzdem relativ schnell, die Jungs in der Menge auszumachen. Sie freuten sich sehr, dass wir doch noch gekommen waren und luden uns gleich mal auf eine Runde Bier ein. Bei einem Bier blieb es dann auch nicht, so dass wir recht schnell auf der Tanzfläche landeten. Wir hatten eine Menge Spaß und es fühlte sich mal echt gut an, von den anderen als normale Gleichaltrige und nicht immer als die Zeugenkinder wahrgenommen zu werden. Luca hatte es mit dem Bier leider ein wenig übertrieben, so dass ich ihn zurück ins Zimmer bringen musste. Anschließend ging ich nochmal zurück und schloss mich den Jungs auf ihren Weg zum Strand an. Dort machten wir ein kleines Lagerfeuer und machten es uns davor mit einer Flasche Wein gemütlich. Wir verstanden uns super, bis die Jungs dann irgendwann die Bombe platzen ließen und mir eröffneten, dass sie alle schwul waren. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass sowohl Rafael und Nico, als auch Christian und Michael ein Paar waren, nur Alex war der einzige Single in der Runde.

Zunächst war ich natürlich etwas geschockt, nie hätte ich diese Jungs für schwul gehalten, gut, nicht das ich darin die große Erfahrung hätte:-)

Naja, nachdem ich den ersten Schock verdaut hatte, war ich von der Ehrlichkeit der Jungs mir gegenüber so beeindruckt, dass ich mich entschloss Ihnen meine Geschichte zu erzählen. Ich ließ nichts aus von den Zeugen, bis zu meiner Verliebtheit in Max, erzählte ich Ihnen alles. Die Jungs waren natürlich erst mal baff, nie hätten sie mich für einen Zeugen Jehovas gehalten, meinten sie:-) Nachdem ich einen kompletten Seelenstriptease abgelegt hatte, war ich am Ende ziemlich fertig und habe sogar angefangen zu flennen. Aber die Jungs waren echt klasse und total einfühlsam. Sie haben mir geraten, auf mein Herz zu hören und wenn ich Max wirklich lieben würde, dann müsste ich ihm auch von meinen Gefühlen erzählen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, ich weiß nicht, ob sie wirklich nachvollziehen konnten, in was für ein Dilemma ich stecke, aber wer will es ihnen verübeln? Als ich ihnen versuchte zu erklären, dass bei den Zeugen Homosexualität nicht akzeptiert wird, haben sie mir geraten, mich von meinen Glaubensfesseln frei zu machen, sonst würde ich nie wirklich glücklich werden, meinten sie. Na klar, kein Problem, ich gebe mal so eben mein gesamtes Leben, Freunde und Familie auf. Aber im Grunde meines Herzens weiß ich, dass sie Recht haben. Scheiße verdammt, was mach ich nur? Wir quatschten die ganze Nacht bis zum Sonnenaufgang. Ich habe mich in meinen ganzen Leben noch nie so frei und verstanden gefühlt. Naja, als die Sonne dann aufging, waren unsere Pärchen in romantischer Stimmung und begannen zu knutschen. Alex und ich saßen daneben und mussten grinsen. Dann fragte er mich plötzlich, ob ich abgesehen von meinem betrunkenen Freund, jemals einen anderen Jungen geküsst hätte. Als ich das wahrheitsgemäß verneinte, kam er plötzlich näher und unsere Lippen trafen sich. Es war ein absolut sagenhafter Kuss und ich hatte Bock auf mehr. Nachdem wir eine ganze Weile geknutscht hatten, fragte er mich, ob ich Lust hätte mit ihm aufs Zimmer zu kommen. Was soll ich sagen, Lust hatte ich schon, also zumindest mein kleiner Freund, aber ich war nun mal in einen anderen Jungen verliebt. Daher gab ich ihm einen Korb, aber er war nicht beleidigt oder so, sondern meinte, dass er mich verstehen könne und dass ich bei Max alles auf eine Karte setzen soll. Die Jungs würden leider morgen bereits abreisen, aber wir tauschten Nummern aus und ich versprach, mich noch morgen von ihnen zu verabschieden. Wow was für ein Tag ...

Montag, 21. Mai

Der Wecker heute morgen traf mich wie ein Hammerschlag, immerhin hatte ich höchstens 3 Stunden geschlafen. Luca sah auch nicht viel besser aus, das Bier gestern hatte ihm doch gehörig zugesetzt. Wir gaben zwar unser Bestes, um uns wieder in einen halbsweg ansehnlichen Zustand zurückzuversetzen, aber unseren Eltern blieb unsere Alkoholfahne leider nicht verborgen. Es gab natürlich eine riesige Gardinenpredigt von meinen Vater und zur Strafe müssen wir den Rest des Urlaubs ausschließlich unter Aufsicht der Eltern verbringen und außerdem will mein Vater seine nächtlichen Kontrollen ausweiten. Naja egal, der gestrige Abend war es wert:-)

Ich war nur ein bisschen traurig, dass ich mich nicht mehr von den Jungs verabschieden konnte, aber ich schrieb Alex wenigstens eine SMS ...

Samstag, 26.Mai

Die erste Ferienwoche ist nun vorbei. Nach wie vor bewachen uns die Eltern mit Argusaugen, damit wir ja nichts mehr anstellen. Wenn die wüssten, was ich an diesem Abend noch so alles getrieben habe, wäre ich wohl nicht so glimpflich davongekommen:-) Naja egal, ich genieße die Zeit mit Luca trotzdem, wir lassen uns doch unseren Urlaub von den Eltern nicht verderben ...

Donnerstag, 31. Mai

Urlaub ist leider schon wieder so gut wie vorbei, morgen geht's nach Hause. Ich hatte diesen Urlaub sehr viel Zeit nachzudenken und ich muss sagen, die Begegnung mit den Jungs, hat mir die Augen geöffnet. Ich habe einen Entschluss gefasst:

Ich werde Max meine Gefühle gestehen. Habe ich Angst? Klar habe ich die, ich habe sogar eine scheiß Angst, aber die Alternative ist, daran kaputt zu gehen. Dann habe ich zumindest Klarheit ...

Freitag, 01. Juni

Sind heute Nachmittag zu Hause angekommen. Für den Abend hatte ich mich gleich mit Max bei ihm zu Hause verabredet, da er sturmfrei hatte. Ich hatte mir für heute fest vorgenommen, ihm meine Gefühle zu gestehen und mich endlich von meiner Gefühlslast zu befreien. Doch als ich dann bei ihm zu Hause war, verließ mich doch ein wenig der Mut. Er freute sich natürlich sehr mich zu sehen, immerhin hatten wir uns 2 Wochen nicht gesehen und ich musste ihm erst mal ausführlich von meinem Urlaub berichten. Ich erzählte alles wahrheitsgemäß, auch von dem Treffen mit den Jungs, ich erzählte ihm sogar, dass sie schwul waren, weil ich seine Reaktion darauf testen wollte, nur den Kuss mit Alex ließ ich weg. Aber außer ein “echt, dass ist ja krass” kam nicht viel von ihm, daher entschied ich alles auf eine Karte zu setzen und küsste ihn einfach direkt auf den Mund. Max war zunächst total geschockt, riss sich von mir los und verlangte eine Erklärung von mir. Da ich schon so weit gegangen war, entschied ich mich jetzt endlich für die Wahrheit und ja es war eine Befreiung. Ich erzählte ihm alles von unserer besoffenen Knutscherei, meiner aufkommenden Verliebtheit, bis hin zum Kuss mit Alex. Erst dachte er, ich will ihn verarschen, er wollte einfach nicht verstehen, dass ich tatsächlich ihn ihn verliebt bin. Als ich ihm dann endlich klarmachen konnte, das es mein Ernst war, meinte er, dass er nicht wüsste, was er jetzt dazu sagen soll. Ich hielt es dann für das Beste, ihn erst mal allein zu lassen. Ich sagte ihm, dass er in Ruhe über alles nachdenken soll und er sich wieder bei mir melden soll, wenn er sich über seine Gefühle klar geworden ist.

Scheiße, was habe ich mir nur dabei gedacht. Max ist bestimmt nicht schwul. Ich glaube, ich habe soeben meinen besten Freund verloren ...

Samstag, 02. Juni

Einerseits fühle ich mich total befreit, dass jetzt endlich alles raus ist, aber andererseits habe ich total Angst, dass Max jetzt nichts mehr von mir wissen will. Fuck, schon den ganzen Tag starre ich auf mein scheiß Handy, in der Hoffnung es durch telepathische Kräfte zum klingeln bringen zu können, aber nichts ist passiert - keine Nachricht von Max. Luca wollte, dass ich heute Nachmittag mit zum See komme, die ganze Clique hat sich dort getroffen, aber mir war eher danach mich in einem Zimmer zu verkriechen, also sagte ich ab. Wie ich später von Luca erfahren habe, ist Max übrigens auch nicht gekommen. Hmh, keine Ahnung, ob das jetzt ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Naja, morgen früh in der Versammlung werde ich ihn auf jeden Fall wiedersehen ...

Sonntag, 03.Juni

In der Versammlung war alles wie immer, zumindest vor den anderen ließ Max sich nichts anmerken, aber er wollte sich später mit mir treffen.

Als ich dann Nachmittags bei ihm zu Hause war, hatten wir in seinem Zimmer unsere große Aussprache. Er sagte mir, wie ich es befürchtet hatte, dass er nicht schwul sei und schon gar nicht in mich verliebt ist. Und dann kam er mir noch mit dem Glaubensscheiß, dass ich durch Glauben und Gebet diese Schwäche überwinden kann. Ich schrie ihn daraufhin an und machte ihm klar, dass ich nun mal einfach schwul sei und auch nicht vorhabe, dagegen anzukämpfen. Danach kam es zum Streit und am Ende meinte er, dass er so nicht weiter mit mir befreundet sein könne, daraufhin habe ich ihm unter Tränen die Freundschaft gekündigt und die Tür hinter mir zugeknallt. Seitdem sitze ich zu Hause und kann nicht mehr aufhören zu heulen. Meiner Familie habe ich vorgespielt, dass mir nicht gut sei, um nicht zum Abendessen erscheinen zu müssen und damit sie keinen Verdacht schöpfen ...

Montag, 04. Juni

Da ich Max heute auf keinen Fall in der Schule begegnen wollte, habe ich meinen Eltern einen Magen-Darm-Infekt vorgespielt und sie haben es zum Glück gefressen. Vom Onkel Doktor habe ich dann auch einen gelben Schein für die ganze Woche bekommen. Ich weiß, dass sich im Bett zu verkriechen auch keine Lösung ist, aber ich möchte momentan einfach niemanden sehen und einfach nur die Decke über meinen Kopf ziehen ...

Samstag, 09. Juni

Habe die ganze Woche im Bett gelegen und mich in Selbstmitleid gesuhlt. Von Max kam die ganze Woche keine Nachricht und dann meldete er sich plötzlich aus heiterem Himmel bei mir und wollte sich heute Abend mit mir treffen. Mit einem mulmigen Gefühl machte ich mich auf den Weg zu Max, ich war mir sicher, dass er mir heute endgültig die Freundschaft kündigen würde. Ein sichtlich schon etwas angetrunkener Max öffnete mir die Tür. Er hatte offensichtlich heute wieder sturmfrei und seine Eltern waren nicht zu Hause. Auf meine besorgte Frage hin, ob es ihm denn gut gehen würde, antwortete er mir etwas lallend, dass es ihm überhaupt nicht gut geht: Sein bester Freund hat ihm (also ich) seine Liebe gestanden und sich seit dem nicht mehr blicken lassen. Er sagte mir, dass er immer noch total verwirrt sei, mich aber schrecklich vermissen würde. Ich antwortete ihm wahrheitsgemäß, dass ich ihn auch vermisst habe. Und dann passierte das Unfassbare: Wir sahen uns lange in die Augen, keine sagte etwas, bis ich die Stille nicht mehr aushielt und ihn fragte, warum er denn getrunken hatte. Danach kam sein Gesicht meinem bedrohlich nahe und er antwortete, “weil ich mich sonst nicht getraut hätte, das hier zu tun” und dann berührten sich unsere Lippen. Es war wie ein Feuerwerk in meinem Kopf und ich hatte tausend Schmetterlinge im Bauch. Wie in Ekstase entledigten wir uns unserer Klamotten, legten uns nackt auf das Bett und begannen wild miteinander zu knutschen. Ich begann sanft seinen Schwanz zu wichsen, es war das erste Mal das ich einen Schwanz in der Hand hatte, der nicht mein eigener war. An seinem Stöhnen merkte ich, dass es ihm gefiel, also steigerte ich immer weiter das Tempo, bis sich Max geräuschvoll und ergiebig auf seinem Bauch entlud. Der Anblick von Max, wie er da so vollgewichst dalag, erregte mich so dermaßen, dass ich mich mir einen wichste und kurze Zeit später ebenfalls auf seinem Bauch kam. Am liebsten wäre ich über Nacht bei Max geblieben, aber er meinte, dass seine Eltern bald heimkommen würden und morgen außerdem Versammlung sei. Also duschte ich noch bei ihm und machte mich dann auf den Heimweg. Zur Verabschiedung bekam ich nur einen flüchtigen Kuss von ihm und ein “bis morgen dann” auf den Weg. Ich hatte das Gefühl, dass er mich schnell los werden und alleine sein wollte. Verdammt, ich habe echt Angst, dass er die ganze Sache schon wieder bereut, aber vielleicht interpretiere ich auch zu viel da hinein. Für mich war es auf jeden Fall der mit Abstand beste Abend meines Lebens. Oh man, ich bin echt so was von verliebt ...

Sonntag, 10. Juni

Nach der Versammlung wollte ich mich mit Max verabreden, da ich dringend über letzte Nacht mit ihm reden musste. Er gab mir aber einen Korb und meinte, dass er keine Zeit hätte, da er und seine Eltern heute bei seinen Großeltern zum Essen eingeladen wären. Ja mag sein, dass es die Wahrheit war, aber ich werde dennoch das Gefühl nicht los, dass Max mir schon wieder aus dem Weg geht. Naja, morgen in der Schule kann er nicht von mir davonlaufen ...

Montag, 11. Juni

Heute nach der Schule habe ich mir Max geschnappt. Er versuchte mich wieder mit irgendeiner Ausrede abzuspeisen, dass er schnell nach Hause müsse, aber diesmal ließ ich mich nicht so leicht abschütteln. Wir fuhren mit den Fahrrädern in den Park und dort stellte ich ihn zur Rede. Er gestand mir, dass er seit unserer Nacht ein furchtbar schlechtes Gewissen habe und er nicht will, dass sich dergleichen nochmal wiederholt. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass an unserer Liebe nichts falsches ist, aber er meinte nur, dass er erst mal Abstand brauchen würde und ließ mich in Tränen aufgelöst alleine im Park zurück. Verdammt, warum muss alles nur so kompliziert sein? Warum können 2 Menschen, die sich lieben, nicht einfach ohne Widerstände zusammen sein?

Freitag, 15. Juni

Die ganze Woche ging Max mir jetzt schon aus den Weg und in der Versammlung war er auch nicht. Seine Eltern meinten auf meine Nachfrage hin, dass er starke Kopfschmerzen habe und deshalb nicht kommen konnte. Abends, als ich bereits im Bett lag, klingelte dann mein Handy. Max war dran und meinte, ich solle ihn reinlassen, er stehe direkt vor unserer Tür. Meine Eltern waren zum Glück bereits im Bett und Luca übernachtet heute bei Finn. Also schlich ich mich herunter und ließ ihn herein. Draußen regnete es in Strömen und er war tropfnass. Wir beeilten uns möglichst leise in mein Zimmer zu kommen. Als ich ihn fragte, was er denn mitten in der Nacht von mir wollte, fing er plötzlich an zu weinen. Es tat mir in der Seele weh in so zu sehen, also nahm ich ihn ganz fest in den Arm. Er stammelte schluchzend, dass er versucht hätte, gegen seine Gefühle für mich anzukämpfen, er aber nichts dagegen machen könne und dann sagte er mir zum ersten Mal, dass er mich auch liebt. Ich war in diesem Moment der glücklichste Junge auf Erden und bedeckte ihn mit Küssen. Anschließend half ich ihm aus den nassen Klamotten rauszukommen und hängte sie über die Heizung zum Trocknen. Nachdem ich vorsichtshalber meine Zimmertür verriegelt hatte, legten wir uns völlig nackt zusammen in mein Bett. Wir lagen eng umschlungen da und genossen die gegenseitige Wärme und Nähe. Es war so toll, ihn in meinen Armen zu spüren und ich wünschte mir, dass dieser Moment für immer anhalten würde. Um 5 Uhr klingelte dann leider schon mein Wecker, den ich in weiser Voraussicht gestellt hatte. Max schnappte sich seine Klamotten, die zum Glück schon wieder einigermaßen trocken waren, und zog sich an. Ich öffnete ganz leise meine Tür und lauschte nach einem Lebenszeichen von meinen Eltern. Nachdem nichts zu hören war, schlichen wir uns die Treppe herunter. An der Tür gab Max mir noch einen Abschiedskuss und hauchte mir ein “Ich liebe dich” ins Ohr, bevor er sich auf sein Fahrrad schwang und nach Hause radelte. Ich hoffte echt, dass sein Verschwinden von seinen Eltern unbemerkt blieb, sonst käme er echt in Erklärungsnot. Auf dem Weg zurück in mein Zimmer erschrak ich fast zu Tode, als ich fast mit meiner Mutter zusammenstieß. Sie fragte mich, ob ich gerade unten gewesen sei, weil sie von unten Stimmen gehört hätte. Ich meinte, dass ich nicht mehr schlafen konnte und unten kurz den Fernseher angemacht hätte. Sie rollte mit den Augen und meinte, dass ich schleunigst zurück ins Bett solle, was ich mir natürlich nicht zweimal sagen ließ:-)

Samstag, 16.Juni

Meine Eltern habe mir heute nach langem Bitten und Betteln ausnahmsweise erlaubt bei Max zu übernachten und das obwohl morgen früh sogar Versammlung ist. Ich musste natürlich vorher artig auch Max Eltern um Erlaubnis fragen, aber als diese ihr ok gaben, hatten auch meine Eltern nichts mehr dagegen. Ich konnte mein Glück kaum fassen - eine ganze Nacht mit Max zusammen zu verbringen. Es war total schön. Es wäre natürlich noch schöner gewesen, wenn Max Eltern nicht zu Hause gewesen wären, aber man kann halt nicht alles haben:-) Wir haben uns unter dem Vorwand, dass wir total kaputt seien und heute früh zu Bett gehen wollten, schnell in Maxs Zimmer abgeseilt. Dort vertrieben wir uns erst mal ein wenig mit quatschen die Zeit, bis wir keine Geräusche mehr aus dem Wohnzimmer wahrnahmen und wir uns sicher waren, das Max Eltern zu Bett gegangen waren. Sicherheitshalber sperrten wir Max Zimmer ab, damit nicht doch noch unerwarteter Besuch in sein Zimmer hereinplatzte. Was danach folgte war die bis dato tollste Nacht in meinem Leben. Max war so super zärtlich und es fühlte sich einfach alles so gut an. Ich hatte in dieser Nacht auch zum ersten Mal einen anderen Schwanz im Mund, weil Max so süß war, wollte ich ihm einfach was Gutes tun. Erst war ich total nervös, immerhin habe ich ja null Erfahrung damit, dementsprechend war ich erst einmal sehr vorsichtig. Aber als ich sah, dass es Max total gefiel, wurde ich mutiger und steigerte mein Tempo. Max ist total dabei abgegangen und am Ende heftig gekommen. Durch den Anblick von Max wurde ich so geil, das ich mir einen wichste und in Rekordzeit ebenfalls kam. Nachdem wir die Schweinerei beseitigt hatten, kuschelten wir uns aneinander und genossen die gegenseitige Nähe einfach. Das tollste war dann, am nächsten Morgen mit ihm zusammen aufzuwachen. Er ist einfach so süß, wenn er noch nicht richtig wach und noch halb verschlafen ist. Ich wünschte, es könnte immer so sein. Am liebsten würde ich mit Max abhauen und an irgendeinem Ort, an dem uns keiner kennt, nochmal komplett neu anfangen ...

Sonntag, 24. Juni

Der Sommer ist endlich bei uns angekommen und ich strahle mit der Sonne gleichzeitig um die Wette. Ich bin mit meinem Traummann zusammen, zwar leider nur heimlich, aber das geht halt momentan nicht anders. Wir sind beide noch nicht mit der Schule fertig und müssen noch bei unseren Eltern wohnen. Sowohl seine, als auch meine Eltern würden diese Beziehung niemals akzeptieren, ganz im Gegenteil. Aber zum Glück schöpft keiner Verdacht und wir achten auch peinlich genau darauf, dass es auch dabei bleibt ...

Freitag, 27.Juli

Sorry liebes Tagebuch, dass ich dich in letzter Zeit so vernachlässigt habe, aber hatte einfach wahnsinnig viel um die Ohren. Max und ich hatten noch einige Klausuren zu schreiben, aber jetzt ist es geschafft - endlich Sommerferien. Mein Zeugnis konnte sich auch durchaus sehen lassen und auch Max hatte sich ordentlich verbessert. Daher erlauben mir auch meine Eltern dieses Wochenende mit Max “Freunde besuchen” zu gehen und auch bei denen zu übernachten. Das ist zumindest die offizielle Version, aber in Wahrheit haben Max und ich etwas Geld gespart und verbringen das Wochenende in einem Hotel in Großstadt. Ich kann es kaum erwarten, dass gesamte Wochenende mit meinem Schatz zu verbringen. In Großstadt kennt uns niemand, dort müssen wir uns nicht verstecken. Außerdem haben wir uns vorgenommen, dort zum ersten Mal einen Schwulenclub zu besuchen, ich bin mal gespannt was uns dort erwartet ...

Sonntag, 29. Juli

Das Wochenende mit Max war einfach nur wunderschön. Bereits auf der Zugfahrt nach Großstadt waren Max und ich total gelöst und alberten die ganze Fahrt über pausenlos herum. Es war einfach ein mega Gefühl, wenigstens für ein Wochenende frei zu sein und sich nicht mehr verstecken zu müssen. Unser Hotel war jetzt nicht besonders glamourös, aber es hatte ein großes Bett, ein Badezimmer und mehr brauchten wir auch nicht:-) Nachdem wir noch ein wenig Spaß auf dem Zimmer hatten, machten wir erst einmal ausgiebig Sightseeing und sahen uns die Stadt an. Wir waren beide zwar schon oft in Großstadt gewesen, immerhin findet dort jeden Sommer unser Kongress statt, aber von der Stadt selber hatten wir bisher nicht viel gesehen. Wir besorgten uns einen Touristenplan und klapperten fast alle Attraktionen der Stadt ab.

Am Abend war es dann soweit - wir besuchten unseren ersten Schwulenclub. Wir hatten uns vorher im Internet informiert und dieser Club hatte durchweg positive Bewertungen. Wir brezelten uns ordentlich auf und machten uns mit der U-Bahn auf den Weg. Als wir an der besagten Adresse angekommen waren, verließ uns fast der Mut, immerhin war keiner von uns beiden bisher in einem vergleichbaren Etablisment. Nachdem wir einige Male die Straße auf und ab gelaufen waren, gaben wir uns aber doch einen Ruck und gingen hinein. Schüchtern bezahlten wir an der Kasse unseren Eintritt, und nachdem wir die Tür geöffnet hatten, waren wir in einer anderen Welt. Der Club war bereits gut gefüllt und sehr geschmackvoll eingerichtet. Wir gingen erst mal an die Bar und bestellten uns zum locker werden 2 Gin Tonic. Ein freundlicher und zugegebenermaßen echt gut aussehender Barkeeper machte uns die Drinks fertig und hielt noch etwas Smalltalk mit uns. Als ich meinen Blick über die Tanzfläche schweifen ließ, war ich sofort begeistert. Das Partyvolk war größtenteils männlich, die meisten etwa in unseren Alter und sie hatten einfach eine gute Zeit. Pärchen tanzten eng umschlungen und einige küssten sich sogar, andere feierten einfach mit ihren Freunden und Freundinnen auf der Tanzfläche ab. Die Stimmung war sagenhaft und spätestens nach meinem zweiten Drink ließ ich mich davon anstecken und zerrte Max auf die Tanzfläche. Am Anfang war er noch etwas schüchtern, aber nach und nach ließ Max dann auch seine Hemmungen fallen. Wir hatten einfach einen großartige Zeit und küssten uns sogar in aller Öffentlichkeit, aber niemand schien sich daran zu stören. Wir verließen erst als eine der letzten den Club und gönnten uns, da wir beide schon ziemlich angetrunken waren, ein Taxi zum Hotel. Kaum im Hotel angekommen, fielen wir schon übereinander her und hatten zum ersten Mal richtigen Sex miteinander. Am Anfang tat es noch etwas weh, als Max versuchte in mich einzudringen, aber er war echt total gefühlvoll und vorsichtig, so dass ich es am Ende richtig genießen konnte. Es war einfach nur wunderschön und das Beste, das ich jemals erlebt habe. Natürlich hatten wir Safersex liebes Tagebuch, keine Sorge:-)

Wie das natürlich immer ist, ging das Wochenende viel zu schnell vorbei und wir mussten uns wieder auf die Heimreise machen. Auf der Rückfahrt war die Stimmung sehr gedrückt - immerhin mussten wir zu unseren Familien zurückkehren und die neugewonnene Freiheit schon wieder aufgeben. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns am Abend voneinander, aber wir nahmen uns fest vor, in Zukunft öfter solche Wochenenden einzuplanen ...

Sonntag, 12. August

So, die ersten 2 Wochen Sommerferien sind vorbei und die Ferien sind bisher großartig. Max und ich sind eigentlich immer zusammen und verbringen fast jede Minute zusammen. Mit dem Wetter haben wir diesen Sommer auch echt Glück, denn wir haben fast jeden Tag strahlenden Sonnenschein. Gestern waren wir mit unserer ganzen Clique am See und haben dort auch gegrillt. Nur Luca durfte nicht mit, weil er mal wieder Hausarrest hatte. Er musste gestern mit Papa in den Predigtdienst und hatte sich geweigert, bei seinem Mitschüler Leon zu klingen, von dem er in der Schule immer gemobbt wird, eben weil er ein Zeuge Jehovas ist. Ich kann Lucas Reaktion ja mehr als nachvollziehen, aber unser Vater ist in diesen Dingen eben unerbittlich. Ich habe natürlich versucht, für Luca Partei zu ergreifen, aber Papa wollte davon nichts wissen. Naja, dadurch war die Stimmung natürlich etwas gedrückt am See, aber die anderen kennen das ja schon. Es kommt ja häufiger vor, dass besonders Luca von den Eltern bestraft wird. Naja, wir haben trotzdem versucht, das Beste aus dem Tag zu machen ...

Sonntag, 26. August

Die letzten 2 Wochen waren einfach nur toll. Ich habe jeden Tag mit Max verbracht und wir sind einfach nur glücklich zusammen zu sein. Da wir ja vorher auch schon beste Freunde waren und viel Zeit zusammen verbracht haben, ist auch niemand misstrauisch. Gut, in der Öffentlichkeit müssen wir uns natürlich zurückhalten, immerhin wollen wir ja auch, dass es so bleibt, aber wenn wir beide alleine sind, ist es dann um so schöner. Am liebsten würde ich mich nicht mehr verstecken müssen und mein Glück in die Welt hinausschreien, aber das geht ja leider nicht. Niemand würde uns verstehen, geschweige denn für uns freuen. Homosexualität ist bei uns einfach ein Tabu und es wird verlangt, dieser “Schwäche” nicht nachzugeben. Ich finde es einfach nur grausam von Menschen zu verlangen, ihre eigene Sexualität zu verleugnen und frage mich gerade, wie viele arme Jungs es bei uns gibt, denen es auch so geht, wie Max und mir. Oh man, es ist einfach nur traurig, diese Jungen werden niemals glücklich werden im Leben. Sobald Max und ich volljährig sind, werden wir von hier abhauen und endlich frei leben können, ich kann es kaum noch erwarten ...

Samstag, 01.September

Luca musste heute Vormittag mal wieder mit Papa in den Predigtdienst und diesmal scheint er sich echt gut angestellt zu haben, sogar ein Heimbibelstudium hat er an Land gezogen. Papa war natürlich mächtig stolz, was mich für Luca freut, da er wirklich nicht häufig Lob von unserem Vater bekommt. Naja, da heute ein richtig schöner Sommertag war, verbrachte unsere Clique den Nachmittag am See. Wir hatten ausreichend Verpflegung dabei und Finn hatte sogar einen kleinen Grill mit. Nach dem Essen wollten die anderen ein wenig relaxen und in der Sonne liegen. Max und ich nutzten die Gelegenheit und schwammen zu der kleinen Insel heraus, die wir neulich entdeckt hatten. Die Insel ist zwar klein, aber vom Ufer aus nicht einsehbar, da sie dicht bewachsen ist. Diesen Umstand nutzten Max und ich für uns aus. Kaum auf der Insel angekommen, entledigten wir uns unserer Badeshorts, fielen übereinander her und hatten richtig geilen Sex. Es war einfach nur großartig. Nach dem Sex ruhten wir uns noch ein wenig aus, ehe wir beschlossen zurückzuschwimmen. Als wir wieder am Ufer ankamen, waren die Mädchen verschwunden und nur noch Luca und Finn anzutreffen. Diese sahen auch ein wenig ramponiert aus und erzählten uns, dass sie in unserer Abwesenheit von Leon und seinen Freunden attackiert wurden. Während Leons Freunde, Luca und Finn in Schach hielten, hat doch tatsächlich dieser kleine Pisser Leon versucht, sich an Rahel zu vergreifen. Dann passierte aber der Hammer: Unsere kleine, zurückhaltende Lea packte eine Dose Pfefferspray aus ihrer Tasche und sprühte diesem Ekel Leon den Inhalt mitten in seine blöde Fresse. Danach konnten sich auch Luca und Finn aus den Fängen ihrer Bewacher befreien und haben den Beiden auch noch ordentlich eine auf die zwölf gegeben, bis die 3 Deppen schließlich die Flucht ergriffen. Oh man, wir haben Lea für ihre Aktion so was von abgefeiert, die Kleine ist wirklich cool. Nur Schade, das Max und ich nicht da waren, wir hätten den Pennern auch noch liebend gerne eine verpasst. Am Abend haben Max und ich noch ein wenig in meinem Zimmer geschmust, bis wir plötzlich gehörig zusammenzuckten, als jemand an der Tür klopfte. Luca stand plötzlich im Zimmer und hätte uns beinahe erwischt, zum Glück hatte er vorher angeklopft. Man, wir müssen echt vorsichtiger sein. Max ergriff daraufhin schnell die Flucht, aber Luca war zum Glück gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er etwas bemerkt hätte. Er hatte offensichtlich ein Problem, ich musste ihm aber mal wieder alles aus der Nase ziehen:-) Naja, nach etwas Starthilfe von mir erzählte er mir das Rahel ihm ihre Liebe gestanden hatte und er jetzt nicht weiß, wie er damit umgehen solle. Für mich war das natürlich keine Überraschung, dass die Kleine auf meinen Bruder steht, sieht doch ein Blinder mit Krückstock, nur Luca war natürlich nichts aufgefallen. Naja, ich gab ihm auf jeden Fall den Rat, sich schnellstmöglich über seine Gefühle klar zu werden und auf sein Herz zu hören. Naja, ein süßes Paar wären sie auf jeden Fall, würde mich für die Beiden freuen, wenn sie zusammen kommen ...

Sonntag, 02. September

Heute Nachmittag hatte Luca den ersten Termin für sein Heimbibelstudium und der Kleine war ganz aufgeregt. Wir anderen nutzten derweil den schönen Tag und machten uns wieder zu unserem Lieblingsplatz am See auf, Luca wollte dann später nachkommen. Heute verzichteten Max und ich darauf zur kleinen Insel herauszuschwimmen, weil wir bereit sein wollten, falls Leon und seine Freunde sich nochmal blicken lassen sollten. Aber die tauchten zum Glück nicht auf, so dass wir einen unbeschwerten Tag am See genießen konnten. Als die Stunden so vorbei gingen und wir von Luca immer noch kein Lebenszeichen hörten, machten wir uns langsam Sorgen und versuchten ihn über Handy zu erreichen, aber Fehlanzeige, er nahm nicht ab. Später schlug dann das Wetter um und ein heftiges Gewitter zog auf. Also packten wir alles zusammen und machten uns schleunigst auf den Rückweg. Zu Hause angekommen, machte ich mich gleich auf den Weg in Lucas Zimmer, in der Hoffnung ihn dort anzutreffen, aber wieder keine Spur von ihm. Als ich mir langsam wirklich Sorgen machte, klingelte unser Haustelefon und ich nahm den Anruf entgegen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich Lucas Stimme hörte. Er hatte sich mal wieder in eine ziemlich verfahrene Situation gebracht: Nach dem Heimbibelstudium ließ er sich noch von Jonas, so heißt der Junge mit dem er studiert, überreden, einen wenig auf der PlayStation zu zocken und jeder, der Luca kennt, weiß, dass er eine solches Angebot nicht ausschlägt, denn er liebt Playsi zocken und hätte selbst gern eine, was natürlich von unseren Eltern nicht erlaubt wird. So etwas ist schließlich Teufelszeug:-) Naja, wie auch immer, auf jeden Fall hat er beim zocken total die Zeit vergessen, wurde schließlich vom Unwetter überrascht und kam jetzt nicht mehr nach Hause. Er musste wohl aber übel bei Jonas übernachten, etwas, was unsere Eltern niemals erlaubt hätten, schließlich ist dieser Junge ein Ungläubiger. Naja, unser Vater hätte ihn sicherlich dort abgeholt, aber wie sollte er ihm erklären, was er um diese Uhrzeit noch bei Jonas machte. Also dachte sich Luca eine Notlüge aus, dass er nach dem Heimbibelstudium mit uns am See war und anschließend noch mit zu Finn ist und dort dann vom Unwetter überrascht wurde. Er erzählte Papa, dass Finns Eltern ihm angeboten hätten, bei ihnen zu übernachten und fragte um seine Erlaubnis. Dann kam der kritische Punkt, hätte Papa darauf bestanden, Luca trotzdem dort abzuholen oder nochmal mit Finns Eltern vorher zu sprechen, wäre das ganze Lügengebilde wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Aber Luca hatte Glück und Papa gab seine Erlaubnis. Da hat der Kleine echt nochmal Schwein gehabt ...

Dienstag, 04.September

Heute war die ganze Clique bei Finn Zuhause auf eine Grillparty eingeladen. Finns Eltern waren nicht da, weil die Oma schwer gestürzt ist und Unterstützung benötigte. Das hieß, wir hatten sturmfrei und diese Gelegenheit ließen wir uns natürlich nicht nehmen. Jeder von uns erzählte seinen Eltern, dass er beim jeweils anderen schläft und wir sind tatsächlich mit dieser Nummer durchgekommen - zumindest vorerst:-) Sollte diese Nummer auffliegen, können wir uns alle auf ein gehöriges Donnerwetter gefasst machen, denn unsere Eltern würden uns niemals ohne Aufsicht eine Party machen lassen und schon gar nicht mit Übernachtung. Wer weiß, was da alles für unzüchtige Dinge passieren können:-) Aber cool war, dass echt jeder von uns dabei mitgemacht hat, sogar die sonst so brave Lea war dabei. Naja, dementsprechend waren wir natürlich mächtig aufgedreht und die Stimmung war echt super. Natürlich genehmigten wir uns auch das eine oder andere Bier, immerhin waren wir frei von elterlicher Aufsicht. Finn hat es leider dann ein wenig zu gut gemeint und war doch schon ziemlich blau. Mit vereinten Kräften haben wir Jungs ihn dann schließlich ins Bett gebracht, danach gingen wir dann auch alle ziemlich schnell ins Bett, nur Luca und Rahel saßen noch zusammen. Hmh, ob da was geht zwischen den Beiden, ich könnte ja fast darauf wetten:-) Max und ich mussten auf jeden Fall auf der Couch schlafen, da alle anderen Zimmer bereits anderweitig besetzt waren. Wir warteten ab, bis auch Rahel und Luca im Bett waren und es im Haus ganz still war. Danach gab es für Max und mich kein halten mehr, wir waren einfach zu geil und der Alkohol tat auch sein übriges. Naja, so im Nachhinein betrachtet war es natürlich total leichtsinnig von uns mitten im Wohnzimmer Sex zu haben, zu leicht hätten wir erwischt werden können, aber gerade deshalb war es einfach total scharf:-)

Mittwoch, 05. September

Nachdem wir alle unseren Rausch ausgeschlafen hatten, abgesehen von Finn, machten wir uns erst mal alle zusammen ein schönes Katerfrühstück. Finn kam dann auch irgendwann dazu und sah aus wie der Tod auf Latschen:-) Naja, er war auf jeden Fall ganz reumütig und entschuldigte sich für sein gestriges Verhalten. Wir nahmen alle seine Entschuldigung natürlich an, nur Lea ließ ihn ein wenig zappeln. Hmh, ich glaube zwischen denen Beiden könnte auch was gehen. Der Höhepunkt unseres Brunches war aber dann, als Luca und Rahel uns eröffneten, dass sie jetzt zusammen sind. Die Entzückung war natürlich groß und wir freuten uns alle für die Beiden. Nicht falsch verstehen, ich freue mich wirklich für Luca, aber ich muss gerade darüber nachdenken, wie unfair alles ist. Wenn Luca und Rahel sich als Paar outen, tun alle entzückt applaudieren, wenn Max und ich das Gleiche täten, wäre das Entsetzen groß. Warum kann Liebe auf welche Art auch immer, nicht gleich viel Wert sein ...

Donnerstag, 06.September

Heute ging es mit dem Zug nach Großstadt zurück, aber diesmal leider nicht für ein Wochenende mit Max, sondern der jährliche Bezirkskongress stand an. Wie jedes Jahr zeltet unsere Clique am Campingplatz vor den Toren des Stadions, nur in diesem Jahr zum ersten Mal ohne Eltern. Unsere Eltern und die der anderen haben beschlossen, dieses Jahr etwas luxuriöser in einem Hotel zu nächtigen. An sich eine großartige Nachricht, nur ging ihr Vertrauen an uns dann nicht so weit, dass sie uns komplett ohne Aufpasser ließen. Jonathan und Jakob, die älteren Brüder von Lea und Rahel, wurden für diese Aufgabe vorgesehen. Die Beiden sind bei uns ungefähr so beliebt wie Fußpilz, da sie totale Spaßbremsen und Vorzeigezeugen sind. Naja, wir sind also gewarnt und müssen vorsichtig sein. Heute habe ich auch auf der Zugfahrt zum ersten Mal Jonas kennengelernt. Um ehrlich zu sein, war ich sehr erstaunt, dass er, obwohl er erst seit ein paar Tagen mit Luca studiert, schon mit auf den Bezirkskongress wollte, finde ich doch schon ungewöhnlich. Er ist auf jeden Fall ein sehr netter Junge und schon irgendwie süß. Nicht falsch verstehen: Ich bin glücklich mit Max, aber dennoch habe ich Augen im Kopf:-) Naja, auf jeden Fall mag er Luca schon ganz gerne, dass sieht man ihn an. Der arme Jonas wurde von uns auf der Zugfahrt ganz schön gelöchert, klar, er war ja die Attraktion. So haben wir erfahren, dass er erst vor kurzem mit seinen Eltern in unsere Stadt gezogen ist und nach den Ferien auf die gleiche Schule wie Luca gehen wird. Mit etwas Glück landen sie sogar in einer Klasse, was für meinen Bruder echt super wäre, dann hätte er eventuell einen Verbündeten im Kampf mit Leon und seinen Freunden. Am Campingplatz angekommen, meldeten wir uns erst mal bei den Betreibern und bekamen, da wir ja jedes Jahr kommen, unsere bevorzugten Plätze zugewiesen. Da wir natürlich Profis waren, standen unsere Zelte in kürzester Zeit, nur Jonas brauchte noch etwas Nachhilfe:-) Da, wie uns von unseren Aufpassern Jonathan und Jakob mitgeteilt wurde, um 23 Uhr Zapfenstreich war, wollten wir die verbleibende Zeit noch ausnutzen.

Die anderen wollten den schönen Tag noch nutzen und ins Schwimmbad gehen, aber Max und ich hatten andere Pläne. Wir erzählten den anderen, dass wir in einen Biergarten in der Stadt gehen wollen, aber in Wahrheit gingen wir in eine schöne Gaybar mit Außenbereich. Diese Bar war uns schon bei unserem letztem Aufenthalt in Großstadt aufgefallen, nur dass wir damals schon was anderes vorhatten, aber diesmal wollten wir sie endlich ausprobieren. Es war definitiv die richtige Entscheidung, denn die Bar ist toll. Sie ist modern, aber gemütlich eingerichtet und was am allerwichtigsten ist: Sie hat einen riesigen Außenbereich, in einer Art Innenhof ,der mit Sand aufgeschüttet wurde und so die Atmosphäre eines Beachclubs versprüht. Dort ist man vor neugierigen Blicken von der Straße geschützt und ist unter sich. Das Klientel dort ist bunt gemischt, von alt bis jung alles vertreten, wobei die Jungen Leute doch eindeutig in der Mehrheit sind. Hier und da gab es auch ein paar nette Gespräche mit anderen Jungs, aber den Großteil des Abends verbrachten Max und ich zusammen und genossen es, uns nicht mit gegenseitigen Liebesbekundungen zurückhalten zu müssen. Da wir ja am nächsten Morgen wieder fit sein mussten, blieb es bei 3 Radlern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Wir fuhren mit der S-Bahn bis zu unserer Station, auf dem Weg zum Campingplatz kamen wir am See vorbei. Und wenn sehen wir dort? Jonas, wie er ganz alleine mit traurigem Gesichtsausdruck am Steg hockt. Natürlich haben wir uns Sorgen gemacht, sind zu ihm hin und haben gefragt was los ist. Aber er meinte nur, dass er etwas Zeit zum nachdenken benötige und gern allein wäre. Natürlich haben wir seinen Wunsch respektiert, aber wir fragten uns auch, was da wohl im Schwimmbad vorgefallen ist. Also sind wir weiter gezogen und kaum haben wir den Campingplatz erreicht, kommt uns auch schon Luca entgegen, der auf der Suche nach Jonas ist. Also erzählten wir ihm von unserer seltsamen Begegnung mit Jonas, aber auch er konnte oder wollte uns nichts weiter dazu sagen und machte sich auf die Suche nach ihm. Später saßen wir dann noch alle zusammen im kleinen Biergarten am Campingplatz und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Luca und Jonas tauchten später auch noch auf und schienen sich wohl ausgesprochen zu haben, denn es war wieder alles in Ordnung zwischen den Beiden. Hmh, ich werde das Gefühl nicht los, dass Jonas Luca vielleicht ein bisschen zu sehr mag, aber vielleicht irre ich mich ja auch. Ich werde es auf jeden Fall weiter beobachten ...

Freitag, 07. September

Wir sind heute eigentlich alle relativ gut aus dem Bett gekommen, nur Luca und Jonas hatten wohl ein wenig verschlafen und ließen etwas auf sich warten. Naja, am Ende hatten sie es doch noch rechtzeitig geschafft, so dass wir pünktlich in unserem Block erschienen. Unsere Eltern waren natürlich ganz entzückt, dass Jonas nach so kurzer Zeit Studium schon so interessiert war, dass er auch am Bezirkskongress teilnehmen wollte und dementsprechend freundlich wurde er auch von ihnen begrüßt. Das Programm zog sich zäh hin, so dass ich am Ende heilfroh war, als es vorbei war. Nach Programmende beeilten wir uns dann auch, schnellstmöglich zum Campingplatz zurückzukehren, um noch etwas vom Tag zu haben. Die anderen wollten das schöne Wetter nutzen und den Rest des Tages am See verbringen, aber Max und ich seilten uns wieder unter einem Vorwand ab, da wir wieder in die Beachbar von gestern zurück wollten. Die Bar war noch besser besucht als gestern und die Stimmung war einfach großartig. Da wir keinen freien Tisch mehr ergattern konnten, fragten wir ein junges Paar in unserem Alter, ob wir uns zu ihnen setzten könnten. Die zwei waren sofort einverstanden und stellten sich uns als Paul und Flo vor. Wir verstanden uns auf Anhieb prächtig mit den Zweien und hatten eine Menge Spaß. Zu unserem Leidwesen gab es heute auch noch eine Cocktail Happy Hour, so dass wir entgegen unserem ursprünglichen Plan Cocktails statt Radler tranken. Leider machte sich die Wirkung des Alkohols nach einigen Cocktails dann doch bemerkbar und wir wurden immer alberner. Irgendwann stellten wir dann mit Schrecken fest, dass wir schon ziemlich spät dran waren und uns um die Sperrstunde einzuhalten, langsam auf den Weg machen müssen. Erst auf den Weg nach Hause merkten wir, dass wir doch schon ziemlich blau waren, wir hatten echt Schiss, dass wir Jakob und Jonathan in die Arme laufen und sie uns bei unseren Eltern verpetzen. Am Campingplatz angekommen, versuchten wir daher möglichst leise zu sein, um unbemerkt zu unserem Zelt zu gelangen, was uns aber, da wir immer wieder kichern mussten, nicht ganz gelang:-) Zu unserem Glück wurden wir aber nur von Luca, Finn und Jonas bemerkt. Von Luca durften wir uns erst mal eine Standpauke anhören, warum wir uns so abgeschossen hätten und das wir großen Ärger bekommen, wenn Jakob und Jonathan das herausbekommen würden. Luca schickte uns erst mal kalt duschen und, wie auf ein Stichwort hin, erschien dann auch der blöde Jonathan und war auf der Suche nach Max und mir. Oh man, um ein Haar wäre unsere Aktion aufgeflogen, aber die Jungs waren echt klasse. Während sich Luca mit uns in der Dusche versteckt hat, wurde Jonathan von Finn abgelenkt, der meinte uns eben noch im Biergarten gesehen zu haben. In der Zeit gingen Max und ich schnell kalt duschen, während Jonas uns zeitgleich einen Espresso besorgte. Durch die Dusche und den Espresso waren wir dann halbwegs wieder nüchtern, so dass wir es am Ende sogar noch kurz vor der Sperrstunde zu unseren Zelten schafften. Leider schienen Jonathan und Jakob vor unseren Zelt auf uns gewartet zu haben, so dass am Ende beinahe doch noch alles aufgeflogen wäre. Zum Glück übernahmen aber Luca und Finn das Wort, Max und mir gelang es währenddessen die Klappe zu halten. Da wir es noch vor der vereinbarten Sperrstunde in unsere Zelte geschafft hatten, konnten sie uns im Grunde nichts vorwerfen, so dass wir nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen sind:-)

Samstag, 08. September

Der nächste Morgen war echt die Hölle, man hatte ich Kopfschmerzen und Max ging es auch nicht viel besser. Aber für Jammern war keine Zeit, wir mussten uns wohl aber übel für den Kongress fertig machen. Den Eltern ist unser jämmerlicher Zustand zum Glück nicht aufgefallen, aber ich hatte echt Schwierigkeiten dem Programm zu folgen. Naja, die Tatsache, dass unser Vater mich und Luca immer zwang, ausführliche Notizen über das Gehörte zu schreiben, war in dem Fall gar nicht so schlecht, das half mir immerhin wach zu bleiben:-) Ich war aber heilfroh, als das Programm endlich zu Ende war und wir zum Campingplatz zurückkehren konnten. Da wir unseren letzten Abend nicht verschwenden wollten, machten wir uns auch diesmal wieder zu der Beachbar auf, während die anderen an den See wollten. Diesmal blieben wir aber brav bei alkoholfreien Getränken und kehrten diesmal auch rechtzeitig wieder zurück. Am Campingplatz angekommen, stellten wir fest, dass Jonas Zelt verschwunden war und er gleich mit. Luca erzählte uns irgendetwas von einem Unfall der Mutter und das Jonas deswegen gleich nach Hause gefahren wäre, aber ich kenne meinen Bruder und weiß, wenn er lügt und das war definitiv nicht die Wahrheit. Seltsame Geschichte, wieso lügt er, was ist zwischen den Beiden wirklich vorgefallen? Fragen über Fragen, aber hier ist etwas definitiv faul ...

Sonntag, 09.September

So, der Bezirkskongress ist vorbei. Es war echt schön dieses Jahr, was aber hauptsächlich an Max und meinem Rahmenprogramm lag als an dem Kongress selber:-) Schon vor Programmbeginn hatten wir unsere Zelte abgebaut, die Stimmung war aber am letzten Tag ein wenig gedrückt, was an der übereilten Abreise von Jonas lag, vor allem mit Luca war heute nicht viel anzufangen. So hüllte er sich auch die komplette Rückfahrt über in Schweigen, was meinen Eltern aber wohl nicht aufzufallen schien. Naja, wie auch immer, am Dienstag geht auf jeden Fall die Schule wieder los und darauf könnte ich echt verzichten, aber ich will mal nicht meckern, denn Luca hat es mit seiner Schule bedeutend schlechter getroffen als ich mit meiner. Immerhin habe ich Max und wir gehen sogar zusammen in eine Klasse und unsere Mitschüler lassen uns eigentlich auch in Frieden. Armer Luca, er wird in seiner Klasse echt heftig gemobbt und er hat niemand dort, der für ihn einsteht. Aber am schlimmsten ist, dass es unseren Vater scheinbar überhaupt nicht interessiert, ganz im Gegenteil, er meint auch noch, dass es Luca gut tun würde, dort auf sich allein gestellt zu sein und keinen anderen Zeugen Jehovas zu haben, hinter dem er sich verstecken könnte. Gut, zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass mein Vater vom Mobbing auch nichts weiß, weil Luca, der alte Sturkopf, einfach nicht will, dass er es erfährt, aber es sieht doch ein Blinder mit Krückstock, dass es Luca in dieser Schule einfach nicht gut geht, aber das ignoriert er mal wieder ...

Dienstag, 11. September

So, jetzt hat die Schule also wieder angefangen. Heute ist dort noch nichts weltbewegendes passiert, hauptsächlich ging es um organisatorische Dinge. Heute Nachmittag war doch tatsächlich Luca bei mir und hat mir endlich die Wahrheit über sich und Jonas erzählt. Also gut, der Reihe nach: Am Samstagnachmittag nach Programmende sind Luca, Finn, Jonas, Rahel und Lea also zum Campingplatz zurückgelaufen. Auf dem Weg dorthin ist ihnen wohl ein schwules Pärchen entgegen gekommen, dass sich mit öffentlichen Zuneigungsbekundungen nicht zurückgehalten hat. Finn hat sich daraufhin negativ über die Jungs geäußert, woraufhin er aber gleich von Rahel und Lea einen auf den Deckel bekommen hat. Jonas war danach sehr interessiert, wie die Zeugen das Thema Homosexualität handhaben und hat dann eben erfahren was Sache bei uns ist. Danach soll er sehr still und in sich gekehrt gewesen sein und als die anderen zum See wollten, blieb er zurück um angeblich mit seinen Eltern zu telefonieren, er versprach aber nachzukommen. Nach einiger Zeit wunderte sich Luca, wo denn Jonas abgeblieben war und machte sich alleine auf die Suche nach ihm. Als er dann am Campingplatz ankam, war Jonas samt Zelt verschwunden. Auf seine Nachfrage bei der Campingplatzverwaltung sagte man ihm, dass Jonas bereits ausgecheckt habe. Luca checkte dann die nächsten Bahnverbindungen nach Hause und machte sich auf den Weg zum Bahnhof, in der Hoffnung, Jonas noch zu erwischen. Er hatte tatsächlich Glück und traf ihn dort am Bahnsteig an. Er verlangte natürliche eine Erklärung für Jonas Verhalten und dann gestand er ihm, dass er schwul ist und die Ansicht der Zeugen Jehovas darüber natürlich nicht teilen kann. Außerdem sagte er, dass er das Heimbibelstudium sofort beenden will, dann stieg er in seinen Zug ein und ließ einen völlig überforderten Luca am Bahnsteig zurück. Luca war natürlich, wie man sich vorstellen kann, total verwirrt und wusste nicht, wie er jetzt mit Jonas Geständnis umgehen sollte. Danach legte Jonas heute noch einen drauf und outete sich bei seiner Vorstellung in Lucas Klasse vor versammelter Mannschaft - der Kleine hat echt Mut, ich könnte so etwas nie bringen. Auf jeden Fall haben sich, wie man sich vorstellen kann, Leon und seine Freunde natürlich gleich negativ darüber geäußert und Jonas sogar beschimpft. Aber Jonas Lehrerin ließ das nicht im Raum stehen, nahm Jonas in Schutz und schickte die 3 umgehend zum Direktor, mit dem Ergebnis, dass sie für den Rest der Woche vom Unterricht suspendiert wurden - Ha das geschieht den 3 Proleten sowas von Recht:-). Jonas war jetzt aber total überfordert und wollte wissen, was ich zum Thema Homosexualität denken würde. Ich teilte ihm meine Ansicht zu den völlig veralteten Ansichten der Zeugen mit und ich glaube, Luca war echt überrascht, dass ich eine so klare Meinung zu diesem Thema hatte. Um ein Haar hätte ich ihm von mir und Max erzählt, doch irgendetwas hielt mich zurück. Ich weiß nicht, ob es die Angst vor seiner Reaktion oder doch etwas anderes war, aber ich habe die perfekte Gelegenheit verpasst, meinem Bruder reinen Wein einzuschenken. Stattdessen hatte ich ihn gefragt, wie er darüber denkt und er versicherte mir, dass er trotz Jonas Homosexualität weiter mit ihm befreundet sein möchte und sich bei ihm für seine blöde Reaktion entschuldigen möchte, also ermutigte ich ihn, dass auch zu tun und verpasste gleich die nächste Gelegenheit für mein Outing. Diese Sache mit Luca und Jonas verwirrt mich etwas, ich spüre, dass Luca ihn auf jeden Fall sehr in Herz geschlossen hat, vielleicht auch mehr als das, aber da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher. Kann es sein, dass ich nicht der einzige homosexuelle in der Familie bin und sich Luca seine Gefühle für Jonas nur noch nicht eingestehen kann? Ich weiß es nicht, vielleicht ist das auch nur Wunschdenken von mir, aber ihn darauf anzusprechen, bin ich zu feige. In der Nacht gingen mir viele Gedanken durch den Kopf und ich fand keinen Schlaf, daher schreibe ich soeben diesen Eintrag und wurde doch gerade eben tatsächlich von Luca beim Schreiben in mein Tagebuch erwischt. Luca platzte einfach unangemeldet in mein Zimmer, panisch versuchte ich natürlich mein Tagebuch schnell verschwinden zu lassen, aber er hat es dennoch gesehen und machte noch einen blöden Witz darüber, ob ich denn immer noch Tagebuch schreiben würde. Ich wurde daraufhin echt sauer und machte ihn blöd an. Als er dann wie ein geschlagener Hund so vor mir stand, tat es mir sofort wieder leid und ich entschuldigte mich bei ihm. Luca wollte natürlich wissen, was mit mir los ist und wieso ich so komisch in letzter Zeit wäre. Anschließend war ich wirklich kurz davor, ihm endlich alles zu erzählen, bekam dann aber im entscheidenden Moment wieder Angst, stattdessen faselte ich etwas wie, dass alles in Ordnung wäre und es mir nie besser ginge und ich ihm, wenn der richtige Moment gekommen wäre, alles erzählen würde, aber ich bezweifle langsam, ob es diesen Moment überhaupt gibt. Und so hatte ich auch die dritte Gelegenheit für ein Outing verpasst - Glückwunsch Daniel, echt eine saubere Leistung. Ich wünschte, dass ich nicht so feige wäre ...

Sonntag, 16. September

Heute Abend stand Lucas Klassenfahrt nach Verona an und meine Eltern ließen ihn nur mit großen Bauchschmerzen daran teilnehmen. Unser Vater hatte vorher noch ewig mit Lucas Klassenlehrerin darüber diskutiert, ob Lucas Teilnahme denn unbedingt notwendig sei. Diese bestand aber darauf, da es sich dabei nicht um eine Klassenfahrt, sondern eine Exkursion handeln würde und das dort gelernte prüfungsrelevant sei, also musste Papa ihn wohl aber übel mitfahren lassen, aber nicht ohne ihn ständig daran zu erinnern, sich bloß schön von den anderen fernzuhalten und abends immer auf seinem Einzelzimmer zu bleiben, was er wenigstens erfolgreich bei Lucas Lehrerin durchfechten konnte. Luca hatte die ganze Woche erfolglos versucht, sich bei Jonas zu entschuldigen, doch er zeigte ihm die kalte Schulter. Ich ermutigte ihm, diese Klassenfahrt dazu zu nutzen, ihn zu stellen und endlich mit ihm zu reden und genau das hat er jetzt auch vor. Ich habe mir dieses Wochenende viele Gedanken gemacht und auch mit Max darüber geredet, dass ich es einfach nicht fertig bringe, mich vor meiner Familie zu outen, nicht einmal vor Luca und auch Max ging es bei seiner Familie nicht anders. Wir wollen aber endlich frei leben können, uns nicht mehr verstecken müssen und wir sind uns einig, dass wir diese Situation keine 2 Jahre mehr durchhalten, daher haben wir eine Entscheidung getroffen: Wir wollen weg von hier, zusammen abhauen quasi. Wir haben das ganze Wochenende mit Recherchen im Internet verbracht und eine Beratungsstelle gefunden, für Jugendliche die aus einer Sekte rauswollen. Das Problem ist nur, diese Beratungsstelle ist in Berlin, wir haben dort auch schon angerufen und sie wollen uns tatsächlich helfen. Wir haben am Dienstagnachmittag auch schon einen Termin bekommen, daher haben wir geplant, am Dienstagmorgen statt in die Schule zu gehen, mit dem Zug nach Berlin zu fahren. Die Tickets sind bereits gekauft, wir haben dafür unsere letzten Kröten zusammengekratzt. Oh man, ich kann es noch gar nicht glauben, ich bin so aufgeregt. Ich weiß, dass es ziemlich feige von uns is,t und es tut mir auch Leid, vor allem Luca gegenüber, aber wir können einfach nicht anders. Ich werde Luca einen Brief schreiben und ihm alles erklären. Ich hoffe das er mich dann wenigstens eines Tages verstehen wird ...

Montag, 17. September

Papa war heute fuchsteufelswild, weil Luca sich nicht wie vereinbart telefonisch gemeldet hatte und versuchte pausenlos ihn zu erreichen - ohne Erfolg. Erst am späten Abend hatte er sich dann doch gemeldet und durfte sich dann erst einmal einen gehörigen Anschiss abholen. Mein Gott, er war so müde von der langen Reise, dass er vergessen hatte anzurufen, eigentlich kein Weltuntergang sollte man meinen, aber nicht so für unseren Vater, er musste mal wieder ein riesen Theater machen. Man, wenn der wüsste, was ich und Max morgen vorhaben, der würde garantiert durchdrehen und der Vater von Max ist auch nicht viel besser. Aber bis die das gecheckt haben sind wir schon in Berlin und dann endlich in Sicherheit. Oh man, ich bin so aufgeregt, hoffentlich geht alles glatt morgen. Habe gerade nochmal mit Max telefoniert und wir sitzen beide schon auf gepackten Koffern und sind aufbruchbereit ...

Dienstag, 18. September

Am Morgen war ich schon weit vor meinem Wecker wach, da ich vor lauter Aufregung kaum ein Auge zugebracht hatte. Ich konnte es noch gar nicht glauben, dass Max und ich in ein paar Stunden in Berlin und endlich frei sein würden. Wir würden in Berlin wie ein normales Paar leben können und uns nicht mehr verstecken müssen, ich konnte es kaum erwarten. Ich checkte nochmal mein Gepäck um sicher zu gehen, dass ich auch nichts vergessen hatte. Den Abschiedsbrief für Luca, indem ich ihm alles erklärte, hatte ich noch in der Nacht fertig geschrieben und legte ihn in sein Zimmer, unter sein Kopfkissen. Ich nahm dann noch am obligatorischen Frühstück teil, damit meine Eltern keinen Verdacht schöpfen würden. Danach schlich ich mich dann, samt Gepäck nach unten, rief meinen Eltern noch eine Verabschiedung zu und machte mich schnellstmöglich davon. Als ich die Türe zugezogen hatte, rannte ich fast schon um auf den letzten Metern nicht doch noch von meinen Eltern erwischt zu werden, aber es klappte alles - ich machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle und nahm den nächsten Bus in Richtung Hauptbahnhof. Es war noch eine gute Stunde bis zur Abfahrt unseres Zuges, noch im Bus schrieb ich Max eine SMS, ob er schon unterwegs sei und er schrieb mir zurück das er auch in 5 Minuten aufbrechen würde. Oh man, ich war so aufgeregt, hoffentlich würde alles glatt gehen. Kurze Zeit später war ich dann am Hauptbahnhof angekommen, es war noch eine gute dreiviertel Stunde bis zur Abfahrt unseres Zuges, aber da ich die Anspannung einfach nicht mehr aushielt schrieb ich Max noch eine SMS, ob er schon unterwegs sei, bekam aber keine Antwort. Erst dachte ich mir nichts dabei, aber mit zunehmender Zeit wurde ich dann doch echt nervös. Die Uhr tickte langsam runter, ohne ein Lebenszeichen von Max zu erhalten. Scheiße, er musste von seinen Eltern erwischt worden sein. Panisch rief ich ihn immer wieder an, doch er nahm einfach nicht ab. Ich überlegte krampfhaft was ich jetzt tun sollte - ohne Max fahren und ihn hier einfach zurücklassen? Nein, das konnte ich einfach nicht, also verbrachte ich die nächsten Minuten mit warten und bangen. In dem Moment, als ich schon keine Hoffnung mehr hatte und es nur noch 10 Minuten bis zur Abfahrt unseres Zuges waren, sah ich ihn endlich und mein Herz machte einen Sprung vor Freude. Ich hatte mir echt schon Sorgen gemacht, dass er von seinen Eltern erwischt worden ist, aber jetzt würde doch noch alles gut werden. Heute Nachmittag wären wir in Berlin - endlich frei und in Sicherheit. Warte, meine Augen mussten mir einen Streich spielen, hinter Max sah ich unsere beiden Väter, in schnellen Schritten auf mich zukommen. Nein, das konnte nicht sein, ich musste mir vor lauter Angst das nur einbilden. Ich stand da wie erstarrt und mein Gehirn konnte einfach nicht verarbeiten, was ich da sah. Erst als ich die Stimme meines Vaters wahrnahm, der nach mir rief, erwachte ich auch meine Starre und nahm meine Beine in die Hand. Doch es war zu spät, mein Vater hatte mich bereits erreicht und hielt mich fest. Ich konnte es nicht glauben, Max, der Mensch den ich am meisten auf dieser Welt vertraute, hatte mich verraten. Nein, das konnte nicht sein, dafür musste es eine andere Erklärung geben, Max würde so etwas niemals tun. Mein Vater redete auf mich ein, dass ich doch endlich Vernunft annehmen sollte, aber dennoch versuchte ich mich seinem Griff zu entziehen. Max Vater meinte dann noch, dass Max ihm heute morgen alles gebeichtet und uns vor einen großen Fehler bewahrt hätte. Ich konnte es nicht glauben, was ich da hörte, ich sah Max an, doch er wagte es kaum meinem Blick standzuhalten und in dem Moment wusste ich, dass es stimmte. Ich brach danach völlig in mich zusammen und konnte meine Tränen nicht länger zurückhalten. Ich fühlte mich so leer und ließ mich widerstandslos von meinem Vater nach Hause bringen. Zu Hause angekommen redete mein Vater auf mich ein, dass ich jung und verwirrt sei, aber diese Gefühle für Max wieder vorbei gehen, wenn ich Glauben haben und dagegen ankämpfen würde. Ein letzter Funke Widerstand regte sich daraufhin in mir und ich schrie meinen Vater an, dass Max und ich uns lieben würden. Daraufhin bekam ich eine von ihm gescheuert und dann war er derjenige, der mich anschrie. Er meinte, dass das doch keine Liebe sei. Ich wäre nur jung und verwirrt, aber er würde mir schon helfen, wieder auf den rechten Weg zurückzukehren. Außerdem sagte er, dass ich jetzt Ruhe bräuchte und erst mal aus diesem schlechten Umfeld hier raus müsste. Er hätte bereits mit Opa gesprochen, dort würden wir jetzt hinfahren und gemeinsam würden sie mir helfen, wieder auf den Weg der Tugend zurückzufinden. Verzweifelt sah ich meine Mutter an, die plötzlich im Raum erschien, doch sie ignorierte meine stummen Hilfeschreie und meinte nur, dass es wohl jetzt das Beste für mich sei. Also ließ ich mich von meinem Vater ins Auto packen und wir traten die gut zweistündige Autofahrt zu den Großeltern an. Ich hatte nie ein besonderes Verhältnis zu ihnen, sie standen in Strenge meinem Vater in nichts nach, auch Luca hatte keinen Draht zu ihnen. Die Eltern meiner Mutter mochten wir immer viel lieber, sie waren viel liberaler und echt lieb gewesen, aber leider starben sie vor 2 Jahren bei einem Autounfall. Bei den Großeltern angekommen, wurde ich knapp begrüßt und sollte mein Gepäck gleich ins Gästezimmer bringen. Danach begann die Tortur: Ich sollte ins Arbeitszimmer meines Großvaters kommen und mich auf einen bereitgestellten Stuhl setzen. Danach redeten die Beiden mit der Bibel bewaffnet abwechselnd auf mich ein und beteten immer wieder für mich, dass ich doch die Kraft finden möge, gegen diese schändliche Begierde anzukämpfen. Den ganzen Tag ging das so, wir unterbrachen nur kurz, um etwas Nahrung zu uns zu nehmen. Irgendwann am Abend klingelte dann das Handy meines Vaters und er verließ den Raum. Ich habe aber trotzdem mitbekommen, dass es sich bei dem Anrufer um Luca handelte, der sich diesmal pflichtbewusst meldete. Kurze Zeit später wurde ich dann ins Bett geschickt, aber obwohl ich echt müde war, wälzte ich mich nur die ganze Nacht im Bett herum und immer wieder kamen mir die Tränen, bis ich mich dann aber letztendlich in den Schlaf weinte ...

Freitag, 21. September

Die letzten Tage bestanden immer aus dem gleichen Programm: Ich musste mich in Opas Arbeitszimmer auf den Stuhl setzen, während Opa und Papa abwechselnd auf mich einredeten, mit mir beteten oder aus der Bibel vorlasen. Sie redeten mir ein, dass ich mich auf den falschen Weg befand, der direkt in die Vernichtung führt und wenn ich nicht umkehren würde, würde ich nicht ins Paradies kommen. Mein Vater meinte, dass er mit Max Vater telefoniert hätte und Max bereits weiter als ich sei und aufrichtig bereuen würde. Am Ende glaubte ich ihnen fast schon sogar, aber dann regte sich doch noch ein letzter Funken Widerstand in mir. Ich verlangte sofort mit Max sprechen zu können, ich wollte es aus seinem eigenen Mund hören. Nach langer Diskussion willigte mein Vater schließlich ein und stellte den Kontakt zu Max her. Er gab mir dann schließlich den Telefonhörer, aber vorher schickte ich Opa und Papa noch aus dem Raum. Diese kamen meiner Aufforderung zwar nur widerwillig nach, aber ich konnte ihnen klarmachen, dass ich ansonsten nicht kooperieren würde. Als ich Max Stimme am Ende der Leitung hörte, konnte ich meine Tränen nicht länger zurückhalten. Zuerst fragte ich ihn, was überhaupt genau passiert sei und wieso er mit unseren Vätern im Schlepptau am Bahnhof aufgetaucht war. Er meinte, dass sein Vater im kurz vor der Haustür mit seinem Gepäck erwischt habe und eine Erklärung von ihm forderte. Dann sei er zusammengebrochen und hätte seinen Eltern schließlich alles erzählt. Danach rief sein Vater meinen an und kurze Zeit später fuhren sie zum Bahnhof, um mich daran zu hindern nach Berlin zu fahren. Er beteuerte mir, dass er mich nicht verraten wollte, aber der Druck sei einfach zu groß für ihn gewesen. Er meinte, er hätte die letzten Tage genug Zeit zum nachdenken gehabt und wäre sich jetzt sicher, dass die Sache zwischen uns ein großer Fehler war. Wir hätten Freundschaft mit Liebe verwechselt und hätten uns vor Gott versündigt. Ich konnte einfach nicht glauben, was ich da hörte und flehte Max an, unsere Liebe nicht aufzugeben. Ich erkannte meinen Max gar nicht mehr wieder, als er emotionslos meinte, dass es wohl besser sei, wenn wir uns eine Weile nicht sehen würden, danach legte er auf. Ich brach danach völlig in mich zusammen und wurde von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt. Papa und Opa redeten immer wieder beruhigend auf mich ein und meinten, dass es noch nicht zu spät sei, von meinem verkehrten Weg umzukehren. Ohne Max machte eh alles keinen Sinn mehr, daher ergab ich mich schließlich meinem Schicksal und versuchte auch meinerseits zu bereuen. Am Abend fuhr mein Vater wieder nach Hause, da Luca morgen aus Verona zurückkehren würde. Ich flehte ihn an mich mitzunehmen, aber er meinte, dass ich noch nicht soweit sei, aber mich auf einen guten Weg befinden würde. Ich liege gerade mitten in der Nacht wach und frage mich, ob wir uns tatsächlich in etwas verrannt haben. Vielleicht hatte Opa Recht und es war nur eine schwere Prüfung des Teufels, die ich zu bestehen hatte. Ach, ich weiß gerade gar nichts mehr, mein Kopf ist so leer ...

Sonntag, 23. September

Ich weiß nun, dass Max und ich einen großen Fehler begangen haben und uns vor Gott versündigt haben. Ich bin aufrichtig bereit zu bereuen und von meinem falschen Weg umzukehren und davon konnte ich auch meinen Opa überzeugen, so dass ich endlich nach Hause durfte. Heute Nachmittag wurde ich von meinem Vater abgeholt. Zu Hause angekommen verstaute ich erst meine Sachen in meinem Zimmer. Währenddessen kam ein völlig aufgeregter Luca nach Hause und gleich in mein Zimmer gestürmt. Er erzählte mir von seinem Verona Trip und dass er sich endlich mit Jonas ausgesprochen habe, er kam auch gerade von ihm, da er noch etwas Nachhilfe in der Schule bräuchte. Mein Bruder war ganz aufgekratzt und so gut drauf, wie seit langem nicht mehr. Für eine längere Unterhaltung blieb keine Zeit, da wir von Mama zum Essen gerufen wurden. Nach dem Essen verzog sich Luca gleich wieder mit mir auf mein Zimmer und wollte natürlich wissen, was das für eine komische Geschichte war, die ihm von meinem Vater aufgetischt worden ist. Er konnte nicht verstehen, wieso ich zu den Großeltern gebracht wurde, nur weil ich krank war, aus angeblicher Sorge, dass er sich bei mir anstecken würde. Ich wurde natürlich auf der Fahrt nach Hause bereits von meinem Vater gebrieft, dass ich auch ja seine Geschichte bestätigen würde und das tat ich dann auch. Obwohl Luca immer noch nicht so recht überzeugt davon war, ließ er es auf sich beruhen. Allerdings sprach er mich noch auf eine andere Sache an: Er hatte sich heute morgen in der Versammlung mit Max unterhalten und da war ihm wohl aufgefallen, dass unser Verhältnis ein wenig abgekühlt war. Also fragte er mich offen, ob Max und ich Streit hätten. Wie kam ich auch dieser Nummer jetzt bloß wieder raus? Es gelang mir, mich rauszureden, dass wir zwar gestritten hätten, es aber nichts weltbewegendes war und das wohl in den besten Freundschaften mal vorkommen würde. Ich konnte ihm an seinem Gesicht ansehen, dass er mir nicht wirklich glaubte und um einer weiteren Konfrontation zu entgehen, schickte ich ihm unter dem Vorwand plötzlich aufkommender Müdigkeit aus meinem Zimmer. Ich liege gerade auf meinem Bett und denke nach: Morgen würde ich zum ersten Mal seit dem Tag am Bahnhof Max in der Schule wiedersehen. Ich wusste nicht so recht, wie wir jetzt in Zukunft miteinander umgehen sollten. Max wollte Abstand, das hat er mir ja so auch am Telefon gesagt und ich konnte das mittlerweile auch verstehen. Die Sache zwischen uns ging einfach nicht - es widersprach allem was wir unser Leben lang gelernt hatten. Habe ich noch Gefühle für Max? Klar habe ich die, so etwas legt sich nicht von heute auf morgen, aber ich bin entschlossen, dagegen anzukämpfen und vielleicht können wir dann irgendwann doch wieder befreundet sein. Ach, ich weiß auch nicht ...

Montag, 24.September

Meine erste Begegnung mit Max in der Schule heute verlief sehr kühl, wir wussten beide nicht so recht, über was wir reden sollten. Früher verstanden wir uns ohne Worte und jetzt ist er mir ganz fremd geworden. Den Großteil des Schultages verbrachten wir daher schweigend, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Ich für meinen Teil kann meine Gefühle ihm gegenüber einfach nicht abstellen, dass wir uns jeden Tag in der Schule sehen müssen, ist da nicht gerade hilfreich. Den Nachmittag verbrachte ich mit Hausaufgaben machen, dass lenkte mich wenigstens von meinem Liebeskummer ab. Am Abend stand dann wieder das Buchstudium bei uns zu Hause an. Wie immer waren auch Max und seine Eltern wieder mit von der Partie, aber diesmal waren sie nicht allein. Max hatte irgendsoeine Tussi dabei, die er uns als Katrin vorstellte. Auf Lucas Frage hin, um wenn es sich denn bei seiner Begleitung handelte, stellte er sie uns als seine neue Freundin vor. Sie hätten sich wohl vor einem Monat oder so kennengelernt, als sein Vater einen Vortrag als Gastredner in Katrins Versammlung hielt. Sie hätten sich sofort gut verstanden und wären in Kontakt geblieben und seit kurzem ein Paar. Meine Eltern waren natürlich ganz entzückt, ich hätte am liebsten gleich losgeflennt. Wie konnte Max nur so schnell über mich hinwegkommen? Er konnte mich nie richtig geliebt haben, zumindest nicht so wie ich ihn. Meine Reaktion auf diese Neuigkeit fiel dementsprechend kühl aus, was den anderen auch nicht verborgen blieb. Aber das war mir in diesem Moment scheißegal. Was waren unsere Eltern nur für Heuchler, sie wussten alle von mir und Max und taten so, als wäre nie etwas gewesen. Der brave Max hat jetzt endlich Vernunft angenommen und hat auch gleich in Rekordzeit eine passable Schwiegertochter für die lieben Eltern präsentiert. Am liebsten wäre ich gleich in mein Zimmer abgehauen, aber um den schönen Schein zu waren, musste ich die Stunde Buchstudium durchhalten. Ich konnte dem Gesagten überhaupt nicht folgen, immer wieder wanderten meine Blicke zu Max und Katrin, die demonstrativ die ganze Zeit über Händchen hielten. Mir wurde schlecht von so viel Verlogenheit und kaum war das Buchstudium beendet, verzog ich mich gleich auf mein Zimmer. Mir war schon klar, dass es ein Nachspiel geben würde, denn mein Vater erwartete stets, uns höflich an den Konversationen zu beteiligen und zu bleiben, bis der letzte Gast das Haus verlassen hat. So kam es dann auch, kaum verließ der letzte Gast unser Haus, stampfte mein Vater auch schon wütend in mein Zimmer und machte mir dort eine riesen Szene: Dass ich, solange meine Füße unter seinem Tisch sind, sein Regeln zu befolgen habe und das ich es nicht wagen soll, nochmal so unhöflich seinen Gästen gegenüber zu sein und dergleichen bla bla. Ach ja außerdem verdonnerte er mich noch zu einer Woche Hausarrest - also nach der Schule gleich nach Hause, was mich aber nicht sonderlich kratzte, da ich eh nicht wüsste, wohin ich sonst gehen sollte. Ich ließ die Gardinenpredigt einfach über mich ergehen, ohne irgendwelche Kommentare und war froh, als er endlich mein Zimmer verließ. Später kam dann auch noch Luca zu mir und wollte wissen, was mit Max und mir los ist. Er verlangte, dass ich ihm endlich die Wahrheit erzählen soll. Für einen Moment war ich tatsächlich versucht, die Bombe platzen zu lassen und ihm alles zu erzählen. Ich blieb aber dann doch bei der Streitversion und erweiterte sie nur in der Hinsicht, dass wir auch wegen seiner plötzlichen Beziehung zu Katrin gestritten hätten, weil er mir die ganze Zeit nichts von ihr erzählt hätte. Danach schickte ich ihn aus meinem Zimmer, ich wollte allein sein ...

Dienstag, 25.September

Dies wird vermutlich mein letzter Eintrag sein und ich widme ihn meinen Bruder. Ich habe, nachdem Luca mein Zimmer verlassen hat und ich meine Eltern noch unten diskutieren gehört habe, die Schlaftabletten meine Mutter aus ihrem Nachtisch geklaut. Später, als alles ruhig im Haus war, bin ich runter um eine Flasche Jack Daniels aus unserer Hausbar zu entwenden. Zurück in meinem Zimmer verriegelte ich die Tür und begann mir den restlichen Inhalt der Packung Schlaftabletten reinzupfeifen und mit Jackie runter zu spülen. Ich will einfach nichts mehr fühlen und solange ich noch bei klaren Kopf bin, will ich meinem Bruder noch einen Abschiedsbrief schreiben, falls ich das nicht überleben sollte.

Lieber Luca,

du sollst wissen, dass ich dich unendlich liebe und immer geliebt habe. Mach dir bitte keine Vorwürfe, du kannst überhaupt nichts dafür, ganz im Gegenteil, du warst immer meine große Stütze. Du und ich haben immer wie Pech und Schwefel zusammengehalten und uns mehr als einmal aus schwierigen Situationen herausgeboxt. Ich denke, dass ich einen großen Fehler gemacht habe, weil ich mich dir nicht anvertraut habe, wer wenn nicht du, hätte mich verstanden? Das weiß ich jetzt und es tut mir leid, dass ich so feige war. Ich habe dich schon immer für deine Stärke bewundert, du warst es immer, der unseren Vater die Stirn geboten hat – etwas, was ich selbst bis zuletzt nicht konnte. Du musst wissen, dass ich Max über alles liebe und es einfach nicht aushalte, diese Liebe nie leben zu dürfen. Bitte mach Max keine Vorwürfe, er kann doch auch nichts dafür, er hat sich in sein Schicksal gefügt und tut, was seine Eltern von ihm verlangen, aber ich bin mir sicher, dass er damit nicht glücklich wird. Vielleicht lehne ich mich jetzt zu weit aus dem Fenster, aber ich glaube, dass du mehr für Jonas empfindest als nur Freundschaft. Verstehe mich nicht falsch, Rahel ist ein tolles Mädchen, aber deine Augen leuchten nur so wirklich, wenn du von Jonas erzählst. Wenn ich Recht habe und du Jonas wirklich liebst, mach bitte nicht den gleichen Fehler wie ich. Es ist egal was in der Bibel stehen mag, jede Liebe ist gleich viel Wert. Du wirst nur wirklich glücklich werden, wenn du auf dein Herz hörst. Ich weiß, dass du stark bist Luca, wenn es einer schafft, dann du. Ich war leider viel zu feige, um mich aus meiner Situation zu befreien. Du aber wirst es schaffen: Mach dich frei von unserem Vater und den Zeugen, geh deinen eigenen Weg und versprich mir glücklich zu werden.

PS: Bitte verzeihe mir das ich dich einfach so im Stich lasse, ich weiß, dass es wirklich erbärmlich und feige von mir ist. Bitte mach keinen Scheiß, weil du meinst, mich sonst nicht im Paradies wiederzusehen. Wer sagt uns, dass es so etwas tatsächlich gibt? Ich für meinen Teil glaube nicht mehr daran. Schaffe dir dein Paradies jetzt, genieße das Leben und höre vor allem auf dein Herz. Ich werde immer in deinem Herzen weiterleben.

In ewiger Liebe Daniel

Den meisten Teil des Tagebuches hatte ich mir von Rahel vorlesen lassen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Jetzt brachen bei mir alle Dämme und ich schluchzte hemmungslos, auch Rahel konnte ihre Tränen nicht länger zurückhalten. Sie nahm mich ganz fest in den Arm und wir weinten einfach nur zusammen, ohne ein Wort zu sprechen. Rahel war die erste, die ihre Stimme wiederfand:

“Stimmt es was Daniel vermutet hat, liebst du Jonas.”

Meine Augen fühlten sich erneut mit Tränen, unfähig ihr eine Antwort zu geben, nickte ich einfach nur.

“Weißt du im Grunde meines Herzens, habe ich es immer gewusst. Ich denke, ich wollte es einfach nur nicht wahrhaben, weil ich dich so wahnsinnig liebe. Ganz schön egoistisch von mir, was?”

Das war der Moment, in dem auch ich meine Stimme wiederfand.

“Nein, du bist überhaupt nicht egoistisch. Du bist der beste und liebste Mensch, den ich kenne und ich liebe dich auch, nur auf eine andere Weise. Es tut mir so leid, bitte glaube mir, dass ich dir nie weh tun wollte. Ich wollte doch einfach nur Daniel im Paradies wiedersehen und dafür musste ich Jonas vergessen.”

Jetzt weinten wir beide hemmungslos. Plötzlich stand Rahel auf und spielte auf ihrem Handy unser Lied ab.

“Schenkst du mir noch einen letzten Tanz?”

“Immer.”

Wir tanzen eng umschlungen zu unserem Lied und wischten uns gegenseitig die Tränen aus dem Gesicht. Nachdem der Song geendet hatte, meinte Rahel:

“Worauf wartest du? Pack deine Sachen zusammen und geh zu ihm.”

Als ich keine Anstalten zu reagieren machte, legte sie noch nach:

“Luca, du bist der wichtigste Mensch auf der Welt für mich und ich will, dass du glücklich wirst. Ich wollte immer nur, dass du glücklich bist. Wie viel Zeit benötigst du zum packen? Ich schau nach, ob die Luft rein ist.”

Jetzt endlich erwachte ich aus meiner Erstarrung und packte schnell das nötigste Zeug zusammen. In diesem Haus würde ich es keine Nacht länger aushalten, nicht nachdem was mein Vater Daniel angetan hat. Kurze Zeit später kam Rahel wieder und meinte, dass niemand mehr im Haus wäre. Also schnappte ich mir meine Reisetasche und hinterließ noch eine Notiz, damit meine Eltern nicht gleich die Polizei rufen würden:

“Ich habe Daniels Tagebuch gefunden und weiß jetzt alles, auch was ihr ihm angetan habt. Ich werde keinen Tag länger in diesem Haus bleiben. Sucht nicht nach mir.”

Ich legte den Zettel auf den Esstisch und verließ mit Rahel zusammen das Haus.

“Was hast du jetzt vor, fährst du gleich zu ihm?”

“Nein, ich habe ihm sehr weh getan, weißt du? Ich glaube nicht, dass er mir gleich verzeihen wird. Ich werde erst mal versuchen, bei Marie aus meiner Klasse unterzukommen. Sie meinte, als wir noch befreundet waren, dass ich Tag und Nacht zu ihr kommen könnte, wenn ich Probleme habe und ich nehme sie jetzt beim Wort. Vorausgesetzt, die redet überhaupt noch mit mir, schließlich habe ich ja auch ihr die Freundschaft gekündigt.”

“OK, ich wünsche dir alles Glück dieser Welt und bitte bleib mit mir in Kontakt.”

“Versprochen.”

Ein letztes Mal nahmen wir uns nochmal ganz fest in dem Arm.

Danach setzte ich mich auf mein Fahrrad und machte mich auf den kurzen Weg zu Marie. Ich schloss mein Fahrrad in ihrem Vorgarten ab und legte mir meine Entschuldigung zurecht, die ich ihr sagen wollte. In dem Moment als ich gerade die Türklingel betätigen wollte, kam Marie aus der Tür gestürmt und wäre beinahe mit mir zusammengestoßen. Entgeistert sah sie mich und meine Reisetasche an:

“Was machst du hier. Ich denke wir sind keine Freunde mehr? Das hast du mir zumindest deutlich zu verstehen gegeben.”

“Ja, ich weiß und ich muss mich aufrichtig bei dir entschuldigen. Es war echt nicht fair, wie ich dich und vor allem Jonas nach Daniels Tod behandelt habe. Es tut mir echt leid und ich will es wieder gut machen.”

“Ach ja und du meinst mit einer einfachen Entschuldigung hat es sich getan und alles ist wieder in Ordnung?”

“Nein natürlich nicht. Hör zu, mir geht es echt scheiße, mein ganzes Leben fliegt mir gerade um die Ohren. Du hast mir doch mal gesagt, dass ich immer zu dir kommen kann wenn ich nicht mehr weiter weiß. Und ich weiß gerade echt nicht mehr weiter. Ich weiß auch, dass ich kein Recht habe, diesen Gefallen von dir einzufordern, aber ich kann nicht mehr nach Hause zurück und weiß nicht wohin. Bitte Marie”, die letzten Worte brachte ich nur mit tränenerstickter Stimme heraus.

Plötzlich zuckte Marie ihr Handy und schien jemand anrufen zu wollen.

“Ja hi, ich bins Marie, hör zu Lisa: Ich muss leider absagen, mir ist ein Notfall dazwischen gekommen. Ich erkläre es dir morgen, ok. Ja danke, dir auch.”

“Ok Mister, du kommst jetzt mit mir in mein Zimmer und dann redest du. Ich will die ganze verdammte Geschichte hören, hast du verstanden?”

“Danke Marie, ich werde dir alles erklären, versprochen.”

“Ach komm schon her du Blödmann”, sprachs und nahm mich fest in ihre Arme.

“Ich habe dich vermisst, weißt du?”

“Ja, ich dich auch”, meinte ich und musste schon wieder leicht grinsen.

“Na los, worauf wartest du, steh hier nicht so rum wie angewurzelt, auf in mein Zimmer”, lachte sie.

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